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Wer orchestriert noch selbst?


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142 Antworten in diesem Thema

#41 Alexander Grodzinski

    They live, we sleep

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  • WohnortOingo Boingo Spaceship

Geschrieben 29.08.2007 - 01:05 Uhr

Und um noch eine kleine Lanze für Elfman zu brechen: Er hat mehr Ahnung von der Materie, als manche ihm hier zuschreiben würden, man muss sich nur mal die diversen Specials auf den DVDs ansehen bzw. in einem Buch über Tim Burton (Titel ist mir gerade entfallen) gibt es auch eine kleine Passage über Elfman, die diesbezüglich sehr interessant ist. Er kann wohl die praktische Seite des Orchestrierens nicht übernehmen, kann sich verbal aber gut ausdrücken, wenn es um seine Vorstellungen geht und versucht das dem Orchester nahe zu bringen.

Eingefügtes Bild

"Er hat sechs Leute, die für ihn die Musik schreiben, aber er ist der Komponist?"
John Carpenter über Hans Zimmer


#42 Guest_Stephan Eicke_*

  • Guests

Geschrieben 29.08.2007 - 04:35 Uhr

iLLumination sagte:

und filmkomponisten, die nicht dirigierne könenn sind doch eher selten


Ich würde sagen, es ist eher umgekehrt...
Hans Zimmer
James Newton Howard
Dario Marianelli
Mychael Danna
Mark Isham
Marco Beltrami
John Ottman
Christopher Young
Gabriel Yared
Harry Gregson Williams
Nathan Barr
...

Und die Liste ist noch viel länger von denen, die nicht selbst dirigieren.

Zitat

Und nur weil jemand nicht selber orchestriert, heisst das doch nicht, dass er kein künstlerisches Talent hat...


Er bleibt zwar ein Komponist, aber zum Komponieren gehört auch: fürs Orchester komponieren zu können und nicht nur Klavierskizzen anzufertigen. IMP hat Recht; mit dieser Taktik war die SERENADA SCHIZOPHRANA schnell fertig und peinlich ist es auf jeden Fall, ein klassisches Werk orchestrieren zu lassen.
Wenn ich da an David Arnold denke oder den Zimmer mit 7 Ko-Komponisten, Dutzenden on Orchestratoren und Dirigenten... da ist sein Anteil an der komposition doch schnell fertig. Kein Wunder, dass er im Jahr 7-8 Filme vertonen kann.

Zitat

Williams und Goldsmith sowie die meisten anderen klassisch ausgebildeten Komponisten (Horner, Goldenthal) schreiben 9 bis 18-stimmiges Particell, je nach Besetzung und Umfang.


Wenn sie schon so viel vorher machen, können sie es doch gleich den Orchestergruppen zuordnen und dem Copyisten geben. Soviel Arbeit kann das ja nicht sein :eek: :D

Zitat

Er kann wohl die praktische Seite des Orchestrierens nicht übernehmen, kann sich verbal aber gut ausdrücken, wenn es um seine Vorstellungen geht und versucht das dem Orchester nahe zu bringen.


Er weiß halt, was er will und hat genaue Vorstellungen- die sollte jeder Komponist haben, das muss man doch hier nicht herausheben.

Morricone hat in den 60ern 27 Scores pro Jahr geschrieben und NIE einen Orchestrator gehabt, da er immer gleich mit der Orchesterpartitur komponiert hat- keine Klavierskizzen. Das nenn' ich wahre Kunst.

#43 iLLumination

    Alter Forumshase

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Geschrieben 29.08.2007 - 09:05 Uhr

von jnh weiß ich zu 100%, dass er dirigieren kann
und deine lieblingskomponisten brauchst du nicht ständig verherrlichen :eek:

#44 Jonas Uchtmann

    "Rezensionist"

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Geschrieben 29.08.2007 - 10:36 Uhr

“mixolydian“ sagte:

Ich glaube gelesen zu haben Williams würde 8 Zeilen schreiben. Was immer da stehen mag.

Gibt es denn Erkenntnisse, was grundsätzlich in einem Particell zu notieren ist? Akkorde, Harmonie sollten vermutlich die Grundlage bilden, was somit 4 bis 5 Zeilen hieße?


Wie gesagt schreibt er in der Regel 9-14 Zeilen, in Ausnahmefällen bis zu 18. Ansonsten ist das, was Dir da vorschwebt, eher einem Klavierauszug vergleichbar.

Ein Particell (composer's sketch) à la Williams oder Goldsmith ist, wie gesagt, eine Kurzschreibweise, aufgebaut wie eine Orchesterpartitur: Oben zwei bis drei Zeilen für Holzbläser, zwei bis drei fürs Blech, Percussion und Klavier so viel benötigt, am Ende Streicher (wieder 2-3 Zeilen). Zuordnung zu den Instrumenten ergibt sich aus der Notationsreihenfolge, dem Register oder es steht dran. Zum Vergleich: eine Orchesterpartitur ab der Spätromantik hat um die 20 Zeilen.


“mixolydian“ sagte:

19/8? Verdammt, da hat man aber lange zu zählen. Da möchte ich nicht im Orchestergraben sitzen. 19/8 - ich darf gar nicht darüber nachdenken... Bei welchen Tracks hat er diese Taktung eingesetzt?

Ich war stolz auf meinen ersten 7/8, und der kam völlig intuitiv, musste so sein. Aber 19/8? Da weiß ich wieder welch absoluter Anfänger ich doch bin.


Betrifft THE HUNTED. Hat Tyler, als Keaveney ihn damals auf Biegen und Brechen nach oben bringen wollte, jedem erzählt, der es wissen wollte oder auch nicht. Er ist ja eh ein kleiner Aufschneider, unser Brian.
Ich habe den Score nie daraufhin überprüft, aber vermutlich ist es Augenwischerei. Vielleicht hat Tyler es ausnahmsweise mal geschafft, ein mehrtaktiges Ostinato zu schreiben und es dann einfach dem Taktmaß übergeordnet, statt es sauber einzuteilen (etwa 7/5/4/3, 12/7 etc.)

Zu Deinen 7/8 Glückwunsch: komplexere Taktmaße sollten sich in der Tat aus der Intuition ergeben und nicht, wie oben, forciert werden.


“Stephan Eicke“ sagte:

Wenn sie schon so viel vorher machen, können sie es doch gleich den Orchestergruppen zuordnen und dem Copyisten geben. Soviel Arbeit kann das ja nicht sein


Wenn sie dazu Zeit hätten, würden sie das mit Sicherheit tun, aber warum ohne Not alles dreimal schreiben, wenn z.B. Hörner und Posaunen identische Backings spielen? Es wäre ein eher unbefriedigender Zeitvertreib.

Dass Morricone das freiwillig macht, kann ich mir nur mit auktorialem Dünkel erklären. Oder vielleicht hält der Maestro insgeheim neben dem Rekord der meisten Filmscores auch den im olympischen Notieren und ist einfach furchtbar fix. :eek:

#45 Lareneg

    Alter Forumshase

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Geschrieben 29.08.2007 - 11:09 Uhr

Jonas Uchtmann sagte:

Heute macht das u.a. David Arnold so, aber bei den meisten Komponisten ohne Ausbildung (keine Namen ...) dürfte ein Klavierauszug schon das höchste der Gefühle sein. Zum Glück gibt’s ja Steve Bartek, Robert Elhai und Nicholas Dodd ...

Ist so ein Klavierauszug denn überhaupt nötig, wenn der Komponist hauptsächlich mit einem Synthesizer arbeitet? Ich höre gerade mal wieder "The Gladiator Walz" und die orchestrierte Version (The Battle/ Barbarian Horde) klingt nun auch nicht so viel anders, vom Klang her halt nur ausgefeilter.
Ich nahm bisher an, dass Komponisten wie Zimmer halt eine Synthesizer-Version anfertigen, in der die Instrumente sozusagen schon zugewiesen sind.
Das wäre dann ja nichts anderes als wenn ein Schriftsteller sein Werk am PC schreibt statt mit der Hand. Schlechter werden Bücher dadurch auch nicht.

#46 danecos

    Alter Forumshase

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Geschrieben 29.08.2007 - 11:14 Uhr

Alexander Grodzinski sagte:

Er kann wohl die praktische Seite des Orchestrierens nicht übernehmen, kann sich verbal aber gut ausdrücken, wenn es um seine Vorstellungen geht und versucht das dem Orchester nahe zu bringen.


Trotzdem denke ich, dass jemand der nicht fürs Orchester komponieren kann, dies auch nicht tun sollte, jedenfalls nicht im Bereich der ernsten Musik. Das wirkt unehrlich.

Zum 19/8 Takt. So etwas besonderes ist dies nun auch nicht. Letztendlich wird es nur eine Aneinanderreihung von fünf 3/8 und einem 4/8 Takt oder einem ähnlichen recht einfachen Schema sein.
Dies ist nicht wirklich schwer zu spielen. Die Notation ist hier wohl eher verwirrender, als die Musik selbst. :eek:
http://vincent-strehlow.de

"Wenn das Publikum während der Aufführung meiner Werke lächelt oder direkt lacht, bereitet mir das eine große Befriedigung."
Dimitri Schostakowitsch

#47 iLLumination

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Geschrieben 29.08.2007 - 11:54 Uhr

auf was muss man denn achten, wenn man für orchester komponiert?

#48 Guest_gargamel_*

  • Guests

Geschrieben 29.08.2007 - 12:07 Uhr

Stephan Eicke schrieb:

Zitat

itat:
Zitat von iLLumination Eingefügtes Bild
und filmkomponisten, die nicht dirigierne könenn sind doch eher selten

Ich würde sagen, es ist eher umgekehrt...
Hans Zimmer
James Newton Howard
Dario Marianelli
Mychael Danna
Mark Isham
Marco Beltrami
John Ottman
Christopher Young
Gabriel Yared
Harry Gregson Williams
Nathan Barr
...

Und die Liste ist noch viel länger von denen, die nicht selbst dirigieren.


Ups - jetzt hatte ich erstmal nur das Zitat weggeschickt. Sorry.

Also von den o. g. Namen weiß ich, dass Howard, Beltrami, Young, Yared und Williams das Dirigieren auf jeden Fall können! Von Howard gab es in diesem Forum gar mal einen Link wo man ihn beim Dirigieren sehen konnte (er dirigierte ein Orchester bei einem Elton John-Konzert).
Dass Sie es dann nicht immer tun, könnte dann daran liegen, dass es zeitlich zu knapp ist oder dass sie lieber in der Kabine sitzen (so wie Powell) und von dort darauf achten, dass die Musik getreu der Komposition eingespielt wird.

Gruß

Jens

#49 iLLumination

    Alter Forumshase

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Geschrieben 29.08.2007 - 12:18 Uhr

jaa, das video hatte ich auch im kopf, deshalb war ich mir zu 100% sicher, dass jnh dirigieren kann, auch wenn er kein 2.er klemperer oder bernstein ist aber naja^^

#50 Jonas Uchtmann

    "Rezensionist"

  • Mitglied
  • 190 Beiträge

Geschrieben 29.08.2007 - 12:58 Uhr

Am I Not Merciful? sagte:

Ist so ein Klavierauszug denn überhaupt nötig, wenn der Komponist hauptsächlich mit einem Synthesizer arbeitet? Ich höre gerade mal wieder "The Gladiator Walz" und die orchestrierte Version (The Battle/ Barbarian Horde) klingt nun auch nicht so viel anders, vom Klang her halt nur ausgefeilter.
Ich nahm bisher an, dass Komponisten wie Zimmer halt eine Synthesizer-Version anfertigen, in der die Instrumente sozusagen schon zugewiesen sind.
Das wäre dann ja nichts anderes als wenn ein Schriftsteller sein Werk am PC schreibt statt mit der Hand. Schlechter werden Bücher dadurch auch nicht.


Nein, nötig ist das heutzutage nicht mehr. Nicht nur die Zimmer-Factory, sondern auch die meisten anderen Komponisten arbeiten mittlerweile fast ausschließlich am Computer, Williams und Horner mal ausgenommen. Die komponieren nach wie vor am Klavier, Morricone verwendet beim Komponieren nicht einmal das. Wie man das hält, ist reine Geschmackssache und lässt erst einmal keien Schlüsse über das Können eines Komponisten zu.

Dennoch, klassisch ausgebildete Komponisten greifen in der Regel trotzdem erst einmal in die Tasten, bevor sie die Noten in den Computer hacken. Und in der Tat, das handgeschriebene Particell ersetzt heutzutage meist ein Synth-Mockup, d.i. eine (mehr oder weniger) vollständige Simulation des fertigen Scores. So hat es ab Anfang der 90er als einer der ersten Goldsmith gemacht.

So liegt der Fall natürlich auch bei Deinem "Gladiator Waltz", nur dass Zimmer oder Elfman ihre Musik meist direkt eingeben. Ob diese beiden Herren ihre Einfälle auch selbst aussetzen und instrumentieren, darüber kann man nun dieser oder jener Ansicht sein. Bei Elfman existieren wenigstens autographe Sketches aus früheren Jahren, während bei Remote Control um solche Dinge ein großes Geheimnis gemacht wird.

#51 Andre Moghimi

    Mode-be-rator

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  • 912 Beiträge

Geschrieben 29.08.2007 - 13:20 Uhr

Stephan Eicke sagte:

Ich würde sagen, es ist eher umgekehrt...
(...)
Harry Gregson Williams
(...)
...


Off-Topic
Harry Gregson-Williams kann dirigieren und orchestriert auch sehr oft selbst.

[nomedia="http://youtube.com/watch?v=wwDzQUjw-l4"]YouTube - Broadcast Yourself.[/nomedia]
Off-Topic

#52 Jan Selzer

    Registrierter Benutzer

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Geschrieben 29.08.2007 - 14:14 Uhr

Zitat

Ist so ein Klavierauszug denn überhaupt nötig, wenn der Komponist hauptsächlich mit einem Synthesizer arbeitet? Ich höre gerade mal wieder "The Gladiator Walz" und die orchestrierte Version (The Battle/ Barbarian Horde) klingt nun auch nicht so viel anders, vom Klang her halt nur ausgefeilter.
Ich nahm bisher an, dass Komponisten wie Zimmer halt eine Synthesizer-Version anfertigen, in der die Instrumente sozusagen schon zugewiesen sind.
Das wäre dann ja nichts anderes als wenn ein Schriftsteller sein Werk am PC schreibt statt mit der Hand. Schlechter werden Bücher dadurch auch nicht
.

Grundsätzlich ist das Arbeiten am Computer absolut legitim. Es macht keinen Untscheid ob du nun am PC deine Partituren erstellst, oder am Schreibtisch. Das macht jeder anders. Es ist ebenfalls legitim mit Orchestersamples zu arbeiten. Für den einen ist eben der Klang wichtig, für die anderen die Vorstellung. Problematisch wird es allerdings, wenn man sich den Möglichkeiten des Computers unterwirft, sprich nur das in seine Komposition integriert, was er wiedergeben kann. Des weiteren gibt es bereits Programme, die für einen Arrangieren. Z.B. einen 4 stimmigen auf die Bläser anpasst. Ab den punkt ist eben nicht mehr so, als wenn ein Schriftsteller sein Buch am Computer schreibt. Das ist dann so, als wenn der Autor ein paar Worte eingibt und der Computer die Lücken dazwischen füllt. Ein Stück am Computer zu schreiben ist eine schöne Sache, man kann schell und einfach korrigieren, wenn man einen Takt mehr haben möchte, dann kann man das unkompliziert und schnell erledigen. Außerdem kann die Partitur gleicht gedruckt werden. Aber mehr als eine Schreibmaschine ist der Computer nicht (insofern man sich jetzt auf Orchesterinstrumente beschränkt) und mehr sollte er auch nie sein.

#53 Guest_Stephan Eicke_*

  • Guests

Geschrieben 29.08.2007 - 15:11 Uhr

iLLumination sagte:

und deine lieblingskomponisten brauchst du nicht ständig verherrlichen :applaus:


Nix verherrlichen- das sind Tatsachen.

@gargamel: Dom erwähnte mal, dass Chris Young nicht dirigieren könne... Dom? :D

Die Zahl der Komponisten, die heute noch komponieren, orchestrieren und dirigieren ist trotzdem sehr gering, was ich schade finde, denn als Fan eines Komponisten möchte ich möglichst auch immer 100% haben- von ihm :eek:

#54 Jan Selzer

    Registrierter Benutzer

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Geschrieben 29.08.2007 - 15:37 Uhr

Zitat

Die Zahl der Komponisten, die heute noch komponieren, orchestrieren und dirigieren ist trotzdem sehr gering, was ich schade finde, denn als Fan eines Komponisten möchte ich möglichst auch immer 100% haben- von ihm


Tja und der Komponist möchte gerne einen Gehaltscheck haben, damit er seine Miete bezahlen kann! Um in Hollywood zu überleben müssen Komponisten eben in kurzer Zeit einen Score auf die Beine stellen und da sind solche mittel nun mal unumgänglich. Zumal das Bild, vom FILMkomponisten, der nachdenklich in seinem Klavierzimmer sitzt und am Flügel seine Partituren schreibt um danach einen netten Parkspaziergang zu machen schlichtweg Illusionär! Film ist ein hartes Buisness und es kann auf der anderen Seite auch einfach beruhigend sein, wenn einem die ein oder andere Arbeit abgenommen wird. .

#55 Guest_Stephan Eicke_*

  • Guests

Geschrieben 29.08.2007 - 15:43 Uhr

Jan Selzer sagte:

Tja und der Komponist möchte gerne einen Gehaltscheck haben, damit er seine Miete bezahlen kann! Um in Hollywood zu überleben müssen Komponisten eben in kurzer Zeit einen Score auf die Beine stellen und da sind solche mittel nun mal unumgänglich. Zumal das Bild, vom FILMkomponisten, der nachdenklich in seinem Klavierzimmer sitzt und am Flügel seine Partituren schreibt um danach einen netten Parkspaziergang zu machen schlichtweg Illusionär! Film ist ein hartes Buisness und es kann auf der anderen Seite auch einfach beruhigend sein, wenn einem die ein oder andere Arbeit abgenommen wird. .


Ja, da hast du leider Recht. Auf der anderen Seite würde es mich als Komponisten krank machen, wenn da jemand an MEINE Komposition Hand anlegt. Es ist schließlich MEIN Werk, mein Baby, auf das ich stolz bin und dass es jemänd in gewisser Weise verändert, würde mich wütend machen :eek: Als Komponist sollte man schon genau wissen, was man will und eine Vorstellung haben, die so präzisde nd ausgefeilt ist, dass nur ich selbst orchestrieren und dirigieren kann, damit es so wird, wie ich es will.

Aber das ist, wie du gesagt hast, heute fast unmöglich, das sehe ich ein. Dann lieber es so machen wie Goldenthal: nur 1-2 Projekte im Jahr, Drehbücher ablehnen, wenn es sein muss und dafür einen super Score hinzulegen, der so kingt wie er es möchte. Diese Mühe muss man sich machen können.

#56 Jan Selzer

    Registrierter Benutzer

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Geschrieben 29.08.2007 - 16:02 Uhr

Zitat

Auf der anderen Seite würde es mich als Komponisten krank machen, wenn da jemand an MEINE Komposition Hand anlegt. Es ist schließlich MEIN Werk, mein Baby, auf das ich stolz bin und dass es jemand in gewisser Weise verändert, würde mich wütend machen


Ich glaube du hast eine sehr verquere Ansicht vom Komponieren für einen Film! Also 1. ist es ja nicht so, als würde ein Komponist seine Arbeit in die Hände eines anderen legen und mitspracherecht hat er in jedem Fall auch. Ein ORchestrator nimmt ihm aber auch sehr viel Arbeit ab und kann in schwierigen Momenten die retende, kreative Lösung haben. Wenn man in 3 Wochen etwas zusammenschreiben muss, kann das sehr hilfreich sein. Außerdem kann die Arbeit, wenn dei Chemie stimmt, ja auch Spaß bringen.
Wie gesagt, das Bild von dem einsamen Künstler ist einfach illusionär und lächerlich.

Zitat

Dann lieber es so machen wie Goldenthal: nur 1-2 Projekte im Jahr, Drehbücher ablehnen, wenn es sein muss und dafür einen super Score hinzulegen, der so kingt wie er es möchte. Diese Mühe muss man sich machen können.


Also das Goldenthal Super Scores abliefert, lasse ich jetzt mal so dahingestellt sein. Das ist hier nicht das Thema. Darüber hinaus hat Goldenthal aber auch einen Orchestrator und dirigiert seine Musik nicht selbst.

#57 mixolydian

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Geschrieben 29.08.2007 - 16:34 Uhr

Ehrlich gesagt verstehe ich jetzt nicht so recht was am Orchestrieren und Dirigieren so schlimm sein soll, dass hier manche Leute anzweifeln die "großen Namen" würden das nicht können. Magie? Mysterium? Weder noch. Also kann das auch jeder normale Mensch lernen. Komponieren hingegen nicht! Wenn einige der "Big Ones" nicht Orchestrieren und Dirigieren, dann weil sie es nicht wollen oder es nicht in den Zeitplan passt, aber nicht weil sie es nicht könnten.

JNH beispielsweise sagte er verzichtet bewusst auf das Dirigieren.

Dem Elfman auch nur irgendetwas schlechtes nachzusagen, grenzt schon an Beleidigung. Der hat offensichtlich Visionen im Kopf und sehr genaue Vorstellungen davon wie es später klingen soll. Ob der das nun selbst aufschreibt oder nicht, halte ich für genauso wichtig wie die Frage ob er sich die Schuhe selbst schnürt.
Slightly Off-Topic rulez.

#58 JGFan

    Der frühe Vogel, der den Wurm fängt!

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Geschrieben 29.08.2007 - 16:50 Uhr

Ich sehe den Einsatz von Computern beim komponieren ähnlich wie den von Computereffekten in Filmen: Er sollte den Komponisten bzw. bei den Effekten den Film unterstützen, aber eben nur unterstützen und nicht inhaltlich beeinflußen. Der Komponist sollte durchaus von Neuerungen in der Technik profitieren, sich ihr aber nicht unterwerfen!

Laut Spiegel arbeiten Wissenschaftler an einem Computer, der selbst komponieren kann (ähnliche Rechenalgorithmen wie bei Schachprogrammen)! Das sei nur mal so dahingestellt!

Aber die Genialität beim schreiben von Filmmusik ist ja nicht nur die musikalische Umsetzung einer Filmidee mit vorgegebenem Werkzeug, sondern auch die Überlegung nach dem Hintergrund einer Szene. Horner setzte z.B. bei A Beautiful Mind bei der Autoverfolgungsjagd als Crowe´s Figur den Verstand verliert schwere tragende Musik anstatt Actionmusik ein, was der Szene Bedeutung zuweist. Mit Actionmusik wäre nur einige Minuten unnötig belichtetes Filmmaterial geblieben. Oder Goldsmith´s Idee den Blaster Beam bei Star Trek TMP einzusetzen was der Wolke im Film Größe verleiht und sie bedrohlich macht! Oder auch Bernard Herrmanns zirpende Violinen in Psycho; Williams Jaws Ostinato; Zimmer´s ruhige tragende Musik bei The Thin Red Line...
Diese Ideen hatte nicht der Orchestrator oder sonstwer, das waren die Komponisten, die teilweise manchmal aus zeitlichen oder anderen Gründen nicht selbst Orchestrieren, na und? Wenn man nur gut gemachte Orchestermusik, bei der "garanitiert" alles vom Komponisten gemacht wurde hören will sollte eher in der Klassikecke suchen!
Trotzallem Hut ab vor denen die alles selber Machen!
His chameleon adaptability was a prerequisite to longevity and success in Hollywood. We used to call him Gorgeous. He was the golden boy, a beautiful presence. His music had a freshness, and he had a freshness. John Williams on Jerry Goldsmith

#59 Guest_Stephan Eicke_*

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Geschrieben 29.08.2007 - 17:47 Uhr

mixolydian sagte:

Also kann das auch jeder normale Mensch lernen. Komponieren hingegen nicht!


Natürlich- was glaubst du, wozu man Komposition studieren kann. Okay, mein unmusikalischer Vater wird nie komponieren können, selbst wenn er dieses studiert, aber orchestrieren genauso wenig :applaus: :D

Der Beste von Allen ist für mich in der Hinsicht Alan Silvestri: weder Komposition, noch Orchestration, noch Orchesterleitung studiert und aus der "Popmusik" stammend (stimmt doch alles, BigMac, oder?) und solch tolle Scores zu schreiben und selber orchestrieren und dirigieren! Toll!!
Der Mann WILL es und ihm liegt seine Musik so am Herzen, wie ich es mir vorstelle. :eek:

#60 BigMacGyver

    Alter Forumshase

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Geschrieben 29.08.2007 - 18:08 Uhr

Ja das mit Silvestri stimmt prinzipiell, und zwar insofern als dass er sehr selbstständig und recht früh verschiedene instrumente gespielt hat und seinen musikalischen background beständig und schnell erweitert hat. So richtig aus der pop musik kommt er allerdings nicht. Er arrangierte mal songs für bands die man als populär bezeichnen könnte aber sein eigentlicher ursprung liegt beim jazz.

Gerade seine anfangsjahre als filmkomponist sind entwicklungsmäßig sehr interessant. Da passierte in wenigen jahren enorm viel wobei man selbst in sachen wie doberman gang oder the mack den ursprung des späteren silvestri sounds heraushören kann. Das ist schon ziemlich beachtlich.





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