Allerdings war diese Zeit auch das Ende einer Ära. Das Studiosystem war erledigt, die grossen Produktionen entsprachen immer weniger dem Publikumsgeschmack der jungen Generation - und schon bald sollten Independent-Produktionen wie z.B. EASY RIDER den Markt für immer verändern.
Was ist eine "Roadshow"?
Das Fernsehen hatte dem Kino seit den 50er Jahren systematisch das Wasser abgegraben und nur durch eine massive "Aufrüstung" (Luxuspaläste, grössere Leinwände, Technicolor, Stereosound, Scope-Format) konnte dieser Entwicklung begegnet werden. Entsprechend wurden auch die Produktionen an die gestiegenen Ansprüche angepasst.
Die Filme sollten selbstverständlich - wie schon die Kinos - jedem Anspruch gerecht werden und hohe Qualität in allen Bereichen bieten. Das Konzept der Roadshows (ebenso wie schon bei den Monumentalfilmen) war es, die Leute über Stunden hinweg zu begeistern und zu unterhalten. Das Kino als Erlebnis für die Sinne sollte dem Fernsehen klar entgegengesetzt werden.
Dieses Konzept konnte natürlich langfristig nicht aufgehen, da die Kosten enorm in die Höhe schnellten und das Publikum dennoch immer mehr das Fernsehen mit seiner Verfügbarkeit vor Ort und im eigenen Heim bevorzugte.
Erschwerend kam dann noch die Strategie der Studios hinzu, bei der Auswahl der Themen ihrer Filme auf "Nummer sicher" zu gehen: um möglichst viel Publikum auf einer breiten Basis anzulocken, waren viele Roadshows eskapistisch, unpolitisch und in nostalgischen (lies: nicht authentischen) "sicheren Häfen" der Vergangenheit angesiedelt.
Eindeutig nicht unbedingt das, was die jüngere Generation bevorzugte! Umso deutlicher der Unterschied zu den 70er Jahren, wo vorrangig ein aktueller Zeitbezug und Musikgeschmack gefragt waren und durch die Independents bzw. deren Budgetmöglichkeiten klar vorgegeben wurden.
Die Roadshows waren von daher schon zu ihrer Zeit "Dinosaurier" und entsprechend würdelos ging ihr Untergang von statten. Filmmusikalisch wird hier allerdings noch einmal aus dem Vollen geschöpft!
Erst mit dem Eskapismus der späten 70er Jahre (Spielberg und Lucas) fand dann wieder eine Renaissance der klassischen Filmmusik statt.
THOSE MAGNIFICENT MEN IN THEIR FLYING MACHINES (1965)

Musik: Ron Goodwin

Ein netter "kleiner" Film - mit einigen spürbaren Längen und vielleicht etwas antiquiert bei einigen Anspielungen - aber dennoch prächtiges Futter für Auge und Ohr! Kurzweilig und unterhaltsam auf jeden Fall!
Die Musik stammt von Ron Goodwin, einem der besten britischen Komponisten dieser Zeit. Und wenn der Film aufdreht und uns die Gags um die Ohren haut, dann macht das natürlich auch die Musik!
Ein korrekter historischer Bezug wird hier weniger hergestellt, aber dafür spielt Goodwin recht hintersinnig immer wieder auf die verschiedenen Nationen und ihre Animositäten und Eigenarten an.
Besonders witzig und gelungen ist das Thema der Deutschen - im Film übrigens perfekt verkörpert von Gert Fröbe. Aber auch die Franzosen, Italiener, Japaner und Amerikaner kriegen ihr Fett weg.
Einige Lautmalereien erinnern eher an Slapstick und Zeichentrick, ergänzen das Gezeigte aber perfekt. Schöne und ruhigere Stücke vervollständigen das nostalgische Feeling. Eine Musik (und auch ein Film), die in keinem Regal fehlen sollte!
Leider schaut es aber genau damit schlecht aus! Denn von einigen LP-Veröffentlichungen abgesehen, ist der Score bis zum heutigen Tag noch nirgends wieder erschienen. Wirklich ein Jammer! Besonders ärgerlich auch, dass gerade einige der besten Stücke natürlich nicht auf der LP zu hören sind. So muss man auch hier mal wieder warten und hoffen.

Edit: Eine gut sechsminütige Suite aus MAGNIFICENT MEN findet sich auf folgendem sehr empfehlenswerten Sampler von Chandos:
THE GREAT RACE

Musik: Henry Mancini

Damals das "Konkurrenzprodukt" zu THOSE MAGNIFICENT MEN - und sicherlich nicht schlechter! Angesiedelt in einer (sehr nostalgisch überzeichneten) Ära des gesellschaftlichen und technologischen Umbruchs (siehe Konkurrenz), solide besetzt und mit einer Vielzahl an schönen Gags und ebensolchen Settings. Aber auch hier die Probleme dieses ganzen Typs Film: einige deutliche Längen und nicht mehr sehr zeitgemäss bei manchen Anspielungen.
Die Musik von Henry Mancini versucht Bezüge zur filmischen Gegenwart herzustellen und ist dementsprechend nicht immer ganz so symphonisch wie der andere Score, sondern eher historisch-zeitgenössisch. Dennoch sind auch hier einige echte Highlights zu entdecken - vor allem das geniale Thema von Professor Fate ("Push the button, Max!") wird einem noch lange in Erinnerung bleiben!
Für den Sammler gibt es glücklicherweise einige Veröffentlichungen auf CD, so dass man nicht Mondpreise für die raren LPs hinblättern muss. Leider lässt die Laufzeit (und auch die Auswahl der Stücke) einiges zu wünschen übrig! Hier wäre eine Veröffentlichung mit mehr Musik überfällig!
THE PRIVATE LIFE OF SHERLOCK HOLMES

Musik: Miklos Rozsa

Der dramatische Schlusstrich unter die Roadshows - und ein ganzes Kapitel der Filmgeschichte. Das Studio entschied kurz vor dem Abschluss der Produktion, dass der Film zu lang wäre - und gab das Roadshow-Konzept dann vollends auf.
Für seine Aufführung musste der Film ordentlich Federn lassen und ist in der heutigen Form nur noch als Fragment anzusehen. Dass er aber dennoch unterhaltsam und sehenswert ist, spricht mehr für die Talente des Regisseurs, als für die damalige Entscheidung des Studios.
Zunächst einmal ist PRIVATE LIFE aber weniger eine Komödie als vielmehr ein Sherlock Holmes-Film in der klassischen Tradition und mit entsprechend vielen nostalgischen Bezügen und Anspielungen - historische Ansätze sind da eher nebensächlich.
Die Musik von Rozsa passt von daher perfekt dazu: ein wundervoller Klangteppich, mit starken Themen und allerfeinstem Orchestereinsatz, ganz im Stil der klassischen Ära. Selbst die unter Elmer Bernstein nachgespielte Version auf der Colosseum-LP (was habe ich für diese Scheibe damals in Frankfurt Geld hingelegt, aargh!) bringt dieses Feeling angemessen rüber. Sicherlich eines der letzten grossen Werke von Miklos Rozsa und der klassischen Filmmusik seiner Generation!
Glücklicherweise gibt es für Interessenten schon Abhilfe - und nicht nur die extrem seltene Laserdisc mit der isolierten Musikspur! Eine vollständige Veröffentlichung in allerbester Tonqualität (siehe BEN HUR) wäre natürlich besser! Aber man darf ja noch träumen...
Edit: Träume können wahr werden: Mittlerweile hat Tadlow den kompletten Score von Rózsa neu eingespielen lassen und als prall gefüllte Single-Disc veröffentlicht - siehe oben
ScoreAddict.
Bearbeitet von Thomas Nofz, 26.05.2010 - 23:45 Uhr.















