Einer der letzten Garanten für Qualität auf der Flimmerkiste ist und bleibt die BBC. Bester Beweis dafür ist die (derzeit auf dem ZDF laufende) Serie PLANET EARTH! Ebenso wie schon THE BLUE PLANET ein absolutes Muss - und das nicht nur für Naturfreunde und Biologie-Studenten. "Edutainment" at its best!
Für die Freunde der Filmmusik ist die BBC im selben Masse auch ein Anlass zum Hinhören. Sicherlich, mancher Score fällt aus Budgetgründen eher spärlich aus (mit zigmal wiederholten Motiven) und vieles aus den 70er und 80er Jahren sollte jetzt besser gänzlich unerwähnt bleiben. Doch in den letzten Jahren hat sich das dramatisch geändert - und das nicht erst seit George Fenton und seiner Musik für THE BLUE PLANET!
01. Walking With... Ben Bartlett
WALKING WITH DINOSAURS - 1999
Nachdem Pro 7 Anfang 2000 grossmäulig für eine Dinosaurier-Fernsehserie bzw. "Dokumentation" Werbung gemacht hatte, war ich zuerst einmal skeptisch. Für jeden halbwegs erträglichen Film von diesem Sender (z.B. DIE SCHLÄFER) gab es eine Masse an aller-fürchterlichsten Gurken!
Glücklicherweise erwies sich meine Skepsis dann aber als völlig unbegründet. Denn WALKING WITH DINOSAURS (die mehrheitlich strunzdummen und reisserischen deutschen Titel lasse ich übrigens ganz bewusst weg) ist in jeder Hinsicht ein Quantensprung!
Und dann die Musik! Beim ersten Mal achtet man natürlich nicht so sehr darauf, da einen die Optik voll und ganz fesselt. Aber nachdem die US-DVD bei mir angelandet war, durfte sie endlich ihre volle Wirkung entfalten. Auch sonst ist hier die englische Originalfassung zu empfehlen, da Kenneth Branaghs ruhige und entspannte Sprechweise dem deutschen Pro7-Sensationsnachrichten-Sprecher in jeder Hinsicht überlegen ist!
Der Name des Komponisten Ben Bartlett (Info bei IMDB) sagte mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts.
Das änderte sich jetzt schlagartig, denn die Musik ist wirklich hervorragend! Nach dem zweiten Mal Anschauen kam ein drittes Mal - nur mit Anhören. Und obwohl sich einige Stücke im Verlauf der Serie wiederholen (vermutlich aus Budgetgründen), ist das für mich immer noch einer der besten TV-Scores der letzten Jahre!
Der Grundton ist oft melancholisch (ausgestorbene Tiere und eine sehr ferne Vergangenheit laden wohl dazu ein) und einige Motive erinnern an Bernard Herrmann (ein ausgezeichnetes symphonisches Vorbild im Gegensatz zu den modernen Synthequälern a la Hans Zimmer!).
Die ethnischen Elemente der Musik (u.a. afrikanische Trommeln) erzeugen ein wundervolles Flair, von dem die Serie mit ihren exotischen Schauplätzen und Szenarien nur umso mehr profitiert. Symphonische Dramatik, perkussionslastige Untermalung, aber auch viele ruhigere Stücke sorgen für ein ausgewogenes musikalisches Erlebnis, das einem noch lange in Erinnerung bleibt. Orchester und Synthesizer stehen sich hier glücklicherweise nicht im Weg, sondern ergänzen sich optimal.
Variationen einiger Themen finden sich auf der WALKING WITH BEASTS-CD
02. The Mammals Strike Back!
WALKING WITH BEASTS - 2001 (Enthält Auszüge aus dem ALLOSAURUS-Special und WALKING WITH DINOSAURS)
Wie gross war die Freude, als eine weitere Serie aus dieser Produktion angekündigt wurde! Und wieder einmal hatte ich zuerst nur die plumpe Pro7-Werbung im Kopf und Ohr. Also erstmal anschauen!
Die Erwartungshaltung war jetzt natürlich höher, hatten doch die Produzenten und der Komponist die Latte recht hoch gelegt.
Glücklicherweise wurde WALKING WITH BEASTS dem voll und ganz gerecht! Sicherlich, einige Tiere schauen nicht sonderlich überzeugend aus (Säugetiere und deren Haare sind eindeutig schwieriger zu animieren als Reptilien und deren Schuppenhaut), aber ansonsten war alles so wie man es erwartete - und noch besser!
Ben Bartlett blieb uns glücklicherweise erhalten (wie auch Kenneth Branagh als Sprecher) und der Anschluss der Musik an den Vorgänger erfolgte im gleichen Masse.
Die Musik dieser Serie ist um einiges dynamischer und actionlastiger als beim Vorgänger - was auch genau der Absicht ihrer Macher entspricht, mit mehr Action auch mehr Zuschauer anzuziehen. Die ethnischen Motive - sowie "Lautmalereien" (z.B. Säbelklirren beim Kampf der Säbelzahnkatzen) - kommen entsprechend häufiger vor. Dynamisch und mitreissend auf jeden Fall. Aber auch die ruhigeren Themen sind gelungen und ergänzen den Vorgänger.
Danach war ich natürlich gespannt, auf weitere "Attraktionen".
03. Kleine Happen...
Die BBC wollte dem Interesse der Zuschauer mit einigen Specials gerecht werden:
- Allosaurus: A 'Walking with Dinosaurs' Special (2001)

- Land of Giants: A 'Walking with Dinosaurs' Special (2002)
(INFO BEI IMDB)
- The Giant Claw: A 'Walking with Dinosaurs' Special (2002)

(INFO BEI IMDB)
Diese Specials bewegen sich thematisch im Rahmen der Hauptserie und bieten z.T. auch schon bessere Animationsqualität als diese. Auf jeden Fall aber so gut wie das Original!
Musikalisch kam hier wiederum Ben Bartlett zum Zug. Im Rahmen der 30minütigen Specials wurde aber nur wenig neue Musik komponiert. Vor allem ALLOSAURUS hat ein paar schöne und eigenständige Stücke spendiert bekommen. Ansonsten wurde aus dem Hauptwerk "zitiert".
(Enthält Auszüge aus ALLOSAURUS.)
04. Prähistorischer Jackass in seichten Gewässern...
CHASED BY DINOSAURS (2003)

SEA MONSTERS: A WALKING WITH DINOSAURS SPECIAL (2003)

Wie immer wenn ein TV-Sender einen Franchise mit dicken Vorschusslorbeeren gelandet hat, kommt ein schwachsinniger Betriebswirt aus der Marketingabteilung daher und meint, mit einigen "konsumentenfreundlichen Verbesserungen" (lies: Verdummung, Verflachung, Vermarktung) liesse sich der Erfolg sicherlich noch steigern! Nur so kann man erklären, wie die nächsten zwei Einträge zustande gekommen sind.
Um es kurz zu machen: oft peinlich, oft unseriös und insgesamt ziemlich überflüssig! Nigel Marven (wer?) spielt hier den Jackass-Clown und die Dinos machen dazu das Äffchen. Den "faden" Kenneth Branagh hat man ganz weggelassen.
So schön die Animationen auch sind und so interessant die gezeigten Tiere auch sein mögen, der "Moderator" und sein unglaubwürdiges Gekaspere machen den Reiz in vielen Hinsichten ziemlich zunichte (die Star Wars-Prequels kommen mir spontan in den Sinn). Dass es trotz Moderator auch besser geht, zeigt mein kleiner Abstecher am Ende dieses Artikels: WALKING WITH CAVEMEN!
Die Musik ist (erstaunlicherweise) ein weiteres Mal von Ben Bartlett und diesmal hinterlässt sie keinen bleibenden Eindruck! Wie schon das ganze bisherige Konzept, scheint auch der Komponist unter den "publikumsfreundlichen" Massnahmen zu leiden und setzt lieber auf flauere Unterhaltung.
Danach wurde es etwas ruhig um die Urzeit und ihre Bewohner und so mancher säuerlicher Kritiker meinte schon, die Serie hätte ihr (frühes) Ende gefunden. Doch weit gefehlt!
05. Monströser Abschluss!
WALKING WITH MONSTERS (2005)

Mit einer gewissen Skepsis (aber durchaus neugierig) erfuhr ich von der neuen Serie. Würde das... könnte das doch wieder im Stil der ersten beiden sein? (Diese DVD war natürlich BESONDERS lang unterwegs! Grummel!)
OHJA! Kenneth Branagh und Ben Bartlett sind wieder dabei und der Stil ist wieder der alte! Puh! Glück gehabt!
Die Animation ist in der Zwischenzeit noch besser geworden - spektakulärer und realistischer. Handlungs- und präsentationsmässig wirkt manches ein wenig gerafft (viel Information in kurzer Zeit) und manche Effekte leicht geschludert (Wasserspritzer, Fusspuren, generell alle Auswirkungen auf die reale Umgebung), aber das Feeling der Vorgänger ist auf jeden Fall da!
Ein "altes Territorium" musikalisch neu zu besuchen ist einfach und gefährlich zugleich. So ist Ben Bartlett ein starkes Hauptthema gelungen, während der Rest der Musik insgesamt ein bisschen abfällt (so wie die Musik von THE EMPIRE STRIKES BACK sicherlich auch besser ist, als die von RETURN OF THE JEDI).
Manche der neuen Motive wirken wie Variationen der Vorgänger und manches Stück kommt eher flach - als Versuch unbedingt etwas Neues auszuprobieren - bei mir an. Der Charme der Vorgänger ist aber erhalten geblieben.
Laut Tim Haines, dem Produzenten, schliesst WALKING WITH MONSTERS übrigens die sog. "Trilogy of Life" ab.
Hoffen wir also, dass es noch weitere solcher Trilogien geben wird. Und dass Ben Bartlett ein Teil davon sein wird! Ansonsten hört man sich halt anderswo.
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6. Ein kleiner Abstecher in die Menschheitsgeschichte...
WALKING WITH CAVEMEN (2003)

Als ich das erste Mal von dieser Serie hörte, dachte ich zuerst, sie wäre eine Fortsetzung von WALKING WITH DINOSAURS.
Dies ist zum Teil richtig, zum Teil aber auch nicht. Vielmehr handelt es sich um eine eigenständige Serie, die nicht von Tim Haines für die BBC produziert wurde, aber dennoch zum Canon der "Walking With"-Serien gehört.
Nachdem der deutsche DVD-Anbieter unfähig (oder unwillens) war, den Originalton auf die DVD zu packen (interessanterweise ist Englisch noch auf der Packung angegeben!), habe ich mir die britische DVD davon geholt. Eine weise Entscheidung, denn diese Scheibe bietet auch noch den Score zum Anhören als Extra an!
Hier wird man übrigens das erste Mal von einem Moderator anstatt einem Erzähler an das Thema herangeführt. Glücklicherweise ist Prof. Dr. Robert Winston ein richtiger Wissenschaftler, ein überzeugender Schauspieler UND ein guter Didakt - ganz im Gegensatz zu Nigel Marven!
Hat man sich an das Konzept erst einmal gewöhnt, kann der Genuss beginnen! Und zu bieten hat die Serie mindestens genausoviel wie ihre Dinosaurier-Verwandten!
Nachdem ich noch anfangs geglaubt hatte, Ben Bartlett hätte auch hier den Score komponiert, wurde ich bald eines Besseren belehrt, denn Alan Parker ((INFO BEI IMDB)) ist hier für die musikalische Untermalung verwantwortlich.
Die Musik von WALKING WITH CAVEMEN ist insgesamt etwas ruhiger, bietet aber auch symphonische Dramatik und ethnische Einlagen. Die afrikanischen Motive und Instrumenteneinsatz sind leicht prädominant (logischerweise) und das Flair der Musik unterstreicht ebenso effizient das Gezeigte, wie schon bei den anderen Serien.
Ein würdiger Vetter der anderen Serien, auf jeden Fall!
ScoreAddict.
Bearbeitet von Thomas Nofz, 21.05.2010 - 21:45 Uhr.














