Soundtrack Freak sagte:
Also- was denkt ihr?

Gleich vorweg: schon mal was ganz anderes als du.
Gerade seine LOTR-Scores finde ich auf Dauer fürchterlich langweilig und unoriginell - schöne, einfache und eingängige Melodien, sicher, aber das macht noch lange kein Meisterwerk.
Seine Thriller- und Horrorscores finde ich dagegen bis auf wenige Ausnahmen äußerst gelungen und konzeptionell sehr erfrischend, wobei
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sicherlich einer der schwächeren Shores aus dieser Ecke sein dürfte - dennoch, uninteressant ist die Musik nicht. Für Pur-Sinfoniker ist das natürlich nix, klar. Am interessantesten finde ich übrigens den letzten Cue, da erklingen auch kurzzeitig einige avantgardistische (Blas-)Orchesterklänge.
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CRASH- ein Elektrogähner. Stinklangweilig (2/6 Sternen)
Nun ja, ein Score aus dem Synthesizer ist das nicht - sind alles akustische Instrumente, Gitarren und E-Gitarren, Percussion und auch ein paar Streicher. IMO ein sehr interessanter, gelungener Score - auf CD sicherlich etwas schwieriger, im (brillanten) Film absolut
herausragend.
Insgesamt ein sehr frischer, ungewöhnlicher Score mit außerdem guter Themen-Verarbeitung, 3,5 bis 4 Sterne.
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THE GAME- Gäähn (2/6 Sternen)
So schlecht finde ich den keineswegs, das Thema ist doch wunderschön und was Shore in den Suspense-Passagen mit dem Klavier anstellt, ist m.E. durchaus interessant. Diese hohen, atonalen Ausschmückungen haben was beinahe Grazil-Schwebendes, sehr ästhetisch. IMO auch durchaus 3,5 Sterne wert, mit Tendenz nach oben.
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SILENCE OF THE LAMBS- laaaaaangweilig (2,5/6 Sternen)
Hm, kein Meisterwerk, gebe ich dir Recht - aber "Lecter Escapes" ist schon ein gewaltiger Cue, unglaublich dramatische Klimax. Aber du hast Recht, konzeptionell ist der eigentlich nicht so interessant. Den stilistisch ähnlich gelagerten, leider unveröffentlichen Score zu SINGLE WHITE FEMALE finde ich deutlich besser.
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THE FLY- noch nicht gehört
Unbedingt nachholen, eine von Shores besten Arbeiten. Opernhaft-episch, gewaltiges Main Theme, komplexe Streicher-Avantgarde in den Spannungs- und Actionmomenten - einfach rundum gelungen. Ich empfehle das von Varèse kürzlich veröffentlichte 2-CD-Album, welches auch Youngs Score zum zweiten Teil beinhaltet.
Neben THE FLY möchte ich auch unbedingt seine Scores zu THE CELL, NAKED LUNCH und THE AVIATOR empfehlen. Die gehören m.E. auch zu den hervorragenden Shore-Werken, alle auf 4,5- bis 5-Sterne-Niveau. Insbesondere THE CELL ist eine beeindruckende Hörerfahrung, ein Score, wie man zuvor wohl noch keinen gehört hat. Penderecki-nahe, avantgardistische Klangschichtungen prallen auf nordafrikanische Folklore und traditionelles marrokanisches Liedgut - muss man gehört haben. Eine ganz tolle Filmmusik; mit Sicherheit eine der originellsten, die das Genre zu bieten hat.
Ebenfalls sehr interessant sind IMO: SE7EN (eine der düstersten und kraftvollsten Filmmusiken, die ich kenne), eXistenZ, THE SCORE und die etwas leichter zugängliche, augenzwinkernde Horrorscore-Parodie DOGMA.
Weniger interessant finde ich seine etwas leichteren Komödien-Scores, wie etwa MRS. DOUBTFIRE oder GLORIA. Sehr einfach gestrickt, konventionell und mitunter auch ziemlich seicht und oberflächlich. MRS. DOUBTFIRE würde ich insgesamt als den schwächsten Shore-Score bezeichnen - finde ich sogar noch uninteressanter als seine LOTR-Musiken.
Sodelle, das war meine Meinung zu Shore. Hoffe, mit meiner Anti-LOTR-Haltung niemandem auf den Schlips getreten zu haben.
danecos sagte:
Die einzigen Abstriche, die man machen kann, ist die etwas sehr trockene Akkustik des Aufnahmeraumes aber ansonsten hat Shore hier wirklich Großartiges geleistet.
Gerade dieser trockene, nüchterne Klang passt IMO perfekt zum polyphon-neobarocken, und damit auch sehr strengen Charakter der Musik. Ich muss aber gestehen, dass ich generell eine Vorliebe für den "trockenen" Studioklang, wie er v.a. für die Filmmusiken der Sechziger und Siebziger Jahre typisch ist, habe.