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Sebastian Schwittay

Invada Records/Lakeshore Records: Jonny Greenwood - YOU WERE NEVER REALLY HERE

Empfohlene Beiträge

Auf dem Fantasy Film Fest habe ich dieses Wochenende Lynne Ramsays neuen Film YOU WERE NEVER REALLY HERE gesehen. Joaquin Phoenix spielt den traumatisierten und gewalttätigen Joe, der sich von reichen Auftraggebern anheuern lässt, entführte Kinder aus den Fängen eines Prostitutionsrings zu befreien. Schauspielerisch ist Phoenix als hammerschwingender Berserker schon eine Wucht, den Film fand ich aber leider extrem kalt, steril, überstilisiert, sowie psychologisch ziemlich oberflächlich und plakativ. Ramsay lässt kein Klischee aus: Joe war in seiner Kindheit natürlich selbst Missbrauchsopfer, was in fragmentierten Rückblenden immer wieder in den Film eingearbeitet ist, und sich im Verlauf immer klarer herausschält. Er wohnt noch bei seiner senilen Mutter (im Fernsehen läuft PSYCHO...), die er damals nicht vor den Übergriffen des Vaters schützen konnte. Das muss er nun natürlich wieder gut machen, und nutzt seine Kriegserfahrung (die ebenfalls ständig in bedeutungsschwangeren Fragmenten eingeschnitten wird) zum leisen, aber effektiven Amoklauf in den Lofts und Villen der Pädophilen. 

Der Film wirkt am Ende wie die Arbeit eines Filmhochschulen-Absolventen, der nach dem Studium unbedingt mal alle filmsprachlichen Mittel und Kniffe ausprobieren möchte, und dafür eine eigentlich banale Geschichte mit hyper-elaboriertem Filmemacher-Tand ausschmückt, bis es nicht mehr geht. Mich hat diese hingedrückte, hingebogene und übermäßig stilverliebte Inszenierung letztendlich völlig kalt gelassen. Schade - aber mit Ramsays letztem Film, WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN, ging es mir auch schon so. 

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Noch das Beste am Film war für mich die Musik von Jonny Greenwood, die allerdings in Teilen auch zur übertriebenen Stilisierung des Films beitrug. Gewaltszenen ließ Greenwood meist unvertont, dafür untermalt der Score die getriebenen Vorbereitungs-, Planungs- und Verfolgungssequenzen, die mit Elektro-Beats und (Greenwood-typisch) perkussiv gespielten Streichern eine hypnotische, nächtlich-urbane Stimmung heraufbeschwören, hin und wieder mit NEON DEMON- oder sogar ganz dezentem Carpenter-Vibe. Die emotionalen Passagen - schimmernde, freitonale Streicher- und Ambient-Flächen - fand ich schon etwas weniger aussagekräftig, aber immerhin interessant in ihrer kammermusikalischen Instrumentierung. Insgesamt ein durchaus effektiver Score, der mit seinen mitunter experimentell anmutenden col-legno-Streicher-Sounds die Künstlichkeit des Films unterstützt (das mag man positiv oder negativ sehen, je nachdem wie einem der Film an sich gefällt), aber die emotionale Vielschichtigkeit der Scores für Paul Thomas Anderson weitestgehend vermissen lässt. Das Ausdrucksspektrum beschränkt sich letztlich auf "Verfolgung" und "melancholisches Ambient" - ein bisschen wenig, und das dachte sich vielleicht auch Greenwood, sonst hätte er eine CD-Veröffentlichung der Musik wohl schon in die Wege geleitet...

Ein vor einigen Monaten veröffentlichter First-Look-Clip enthält etwas von der treibenden Verfolgungsmusik, da bekommt man immerhin einen kleinen Eindruck: 

 

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In der Tat..im zweiten Musikeinsatz ab 1:07 kommt tatsächlich Carpenter-Feeling auf...

vor 9 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

und das dachte sich vielleicht auch Greenwood, sonst hätte er eine CD-Veröffentlichung der Musik wohl schon in die Wege geleitet

...weshalb meiner Meinung nach der Beitrag besser im Bereich "Was habt Ihr zuletzt gesehen" aufgehoben wäre

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Vielleicht kommt ja doch noch was - in diesem Fall kann das dann in diesen Thread gepostet werden. 

Ansonsten darf (und soll) hier natürlich auch über die Musik diskutiert werden, wenn jemand den Film gesehen hat. ;) Startet bei uns allerdings erst im April. 

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Hier die Details der Veröffentlichung:

Zitat

 

The full details of the soundtrack album for Lynne Ramsay’s dramatic thriller You Were Never Really Here have been revealed. The album features the film’s original music composed by Academy Award nominee Jonny Greenwood (Phantom Thread, There Will Be BloodThe Master, Inherent Vice) who previously scored Ramsay’s We Need to Talk About Kevin. The soundtrack will be released digitally on March 9 in the U.S. by Lakeshore Records and overseas by Invada Records. Check back on this page for the pre-order link. CD and vinyl version are also in the works. You Were Never Really Here is written and directed by Ramsay and stars Joaquin Phoenix, Judith Roberts, Ekaterina Samsonov, John Doman, Alex Manette, Dante Pereira-Olsen and  Alessandro Nivola. The movie follows a former war veteran who tries to save women trapped in the world of sex trafficking. The thriller premiered at last year’s Cannes Film Festival and will be released in select theaters on April 6 by Amazon Studios. Visit the official movie website for updates.

Here’s the album track list:

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1. Tree Synthesisers (4:25)
2. Sandy’s Necklace (3:47)
3. Nausea (1:49)
4. Hammer and Tape (1:22)
5. Brothel (Bass Clarinet) (3:47)
6. The Hunt (3:23)
7. Dark Streets (1:52)
8. Ywnrh (3:56)
9. Nina Through Glass (3:22)
10. Votto (4:01)
11. Dark Streets (Reprise) (1:53)
12. Downstairs (0:50)
13. Joe’s Drive (1:23)
14. Tree Strings (5:10)
Quelle: http://filmmusicreporter.com/2018/02/26/you-were-never-really-here-soundtrack-details/

 

 

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Hier noch auf Spotify: 

Klingt in Albumform wirklich nochmal runder und geschlossener als im Film. Viele Stücke sind ja im Film entweder gar nicht, oder nur als zusammengestutzte Edits zu hören. 

@bimbamdingdong empfehle ich übrigens dringend, vom Album Abstand zu nehmen. Im Gegensatz zum schönen PHANTOM THREAD ist das hier nämlich wirklich dissonant. 

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vor 8 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

Anspieltipps: "Sandy's Necklace" (Track 2), "Dark Streets" (Track 7), "YWNRH" (Track 8), "Downstairs" (Track 12) und "Joe's Drive" (Track 13). 

Nix für mich...

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Ein sehr schönes Cover. Interessantes Klangkonzept aber ich kann mich nicht wirklich für diese Komposition begeistern.

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Mausert sich langsam doch zu einem echten Favoriten (jaja, ich weiß, erwartbar...), besonders die oben aufgeführten Anspieltipps (inkl. "Tree Strings") höre ich in den letzten Tagen rauf und runter. 

"Sandy's Necklace" ist übrigens die seit 2014 bereits mehrfach auf Konzerten aufgeführte Greenwood-Komposition "Microtonal Shaker": 

(Greenwood rechts an der Gitarre)

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Erst seit PHANTOM THREAD? ;)

So sehr ich PHANTOM THREAD und andere aktuelle Werke von ihm schätze, meine absoluten Favoriten sind immer noch THERE WILL BE BLOOD ("Eat Him By His Own Light" :wub: , das HW-Thema :wub: ) und THE MASTER. So nah an der verzauberten Entrücktheit eines Olivier Messiaen war er danach nie wieder. 

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vor einer Stunde schrieb Sebastian Schwittay:

Erst seit PHANTOM THREAD? ;)

So sehr ich PHANTOM THREAD und andere aktuelle Werke von ihm schätze, meine absoluten Favoriten sind immer noch THERE WILL BE BLOOD ("Eat Him By His Own Light" :wub: , das HW-Thema :wub: ) und THE MASTER. So nah an der verzauberten Entrücktheit eines Olivier Messiaen war er danach nie wieder. 

Ich habe vorher wahrscheinlich einfach noch nix von ihm gehört. Zumindest nicht bewusst. Dann hole ich deine Empfehlungen mal mit nach ;)

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