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Mephisto

Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre

Empfohlene Beiträge

vor 3 Stunden schrieb ataraxus:

ach, ich wünschte ich könnte mitdiskutieren aber ich hab leider weder das Gehör noch das Hintergrundwissen dazu.

ich empfehle das wirklich nur aufgrund meines eigenen schlichten Hörvergnügens.

 

Das mache ich aber auch so, und es sollte sich niemand davon abhalten lassen, hier eifrig mitzuschreiben, bloß weil man der eigenen Sachkompetenz nicht traut. Ich selbst bin musikalisch auch blutiger Laie und schreibe einfach drauflos, basierend auf den Erkenntnissen, die ich im Laufe der Sammler-Jahre hier und da so aufgeschnappt habe. Und wo das Fachwissen versagt, helfe ich mir mit Umschreibungen weiter. Irgendwie geht das schon. Und es ist ja auch schön zu sehen, dass auch andere mitlesen, und dieser ganze Faden nicht nur für drei Leutchen gemacht ist.

Anderes Thema:  Kann hier vielleicht irgendwer was zu GIGANTE DI METROPOLIS von Trovajoli sagen? Den Hörbeispielen bei Kronos nach, geht der zwar stilistisch in die selbe Richtung wie ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA, es gibt allerdings auch sehr schöne, pastorale Momente darin.

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Das Blechbläser-Hauptthema bei GIGANTE ist jedenfalls genau dasselbe wie bei Trovajoli´s MACISTE L´UOMO PIU`FORTE DEL MONDO - beide Filme sind an 1961 im selben Monat in Italien herausgekommen und die hat er wohl auch parallel betreut. Einige mysteriöse Passagen sind aus dem Horror-Score LYCANTHROPUS übernommen worden - auch der nur ein paar Wochen davor entstanden. Und der Rest scheint mir recht nahe an ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA zu sein. Von daher - und da ich den MACISTE habe, der aber auch nicht so berauschend ist, aber dank einiger heroischer und romantischer Abschnitte wohl noch etwas besser hörbar -, habe ich eine Anschaffung von GIGANTE erst gar nicht in Betracht gezogen.

Merkwürdig ist eh, daß man Trovajoli damals Anfang 60er für diese SciF/Horror/Peplum-Genre-Mixturen genommen hat. Ist eigentlich gar nicht recht sein eigentliches musikalisches Metier gewesen.

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was war denn sein eigentliches Metier? ich höre gerade den Banca di Monate. scheint irgendwie besser auf ihn zu passen.

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Trovajoli`s Metier war selbstverständlich Jazz, Swing und Unterhaltungsmusik, was ihn besonders für Komödien geeignet machte. Er hat ja auch genügend Klassiker vertont in dem Genre, die von seinem typischen Sound leben – vor allem in den 60ern und 70ern wie SETTE UOMINI D´ORO, IERI, OGGI, DOMANI, L ´ARCIDIAVOLO, CASANOVA ´70, BRUTTI, SPORCHI E CATTIVI, PROFUMO DI DONNA etc., . Daneben hat er auch Musicals und Songs geschrieben, war auch ein hervorragender Pianist..
Besonders erwähnenswert ist auch sein ganz besonderes Geschick, auf charmant-elegante Weise Barockmusik bei Historienfilmen einzuflechten. Dabei sind ganz wunderbare Sachen wie NELL´ANNO DEL SIGNORE (1969) , LA NUIT DE VARENNES (1982) oder IL VIAGGIO DI CAPITAN FRACASSA (1991) entstanden, die ich persönlich besonders schätze.
Auf dem sinfonischen Gebiet hat er herausragende Musiken vor allem für den Kriegsfilm ITALIANI BRAVA GENTE (1963) und das Sophia Loren-Melodram LA CIOCIARA (1960) geschrieben, die zu seinen ambitioniertesten Arbeiten gehören, auch auf Tonträger zu beeindrucken wissen und eben nicht nur atmosphärische Klangkulissen beinhalten..
Seine beste Leistung im Peplum-Genre dürfte wohl SOLO CONTRO ROMA von 1962 sein, aber den Score hat bislang eh noch gar niemand veröffentlicht.  

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COMIN' AT YA! - Carlo Savina

COMIN’ AT YA! oder ALLES FLIEGT DIR UM DIE OHREN dürfte heutzutage nur noch als erster Italowestern in 3D für filmtechnisch Interessierte von Interesse sein, in seiner „flachen“ 2D-Variante bietet der auf Effekteinstellungen und brutale Gewaltszenen fokussierte Film über einen Bräutigam, der seine entführte Frau aus den Händen zweier Mädchenhändler befreien will, kaum noch Reize.

Der Komponist Carlo Savina ging diesen Auftrag, der zu den letzten fünf Filmvertonungen seiner über vierzig Jahre umspannenden Karriere als Filmkomponist, sehr ambitioniert an. In seiner Musik fliegt dem Hörer allerdings kaum etwas um die Ohren, stattdessen bekommt man eine überaus lyrische und melancholische Komposition zu hören. Ein sehr sangliches, langes und melancholisches Hauptthema wird oftmals von der Mundharmonika, entweder komplett solistisch oder mit dezenter Streicherbegleitung interpretiert. Diesem Hauptthema stellte der Komponist noch ein weiteres sehnsuchtsvolles Thema zur Seite, dass häufig von einer Sopranistin in Vokalisen gesungen wird – spätestens seit „Jills Thema“ aus SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD ein sehr beliebtes Mittel der Italowesternmusik. Jedoch selten brachte ein Komponist es fertig, seine Vokalise derart entrückt und mystisch zu Gehör zu bringen. In „A green wound“ und „peaceful memories“ wird das Vokalisenthema auch je einmal vom Englischhorn und dem Solocello vorgetragen, bevor die Sopranistin es wieder übernimmt.

In „My wrong side“ und „In the cantina“ gibt es ein schmuckes neues Thema zu hören, das von einem Gitarrenduo gespielt wird, auch „Before your soul“ ist ausschließlich für Gitarren arrangiert. Eine besonders charmante Idee bildet die schottisch/keltisch-folkloristische Melodie für einen schottischen Priester („Celtic Cowboy“), arrangiert für zwei Fagotte, zwei Oboen und Englischhorn, die von Savina so brillant instrumentiert wurde, dass man ernsthaft glauben könnte, einem Dudelsack zu lauschen.

Obwohl es sich also hauptsächlich um eine sehr ruhige und lyrische Vertonung handelt, kam Savina nicht darum herum, auch einige dramatische und Actionszenen mit Musik zu bedenken. Diese werden meistens von dissonant gegeneinander verschobenen Streicherlinien, durchzuckt von einem elektronisch anmutenden Perkussionseffekt, der ein bisschen an eine Holztrommel erinnert, eröffnet, und münden beispielsweise  in „Carried away“ in ein groß angelegtes thema der Blechbläser, flankiert von der Sopranstimme und dem Weklagen der Mundharmonika.

Insgesamt ist zu bemerken, dass es der Musik, obwohl Savina anscheinend eine gewöhnliche Orchesterbesetzung mit Holz-, Blechbläsern, Streichern und zwei Schlagzeugern zur Verfügung stand, durchweg an „Breite“ fehlt. Man spürt, dass die einzelnen Kompositionen oft ausladend konzipiert sind, aber die Aufnahme, die Interpretation oder auch die Instrumentation gibt das leider zu keinem Zeitpunkt her. Die Vokalise mit Orchesterbegleitung erreicht niemals die Klangfülle und die emotionale Stärke von „Jills Thema“, der Action fehlt es stets an Wucht. So gekonnt diese Musik also komponiert ist und so ambitioniert Savina offensichtlich bei der Sache war, bleibt COMIN’ AT YA! stets hinter den an sich gestellten eigenen Ansprüchen zurück – in Anbetracht der musikalischen Qualität umso bedauerlicher.

Der Komponist stellte bereits zum Filmstart einen Albumschnitt aus knapp der Hälfte der Musik zusammen. Dieser wurde jedoch nie auf LP gepresst, sondern erstmals von GDM im Jahre 2007 auf CD veröffentlicht und mit einer Bonussektion der restlichen Aufnahmen erweitert. Es ist schön, die Musik zu diesem viel zu späten, aber aus filmhistorischen Gründen wichtigen Italowestern und ein Spätwerk Carlo Savinas endlich verfügbar zu haben, aber leider krankt die Musik an der fehlenden Wucht und klanglichen Breite.

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Ich hatte ja schonmal meine Bewunderung für diese Musik beschrieben. Dass die Orchestrierung zu schmal ausgefallen ist habe ich irgendwie nie so empfunden, mag aber sein. Für mich ist es nicht nur Savinas Bester, sondern sicherlich auch eine der besten Italowesternsoundtracks überhaupt.

vor 17 Stunden schrieb Mephisto:

Eine besonders charmante Idee bildet die schottisch/keltisch-folkloristische Melodie für einen schottischen Priester („Celtic Cowboy“), arrangiert für zwei Fagotte, zwei Oboen und Englischhorn, die von Savina so brillant instrumentiert wurde, dass man ernsthaft glauben könnte, einem Dudelsack zu lauschen.

Ist das wirklich so?  Hast du das irgendwo nachgelesen, oder einfach durch Hinhören herausgefunden? Wär ich nie drauf gekommen, dass da kein Dudelsack spielt. Woran macht man sowas fest?

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Paolo Vasile: IL GIORNO DEL COBRA

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"It´s coming soon the day of the cobra, and there´s no time to get away", verkündet der Titelsong dieses soliden, unterhaltsamen Actionkrimis von Enzo Castellari. Mit den Lyrics hat man sich hier mehr Mühe gegeben als man es von italienischen B-Movie-Songs sonst gewohnt ist, auch wenn die Charaktereigenschaften, die der Titelfigur (Deckname Cobra)  hier zugeschrieben werden, schon etwas dick aufgetragen sind.

"I never needed help from nobody, how could I trust them anyway..."  Ja, Franco Neros Privatdetektiv ist auf sich allein gestellt, und schreibt auch gerne mal die Kontaktdaten von Klienten beim Kochen an die verrusten Kacheln über dem Herd in seiner schmuddeligen Junggesellenbude. Der Song DAY OF THE COBRA ist eine perfekte, eingängige Eröffnungsnummer, mit lässigen Beats, lakonischen Saxophoneinschüben und synthetischer Unterstützung. Bereits hier sind dramaturgisch geschickte Instrumentierungskniffe zu bemerken, die dem Song neben seiner schlichten Funktion als Titelmusik auch die Eigenschaften einer begleitenden, dramatischen Filmmusik verleihen.

Der Score selber macht viel Freude, ist ganz klar in den 70er Jahren verwurzelt, wobei aber auch die 80er ihre Schatten vorauswerfen. Das Ensemble besteht vornehmlich aus Percussion, bluesigen Trompeten und Synthetischem. Ein Großteil der Komposition dient der Untermalung von Spannungs- und Actionszenen, doch ist Vasile ein Komponist, der sich nicht auf den gängigen Suspense-Floskeln ausruht und viel Gespühr für filmische Dramaturgie beweist. Ausgehend vom Cobra-Thema, stattet er Franco Neros turbulente Ermittlungen mit immer neuen, musikalischen Wendungen aus, dass es für den geneigten Hörer über die gesamte Laufzeit spannend bleibt. Lediglich das Thema für die Beziehung zu seinem kleinen Sohn fällt etwas aus dem Rahmen. Mit Synthesizer, etwas Föte und Gitarre klingt es wie etwas, was Karel Svoboda für die Biene Maja hätte schreiben können und droht schon ein wenig in Schlager-Gefilde aufzudriften. Gerade in "Remember" und "Tim" fällt es daher etwas kitschig aus, in "Encounter" ist es dagegen zurückhaltender orchestriert und stimmiger. Außerdem gibt es noch eine mitreißende (und schnellere) alternative Fassung von DAY OF THE COBRA, die im Film als Abspannmusik dient, und ein gut geöltes Disco-Instrumental-Stück names "Upstairs".

Paolo Vasile hat seine Filmmusikkarriere nach nur einer handvoll Produktionen aufgegeben und ist heute erfolgreicher TV-Produzent. Sein "Cobra"-Score wurde seinerzeit von Cinevox auf schuldiges Vinyl gepreßt und wird all jenen gefallen, die einen bodenständigen, einfallsreichen Krimiscore mit Zeitkolorit zu schätzen wissen. Sammler, die nur klassische Orchester-Scores gelten lassen, werden hiermit freilich nicht viel anfangen können.

Eine CD dieser Musik wäre zu begrüßen. Aber wenn, dann bitte auch mit der Filmversion des Titelsongs.

 

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Vorweg:  Es gibt da einen Wikingerfilm namens "Eine handvoll blanker Messer" von Mario Bava. Zu diesem Film hat Marcello Giombini ein großartiges Hauptthema mit einfacher, aber wirkungsvoller Harmonik und eingängiger Melodie geschrieben. Dieses Thema hat sich mir seit Jahren im Gedächtnis festgesetzt, eine Soundtrack-Veröffentlichung hierzu steht jedoch noch aus. Mit dem Erwerb von I SETTE GLADIATORI habe ich auf etwas Vergleichbares gehofft - und es auch tatsächlich bekommen! Auch hier gibt es ein heroisches Heldenthema, das zwar qualitativ nicht mit dem von "Handvoll blanker Messer" mithalten kann, aber doch auf ähnliche Weise ins Ohr geht und gut nachpfeifbar ist. Das muß es auch sein, denn die Helden dieses netten Peplum-Abenteuers verständigen sich in brenzligen Situationen untereinander, indem sie sich die Akkorde ihres eigenen Themas gegenseitig zupfeifen!

In der 6-minütigen Titelmusik wird dieses Hauptthema gelungen eingeführt:  Es beginnt mit leiser Suspense-Untermalung, in die dann hier und da Fragmente des Themas eingestreut werden, bis es schließlich in voller Länge ausgespielt wird. Ein netter Einstieg, und zur Abwechslung mal ohne die im Genre bevorzugten "Schmädderätäng"-Overtüren.

Das zweite wichtige Motiv ist das "Tema d´Amore". Dieses trägt mit seinen erhabenen Hörnern eine gewisse schicksalhafte Schwere in sich und dürfte der kompositorisch gelungenste Teil dieser Filmmusik sein. Außerdem gibt es ein exotisches Tänzchen, massig mulmige Spannungsmusik, Grobschlächtiges für die Kampfszenen und hier und da auch mal eine römische Fanfare. Auf ein 90-minütiges Album ausgewalzt ist das natürlich viel zu viel, auch wenn Giombini kontinuierlich mit netten Varianten des Helden-Themas zu überraschen weiß. Ein weiterer Schwachpunkt ist das doch reichlich reduzierte Orchester, das dem Komponisten zur Verfügung stand. Da fehlt es an allen Ecken an Klangfülle, und wenn dramatische Wucht vermittelt werden soll, dann betritt der Mann an der Pauke (der Pauker?) die Bühne, denn so ein Paukenschlag klingt schließlich immer irgendwie episch, besonders wenn dann noch die handvoll Blechbläser die tiefen Töne dazu anstimmt.

Wer Monumentales sucht, der ist hier also falsch. Giombini betont das Abenteuerliche und muß sich mit den begrenzten Mitteln eines sehr überschaubaren Ensembles herumschlagen. Den Einfallsreichtum seiner besten Scores (Sabata) erreicht er leider nicht im Ansatz und somit kann ich unterm Strich auch keine Empfehlung aussprechen. Ein Fehlkauf war es aber auch nicht, dazu ist das Hauptthema in all seinen Ausprägungen doch zu knuffig und das Liebesthema zu schön, und deshalb bekommt auch diese CD ihren Platz bei mir im Regal zugewiesen.

Noch ein Hinweis: Auf der Seite von Digitmovies gibt es eine Hörprobe, die zumindest mal das Tema d´Amore anklingen läßt.

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Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht. Damit habe ich SETTE GLADIATORI auf die lange Bank geschoben. Es freut mich aber zu lesen, dass für Dich noch ein nettes Hauptthema und ein schmachtendes Liebesthema bei rausgesprungen sind. Dafür, dass Du nach eigener Aussage über keine allzu großen musikalischen Fachkenntnisse verfügst, hast Du die Musik sehr anschaulich und "nachvollziehbar" beschrieben und damit wahrscheinlich auch vielen Leuten, die sich nicht professionell mit Musik auseinandersetzen, einen guten Eindruck vermitteln können. Das ist für so ein Forum mehr als wünschenswert! Richtet es sich doch schließlich hauptsächlich an interessierte Laien mit mehr oder weniger musikalischer Bildung. Ich wünsche, dass sich weitere Leute "trauen", ihre Eindrücke zu schildern, denn davon lebt ein Forum. Nur, weil dann jemand nicht mit der Wahrnehmung ("Ich finde die Musik sehr wuchtig." - "Mir ist sie nicht wuchtig genug!") übereinstimmt, bedeutet das nicht, dass man seine eigenen Eindrücke "falsch" oder "schlecht" geschrieben - oder gar selbst die Musik "falsch" gehört hat!!! Was ich von SETTE GLADIATORI auf youtube im Film gehört habe, hat mich nicht dazu bewogen, dafür um die 20,00€ auszugeben. Dein Bericht hat mich darin bestärkt.

Am 8.7.2017 um 10:37 schrieb Angus Gunn:

Ich hatte ja schonmal meine Bewunderung für diese Musik beschrieben. Dass die Orchestrierung zu schmal ausgefallen ist habe ich irgendwie nie so empfunden, mag aber sein. Für mich ist es nicht nur Savinas Bester, sondern sicherlich auch eine der besten Italowesternsoundtracks überhaupt.

Ist das wirklich so?  Hast du das irgendwo nachgelesen, oder einfach durch Hinhören herausgefunden? Wär ich nie drauf gekommen, dass da kein Dudelsack spielt. Woran macht man sowas fest?

Ich bin "echten" Dudelsack von mehreren Liveerlebnissen gewohnt und habe viel Hörerfahrung, was Orchester- und Kammermusik betrifft. Mit etwas Übung kann man den Klang der einzelnen Holzblasinstrumente gut "auseinanderdifferenzieren". Den typischen Bass mit zwei Fagotten und die näselnden Oboen als Melodieinstrumente eignen sich für eine Imitation des Dudelsacks hervorragend.

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Diesen hier würde ich gerne noch einwerfen. Bruno Canfora hat es hier mit einem ähnlich kleinen Orchester zu tun wie weiter oben Maestro Giombini, doch geht Canfora meiner Ansicht nach geschickter damit um. Er konzentriert sich auf Percussions, Blech und Holzbläser, alles in hörbar kleiner Besetzung, und die Streicher freuen sich über einen freien Tag.

Der Score ist rauh und spröde im positiven Sinne, im Stil der russischen Schule a la Strawinski gehalten, durchzogen von aggressiven Clustern, gewagten Disharmonien und wildem, blechgepanzertem Kampfgetümmel (Track 10!). Selbst friedliche Momente sind mit einem oder zwei Holzbläsern äußerst karg gehalten, von schroffer Urwüchsigkeit und von spätromantischem Pathos weit entfernt. Das instrumentale Arrangement ist so geschickt ausgeführt, dass die begrenzte Besetzung nicht weiter auffällt, sondern, im Gegenteil der unsentimentalen Komposition sogar noch entgegenkommt.

Gerade hierzu würden mich andere Meinungen interessieren, da ich mir vorstellen kann, dass diese Musik kontrovers aufgenommen wird.

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Du willst wirklich eine konträre Meinung dazu hören? Kannste gerne haben.:)
Ich habe die CD mal vor drei Jahren im Tausch aus Italien erhalten, habe sie aber schon längst entsorgt. Das ist für mich so ziemlich die übelste Veröffentlichung in der Peplum-Reihe von Digitmovies gewesen. Der Score ist ziemlich dilettantisch gefertigt, hat keinerlei musikalische Struktur, keinen Zusammenhang und beinhaltet auch keinerlei muskalische Entwicklung. Das ist einfach nur ideen- und konzeptlose Hintergrundmusik, auch mehr kompostiert als komponiert und auf CD eigentlich nicht anhörbar. Ein Vergleich mit Strawinsky erübrigt sich hier für mich völlig und wäre hanebüchen – da liegen ja rein objektiv betrachtet wirklich Welten dazwischen.
Offensichtlich hatte Canfora selbst überhaupt keine Lust, für diesen Routinestreifen die Musik zu komponieren. Immerhin hatte er davor an 1958 für den Heinz Rühmann-Film ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG einen ganz interessanten Score geschrieben gehabt. Von der Qualität ist bei REGINA DEI TARTARI allerdings überhaupt nichts zu hören.
Hier noch die paar Zeilen, die ich mal vor drei Jahren zur Digit-CD geschrieben hatte:
 
“Um Gottes Willen, das ist ja wirklich über 45 Minuten auf CD unanhörbar, dabei wird man ja zum Elch. Völlig uninspiriert, rein funktional, langweilig und banal, ohne irgendwelche kompositorischen Einfälle, ein ständiges dumpfes Getröte, Gepauke und Getrommel, das nichts einbringt.
Außerhalb des Filmzusammenhangs eine totale Niete. Aus musikalischer Sicht gäbe es keinen einzigen Grund, so was überhaupt auf CD zu veröffentlichen. Wird bei mir nicht archiviert, sondern fliegt sofort raus. Das dürfte bislang wohl so ziemlich die schlechteste Peplum-CD von Digit überhaupt sein.”

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Aha, ganz offensichtlich also eine sehr kontroverse CD. Möglicherweise ein Kandidat aus der Kategorie "entweder man mag oder man haßt ihn", aber das war ja vorauszusehen. Gibt´s noch mehr Meinungen dazu? 

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Nicht von mir. Ich erinnere mich, die Beschreibung vor einiger Zeit bei Digitmovies gelesen, als ich nach möglichen Peplum-Kandidaten Ausschau hielt. Da hat mich schon die Instrumentationsangabe abgeschreckt. Ich bin kammermusikalischen Besetzungen sehr aufgeschlossen und schätze auch alternative Herangehensweisen, hatte aber den Eindruck, dass man hier die beschränkten Möglichkeiten dank des knappen Budgets als Innovation feiert - und da werde ich schnell skeptisch. Solche Filme verlangen nunmal eine möglichst wuchtige Musik, da sie selber sehr auftrumpfend daherkommen (jedenfalls das, was ich davon gesehen habe, ihr könnt mich gerne korrigieren) und versuchen, größer auszusehen als sie sind. Da ist dann eine voll besetzte Orchestermusik ziemlich hilfreich, etwaige fehlende Schauwerte zu kaschieren. Aber der Canfora kam mir einfach unfreiwillig spröde vor.

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Im Digitmovies-Pressetext wird ja auch auf Nascimbenes ALEXANDER THE GREAT von 1956 hingewiesen, da dort ebenfalls auf die Streicher verzichtet wurde. Bei Nascimbene war das allerdings bei dieser großen Hollywood-Produktion nicht eine Frage des Budgets, sondern in der Tat eine ganz bewußte Entscheidung, um dadurch einen möglichst archaisierenden Klang zu erreichen. Das hat bei Nascimbene selbstverständlich auch eine ganz andere kompositorische Qualität als bei dem dagegen zu vernachlässigenden Canfora-Titel. Nascimbene versuchte wirklich, mit den damaligen Konventionen zu brechen und eine der Antike angemessene musikalische Sprache zu finden, was überaus hörenswert und packend geraten ist.
Anders seine Vogehensweise wiederum bei ENEIDE, der vierteiligen TV-Verfilmung von Vergils Äneis von 1971, wo eigentlich nur ein kleines Orchester zum Einsatz kommt. Nascimbene hat dafür eine sehr intensive, elegische Komposition geschrieben, die weniger das äußere dramatische Geschehen paraphrasiert als viel eher die psychologischen Konflikte der Hauptpersonen in archaischen Klangbildern umsetzt, in denen nebst dem fast ständig präsenten Chor lyrische Soli von Viola, Flöte und Kontrabaß bestimmend sind. Im Gegensatz zu anderen rein experimentellen Nascimbene-Arbeiten dieser Zeit eine überwiegend melodische, aber dennoch sehr eigenwillige und subtile sinfonische Musik, die ich allen Italien-Interessierten gerne weiterempfehle.
 
Gerade wenn es um Kammermusik für solch ein Genre gehen soll, dann braucht es eben einen wirklichen musikalischen Könner, um so was richtig gut umzusetzen. Da kann ein Canfora etwa niemals mit einem Giovanni Fusco mithalten. Fusco hat für LA LEGGENDA DI ENEA an 1962 sicherlich eine der ungewöhnlichsten Peplum-Musiken komponiert. Ich zitiere einfach mal aus dem Text, den ich dazu (die erste Scheibe der Doppel-CD enthält ja Fuscos Musik zu LA GUERRA DI TROIA, die dagegen ein deutlich größeres Orchester auffährt) mal vor einigen Jahren verfaßt hatte:
“Wiederum verzichtet Fusco fast gänzlich auf Streicher, setzt aber bis auf wenige Fanfaren in der zweiten Hälfte ein eher kleines Orchester ein, so daß man fast von Kammermusik sprechen möchte. Und dabei scheut er keine Dissonanzen, vieles kommt geradezu herb und experimentell daher. Gelungen ist vor allem der wiederholtre Einsatz des solistischen Klaviers mit seinen hämmernden Ostinati. Beeinflusst ist die Musik sehr deutlich vom französischen Neoklassizismus à la Honegger, Strawinsky oder Poulenc. Melodisches erscheint nur in einem bukolischen, aber sehr zurückhaltenden Thema für Äneas und in der Schlussapotheose – der Rest des Scores ist sehr modernistisch gehalten. In Teilen könnte man meinen, daß Fusco bei dieser Arbeit seine bei den Antonioni-Filmen gewonnene Erfahrung der klanglichen Reduzierung und der Tendenz zur Abstraktion auf ein Epos übertragen wollte. Jedenfalls eine sehr ungewöhnliche und hörenswerte Angelegenheit.”

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vor 2 Stunden schrieb Mephisto:

Solche Filme verlangen nunmal eine möglichst wuchtige Musik

Aber genau das ist doch der Punkt! Die Musik paßt ganz hervorragend zum Film, der eben dieses archaische, rauhbeinige Völkchen zum Thema hat, und Schauwerte im Sinne antiker, römischer Prachtstädte gibt es hier ja nicht, sondern schräge Maskierungen, holzige Hütten, rohe Kampfszenen und robuste Grausamkeiten. Da ist eine derart unbequeme Musikuntermalung schon naheliegend. Sicher, man hätte auch einen anderen musikalischen Ansatz wählen können, aber so wie Canfora es angegangen ist, war er damit erfolgreich. Was anderes könnte ich nicht behaupten, ohne ihm Unrecht zu tun. Einen Vergleich mit Nascimbene und Fusco zu ziehen, kann man machen, ist aber schon etwas unfair, da die beiden tatsächlich in einer anderen Liga spielen. Aber im Rahmen seiner Möglichkeiten war das schon trefflich musiziert.

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Da ich den Film nicht kenne, kann ich das nicht beurteilen. Ein guter Einwand jedenfalls, der mich im Netz mal Ausschau nach dem Film halten lassen wird. :)

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Aus aktuellem Anlaß möchte ich noch eine Krimimusik dazwischenschieben. Beat Records legt Trovaiolis UNA MAGNUM SPECIAL PER TONY SAITTA wieder auf.

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War schon zu Vinyl-Zeiten eines meiner liebsten Krimi-Alben, und scheint in der jetzigen Neuauflage unverändert zu sein. Gott sei Dank, kann man da nur sagen, denn das 32-minütige Album läuft wie geschmiert durch und ist hochgradig unterhaltsam anzuhören, ohne einen einzigen überflüssigen Track.

Der Film selber ist ein ruppiger Vertreter des Poliziotteschi-Genres mit spektakulären Actionszenen, Giallo-Elementen und DIRTY HARRY als klarem Stil-Vorbild. Armando Trovaioli (der sich anscheinend mal mit "i" und mal mit "j" schreibt) hat dazu einen mitreißenden, jazzig-funkigen Score mit Streichorchester geschrieben, der im Wesentlichen aus zwei Themen besteht. "Louise" ist ruhig und melancholisch, beginnt mit bluesiger Trompete, bevor dann die Streicher übernehmen. Alex-North-Fans könnten bei diesem Thema eventuell ein Deja Vu erleben...

Das zweite Thema gehört dem von Stuart Whitman verkörperten Tony Saitta und ist mit sattem Blech, Streichern, funkigem Rhythmus und jazzigem Saxophon ein furioses Beispiel für melodisches Actionscoring. Es bleibt allerdings weitgehend starr und variationsarm. "Louise" bekommt dagegen die interessanten musikalischen Entwicklungen ab. Ihr Thema ist filmbedingt auch direkt mit dem hektischen, von Keyboard-Klängen geprägten Killer-Motiv verknüpft.

Wer dem 70er-Jahre-Krimi-Sound zugetan ist, der sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen, denn es ist eines der besten seiner Art.

 

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vor 13 Stunden schrieb Angus Gunn:

Aus aktuellem Anlaß möchte ich noch eine Krimimusik dazwischenschieben. Beat Records legt Trovaiolis UNA MAGNUM SPECIAL PER TONY SAITTA wieder auf.
"Louise" ist ruhig und melancholisch, beginnt mit bluesiger Trompete, bevor dann die Streicher übernehmen. Alex-North-Fans könnten bei diesem Thema eventuell ein Deja Vu erleben...

Norths STREETCAR-Hauptthema ist übrigens auch schon im Main Title von Trovajoli´s SEDDOK von 1960 (gibts übrigens auch als Digit-CD) kaum zu überhören. Mochte er wohl sehr. :)

 

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vor einer Stunde schrieb Angus Gunn:

Gefällt mir. Ist denn SEDDOK generell zu empfehlen?

Es sind ja zwei Scores auf der CD drauf - neben SEDDOK noch die zum Horrorfilm LYCANTHROPUS von 1961. Und da ist schon der Main Title wiederum sehr verwandt mit dem von GIGANTE DI METROPOLIS.
Ich habe die CD nur ganz kurz mal hier gehabt, habe aber SEDDOK als die etwas bessere Musik in Erinnerung, obwohl auch das letztlich nicht für mich in Frage kam. Der Main Title mit dem bluesigen North-Zitat fängt nicht schlecht an, es gibt auch noch so vielleicht zwei, drei Tracks wie dann natürlich auch das Finale, die noch in diese Richtung gehen und wo das Thema aufgegriffen wird. Zwischendrin aber ist es dann eher ein Hin und Her zwischen viel klischeehaftem Spannungsgegrummel und Nachtclub-Jazz-Tracks, so daß es für mich zum Durchhören keinen Sinn ergab. Von einem ausdrucksstarken und wirklich klassisch durchkomponierten Horror-Score wie Roman Vlads I VAMPIRI ist das alles doch weit entfernt.
Letztlich gewinnt man den Eindruck, daß die vielen monotonen Spannungsmusiken bei diesen ganzen Horror-Geschichten und mit SciFi bzw. Horor gemixten Peplums, die Trovajoli da Anfang 60er - ob notgedrungen oder nicht - zu vertonen hatte, eigentlich absolut austauschbares Füllselmaterial darstellen und als Musik zum autonomen Anhören nicht funktionieren, dafür auch niemals vorgesehen waren. Highlights in seiner Karriere waren das auf keinen Fall oder gar Sachen, die ihm späterhin noch groß am Herzen lagen.
In diesen 30 Minuten auf Youtube sind vor allem die Spannungsmusiken aus SEDDOK und LYCANTHROPUS zusammengetragen worden. Da bekommst Du einen Eindruck, was im Endeffekt hier halt doch überwiegt:

 

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Franco Bixio / Fabio Frizzi / Vince Tempera - LA PECCATRICE

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Dieser Film ist hierzulande nahezu unbekannt, da er nie für den deutschsprachigen Raum bearbeitet wurde. Und da auch die italienische DVD keine Untertitel anbietet, kann ich die Handlung nur oberflächlich wiedergeben.

1950: In abgelegener Provinz arbeiten sämtliche Bewohner eines sizilianischen Dorfes für den Minenbesitzer Turco. Auf dessen Land arbeitet auch die exotische Schönheit Debra, die sowohl von Turco wie auch von dessen Sohn begehrt wird. Es kommt zu einem Vater-Sohn-Konflikt, der die Lebensgrundlage des gesamten Dorfes gefährdet. Schon bald wird Debra der Hexerei bezichtigt, und die Frauen des Dorfes schreiten zur Tat. Ein ambitionierter Film mit tragischem Ausklang, dessen relativ schwache Regie leider das dramatische Potential nicht richtig zu nutzen weiß.

Die Musik stammt von Bixio, Frizzi und Tempera, die in dieser Dreier-Formation in den 70er Jahren in allen möglichen Filmgenres unterwegs waren. Am bekanntesten sind sie wahrscheinlich durch ihre Zusammenarbeit mit Lucio Fulci, vor allem dessen großartig-nihilistischen Western "I Quattro dell´Apocalisse" und den exzellenten Giallo-Thriller "Sette note in nero". PECCATRICE ist ein anderes Kaliber, und es ist vermutlich der Obskurität des Filmes geschuldet, dass diese Musik bisher noch nicht auf CD erschienen ist. Der Score besteht im Wesentlichen aus zwei Themen. Eines wird im ersten Track als wehmütiges Streicherarrangement mit Klavierbegleitung und wunderbarem, konzertantem Finale vorgestellt. Das zweite ist in der Folkloremusik verankert und wird im Film als Titellied ("La Piccatura") vorgetragen. Gesungen wird es von der sizilianischen Folksängerin Rosa Balistreri, deren überaus markante Stimme auch von Ennio Morricone für das Mafia-Drama "Il Prefetto di Ferro" eindrucksvoll genutzt wurde. Beide Themen erhalten gefühlvolle Varianten, mal mit Holzbläsern und Gitarren, mal mit Klavier und Streichern. Hervorzuheben ist das ruhige, makellos-elegante "Omerta", das mit Maultrommel und Pfeifen ein wenig an Italo-Western-Klänge erinnert, was auch im Film gut zur kargen Landschaft paßt. Energisch und spannend ist "Uomini Zolfo", bei dem Maultrommel, Snaredrum und Streicher einen harschen Rhythmus vorgeben, den man in ähnlicher Form auch von Morricone her kennt, gleichermaßen skuril wie dramatisch.

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Vielleicht kein ganz großer Wurf, aber ein schöner, geschmackvoll komponierter und orchestrierter Score mit eingängigen Themen, der durchaus etwas Aufmerksamkeit verdient, und deswegen von mir hier mal vorgestellt wurde.

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Heute auf der Filmbörse ergattert. Die neue Edition von Fulcis selbst für Italo-Western-Verhältnisse enorm grimmigen "Verdammt zu leben, verdammt zu sterben" präsentiert den Film endlich in einer würdigen, sorgfältig restaurierten Fassung. Normwandlungsartefakte wie in vorangegangenen Editionen sind Geschichte, und der deutsche Kinoton klingt klar und sauber wie nie zuvor. Einziger Pferdefuß sind die immernoch vorhandenen Passagen die nur im O-Ton vorliegen. Es wurde also nicht nachsynchronisiert, weshalb man mehrmals in die schlechter klingende italienische Tonspur geworfen wird. Dennoch kann man mehr als zufrieden sein, zumal auch das Bonusmaterial stimmt: In einem 20-minütigen Special weiß der sympathische Fabio Frizzi einige Anekdoten über den Werdegang von "Bixio-Frizzi-Tempera" und natürlich über die Arbeit an "I Quattro dell´Apocalisse" zu berichten.

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Demnach wurde der Film zunächst mit Songs von Bob Dylan getemptrackt, was für den jungen Komponisten erstmal mit großer Bestürzung zur Kenntnis genommen wurde, da er sich nicht in der Lage sah mit dem großen amerikanischen Songschreiber mitzuhalten. Natürlich begab man sich schließlich doch ans Werk und kreierte einen Score, mit dem Fulci sehr zufrieden war.

Ridin´ on the dusty road together, four people who don´t know their destiny...

Als Warnung vorweg: I QUATTRO DELL`APOCALISSE wird nicht jedermanns Zustimmung finden. Hörer, die ausschließlich traditionell auskomponierte Filmmusik gelten lassen, sollten an dieser Stelle nun die Lektüre dieses kleinen Esseys beenden. All jene, die auch mal andere Konzepte zulassen und populären Musikstilen nicht abgeneigt sind, dürfen gerne weiterlesen:

Hauptthema ist der balladeske Song MOVIN´ON, der auch stilistisch die Richtung des Scores vorgibt. In einer Mischung aus Country, Westcoast und Folk mit einem Schuß Beatclub gibt es noch vier weitere Songs, die allesamt, mal instrumental, mal gesungen, ihren Platz im Film bekommen. Gitarrenlastig instrumentiert und interpretiert von "Cook and Benjamin Franklin Group", sind sie melodisch ansprechend, sorgen für Abwechslung auf dem Album und stehen im krassen Gegensatz zu der nicht unbeträchtlichen Gewalt in Fulcis Inszenierung. Der Film selber beginnt mit einem exzellenten, orchestralen Suspense-Motiv, als sich in der Stadt Unheil anbahnt, Revolver geladen werden und vermummte Gestalten in Fenstern erscheinen. Obwohl es einer der eindrucksvollsten musikalischen Momente im Film ist, fand sich ausgerechnet dieser Track seinerzeit nicht auf dem Vinyl-Album, weswegen er auf den CD-Editionen auch erst im Zusatzmaterial auftaucht. Überhaupt sind die spannungsorientierten Orchesterarrangements die heimlichen Höhepunkte des Scores, allen voran das aufpeitschende ON THE TRACES OF CHACO, aber auch das ruhige und sinistere SLOW VIOLENCE, das sehr effektiv in einer äußerst unerquicklichen, drastischen Szene eingesetzt wird. Der von Tomas Milian grandios verkörperte Antagonist Chaco bekommt mit dieser Musik wahrlich eine würdige akustische Begleitung verpaßt. BUNNY LOVE SONG ist degegen ein friedvolles, von Mundharmonika und Streichern getragenes Instrumentalstück, das dem einzigen weiblichen Charakter, der jungen Prostituierten Bunny, gewidmet ist. Die Sequenz, in der sie in einem schmuddeligen Schürfercamp ein Kind zur Welt bringt und die dort ansässigen Grobklotze zu Tränen rührt, ist eine der schönsten in Fulcis Oeuvre und zeigt, dass er auch ganz anders konnte.

Der Soundtrack ist inzwischen zweimal auf CD erschienen, wobei beide Fassungen inhaltlich identisch sind. Die Tracks 1-14 sind das einstige LP-Programm. Dem folgen acht zusätzliche Tracks, die in der Neuauflage von Penta Music einzeln aufgedröselt, auf der Cinevox-CD von 1998 als OUTTAKES SUITE in einem einzigen Track untergebracht wurden.

 

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Francesco De Masi:  LO SQUARTATORE DI NEW YORK

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Ein Hund findet eine abgetrennte Hand im Gebüsch am Hudson River und apportiert diese zu seinem wenig erfreuten Herrchen. Danach folgen die Vorspanntitel, unterlegt mit einem rauen Titelstück, leicht angejazzt, in eingängiger Garagen-Rock-Tradition, das trefflich den großen Schmelztiegel charakterisiert. Aber nicht auf die sauberen Postkartenmotive hat es De Masi abgesehen, sondern auf den urbanen Schmuddel der Nachtjackenviertel, denn das New York dieses Filmes ist kein Ort des Wohlbefindens.

DER NEW YORK RIPPER steht in der Tradition italienischer Giallo-Thriller und gehört zu den berühmtesten (und berüchtigsten) Werken im Schaffen seines Regisseurs Lucio Fulci. Es gibt nicht wenige Fans, die ihn sogar als den Höhepunkt seiner Karriere bezeichnen. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Seltsam unspiriert schleppt sich die Handlung von einem Mord zum nächsten. Ohne sein sonstiges Stilbewußtsein walzt Fulci in Metzgermentalität die Dramaturgie in Grund und Boden. Gerade wenn man bedenkt, welch exzellente Genre-Beiträge er in den 70er Jahren abgeliefert hat, ist der NEW YORK RIPPER eine einzige Enttäuschung.

Die Musik hat jedoch mehr Aufmerksamkeit verdient. Neben dem oben beschriebenen Hauptthema kommen einige kompositorisch sorgfältig und professionell ausgearbeitete Spannungstracks zum Einsatz, bei denen vor allem die verhallenden Saxophonklänge sehr effektiv sind. Letztere finden sich auch in WAITING FOR THE KILLER, einem langsamen, sehr atmosphärischen Suspense-Stück, das genau jene unheimliche Stimmung verbreitet, die der Inszenierung fehlt. Im PUERTORICO CLUB laufen lateinamerikanische Klänge, die ungewöhnlich orchestriert sind und nicht weiter entfernt sein könnten von zeitgenössischem Diskotheken-Chic. Eindrucksvoller Höhepunkt ist aber FAY, ein beseeltes, bluesig-melancholisches Thema, solistisch von Trompete und Mundharmonika interpretiert, umspült von dezenten Streichern, die hier einen ihrer seltenen Einsätze haben.

Der Score wurde zweimal von Beat Records auf CD veröffentlicht. Das erste Mal 1995 im ursprünglichen LP-Schnitt, und 2016 in einer auf 70 Minuten verlängerten Fassung. Letztere hat Vor- und Nachteile: Die schrillen RIPTONIC-Effekte wären nicht zwingend notwendig gewesen, außerdem sind vier Source-Music-Tracks anderer Komponisten mit dabei, die zwar für sich genommen gar nicht übel sind, aber leider zwischen die Score-Tracks sequenziert wurden, was jedesmal zu störenden Stilbrüchen führt. Andererseits ist aber auch mehr FAY auf dem Album, sowie der gelungene Spannungstrack als der Killer die Radfahrerin auf eine Fähre verfolgt. Wer die Erweiterungen nicht unbedingt braucht, ist aber mit dem ursprünglichen Album bestens bedient, da es alles Wesentliche in perfekter Zusammenstellung bietet.

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