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Mephisto

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Franz Liszt - Klaviertranskription der "Symphonie Fantastique"

Obwohl Berlioz mit seiner "Symphonie Fanstastique" ein absolut revolutionäres Werk gelang blieb der Erfolg des Komponisten auf Dauer aus. Franz Liszt, der zu dieser Zeit mit vielen intellektuellen Größen dieser Zeit wie Chopin, Wagner, Sand und Paganini befreundet war wollte dem Freund helfen und arrangierte so wie auch Wagners Werke diese Symphonie komplett für's Klavier. Und auch hier ist wieder einmal beeidruckend zu verfolgen, wie gekonnt Liszt die fabrigen Orchestrierungen auf das Tasteninstrument wirkungsvoll übertrug und alle möglichen Effekte für ein zufriedenstellendes Hörerlbnis einsetzte. Wie Liszts andere Transkriptionen ein interessantes Zusatzdokument zu dem eigentlichen orchestralen Werk.

Idil Biret spielt gewohnt "kernig", was bei den markanten Passagen der Musik sehr zu Gute kommt, allerdings könnten einige Passagen deutlich schneller gespielt werden, um dem Original noch näher zu kommen. Intereesant sind auch die sehr romantischen Temposchwankungen, die sich mit einem großen Orchester gar nicht realisieren ließen, hier aber angebracht erscheinen. Ein interessantes Hörvergnügen.

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Nicolo Paganini - Die sechs Violinkonzerte

Von Franz Liszt nun zu einem weiteren begnadeten Virtuosen der Romantik, dessen Instrument allerdings nicht das Klavier, sondern die Violine war. Nicolo Paganini, der Teufelsgeiger gehört ebenfalls zum großen Bekanntenkreis Liszts, was bei Paganini allerdings schnell auffällt ist, dass seine Kompositionen hauptsächlich der zur-Schau-Stellung seines Instruments geschrieben wurden. Besonders die orchestralen Ritornelle der Konzerte weisen ein ziemlich simples Bild auf. Auch von der Form orientiert sich Paganini an den klassischen Formen und lässt die neuen Errungenschaften des einsätzigen Konzertes z. B. völlig außer Acht. Trotzdem muss man Paganini zugestehen, dass fast jedes Thema in seinen Konzerten einen großen Ohrwurmcharakter haben. Die Musik klingt sehr italienisch und das erste Konzert könnte in der Haudraufmanier des ersten Satzes tatsächlich noch als Zirkusmusik durchgehen. Doch von Konzert zu Konzert erhalten die Orchesterritornelle einen dramatischeren Charakter. Wirklich originell wird's allerdings nie.

Im Zentrum dieser sechs jeweils ca.35 Minuten langen Werke stehen natürlich die Soloteile der Violine und hier greift Paganini wirklich in die Trickkiste und nähert sich öfter als einmal der Grenze des Unspielbaren. Trotzdem klingt die Musik immernoch "schön" und "hamronisch", selbst in den völlig abgefahrenen Kadenzen der ersten Sätze. Doch schon beim zweiten Konzert fällt auf, dass Paganini gerne auf dieselben Techniken zurückgreift, um seine Themen in ein wahnwitzig virtuoses Gewand zu hüllen.

Die Aufnahmen mit Salvatore Accardo sind nicht die Besten, zugegebenermaßen, denn das Orchester klingt etwas flau und Accardo spielt zwar gut und trifft die Töne, manchmal, besonders in den hohen Lagen klingt das Instrument allerdings etwas kratzig. Die Musik lebt von ihrer Leichtigkeit trotz der Virtuosität und hier scheitert der Interpret mehrmals, da er zu kantig und eckig spielt. Es fehlt die Selbstverständlichkeit eines Itzhak Perlman beispielsweise.
Trotzdem natürlich ein interessantes Dokument, da Klaus Kinski genau diese Aufnahmen für seinen Film "Kinski - Paganini" nutzte, allerdings nur das erste Konzert.
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Nicolo Paganini - 24 Capricen für Violine solo

Diese 1820 uraufgeführten Stücke dürften den Ruf des Teufelsgeigers noch mehr gefestigt haben. Als nahezu unspielbar gelten diese Stücke und kaum einer hat es bis heute geschafft, alle 24 Capricen einzuspielen.

In diesen zwischen 1:30 und 6:00 langen Stücken schöpfte Paganini das Potential seines Instruments wirklich gekonnt aus und immer wieder vermag man kaum zu glauben, dass man da nur eine einzige Violine hört. Sämtliche technischen Spielereien werden genutzt, um dem Hörer ein möglichst großes Klangspektrum dieses herrlichen Instruments in immer wieder unterschiedlichen emotionalen Stimmungen zu präsentieren. Und tatsächlich rutscht Paganini selten in bloße Zur-Schau-Stellung seiner Fähigkeiten ab, sodass die Stücke trotz ihrer wahnwitzigen Virtuosität immer noch einen vollkommenen Hörgenuss bilden. Alleine die Caprice 1 und 5 bilden hier mit ihren ganzen Sechzehntelhäckseleien Ausnahmen.

Ohne die Kulisse der blassen Orchesterritornelle seiner Konzerte und deren austauschbaren Charakter zeigt sich Paganinis unglaubliches Gespür für die Violine. Die Stücke sind kompakt und äußerst abwechslungsreich, aber trotzdem dramaturgisch konsequent komponiert. Er kombiniert das fast übermenschliche Spiel mit wundervollen Themen, bettet die Virtuosität in immer neue Melodien. Mit dem Scheinwerfer nur auf das Solo-Instrument gerichtet, blüht die Fähigkeit des Komponisten vollkommen auf.

Die Aufnahme von dem damals gerade 27 alten Itzhak Perlman dürfte auch heute noch als Referenzaufnahme gelten. Technisch perfekt und voller Temperament spielte der junge Israeli diese Stücke voller Enthusiasmus ein, dass jede Sekunde ein Genuss ist. Die Aufnahmequalität ist brillant und kommt digital überabreitet ohne jedes Rauschen oder irgendwelche Übersteuerungen daher. Ich kann diese CD nur jedem wärmstens empfehlen, besonders um die, die die Violine nur als langweiliges Kratz-Instrument kennen und jene, die von diesem tollen Instrument noch weitere Facetten kennelernen möchten.
Es bietet sich aber an, diese CD häppchenweise zu genießen, denn irgendwann nimmt die Aufnahmefähigkeit ab und das ist in Hinbick auf die durchgängige Qualität der Kompositionen und der Interpretationen mehr als schade.

P.S.: Es dürfte kaum überraschen, dass der gute Franz Liszt auch von den Capricen Klavierbearbeitungen anfertigte.
P.P.S.: Natürlich sind auch einige Paganini-Capricen in "Kinski-Paganini" zu hören, allerdings in der Accardo-Einspielung als da wären die 1,2,5,6,9,10, 20 & 24
P.P.P.S.: Der aberwitzige Mittelteil der 19ten Caprice wurde in Loriots "Papa ante portas" verwendet und mehrmals von dem abgefahrenen Straßenmusiker gespielt.
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Inspiriert von Lynchs "Inland Empire" schuf er selbst, zusammen mit Marek Zebrowski, diesen Streifzug durch eine polnische Stadt bei Nacht. Gelegentliche Straßengeräusche sind zu hören, der Großteil der CD besteht jedoch aus düster-melancholischen Klangcollagen, bestehend aus Lynchs tiefen Bassfrequenzen und Zebrowskis Klaviertupfern. Weniger zum Anhören geeignet, als eher zum Eintauchen in diese Welt, die die beiden hier erschaffen.

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Frédéric Chopin - Werke für Klavier und Orchester I

Chopins Musik ist reine Posie und so 100% Romantik wie kaum ein anderes Lebenswerk eines Komponisten. Allerdings wird der mit schon 36 Jahren gestorbene Pole hin und wieder nicht als vollwertiger Komponist anerkannt, da er nur Werke für's Klavier schrieb. Die drei auf dieser CD zu hörenden Werke sind allerdings für Klavier und Orchester.

In seinem ersten Klavierkonzert schöpfte Chopin das Potential seines Instruments voll aus, um den Hörer mit nicht enden wollenden sanft wogenden und üppig angereicherten Themen zu verwöhnen, die sich an Verträumtheit anscheinend zu überbieten zu versuchen. Die Fülle an thematischen Material wird von oft einem sehnsüchtig-melancholischen Charakter dominiert, die meist mit aufwallenden Arpeggien der linken Hand begleitet werden. Hin und wieder gibt es einige kraftvolle Ausbrüche von vollgriffigen Akkorden aber insgesamt bleibt die Stimmung zumindest in den ersten beiden Sätzen gleich. Nach dem verträumten zweiten Satz lockert sich die Atmosphäre ein bisschen und die Musik wird lebhafter, die Themen bekommen en vergnügten Anstrich.
So sehr man schon ab den ersten Takten einen Eindruck davon hat, wie sehr Chopin sein Instrument kennt und mit welch virtuosen Mitteln er den Hörer hier verzaubert, so merkt man doch auch schnell, wie blass und grobschlächtig die orchestralen Elemente des Konzerts daherkommen. Das majestätisch-pompöse erste Thema des ersten Satzes ist sehr blockhaft Instrumentiert, auch die Ritornelle des dritten Satzes kommen recht knallig daher. Oft reduziert Chopin die orchestrale Belgietung auf snánfte Streicherteppiche und einige Solostimmen in den Bläsern, um die Musik noch zusätzlich zu färben. Insgesamt merkt man aber doch, wie ungeübt Chopin mit einem großen Orchesterapperat umging und wie wenig ihm eine solche Besetzung vertraut war.

Dieser Eindruck festigt sich auch in den folgenden beiden Werken. Die Variationen über einige polnische Volksmelodien sind kompositorisch toll gearbeitet, aber auch hier bleibt das Orchester sehr farblos weit hinter den wundervollen Klavierteilen zurück. Der erste Satz des Op.22 ist dann nur für Klavier solo und hier komponierte Chopin ein unwiderstehlich fast schon treifendes Stück voller wunderschönen Harmonien und verträumten Themen. In der darauf folgenden Polonaise ist die emotionale Palette um Einiges größer und Chopin vermag es, in den 10 Minuten mit Hilfe der großen Möglichkeiten des Klaviers von einfühlsamen Momenten bis hin zu ruppig tobend-donnern-stampfenden Teilen einen dramaturgischen Bogen zu spannen. Doch auch hier scheint das Orchester wieder einmal nur einige Teppiche und Solopassagen beizusteuern. Den Mammuth-Anteil bestreitet weiter das Klavier.

Idil Biret spielt die äußerst anspruchsvollen Werke fast schon mühelos. Die sehr emotional geladenen Themen werden angemessen interpretiert, ohne jedoch ins Kitschige abzurutschen, auch werden keine Tempi verschleppt und die Spannung auch bei langsamen Passagen gehalten. Für Birets Leistung würde ich glatt eine 100%ige Empfehlung aussprechen, doch leider ist das Orchester viel zu verwaschen und zu hallig abgemischt, sodass der Hörgenuss bei rein orchestralen Passagen deutlich gemindert wird. Für den Preis allerdings sollte man schon ein Ohr riskieren, denn besonders das erste Klavierkonzert ist ein Traum!
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Frédéric Chopin - Werke für Klavier und Orchester II

Bevor Chopin sich nach einem kurzen erfolglosen Aufenthalt in Wien in Paris einen Namen als Pianist und Klavierlehrer machte, schrieb Chopin in Warschau, wo er bereits Aufsehen erregt hat, die beiden Klavierkonzerte. Für eine damals noch geplante Virtuosenlaufbahn war es nötig, stets einige Werke für Klavier und Orchester im Reisegepäck zu haben. Später jedoch konnte Chopin sich ganz dem Klavier widmen.

Das zweite Klavierkonzert entstand noch vor dem ersten, wurde aber später uraufgeführt. Während sich im ersten Konzert Chopins Stil in den Soloteilen deutlich als ein sehr intimer Stil, der die virtuose Technik nicht zur bloßen Schaustellung nutzt, wirkt dieses Konzert harscher und kraftvoller. Die Sätze werden allerdings noch nicht durch die mäßigen und langen Orchesterritornelle zerdehnt und folgen im Aufbau und der Dramturgie den damals üblichen Virtuosenkonzerten, während das erste Konzert in sich viel ruhiger ud fließender gestaltet war. Der abwechslungsreiche und kraftvolle Eindruck werden auch durch einige neuartige Instruemnteirungseinfälle verstärkt. Insgesamt wirkt aber das erste Konzert stimmiger.

Mit den Variationen über "Reich mir die Hand, mein Leben" aus Mozarts "Don Giovanni" drückt Chopin auf musikalischem Weg seine Bewunderung für Mozart aus. Eingerahmt von zwei Ecksätzen von jeweils ca. fünf Minuten durchläuft das Thema mit Unterstützung des Orchesters äußerst virtuose und technisch anspruchvolle Variationen voller üppiger Garnierungen, Arpeggien und ausschweifenden Läufen.

Das interessanteste Stück auf dieser CD dürfte allerdings die Krakowiak sein. Ein zweisätziges Werk für Klavier und Orchester in dem Chopin meisterhaft alle Register des Instruments zieht. Schon die fast sphärische Einleitung ist in ihrer atmosphärischen Dichte absolut beeindruckend, bevor dann der Hauptsatz kraftvoll hereinbricht und das lebhafte Thema immer wieder neu variiert wird. Eine abwechslungsreiche und kraftvolle Komposition mit einer ungeahnten Fülle an emotionalen Facetten.

Auch hier spielt Idil Biret die Chopin'schen Werke mit einer virtuosen Leichtigkeit, die verträumten Passagen werden weder kitschig noch verschleppt oder gar breiig. Das differenzierte Spiel trägt einen wesentlichen Teil zum garantierten Hörgenuss bei. Der Klang des Orchesters ist wie auf dem ersten Album immernoch recht verwaschen, allerdings verhält es sich nicht ganz so schlimm wie zuvor.
Alleine wegen der letzten beiden Stücke eine Kaufempfehlung von mir!
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Frédéric Chopin - Klaviersonaten

Auch wenn Chopin ausschließlich für das Klavier schrieb, so enthält sein Werk nur drei Sonaten, wovon er die erste sogar als Schüler noch in Warschau schrieb, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Dieses Werk überrascht besonders durch seine für damalige Zeit häufig eingesetzte Chromatik. Auch die kühne Harmonik des späteren Chopin ist hier schon gut auszumachen ebenso wie die technischen Brillanz gepaart mit der Eleganz der Musik und das kompositorische Können. Vom Aufbau her orientiert sich Chopin klar an den klassischen Vorbildern, wobei er ganz im romantischen Sinne schon beginnt, Sonatenhauptsatzform leicht zu lösen, indem er auf eine Reprise des ersten Themas verzichtet.
Die zweite Sonate wurde um den einige Jahre zuvor geschriebenen Trauermarsch "herumkomponiert" und alleine dieser Satz mit seinem schwermütigen ersten und dem wundervoll lyrischen zweiten Thema macht diese Sonate zu einem fantastischen Stück. Das Finale überrascht durch seine Kürze sowie seine durchgängig einstimmige Stimmführung, die lediglich oktaviert wird und zum Schluss in einen Akkord mündet. Besonders diese homophone Stimmführung überrascht bei dem sonst so polyphonen Kompositionsstil und den konsequent vorangetriebenen Nebenstimmen.
Die dritte Sonate war das einzige Werk, das Chopin 1844 schrieb und auch hier zieht er wieder alle Register, um die Klangpalette des Klaviers perfekt zu nutzen. Es überrascht das relativ kurz gehaltene Scherzo und verzaubert der himmlisch verträumte dritte Satz, bevor die Sonate mit einem fursiosen Finale endet und auch das Album beschließt.

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Frédéric Chopin - Walzer

Der Walzer ist ein deutscher Tanz und erfreute sich Anfang des 19ten Jahrhunderts an immer größerer Beliebtheit, sodass der Walzer nun auch im Ballsaal oder im Balett gehört wurde. Duch Komponisten wie Chopin wurde der Walzer auch in den Salons der feinen Gesellschaft etabliert und das wird bei jeder Note der 19 Walzer aus Chopins Feder deutlich. In den äußerst unterschiedlich gestalteten Walzern, deren Emotionsspektrum von verträumt, pompös, brillant und virtuos reicht, schwingt in jedem Takt deutlich die Eleganz der feinen Pariser Salons mit.
Neben sämtlichen Walzern gibt es auf diesem Album noch weitere drei Kompositionen zu hören, die auf Tänzen basieren wie der "Contredanse", den Chopin einem Freund zum Namenstag schickte, einem Studienwerk sowie der äußerst furiosen "Tarantella", die ein bisschen an das rasende Finale der dritten Sonate erinnert.
Idil Birets Spiel verleiht den Kompositionen zusätzlichen Glanz, spielt wieder einmal perfekt differenziert, ohne zu nüchtern zu klingen. Ein tolles Album für ein nettes Abendessen oder einige freie Minuten zwischendurch, denn jeder Walzer eignet sich zum einzelnen Hören.
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Frédéric Chopin - Balladen

Die Balladen gehören zu meinen Allzeitfavoriten in Chopins Schaffen, denn nirgends hat dieser Klavierspezialist sein ganzen kompositorisches Können so kompakt in einer einzigen Komposition untergebracht. Die vier Balladen wurden zwischen 1835 und 1848 veröffentlicht und sollen von den Gedichten des befreundeteten Dichters Mickiewicz inspiriert worden sein. Besonders die erste und die dritte Ballade sind dramaturgisch wundervoll gestaltet, so ziehen sich die jeweiligen Themen in immer wieder anderen Gewand durch die ganze Komposition und verknüpfen die mal furiosen und mal verspielten Zwischenpassagen, bevor ein äußerst virtuoses Finale die beiden Werke jeweils beschließt.

In der zweiten Ballade wirken die lyrischen Passagen und die äußerst virtuosen Zwischenteile eher blockhaft von einandergetrennt und nicht verwoben. Das Finale scheint mir von allen Balladen das schnellste, virtuoseste, furioseste überhaupt zu sein.

Die vierte Ballade scheint hat einen eher ruhigen Charakter was besonders an dem Thema liegt, das fast meditativ das immergleich scheinende Tonmaterial wiederholt, doch nach einigen Anläufen gelang es mir, auch dieses Stück sehr schätzen zu lernen.

Chopins gesamtes Gefühl für wundervolle Themen, technische Brillanz, kompositorische Konsequenz und überbordende Fülle kreativer Einfälle sowie seine teils für diese Zeit gewagte Harmonik spiegelt sich in diesen vier Werken wider wie in kaum einem Anderen.

Idil Birets Einspielungen für Naxos sind wieder einmal fantastisch gelungen. Die sehr differenzierte Interpretation ist genau so wichtig wie das hin und wieder recht "trockene" Spiel, was der vierten Ballade und der überbordenen zweiten Ballade sehr gut tut. In der ersten Ballade allerdings hätte etwas weniger "kantiges" Spiel einen zuträglicheren Effekt und in der dritten Ballade hätte ich mir einige dynamische Ausbrüche mehr gewünscht. Einige äußerst vollgriffige Passagen klingen trotzdem etwas kraftlos, obwohl sie ff gespielt werden sollten.

Alleine schon das Foto Zimermans auf dem Cover lässt schließen, wie der polnische Pianist diese vier Stücke Chopins spielt: verträumt, sehnsuchtsvoll, tief emotional - was den Stücken aber nur bedingt gerecht wird. Trotz klarer Tempoangaben verschleppt Zimerman nämlich ständig die Tempi, die Musik soll vielleicht durch das langsame Spiel besonders emotional wirken, aber das tut dem Fluss der Kompositionen absolut nicht gut. Stattdessen werden viele Passagen zu langweilig, zögerlich und zaghaft. Zusätzlich störend sind die ständigen Atemgeräusche und das teils deutlich hörbare Mitsummen, sodass der Rezipient vielleicht die Anteilnahme des Pianisten spüren soll, aber daran habe zumindest ich kein Interesse. Höchstens zweite, wenn nicht sogar dritte Wahl.

Pollinis Aufnahmen scheinen das vollkommene Gegenteil der Interpretationen Zimermans zu seinen. So haben sämtliche Aufnahmen Feuer und Kraft. Hin und wieder wirkt das Spiel jedoch ein bisschen zu hart und in den schnellen Passagen verschwimmt die Musik teilweise durch den heftigen Pedalgebrauch, der die Musik bei diesen wahnwitzigen Tempi zusätzlich verschwimmt.

Chopins Balladen sind halt kein Paganini. Hier geht's um erster Linie tatsächlich um die Musik, die Komposition und nicht das virtuose Können.

Murray Peharias Aufnahmen sind sehr glatt, aber dennoch technisch brillant und lyrisch. Von den vier genannten Alben mag ich diese Interpretationen am Liebsten, da Perahia den sanglichen Charakter einer Ballade gut trifft und die jeweiligen anzustrebenden Stimmungen perfekt umsetzt.

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Antonín Dvořák - 9 Symphonien

Dvořák galt schon zu Lebzeiten als der "böhmische Brahms" und obwohl sich die Symphonien des Tschechen sehr an den Hamburger Meister erinnern, wäre es zu wenig, Dvořáks Einflüsse nur auf Brahms zu reduzieren, denn neben Brahms hatten auch weitere Komponisten wie Beethoven oder der "neudeutschen Schule" wie Wagner und Liszt einen erheblichen Einfluss auf dessen symphonisches Schaffen.
Besonders die erste Symphonie sowie die Fünfte lehnen sich stark an das Vorbild Beethovens an, so folgt die erste Symphonie nicht nur im harmonischen Verlauf Satz für Satz der ersten Beethovens sondern auch die Instrumentierung weist deutliche Ähnlichkeiten auf.
Doch auch wenn Dvořák sich an Vorbildern wie Liszt und Wagner orientiert, sollte der Hörer keineswegs derart ausladende Werke in Sachen Orchestrierung und Länge erwarten, denn Dvořák "entschlackt" den ausladenden Stil der neudeutschen Schule und ersetzt ihn mit einer klaren und durchsichtigen Orchestrierung (das Blech wird des Öfteren nur als Füllstimme eingesetzt) und wendet statt süffiger Klangeteppichen oder ausladenden Themen seinen eigenen folkloristisch orientierten Stil beim Themenschreiben an.
Durchweg sind die höchstens rund 40 Minuten langen Werke von einem sehr durchsichtigen und heiteren Charakter geprägt, einzig die vierte und die siebte Symphonien sind von einer düsteren Grundstimmung geprägt. Die ersten beiden Symphonien wirken noch nicht so ausgereift wie die späteren Werke. Wirklich interessant ist die achte Symphonie, die zeigt, dass auch Dvořák die etwas festgefahrene Situation der Symphonie erkannt hat und auf seine eigene Art und Weise versucht, mit den Konventionen zu brechen. All sein symphonisches Schaffen wird schließlich von der wundervollen berühmten neunten Symphonie gekrönt. Hier übertrifft sich Dvorak vor allem an Themenreichtum, farbiger Orchestrierung und herrlichen Melodien, Wucht und Anmut, Eleganz und Schönheit.

Ich persönlich hatte und habe mit den Dvořák-Symphonien durchaus einige Anlaufschwierigkeiten, denn als Liebhaber ausladenden Spätromantik und farbigen Moderne erschienen mit Dvořáks Symphonien stets ein bisschen zu leicht, heiter und konventionell. Erst nach mehrmaligen Hördurchgängen habe ich diese Werke als kleine Juwele der Symphonik schätzen gelernt und wenn man sich mal mit einer netten Dreiviertelstunde Musik vergnügen möchte, ist eine Dvořák-Symphonie eigentlich immer die richtige Wahl.

Diese Gesamtaufnahme aller Symphonien sowie der böhmischen Suite ist sehr empfehlenswert. Die Tempi sind stets richtig gewählt, der Charakter der Musik immer richtig getroffen und das Orchester spielt von sehr gut bis gut. Dazu gibt's noch ein recht informatives Booklet inklusive eines Interviews mit dem Dirigenten. Für Einsteiger und Liebhaber bietet diese Box ein preiswertes Vergnügen.

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Nein, die oben genannte Box ist meine einzige Dvořák-Einspielung und wird es auch für eine lange Zeit bleiben. So sehr sagten mir die Werke halt nicht zu. Hast Du Dir den empfohlenen Zyklus schon gekauft? Der Preis ist natürlich hübsch, aber diese fatale Aufteilung der Symphonien auf 6 CDs scheint ja absolut furchtbar zu sein.

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Nein, die oben genannte Box ist meine einzige Dvořák-Einspielung und wird es auch für eine lange Zeit bleiben. So sehr sagten mir die Werke halt nicht zu. Hast Du Dir den empfohlenen Zyklus schon gekauft? Der Preis ist natürlich hübsch, aber diese fatale Aufteilung der Symphonien auf 6 CDs scheint ja absolut furchtbar zu sein.

Ja, ich habe mir die Box gekauft, die Aufteilung der Symphonien ist echt furchtbar, aber da mache ich mir einfach meine eigenen CDs und dann läuft das schon. :applaus:

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Momentan höre ich die m. E. besten Alben von Stanley Clarke in Heavy-Rotation ...

Stanley Clarke

Journey to love

und ... School days

Grüße ...

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Ist zwar kein Album, aber ich finde irgendwie unseren alten Thread "Now playing" nicht mehr:

Don McLean ("American Pie") und Chet Atkins (Gitarren-Fingerpicking-Legende) spielen gemeinsam McLean wunderschönen Song "Vincent". Ich liebe dieses Lied... und wer mag, sollte mal ein bißchen auf den Text achten. :)

[ame=http://www.youtube.com/watch?v=DeR4G8519vI&feature=related]YouTube - Broadcast Yourself.[/ame]

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Oliver... wie hast du denn DAS geschafft? Danke! :) ... Ich benutzte die Suchfunktion, aber der Thread war dort nicht gelistet.

Ok, ich habe meinen Beitrag mal dorthin kopiert.

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Oliver... wie hast du denn DAS geschafft? Danke! :) ... Ich benutzte die Suchfunktion, aber der Thread war dort nicht gelistet.

Ok, ich habe meinen Beitrag mal dorthin kopiert.

Gern geschehen

Now Playing eingegeben bei Thread suche und dann tauchte er auf der zweiten Seite auf ;):D

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Hm, eigenartig. Ich wußte noch, dass das Thema im Off Topic zu finden ist, aber wenn ich dort nach dem Threadtitel suche, wird er nicht angezeigt. Misteriös! :)

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Hm, eigenartig. Ich wußte noch, dass das Thema im Off Topic zu finden ist, aber wenn ich dort nach dem Threadtitel suche, wird er nicht angezeigt. Misteriös! :D

Vielleicht sollten wir ihm das Prädikat "wichtig" geben und ihn oben im Topic festmachen :)

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Nach längerer Schreibabstinenz melde ich mich auch mal wieder zu Wort:

:music:The Greatest Story Ever Told (Alfred Newman)

Schöner, elegischer Spät-Score vom Golden-Age-Meister. Besonders die lyrisch-zarten Stellen sind Newmans Stärke. Was mich allerdings persönlich ein bisschen stört, ist die Nähe des Hauptthemas zu Barbers Adagio für Streicher.

Ein besinnliches, introvertiertes und geheimnisvoll klingendes Werk und Newmans letzter Bibel-Score, in dem er auch Stimmungen z.B. The Robe (1953, 10 Jahre zuvor) aufgreift.

post-1234-13138511760951_thumb.jpg

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Mozart in nordischem Gewand: Klaviersonaten von W. A. Mozart mit frei hinzukomponierten Begleitstimmen eines zweiten Klaviers von Edvard Grieg (Ed. Peters, Leipzig)

Wir leben in einer Zeit des objektiven Musizierens. So versucht man, das jeweilige Werk so originalgetreu aufzuführen wie möglich. Anstatt Bach'sche Werke für's Cembalo mit dem Klavier einzuspielen, benutzt man mittlerweile wieder wie selbstverständlich ein Cembalo. Klassische Komponisten werden nicht mehr mit einem spatromantisch besetztem Streichersatz gespielt, wie es noch zu Furtwängler der Fall war und auch bei den Tempi orientiert sich der Interpret oft sehr genau an den vorgegebenen Metronomzahlen und nicht an seiner emotionalen Stimmung. Umso interessanter, dass Noten zu Zeiten Mozarts und Haydns kein eisernes Gesetz darstellten, sondern eher eine Art Spielvorlage und Vorwand, Musik zu machen. Zwar war der Improvisationsgedanke während des Musizierens nicht mehr so präsent wie in der Barockmusik, aber trotzdem waren Leuten wie Beethoven und sogar noch Mahler der Begriff "Werktreue" unbekannt.

So ist es auch mit dem nordischen Komponisten Edvard Grieg, der zu einigen Klaviersonaten Mozarts Begleitstimmen für ein zweites Klavier komponierte und so an den alltäglich Usus der damaligen Zeit anknüpfte, als der Klavierlehrer das Spiel des Schülers an inem zweiten Insatrument mitgestaltete und voller werden ließ. Allerdings beschränken sich Griegs Erweiterungen ebenfalls auf einige Repetitionen, Dopplungen und einfache Kontrapunkte, die die Musik etwas "fülliger" erscheinen lassen. In seltenen Fällen erscheint es jedoch, als spielen die beiden Instrumente für sich und nicht miteinander. Griegs Aktion wurde schon zu Zeiten der Erstveröffentlichung sogar von einigen Bekannten kritisiert. So nordisch wie Grieg vorgeworfen wird, klingen die Arrangements allerdings wirklich nicht, dazu sind seine Eingriffe viel zu minimal. Auf alle Fälle sind diese Aufnahmen mit Hans Dieter Bauer (Grieg) und Siegfried Schubert-Weber (Mozart) ein interessantes Zeitdokument und besonders Schubert-Webers schwungvolle Mozart-Interpretationen hätte ich gerne einmal so gehört.

Für mich, der ich mit Mozart nicht allzu viel anfangen kann, war diese Platte aus einem weiteren Grund sehr hörenswert: Endlich habe ich auch ein Mozart-Klavierwerk entdeckt, dass mir wirklich (auch ohne Grieg) gefällt: Die Fantasie in c-moll, KV 475. Außerdem werden auf dieser bisher nicht auf CD erschienenen Aufnahme folgende Sonaten zu Gehör gebracht: KV, 545, 283, 457, 533

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Leopold Stokowski dirigiert Bach

"Was weiß ich, welcher Komponist einmal von grundsätzlicher Bedeutung sein wird! So widme ich mich ihm mit allem Ernst und lasse erst dann von ihm, wenn er Mode geworden ist.", so der experimentierfreudige am 18.4.1881 in Krakau geborene Leopold Antonin Stanislaw Boleslawowicz Stokowski.

Für uns ist es kaum vorstellbar, dass der große Thomas-Kantor und Schöpfer der "Matthäus-Passion" lange Zeit ein unbeachtetes Dasein fristete. Erst Felix Mendelssohn-Bartoldy holte den längst vergessenen Komponisten mit der Aufführung eben jener Passion wieder aus der Versenkung und um 1900 bemühten sich Englands große Komponisten wie Elgar um eine Revision des Bach-Bildes und wollten den Komponisten wieder berühmt machen. Auch Stokowski, der "von Bach bis Schönberg alle gleichrangig zu behandeln trachtete" setzte sich auf seine Weise für den Thomas-Kantor ein und arrangierte verschiedene Werke für spätromantisch besetztes Symphonieorchester. Die entstandenen Bearbeitungen verfälschen die Bach'sche Musik natürlich ungemein ins Romantische, Üppige und teilweise sogar ins verklärt Elegische. Doch zu einer Zeit, in der "Werktreue" noch ein Fremdwort war (man höre sich nur Furtwängler-Einspielungen an) und sogar Größen wie Gustav Mahler Bachs Musik völlig verfremdeten tat Stokowski Bach mit der "Modernisierung" einen großen Gefallen. Seine Bearbeitungen, die er später sogar in Disney-Filmen unterbrachte, kamen besonders beim amerikanischen Punlikum an und wurden zum Hit. Auch der große Strawinsky meinte:"Das ist kongenial nachempfunden!" Andere warfen dem Dirigenten eine Bach-Entartung vor, doch dieser rechtfertigte sich, es ginge ihm "von Herzen" darum, "Den größten Komponisten aller Zeiten" für ein "größtmögliches Publikum genießbar zu machen."

Ich kann mir vorstellen, dass auch heute noch diese Bearbeitungen beim großen Publikum ankommen könnten, während sich Bach-Kenner natürlich in den Sitzen winden würden. Die Frage ist allerdings, was Bach zu diesen Arrangements gesagt hätte. Ich persönlich hatte meine Freude an den von Decca auf eine Platte gepressten sechs ausgewählten Stücken, konnte mir aber ein fast durchgängiges Schmunzeln nicht verkneifen. Mittlerweile gibt es sämtliche Stokowski-Arrangements auf CDs.

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