Tja, Kai... wenn das SO aussieht, dann ist mir dein Wunsch natürlich "Befehl".
Am interessantesten für mich war an diesem Abend wieder einmal die Zusammensetzung des Publikums (und deren Garderobe): Angefangen von 10jährigen Knirpsen über locker gestylte Teenager, Studentengrüppchen, fesche Mittdreißiger (wie ich einer bin *lol*), bis hin zu Schmusepärchen und einer rüstigen Seniorenfraktion war beinahe wieder einmal JEDE Generation vertreten, ein Phänomen, das ich bereits mit viel Amüsement in Hamburg beobachten konnte. Dort dirigierte ja ebenfalls Mr. Frank Strobel... hmmm, und ich kam ins Grübeln: Hat dieser Mann vielleicht soviele Fans, oder kann es tatsächlich an der generationsübergreifenden Faszination von Williams´ Musik liegen?
Da diese ja im Mittelpunkt des Abends stand, vermute ich mal, daß Letzteres zutreffend ist... und ein Blick ins Programm verrät auch, weshalb das Zuhörerspektrum vielleicht altersmäßig so breitgefächert war. Es wurde gespielt:
JURASSIC PARK (Thema)... genauer gesagt waren es die End Credits des Films mit
beiden Hauptthemen. Ein hervorragender Einstieg mit vielen Gänsehautmomenten.
E.T. - Adventures on Earth ... jene legendären letzten 15 Minuten des extraterrestrischen Märchens, die Film(MUSIK)geschichte schrieben. Herrlich.
SCHINDLER´S LIST - Thema für Solo-Violine und Orchester ... seit 1993 natürlich Standard in jedem Williams-Konzert, aber die Wirkung ist immer und hauptsächlich abhängig von der Performance des Solokünstlers. Diesmal war es die Konzertmeisterin Kathrin Rabus... und ich muß sagen, selten habe ich dieses bewegende Stück Musik so gefühlvoll vorgetragen gehört wie an diesem Abend. Ich glaube, das restliche Publikum war genauso ergriffen wie ich, denn nachdem die letzte wehmütige Note verklungen war, herrschte eine etwa 10-sekündige Stille im Saal... beinahe so, als ob der jener letzte Ton noch in den Köpfen und Herzen der Leute nachhallen würde.
J.F.K.-TATORT DALLAS - Suite ... das patriotische Hauptthema ist natürlich ein Selbstläufer, jedoch "The Motorcade" live zu hören, ist immer wieder ein Genuss sondergleichen. Und ich muß sagen, die NDR Philharmoniker haben ihre Sache nicht schlechter gemacht als anno 1996 das LSO unter der Leitung des Maestros selbst. Von Moderator Manfred Callsen (der routiniert, mit Stil, Fachwissen und Witz durch den Abend führte) als eine von Williams´ experimentelleren Kompositionen angekündigt, gab das Orchester wirklich alles und spielte den Track genauso packend und dezibelstark, wie man es sich als Fan nur wünschen kann. Großartig!
HARRY POTTER - The Wondrous World ... sicherlich die Hauptattraktion für das jüngere Publikum, mit Verve, Schmiss und einer Prise Magie vorgetragen war es genau der passende fröhliche Ausklang, um die Zuhörer in die Pause zu entlassen und die Neugier auf die Fortsetzung zu schüren.
Nach dem viertelstündigen Päuschen kam es dann zum eigentlichen Haupt-
Act des Williams´schen Wonneabends: Der zweite Teil des Konzertes stand ganz im Zeichen von STAR WARS, sicherlich die ausschlaggebende Ursache dafür, dass das Konzert Anfang November binnen zwei-drei Tagen ausverkauft war.
Im Rahmen der "STAR WARS - Symphonic Suite" erklangen folgende Stücke:
Main Title / Princess Leias Theme / Imperial March / Yoda´s Theme / Parade of the Ewoks / Jabba the Hutt / Forest Battle / Throne Room and End Title.
Alles in allem eine wunderschöne, mitreißende und mit viel unbewußtem Fußtappen begleitete nostalgische Reise in eine "weit weit entfernte Galaxis". Ein wenig vermißt habe ich ein, zwei Beiträge aus den neueren Star-Wars-Filmen (z.B. "Across the Stars" wäre toll gewesen), dafür entschädigte aber das mit viel Schmunzeln im Publikum quittierte Tuba-Solo (grandios gespielt!) in "Jabba" und die köstlichen, perkussiven und mit viel Spielwitz vorgetragenen Ewok-Tracks umso mehr. Vor allem "The Forest Battle" live zu genießen, oh jaaaa, das hat schon was!
Als das allerletzte Crescendo des End Titles verklungen war, brandete der verdient stürmische Applaus los, begleitet von "Bravo"-Rufen und Jauchzern. Meister Strobel und das Orchester ließen sich dann "leider" nur noch zu einer einzigen Zugabe überreden, aber die hatte es in sich: Als musikalisches Dessert erklang der Main Title aus SUPERMAN, was angesichts des kürzlichen Wiederauftauchens des stählernen Übermenschen in den Kinos erneut zu breiten Grinsegesichtern im Publikum führte.
Tja... danach war - trotz zehnminütigen begeisterten Applauses - leider (schon) Schluß. Ich hätte zwar noch sooooo gerne den "Raiders March" aus INDIANA JONES gehört, aber es sollte wohl nicht sein... und außerdem, man kann ja nicht alles haben. Es war auch ohne Indy ein unvergeßlicher Abend, die Sinne glücklich gesättigt, im Körper ein wohliges Echo all der Klänge, die einem im Laufe der Jahre so sehr ans Herz gewachsen sind.
Sicherlich, es waren keine großen Überraschungen im Programm zu finden, man könnte auch sagen: es waren eben die üblichen Verdächtigen. Aber, das spielte überhaupt keine Rolle! Wichtig allein (jedenfalls für mich) war es, Williams-Musik
live zu hören und zu genießen, zwei Stunden lang... meisterhaft vorgetragen von einem Klasse-Orchester unter der Leitung eines Filmmusik-Profis/Kenners/Liebhabers/Komponisten. Mehr war nicht nötig. Punkt. Nun bleibt nur noch der sehnliche Wunsch, hier in Hannover möglichst bald wieder Filmmusik hören zu können. Da capo bitte, NDR!
Cheers, Tom
PS: Sorry für den Roman...