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Ich musste gerade mit Entsetzen feststellen, dass wir noch keinen eigenen Thread zu FRANZ WAXMAN haben. Dabei ist es gerade in Zeiten, in denen wir viel über die Vermischung von Sounddesign und Musik, eine immer größere Konformität diskutieren, gerade gut, sich einem der größten Titanen der Filmmusik zu widmen.

Geboren wurde Waxman am Heiligen Abend des Jahres 1906 in Oberschlesien. Bereits im Alter von 5 Jahren beherrschte er das Klavierspielen und war ein bemerkenswerter musikalischer Autodidakt. Während seiner Ausbildungszeit zum Bankkaufmann, die er auf Drängen seines Vaters absoliverte, der gegen ein Musikstudium war, nutzte er ein Teil seines Gehaltes, um weiterhin Klavier- aber auch Kompositionsunterricht nehmen zu können. Schließlich begann er in Dresden und Berlin Musik zu studieren. Zwischenzeitlich spielte Waxman Klavier in verschiedenen Jazzbands. In den späten 20er Jahren begann er für Film und Fernsehen zu arbeiten. Wie heute auch, zunächst als Mann im Hintergrund: Arrangeur, Kopist, Dirigent etc. So instrumentierte Waxman beispielsweise den Erfolgsfilm und Klassiker DER BLAUE ENGEL mit Marlene Dietrich. Als Kind jüdischer Eltern siedelte Waxman, wie so viele Künstler in der Zeit Nationalsozialismus, in Amerika an.  Hier arbeite Waxman für verschiedenste Studios und komponierte insgesamt über 200 Scores.

Waxman sticht unter den Golden Age - Komponisten heraus. Er ist nicht nur auf die Verwendung spätromantischer Musikformen festgelegt, sondern ist ebenso im Jazz beheimatet und probiert darüber hinaus auch (damals) neue Kompositionsformen aus. In einem gewissen Sinne,kann man Waxman daher vielleicht schon als einen Vorvater des Silver Age bezeichnen. Waxmans Musik gleicht oft eher einer sinfonischen Dichtung (ich weiß, der Gattungsbegriff ist nicht ganz korrekt angewendet). Die Musik reiht nicht Cue an Cue aneinander, sondern alles ist miteinander verwebt und aufeinander bezogen: Nicht einmal nur durch Themen, sondern oft viel mehr durch eine sehr intelligente Instrumentierung, Akzentuierung auf Instrumente, Rhythmen usw.

Waxman verstarb im Februar 1967 in den USA:

 Waxman hat eine Klasse, die man in der heutigen Filmmusikszene vergeblich sucht.

Ich kann jedem Liebhaber und Freund von Filmmusik nur eindringlich anraten, sich mit Waxmans Musik auseinanderzusetzen!!!

 

Als erster Einstieg kann DIESE Zusammenschau dienen. Mehr Tipps gerne auf Nachfrage. :)

 

 

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Waxman war neben Rozsa und Herrmann meiner Meinung nach der herausragende Komponist seiner Zeit. Die Liste seiner großartigen Kompositionen ist nicht enden wollend

Taras Bulba, Sunset Blvd.,Objective Burma, Rebecca, Spirit of St. Louis, Print Valiant, A Place in the Sun, The Silver Chalice, The Nun´s Storie, The Bride of Frankenstein und und und

Ein echter Gigant - nach Goldsmith und Rozsa meine Nummer 3 gemeinsam mit Herrmann!!!

so geht das...

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Das erste Mal, dass ich Waxman bewußt als Komponist wahrgenommen habe, war PRINZ EISENHERZ. Der Film war damals ein gerne gesehener Gast im Fernsehen, und ich war schon in sehr jungen Jahren für Filmmusik zu begeistern. Die Titelmusik wurde vom kleinen Angus Gunn dann auch per Kassettenrekorder vom Fernseher aufgenommen.

Später dann, als die Sammelleidenschaft für Soundtrack-LPs begann, versuchte ich natürlich auch die Eisenherz-Musik aufzutreiben, bis ich schließlich von Hubert (Kißmann, damals noch eigenständig unterwegs) erfuhr, dass es davon nie eine Schallplatte gegeben hat. Aber dafür verwies er mich auf jene Charles-Gerhardt-Suite, und verschaffte mir so meinen ersten Waxman-Tonträger. Die Einspielung war dann auch überaus prachtvoll und enthält sogar die tolle, von Fanfaren umsäumte Turnier-Sequenz, die auf der FSM-CD fehlt.

 

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vor einer Stunde schrieb SilvestriGirl:

Gerade die ersten Minuten der Suite zeigen, welche Nachwirkungen Waxman auf heutige Filmmusik noch hat!

Ich finde, bei Prince Valiant lassen sich da zu Beginn als Vorbilder gerade Richard Strauss und auch Korngold nicht verleugnen!

"The Land Rush" ist ein schönes Beispiel für Waxmans Tonkunst. Cimarron war immer einer meiner Lieblingsscores von ihm. Diese Americana mit den stampfenden Rhythmen hat er auch in seinem hervorragenden Score zu The Furies eingesetzt.

Mein persönlicher Favorit von Waxman ist noch vor Rebecca seine Musik zu Bride of Frankenstein. Zum Glück haben wir da die Neueinspielung auf Silva. Habe kürzlich mal wieder den Film geschaut, die Aufnahme kann doch ganz gut neben dem Original bestehen.

Waxmans konnte auch gut jazzig und Gershwin-esque

 

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Hat es dieses Titelstück eigentlich jemals irgendwo auf Tonträger gegeben? 

REAR WINDOW ist auch ein schönes Beispiel für einen Film, der ohne jeglichen Score auskommt. Abgesehen von der Overtüre vielleicht, aber selbst die scheint irgendwo aus dem Radio zu kommen. Hitchcock selber war ja unzufrieden mit Waxmans Arbeit, da er die Idee mit dem Musiker aus der Nachbarwohnung und dessen Versuchen, ein Musikstück zu komponieren, nicht wie geplant umsetzen konnte.

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vor 19 Stunden schrieb Angus Gunn:

Hat es dieses Titelstück eigentlich jemals irgendwo auf Tonträger gegeben?

Die von Christopher Palmer vor bald 30 Jahren arrangierte REAR WINDOW-Suite, die natürlich auch dieses Prelude-Stück enthält, hat es ja bereits mehrfach auf Tonträger gegeben - von Lalo Schifrin an 1992 dirigiert auf dem Sampler "Master of Mayhem" oder auf einem der Silva-Hitchcock-Sampler.
John Mauceri hat zusätzlich vor ein paar Jahren noch eine leicht veränderte Suite eingespielt für diese CD von Toccata Classics:
https://toccataclassics.com/product/music-for-alfred-hitchcock/

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Schau an. Ich habe hier die "Essential Alfred Hitchcock"-CD von Silva Screen, und dort ist lediglich "Lisa" enthalten. Anscheinend doch nicht so "essentiell" wie behauptet...:rolleyes:

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vor 12 Minuten schrieb Angus Gunn:

Schau an. Ich habe hier die "Essential Alfred Hitchcock"-CD von Silva Screen, und dort ist lediglich "Lisa" enthalten. Anscheinend doch nicht so "essentiell" wie behauptet...:rolleyes:

Ja, Du hast natürlich recht. Auf dem Silva-Hitchcock-Sampler ist in der Tat nur das "Lisa"-Stück vertreten, aber nicht die komplette Suite. Ich hatte mich da ohne nochmals im Detail nachzuschauen jetzt von der Angabe auf der Waxman-Webseite etwas irritieren lassen, wo die Silva-Einspielung fälschlicherweise sogar als "first recording" der Suite aufgezählt wird:
http://franzwaxman.com/music-performance/rear-window/

Von daher zählen also in der Tat nur der Schifrin und Mauceri-Sampler.

 

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Und bei den beiden kann man eine klare Empfehlung zu dem Mauceri gegenüber dem Schifrin aussprechen! Der Mauceri trifft den Ton des Stücks perfekt. Mit das beste, was ich jemals an Neueinspielungen gehört habe. Leider ist für mich nicht alles auf dem Mauceri Sampler von dieser Qualität, das schwankt schon. Daher ein Glücksfall, dass gerade die Titelmusik von Rear Window dermaßen gelungen ist.

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