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Ich glaube nicht, daß detailliertere Berichte nach außen gedrungen sind, zumal es eh wenig an kenntnisreicher Literatur zu solch älteren deutschen Filmmusiken gibt.
Majewski selbst hat sich recht vieldeutig zu der Rolle des Arrangeurs/Orchestrierers bei seinen Filmen geäußert:

"Meistens sind die Arrangeure auf einen bestimmen Komponisten eingestellt...Es ist schon so, dass der Komponist von sich aus immer jemanden nehmen wird, der seine Handschrift genau kennt, die Mentalität, die Schreibweise, die Stilformen beherrscht..."

Mit Peter Sandloff jedenfalls verband Majewski eine jahrzehntelange persönliche Freundschaft, da Sandloff auch schon LIEBE 47 als Arrangeur betreut hatte und von daher natürlich auch Majewskis musikalischen Stil in- und auswendig kannte, ihn daher selbstverständlich hervorragend "imitieren" oder "kopieren" konnte.  Übrigens war witzigerweise ja auch Martin Böttcher durch das Arrangieren von Teilen der LIEBE 47-Partitur Ende der 40er Jahre zum Film gekommen.
Gert Wilden dürfte sicherlich für viele Easy Listening-Arrangements - und auch ein paar Ghostwritings - während der 50er Jahre (also in der Zeit vor seinem ersten eigenen Filmscore an 1958) zuständig gewesen sein. Da Wilden im Gegensatz zu Sandloff mit Sinfonik eher wenig am Hut hatte und von der leichten Muse herkam, dürfte er deshalb das zweite wichtige Arrangeur und Ghostwriter-Standbein für Majewski gewesen sein.

Was NASSER ASPHALT betrifft, so hat mir Arild Rafalzik das selbst mal vor ein paar Jahren schon am Telefon erzählt gehabt, daß das im Grunde zu 90% eine Musik von Sandloff ist, mit der Majewski dann letztlich nur noch am Rande zu tun hatte und ihr vielleicht noch den letzten Schliff gegeben hat. Und Arild hatte die Info aus erster Hand von Sandloff selbst. Außenstehende haben davon selbstverständlich nie was gewußt.

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Das Spionagedrama MENSCHEN IM NETZ kam 1959 in die Kinos und basierte auf einem gleichnamigen „Tatsachenbericht“ von Will Tremper, der zuvor im „Stern“ erschienen war. Für die Musikeinspielung stand Hans-Martin Majewski die Big-Band des Südfunkorchesters zur Verfügung, für die er eine entsprechend jazzige Musik mit einem eingängigen Hauptthema komponierte. Abgesehen von der Titel- und Schlussmusik, in denen die Besetzung voll zur Geltung kommt, reduziert Majewski das Ensemble für diverse Verfgolungs- und Bespitzelungsszenen auf kleinere Gruppen und geht regelrecht kammermusikalisch zu Werke. Nur ein einziges Mal vernimmt man mit einer Solovioline, die zusammen mit der Klarinette weite Linien über eine motorische Big-Band-Begleitung mit Bongorhythmen und Saxophonostinati spannt, den Klang eines Streichinstruments. Einmal deutet sich eine weitere Melodie für die Ehefrau des Protagonisten an, die sogar vom einsamen Saxophon ohne jede Begleitung intoniert wird. In einigen Spannungspassagen wird es dann mit schrillen Blechbläsern etwas harscher, aber im Großen und Ganzen überschreitet Majewski kaum die Grenzen seiner eingängigen Jazzidiome. Die in der Box enthaltenen 14 Minuten zu MENSCHEN IM NETZ scheinen fast ausschließlich aus der ersten Filmhälfte zu stammen. Die Suite bietet ein gutes Hörerlebnis, aber auf Grund des etwas stereotypen, in der Unterhaltungsmusik wurzelnden Vertonungsansatzes ohne viel Ecken und Kanten bleibt die Musik hinter anderen Vertonungen dieser Kollektion zurück. Die Konkurrenz ist aber auch zugegebenermaßen sehr stark.

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Bei MENSCHEN IM NETZ haben wir nur drei Stücke von dem Material, das uns aus dem Majewski-Archiv zur Verfügung stand, weggelassen. Und das waren diese drei hier:

- Pepe in der Bar (1:50)
- Hotelbar Quartett (2:36)
- Jonny´s Bar (0:56)

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Interessant. Bedeutet das, dass der Film "ungleich" vertont war? Kann ja sein, dass in der zweiten Hälfte nicht mehr viel Musik ist. Ich muss aber auch zugeben, den Film (wie so viele von den in der Box vertretenen) nie gesehen zu haben.

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MENSCHEN IM NETZ ist schon ein wirklich seltener Film, den es nicht mal auf DVD gibt und den ich auch früher nie gesehen habe. Der Film ist nach seinem Kinoeinsatz an 1959 eigentlich für mehrere Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden, in den 70ern und 80ern etwa auch nicht im Fernsehen aufgetaucht. Von daher kann ich es auch nicht sagen, ob hier wirklich noch Tracks fehlen oder nicht.

Das Problem ist, daß Majewskis Sohn all die Stücke der einzelnen Scores schon auf eigenen, zumeist nach Schauspielern geordneten CDs zusammengestellt hatte. Das heißt, man müßte ihn fragen, ob über die knapp 20 Minuten hinaus noch was existiert. Denkbar ist aber auch, daß einige Tracks eben beschädigt waren und er sie deshalb gar nicht mehr mit aufnehmen konnte. Bei solchen uralten Bändern ist ja schließlich alles möglich.

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Klar, man muss halt für alles dankbar sein, was noch verwendbar ist und da ist Majewski ja eine der ganz wenigen Ausnahmen was derartige alte Aufnahmen angeht. Was mich noch zu der Ghostwriter-Geschichte interessieren würde: Welches sind denn die Filme, die in Wahrheit fast vollständig von Sandloff vertont worden sind? Gibt es da eine Art "Liste"?

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Nein, eine Liste gibt es da natürlich nicht. Das sind ja im Prinzip ganz intime Details, die normalerweise überhaupt nicht an die Öffentlichkeit durchdringen. Im Fall von NASSER ASPAHALT war das schon eine Ausnahme, daß man an diese Info überhaupt rangekommen ist.
Man kann aber z.B sagen, daß es ein paar Filmmusiken gibt, wo Majewski ohne Mithilfe anderer alles selbst auch orchestriert hat. Dazu zählen etwa MENSCHEN IM NETZ, NACHT DER ENTSCHEIDUNG oder HERR ÜBER LEBEN UND TOD, auch zum Großteil DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER. Diese Infos kann man den CD vom Majewski-Sohn entnehmen.
Auf der anderen Seite scheint die Beteiligung Sandloffs etwa bei AN HEILIGEN WASSERN (oder auch bei WEG OHNE UMKEHR) schon ziemlich groß gewesen zu sein - bei der Filmmusik hat er zudem auch noch bei eingen Stücken dirigiert, so daß man da zumindest teilweise auf Ghostwriting spekulieren kann - zumal sowohl bei AN HEILIGEN WASSERN wie bei WEG OHNE UMKEHR sogar die GEMA Sandloff noch einen zusätzlichen Credit als "Bearbeiter" gegeben hat, was nicht unbedingt alltäglich ist.

Zum Thema Ghostwriting hätte ich dagegen bei Rolf Wilhelm noch was anzubieten: Für einen Großteil der Musik zu SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE hatte er an 1963 als Ghostwriter  den überwiegend als Jazzmusiker bekannten Mladen (bzw. Bobby) Gutesha. Wilhelm kam weder mit dem Film selbst noch mit dem geforderten Stil für die Musik zurecht, so daß er auf Gutesha zurückgriff. Auch der Grund, warum er diesen Score nicht in Gänze veröffentlicht haben wollte, obwohl Bänder in seinem Privatarchiv vorhanden waren und das natürlich ein kommerziell ganz zugkräftiger Titel gewesen wäre. Rafalzik mußte bereits alle Überredungskünste anwenden, damit Wilhelm überhaupt die Titelmusik für den vor rund 20 Jahren erschienenen Kriminal-Filmmusik-CD-Sampler genehmigte.

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Wieder einmal hochinteressant - besonders, da ich AN HEILIGEN WASSERN immer als Prunkstück in Majewskis Filmographie erachtet habe...

Rolf Wilhelm kommt natürlich auch noch dran :)

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Am Heimatfilm kam kaum einer der Komponisten vorbei, die in der Bundesrepublik für den Film arbeiteten. Hans-Martin Majewski leistete seinen Beitrag zu der Produktion AN HEILIGEN WASSERN, für die er eine groß angelegte symphonische Partitur in bester Heimatfilmmusiktradition komponierte. Umso bedauerlicher, dass in dieser Box neben der auftrumpfenden und viel versprechenden Titelmusik nur Spannungspassagen enthalten sind, da alle weiteren Aufnahmen scheinbar verloren sind. Somit ist Majewskis Musik hier leider falsch präsentiert. Einen kleinen Eindruck von dem, was möglich gewesen wäre, erhält man nur in „Roman geht nach Indien“ mit triumphalen Hörnern und ausladenden Streicherlinien. Auch die Musik zum Aufruhr mit einem fast tänzerischen Ostinato und den schnatternden gestopften Trompeten ist überaus hörenswert, aber abgesehen von diesen Passagen ist von der großen Musik zu AN HEILIGEN WASSERN einer stereotypen Suspensemusik übriggeblieben. Sehr schade…

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Man muß hier aber schon auch deutlich relativieren: AN HEILIGEN WASSERN ist zumindest quantitativ gesehen keine wirklich "große epische" Musik wie etwa Rolf Wilhelms fast zeitgleich entstandener Heimatfilm-Zweiteiler UND EWIG SINGEN DIE WÄLDER/DAS ERBE VON BJÖRNDAL, sondern es gibt im Film selbst - ich habs extra nochmals genau verglichen gehabt - nur eine runde halbe Stunde Musik und nicht mehr. Vor allem deshalb, weil viele Dialogszenen ganz ohne Musik auskommen, ja nicht mal ein Liebesthema erscheint.
Das heißt, es fehlt auf unserem Set vielleicht eine knappe Viertelstunde. Allerdings gibts dabei zusätzlich nochmals Einschränkungen zu machen, da der komplette Main Title mit dem französischen Chorgesang ("Les rogations") sowieso gar nicht von Majewski stammt,. sondern vom Schweizer Komponisten Jean Daetwyler. Vielleicht ist Dir das ja entgangen? Dabei handelt es sich eigentlich um das zweite Hauptthema, das von Majewski in Track 15 ("Gang der Fackelträger I") kurz instrumental angedeutet wird, aber ansonsten auch noch mindestens in einer weiteren Chorsequenz mitten im Film auftaucht.
Weiterhin muß man sagen, daß das "tänzerische Ostinato" im Film nicht nur im Track "Aufruhr" vorkommt, sondern schon zuvor, wenn Blatters Vater in der Steilwand hängt und dann dabei umkommt. Da hat Majewski eigentlich zweimal fast denselben Track verwendet. Also kein Verlust.
Somit bleiben, wenn ich diese erwähnten Musiken abziehe, nur noch ca. 10 Minuten übrig, die somit auf der CD fehlen. Eine weitere Variante vom Hauptthema taucht im Film zum einen in dem dreiminünitgen Track auf, als Roman Blatter von Indien wieder ins Dorf zurückkeht auf und dann im 1 1/2-minütigen Finale. Es ist daher schade, daß genau diese beiden Stücke uns nicht zur Verfügung standen. Und dann ist noch ein recht aggressives motorisches Stück für ca. zwei Minuten gegen Ende des Films zu hören direkt vor dem "Aufruhr"-Track, das sich aber auch eher in der Rubrik Spannungsmusik einordnen läßt.
Daher mein Fazit: Schön wärs gewesen, wenn wir diese beiden großorchestralen Tracks mit nicht ganz 5 Minuten noch gehabt hätten, aber dem war eben nicht so. Aber es ist beileibe nicht der Fall wie man aus Deinem Text oben eventuell herauslesen könnte, daß nun auf der CD gar 20 oder 30 Minuten an wichtiger Musik fehlen würden.

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Am 3.8.2018 um 19:09 schrieb Mephisto:

Interessant. Bedeutet das, dass der Film "ungleich" vertont war? Kann ja sein, dass in der zweiten Hälfte nicht mehr viel Musik ist. Ich muss aber auch zugeben, den Film (wie so viele von den in der Box vertretenen) nie gesehen zu haben.

Habe den Film die Tage mal wieder gesehen, und mehr als 15-16 Minuten Musik sind ohnehin nicht im Film. Das meiste davon ist in der Tat in der ersten Filmhälfte - und dann nochmal im letzten Akt. Zwischen Minute 40 und 75 ist eine ganze Weile überhaupt kein Score, nur mal ein Stück Source Music ("Jonny's Bar"). 

Die 14-Minuten-Suite in der Alhambra-Box dürfte dann wirklich alles Wesentliche umfassen. 

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Am 9.8.2018 um 22:16 schrieb Stefan Schlegel:

Man muß hier aber schon auch deutlich relativieren: AN HEILIGEN WASSERN ist zumindest quantitativ gesehen keine wirklich "große epische" Musik wie etwa Rolf Wilhelms fast zeitgleich entstandener Heimatfilm-Zweiteiler UND EWIG SINGEN DIE WÄLDER/DAS ERBE VON BJÖRNDAL, sondern es gibt im Film selbst - ich habs extra nochmals genau verglichen gehabt - nur eine runde halbe Stunde Musik und nicht mehr. Vor allem deshalb, weil viele Dialogszenen ganz ohne Musik auskommen, ja nicht mal ein Liebesthema erscheint.
Das heißt, es fehlt auf unserem Set vielleicht eine knappe Viertelstunde. Allerdings gibts dabei zusätzlich nochmals Einschränkungen zu machen, da der komplette Main Title mit dem französischen Chorgesang ("Les rogations") sowieso gar nicht von Majewski stammt,. sondern vom Schweizer Komponisten Jean Daetwyler. Vielleicht ist Dir das ja entgangen? Dabei handelt es sich eigentlich um das zweite Hauptthema, das von Majewski in Track 15 ("Gang der Fackelträger I") kurz instrumental angedeutet wird, aber ansonsten auch noch mindestens in einer weiteren Chorsequenz mitten im Film auftaucht.
Weiterhin muß man sagen, daß das "tänzerische Ostinato" im Film nicht nur im Track "Aufruhr" vorkommt, sondern schon zuvor, wenn Blatters Vater in der Steilwand hängt und dann dabei umkommt. Da hat Majewski eigentlich zweimal fast denselben Track verwendet. Also kein Verlust.
Somit bleiben, wenn ich diese erwähnten Musiken abziehe, nur noch ca. 10 Minuten übrig, die somit auf der CD fehlen. Eine weitere Variante vom Hauptthema taucht im Film zum einen in dem dreiminünitgen Track auf, als Roman Blatter von Indien wieder ins Dorf zurückkeht auf und dann im 1 1/2-minütigen Finale. Es ist daher schade, daß genau diese beiden Stücke uns nicht zur Verfügung standen. Und dann ist noch ein recht aggressives motorisches Stück für ca. zwei Minuten gegen Ende des Films zu hören direkt vor dem "Aufruhr"-Track, das sich aber auch eher in der Rubrik Spannungsmusik einordnen läßt.
Daher mein Fazit: Schön wärs gewesen, wenn wir diese beiden großorchestralen Tracks mit nicht ganz 5 Minuten noch gehabt hätten, aber dem war eben nicht so. Aber es ist beileibe nicht der Fall wie man aus Deinem Text oben eventuell herauslesen könnte, daß nun auf der CD gar 20 oder 30 Minuten an wichtiger Musik fehlen würden.

Mit dem Film abgeglichen habe ich die Musik tatsächlich nicht. In Majewskis Nachlass (archiviert im deutschen Komponistenarhciv in Hellerau [Dresden]) kann man sich ja die Partitur ansehen und die wirkte vom optischen Eindruck tatsächlich "fülliger".

Am 10.8.2018 um 18:06 schrieb Sebastian Schwittay:

Habe den Film die Tage mal wieder gesehen, und mehr als 15-16 Minuten Musik sind ohnehin nicht im Film. Das meiste davon ist in der Tat in der ersten Filmhälfte - und dann nochmal im letzten Akt. Zwischen Minute 40 und 75 ist eine ganze Weile überhaupt kein Score, nur mal ein Stück Source Music ("Jonny's Bar"). 

Die 14-Minuten-Suite in der Alhambra-Box dürfte dann wirklich alles Wesentliche umfassen. 

Danke für die Info, Sebatsian! Immer schön, wenn man hier noch was zusammentragen kann. :)

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Die Gaunerkomödie GANOVENEHRE von Wolfgang Staudte gab Hans Martin Majewski erneut Gelegenheit für die Komposition eines seiner geliebten Musette-Walzers mit dem Titel „Wir fahren nach Paris“.  Neben einer Spannungspassage, in der die heitere Akkordeon-Melodie durch elektronisch verfremdete Klänge und unheimliche Glissandoeffekte hindurchblitzt, ist keine weitere Musik auf der Kollektion enthalten.

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Die beiden Musette-Walzer sind nicht typisch für GANOVENEHRE, der eher aus Suspense-Stücken besteht - aber die beiden Stücke  haben ganz gut zu CD5 gepasst und wurden deshalb ausgewählt.

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Solange Mephisto sein Majewski-Projekt unterbricht, erlaube ich mir mal mit einem Pausenfüller dazwischenzugehen.

Michael Holm: HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT

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Dieser Film dürfte den Freunden des Exploitationkinos wohlbekannt sein. Nach dem weltweiten Erfolg des britischen Films WITCHFINDER GENERAL entstand unter der Schirmherrschaft von Adrian Hoven dieses berüchtigte Werk, dem bis heute sein Ruf als sadistisch-schäbiger Horrorschund vorauseilt. "Eine durchgängig erzählte Handlung findet man nicht. Kommen und Abgang von Personen bilden die Aufhänger für die zahllosen Brutralitäten, deren Darstellung man keinerlei humanistische Absichten unterschieben soll", wütete die Kritik. Oder: "Sehr naiver, doch mit Sadismus genüßlich spekulierender Film, der weder kritische Distanz noch Sinn für Geschmack verrät."

Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Natürlich ist das Ganze sehr exploitativ angelegt, und die dargestellten Folter- und Hinrichtungsszenen sind in der Tat starker Tobak, aber die Besetzung ist durch die Bank exzellent, die Story hat sehr wohl mehr zu bieten, als es die Kritiker wahrhaben wollen, die malerischen Schauplätze sind von erlesener Schönheit und auch an der technischen Umsetzung gibt es nichts zu bemängeln. Gerade weil die Chemie zwischen Udo Kier und Olivera Vuco so gut funktioniert, bildet die Liebesgeschichte zwischen den beiden auch ein so glaubhaftes und dramatisches Fundament für die Geschichte.

Drehort war u.a. Schloß Moosham im österreichischen Lungau, das ich selber mal besucht habe und nur weiterempfehlen kann. Ein fantastisches Bauwerk, das auch für die "Götz-von-Berlichingen"-Verfilmung mit Raimund Harmstorf als Kulisse verwendet wurde. Und es dient auch als Schauplatz des Hörspiels "Der Pakt mit dem Teufel" aus der legendären Grusel-Serie von H.G. Francis. Also gleich mehrere Gründe, da mal hinzufahren!

Die Musik von Michael Holm besteht aus zwei Hauptthemen. Das süßlich-kitschige Liebesthema begleitet gleich zu Anfang den Titelvorspann. Eine Kutsche wird überfallen, die Frauen geschändet. Die Musik dazu mit ihrem lieblichen Timbre bildet einen merkwürdigen Kontrast zu den brutalen Geschehnissen auf der Leinwand. Zu dem prunkvollen Marsch, mit dem das Hexerthema beginnt, wird der von Herbert Lom großartig gespielte Lord Cumberland eingeführt. Die infernalisch kratzenden Streicher, die danach einsetzen, weisen unmißverständlich auf dessen teuflischen Charakter hin. Von Holm wirklich sehr wirklungsvoll umgesetzt, ist das Hexerthema sicherlich der Höhepunkt der Komposition.

Die Quasi-Fortsetzung HEXEN - GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT erzählt eine eigenständige Geschichte ohne Bezug zu seinem Vorgänger und ist auch deutlich schwächer als dieser. Die Musik stammt aus dem Sonoton-Archiv, weshalb hier hochkarätige britische Komponisten wie Don Banks und John Scott mit jeweils einem Track vertreten sind. Natürlich geht dieser Score stilistisch in eine völlig andere Richtung und klingt eher nach einer zeitgenössischen Hammer-Produktion.

Da ich seinerzeit an der CD-Produktion mitgewirkt habe, kann ich zu den Begleitumständen etwas sagen. Michael Holm hat sich bei unseren Recherchen als sehr umgänglich und hilfsbereit erwiesen, aber die ursprünglichen Originalbänder waren nicht mehr vorhanden. Laut Holm bestanden die Aufnahmen im Wesentlichen aus den beiden Tracks Liebesthema und Hexerthema, beides jeweils durchgängige Kompositionen von rund zehn Minuten Länge. Was noch vorhanden war, war halt eine Kopie der Filmtonspur mit der Musik, deswegen gibt es auf der CD nur diese auseinandergeschnittenen, den Szenen angepaßten Teilstücke.

Im zweiten Film sind noch einige andere Musikstücke zu hören, die aber nicht mehr aufzufinden waren. Wenn´s nach mir gegangen wäre, hätte der letzte Track (ein Syntheziser-Stück namens Space Station) nicht den Weg auf das Album gefunden, denn er fällt stilistisch völlig aus dem Rahmen und dient im Film lediglich für zwei oder drei Sekunden als Geräuscheffekt. Nun ja, aber auch mit diesen Kompromissen ist es ganz nett geworden, meine ich.

 

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Majewski-Pausenfüller, Teil 2

Peer Raben: HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE!

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Dies ist einer jener Fälle, bei dem ich damals nach der Fernseh-Ausstrahlung am nächsten Tag im Saturn war, um mir die CD zu kaufen. Aber nicht, weil der Film so toll war. Der solide Kriminalfilm um einen türkischen Privatdetektiv in Frankfurt wurde von Doris Dörrie mit Geschick und komödiantischem Einschlag inszeniert. Nicht wirklich herausragend, aber unterhaltsam. Es war die Musik von Peer Raben, die es mir angetan hatte.

Der Komponist setzt hauptsächlich auf Solo-Instrumente, und die Streicher der Münchner Philharmoniker geben dem Score den orchestralen Unterbau. Die Synthesizer in LETTERS FROM HOME erzeugen ein melancholisches Flair der Einsamkeit. Harte Klavierakkorde und handgeschlagene Percussions erzeugen ein Motiv von eisiger Coolness in A TEENAGE PROSTITUTE und REVENGE. Einige interessante Klangcollagen unterstützen die Suspense-Sequenzen, und das Saxophon sorgt für laszive Zwischentöne. Zentrum der Komposition ist aber das wirklich brillante Hauptthema, das die lakonische Natur der Ereignisse wie auch des Protagonisten bestens einfängt. Es taucht in mehreren Variationen auf, hat einen hohen Wiedererkennungswert und erfreut mit immer neuen, einfallsreichen Instrumentierungskniffen. Besonders eindrucksvoll in der Titelmusik HAPPY BIRTHDAY, DETECTIVE! mit Schifferklavier (oder ist das eine Mundharmonika, oder beides?) wo es eine enorme Dynamik entwickelt.

Über der Musik schwebt noch ganz unaufdringlich das Flair der späten 80er, und auch wenn der Film von 1992 ist, würde ich sie jetzt mal vorsichtig als einen der großen, europäischen (und weitgehend vergessenen!) Krimisoundtracks dieser Dekade bezeichnen, die sogar das Format eines Philippe Sarde erreicht.

Auf der CD befinden sich außerdem jeweils ca. 15-minütige Suiten aus den Fassbinder-Filmen DIE DRITTE GENERATION und FAUSTRECHT DER FREIHEIT. Beide sind mit ihrem eher melancholischen Timbre und den zum Burlesken neigenden Stücken gerade in letzterem Titel stilistisch sinnvolle Ergänzungen zur "Hauptmusik".

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Angus, mal wieder vielen Dank für die tollen Einblicke in die deutsche Filmmusik. Die HEXEN-Filme stehen seit Ewigkeiten auf meiner Liste und sind jetzt auf meiner Sichtungsliste wieder gehörig nach oben gerutscht! Verstehe Dich aber bitte nicht als "Vertretung" oder "Lückenfüller" - im Gegenteil. Es soll hier ja eben keine Ein-Mann-Veranstaltung werden!

Und jetzt weiter mit Majewski:

Mit RHEINSBERG verfilmte Hoffmann eine weitere Tucholsky-Erzählung, in der ein junges Paar während seines Urlaubs mit den Tücken der Liebe konfrontiert wird. Majewskis Musik ist zwar ähnlich heiter im Charakter wie seine Vertonung von SCHLOSS GRIPSHOLM, aber mit vollkommen anderen Mitteln realisiert. Das charmante Hauptthema im schnellen Walzertempo gehört zu den schönsten Kreationen Majewskis und bleibt auch lange nach dem hören im Gedächtnis. Es wird zu Beginn des Films vom Klavier über die dezente Begleitung der Rhythmusgruppe vorgestellt und mit einigen jazzigen Improvisationen fortgeführt. Gekrönt wird dieses Arrangement von dem wunderschönen, mollgetrübten Kontrapunkt der Violinen. Später erklingt das Hauptthema als Akkordeonsolo über sanfte Streicherteppiche, bevor es zum Finale wieder vom Klavier vorgetragen wird. Insgesamt bietet RHEINSBERG ein rundum glücklich machendes Hörvergnügen. Die von Kaskaden des Klaviers und des Fagotts durchzogene Musik für ein Tennisspiel und die geschäftige Musik für den Umsteigebahnhof Loewenberg lassen mit dem Fuß wippen, die Musik zur Kleinbahnfahrt atmet mit den motorischen Rhythmuszellen der Streicher und des Klaviers, den mechanischen Fagottquarten und den süffisanten Einwürfen der Streicher sogar einen Hauch Strawinksy und in der musikalischen Untermalung einer Kutschfahrt lässt sich Majewski mit ordentlich knallender Peitsche sogar zu etwas Illustration herab. Wie auch im Falle von SCHLOSS GRIPSHOLM ist die Musik zu RHEINSBERG leider nicht vollständig auf dem CD-Set vertreten. Sehr schade, ich hätte gern noch mehr von dieser wundervoll erfrischenden Musik gehört.

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[Um die Majewski-Kritiken noch etwas zu pushen, kommen von mir noch zwei arg verspätete Anmerkungen zum erhellenden Austausch zwischen Gerrit und Stefan. Die erste bezieht sich auf Majewski allgemein und die Ghostwriter-Problematik, in der zweiten geht es noch einmal speziell um die HEILIGEN WASSER.]


I. Majewski/Ghostwriting

Schade, dass kaum jemand weiß, was ihm (ihr) bei Majewski und so vielen weiteren der in diesem oder auch dem benachbarten Thread zur osteuropäischen Filmmusik (von Mephisto und Angus) vorgestellten Scores entgeht. Hier ist es wirklich nötig, Werbung für die gute Sache zu machen. Nicht dass die Majewski-Musiken es hinsichtlich ihrer Qualität nötig hätten – was ihre Reichweite angeht, dafür umso mehr: Eine Großtat wie das Alhambra-Set wird es so schnell nicht wieder geben, da muss man sich keine Illusionen machen, und das gilt ebenso für das Rolf-Wilhelm-Set, dessen Besprechung ja sicher noch folgen wird? 😉

Natürlich, einige der Majewski-Musiken im Set (tendenziell etwas mehr als bei Wilhelm) sind eher der leichten Muse zuzuordnen, sind etwas mehr Kinder ihrer Zeit und hörbar auch Folge hierzulande geringerer Budgets, als es im US-Kontext der Fall war. Die Mehrzahl der Musiken sind aber absolut faszinierend und stehen absolut auf Augenhöhe mit großen Namen amerikanischer Filmmusik, wobei Majewski etliche Neuerungen, zum Beispiel den Einsatz Elektronischer und Neuer Musik, deutlich früher eingeführt hat als vermeintliche Pioniere jenseits des Großen Teichs.

Zugespitzt lässt Majewskis Schaffen sich in seiner Varianz und Innovationskraft, aber auch im handwerklichen Vermögen am ehesten mit Goldsmiths Stellung in der US-Filmmusik der 60er und 70er vergleichen, wohingegen Wilhelm - technisch gewiss gleichrangig, aber stilistisch und in den Vertonungsansätzen etwas konventioneller, etwas weniger variantenreich – Manches mit John Williams gemein hat. (Ausnahmen bestätigen jeweils die Regel, und natürlich geht so ein Vergleich weder hinsichtlich der Lebensdaten der vier Komponisten noch hinsichtlich der Produktionsumstände in BRD- respektive US-Film so ganz auf, aber vielleicht kann man so den einen oder anderen so mal ein bisschen neugierig machen.)

Was das Ghostwriting angeht: ich habe für meine Masterarbeit zu Majewski damals aus Zeitgründen fast nur die Archivalien zu Scores eingesehen, die ich näher analysiert habe (LIEBE 47, DIE BRÜCKE, AN HEILIGEN WASSERN, SCHACHNOVELLE), aber in diesen Fällen machte sämtliches Material zumindest äußerlich und dem Stil (im jeweiligen Zusammenhang der Partitur) nach den Eindruck, aus einer Hand zu stammen - ich habe damals schon deshalb die Augen offen gehalten, weil mir die von Stefan an anderer Stelle zitierte Einlassung von Arild Rafalzik zu dem Zeitpunkt ebenfalls bekannt war. Das heißt natürlich nicht, dass es kein Ghostwriting gegeben hat, sondern es scheint eher so etwas wie perfektes Teamwork vorzuliegen. Auffällig ist zum Beispiel bei NASSER ASPHALT, wie ja auch Gerrit indirekt andeutet, dass relativ gesehen die Ausgeglichenheit, der Detailgrad und auch die Vielfalt der besten Majewski-Musiken fehlen. Insofern würde ich schon die Hypothese aufstellen, dass man die praktisch alleinige Urheberschaft Sandloffs bemerkt - und ebenso auffällig scheint mir, dass Peter Sandloffs eigene Partituren (obschon ich ihn noch zu den interessanteren Filmkomponisten der Generation zählen würde) kaum je die autonome musikalische Qualität, vor allem aber nicht die dramaturgische Brillanz der Majewski-Scores erreichen. Für Gert Wildens Musik gilt das natürlich noch umso mehr. Ich vermute, ähnlich wie Stefan, dass Majewski die Aufträge, die er nicht (vorrangig) selbst erledigt hat, synergetisch verteilt haben dürfte: ernste Sujets an Sandloff, leichtere an Wilden, und zwar mit Sicherheit, wie oben geschildert, auch mal innerhalb ein- und derselben Musik. Ich würde aber vermuten, dass die herausragenden Musiken stets maßgeblich von Majewski weitgehend konzipiert und in den set pieces auch komponiert worden sein dürften. Majewskis privilegierte Auftragslage und eine sinnige Arbeitsteilung dürften also insgesamt, wie bei Rafalzik kolportiert, beide Herren über ihre Möglichkeit hinaus gehoben und auch das Majewski zugeschriebene Gesamtergebnis beflügelt haben. 


II. AN HEILIGEN WASSERN

Natürlich ist, was Stefan schreibt, faktisch vollkommen richtig, Majewskis AN HEILIGEN WASSERN ist mit gut 25 min Score weit weniger umfangreich als Wilhelms Vertonungen der BJÖRNDAL-Dilogie, woran sich auch beider grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweise an solche Stoffe zeigt: Hier eine eher sparsame, mit Modernismen gespickte Partitur, ohne dass die Tradition gänzlich verleugnet würde, dort ein breiter, an der nordischen Schule orientierter Ansatz in bester filmsinfonischer Manier.

Was die Einschätzung angeht, welche weiteren Tracks der HEILIGEN WASSER (sofern verfügbar) noch aufs Album gekonnt hätten, kann man allerdings auch zu einer anderen Einschätzung kommen: Das eröffnende Triptychon aus Majewskis Prolog, der auftrumpfendem Logo-Musik und Daetwylers „Les Rogations“ gehört für mich schon zusammen. „Les Rogations“ ist nun mal auch ein wichtiger Teil der Musik des Films, zumal zu dem Stück (s. Film und gemäß Partitur) in der Titelsequenz eine relativ prononcierte Begleitung von Majewski – oder wohl eher Sandloff – hinzugefügt ist, die das Stück dem Idiom des Scores annähert. Überhaupt ist Daetwyler ja ein interessanter Komponist und das kurze, in stilisierter alpenländischer Dreistimmigkeit verfasste Chorstück nicht ohne Reiz. Man könnte vermuten, dass es die Bearbeitungen von „Les Rogations“ und die verschiedenen Varianten der Spannungsmusiken sind, deren Ausführung tatsächlich Sandloff zuzuschreiben ist. Vor allem letztere sind toll konstruierte Steigerungssätze: Die erwähnte längere Suspensepassage mit dem prägnanten Ostinato wird zwar in der Tat einmal 1:1 wiederholt, es gibt daneben aber noch eine deutlich zu unterscheidende Version ganz zu Beginn der Kännel-Sequenz vor Blatters Absturz. Neben der zweiten erwähnten schroffen Spannungspassage im Finale rechtfertigte das, wenn es dann möglich gewesen wäre, m. E. schon eine vollständige Veröffentlichung – für die beiden längeren sinfonischen Passagen, an sich ja auch die längsten Stücke der Partitur, gilt dies ohnehin, da würde sicherlich niemand widersprechen.

Für mich jedenfalls ist AN HEILIGEN WASSERN qualitativ eine der großen Majewski-Musiken, auf ihre eigene Art absolut gleichrangig mit den BJÖRNDAL-Musiken, wenngleich natürlich weniger „massen“tauglich als UND EWIG SINGEN DIE WÄLDER.
 

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Schön, dass sich in unseren "Außenseiter"-Fäden hin und wieder auch noch andere Mitleser wortgewaltig äußern.😀   Ob der Werbeeffekt groß genug ist, um im Forum die Reichweite zu erhöhen, sei mal dahingestellt, ist aber in jedem Fall aller Ehren wert.

Dein Text ist sehr interessant, wenn auch stellenweise für mich schon wieder fast zu tiefschürfend, denn als Laie beurteile ich Filmmusik natürlich ausschließlich aus der Sicht des Konsumenten und Fans. Sehr gut gefällt mir der Goldsmith/Williams-Vergleich, der auch für mich absolut nachvollziehbar ist.

vor 6 Stunden schrieb Jonas Uchtmann:

ebenso auffällig scheint mir, dass Peter Sandloffs eigene Partituren (obschon ich ihn noch zu den interessanteren Filmkomponisten der Generation zählen würde) kaum je die autonome musikalische Qualität, vor allem aber nicht die dramaturgische Brillanz der Majewski-Scores erreichen.

Würde das auch für VIELE KAMEN VORBEI gelten?  Den habe ich mal vor einiger Zeit im Zusammenhang mit dessen DVD-Premiere hier vorgestellt (natürlich ohne jegliche Resonanz🙄) Auf den halte ich sehr große Stücke, finde ihn höchst effektiv und würde jetzt nicht sagen, dass er einem Majewski in irgendeiner Weise unterlegen wäre.

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vor 8 Stunden schrieb Angus Gunn:

Würde das auch für VIELE KAMEN VORBEI gelten?  Den habe ich mal vor einiger Zeit im Zusammenhang mit dessen DVD-Premiere hier vorgestellt (natürlich ohne jegliche Resonanz🙄) Auf den halte ich sehr große Stücke, finde ihn höchst effektiv und würde jetzt nicht sagen, dass er einem Majewski in irgendeiner Weise unterlegen wäre.

Das stimmt absolut, gerade im Zusammenhang von Film und Bild, aber auch musikalisch würde ich VIELE KAMEN VORBEI als eine hervorragende Leistung Sandloffs bezeichnen, und daneben gibt es noch eine Reihe weiterer wirklich guter Musiken. Auch Sandloff war ein handwerklich sehr guter, vor allem mit der nötigen idiomatischen Flexibilität ausgestatteter Komponist. Wenn sich Majewski und Wilhelm zueinander wie Goldsmith zu Williams verhalten, dann wäre Sandloffs Stellung vielleicht mit Elmer Bernstein zu vergleichen, der ja auf dem Höhepunkt seiner Karriere stilistisch ebenfalls sehr breit aufgestellt war und in Manchem (natürlich teils schon früher) zu sehr ähnlichen Lösungen gelangte wie Goldsmith. Es fehlte ihm wie Sandloff nur manchmal das letzte Quäntchen kreativer Brillanz. (Was in dem Vergleich wiederum nicht passt, ist die Chronologie: Natürlich war Bernstein viel früher viel dicker im Geschäft als Goldsmith - er brachte es auch früher auf mehr Klassikervertonungen und vermutlich war er auch bis Ende der 1960er in der Öffentlichkeit relativ gesehen "bekannter". Im Kontext Majewski-Sandloff verhält es sich umgekehrt.)

 

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vor 22 Stunden schrieb Jonas Uchtmann:

[II. AN HEILIGEN WASSERN

Was die Einschätzung angeht, welche weiteren Tracks der HEILIGEN WASSER (sofern verfügbar) noch aufs Album gekonnt hätten, kann man allerdings auch zu einer anderen Einschätzung kommen: Das eröffnende Triptychon aus Majewskis Prolog, der auftrumpfendem Logo-Musik und Daetwylers „Les Rogations“ gehört für mich schon zusammen. „Les Rogations“ ist nun mal auch ein wichtiger Teil der Musik des Films, zumal zu dem Stück (s. Film und gemäß Partitur) in der Titelsequenz eine relativ prononcierte Begleitung von Majewski – oder wohl eher Sandloff – hinzugefügt ist, die das Stück dem Idiom des Scores annähert.

Wenn wir dieses Daetwyler-Chorstück (mit der harschen instrumentalen Begleitung) zur Verfügung gehabt hätten, dann hätten wir es sicher nicht weggelassen für die CD. Das ist klar. Es lag uns aber überhaupt nicht vor. Und die Frage ist daher, warum es nicht im Majewski-Archiv zusammen mit den anderen Tracks des Scores vorhanden war. Eventuell doch, weil es überwiegend von dem Schweizer Komponisten stammt? Wir wissen es nicht und daher ist es natürlich müßig, darüber zu spekulieren.

Mir kam es damals, als wir sämtliche Tracks von Peter Majewski erhielten, schon gleich komisch vor, daß er selbst uns den dramatischen Prolog (direkt vor der "Les rogations"-Titelmusik) mit Absicht zweimal geschickt hatte - nämlich einmal am Anfang und dann in der Reprise sozusagen als Ersatz für das eigentliche Film-Finale - so wie wir das dann eben auch für die CD übernommen haben. Das hätte er sicherlich nicht gemacht, wenn er das richtige Finale bei sich im Archiv gehabt hätte.  Hat er aber nicht. Insofern haben die Stücke auf den Bändern zu AN HEILIGEN WASSERN mit Sicherheit gefehlt -  entweder sind sie verloren gegangen über die Jahrzehnte hinweg oder sie verstecken sich auf anderen, noch nicht erschlossenen oder eventuell nicht betitelten Bändern, wo wir aber keinerlei Einsicht haben und hatten.

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vor einer Stunde schrieb Stefan Schlegel:

Wenn wir dieses Daetwyler-Chorstück (mit der harschen instrumentalen Begleitung) zur Verfügung gehabt hätten, dann hätten wir es sicher nicht weggelassen für die CD. Das ist klar. Es lag uns aber überhaupt nicht vor. Und die Frage ist daher, warum es nicht im Majewski-Archiv zusammen mit den anderen Tracks des Scores vorhanden war. Eventuell doch, weil es überwiegend von dem Schweizer Komponisten stammt? Wir wissen es nicht und daher ist es natürlich müßig, darüber zu spekulieren.

Dass ihr es verwendet hättet, wenn es denn da gewesen wäre, ist mir schon klar, Stefan, das war nicht als Vorwurf gemeint. Was Deine Vermutung für den Grund betrifft: Das Stück könnte ja auch aus demselben unglücklichen Grund fehlen, wie die anderen Tracks (zerstört, unauffindbar etc). Ob die Begleitung nun von Daetwyler stammt oder von Majewski/Sandloff, darüber lässt sich natürlich nur spekulieren. "Les rogations" liegt jedenfalls zusätzlich als reiner Chorsatz und (IIRC) in anderer Handschrift der Dirigierpartitur bei, insofern ließe sich auch noch vermuten, dass die Aufnahmen des Chores schon vorlagen und die Instrumentalstimmen an der einen Stelle nur gedubbt worden sind. 

Majewskis Aussage zum Score, dass er abgesehen von einem Laienchor, dem man das Repertoire nicht habe streitig machen wollen, freie Hand gehabt hätte, ist in dem Kontext auch etwas merkwürdig: Immerhin war Daetwyler nicht irgendwer, das Stück ist vielleicht gar für den Film entstanden, und dass es von (oder gar nur: wie von) einem Laienchor interpretiert wird, ergibt dramaturgisch absolut Sinn. Es ist hier ja eben nicht so, dass mitten im Geschehen die Kamera schwenkt und plötzlich ein Folklorechor Gassenhauer zum Besten gibt, sondern das ist schon alles sinnvoll eingebunden in die lange Kännelsequenz. 

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Die Fanfare und das Chorstück hätte man sogar vom Film ziehen können, meine da sind keine SFX. Aber wer weiß, ob ihr das so einfach hättet machen können.

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vor 2 Minuten schrieb Trekfan:

Die Fanfare und das Chorstück hätte man sogar vom Film ziehen können, meine da sind keine SFX. Aber wer weiß, ob ihr das so einfach hättet machen können.

Zumal der Score schönstes Stereo bietet und der Film (zumindest auf der DVD) eher ergrautes Mono ... Privat habe ich mir das natürlich trotzdem so eingerichtet. 😉

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vor 12 Minuten schrieb Trekfan:

Die Fanfare und das Chorstück hätte man sogar vom Film ziehen können, meine da sind keine SFX. Aber wer weiß, ob ihr das so einfach hättet machen können.

Hätte man eventuell, aber zum einen ist das Chorstück an sich eh nicht wirklich von Majewski und zum anderen waren wir schon zur Gänze auf Peter Majewski angewiesen und darauf, was er uns liefern konnte. Es war so ausgemacht, daß wir die in seinem Archiv vorhandenen Tracks und keine anderen für die CD nehmen.
Außerdem hätten wir noch ein knappes Dutzend Musiken aus anderen Filmen gehabt, die wir aber außen vor gelassen haben, um die Kosten des Sets nicht noch mehr zu erhöhen. Es war von vornherein klar, daß einige der Scores auf dem Set eben nicht komplett repräsentiert sein werden, sondern nur in Auzügen - damit muß man eben leben.

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