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Brauchst du mir nicht erzählen, ich denke aber dass die Tendenzen zum Zitat/Selbstzitat bei beiden ähnlich ausgeprägt sind/waren, aber dass der wahrgenommene künstlerische Vorsprung Sardes wohl eher der Tatsache zuzuschreiben ist, dass er eben kein Dauerdienstleister im Hollywood-Kommerzkino ist. Da funktionieren europäische Filme ja oft anders und ich unterstelle ganz frech, dass ein Horner unter europäischen Bedingungen wohl ebenso eine andere Werkschau anzubieten hätte - da sehe ich in den kompositorischen Möglichkeiten weniger das Problem, als in den Rahmenbedingungen die ja Horners Vorgehen auch langfristig gesehen verändert haben. 

Ich habe die Komponisten ja überhaupt nur deshalb aufgezählt, da Du ja wohl der Meinung warst, ich würde mich bei Horner möglicherweise so wenig auskennen wie Du bei Sarde und mir es deshalb so einfach machen mit einem Horner-Vergleich. Dem ist selbstverständlich nicht so.
Der Unterschied besteht für mich vielmehr darin, daß Horner eben immer und immer wieder oft sogar dieselben Klassik-Zitate eingeflochten hat in seinen Scores ohne dies irgendwie kenntlich zu machen oder darüber groß zu reden.  Diese Art des ständigen Klassik-Zitats gibt es in dieser Form bei Sarde halt nicht.
Ich finde es auch müßg, hier jetzt zu spekulieren nach dem Motto “was wäre gewesen wenn.” Das ist ein Streit um des Kaisers Bart, der nicht viel einbringt, zumal ich Horners handwerkliche Fähigkeiten überhaupt nicht in Abrede stellen will, auch wenn mir persönlich Vieles von ihm ab Ende der 90er Jahre dann viel zu zäh und formelhaft erschienen ist.  Er hat davor zum Teil sehr gute Sachen komponiert eben auf seine Art. Diese Art, wo oft großes Orchester, Blech und Heroik dominiert, hat aber meist nicht so viel zu tun mit dem, was Sarde gemacht hat. Das sind zwei ganz unterschiedliche musikalische Temperamente, die auch aus einer ganz unterschiedlichen musikalischen Kultur herkommen. Bei Sarde dominiert die klangliche Transparenz der französischen Impressionisten, bei Horner dagegen vor allem der Einfluß der russischen und englischen Sinfonik des frühen 20. Jahrhunderts. Das läßt sich nicht recht auf einen Nenner bringen.
Hinzu kommt, daß Horner sich bewußt auf den Hollywood-Betrieb eingelassen hat – er wußte also, was hinsichtlich Standardisierung auf ihn zukommen würde im etwaigen Blockbuster-Bereich. Sarde hätte nach der Oscar-Nominierung für TESS 1980 durchaus Chancen gehabt, sich in Hollywood eventuell zu etablieren, aber: Er wollte es nicht und er wollte Frankreich auch nicht verlassen zum damaligen Zeitpunkt, um nicht in den USA dann in eine Schublade gesteckt zu werden. Rund zehn Jahre später sah er die Situation in den USA sogar als noch schlechter an und betonte in einem Interview, daß er eben, selbst wenn die Arbeitsbedingungen der Filmkomponisten in Frankreich wahrlich nicht die besten seien, er nie im Leben sich darauf einlassen würde, in den USA gar die x-te Fortsetzung von Rambo oder Basic Instinct zu vertonen.
 
Zu den Selbstzitaten hier auch noch zwei ganz interessante Auszüge aus einem Interview mit ihm, die seine Position ein wenig verdeutlichen:
"Wie ein Regisseur oder Schriftsteller, der Szenen wiederaufnimmt und

sie anderes entwickelt, wie ein klassischer Komponist während seines

ganzen Lebens immer die gleichen Themen nur anders weiterentwickelt,

so kann doch auch ein Filmkomponist, dessen Metier dasselbe ist - ein

Metier der Kreation und der Adaption - dasselbe machen."

"Bei PAS DE PROBLÈME war es ein hübsches kleines sentimentales Thema

und ich habe mir gesagt: Es ist schade, da steckt was drin, also

entwickle ich es weiter. So ist es eines für LE FILS PRÉFERÉ geworde,

wo ich es komplett explodieren habe lassen können. Aber jetzt kann

ich es nicht mehr verwenden, denn es ist ausgeschöpft."

"Es gibt Themen, die vollendet sind, wenn man sie geschrieben hat.

Z.B. habe ich das Thema aus LES CHOSES DE LA VIE nie wieder

aufgegriffen, weil ich es für vollendet halte und es nicht wieder

aufgegriffen werden kann."

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Durch das Anhören der PREMIERS-DESIRS-LP bin ich auf den Geschmack gekommen, und habe eine weitere LP hervorgekramt, die ich schon fast vergessen hatte:  THE PIRATE (bzw. Le Pirate)  Hatte die als recht sperrig in Erinnerung, und war jetzt überrascht, wie gut die ist!  Zwar etwas schwierig, und nicht unbedingt mit einschmeichelndem Wohlklang gesegnet, aber doch faszinierend und lohenswert. Das wäre eigentlich auch noch was für ein Varese-Re-Issue, aber bitte nicht in der aktuellen LP-to-CD-Reihe mit diesem Köfferchen. Wenn, dann richtig.

LA PIRATE war aber ursprünglich eine französische Milan-Pressung, die ich selbst hier habe. Wahrscheinlich hat Varese das damals nur für eine bestimmte Zeit von Milan lizenziert für den amerikanischen Markt.

Mit LA PIRATE hatte ich eigentlich nie Probleme gehabt wegen eventueller Sperrigkeit. Der ist schon recht interessant und atmosphärisch sehr stimmig. Wie das Solo-Saxophon und die Streicher sich aneinander reiben das ist schon toll gemacht.

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Zu den Selbstzitaten hier auch noch zwei ganz interessante Auszüge aus einem Interview mit ihm, die seine Position ein wenig verdeutlichen:

"Wie ein Regisseur oder Schriftsteller, der Szenen wiederaufnimmt und

sie anderes entwickelt, wie ein klassischer Komponist während seines

ganzen Lebens immer die gleichen Themen nur anders weiterentwickelt,

so kann doch auch ein Filmkomponist, dessen Metier dasselbe ist - ein

Metier der Kreation und der Adaption - dasselbe machen."

"Bei PAS DE PROBLÈME war es ein hübsches kleines sentimentales Thema

und ich habe mir gesagt: Es ist schade, da steckt was drin, also

entwickle ich es weiter. So ist es eines für LE FILS PRÉFERÉ geworde,

wo ich es komplett explodieren habe lassen können. Aber jetzt kann

ich es nicht mehr verwenden, denn es ist ausgeschöpft."

"Es gibt Themen, die vollendet sind, wenn man sie geschrieben hat.

Z.B. habe ich das Thema aus LES CHOSES DE LA VIE nie wieder

aufgegriffen, weil ich es für vollendet halte und es nicht wieder

aufgegriffen werden kann."

 

Ja, die Verbalisation ist da wohl beim Franzosen weitaus ausgereifter als beim Amerikaner - wobei ich Sarde durchaus vergleichbar sehe in vielen Sachen, die er gemacht hat, 'Ghost Story', 'Quest for Fire', 'Pirates', 'Manhattan Project' usw. Dabei geht es mir weniger um Idiomatik als mehr um den Einsatz des meist mittel- bis großen Orchesterapparates. Sarde ist halt auch ein Symphoniker im Herzen, behaupte ich mal (und aus Filmen ist mir schon mehr seiner Musik bewusst, auch wenn ich mir vieles davon nicht getrennt davon anhören würde).

 

Auch Horner hat ja durchaus versucht, ungewöhnliche Vertonungen einzubringen - selbst späte Werke wie 'The Chumscrubber' belegen das (natürlich mit Schostakowitsch-Zitat!), die 80er sowieso. Insofern finde ich die beiden wirklich nicht soweit auseinander, obwohl die Herangehensweise sicher unterschiedlich ist. 

 

Und ich finde das gar nicht so müßig, über das 'hätte', 'könnte' usw. zu sprechen: genau das ist ja meine These, das der Preis der weltweiten Popularität hoch ist (Ennio notwithstanding) und Horner ist ein großartiges Beispiel dafür ist, wie Hollywood im Gegenzug das musikalische Talent korrumpiert, während Sarde im Großen und Ganzen derlei Ochsentouren nicht wollte - der Preis dafür ist relative Anonymität, was ja kein Werturteil ist.

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Witzigerweise finde ich gerade GHOST STORY und vor allem auch MANHATTAN PROJECT nicht so überragend. Meines Erachtens hat er gerade in den Fällen - auch bei PIRATES - versucht, ein bißchen aufgebauschter und amerikanischer zu klingen als bei seinen sonstigen französischen Sachen. Man hört das sehr schön, weil man nämlich den Vergleich hat. Für die US-Scores hat er ja fast immer französische Vorlagen mitverwendet ohne daß es die US-Regisseure mitbekommen haben. In GHOST STORY ist z.B. was von LE CHAT drin und das mehrfach auftauchende Liebesthema stammt ursprünglich aus L’ADOLESCENTE von 1978. Bei MANHATTAN PROJECT kommt dieses aus dem drei Jahre zuvor entstandenen LE CHOC. Und ich muß sagen: In beiden Fällen gefallen mir die Originale einfach viel besser, sind auch Sarde-typischer und wirken deutlich transparenter, charmanter. Die Instrumentierung ist für mich nicht so schön und so delikat pastellfarben gehalten wie in den ursprünglichen französischen Scores, sondern es klingt etwas fetter und man merkt einfach, wie er sich da vom Sound her ein bißchen mehr nach typischer US-Instrumentierung ausgerichtet hat. Daher liegen mir ausgerechnet diese beiden Scores gar nicht so sehr und die höre ich ganz selten noch an.

 

Sarde war übrigens ursprünglich nicht nur reiner Sinfoniker, sondern seine Wurzeln liegen genauso auch im Jazz. Deshalb hatte er auch als Orchestrierer in den frühen 70ern auch immer den früheren Jazz-Klarinettisten Hubert Rostaing.

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Die Pirates CD mit glaub 20 Tracks hab ich mir wegen Assassins Creed IV bestellt, spielt in der Piraten Ära.

Morricone zitiert ja auch öfter klassische Werke, aber er macht das so offensichtlich und originell, da kann man ihm nicht böse sein :)

Zb:

Der Gehetzte Der Sierra Madre und Nobody 2 (engl.: The Genius) - Für Elise

Todesmelodie - Kleine Nachtmusik

Nobody - Ritt der Walküren

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Den Sarde-Horner-Vergleich habe ich ins Spiel gebracht, so leichthin, er bezog sich gar nicht so sehr aufs Stilistische sondern eher auf Parallelen in der Arbeitsweise.

Spannend ist es natürlich schon, festzustellen, dass sich Sarde mit breitem Bombast eher schwer tat während Horner umgekehrt in die Fadesse abrutschte, sobald es subtil werden sollte. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber Horners Klassikausflüge in BRAINSTORM sind eher ungelenk bzw. in THE CHUMSCRUBBER dann gleich geklaut. Und Sarde ist fürs ganz große Popcornkino zu filigran, denke ich. Vielleicht auch zu intellektuell, aber auch das nur eine Mutmaßung :)

 

Stichwort LANCELOT DU LAC, da habe ich mich oft gefragt, wie es zu dieser Verbindung Bresson-Sarde kam. Sehr ungewöhnlich, erst recht, wenn Sarde Bresson zu einer Anfangsmusik überredet haben sollte. Bressons Film-Ethos war ja rigoros und mit Filmmusik stand er naturgemäß auf Kriegsfuß (wie auch seine Adepten Michael Haneke oder die Dardenne-Brüder).

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Klassische Musik hat Bresson zum Teil, wenn auch natürlich sparsam, schon verwendet wie etwa den zweiten Satz aus Schuberts Klaviersonate Nr. 20 in einem meiner Lieblingsfilme, nämlich AU HASARD BALTHAZAR von 1966. Oder Monteverdi in MOUCHETTE, auch Mozart in UN CONDAMNÉ AU MORT S´EST ÉCHAPPÉ. Sein musikalischer Berater war zuvor oft Jean Wiener gewesen, aber Wiener war 1974  natürlich auch schon fast 80 Jahre alt. Insofern hat sich Bresson damals wohl jemand Jüngeren gesucht. Sarde selbst beschreibt die Zusammenarbeit bei LANCELOT DU LAC so (es kamen ja später auch noch LE DIABLE PROBABLEMENT an 1976 und L’ARGENT an 1982 hinzu):

“Bei unserem ersten gemeinsamen Film brauchte ich einen Monat, um sein Mißtrauen zu überwinden. Freilich dauerte es auch so lange, bis ich exakt verstand, was er von der Musik für den Film erwartete. Danach hatten wir ein wunderbares Verhältnis zueinander, denn er merkte, daß ich mich vor allem seinen erzählerischen Problemen verantwortlich fühlte. Ich respektiere die Vorstellungen des Regisseurs, und wenn Sie sich die Filme anschauen, zu denen ich die Musik komponiert habe, werden Sie feststellen, daß ich immer versucht habe, mich mit dem jeweiligen Stil des Films auseinanderzusetzen, auch wenn sich in meinen Kompositionen gelegentlich einige Phrasen oder Rhythmen wiederholen.”

 

In Interviews betont Sarde auch immer wieder seinen Stolz darüber, daß er sozusagen der letzte lebende Komponist ist, der mit Bresson zusammengearbeitet hat.

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Witzigerweise finde ich gerade GHOST STORY und vor allem auch MANHATTAN PROJECT nicht so überragend. Meines Erachtens hat er gerade in den Fällen - auch bei PIRATES - versucht, ein bißchen aufgebauschter und amerikanischer zu klingen als bei seinen sonstigen französischen Sachen.
 

Und das sind genau die Sachen, mit denen ich damals angefangen habe. In den 80ern war ich halt filmmusikbegeisterter Teenager und da griff man bevorzugt zu den Erzeugnissen aus dem Hause Varese. Das war ein tolles Label, da fühlte man sich wohl. Für Soundtracks kleinerer Produktionen aus europäischem In- oder Umland stand einem einfach nicht der Sinn, zumal einem auch diese teils merkwürdigen Filme gänzlich unbekannt waren. 

So hat dann auch Sarde bei mir keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Die erwähnten Soundtracks fanden zwar mein Gefallen, aber wirkliche Begeisterung ging anders.

So war Sarde für längere Zeit erstmal als solider Durchschnittskomponist abgehakt.

Ich vermute, daß es vielen Filmmusikfans meiner Generation so ergangen ist, und daher sind genau diese Scores diejenigen, die die meisten mit ihm verbinden.

Die Wende kam dann mit FILLE DE D´ARTAGNAN, der mir statt der erhofften schmissigen Swashbuckler-Musik völlig neue musikalische Dimensionen erschloß. Von da an begann ich auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen und eignete mir auch die ein oder andere Vinyl-LP von ihm an. 

Bis dann die großartigen Universal-CDs kamen, ohne die mein Sarde-Bestand heute bei weitem mikriger aussähe, und die mich noch viele weitere Schätze erstmals erlauschen ließen (und natürlich habe ich damals auch Deine Rezensionen mit Interesse gelesen :) )

 

Was Bresson angeht, so muß ich gestehen, von dessen Gesamtwerk eigentlich keine Ahnung zu haben. LANCELOT ist der einzige Film, den ich von ihm kenne. Aber wie ich das so sehe, haben Bresson und Sarde dreimal zusammengearbeitet... das wäre ja schonmal ein Anfang für einen schönen Sampler, wenn man mal träumen darf... ;)

Und was ich noch vergessen habe:

Unheimlich stark fand ich damals jenen Trommel-Soundtrack, der als Untermalung beim TV-Vorspann DER ABENTEUERFILM und beim Kinotrailer von DER WINDHUND zu hören war. Es dauerte aber noch über 20 Jahre (!) bis ich per Zufall herausfand, woher dieses Stück stammte. LE JUGE FAYARD...

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Ich bin im TV über Annaud- & Romy-Schneider-Filme auf Sarde gestoßen. Und dann im Kino bei kleinen französischen Produktionen wie PONETTE oder ALICE ET MARTIN. Das war meine Teenagerzeit in den 90ern, wo man mit den Mädels auch mal in einen französischen Arthausfilm ging. Die Sammelwut wurde dann durch TESS losgetreten, den ich durch Zufall im Radio (!) gehört hatte.

 

In den "Noten zum Kinematographen" schreibt Bresson übrigens: "Keine Musik zur Begleitung, zur Unterstützung oder zur Verstärkung. Überhaupt keine Musik! Außer, wohlverstanden, die Musik, die gespielt wird von sichtbaren Instrumenten."

Oder: "Die Geräusche müssen Musik werden."

 

So eng hat ers dann wohl doch nicht gesehen.

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Sarde war übrigens ursprünglich nicht nur reiner Sinfoniker, sondern seine Wurzeln liegen genauso auch im Jazz. Deshalb hatte er auch als Orchestrierer in den frühen 70ern auch immer den früheren Jazz-Klarinettisten Hubert Rostaing.

 

Von den französischen Filmen wie 'César und Rosalie" her usw. würde ich das auch so sehen, die symphonischen  Sachen klangen mir dagegen immer sehr "formstreng" - wie ich es übersetze, die Waxman-Schule - während Morricone, Goldsmith usw. ihren Stil viel mehr durchgezogen haben. Ich muss auch sagen, dass ich die amerikanischen Sachen von Sarde, die sich ja großer Beliebtheit erfreuen (weil sie überhaupt wer kennt), nie sonderlich anregend fand. TESS und FORT SAGANNE sind meine Favoriten, was die "großen" Filme angeht.

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In den "Noten zum Kinematographen" schreibt Bresson übrigens: "Keine Musik zur Begleitung, zur Unterstützung oder zur Verstärkung. Überhaupt keine Musik! Außer, wohlverstanden, die Musik, die gespielt wird von sichtbaren Instrumenten."

Oder: "Die Geräusche müssen Musik werden."

 

So eng hat ers dann wohl doch nicht gesehen.

Ja, ganz so genau wie als theoretisches Postulat in den “Notes” formuliert, hat Bresson es dann natürlich mit der Musik nicht immer gehalten in seinen Filmen. Aber wie er eben z.B. den langsamen Satz aus der Schubert-Klaviersonate in BALTHAZAR einsetzt und an welchen Stellen, ist einfach genial. Teils verbindet er sie mit Geräuschen, nämlich dem Eselsschrei, und zum Großteil verwendet er sie als Trauermusik, die ganz über dem Geschehen steht.  Hat man den Film gesehen, bleibt einem die Musik  unvergeßlich. Eine absolut perfekte Osmose von Bild und Musik, wo Rhyhtmus des Films und Rhyhtmus der Musik miteinander korrelieren. Und es ist dafür überhaupt keine eigens komponierte Filmmusik nötig.

Von den drei Filmen, bei denen Sarde mit Bresson zusammenarbeitete, hat LANCELOT DU LAC eigentlich noch am meisten Musik mit knapp 5 Minuten, die beiden anderen haben fast gar nichts. Für DIABLE hat Sarde wohl zwei Minuten Source Music komponiert und in L’ARGENT gibt es außer kurzer Musik im Bild nur ein einziges Arpeggio, das Sarde beigesteuert hat. Deshalb hat Sarde natürlich auch gar keinen Credit für L’ARGENT genommen/erhalten. 

 

Es ist wohl auch nicht mehr Musik komponiert worden, die dann eventuell nicht verwendet wurde wie Sarde angemerkt hat:

“Die Musikeinsätze haben wir genau vorher abgesprochen, da hat er nachträglich nichts mehr geändert. Dieser sparsame Einsatz hat natürlich mit Bressons Einstellung zur Filmmusik zu tun. Die mag er eigentlich gar nicht, er hat es sich zur Angewohnheit gemacht, nur klassische Musik zu verwenden.”

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LA PIRATE war aber ursprünglich eine französische Milan-Pressung, die ich selbst hier habe. Wahrscheinlich hat Varese das damals nur für eine bestimmte Zeit von Milan lizenziert für den amerikanischen Markt.

 

 

Beide Versionen unterscheiden sich in der Spieldauer, wobei die Varese CD mit 18 Tracks und einer Länge von ca 60 min deutlich länger ist.

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Ich bin im TV über Annaud- & Romy-Schneider-Filme auf Sarde gestoßen. Und dann im Kino bei kleinen französischen Produktionen wie PONETTE oder ALICE ET MARTIN. Das war meine Teenagerzeit in den 90ern, wo man mit den Mädels auch mal in einen französischen Arthausfilm ging. Die Sammelwut wurde dann durch TESS losgetreten, den ich durch Zufall im Radio (!) gehört hatte.

PONETTE hat mich als Film auch ungeheuer beeindruckt, als der an 1998 in den deutschen Kinos herauskam. Der lief ja damals im französischen Original mit Untertiteln in den Kinos. Da der Film ganz aus der Perspektive des kleinen Mädchens erzählt ist, spielt das Sprechen der Kinder auch eine ganz wichtige Rolle. Später wurde der Film ja dann synchronisert im Fernsehen gezeigt und die deutsche Fassung fand ich dann demgegenüber ziemich enttäuschend, weil die wunderbare Natürlichkeit des Sprechens vom Original wegfiel und verwässert wurde. Wirklich schade, wie das kaputtgemacht wird durch die künstlich wirkende Synchronisation und der Film dann viel von seinem spezifischen Reiz verliert.

Aber im Original wirklich ein herrlicher Film, für mich einer der schönsten aus den 90ern. Auch die Musik von Sarde, nur für Streichquarttet komponiert, paßt mit ihrer zauberhaften Intimität, die ein wenig an Debussy erinnert, haarscharf zum Film.

Den Techiné-Film ALICE ET MARTIN empfand ich dagegen damals im Kino als recht dröges und langweiliges Kunstgewerbe. Viel von Sarde kannst Du da im Kino jedenfalls ohnehin nicht mitbekommen haben, denn der Film hat ja nur ganz kurze Musikschnipselchen. Insgesamt sind da bestimmt keine 10 Minuten Sarde-Musik im Film vorhanden. Auf der CD ist das alles viel mehr ausgebarbeitet, da Sarde die komplette Musik schon während der Dreharbeiten komponiert hatte und Techiné im Endeffekt nur Weniges davon für den Film dan wirtklich genommen hat. Ist bei LES VOLEURS an 1996 etwa nicht viel anders gewesen - auch da hört man im Film eigentlich so gut wie kaum was von dem auf CD ja als fast konzertant durchkomponiertes Streichquartett daherkommenden Score.

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Für Bertrand Tavernier hat Sarde sehr schöne Musik komponiert. l 627 macht deutliche Anleihen bei Philip Glass Glassworks. Auch die Chorpassagen aus La Fille de d´Artagnan sind hörenswert. Keine typische klassische Chormusik, sondern eher in Richtung populärer Musik angelegt.

Ein toller Film, der schon fast in Richtung Kammerspiel geht, ist: Le Juge et l`Assassin (Der Richter und der Mörder). Hier gibt es den Score von Sarde und hinzu kommen die Chansons von Jean-Roger Caussimon. Die Chansons werden im Film wie eine Art Moritat-Gesang verwendet. Besonders der Track Complainte de Bouvier l´eventreur erinnert stark an Moritat. Auf dem Marktplatz erklingt der Gesang und im Text werden die Schreckenstaten von Bouvier vorgetragen. Die Musik erklingt bis in das Gefängnis, wo Bouvier faziniert und erschreckt zugleich der Musik lauscht. Nicht die Taten erschrecken dem Massenmörder, sondern das von ihm wie von einen bereits Verstorbenen gesungen wird. Er erkennt weder die Tragweite seiner Taten, noch den Sinn seiner Inhaftierung. Das Urteil über den Massenmörder ist schon längst gefällt. Die Musik von Sarde ist wie immer, sehr akzentuiert und kommt vor allem nur in wichtigen Momenten zur Geltung. Gerade wegen der Musik wird das Kammerspiel  erweitert und macht daraus einen sehenswerten Film.

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Beide Versionen unterscheiden sich in der Spieldauer, wobei die Varese CD mit 18 Tracks und einer Länge von ca 60 min deutlich länger ist.

Sorry, Bernd, mit LA PIRATE ist nicht der bekannte Polanski-Film PIRATES von 1985 gemeint, sondern der 1984 entstandene französische Film LA PIRATE von Jacques Doillon mit Jane Birkin in der Hauptrolle:

http://www.soundtrackcollector.com/title/28290/Pirate,+La

http://www.imdb.com/title/tt0087918/?ref_=fn_al_tt_1

 

Davon gibts auf CD bislang nur zwei Tracks auf dem Jacques Doillon-Sampler  von EMI von 1996. Die kompletten 17 Minuten von der alten Milan-LP gibts dagegen noch nicht auf CD. Auf der A-Seite war sozusagen LA PIRATE und dann auf der B-Seite die von Sarde adaptierte Gabriel Fauré-Musik zu Bertrand Taverniers UN DIMANCHE À LA CAMPAGNE (ebenfalls von 1984). Für die Varese-LP wurde das dann alles genau gleich übernommen.

Die Musik zu LA PIRATE entwickelt so ein wenig das Konzept von LE CHOIX DES ARMES weiter: Also Jazziges im Kontrast zu Sinfonischem. Hier steht das oft widerborstige Saxophon den typisch samtigen Sarde-Streichern gegenüder und dadurch entsteht wieder mal eine ganz eigener, faszinierende Klangwelt über 17 Minuten. Natürlich nicht für Jedermann und nicht unbedingt für jemand zu empfehlen, der bei Sarde einen Einsteig sucht.

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Die kompletten 17 Minuten von der alten Milan-LP gibts dagegen noch nicht auf CD. Auf der A-Seite war sozusagen LA PIRATE und dann auf der B-Seite die von Sarde adaptierte Gabriel Fauré-Musik zu Bertrand Taverniers UN DIMANCHE À LA CAMPAGNE (ebenfalls von 1984). Für die Varese-LP wurde das dann alles genau gleich übernommen.

 

Einspruch, Euer Ehren! :) Auf der Varèse-LP, die ich habe, ist auf Seite 1 A Sunday In The Country (UN DIMANCHE À LA CAMPAGNE) und auf Seite 2 The Pirate. Zudem sind entgegen dem Listing der Milan-LP bei Soundtrack-Collector von Dimanche nur drei Tracks auf der Varèse, nicht vier:

 

 1. A Sunday In The Country (Perone/Sarde) (4:08)

 2. Quintet, Op. 115-First Movement (Gabriel Faure) (10:26)

 3. Polka (Ducreux) (1:41)

 

Sardes Musik habe ich damals (1982) begeistert durch La guerre du feu kennengelernt, dann in den 80'ern noch etliche Veröffentlichungen verfolgt, aber irgendwie war bei mir später die Sarde-Luft raus. Warum genau, kann ich auch nicht mehr sagen.

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PONETTE hat mich als Film auch ungeheuer beeindruckt, als der an 1998 in den deutschen Kinos herauskam. Der lief ja damals im französischen Original mit Untertiteln in den Kinos. Da der Film ganz aus der Perspektive des kleinen Mädchens erzählt ist, spielt das Sprechen der Kinder auch eine ganz wichtige Rolle. Später wurde der Film ja dann synchronisert im Fernsehen gezeigt und die deutsche Fassung fand ich dann demgegenüber ziemich enttäuschend, weil die wunderbare Natürlichkeit des Sprechens vom Original wegfiel und verwässert wurde. Wirklich schade, wie das kaputtgemacht wird durch die künstlich wirkende Synchronisation und der Film dann viel von seinem spezifischen Reiz verliert.

Aber im Original wirklich ein herrlicher Film, für mich einer der schönsten aus den 90ern. Auch die Musik von Sarde, nur für Streichquarttet komponiert, paßt mit ihrer zauberhaften Intimität, die ein wenig an Debussy erinnert, haarscharf zum Film.

 

Ja, PONETTE ist wirklich einzigartig. Es gibt zwar entfernte Verwandte, etwa WO IST DAS HAUS MEINES FREUNDES? von Abbas Kiarostami, aber so konsequent und ernsthaft hat sich sonst kein Film in die Erlebniswelt von Kindern begeben. Bedrückend finde ich, dass die verstorbene Mutter ausgerechnet von Marie Trintignant gespielt wurde.

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Einspruch, Euer Ehren! :) Auf der Varèse-LP, die ich habe, ist auf Seite 1 A Sunday In The Country (UN DIMANCHE À LA CAMPAGNE) und auf Seite 2 The Pirate. Zudem sind entgegen dem Listing der Milan-LP bei Soundtrack-Collector von Dimanche nur drei Tracks auf der Varèse, nicht vier:

 

 1. A Sunday In The Country (Perone/Sarde) (4:08)

 2. Quintet, Op. 115-First Movement (Gabriel Faure) (10:26)

 3. Polka (Ducreux) (1:41)

 

Sardes Musik habe ich damals (1982) begeistert durch La guerre du feu kennengelernt, dann in den 80'ern noch etliche Veröffentlichungen verfolgt, aber irgendwie war bei mir später die Sarde-Luft raus. Warum genau, kann ich auch nicht mehr sagen.

Euer Ehren ist nicht nötig, Stefan tuts unter uns Namensvettern doch auch. :)

 

Ich habe bei mir in der Sammlung nur die Milan-LP von LA PIRATE. Und da ist LA PIRATE auf der A-Seite oben. Die haben an 1984 einfach das erste Stück von der B-Seite für die Varese-LP weggelassen ("Chansons et gammes pour enfants"). Das ist aber wahrlich nichts Besonderes, sondern da hört man nur spielende und singende Kinder - das kommt also direkt vom Film und geht ein wenig mehr als eine Minute. Absolut verzichtbar und das haben sie sich bei Varese dann anscheinend auch gedacht. Ist weder von Sarde noch von Fauré.

 

Ich habe im privaten Umfeld durchaus Filnmusikfreunde, die mit Sarde auch nicht viel anfangen können, höchstens noch ein paar der großorchestralen Scores kommen da an. Und dann hörts aber bald auf. Das ist mir von daher bestens bekannt. Daher wundert mich das überhaupt nicht, daß Du bei Sarde dann nach ein paar Jahren die Flinte ins Korn geworfen hast. Es ist halt bei Sarde in den meisten Fällen eine ganz andere Klangwelt als bei den US-Scores, die die allermeisten Sammler nun mal gewohnheitsmäßig bevorzugen. Dieser introvertierte, oft kammermusikalische und manchmal auch spröde Charakter seiner Musiken kommt dann bei vielen Sammlern nicht an, die großes Orchester und Bombast oder auch die typische US-Instrumentierung gewohnt sind. Und Sarde ist natürlich auch kein Delerue, der sofort die Ohren der Sammler mit seinen romantischen Themen und seiner eingänigen Melodik bezaubert. Dann kommt noch die Vermischung der Stilebenen hinzu, die Reibungen, die er dadurch erzeugt und die er auf seine ganz persönliche Weise wie niemand anders durchzieht - entweder gefällt einem das oder eben nicht.

Auf der anderen Seite wiederum kenne ich ebenfalls im privaten Kreis Filmmusikfreunde, die früher ganz mit der französischen und italienischen Filmmusik aufgewachsen sind. Die Personen wiederum haben ganz starke Probleme mit den knalligen US-Action-Scores und mögen das überhaupt nicht.

Es ist nun mal so: Es gibt eben verschiedene Geschmäcker in der Filmmusikszene und es geht um ganz unterschiedliche Klangsprachen, wo der eine dies, der andere das bevorzugt.

Ich persönlich z.B. mag Vieles von Goldsmith aus den 90ern und vor allem aus dem Action-Bereich der Zeit heutzutage gar nicht mehr anhören, weil ich mich längst dran satt gehört habe. Das ist einfach so. Und dagegen haben viele Sachen von Sarde für mich nach wie vor eine Frische und einen Charme, die für mich regelrecht zeitlos sind, weshalb ich das ich immer wieder mit großem Genuß anhören kann.

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Und das sind genau die Sachen, mit denen ich damals angefangen habe. In den 80ern war ich halt filmmusikbegeisterter Teenager und da griff man bevorzugt zu den Erzeugnissen aus dem Hause Varese. Das war ein tolles Label, da fühlte man sich wohl. Für Soundtracks kleinerer Produktionen aus europäischem In- oder Umland stand einem einfach nicht der Sinn, zumal einem auch diese teils merkwürdigen Filme gänzlich unbekannt waren. 

So hat dann auch Sarde bei mir keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Die erwähnten Soundtracks fanden zwar mein Gefallen, aber wirkliche Begeisterung ging anders.

So war Sarde für längere Zeit erstmal als solider Durchschnittskomponist abgehakt.

Ich vermute, daß es vielen Filmmusikfans meiner Generation so ergangen ist, und daher sind genau diese Scores diejenigen, die die meisten mit ihm verbinden.

Bis dann die großartigen Universal-CDs kamen, ohne die mein Sarde-Bestand heute bei weitem mikriger aussähe, und die mich noch viele weitere Schätze erstmals erlauschen ließen (und natürlich habe ich damals auch Deine Rezensionen mit Interesse gelesen :) )

Schön zu hören, daß die Rezis damals im Film Music Journal also tatsächlich wohl von ein paar Personen überhaupt gelesen wurden. :)

Was mich bei den Universal-CDs nicht so ganz zufrieden stellt, ist die Tatsache, daß manches Mal mehrere Tracks von den alten LPs, die ja eh oft nur um die 25 Minuten gingen, nicht mit aufgenommen wurden wie z.B. bei LE FILS oder auch LE JUGE ET L’ASSASSIN. Von UNE HISTOIRE SIMPLE ist bislang nicht mal die Hälfte der alten LP auf CD verfügbar – und das nach so vielen Jahren! Das heißt, man hat teilweise sogar noch mehr davon, wenn man sich die alten LPs anhört. Schon verrückt.

Was Du über den Beginn Deiner SammelzeitMitte/Ende 80er schreibst, das kenne ich so ähnlich auch von anderen Sammlern her aus dem persönlichen Bekanntenkreis. Es war ja damals noch gar nicht so einfach, an die französischen LPs ranzukommen, vor allem, wenn sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatten und gar nicht mehr normal verfügbar waren. Und die alten Sarde-LPs waren zudem nie billig, was viele von vornherein schon abgeschreckt hat. Ich weiß noch, wie ich damals auch ganz schön viel Geld für ein paar LPs wie LA VIE DEVANT SOI, LE JUGE ET L’ASSASSIN oder VINCENT, FRANCOIS, PAUL ET LES AUTRES hingelegt habe. Selbst für UN TAXI MAUVE oder L’ADOLESCENTE. Diese Sachen standen ja in Deutschland nicht vor der Haustür, dafür mußte man schon spezielle Händler im Ausland kennen oder gar direkt nach Frankreich fahren und in Second Hand-Shops danach suchen. Außerdem mußte man ein spezielles Interesse dafür mitbringen, was viele nicht hatten, obwohl der französische Film damals doch noch einen anderen Stellenwert hierzulande hatte. Deshalb haben sich auch die meisten damit zufrieden gegeben, was innerhalb Deutschland oder eben über US-Labels wie Varese normal greifbar war. Selbst die französischen Import-CDs Ende der 80er außer Milan waren hierzulande völlig überteuert, so daß das nicht allzu viele gekauft haben. Aber trotzdem störte mich das nicht und wenn ich was unbedingt haben wollte, dann habe ich auch ein par Mark mehr dafür bezahlt. Sicherlich im Nachhinein gesehen zuviel, aber es hat sich doch auch musikalisch zumindest für mich gelohnt.

Es wäre schon wünschenswert, wenn so Perlen wie LA VIE DEVANT SOI,  DEUX HOMMES DANS LA VILLE, UNE HISTOIRE SIMPLE, PREMIERS DESIRS oder MILLE MILLIARDS DE DOLlARS, die es alle nur auf LP gibt, noch einigermaßen vollständig auf CD kommen würden. Aber bei Universal tut sich ja irgendwie leider nichts Großes mehr – wenn, dann kommt wohl nur noch Quartet dafür in Frage.

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Es ist nun mal so: Es gibt eben verschiedene Geschmäcker in der Filmmusikszene und es geht um ganz unterschiedliche Klangsprachen, wo der eine dies, der andere das bevorzugt.

Ich persönlich z.B. mag Vieles von Goldsmith aus den 90ern und vor allem aus dem Action-Bereich der Zeit heutzutage gar nicht mehr anhören, weil ich mich längst dran satt gehört habe. Das ist einfach so. Und dagegen haben viele Sachen von Sarde für mich nach wie vor eine Frische und einen Charme, die für mich regelrecht zeitlos sind, weshalb ich das ich immer wieder mit großem Genuß anhören kann.

 

Manchmal ändern sich die Geschmäcker auch. Oder man hat sich einfach über Jahrzehnte satt gehört. Das sehe ich immer mehr bei mir. In den letzten Jahren höre ich z.B. nur noch sehr wenig Goldsmith - und wenn, dann mehr die Scores, die hier im Board außer mir fast eh keiner mag. Nebenbei entdecke ich lieber mir bislang weniger Bekanntes. Bei Sarde bin ich auch immer noch dabei, wenn ich mal eine CD hier oder da sehe. Jüngst habe ich mir aus den Colosseum-Angeboten noch Music Box (kannte ich, da ich die alte Colosseum-LP habe) und den Marshall Brickman-Sampler mit Sister Mary Explains It All, Lovesick und The Manhattan Project gekauft. Den habe ich aber noch nicht gehört, da sich die Varèse-CDs hier stapeln. Ich mag Sardes Musik. Er hat einen Personalstil, den ich immer erkennen würde. Ah, ich werde nun Le Choc einwerfen. :)

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Lieder findet man bei Spotify ja auch nur ein paar zeitgenössische Sachen, die mir wenig aufregend erschienen. Sachen, die mir schon früher in Filmen positiv auffielen (Flic ou voyou, La naissance de l’amour, Le chat) sind halt auch schwer erreichbar für eine Musik, die man nur mal so querhören will.

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Lieder findet man bei Spotify ja auch nur ein paar zeitgenössische Sachen, die mir wenig aufregend erschienen. Sachen, die mir schon früher in Filmen positiv auffielen (Flic ou voyou, La naissance de l’amour, Le chat) sind halt auch schwer erreichbar für eine Musik, die man nur mal so querhören will.

Warum soll “La naissance de l’amour” schwer erreichbar sein? Das ist ohnehin ja gar kein Filmtitel, sondern ein Tracktitel aus
1) TESS
oder
2) LA GUERRE DU FEU
 
Wie ich sehe, kann man beide Tracks sogar bei Youtube komplett anhören, wenn man das will.
Und es sind zwei Scores, die Du laut Deinen eigenen Postings oben aber doch ohnehin bereits kennst.
 
Außerdem frage ich mich, warum man heutzutage erst noch Spotify braucht, um Sarde zu entdecken. Es gibt so viele französische Universal-CDs aus den letzten 15 Jahren, die man kaufen oder in die man auf der Amazon Frankreich-Seite kurz reinhören kann. Ich sehe da keine Probleme.

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Nun gut, da muss man halt auch mal zwischen den Zeilen lesen. Es gibt viele Scores, die ich eben nicht kenne, sondern nur querhören würde. Und da ist Spotify für mich der erste Weg, bevor ich mich mühevoll durch die YT Suche nach "Sarde, Philippe" quäle, wo dann alles mögliche, z. T. falsch benamt, aufpoppt. CD's kaufe ich seit 2005 nicht mehr aktiv, außer wenn es eben gar nicht anders geht (also Intrada-Releases von Scores, die ich bereits schätze, z. B.).

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Endlich mal wieder ein richtig tolles Sarde-Album, und ein 2-CD-Set noch dazu!

Ich muß zugeben, von Laurent Heynemann (einem Ex-Mitarbeiter von Tavernier)  kenne überhaupt nichts, und seine Filme sind hierzulande auch kaum bekannt und nur wenige überhaupt für den deutschsprachigen Markt übersetzt worden.

IL FAUT TUER BIRGITT HAAS dreht sich um eine Art Spionage-Organisation, die den Auftrag bekommt, eine deutsche Terroristin zu töten. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt aber nicht auf etwaiigen Aktionen, sondern auf dem menschlichem Drama. Und das hört man auch in der Musik. Der Score ist komplett und ausschließlich für Streicher orchestriert (Geigen und Violen), die vornehmlich in sehr hohen Tonlagen spielen, um Assoziationen zu Wagner (speziell "Lohengrin") zu wecken und damit den Bezug zu Deutschland herzustellen.

STELLA ist in den 40er Jahren angesiedelt und Sarde nimmt auch im Score Bezug auf diese Zeit. Und wie so oft bedient er sich auch hier wieder hochkarätiger Solisten, dieses Mal sind es Stephane Grapalli und Hubert Rostaing. Aus einem neunminütigen Track für dreistimmige solistische Besetzung (Klavier, Klarinette, Geige) besteht der Score zu FAUX ET USAGE DE FAUX, bei dem ein Thema fortwährende, raffinierte Variationen erfährt. Ebenfalls solistisch besetzt ist LES MOIS D´AVRIL SONT MEURTRIERS, mit dem Fokus auf bluesigem Klavierspiel. LA VIEILLE QUI MARCHANT DANS LA MER beginnt mit einem schwelgerischen, walzerartigen Thema, das wirklich phantastisch orchestriert ist und schwankt ansonsten zwischen eher verspielten Motiven und solchen von ergreifender Traurigkeit und Melancholie. Für LE DERNIER CIVIL engagierte Sarde die Grimethorpe Colliery Band, deren charakteristischer Klang einen spannenden Gegenpart zu den wehmütigen Streicherarrangements und Mundharmonika-Soli bildet.

Ein Album voller brillanter Kompositionen. Der Kotau geht nicht nur an Sarde und seine Musiker, sondern auch an Musicbox für diese essenzielle Veröffentlichung. 

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vor 44 Minuten schrieb Angus Gunn:

Endlich mal wieder ein richtig tolles Sarde-Album, und ein 2-CD-Set noch dazu!

LA VIEILLE QUI MARCHANT DANS LA MER beginnt mit einem schwelgerischen, walzerartigen Thema, das wirklich phantastisch orchestriert ist

Kleiner Hinweis, wo genau dieses Thema ursprünglich herkommt. Hast Du die ADOLESCENTE-LP auch in Deiner Sammlung?

 

 

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