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Piratenfilme!


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3 Antworten in diesem Thema

#1 ScoreAddict

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  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 15 Beiträge

Geschrieben 16.04.2006 - 08:35 Uhr

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***Disclaimer***


Diese Besprechungen und Empfehlungen sollen auf keinen Fall eine
komplette oder konsistente Liste ALLER guten und empfehlenswerten
Filmmusiken für Piratenfilme darstellen! Vielmehr handelt es sich um
meine eigene Auswahl und meine PERSÖNLICHE Meinung - basierend auf
meinem eigenen Geschmack. Und darüber lässt sich ja bekanntlich gar
trefflich streiten! Also auf in den Kampf! Klar zum Entern!
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Der Klassiker:
THE SEAHAWK (1940) (Erich Wolfgang Korngold)


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Alte Filme haben etwas, eine Form der Ästhetik (oder auch Künstlichkeit), die man heute nur noch schwer nachvollziehen bzw. emulieren kann. Sicherlich spielt auch Nostalgie mit hinein, aber man kann dennoch das Gefühl nicht unterdrücken, dass es solche Filme wohl nie wieder geben wird. Errol Flynn ist der bekannteste Filmpirat der Filmgeschichte und dieser Umstand wird nur noch von seiner Rolle als Robin Hood überstrahlt. Schon damals war er ein "Superstar" und entsprechend aufwendig seine Produktionen. Aus der Goldenen Ära Hollywoods weht uns von daher auch ein prächtiger Score um die Ohren! Kraftvolle Themen und voller Orchestereinsatz machen deutlich, wieviel den Produzenten die richtige Atmosphäre in ihren Streifen damals wert war. Der Score ist insgesamt ein guter Einstieg in das Werk Korngolds und Fans der klassischen Filmmusik werden sich hier auf jeden Fall wohlfühlen. Der Rest sollte vorher sicherheitshalber probehören - und nicht nur das erste Stück!

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Der Unterschätzte:
SWASHBUCKLER (THE SCARLET BUCCANEER) (1976) (John Addison)


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Mitte/Ende der 70er Jahre wuchs das Interesse des Publikums an Unterhaltung und Abenteuerfilmen wieder spürbar. JAWS hatte eine Bresche geschlagen und die Studios waren der Meinung, klassische Genres (wie z.B. der Piratenfilm) hätten wieder eine Chance. Dass hier einer der Hauptdarsteller von JAWS, in diesem Fall Robert Shaw, als Hauptdarsteller zum Zug kam, ist insofern also kein Zufall. Besonders erfolgreich war der Film leider dennoch nicht - auch wenn er kein Desaster war. Die Musik stammt von John Addison, einem etwas unterschätzten Komponisten, und ist ein hübscher und abwechslungsreicher Abenteuerscore, der sich weder in die klassische Periode noch in die moderne Ecke so richtig einordnen lässt (vermutlich das Problem des ganzen Films an sich). Die Schallplatte ist leider schon seit Ewigkeiten vergriffen und ein recht teurer Spass für Sammler. Da die Rechte bei MCA lagen, wird eine Neuveröffentlichung mal wieder problematisch sein. Wirklich schade!

(Edit: Mittlerweile ist der Score von Intrada wiederveröffentlicht worden.)

INFO ZUM FILM


Der Geniale:
THE CRIMSON PERMANENT ASSURANCE (1983) (John Du Prez)


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Für viele "nur" ein Teil von MONTY PYTHON'S MEANING OF LIFE (1983), handelt es sich hier im Prinzip um einen kompletten, eigenständigen Kurzfilm, der erst im späteren Verlauf der Produktion in die Story integriert wurde. Im wesentlichen ist TCPA eine hintersinnige Parodie und Hommage an die klassischen Piratenfilme (das "Crimson" spielt natürlich auf THE CRIMSON PIRATE an). Und was für eine Breitseite wird da auf uns abgefeuert! Wie auch der Film ist die Musik herrlich überdreht und bombastisch! John Du Prez, um den es danach leider sehr ruhig geworden ist, hat genau aufgepasst und es ist eine wahre Freude, seine Anspielungen auf Korngold, Steiner und Waxman zu entdecken. LEIDER - und das muss man hier ausdrücklich betonen - ist die Originalmusik in keiner Form erschienen. Die LP/CD zu MEANING OF LIFE ist nichts anderes als ein Hörspiel des Films mit ein paar Sketchen "veredelt". Zwar gibt es eine nachgespielte Version der Suite auf dem Sampler SWASHBUCKLERS (eine dicke Empfehlung von mir!), aber wie so oft kann sich diese Version nicht mit dem Original messen. Der Chor fehlt hier am meisten.

INFO ZUM FILM


Der Ungewöhnliche:
THE ICE PIRATES (1984) (Bruce Broughton)


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Nanu, ein SciFi-Film? Yep, SciFi, Komödie UND Piratenfilm im Crossover als hintersinnige Parodie zur Space Opera a la STAR WARS! Dieser witzige und freche kleine Film gehört eigentlich in jede Sammlung (und ist in vielen Bereichen deutlich besser als die Nummernrevue SPACEBALLS). Der Score von Bruce Broughton ist sehr unterhaltsam und (vermutlich aus Budgetgründen) manchmal recht minimalistisch. Das Orchester wechselt sich im Verlauf häufig mit dem Synthesizer ab und klingt dann sehr nach 80er Jahre! Nichtsdestotrotz, für diesen Film die perfekte Musik und ein relevanter Faktor für seinen hohen Unterhaltungsgrad! Das heroische Thema der Piraten und dessen Einsatz im Film regt einen immer wieder zum Schmunzeln an. Leider gibt es von dieser Musik keine Auskopplung. Damals hätte sich das Interesse fanatischer Score-Sammler wohl auch keiner vorstellen können. Sehr bedauerlich!

(Edit: Auch hier wurde der Score mittlerweile veröffentlicht, und zwar von FSM).

INFO ZUM FILM



Der Motivierte:
PIRATES (1986) (Philippe Sarde)


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In einem Zyklus von ungefähr 10 Jahren kommen Piratenfilme wieder in die Köpfe der Produzenten. Und in den meisten Fällen anscheinend genau dann, wenn diese Genres am allerwenigsten gefragt sind! Polanskis PIRATES ist da leider auch keine Ausnahme. Ein prächtiger Piratenfilm, der auf eine Vielzahl klassischer Genremotive anspielt (und sie auch parodiert) und der mit einer ebensolchen Musik unterlegt wurde. Nach einigen Quellen wurde der Score innerhalb weniger Wochen komponiert, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Hier handelt es sich im Wesentlichen um eine sehr ausgewogenen Musik mit einer Vielzahl schöner Motive, die allerding aufgrund der Länge etwas ermüden kann. Dennoch eine dicke Empfehlung!

INFO ZUM FILM



Der Bombastische:
CUTTHROAT ISLAND (1995) (John Debney)


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Der Zyklus der Pleiten setzte sich knapp 10 Jahre später ein weiteres Mal fort. Auch hier wieder ein solider und edel gemachter Piratenfilm - wenn auch manchmal etwas unrealistisch und mit einer ordentlichen Portion Actionfilm "veredelt". Die Filmmusik ist sicherlich einer der besten Scores der 90er Jahre - und aus diesem Genre überhaupt. John Debney hat (wie schon seine Vorgänger) aufmerksam die Klassiker angehört und dabei jeden Fetzen Segel gesetzt, um so richtig in Fahrt zu kommen! Manchmal erschlägt einen die Musik geradezu und die ruhigeren Passagen sind dringend nötig, um wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Schon der ursprüngliche Release hatte eine ganze Menge Musik zu bieten, doch die Doppel-CD toppt ihn noch glatt um eine ganze weitere Stunde! In der Länge kann man die Musik allerdings schon fast nicht mehr am Stück geniessen. Too much! Debney hat die Messlatte mit dieser Komposition sehr hoch gelegt und nachfolgende Filme (und auch sein eigenes Werk) werden wohl immer wieder daran gemessen werden.

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Der Überbewertete:
PIRATES OF THE CARIBBEAN: THE CURSE OF THE BLACK PEARL (2003) (Klaus Badelt, Hans Zimmer & Co.)


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Der sicherlich erfolgreichste Piratenfilm der letzten Jahrzehnte und leider auch der, mit den meisten Vorschusslorbeeren bei der Musik. Zuviele Köche verderben den Brei und einer von diesen Komponisten hat wohl zu lang mit Hans Zimmer gebadelt! ("Die Ente bleibt draussen!") Badelts Werke erinnern mich immer wieder an die Filmmusik von LADYHAWKE (Andrew Powell): Jedesmal wenn sich das klassische Element durchsetzen kann, wird die Musik zum Genuss. Jedesmal wenn die Motive Zimmerscher "Ethno-Fahrstuhlmusik" die Oberhand gewinnen, eine Qual. Das kraftvolle Hauptmotiv z.B. funktioniert nicht schlecht, aber leider hat es diese Allgemeinverwertbarkeit Zimmerscher Kompositionen "geerbt", so dass man es auch problemlos zu THE ROCK oder anderen hirnlosen Actionfilmen von Michael Bay anhören könnte. Sicherlich, POTC ist ein Sommer-Actionkracher - aber trotzdem ein Piratenfilm und diese Filme sind in einem eindeutigen historischen Kontext und Genre angesiedelt. Daraus musikalisch auszubrechen ist problematisch, wenn sich der Rest des Films ansonsten konsequent an diese Konventionen hält (diverse Fantasy-Elemente hin oder her)! Insofern knirscht die Musik bei einigen Gelegenheiten ganz ordentlich - vor allem auch durch die häufige Wiederholung des Hauptthemas - und bei anderen Gelegenheiten dümpelt sie dann wieder recht zahnlos dahin! Zur Ehrenrettung muss man hier allerdings hinzufügen, dass das normale Album nicht gerade besonders geschickt zusammengestellt wurde! Die "Promo" mit 19 Stücken ist da schon erheblich besser und bietet auch genug gutes Material, um sie empfehlenswert zu machen! Mit den schweren Kalibern kann sich dieser Score allerdings nicht messen.

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ScoreAddict.

Bearbeitet von Thomas Nofz, 22.05.2010 - 00:44 Uhr.


#2 Guest_Stefan Jania_*

  • Guests

Geschrieben 20.04.2006 - 06:30 Uhr

Seltsam, dass nach diesem wirklich tollen Posting mit vielen Tipps noch keiner irgendein Feedback geliefert hat. Obiger Text hat mir wirklich gut gefallen - großes Lob! - und mich in den letzten Tagen zum Auflegen der ganzen Scheiben verleitet (mit Ausnahme der Broughton- und DuPrez-Scores, die ich beide nur zusammen mit dem Film auf DVD im Regal habe :(). Freue mich auch schon sehr auf den kompletten The Sea Hawk, der im Sommer oder Herbst von Marco Polo (Morgan-Stromberg) als Doppel-CD kommt!

Swashbuckler an sich fand ich immer ein bißchen überschätzt. Das Titelthema ist eine absolute Wucht, danach wird der Score aber etwas flach. Mir fehlt da die wirkliche "Piraten"-Atmosphäre. :( Ist sicherlich aber Geschmackssache. Die LP ist gar nicht so teuer. Ich habe letztes Jahr für einen Bekannten über den US-Ebay ein Exemplar für (inkl. Seeweg-Porto) unter €10.- erstanden.

Ein Piraten-Score, den ich noch sehr unterhaltsam und witzig finde, vor allem wg. der Songs, ist Zimmers Muppet Treasure Island (und das sage ausgerechnet ich... :D :D ).

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Bearbeitet von Thomas Nofz, 22.05.2010 - 00:54 Uhr.


#3 Thomas Nofz

    Filmmusikalischer Gaumenkitzler

  • Administrators
  • 6.877 Beiträge

Geschrieben 20.04.2006 - 12:06 Uhr

Piratenfilme sind wohl, ähnlich wie (epische) Western, für die Komponisten eine hervorragende Gelegenheit, auf der großen "Leinwand" ihrer Notenblätter mit breiten Pinselstrichen großangelegte oder schwungvolle Themen und mitreißende Abenteuermusiken in farbiger Orchestration zu "malen".
Zum Beispiel konnte man bei CUTTHROAT ISLAND mit jeder Note spüren, wie John Debney diese heutzutage recht seltene Gelegenheit beim Schopfe packte, einmal musikalisch alle Segel zu setzen und die Protagonisten das Holzbein schwingen zu lassen. :D Diese Shanty-inspirierte Ausgelassenheit fehlte mir zum größten Teil in PIRATES OF THE CARRIBEAN.

Weitere Piratenfilmmusiken, die meiner Meinung nach ein Reinhören bzw. eine längere Veröffentlichung verdient hätten, sind:

SUITE FROM "TREASURE ISLAND", zu finden auf folgendem, hervorragenden Sampler:

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Und zwar handelt es sich hierbei um eine der unzähligen Verfilmungen des Buchklassikers von Robert Louis Stevenson (diesmal aus dem Jahr 1949), mit einer wundervollen Musik des Briten Clifton Parker, dessen Suite (ca. 24 Minuten) bezeichnenderweise mit einem echten Piraten-Song-Klassiker beginnt: "Yo-Ho-Ho!"

Ebenfalls um eine Schatzinsel, jedoch in die USA der heutigen Zeit versetzt, geht es bei Christopher L. Stones frischem und farbenfrohem

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TREASURE ISLAND - THE ADVENTURE BEGINS (1994)
Leider ist die CD zu diesem TV-Abenteuer nur als Promo erhältlich, doch die Suche lohnt sich. Bereits der erste Track "Buccaneer Bay" ist ein Enterhaken-Highlight erster Güte.


Nicht vergessen sollte man auch William Alwyns THE CRIMSON PIRATE (1952), dessen Musik - soweit mir bekannt - bislang "leider" nur in Form einer flotten, siebeneinhalbminütigen Suite auf folgendem Album erhältlich ist:

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... und, last but not least, Elmer Bernsteins kraftvoll-abenteuerlicher Score zu

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THE BUCCANEER, ein Piratenabenteuer mit Yul Brynner und Charlton Heston aus dem Jahr 1958, zwei Kinogrößen, die Bernstein bereits bei THE TEN COMMANMENTS musikalisch begleitete.

Cheers, Tom
"The good thing about movie music is that oftentimes you defeat those fears about schedules looming and everyone´s arrogant sense of excellence, and it teaches you something basic about your nature."
- Thomas Newman

#4 Guest_Stefan Jania_*

  • Guests

Geschrieben 28.07.2006 - 07:38 Uhr

Gestern abend mal wieder aufgelegt. Passt zwar nicht ganz so in den Thread, da keine Piraten vorkommen. Aber deftige Seeschlachten gibt es schon...

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Captain Horatio Hornblower von Robert Farnon. Toller Score aus dem Jahre 1951, 1992 von Farnon selbst als 21-minütige Suite nochmals mit dem RPO für das Reference Label aufgenommen. Da tropft ähnlich wie bei Ron Goodwins Nicht-Filmmusik-Werk Drake 400 das Meerwasser beinahe aus den Boxen. Herrliche Musik.

Bearbeitet von Thomas Nofz, 22.05.2010 - 00:52 Uhr.






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