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Mal eine kurze Zusammenfassung der beiden Sätze der Gis-moll-Sinfonie:

 

 

I. Moderato con moto

 

Ein getragener, 16-minütiger Satz, mit einigen dramatischen Steigerungen im Mittelteil. Die ersten drei Minuten sind eine Neueinspielung der "Main Titles" aus SPHERE - darauf aufbauend, spinnt Goldenthal das 5-Noten-Hauptmotiv des Scores weiter, teils unter Verwendung weiterer SPHERE-Fragmente, manchmal auch mit einigen neuen Ideen. Interessant: Goldenthal lässt eine Quartett-Formation gelegentlich solistisch aus der Streichersektion hervortreten.

 

Ab etwa Minute 9 zieht der Satz etwas an und bäumt sich zu dramatisch-emotionalen Steigerungen à la MICHAEL COLLINS auf (auch die schmerzvollen Streicher-Elegien aus IN DREAMS sind stilistisch nicht weit). Auf den dramatischen Mittelteil folgt ab Minute 14 eine Art Coda, bestehend aus dem "Premonition Lento" aus IN DREAMS (1:1 übernommen, sogar das Saxophon), und einigen kurzen Einschüben des SPHERE-Hauptmotivs.

 

 

II. Rondo agitato

 

8-minütige, bewegte Collage aus Filmmusik-Actioncues (FINAL FANTASY, SPHERE). Den Einstieg bildet eine Neueinspielung von "Toccata and Dreamscapes" aus FINAL FANTASY - neues Material gibt es hier keins, nur das Streichquartett funkt einige Male kurz dazwischen. Von 1:48 bis 2:48 fügt Goldenthal recht ungelenk "Manifest Fire" aus SPHERE ein.

 

Im ruhigeren Mittelteil gibt es einige Rückbezüge zum ersten Satz, und ab Minute 5 geht es mit "Toccata and Dreamscapes" weiter (daher wohl die Satzbezeichnung Rondo....), inklusive der treibenden Percussion, die so ganz ähnlich auch in der Filmmusik-Version dabei ist. Der Satz endet dann auch auf dem gleichen, brachialen Höhepunkt - also bis zum Schluss nichts Neues mehr.

 

------

 

Fazit: Sicher, es ist (und war schon immer) tolle, hochwertige Musik, die nun dort angekommen ist, wo sie schon immer hingehörte: in den Konzertsaal. Ein sinfonisches Werk muss aber letztendlich doch deutlich mehr sein als nur ein Filmmusik-Best-Of. Insofern leider eine Enttäuschung, insbesondere für die langjährigen Aficionados, die mit Goldenthals Filmmusik seit Jahren bestens vertraut sind. Für arrogante Klassik-Puristen, die sich nie in Filmmusik-Gefilde herablassen wollten, dürfte das Release dagegen ein hübsches Aushängeschild Goldenthal'scher Qualitäten sein (vielleicht war das auch das einzige Ziel dieses revisionistisch anmutenden Unterfangens).

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Am 26. Januar 2017 wird ein neues Konzertwerk von Goldenthal in Rochester, New York aufgeführt: "Two Days in the Life of a Soviet Worker". Es spielt das Rochester Philharmonic Orchestra unter Ward Stare.

 

Scheinbar handelt es sich aber wieder um eine Konzertbearbeitung einer seiner Filmmusiken:

 

One of those works is by film composer Elliot Goldenthal, with whom Stare collaborated in a project at La Poisson Rouge in New York City.

 

“As an Oscar-winning film composer, he’s just sort of pigeon-holed a little bit. So we looked at a few different things, and this waltz, ‘Two Days in the Life of a Soviet Worker ’ jumped out at me as a perfect fit for the Shostakovich concert. And these pieces come from some film music he wrote a while back, but they’ve never been performed in concert. So this is the world concert premiere of that.”

 

Quelle: http://www.democratandchronicle.com/story/lifestyle/music/2016/02/09/yo-yo-ma-highlights-rpo-2016-17-season/80069278/

 

 

Dennoch nicht uninteressant. Mal sehen, was er da ausgewählt hat - es soll ja eine Art Begleitstück zu Schostakowitschs Fünfter sein, die den Hauptprogrammpunkt des Konzerts bildet.

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Auf dem YouTube-Account von Goldenthals Label Zarathustra Records ist jetzt auch eine Live-Aufnahme des zweiten Satzes seiner Gis-moll-Sinfonie (siehe dazu auch drei Beiträge weiter oben) gepostet worden: 

 

Ich finde den Übergang zu "Manifest³" aus SPHERE (ab 1:49) ja immer noch gewöhnungsbedürftig und eher unbeholfen... wirkt fast wie die Arbeit irgendeines TV-Redakteurs, der für eine Vorabendsendung zwei Goldenthal-Actioncues aneinandergepappt hat. ;) 

Naja, vielleicht liegt es aber auch daran, dass man als Nerd jede Note aus FINAL FANTASY und SPHERE auswendig kennt... dem Normalo wird der Bruch im Material wohl weniger auffallen. 

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Sehr spannend, werde mal schauen, dass ich die gesamte Sinfonie auftreibe. Auch gis-Moll ist eine spannende Tonart für ein solches Werk.

 

Apropos: Ich habe mal gehört, dass Goldenthal vor einigen Jahren einen schweren Unfall hatte. Ist er wieder vollständig genesen? 

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vor 5 Stunden schrieb SilvestriGirl:

Sehr spannend, werde mal schauen, dass ich die gesamte Sinfonie auftreibe. 

Das Album gibt es sowohl auf Spotify als auch auf YouTube - wie gesagt, größtenteils ein Re-Working seiner Filmmusiken zu SPHERE und FINAL FANTASY, aber immerhin sind Performance und Aufnahme toll: 

 

 

vor 5 Stunden schrieb SilvestriGirl:

Apropos: Ich habe mal gehört, dass Goldenthal vor einigen Jahren einen schweren Unfall hatte. Ist er wieder vollständig genesen? 

Seine Sprechfähigkeit war durch das Schädelhirntrauma (Sturz vom Stuhl wegen Kippeln) zeitweise stark beeinträchtigt, aber das hat sich wieder gebessert. Zumindest 2014 in Prag konnte ich mich völlig normal mit ihm unterhalten. 

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Oh, welch Luxus - vielen Dank! :D 

Die Einführung von Goldenthal selbst kenne ich von irgendwo her... wurde scheinbar schon mal bei irgendeiner Konzertankündigung veröffentlicht. 

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Luxus für Goldenthals Zarathustra-Label: ja. Das hat sich danach ziemlich verschlimmert. Jabberwocky (eine 12 Minuten lange CD) kam nur noch in einer einfachen Papp-Hülle auf Promo-Niveau. 😉 A Midsummer Night's Dream habe ich wg. der Preisgestaltung dann gar nicht mehr gekauft.

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Hier hört man schon sehr gut, dass Goldenthals Film(!)musik eher Studiomusik, und weniger Konzertmusik ist. Der Anfang des zweiten Satzes, wo die beiden Stücke aus FINAL FANTASY und SPHERE verarbeitet werden, klingen erst richtig gut, wenn sie entsprechend gemischt, einzelne Instrumentengruppen im Stereofeld besonders fokussiert werden, etc. - so wie im Falle der oben geposteten CD-Aufnahme unter Carl St. Clair. 

Bei der Live-Aufnahme hat man bei manchen Stellen schon ein bisschen das Gefühl, dass es kurz davor ist, aus dem Ruder zu geraten. Und die Klangmischungen sind auch oft etwas unausgewogen. 

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Am 16.8.2019 um 23:00 schrieb SilvestriGirl:

Also ich habe jetzt die Sinfonie mal durchgehört - wirklich umwerfend finde ich das nicht. Es ist wirklich ein Copy / Paste seiner Scores.

Musikalisch natürlich trotzdem top notch

Und wie ich damals schon geschrieben habe: damit kommen Teile seiner Filmmusik nun endgültig dort an, wo sie (qualitativ) eigentlich hingehören: in den Konzertsaal. 

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