Zum Inhalt wechseln


- - - - -

Wie arbeiten Komponisten?


  • Du kannst auf dieses Thema nicht antworten
42 Antworten in diesem Thema

#41 Ludwig

    Alter Forumslöwe

  • Mitglied
  • 3.624 Beiträge

Geschrieben 07.01.2011 - 23:46 Uhr

Mephisto sagte:

Ludwig, ich hoffe, Dich hat das nicht ebenfalls abgeschreckt? Denn es gibt so viele Perlen und Juwele in der neuen Musik. Außerdem ist nicht alles schrill und schräg, nur weil's freitonal ist. Wenn man sich jetzt einmal das Violinkonzert von Alban Berg anhört, ein so herrlich zartes und zerbrechliches Stück, das äußerst gekonnt mit der Zwölftontechnik umgeht und ganz der Emotion gewidmet ist. Außerdem habe ich auch eher den Eindruck Sebastians gemacht an unseren Schulen und wenn ich mal so die "Kultursender" einschalte, dann höre ich meistens auch nur Mozart, Haydn und Händel.


Nun, dass es an meiner Schule anders gelaufen ist, mag daran liegen, dass sie nicht öffentlich ist. Trotzdem habe ich diesen Overkill moderner Musik nie als Anreiz empfunden, mich genauer mit ihr zu beschäftigen. Es hat mich daher doch eher abgeschreckt als Neugierde geweckt. Vielleicht wird diese eines Tages mal neu aufblühen, aber im Moment habe ich absolut kein Interesse an solcher Musik...


Eingefügtes Bild


#42 eidelfan

    Advanced Member

  • Mitglied
  • PIPPIPPIP
  • 81 Beiträge
  • WohnortWiesbaden

Geschrieben 22.02.2012 - 08:05 Uhr

Ein zwar schon etwas äterer Thread, aber nicht minder interessant.

Da ich selbst Musik komponiere (allerdings keine Filmmusik) und auch jemanden kenne, der ein klassisch ausgebildeter Musiker (u.a. Konzertpianist) ist, kenne ich unterschiedliche Herangehensweisen für das Komponieren.

Auch bei der Filmmusik gibt es unterschiedliche Techniken bzw. Vorgehensweisen. Von Morricone weiß ich, dass er die Musik zu "The Thing" nicht zu den Szenen komponiert hat (nur nach Drehbuch, aber den Rhythmus des Films konnte er nicht kennen). Das heißt, Carpenter und sein Cutter mussten die Szenen (und auch die Musik) so schneiden, dass sie zueinander passen. Daher hat er auch zusammen mit A. Howarth noch zusätzliche Stücke aufgenommen. Faszinierend!

Ich vermute, dass das Gros der FM-Komponisten parallel zur Szene komponiert, damit es dramaturgisch passt. Hinzukommt noch die Tatsache, wann der Komponist engagiert wird - wird er schon recht früh (was heute wohl seltener geworden ist) eingebunden, hat er natürlich auch mehr Zeit für seine Arbeit. Wird er erst beim Rough-Cut hinzugezogen, muss er mal eben schnell was aus dem Ärmel schütteln.

Mein Bekannter komponiert grundsätzlich mit Papier und Bleistift - ich bewundere das und kann es selbst leider nicht. In einem Interview mit Silvester Levay habe ich mal gehört, dass er wohl auch auf dem Papier komponiert, aber bspw. für eine Ballade oder ein "Love Theme" lieber direkt am Klavier sitzt. Und Vangelis, der bekanntlich keine Noten lesen/schreiben kann, komponiert direkt an seinen Synthesizern.

#43 TheHouseholdCat

    Member

  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 17 Beiträge

Geschrieben 26.03.2012 - 15:36 Uhr

Beitrag anzeigenmixolydian sagte am 22.04.2008 - 17:08 Uhr:

Ach so - sicherlich kann ein Komponist auch schon vorab komponieren, bevor er die Szenen zu sehen bekommt. Kommt vermutlich darauf an was gebraucht wird. Ein Hauptthema, oder Themen zu bestimmten Figuren innerhalb der Geschichte, kann man vermutlich schon vorab komponieren (beispielweise auf Basis des Drehbuches, oder Aussagen des Produzenten), da sie vielleicht nicht genau auf eine Szene passen müssen, oder eine bestimmte Stimmung ausdrücken sollen, aber wohl eher die Charaktere unterstreichen.

Ich glaube eigentlich schon, dass die meisten Komponisten eh unabhängig von den Filmen komponieren und deswegen automatisch etwas davon in den Score einfließen lassen. Ich weiß von Thomas Newman, dass er teilweise Kompositionen, die er vorher komponiert hat, an den Filmen ausprobiert und guckt, ob sie den passenden Effekt erzielen. Das ergibt eigentlich auch Sinn, da man ja unmöglich innerhalb von wenigen Wochen einen gesamten Score komplett erschaffen kann. Es ist ja auch irgendwie ein Prozess, den ein einzelner Komponist durchläuft. Und man lernt mit seinen Fehlern. Als Komponist ist man geradezu gezwungen, seinen eigenen Entwicklungsprozess dem jeweiligen Film anzupassen. Anders geht es ja auch nicht. Komponisten sind ja auch nur Individuen.

Beitrag anzeigenAlexander Grodzinski sagte am 22.04.2008 - 17:58 Uhr:

Das kommt aber auch immer auf den Komponisten an. Jerry Goldsmith beispielsweise hat immer betont, dass er keine Musik aufgrund eines Drehbuchs schreiben kann, da der Regisseur und die Schauspieler noch nicht ihren Input geleistet haben. Jerry möchte den Film so erleben, wie ihn die Leute im Kino später auch erleben, dann bekommt er auch ein Gefühl für die Figuren und die Geschichte, ein Drehbuch sagte ihm in der Beziehung nichts.

Man kann allerhöchstens die Richtung, die ein Film einschlägt, erahnen. Aber im Endeffekt muss man mit dem fertigen Produkt umgehen, das stimmt schon.

Beitrag anzeigenmixolydian sagte am 22.04.2008 - 17:08 Uhr:

"Niemand kann die Musik neu erfinden".

Darum geht es ja auch nicht. Als Filmkomponist komponiert man so oder so Musik für einen Film. Ob dann eine originelle Komposition am Ende dabei rauskommt, spielt gar keine so große Rolle. Klar, als guter Komponist schafft man das meistens auch noch.

Beitrag anzeigenSebastian Schwittay sagte am 02.01.2011 - 09:51 Uhr:

Arnold Schönberg hat es Anfang des 20. Jahrhunderts schon mal getan. Ergo: man kann schon. :)

Er hat sie ja nicht neu erfunden. Es ist einfach nur ein anderes Verständnis von Musik. Er hat ja dennoch dieselben Töne verwendet.

Beitrag anzeigenmaxx sagte am 06.01.2011 - 23:44 Uhr:

Herrmann hat einmal gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen einem Filmkomponisten und einem Komponisten für den Konzertsaal gibt. Beides sind Komponisten und sollten in ihren jeweiligen Tätigkeiten immer bestrebt sein, dass beste zu schaffen, zu dem sie im Stande sind.
Morricone hat sich zu dem Thema ähnlich geäußert, es scheint also gewisse Parallelen in der Herangehensweise von Filmkomponisten zu geben, die klassisch geprägt worden sind.

Ja. "Gute Musik ist gute Musik, egal wie sie kreiert und motiviert ist". Ich mache da auch keine großen Unterschiede. Im Endeffekt sind Filmkomponisten moderne Komponisten, die ihre Musik für Filme schreiben. Vor allem weil klassische Musik schon lange nicht mehr denselben Status hat wie sie es mal getan hat. Heutzutage wirkt sie eher wie ein Relikt aus "alten Zeiten". Komischerweise scheint das bei Filmmusik nicht der Fall zu sein. ^^ Es ist immer problematisch klare Linien zwischen Musik zu ziehen. Alles, was zu beschränkt ist, klingt nicht wirklich gut. Ich bin kein Fan von festgefahrenen Genres.





Besucher die dieses Thema lesen: 1

Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0