Größtes Werk des 20. Jahrhunderts (subjektiv)
#1
Geschrieben 01.09.2011 - 15:34 Uhr
Ich Beginn mal mit Henryk Nikolai Gorecki´s Symphony Nr. 3 "Sorrowful Songs" aus dem Jahr 1976
hier der 2 Satz!
Für mich persönlich das größte und schönste Musikwerk des 20 Jahrhunderts! Einfach ohne große krampfhafte musikalische Experimente und in Form und Wirkung überwältigend!!
Beste Einspielung ist nicht die von Zinnman mit Dawn Upshaw sondern diese
http://www.amazon.de.../ref=pd_sim_m_2
#2
Geschrieben 01.09.2011 - 15:37 Uhr
Die Gorecki-Sinfonie zähle ich übrigens sicher nicht dazu - es gibt weitaus interessantere und schönere Minimal Music als dieses Gewaber aus 3 - 4 Akkorden.
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#3
Geschrieben 01.09.2011 - 15:56 Uhr
Ganz klar
Havergal Brians
Symphony Nr. 1: "The Gothic"
Hier vereint Brian ein Orchester von 194 Musikern inklusive 48 Blechbläsern, 6 Paukisten und 20 Schlagzeugern, 7 Flöten etc. zu einem über 100 minuten langem Werk. Laut Guinnesbuch der Weltrekorde die größte bekannte Symphonie.
Da ich aber auch verstanden habe, dass es um wichtige Schlüsselwerke gehen soll..."Sacre", "L'histoire d'un soldat" von Strawinsky, "Pierrot Lunaire" von Schönberg, "Wozzeck" und das Violinkonzert von Alban Berg, "Hyperprism" von Varèse, Symphonien Nr. 2-4 von Ives sowie seine beiden Orchestral Sets, "Die Soldaten" von Zimmermann, Vaughan Williams' Symphonien, Schostakowitschs "Nase"...
es ist also schlichtweg unmöglich, EIN Werk herauszufiltern. Das könnte ich vor meinem Gewissen gar nicht verantworten, denn irgendeiner meiner Lieblingskomponisten würde sich dann auf den Schlips getreten fühlen, nicht genannt worden zu sein ![]()
#4
Geschrieben 01.09.2011 - 15:57 Uhr
Zitat
Na super - erste Antwort und schon wird draufgeholzt - SUPER Sebastian DANKE!
Aber ich denke das ist genau dein Grundproblem mit dem Verständnis von Musik.... alles muss innovativ und neu sein, für mich ist genau diese Abkehr von Gorecki in seiner 3 Symphonie von diesen krampfhaften musikalischen Verränkungsübungen (das soll nicht abwertend sein) so Großartig. Für MICH perfekte zelebrierte Einfachheit mit großer Wirkung!
#5
Geschrieben 01.09.2011 - 16:22 Uhr
Gorecki ist meiner Meinung nach (und damit stehe ich nicht alleine da) einer der überbewertetsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, da er simpelste Mittel aufplustert, ohne viel damit auszusagen. Nichts gegen einfach gehaltene Musik, aber in dem Bereich gibt es deutlich Besseres und emotional Wahrhaftigeres.
#6
Geschrieben 01.09.2011 - 16:36 Uhr
Zitat
Auch ich steh mit meiner gegenteiligen Meinung nich alleine da, wenn man schon die Massen bemühen will! Aber eine Diskussion is hier wie immer sinnlos - lies einfach mal den Titel meines Posts (da steht SUBJEKTIV drin)
#7
Geschrieben 01.09.2011 - 16:53 Uhr
doylefan sagte am 01.09.2011 - 16:36 Uhr:
Ich dachte, wir wären hier allesamt Hörer mit einem gewissen Anspruch...
Nun ja, für mich ist Gorecki eben ein Klassik-Popstar, der das Massen-Bedürfnis nach sphärisch-ätherischer New-Age-Musik befriedigt und seine Musik viel größer klingen lässt, als sie eigentlich ist. Wenn schon einfach, dann bitte auch ehrlich einfach, z.B. wie das hier:
DAS ist ein Meisterwerk einfacher, aber ausdrucksstarker Musik. Wenn irgendwo in der Musik des 20. Jahrhunderts Gott wohnen sollte - dann hier.
#8
Geschrieben 01.09.2011 - 16:54 Uhr
Der angesprochene "Wozzeck" von Alban Berg vereint verchiedene Elemente gekonnt miteinander. Hier taucht der C-Dur-Akkord innerhalb des grötenteils atonal konzipierten Werks immer in Verbinung mit Geld auf - eine brillante Charakterisierung des Geldes als ein simpler und einfacher Gegenstand aus Metall oder Papier eingewoben in Bergs Mikrokosmos verschiedener verschmolzener Elemente und nicht stumpfe Provokation oder was auch immer bei Penderecki (dessen Werk ich übrigens sehr schätze).
#9
Geschrieben 01.09.2011 - 17:00 Uhr
Ich finde den C-Dur-Akkord am Ende wunderbar - und er ist nur im Kontext von Pendereckis Religiösität zu verstehen. Penderecki war nie ein radikaler Neuerer, sondern ein konservativer "Forscher", der in jungen Jahren die Natur des Klangs erforscht hat - das Zentrum seines musikalischen Denkens war trotzdem immer die Tonalität.
#10
Geschrieben 01.09.2011 - 17:13 Uhr
- Olivier Messian: "Quatour pour la fin du temps" (das 1941 in einem KZ entstandene Quartett für Klavier, Violine, Cello und Klarinette wäre ein schönes Gegenbeispiel für - in den langsamen Sätzen - einfache, aber unglaublich tiefempfundene und ausdrucksstarke Musik; wie ich geschrieben habe: wenn irgendwo in der Musik des 20. Jahrhunderts Gott zugegen sein sollte, dann hier...)
- Dmitri Schostakowitsch: "Cello-Konzert Nr. 1 Es-Dur" (1959 - für mich der musikalische Inbegriff von Schostakowitsch düster-melancholischer Tonsprache, tiefster und ehrlichster Ausdruck einer gequälten und gehetzten Seele)
- Dmitri Schostakowitsch: "Lady Macbeth von Mzensk" (1934 - aus seiner stürmischen Phase; die brutalste, vulgärste, düsterste Oper aller Zeiten)
- Béla Bartók: "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta" (1936 - das wilde und ungestüme Werk, das von seinen originellen Klangkombinationen aus Klavier, Celesta und Streichern lebt, ist eines der wichtigsten Impulsgeber für die Filmmusik Jerry Goldsmiths)
- Krzysztof Penderecki: "Polymorphia für 48 Streicher" (1961 - für viele sicher nur "Krach", für mich fast das aufregendste, was das 20. Jahrhundert zu bieten hat: Penderecki vereint hier sämtliche neuen, von ihm erfundenen Streicher-Spieltechniken - schlagen, kratzen, Spielen auf dem Saitenhalter, etc. - und entwirft ein einmaliges, emotional packendes Geräusch-Gemälde)
- Charles Ives: "Three Places in New England" (1914 - die witzigste und mitreißendste Collage, die ich kenne: Soldaten- und Kapell-Märsche, Kirchenlieder, Hymnen, klassizistische Tupfer und dissonante Cluster... alles vereint in einer Musik, die hochkomplex ist und Spaß macht)
- Charles Ives: Die Songs (ca. 1888-1921 - aus den 112 Songs kann ich mir gar keinen einzelnen heraussuchen: die Ives-Songs gehören für mich jedenfalls zu den genialsten und witzigsten Miniaturen des 20. Jahrhunderts >>> im Charles-Ives-Gedächtnis-Spätsommer-Thread stelle ich die Songs momentan vor)
- Arnold Schönberg: "Fünf Orchesterstücke op. 16" (1909 - so romantisch kann atonale Musik sein... hier hört man, wie sehr der frühe Schönberg noch vom Geist der Spätromantik geprägt ist: atonal, aber zutiefst emotional, stürmisch und "wild at heart")
- Alfred Schnittke: "Streichquartett Nr. 3" (1983 - "Polystilist" Schnittke kombiniert Themen und Motive aus dem "Stabat Mater" von Orlando di Lasso und aus Beethovens 16. Streichquartett mit Schostakowitschs DSCH-Motiv und eigenen Ideen - aus dieser Zitat-Kombination entsteht eines der schmerzhaft-intensivsten Streichquartette überhaupt, von idyllischster Ruhe bishin zum musikalischen Schmerzschrei ist hier alles vertreten)
- John Adams: "Century Rolls" (1996 - für mich eines der schönsten Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts und mein Lieblingswerk der (Post-)Minimal Music: sinnliche, prickelnde, sommerlich-erfrischende Musik, einfach nur herrlich!)
#11
Geschrieben 01.09.2011 - 18:09 Uhr
Zitat
Wichtiger als alles andere ist es seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden!
#12
Geschrieben 01.09.2011 - 18:37 Uhr
Sebastian Schwittay sagte am 01.09.2011 - 17:00 Uhr:
Ich finde den C-Dur-Akkord am Ende wunderbar - und er ist nur im Kontext von Pendereckis Religiösität zu verstehen. Penderecki war nie ein radikaler Neuerer, sondern ein konservativer "Forscher", der in jungen Jahren die Natur des Klangs erforscht hat - das Zentrum seines musikalischen Denkens war trotzdem immer die Tonalität.
Und was hat das mit Religiösität zu tun? Da scheint mir Penderecki manchmal etwas heuchlerisch zu sein. Gab's nicht auch mal die Diskussion, dass "Threnody for the victims of Hiroshima" der Titel für ein sogenanntes "Schubladenstück" war, den er einfach im Nachhinein raufgepappt hat, die Musik also schon lange vorher existierte und nicht für dieses Ereignis vorgesehen war?
#13
Geschrieben 01.09.2011 - 22:42 Uhr
Mephisto sagte am 01.09.2011 - 18:37 Uhr:
Ich interpretiere das Werk folgendermaßen:
"Polymorphia" bezieht sich auf die Vielgestalt der Natur - der Natur im allgemeinen Sinne als als der Natur der Klänge. Das gesamte Stück ist eine Reise durch eben diese Natur der Klänge. Über all dem steht aber letztlich immer noch Gott, der immer nur in einer reinen Gestalt auftaucht - in der reinen Tonalität, hier ausgedrückt durch den C-Dur-Akkord.
Katholizismus ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich verstehe nicht, was daran heuchlerisch sein sollte.
#14
Geschrieben 02.09.2011 - 00:06 Uhr
"Polymorphia" finde ich grandios. Ich liebe dieses Stück ohne Frage, besonders, es im Dunkeln zu hören aber mir kam der C-Dur-Akkord halt einfach viel zu plötzlich. Nachdem man sich Schritt für Schritt immer weiter Spieltechnik und Klang um Spieltechnik und Klang vorgewagt hat brettert plötzlich dieser grelle Klang rein, der auf das seit 10 Minuten auf experimentelle Klänge geeichte Ohr wie eine giftgrüne Neonfarbe wirkt. Würde sich dieser Akkord hier und da zeigen oder die Basis für etwas sein wäre ich dieser Interpretation nicht abgeneigt aber so erscheint es, als ob der Schöpfer aller Dinge - folglich auch der Natur - von dieser ganz losgesagt sein soll. Nicht Teil seiner eigenen Schöpfung?! Dafür erscheint er schlichtweg als greller Schlusspunkt. Das ist für mich doch mehr als unbefriedigend.
#15
Geschrieben 02.09.2011 - 08:06 Uhr
Khachaturian: SPARTACUS
Prokofiev: ROMEO & JULIA
Khachaturian: GAYANEH
Bartók: CONCERTO FOR ORCHESTRA
Holst: THE PLANETS
aber mit 5 komme ich eigentlich auch nicht aus, denn wo bleiben die 4 genialen Piano Concertos von Rachmaninov, die fantastischen Balett-Werke von Stravinsky, Cinderella und die Sinfonien von Prokofiev etc...
Csongor
#16
Geschrieben 02.09.2011 - 12:10 Uhr
Gustav Holst Die Planeten
Carl Orff Camina Burana
Igor Strawinski Der Feuervogel
Maurice Ravel Bollero
und erich wolfgang korngold
Fangen Sie nun an, mich zu verstehen ?
#17
Geschrieben 02.09.2011 - 13:05 Uhr
#18
Geschrieben 02.09.2011 - 13:14 Uhr
Sebastian Schwittay sagte am 01.09.2011 - 17:13 Uhr:
Der erste Satz:
Wie beschrieben: Idylle und Schmerz ganz nah beieinander. Einige Passagen könnten Elliot Goldenthal als Inspiration für IN DREAMS gedient haben ("Agitato Dolorosa").
#19
Geschrieben 06.09.2011 - 23:53 Uhr
Mein Lieblingswerk von Schostakowitsch und, wie oben geschrieben, auch eins meiner Lieblingswerke aus der Musik des 20. Jahrhunderts. In kaum einer anderen Musik wird so viel von dem, was Schostakowitsch erlitten hat, deutlich. Gerade der erste Satz wirkt wie die musikalische Beschreibung einer unentwegt arbeitenden (Staats-)Maschinerie, die alles mit brutaler Gewalt unterdrückt. Interessant zudem: das Horn als Gegenpart des Solo-Cellos - im Grunde also ein Doppelkonzert für Cello, Horn und Orchester.
#20
Geschrieben 07.09.2011 - 00:06 Uhr
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