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"Herrmann war der Gulliver unter den Liliputanern der Filmmusik. Er war ein Meilenstein in der Geschichte des Films" Miklos Rozsa

 

Heute vor genau 105 Jahren erblickte der wohl bedeutendste amerikanische Filmkomponist aller Zeiten Bernard Herrmann das Licht der Welt. Sein Einfluss auf andere Komponisten und seine Bedeutung für die Entwicklung der Filmmusik kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Herrmann selbst war ein Heißsporn und ein nicht sehr umgänglicher Charakter der schon mal Produzenten und Regisseure verbal in die Schranken wies wenn der Film den er vertonen sollte, seines erachtens nach von minderer Qualität war. Ebenso kompromisslos war er bei der Qualität seiner Musik - er vertonte mit höchstem Engagement Meisterwerke wie auch filmischen Schund. Er selbst wollte nicht Filmkomponist genannt werden - er war Komponist - und seiner Meinung nach gab es nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte! Er verkörperte eine bewundernswerte Kompromisslosigkeit die heutzutage im Filmgeschäft unbekannt und undenkbar ist. 

 

"Ich für meinen Teil würde eher ein Angebot ablehnen, als mich dem Regisseur zu unterwerfen. Ich würde die Sache lassen, weil ich so nicht abreiten möchte. Vor Jahren bat mich Kubrick, die Musik für "Lolita" zu schreiben. Als ich zusagte, fügte er hinzu "in die Komposition muss eine Melodie meines Schwagers" Also sagte ich ihm, er soll es vergessen" - Bernard Herrmann

 

Außerdem war er sich seines großen kompositorischen Könnens sehr wohl bewusst.

"Ich war mit so vielen Filmen betraut, die von der Musik über die Runden gebracht wurden. Nicht nur ich, sondern viele meiner Kollegen haben auf ähnliche Weise Filme gerettet, indem sie diese für ein oder zwei Stunden akzeptabel machten" - wie recht er hatte :)

In seinem viel zu kurzen Leben, er starb 1975 unmittelbar nach Beendigung der Sessions für Taxi Driver, schuf er nur ca 50 Filmmusiken. Sein früher Tod ist besonders traurig, da gerade in den 70er Jahren seine Musik von jungen Regisseuren (DePalma, Scorsese) wieder neu entdeckt wurde. Die musikalische Zusammenarbeit mit Hitchcock ist einzigartig in der Geschichte der Filmmusik - alle ihre Zusammenarbeiten sind von höchster musikalischer Qualität. Nachdem es zum Zerwürfnis der beiden bei Torn Curtain kam - Hitchcock wollte eine "zeitgemäßere" Vertonung seines Films inklusive Song - war auch die Qualität der Filme von Hitchcock nurmehr mäßig (außer Frenzy vielleicht).

 

Seine Komposition für Hitchcock´s "Psycho" zählt sicher zu den berühmtesten und meist zitierten Filmmusiken aller Zeiten. Neben Jaws und The Omen die effektivste Horrorfilmusik die je geschrieben wurde - ein Meilenstein in diesem Genre. Hitchcock selbst erklärte das ein Drittel des Erfolgs des Filmes der Musik von Bernard Herrmann geschuldet ist. Der Regisseur verdoppelte auch die Gage für Herrmann, weil er so zufrieden mit der Arbeit seines Schützlings war. Für mich wäre der Film ohne die prägnante und prominent eingesetzte Musik von Herrmann undenkbar - sie verleit dem Film eine härte und dramatische Ausdruckskraft. Allein das Vertonungskonzept mit reinem Streichorchester ist schon sehr ungewöhnlich für einen Horrorthriller. Herrmann sagte ja immer er wolle einen "Black and White score" damit fabrizieren, andere Quellen sagen wieder das das fehlende Budget dafür mitverantwortlich war. 

Die legendäre Duschszene, die nach Hitchcock ja ohne Musik bleiben sollte, mit ihren dissonanten Streichern in hohen Lagen wurde damit zu einem der bekanntesten Momente der Filmgeschichte. 

 

Noch eindrucksvoller als die Duschszene finde ich die Vertonung der Autofahrt von Marion im Regen zu Bate´s Motel. Eine mahlstromartige Musik die keiner Auflösung entgegenstrebt von unglaublicher unruhiger und angsteinflößender Sogwirkung - hier wird klar das unglaubliches Unheil bevorsteht. Die Szene kommt nur mit wenigen Kameraeinstellungen aus und wird gänzlich alleine von der großartigen Musik getragen - absolut atemberaubend!!!!

Interessant ist auch das Teile der Musik "The Swamp" aus einer klassischen Komposition von Herrmann entlehnt wurde (Sinfonietta for Strings - 1935).

 

Für mich vielleicht nicht der komplexeste Score der je geschrieben wurde aber vielleicht der effektivste!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mal wieder top!. Danke für die Zitate von Herrmann. 

 

War wohl wirklich ein nicht leicht zu bändigender Bursche gewesen zu sein. ;-)

 

Ich mag von den Anektoden auch die, wo Andre Previn erzählt, dass er zu den Aufnahmesitzung von "The Day Earth stood still" ging. Da es sehr kalt war an dem Tag, hatte Previn wohl eine "mobile Heizdecke" umhängen, was Herrmann wohl als Kritik an seiner elektronischen Musik verstand und Previn raus werfen wollte.

 

Erzählt er hier:

 

 

Die Lache von Rosza und Williams steckt an... :-)

 

Und dann noch was von Previn:

 

 

Gruß

 

Jens


PS: Psycho ist natürlich toll - hab den aber leider nur in der McNeely-Fassung.

 

Toll soll auch die "Adaption" von Elfman für das unnötige Remake sein, an die ich aber bisher nicht rankam. Interpretation und Aufnahme sollen wohl absolute Oberliga sein.

 

Gruß

 

Jens

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Herrmanns eigene Einspielung ist nicht wirklich optimal - zu träge und ohne biss - besser ist die McNeely Fassung und auch die Elfman Adaptation ist Hervorragend!

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Danke für die schöne Einführung und ja: die McNeely-Fassung ist auch meiner Meinung nach die mit Abstand beste. Falls jemand Interesse hat, sich näher mit musiktheoretischen Aspekten der Partitur (insbesondere der Verwendung spezieller Dissonanz-Muster) zu beschäften:  http://www.academia.edu/4263122/Historische_%C3%A4sthetische_und_psychoakustische_Aspekte_des_Ph%C3%A4nomens_Konsonanz_und_Dissonanz_und_dessen_Anwendung_im_Bereich_Filmmusik 

 

Hab da vor ein paar Jahren mal eine Hausarbeit zu schreiben dürfen. :)

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Rate auch zur Elfman-Adaption - wenn man mit einigen wenigen, geringfügigen Änderungen in der Partitur klar kommt, bekommt man hier die mit Abstand intensivste Einspielung der Musik geboten.

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