mixolydian sagte am 22.04.2008 - 17:08 Uhr:
Ach so - sicherlich kann ein Komponist auch schon vorab komponieren, bevor er die Szenen zu sehen bekommt. Kommt vermutlich darauf an was gebraucht wird. Ein Hauptthema, oder Themen zu bestimmten Figuren innerhalb der Geschichte, kann man vermutlich schon vorab komponieren (beispielweise auf Basis des Drehbuches, oder Aussagen des Produzenten), da sie vielleicht nicht genau auf eine Szene passen müssen, oder eine bestimmte Stimmung ausdrücken sollen, aber wohl eher die Charaktere unterstreichen.
Ich glaube eigentlich schon, dass die meisten Komponisten eh unabhängig von den Filmen komponieren und deswegen automatisch etwas davon in den Score einfließen lassen. Ich weiß von Thomas Newman, dass er teilweise Kompositionen, die er vorher komponiert hat, an den Filmen ausprobiert und guckt, ob sie den passenden Effekt erzielen. Das ergibt eigentlich auch Sinn, da man ja unmöglich innerhalb von wenigen Wochen einen gesamten Score komplett erschaffen kann. Es ist ja auch irgendwie ein Prozess, den ein einzelner Komponist durchläuft. Und man lernt mit seinen Fehlern. Als Komponist ist man geradezu gezwungen, seinen eigenen Entwicklungsprozess dem jeweiligen Film anzupassen. Anders geht es ja auch nicht. Komponisten sind ja auch nur Individuen.
Alexander Grodzinski sagte am 22.04.2008 - 17:58 Uhr:
Das kommt aber auch immer auf den Komponisten an. Jerry Goldsmith beispielsweise hat immer betont, dass er keine Musik aufgrund eines Drehbuchs schreiben kann, da der Regisseur und die Schauspieler noch nicht ihren Input geleistet haben. Jerry möchte den Film so erleben, wie ihn die Leute im Kino später auch erleben, dann bekommt er auch ein Gefühl für die Figuren und die Geschichte, ein Drehbuch sagte ihm in der Beziehung nichts.
Man kann allerhöchstens die Richtung, die ein Film einschlägt, erahnen. Aber im Endeffekt muss man mit dem fertigen Produkt umgehen, das stimmt schon.
mixolydian sagte am 22.04.2008 - 17:08 Uhr:
"Niemand kann die Musik neu erfinden".
Darum geht es ja auch nicht. Als Filmkomponist komponiert man so oder so Musik für einen Film. Ob dann eine originelle Komposition am Ende dabei rauskommt, spielt gar keine so große Rolle. Klar, als guter Komponist schafft man das meistens auch noch.
Sebastian Schwittay sagte am 02.01.2011 - 09:51 Uhr:
Arnold Schönberg hat es Anfang des 20. Jahrhunderts schon mal getan. Ergo: man kann schon.

Er hat sie ja nicht neu erfunden. Es ist einfach nur ein anderes Verständnis von Musik. Er hat ja dennoch dieselben Töne verwendet.
maxx sagte am 06.01.2011 - 23:44 Uhr:
Herrmann hat einmal gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen einem Filmkomponisten und einem Komponisten für den Konzertsaal gibt. Beides sind Komponisten und sollten in ihren jeweiligen Tätigkeiten immer bestrebt sein, dass beste zu schaffen, zu dem sie im Stande sind.
Morricone hat sich zu dem Thema ähnlich geäußert, es scheint also gewisse Parallelen in der Herangehensweise von Filmkomponisten zu geben, die klassisch geprägt worden sind.
Ja. "Gute Musik ist gute Musik, egal wie sie kreiert und motiviert ist". Ich mache da auch keine großen Unterschiede. Im Endeffekt sind Filmkomponisten moderne Komponisten, die ihre Musik für Filme schreiben. Vor allem weil klassische Musik schon lange nicht mehr denselben Status hat wie sie es mal getan hat. Heutzutage wirkt sie eher wie ein Relikt aus "alten Zeiten". Komischerweise scheint das bei Filmmusik nicht der Fall zu sein. ^^ Es ist immer problematisch klare Linien zwischen Musik zu ziehen. Alles, was zu beschränkt ist, klingt nicht wirklich gut. Ich bin kein Fan von festgefahrenen Genres.