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Mephisto

Ich höre gerade folgendes Album

Empfohlene Beiträge

Igor Strawinsky - Der Feuervogel

1909 erhielt der als Komponist des "Feuerwerks" bekannte Strawinsky telegraphisch den Auftrag an einer Balettmusik nach russischen Märchenmotiven, die der Choreograph Fokin zu einem Balett zusammengestellt hat: Der jugendliche Held Iwan Zarewitsch gelangt in den Garten des Zauberers Kastschei, der junge Prinzessinnen gefangen hält und alle Gegner und Eindringlinge zu Stein verwandelt. Im Garten gerät Iwan an das exotische Wesen des Feuervogels, den er zwar fängt, aber auf Bitten des Tieres sogleich wieder frei lässt. Zum Dank erhält er eine Feder, die er nur zu schwingen braucht, wenn er Hilfe benötigt, denn sofort würde dann der Feuervogel erscheinen. Das Geschenk des Feuervogels erweist sich als nicht allzu unnütz, als Iwan von Kastschei gefangen genommen wird.

Das Balett wurde zu seiner Uraufführung äußerst wohlwollend aufgenommen. Die Musik erregte bei Größen wie Debussy wohlwollende Aufmerksamkeit und auch der Meister der Orchestrierung, Richard Strauss, lud Strawinsky sogar zu sich ein. Die Musik ist von sehr luftigen Charakter, das flirrende Wesen des Feuerzaubers, die jugendliche Unvernunft des Protagonisten und die düstere Bedrohung des Zauberers werden perfekt widergegeben. Insgesamt klingt das Werk sehr impressionistisch und märchenhaft. John Williams bediente sich mehr als ausgiebig für seine "Tinkerbell"-Passagen in "Hook" aus den Feuervogel-Afutritten. Insgesamt enthält die Musik auch sehr viel "Mickey-Mousing", sodass Strawinsky, der stets wollte, dass man seine Werke losgelöst von irgendwelchen anderen Einflüssen hört, zwei Suiten zum "Feuervogel" arrangierte. In der von Guilini aufgenommenen Fassung von 1919 kürzte Strawinsky nahezu alle Erzählmomente der Musik heraus, sodass nur die konzertanten durchkomponierten Stücke des Baletts zu hören sind. Die Aufnahmen der Strawinksy-Suiten mit Guilini wurden mittlerweile in einer Box veröffentlicht. Guilinis Interpretation ist sehr ausbalanciert, die bedrohlichen Momente kommen besonders düster und die Feuervogel-Passagen sehr flirrend und lebendig daher. Für Leute, die einen schönen Einblick in den "Feuervogel" haben möchten bestimmt eine gute Wahl.

Hier kann man das komplette Balett in einer der besten Aufnahmen bezüglich Interpretation und Klangqualität.

Diese CD sollte auch wegen der brillanten Einspielung des "Sacre" in keiner Sammlung fehlen. Der "Feuervogel" ist hier komplett in seiner vollständigen Fassung enthalten. Boulez dirigert dieses Werk meisterhaft und mitreißend. Unbedingt anhören, besonders Filmmusik-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten!

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Stravinsky spielt Stravinsky: Der Feuervogel

Zum Komponieren am Klavier äußerte sich Stravinsky folgendermaßen: "Ich halte es für tausendmal besser in direktem Kontakt mit dem physischen Klangmedium zu komponieren als in dem abstrakten Medium der Vorstellungskraft." Doch nicht nur zum Komponieren nutzte der damals noch junge russische Komponist das Klavier. Denn zu Zeiten vor der Schallplatte ermöglichte ihm die Pianorolle der automatischen Klaviere, seine eigene Musik selbst einzuspielen und so festzuhalten, wie er sie auch in Zukunft interpretiert wünschte: "Dieses Mittel ermöglichte es mir, für alle Zukunft die richtigen Tempoverhältnisse und Nuancen meiner Wünsche gemäß festzuhalten."

Später konnte Stravinsky seine Werke schließlich mit vollem Orchester einspielen und sie so originalgetreu der Nachwelt hinterlassen, doch trotz des von Strawinsky selbst dirigerten "Feuervogels" ist diese Aufnahme ein wertvolles Juwel, lernen wir von dem großen Komponisten noch eine weitere Seite kennen: Den Virtuosen! Strawinsky meistert die Klavierfassung seines vollständigen "Feuervogels" meisterhaft, doch trotzdem kann man am Klavier die verschiedenen Farben, das märchenhaft flirrende und die wundervollen Nuancen dieser Komposition nur erahnen. Trotzdem, ungemein interessant!

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Petruschka - Igor Stravinsky

Während seiner Arbeit am "Sacre" biss sich in Strawinskys Gedanken immer mehr das Bild eines Hampelmanns fest, der vor dem Orchester rumturnt und es reizt, bis es ihn mit brutalen Fanfaren bekämpft und die Gliederpuppe schließlich zuzsammenbricht. Erst wollte Strawinsky daraus ein Konzert für Klavier und Orchester schreiben, aber der Ballettdirektor Diaghilew animierte den Komponisten, der für ihn schon "Der Feuervogel" geschrieben hatte, aus diesem Stoff ebenfalls ein Ballett zu machen. So entstand die Geschichte um den klassischen russischen Mitleidshelden, die lebendige Marionette Petruschka, der von einem Gaukler und Scharlatan auf Jahrmärkten zur Schau gestellt wird und sich in eine dumme und naive Tänzerin verliebt, die sich jedoch nicht für den unter seiner Hässlichkeit leidenden Petruschka entscheidet, sondern den den kräftigen Mohren entscheidet. Dieser wirft Petruschka, der sich um die Ballerina bemühte, auch schließlich aus seiner Wohnung, verfolgt ihn und erschlägt den armen Kerl schließlich. Der Gaukler beweist dem Volk auch noch, dass es sich bei Petruschka immernoch nur um eine Puppe handelt. Doch Petruschkas Geist verhöhnt ihn und macht ihm eine lange Nase, sodass der Gaukler flieht.

Strawinskys Musik kam bei der Uraufführung gut an, obwohl "Ptruschka" schon schwerere Kost ist als "Der Feuervogel" mit den kantigen dissonanten Klängen und den rhythmisch verschobenen polyphonen Stimmen. Die Musik bedient sich teilweise der Leitmotivtechnik, sodass fast jeder Situation und jedem Charakter ein eigenes Thema mit eigener Instrumentierung und Charakter zugeordnet wird. Schon die Eröffnungsfanfare des Jahrmarkts und das darauf folgende Gewirr von bunt durcheinander geworfenen Volksliedern lässt dem Hörer sofort das wilde Treiben vor Augen steigen. Hier zeigt sich in der Kombination und dem einzelnen Aufbegehren und Abklingen der jeweiligen Elemente Strawinskys gekonnte Komposition.

Auch der bedorhliche Auftritt des Gauklers, dessen weitere Passagen von einer mystischen Chromatik untermalt werden und der klagenden äußerst lyrischen Musik Petruschkas, in dem auch teilweise chromatische Elemente auftauchen, um die Verbindung zum dämonischen Puppenspieler herzustellen sind wahrhaft meisterlich komponiert. Selbiges gilt auch für die melodische Trompete für die Ballerina und den unbeholfenen Rhythmus des Mohres sowie deren Tanzversuch, der mit zwei völlig aneinander vorbei laufenden Tänzen untermalt wird - herrlich.

Strawinsky überarbeitete seinen "Petruschka" nochmal 1946 und führte einige Kürzungen durch und erweiterte außerdem den Solopart des Klaviers, was seinem ursprünglichen Gedanken entspricht. Besonders für Filmmusikfreunde eignet sich "Petruschka" ideal, denn obwohl Strawinsky diese Fassung für's Konzert erstellte gibt es sehr viel beschreibende Elemente (im Gegensatz zu der gekürzten "Feuervogel"-Suite") und die die Stimmungen sind jeweils genial getroffen. Carlo Maria Giulini spielte diese Suite in einer tollen Fassung mit dem Chicago Symphony Orchestra ein, die auf der oben genannten Box zu finden ist. Ich möchte diese Aufnahme wirklich jedem ans Herz legen - es lohnt sich!

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Igor Strawinsky - Le Sacre du Printemps

Mit dem letzten der drei frühen Ballette setzte Strawinsky einen Meilenstein, der sich in Neuartigkeit, Kraft und Gewalt deutlich von den beiden anderen Werken abhebt. Die Reaktionen des Publikums bei der Uraufführung sind bekannt: Man beleidigte sich, prügelte sich, ohrfeigte sich, pfiff, ahmte Tierlaute nach etc. Die Frage ist natürlich, was nach jahrezntelanger Überlieferung nicht alles hinzugedichtet oder nach sofort niedergeschriebenem Bericht gleich erfunden wurde. Fakt ist jedenfalls, dass die Premiere alles andere als ruhig verließ. Mittlerweile gibt man aber der Unwissenheit des Publikums, das schon zu Beginn sofort darauf bedacht war, Blödsinn zu machen, die Schuld als der grandiosen Musik Strawinskys, die mittlerweile öfter Konzertant als mit Choreographie zu hören ist.
Die Rahmenhandlung spielt im heidnischen Russland, wo zu Beginn des Frühlings eine Jungfrau, ausgewählt von den alten weisen des Stammes und nach diversen Huldigungsritualen geopfert wird, damit es ein guter Frühling wird. Hierzu wird die Erwählte zuerst verherrlicht und dann tanzt sie sich selber zu Tode.

Strawinskys Musik ist durchweg von einer Urwüchsigkeit und mystisch-dunkler Stimmung durchwoben. Schon der Beginn mit dem äußerst hohen Fagottsolo und den immer dichter werdenden weiteren Holzbläsersoli, die alle auf russischen Volksmelodien beruhen, zieht einen in den Bann, danach erklingen sofort die berühmten Stoßhaften Akkorde mit den Stets gegen den Strich gesetzten Akzenten. Danach wird die Musik von mal zu Mal immer kraftvoller, brutaler, von einigen ruhigen Passagen wieder durchsetzt, bis das Orchester selbst unter krampfhaften Zuckungen aufstöhnt und die Musik schließlich erschöpft - wie auch das Mädchen - zusammenbricht. Zwar durchziehen einige Themen und Melodiefragmente, die ebenfalls alle auf traditionellen russischen Melodien beruhen, die Musik, wie die herrliche vierstimmige Trompeten-Passage, die später nochmal in den Violinen erklingt und der Musik einen besonders heidnischen Anstrich verpasst, aber viel bedeutender für die Komposition des Sacre war für Strawinsky die arbeit mit kleinen Motivzellen, die besonders durch ihre markant rhythmische Prägung beeindrucken und auf die sich die Musik immer wieder fest beißt, die blockieren und miteinander verzahnt werden und all das geschieht mit einer solchen Meisterhaftigkeit, dass der Zuhörer für eine halbe Stunde wie gebannt ist. Das Orchester ist sehr üppig besetzt und Strawinsky kitzelt auch die kleinste instrumentatorische Nuance aus seinm gewaltigen Apperat heraus. Solche Gewalt, solche Brutalität ist in der Orchesterliteratur zumindest 1913 einmalig gewesen!

Die Einspielung unter dem (mittlerweile) glühenden (frühen) Strawinsky-Verehrer ist bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft erschienen und meines Erachtens die beste Aufnahme dieses Werkes. Der Klang ist unglaublich kraftvoll und klar und das Orchester spielt perfekt. Boulez' Dirigat selbst ist unglaublich energisch und kraftvoll. Diese Aufnahme übertrifft sogar die Aufnahme unter Strawinsky selber, denn hier schwimmen die Musiker häufig einmal davon. Wer den "Sacre" einmal mit aller Gewalt durch die Boxen jagen will, sollte es mit dieser CD tun. Es ist natürlich überflüssig zu erwähnen, dass dieses Werk verkappt auch in vielen Filmmusiken von John Williams wie "Star Wars" oder sogar Poledouris' "Conan" zu finden ist.

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Vollste Zustimmung bzgl. der Boulez-Cleveland-Interpretation - eindeutig der beste "Sacre", den man bekommen kann. Außerdem tolle Beschreibung der Musik, Gerrit (was übrigens für alle deine Beiträge hier gilt, wirklich hervorragend).

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Vielen Dank! :) Freut mich, dass meine Beiträge hier auch gelesen werden, denn ich hoffe ich kann den Einen oder Anderen mal für einige dieser Werke interessieren, denn vieles, besonders der Strawinsky dürfte einigen hier gefallen. Ich finde, es ist auch wichtig, einmal die Wurzeln der Musik, die wir hier hauptsächlich im Forum diskutieren, zu kennen und Strawinsky steckt besonders in Williams aber auch Goldsmith drin. Mahler in den ganzen Golden-Agern und all diejenigen, denen es momentan zu wenig große Orchestermusik in der Filmmusik gibt rate ich, sich einmal im historischen Kunstmusikbereich umzusehen. Geht auch bald weiter mit dem guten Igor, er war einfach eine coole Sau unter den Komponisten :P

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Schön, dass sich noch jemand "outet" :P. Ja, das kann ich ein bisschen nachvollziehen, aber sollte Dich etwas wirklich interessieren, immer nachfragen :) (zumal ich glaube, dass dir der Sacre mit seinen pulsierenden Rhythmen echt gefallen könnte).

Diese Beiträge verfasse ich oft sofort nach dem Hören und schreibe einfach nieder, was mir in Erinnerung geblieben ist oder was ich über die Stücke so weiß (weil in irgendwelchen Booklets geblättert oder im Internet gelesen). Ich versuche aber trotzdem, immer drei Aspekte beizubehalten: 1.) Wieso gibt es dieses Werk und warum hat der Komponist es so komponiert, wie er es komponiert hat (Ballett-Rahmenhandlung etc)

2.) Beschreibung der Musik, wobei ich manchmal auf Fachbegriffe zurückgreife, weil man einige Dinge schwer ohne musikalische Begriffe erklären kann. Ich suche aber eigentlich immer nach zusätzlichen gut beschreibenden Worten wie "mystisch, lyrisch, brachial etc.

3.) Wie ist die jeweils gehörte Aufnahme denn bei den unzähligen verschiedenen Aufnahmen ist es oft ein Problem, die Einspielung zu finden, die einen selber voll und ganz zufrieden stellt wie Gielens "Eroica" oder Boulez' "Sacre".

Wen ich dann im Nachhinein mal die Texte überfliege um zu sehen "Was habe ich denn so vor einigen Monaten gehört und wie fand ich das denn so?" merke ich schon, wie diese Texte oft runtergerasselt sind bei den ganzen Flüchtigkeitsfehlern...

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Geht auch bald weiter mit dem guten Igor, er war einfach eine coole Sau unter den Komponisten :P

Stimmt - die "Symphony in Three Movements", das Kammerkonzert "Dumbarton Oaks", das "Ebony Concerto"... ich liebe auch diese neoklassizistische Seite Strawinskys sehr. Aber da kommst du wohl eh noch drauf zu sprechen, deshalb von meiner Seite da jetzt nichts mehr dazu. :)

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Bitte, unbedingt schreiben, falls Du noch etwas schreiben willst! Ich hab' das ja hier nicht gepachtet! Ich kenne allerdings viele Leute, die die neoklassizistische Phase Strawinskys als Rückschritt sehen und diese Musik "altbackend" finden. Natürlich faszinieren einen auch diese gewaltigen Sachen wie Sacre" sehr, aber trotzdem ist auch in den so "altbackend" daherkommend zu scheinenden Kompositionen oft noch viel zu entdecken. Daher gab's bei mir heute mal:

Itzhak Perlman spielt Strawinsky: Divertimento, Duo Concertante Suite Italienne

Tatsächlich sah Strawinsky einige Zeit nach seinem überragenden Erfolg der drei frühen Ballette kein wirkliches Ziel mehr in seinem momentanen Stil und berief sich daher immer mehr auf alte Komponisten, deren Kompositionsweisen er sich annahm und auf deren Stile er sich berief. All dies tat er jedoch nie, um historische Stilmitte für seine Zwecke zu entfremden, sondern es scheint eher so, als habe Strawinsky sich in ein Kostüm mit Puderperrücke und Rüschenhemd geworfen, aber sein musikalisches Ich nie komplett abgelegt, sondern mit dem historischen Gewand verschmolzen.

1931 machte Strawinsky die Bekanntschaft mit dem jungen Violisinisten Samuel Dushkin und man bat ihn, etwas für den jungen Instrumentalisten zu komponieren, doch Strawinsky lehnte ab, da er glaubte, der Violine als virtuosem Instrument nicht gerecht werden zu könne. Schließlich konnten die Bemühungen Hindemiths und seines Verlegers Strawinsky jedoch überzeugen und so schrieb er in enger Zusammenarbeit mit Dushkin ("Das Konzert soll nach Violine stinken!") das Violinkonzert, das im Oktober 1931 unter Strawinskys Leitung in Berlin uraufgeführt wird. In den folgenden Spielzeiten reisten der Komponist und der Solist auf Einladungen durch ganz Europa und inzwischen verband die beiden Männer eine fruchtbare Freundschaft. Strawinsky war inzwischen bemüht, weitere Werke für die beiden zu schreiben, um dem Programm etwas eigenständiges zu bieten, allerdings war er von der Kombination von Klavier und Violine absolut nicht angetan, da er den Klangcharakter beider Instrumente für nicht vereinbar hielt. Auf der anderen Seite reizte es ihn, sich dem Problem zu stellen wobei allerdings pragmatische Lösungen hinter den künstlerischen Zielen zurücktreten mussten.

Wie auch das Violinkonzert sind die auf diesem Album zu hörenden Werke inmitten Strawinskys neoklassizistischer Phase entstanden und unterscheiden sich deutlich von seinen früheren Werken, wobei nur das Duo concertant die einzige Komposition Strawinskys für Violine und Klavier ist, die auch wirklich für diese Besetzung konzipiert wurde. Hier wurde versucht, sich auf die Form des Hirtenliedes der Antike zu berufen, wobei schon gleich der erste Satz, die "Cantilène" mit den teils harschen Harmonien und dem recht ruppigen Charakter zu beginn wenig auf einen cantablen=liedhaften Charakter deuten. Im zweiten Satz, der ebenfalls in zwei Nummern unterteilt ist, kommen allerdings einige folkloristische Elemente gut zur Geltung, so werden zu Beginn gleich die Basstöne eines Dudelsacks imitiert und dem warmen Charakter des zweiten Abschnitts. Die "Gigue", die auf einem Tanz beruht, ist sehr kraftvoll und der längste Teil der Komposition und passt mit dem recht forschen und rohem Charakter wirklich in die antike Hirtenwelt genau so wie der sehr stimmungsvolle lyrische letzte Satz mit seinen idyllischen und sehr ruhigen Elementen.

Das Divertimento ist eine Bearbeitung Strawinskys Musik zu dem 1928 uraifgeführtem Ballett "Der Kuss der Fee" nach einem Märchen von Hans Christian Andersen. Die Premiere war kein großer Erfolg und der Strawinsky hgefiel die Choreographie nicht während der Impressario Diaghilew Strawinsky dafür kritisierte, Themen von Tschaikowsky in seiner Musik verwendet zu haben, da er den Komponisten nicht mochte. 1931 erstellte Strawinsky zu dieser Musik ebenfalls eine Suite und später diese Fassung für Violine und Klavier, wobei der erste Satz fast das komplette erste Bild des Balletts enthält, der zweite große Teile des zweiten Bildes und der dritte Satz eine Kurzfassung des dritten Bildes ist. Der letzte Satz allerdings ist eine Zusammenfassung der Musik Strawinskys zu dem Ballett "Pas de deux". Obwohl es sich hier um zwei verschiedene Werke handelt, ist der Charakter dieses Stücks sehr homogen. Die Musik klingt für Strawinsky sehr gesittet, von harschen Wendungen wie noch im Duo concertant wurde komplett abgesehen und wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um den neoklassizistischen Strawinsky handelt, hätte man in diesem Werk auch ein romantisches Stück Kammermusik vermuten können. Beim genauen Hinhören allerdings offenbahrt Strawinsky mit seinen teils rhythmisch sehr markanten Spielereien jedoch sein unveränderliches musikalisches Ich.

Die "Suite italienène" ist eine Bearbeitung Strawinskys Musik zu dem 1920 entstandenen Ballett "Pulcinella", welche sich hauptsächlich an klasisschen italienischen Komponisten anlehnt und in dieser Kammermusikfassung ohne die Wucht des Orchesters sehr bieder wirkt. Hier kann man größtenteils die Enttäuschung derjenigen nachvollziehen, die in Strawinsky den bahnbrechenden Komponisten sahen und jetzt kopfschüttelnd seine Hinwendung zu aler Musik verfolgten. Diese Stück ist zwar ganz nett, aber eher so der Strawinsky für Zwischendurch.

Insgesamt bekommt man hier auf einem Album drei sehr unterschiedliche Stücke: Das harsche bäuerliche Duo concertant, welches auch noch die einzige originale Komposition für diese Besetzung darstellt, das sehr schöne romantisch angehauchte Divertimento, welches mein persönlciher Favorit des ist und die italienische Suite, die zwar hält, was der Titel verspricht, darüber hinaus aber nicht so interessant und originell wirkt wie die anderen beiden Werke.

Das Spiel Itzhak Perlmans und des Pianisten Bruno Canino auf dieser vom Emi produzierten Aufnahme ist über jeden Zweifel erhaben. Das Duo spielt die jeweiligen Stücke in genau dem jeweils entsprechenden Charakter technisch brillant aber auch mit Seele. Der etwas gediegene Strawinsky wäre ein idealer Einsteiger für Leute, die sich mit den frühen schillernden Balletten oder den etwas sperriger erscheinenden Kammermusikwerken schwer tun. Leider ist die CD mittlerweile vergriffen und nur noch gebraucht ab 29,99 zu haben. Sollte man sie aber irgendwo entdecken und auf kleinere und feinere Stücke stehen dann unbedgint mal reinhören!

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Symphonie in C - Igor Strawinsky

1940 feierte das Chicago Symphony Orchestra sein 50-Jähriges Bestehen und Strawinsky zu diesem feierlichen Anlass enstandene Symphonie ist ein neoklassizistisches Werk reinster Güte, denn seit seine "Geschichte des Soldaten" bis hin zu seiner 1951 vollendeten Oper "The Rake's Progress" bestimmte eine Rückbesinnung auf Formen und kompositorische Mittel vergangener Epochen. Strawinskys Zitat: "Je mehr die Kunst kontrolliert, begrenzt und bearbeitet wird, umso freier ist sie." dürfte an diesem Werk bestens nachzuweisen sein, denn tatsächlich besinnt sich Srawinsky hier auf das klassische viersätzige Konzept einer Symphonie mit einem Sonatenhauptsatz an der Spitze, einem weziten langsamen Satz, einem schnelleren tänzerischen dritten Satz und einem Finale. Auch die Themen sind klar voneinander zu unterscheiden und die Orchestrierung größten teils konventionell angelegt.

Trotzdem lässt sich natürlich in jedem Takt eindeutig ein Strawinsky der Moderne nachweisen, wie schon zu Beginn, als Strawinsky das erste Thema stets auflaufen lässt, um es dann wieder "abzuwürgen", bis es sich dann schließlich in der Oboe frei entfalten darf. Auf dieses sture rhythmische Verbeißen auf einige kleine Motive wie kurz vor Beginn der Reprise (in der Reprise wird der "Hauptteil" des Satzes nach einem längeren Teil, in dem der Komponist mit seinen Themen "spielt", wieder voll ausgespielt, allerdings mit der Änderung, dass beide Themen des Hauptteils jetzt in derselben Tonart stehen) und auch diese Verichtung in den Streichern bis zum verschärften dissonanten (schrill klingengem) Akkord (Zusammenklang mehrerer Töne) des gesamten Orchesters. Auch der zweite Satz ist sehr komplex gearbeitet und die Themen vielfältig miteinander verstrickt. Der relativ kurze dritte Satz ist sehr tänzerisch und trotz aller harschen Harmonik lyrisch gehalten, bevor das Finale von einem interssanten Blechchoral eröffnet wird und die Symphonie mit demselben auch wieder schließt und so überraschend ruhig ausklingt.

Zirkuspolka - Igor Strawinsky

Die Zirkuspolka entstand ein Jahr später als die Symphonie für den Ringling Brothers & Barnum & Bailey Circus, die eine Ballettaufführung mit je 50 Ballerinen und Elefanten, die ebenfalls in rosa Tutus steckten. Die Choerographie entwarf George Balanchine, mit dem Strawinsky eng befreundet war und der auch Strawinsky als Komponisten vorschlug. Die knapp 5 Minuten lange Komposition ist durchweg unterhaltsam, das Orchester trottet ein wenig plump daher. Trotz der Angabe, dass es sich hier um eine "Polka" handelt, ist die Kompnosition mit den für Strawinsky typischen steten Taktwechseln durchzogen. Besonders die Bläser (insebsondere Klarinetten und Piccoloflöten) haben hier besonders amüsante Partien zu spielen, bevor sich das Orchester zu einem einheitlichen marschartigen Thema aufrafft. Diese letzten Takte sind allerdings ein Zitat von Robert Schumanns "Militärmarsch", jedoch wurde dies stets von Strawinsky bestritten. Strawinsky selbst schrieb diese Komponistion für Klavier, entwarf zwei Jahre später eine Orchesterfassung. Interessant dürfte für einige hier sein, dass auch David Raksin eine Fassung für Blasorchester und Orgel schrieb. Mittlerweile ist dieses Stück auch oft in Kinderkonzerten zu hören. Für Groß und Klein ein kurzweiliger Spaß.

Ich habe die Einspielung beider Werke auf einer Schallplatte der Deutschen Grammophon Gesellschaft der Berliner Philharmoniker unter ihrem damaligen Chefdirigenten Herbert von Karajan gehört. Karajan scheiterte grandios an Strawinskys "Sacre" (Strawinsky zu Karajans Sacre-Einspielung: "Karajan hat meine Musik nicht verstanden.") und versuchte, der brutalen archaischen Musik romantischen Gestus einzuverleiben - lustig aber nicht wirkungsvoll. Mit den neoklassizistischen Werken ist Karajan jedoch in recht gewohnter Umgebung, die typischen Strawinsky-Elemente sind auch gut hervorgearbeitet, fallen aber nicht aus dem Rahmen. Die Zirkuspolka trottet herrlich vor sich hin. Mir ist nicht bekannt, dass diese Aufnahme bereits auf CD erschienen ist. Sie ist aber allemal empfehlenswerter als Karajans "Sacre" (Sebastians und meine Meinung zu der besten Einspielung ist bekannt), denn der kommt genau so lustig daher wie die Zirkuspolka, nur ungewollt.

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Konzert in D - Igor Strawinsky

Auf der oben genannten Platte findet sich auch eine Einspielung des Konzerts in D für Streichorchester. Strawinsky selbst betonte ja immer seine Vorliebe für die Blasinstrumente, weil ihnen der Patos abgehe und ihr klang eher schön "kühl" und daher "nüchtern" sei. Dieses Werk entstand jedoch für das Basler Kammerorchester unter Paul Sacher. Auch hier finden sich wieder typische Strawinskyismen. Besonders der erste Satz wird von vielen komplexen Taktwechseln durchzogen und erinnert sich von seiner rhythmischen Struktur an "Sacre du printemps". Auch die Klarheit, mit der das gesamte Werk strukturiert wird, ist typisch Strawinsky. So lassen sich möglichst schnell die einzelnen Elemente und Abschnitte ausfindig machen, mit denen der Komponist die drei Sätze jeweils gliedert. Die treibende Eröffnungspassage wird von einer eher lyrisch angehauchten Melodielinie abgelöst, die aber in sich selbst stets etwas abgehackt wird. Beide sehr gegensätzlichen Elemente finden sich auch später wieder. Besonders interessant ist auch der schleichende harmonische Wechsel von D-Dur nach d-moll. Ingsesamt erinnert dieses Stück von seiner Athmosphäre ein bisschen an die rasanten Musiken zu den Golden-Age-Thriller-Eröffnungssequenzen beispielsweise eines Hitchcocks und weckt wieder eine herrlich spannende schwarzweißathmosphäre.

Karajan dirigiert dieses Werk mit gewohnt großen Gestus. Vielleicht hätte aber ein etwas nüchterneres Vorgehen das Stück noch etwas abwechslungsreicher erscheinen lassen, da Streicher ja ohnehin einen etwas weichen Klang haben, besonders im Tutti. Durch Karajans Dirigat muten einige Passagen mit sehr ruppigen Charakter noch zu schwammig an. Insgesamt aber ein absolut tolles Werk!

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Igor Strawinsky - Kammermusik

Auf dieser für die Deutsche Grammophon Gesellschaft zusammengestellten Platte finden sich acht Kammermusikstücke Strawinsky, die zwischen den Jahren 1918-1962 entstanden und so einen guten Querschnitt durch Strawinskys von drei Phasen (frühe moderne Phase, Neoklassizismus, Serialismus) hauptsächlich gegliedert wurde. Mehr noch als in den abwechlusngsreichen Werken für Orchester wie seinen beeindruckenden Ballettmusiken oder den Symphonien kann in diesen Stücken für kleinere Besetzungen die unglaubliche Wandlungsfähigkeit dieses einzigartigen Komponisten bewundern, denn durch all die Kompositionen schimmert Strawinskys Handschrift durch, besonders vertreten durch die vertrakten Taktwechsel, die konsequente Weiterführung einzelner Stimmen innerhalb ihrer Harmonik, dass es zu Reibungen kommt und die eher kruzatmigen Motive denn groß ausschweifenden Melodiebögen.

In den drei Stücken für Klarinette Solo von 1918 hört man noch ganz deutlich den frühen Strawinsky, besonders die einstimmige Besetzung der Soloklarinette hebt noch einmal Strawinskys Vorliebe für Klahrheit bei aller Komplexität hervor.

Das Konzertino für Streichquartett klingt sehr harsch und dissonant, laufen die Stimmen teilweise taktweise um einige dissonante Intervalle konsequent nebeneinander her, aber in den Strukturierung und den einzelnen Bestandteilen der Komposition bleibt das Werk so überschaubar wie Srawinsky sonst auch.

Das Konzert "Dumberton Oaks" ist dann wieder ein typisch neoklassizistisches Werk, das an Bachs Brandenburger Konzerte erinnert, doch Strawinsky gelingt es perfekt, durch die langen Töne der Klarinette, die aus dem harmonischen Rahmen fallen, seine eigene Handschrift präsent zu machen. Auch die typischen rhythmischen Wechsel sind wieder einmal typisch Strawinsky, ebenso das zwängen von durch den Takt definierten Formen in andere Taktarten zu zwängen oder zu strecken.

Besonders angetan hat es mir allerdings die Elegie für Viola solo, ein Stück von äußerst schwermütigen Charakter und herrlich langgestrecktem Thema mit durchweg tonalen Anklängen. Auch das "Ebony Concerto" für Jazzband ist eine tolle Abwechslung und wahrscheinlich einziemlicher Exot unter der Kammermusik der E-Musik.Das "Epitaphium" für das Grabmal des Prinzen Max Egon zu Fürstenberg ist von ebensolcher bedrückenden Schwere und der im selben Jahr entstandene Doppelcanon für Streichquartett ist ebenso kurz wie melancholisch. Zum Abschluss gibt es noch acht unterhaltsame Miniaturen für 15 Spieler, wobei die einzelnen Besetzungen von Miniatur zu Miniatur variieren. Herrlich, wie eine Miniatur auch in der Verkleidung eines Tangos daherkommt, andere wiederum sehr historisch anmuten.

Die Aufnahmen entstanden unter der Leitung des glühenden Strawinsky-Verehrers Pierre Boulez und sind allesamt von top! Eine Zusammenstellung wieder auf dieser Platte habe ich in CD-Form nicht gefunden, stattdessen diese preiswerte Box-Set, welches sich garantiert lohnt in Anbetracht der Tatsache, sechs randvolle CDs Strawinsky unter Boulez zu erhalten. Reinhören lohnt sich!

Zum Abschluss meines Strawinsky-Marathons möchte ich jetzt einmal meine Favoriten auflisten, frei von objektiven Bewertungskriterien sondern nur nach dem subjektiven Hörgenuss geordnet:

- Sacre du printemps

- Petruschka

- Divertimento

- Der Feuervogel

- Konzert in D

- Elegie für Viola solo

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Edgar Varèse - 4 Werke

Edgar Varèse (1885 - 1965) war ursprünglich studierter Mathematiker und Naturwissenschaftler. Später studierte er Komposition und wurde ein erfolgreicher Dirigent. Nachdem er jahrelang konservativ komponiert hatte, zog er 1915 nach Amerika und änderte seinen Stil radikal. Leider wurden alle früheren Werke bei einem Hausbrand in Paris vernichtet, sodass nur der "moderne" Varèse für uns heute zugänglich ist. Varèse selber ließ sich von den damaligen Strömungen der neuen Musik nämlich dem Neoklassizismus und der Dodekaphonie (Zwölftonmusik) nicht beeinflussen und prägte seinen eigenen Stil, auf den sich aber heute viele Klangkomponisten berufen. Eine besondere Stellung hatte bei Varèse das Schlagwerk, so schrieb er das erste Stück nur für Schlagzeug überhaupt. Eine besondere Zuwendung erhielten auch die Blasinstrumente. Die äußerst brutale und dissonante Tonsprache mit hauptsächlich von Schlagwerk und Bläsern besetzten Ensembles wird auch oft als musikalische Wiedergabe des technischen Zeitalters gesehen.

Hyperprism

ist ein Stück für Flöte. Klarinette, 3 Hörner, 2 Trompeten, 2 Posaunen sowie für 16 Schlaginstrumente wurde am 4. März 1923 uraufgeführt und offenbahrt die genaue Organisation der Musik Varèses, denn er schreibt für die Bläser eigentlich nur rhythmisch sehr lockere Motive und ordnet dem Schlagwerk eigentlich nur sehr klare Rhythmen und Intervalle zu. Beide Gruppen handhaben eigentlich nur ausschließlich das ihnen zugeorndete Material, teilweise schichtet Varèse beide Elemente jedoch kompromisslos übereinander. Besonders beeindruckend ist auch der Sireneneinsatz an einigen Stellen.

Intégrales

ist für eine größere Besetzung bestehend aus 2 kleinen Flöten, 2 Klarinetten, Oboe, Horn, 2 Trompeten, 3 Posaunen und 17 Schlaginstrumenten (4 Spieler) geschrieben. Hier fällt besonders der Einsatz der äußerst seltenen Kontrabaßposaune auf. Das Stück wurde am 1. März 1925 unter der Leitung Leopold Stokowskis uraufgeführt (man bemerke: DER Stokowski, der damals die zweifelhaften Bach-Orchestrationen vornahm) und macht deultich, wie Varèse innerhalb von zwei knappen Jahren sein grundsätzliches Vorgehen schon weiter verfeinert hat. Zwar ist die Trennung des Ensembles in zwei Gruppen immernoch sehr deutlich nachzuvollziehen, allerdings scheint Varèse der Umgang mit seinem Material weitaus souveräner zu gelingen. Besonders auffallend ist hier die sofortige Einführung eines melodischn Motivs, das sich durchs gesamte Stück zieht und merhmals seine Gestalt wechselt, ohne jedoch vollkommen verändert zu werden. Das Schlagwerk stellt auch nicht mehr das Material nur für sich vor, sondern greift in das Geschehen ein und verfärbt das Material der Bläser und hilft bei seinen Verwandlungen. "Intégrales" ist bei Weitem nicht mehr so kompromisslos wie "HYperprism".

Densité 21,5

beschreibt - und hier offenbahrt sich noch mehr der analytische und naturwissenschaftliche Varèse - die Dichte von Platin und ist somit eine direkte Anspielung auf die Platinflöte George Barrères, der Varèse damit beauftragte, ein Stück zu schreiben, mit dem er sein Instrument "einweihen" konnte. Den Kern des Stücks bildet ein dreitöniges Motiv für melodische Varianten. Varèse setzte hier auch als einer der ersten Komponisten die Geräuscherzeugung mit den Flötenklappen ein.

Déserts

entstand zwischen 1952 und 1954 für 2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 2 Tuben, Klavier und fünf Perkussionisten. Vier Instrumentalpartien werden von einem Tonband mit elektronischen Geräuschen klar voneinander getrennt. So lang das Werk auch ist, so zeigt sich, auf wie wenige wesentliche Punkte man Varèses kompositorische Mittel reduzieren kann. Besonders wichtig war Varèse die Entwicklung eines Raumes, in dem sich die einzelnen melodischen und rhythmischen Motive anstoßen, beschleunigen und abbremsen, sich mischen oder klar getrennt werden. Die elektronische Klangwelt verstärkt den räumlichen Aspekt und führt die Instrumentalpassagen in abstraktere Formen fort.

Auf dieser Schallplatte der Electrola Gesellschaft spielten das Ensemble Instrumental de Musique und Contemporaine de Paris unter dem Dirigenten Konstantin Simonovitch. "Densité 21,5" wurde von Michael Deböst gespielt. Ich habe wie so oft kein wirkliches Equivalent auf CD zu dieser Veröffentlichung gefunden, da Varèse aber sehr lange an seinen späteren Stücken gearbeitet hat, gibt es mehrere Gesamtaufnahmen auf Doppel-CDs und ich kann nur empfehlen, sich mal ein Album zu gönnen.

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Cathy Berberian - Magnificathy: The many voices of Cathy Berberian

Cathy Berberian wurde in den USA als Tochter armenischer Einwanderer geboren und war eine außerordentlich vielseitige Sängerin, die unter Anderem Tanz, Schauspiel, Pantomime, Literatur, Kostümbildnerei und Gesang. Mit Ihrer Stimme, die drei Oktaven umfasste sowie ihrem schauspielrischen Talent verstand sie es, dem Publikum viele neue Werke näherzubringen. Zu ihren größten Erfolge dürften die Freundschaften mit John Cage und Igor Srawinsky gehören, die beide Stücke für ihre Stimme schrieben. Neben einem sehr großen Reportoire vor Allem mit neuer Musik befasste sich die äußerst flexible Sängerin auch mit frühbarockenKomponisten wie Claudio Monteverdi und sang unter Nikolaus Harnoncourt, einem der wegbereiter werkgetreuer Interpretation, für Schallplatten ein.
Auf diesem Album sind lauter Stücke vertreten, die zu ihrer Zeit einzigartig und neu waren, wie z. B. "La Lettera Amorosa" von Monteverdi ohne strenge Takteinteilung, Debussys Chansons de Bilitis oder Sylvano Bussottis "O" - Atti Vocali in einer von Bussottis genemigten Bearbeitung der Interpretin selbst. Das etwas laszive "Surabaya Johnny" von Kurt Weil findet sich ebenso auf diesem Album wie Gershwins "Summertime". Zu meinen persönlichen Favoriten zählen allerdings John Cages "A Flower; The Wonderful Widow of Eighteen Springs" ohne bestimmten Text, während der Pianist mit den Fingerknöcheln auf präzise angegebene Stellen auf den geschlossenen Flügel trommelt, John Lennons und Paul McCartneys "Ticket to ride" (Berberian nahm sogar eine komplette Platte nur mit "Beatles"-Liedern auf) sowie der Livemitschnitt einer Komposition Berberians selber: Stripsody, eine Kollage aus onomatopoetischen (lautmalerischen) Lauten, die nur aus Comicsprechblasen entnommen wurden. Besonders interessant sind hier auch die mit aufgezeichneten Publikumsreaktionen.

Insgesamt ein wirklich gelungener Rundumschlag, der die ganze Bandbreite des Könnens Cathy Berberians offenlegt und dokumentiert. Die sehr schönen Begleitstimmen für Cembalo und Piano wurden von Bruno Canino gespielt. Insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Album und ein gelungener Einstieg für Leute, die mit klassischem Gesang bis jetzt so gar nichts anfangen konnten.

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Auf dieser Schallplatte der Electrola Gesellschaft spielten das Ensemble Instrumental de Musique und Contemporaine de Paris unter dem Dirigenten Konstantin Simonovitch. "Densité 21,5" wurde von Michael Deböst gespielt. Ich habe wie so oft kein wirkliches Equivalent auf CD zu dieser Veröffentlichung gefunden, da Varèse aber sehr lange an seinen späteren Stücken gearbeitet hat, gibt es mehrere Gesamtaufnahmen auf Doppel-CDs und ich kann nur empfehlen, sich mal ein Album zu gönnen.

Das Gesamtwerk Varèses, das tatsächlich auf nur 2 (!) CDs passt, gibt es in einer großartigen Referenzeinspielung unter Ricardo Chailly, eingespielt vom Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra und dem ASKO Ensemble:

Da sind dann auch seine berühmten Stücke für Riesenorchester dabei, wie das von Stravinskys "Sacre" inspirierte "Arcana" (1927) oder sein Hauptwerk "Amériques" (1921). Auch ein interessantes Überbleibsel seiner spätromantisch geprägten Phase (vor seiner Zeit in Amerika) ist in diesem Set enthalten: das düstere Lied "Un grand sommeil noir" (1906), nach einem Gedicht von Paul Verlaine. Dürfte auch das einzige sein, was aus dieser Phase noch erhalten ist - ansonsten ist ja, wie Gerrit schon erwähnt hat, alles verbrannt.

Eines seiner faszinierendsten Werke, das Schlagzeugstück "Ionisation" (1931) (das erste Konzertwerk nur für Schlagzeug), möchte ich noch in einer weiteren Einspielung empfehlen, in der die ausgefeilte Struktur der Musik noch transparenter und "durchhörbarer" wird:

Hier spielen das Ensemble Intercontemporain (bei "Ionisation" und den kleiner besetzen Werken) und die New Yorker Philharmoniker (bei "Amériques" und "Arcana") unter der Leitung von Pierre Boulez. Die Boulez-Interpretation der "Ionisation" ist hierbei die absolute Referenzeinspielung, auch klangtechnisch - sogar noch vor Chailly.

Wer Varèse also "fressen" möchte und sich - was ich ausdrücklich empfehle - in extenso mit der Musik dieses einzigartigen Komponisten beschäftigen möchte, kauft sich diese beiden CDs und wird damit glücklich. ;)

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Gast Thron

Yiruma from the Yellow room

ein song von ihm wurde in Twilight verwand - ja zu dem Film nehme ich mal keine Stellung - aber song River flows in you ist ein wundervolles Stück auch wenn er nicht aufdem oben genannten Album ist.

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Mit Jazz habe ich eigentlich nicht so viel am Hut, aber dieser 60er-/70er-Jazz aus dem Kosinus-Album "Modern Jazz Movies" klingt einfach dermaßen "sauber" ... cool. Wer generell Jazz mag und irgendwo dieses Album kaufen kann, sollte zwingend zugreifen.

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Gustav Mahler - Gesamtwerk

Als Ligeti in den 60er Jahren auf dem Neue-Musik-Festival in Donau-Eschingen jungen Komponisten und Studenten Empfehlungen gab, mit wem man sich auseinandersetzn müsse, um sich die neue Musik zu erschließen nannte er zwei Namen: Debussy und Mahler. Heutzutage wirken diese Namen in der Verbindung mit Neuer Musik etwas merwürdig, ist man doch eher an Varèse oder Ives sowie Stockhausen und - Ligeti gewöhnt, aber man darf nicht vergessen, dass besonders Mahler über lange Zeit hinweg kaum in der Öffentlichkeit Beachtung fand.
Mahler ist für mich definitiv ein Jahrhundertkomponist, der seiner Zeit weit voraus war. Zeitgenossen schätzten ihn als Dirigenten, nicht aber als Komponisten, so schrieb ein Kritiker zu seiner dritten Symphonie, für diese Musik habe er "Gefängnis verdient". Als Direktor der Wiener Oper war Mahler stets im Kontakt mit dem Orchester, konnte neue Ideen gleich am Objekt ausprobieren. Ein gefundenes Fressen für Kritiker, die seine Musik als "Kapellmeistermusik" abtaten. Mahler selbst ließ sich davon nicht beirren, er war sich sicher, dass seine Zeit kommen würde. Auch heute noch gibt es viele Leute, die mit der Musik Mahlers ziemliche Probleme haben. So scheint ihnen die Musik immernoch zu difus und effekthaschend.
Was die Musik dieses großartigen Komponisten ausmacht, ist zum Einen die unglaubliche Vielfalt von Klängen, mit der Mahler dank seines oft gewaltigen Orchesterapperats arbeitet, zum Anderen aber auch die vielen Elemente, aus denen er seine gigantisch anmutenden Symphonien spickt. Eine Symphonie müsse laut Mahler alle Bestandteile der Welt enthalten. So kommt es, dass wir oft Aspekte der Gebrauchsmusik, der E- und der U-Musik finden. Mahler wuchs in der Nähe einer Kaserne auf und tatsächlich finden sich als wesentliche Bestandteile seiner Musik kraftvolle Märsche und raue Fanfaren. Als Jude schwingen auch besonders in den ersten beiden Symphonien viele Klezmer-Elemente in den beiden Scherzi mit. Das allererste Motiv der siebten Symphonie wurde zum Beispiel durch einen Ruderschlag im Wasser inspiriert und in der Sechsten Symphonie hören wir entfernte Herdenglocken in pastoral anmutenden Passagen.
Das Besondere an Mahler ist der Gedanke, dass das Hässliche genau wie das Schöne seine Berechtigung in der Kunst hat. Diese Idee findet sich in besonders chaotischen Momenten oder den makaber anmutenden Scherzi der sechsten, siebten, neunten und zehnten Symphonie mit. Die Tatsache, dass die Welt und die Gesellschaft, in der wir leben doch nicht so heil sind wie vermutet, gelang erst später in das Bewusstsein der Menschen als Mahler sie in den Noten äußerte, sodass nicht nur das Verbot Mahlers Musik durch die Nazis den böhmischen Komponisten fast in Vergessenheit geraten ließen und erst in den späten 60er Jahren zu einem gewissen Mahler-Boom führte.

Mahler verstarb genau vor 100 Jahren und zu diesem Anlass veröffentlichte die Deutsche Grammophongesellschaft aus ihrem reichhaltigen Archiv eine Box mit dem Gesamtwerk Mahler, das mit zehn Symphonien, zwei weiteren großen Werken und mehreren Liederzyklen recht überschaubar auf 18 CDs untergebracht werden konnte (es existiert natürlich auch ein zeitgleich erschienenes Konkurrenzprodukt der EMI, welches sich allerdings noch nicht in meinem Besitz befindet).
Den Auftakt macht die erste Symphonie unter dem Dirigat Rafael Kubelik, dessen Mahler-Zyklus von vielen Mahler-Anhängern der ersten Stunde immernoch als maßgebend gilt. Auch mich hat das Dirigat sehr überzeugt und die Tonqualität wurde wirklich hervorragend in Hinblick auf das Alter der Aufnahme aufpoliert, allerdings bin ich als Kind des digitalen Zeitalters doch etwas klangverwöhnt. Ich vermisse bei dieser Aufnahme besonders die Streicher, die hier doch etwas rau und dünn klingen. So differenziert die Mischung doch ist, leider kommt der für Mahler so typisch üppigsatte Streicherschmacht nicht genügend zur Geltung und trübt so doch das gesamte Klangbild.
Mahler legte die Symphonie ursprünglich fünfsätzig an, strich aber den zweiten Satz, der in einer netten Einspielung unter Ozawa als letztes Stück auf der ersten CD zu finden ist.
Die zweite Symphonie unter Zubin Metha ist eine wirklich tolle Aufnahme. Metha weiß das Stück bestens durch sein Orchester interpretieren zu lassen. Der furiose erste Satz, der auf dem Orchesterstück "Die Totenfeier" basiert, braust ohne Rücksicht auf den Hörer zu, der sich bei dem wundervoll verspielten zweiten Satz etwas entspannen kann, bevor das Scherzo so verspielt wie schon lange nicht mehr daherkommt, stets von den himmelsweisenden Fanfaren unterbrochen. Das wundervolle "Urlicht" in einer rührenden Darbeitung von Christa Ludwig sowie der aufreibende letzte Satz lassen den Hörer auch einige Zeit nachdem der letzte Ton des gewaltigen Chorfinales verklungen ist, andächtig sitzen. Allerdings gibt es (auch mit Christa Ludwig) noch eine Bernstein Aufnahme - ebenfalls DGG - aus den 80ern, die noch einen Tick schwelgerischer vom Klangbild her klingt. Am Besten beide Versionen in der Sammlung haben.
Auch die dritte Symphonie unter Haitink ist ein wahrer Genuss. Mahlers längste Symphonie wurde hier eindrucksvoll dargeboten und es gibt wahrlich keine Längen - im Gegenteil. Haitinks einzelne Laufzeiten der jeweiligen Sätze liegen oft unter dem Durchschnitt, ohne dass es gehetzt wird.
Die erst als Humorekse geplante vierte Symphonie unter Boulez ist ebenfalls eine tolle Aufnahme, umso deutlicher fällt hier die Originalfassung des ersten Satzes der zweiten Symphonie, die "Totenfeier" ab. Viel zu langsam, fast schon lahm und lustlos klingt das Dargebotene. Dann doch lieber gleich die zweite Symphonie komplett hören als diese langweilige knappe halbe Stunde.
Von der fünften Symphonie gibt es meiner Meinung nach interessantere Aufnahmen. Diese unter Leonard Bernstein ist auch in dem oben erwähnten Zyklus enthalten, aber leider trotz des tollen räumlichen Klanges etwas kraftlos und in den besonders heftigen Passagen ist die Abmischung leider auch zu verwaschen. Das geht besser.
Die sechste Symphonie unter Claudio Abbado ist wieder ein absoluter Hörgenuss. Schon der rohe Marsch des ersten Satzes reißt einen in seinen Bann. Der langsame Satz ist ebenso bezaubernd schön wie das Scherzo brutal und makabaer, bevor der grandiose letzte Satz dieses Stück zu einem würdigen Ende bringt. Dieses ist die einzige Symphonie Mahlers mit einem resignativen Finale. Die Musik marschiert nach einem langsamen Erwachen erst triumphal daher, bevor ein gewaltiger Hammerschlag den Marsch zu Fall bringt. Mühsam richtet sich das Orchester wieder auf, Fanfaren, Marsch, es geht weiter - bevor noch ein weiterer und nahezu noch heftigerer Schlag die Musik erschüttert und umwirft. Nach einer längeren erholungsphase richtet sich der Marsch noch einmal unter größter Anstrengung auf, bevor nun das Tamtam die Todesverkündung übernimmt, die Musik erstirbt und die Symphonie von einer letzten Zuckung des Orchesters endet. Mahler plante ursprünglich drei Hammerschläge, strich den letzten (kurz nach dem Tamtam) aber wieder heraus. Trotzdem lassen viele Dirigenten es sich nicht nehmen, die Fassung mit den drei Schlägen zu spielen. Abbado aber lässt glücklicherweise den letzten Schlag (der in meinem Ohren auch wirklich keine Wirkung mehr erzielt) aus. Es handelt sich um eine Live-Aufnahme und der Applaus füllt die letzten 20 freien Sekunden der CD, lässt sich aber ohne Umstände wegprogrammieren, sodass das Stück sauber endet.
Die siebte Symphonie war für viele Zeitgenossen Mahlers, aber auch moderne Hörer oft recht unverständlich. Das Stück ist sehr düster und lang, bevor das furiose durch Pauken und Fanfaren gerpägte als Rondo angelegte Finale das gut 90-minütige Stück beendet. Sinopoli liefert hier jedoch eine wirklich tolle Interpretation ab, die die ganze innere Spannung des Stücks, die bedrohliche Verträumtheit der "Nachtmusiken" und den bedrohlichen Spuk des Scherzos bestens vermittelt.
Schließlich kommt der absolute Höhepunkt in Mahlers Schaffen zumindest was Quantität betrifft. Mit einem Orchester von rund 200 Mann, zwei gemischten Chören, Knabenchor, acht Solisten und Orgel vertont Mahler in der ersten Hälfte einen mittelalterlichen Pfingsthymnus ("Veni, creator spiritus") und in der zweiten Hälfte die komplette Finalszene aus Goethes "Faust". Es handelt sich um das einzige Mal, dass Mahler einen Text in fremder Sprache vertont. Seine Bemühungen, eine am besten gereimte Übersetzung des Textes zu finden, scheiterten. Mahler schuf das gesamte kolossale Werk in nur drei Monaten. Die Einspielung Soltis ist eine wahre Meisterleistung. Dass man auch als Hörer den Überblich über all die reichen Stimmen und Motive nicht verliert, ist eine beachtliche Leistung dieses Dirigenten, der für viele einen der besten Mahler-Gesamtzyklen überhaupt eingespielt hat.
Die neunte Symphonie, gerahmt von zwei wundervollen langsamen Sätzen, ist ein viel intimeres Werk voller Wehmut und Sehnsucht. Nicht ist mehr übrig von dem in der Achten gehörten Bombast. Besonders die letzten zwei Minuten dieses ebenfalls 90 Minuten langen Werkes, in denen die Musik immer weiter verklingt und sich immer weiter zu entfernen scheint, wirken tatsächlich wie ein Abschied Mahlers von der Welt. Für viele ist diese Symphonie das wirklich letzte Werk Mahlers. Diese Aufnahme unter Karajan ist halt typisch Karajan. Eine absolut auf Klang fokussierte Einspielung, die auch wirklich bestens klingt und sehr filigran gearbeitet wurde, es fehlt aber leider fast jeder Tiefgang.
Seine zehnte Symphonie konnte Mahler nur noch in den Particellen (Skizzen) fertig stellen und immerhin den gesamten ersten Satz orchestrieren. Viele Dirigenten weigerten sich, mehr als diesen ersten Satz einzuspielen, obwohl es mittlerweile auf den Skizzen basierenden vollendete Fassungen dieses beachtlichen Werkes gibt. Besondere Erwähnung verdient hier natürlich der absolut beeindruckende 9-Ton-Akkord im ersten Satz, ein sonst vor Spätromantik triefendes Adagio sowie der gewaltige Einsatz einer etwas entfernt aufgestellten Militärtrommel. Mahler gab selbst eine eigens für dieses Stück entwickelte Trommel in Auftrag, die er nicht einem in seinem Leben hören sollte. Die Einspielung unter Riccardo Chailly basiert auf einer älteren vollendeten Fassung, in der einige Stimmen und Entwürfe noh nicht berücksichtigt wurden, da sie damals noch nicht bekannt waren. Besonders auffällig ist das recht spärliche Schlagzeug. In einer akutellen vollendeten Version kommt ja sogar das Marimbaphon zum Einsatz.

Mahler, der viel las, konzentrierte sich immer wieder auf Textvertonungen und Lieder allgemein, weshalb es insgesamt vier Liederzyklen dieses Komponisten gibt. Am umfangreichsten ist der erste, basierend auf der Gedichtsammlung "Des Knaben Wunderhorn". Dieser bildete mit dem ebenfalls früheren Zyklus "Lieder eines fahrenden Gesellen" oftmals die grundlage für ganze Sätze der ersten vier Symphonien, die man deswegen auch als "Wunderhorn-Symphonien" bezeichnet. Die sehr düsteren "Kindertotenlieder" basieren, ebenfalls wie die "Rückert-Lieder" auf Texten von Freidrich Rückert und prägten die mittlere Schaffensphase. Auch hier hat die DGG mit einem glücklichen Händchen die entsprechenden Aufnahmen zusammengestellt. "Des Knaben Wunderhorn" hören wir hier unter Claudio Abbado mit Thomas Quatshoff und Ann-Sophie Otter. Die restlichen drei Zyklen wurden aus den Aufnahme aus den 80er Jahren mit Thomas Hampson unter Leonard Bernstein gestellt.

Eine besondere Rolle spielt auch das Werk für Orchester und zwei Gesangssolisten "Das Lied" von der Erde, welches auf chinesischen Gedichten basiert und eigentlich die Bedingung für eine Symphonie vollkommen erfüllt und nach der achten Symphonie entstand, doch der abergläubische Mahler betitelte dieses Werk allerdings nicht als Symphonie, da er sich darauf berief, dass es kaum ein Komponist über die neunte Symphonie geschafft hätte...
Neben der achtem Symphonie wäre ach dieses die einzige Symphonie, in der in jedem Satz gesungen wird. Die ersten fünf Sätze sind recht hübsch anzuhören, obwohl Mahler hier teilweise recht plakative Mittel anwendet, um auf die asiatische Herkunft der (übersetzten Texte) hinzuweisen wie den konsequenten Gebrauch von Pentatonik in "Von der Jugend". Doch über solche Sachen tröstet der letzte Satz "Abschied" vollkommen hinweg. Die düstere melancholische Szene, in der ein Freund auf den anderen wartet und während der langen Zeit die Landschaft am Abend schildert bis der Freund endliche kommt und sie sich für wahrscheinlich immer verabschieden, nimmt fast die Hälfte des gut einstündigen Werkes ein und überzeugt vom Orchester sowie vom Text auf ganzer Linie. Die Einspielung unter Giulini wird dem Stück vollkommen gerecht und kann nur als ebenfalls gute Entscheidung der DGG bezeichnet werden.

Ebenfalls interessant ist "Das klagende Lied", ein dreiteiliges Werk für fünf Gesangssolisten (mit Knabensopran), Chor und großes Orchester, welches auf einem Grimm'schen Märchen von zwei Brüdern beruht, die eine rote Blume suchen, um eine wählerische Königin zu freien. Der böse Bruder tötet zu diesem Zweck sogar den gutgesinnten Bruder, aber natürlich holt ihn die Rache des Toten in Form eines unheimlichen Spielmanns ein, der sich aus einem Knochen des Getöteten eine Flöte schnitzte.
Mahler schrieb dieses Werk im Alter von 18 Jahren und recihte es auch zu zwei Kompositionswettbewerben ein, wurde aber jedes Mal im Vorfeld zurückgewiesen. Hierauf "entschlackte" er das Stück in Hinblick auf Länge (der komplette erste Satz wurde gestrichen) und Anzahl der Interpreten (kein Fernorchester, weniger Harfen, nur noch eine Tuba und kein Knabensopran). Hier liegt das Werk jedoch glücklicherweise in der dreisätzigen Urfassung vor unter der Leitung Riccardo Chaillys, der die märchenhafte Athmosphäre des Stücks perfekt umzusetzen weis und mit den sanften Hörnern und Streichern des ersten Satzes eine absolute "Waldstimmung" zu erzeugen vermag. Auch interessant, dass dieses Werk eher wie "aus einem Guss" wirkt, während die Symphonien mit den wechselnden Elementen aus der E- und U-Musik doch etwas zerrissener wirken. Trotzdem schimmert des Öfteren Mahlers unverkennbarer Personalstil durch.

Die letzte CD enthält noch einige Gesänge aus der Jugendzeit, sowie die vollendete Version Mahlers des "Entr'acte" zu der unvollendeten Oper "Die drei Pintos" von Carl Maria von Weber sowie den Satz für Klavierquartett aus Mahlers Studienzeit, der erst in den 70ern entdeckt und jüngst durch den Film "Shutter Island" einem breiten Publikum bekannt wurde. Fast alle Stuednwere wurden von Mahler vernichtet und es ist nicht genau bekannt, wieso gerade dieses Stück (Gott sei Dank) überlebte. Man merkt, wie sich Mahler an der melancholisch angehauchten Tradition Brahms' und Schuberts orientiert. Ein hübsches Stück, angereichert mit Mahlers recht zackiger Rhythmik.

Insgesamt ist diese Box eine absolut lohnenswerte Anschaffung, besonders zu dem aktuellen Preis mit wirklich so wenigen Abstrichen, dass sie kaum der Rede wert sind. Das einzig wirkliche Manko allerdings ist das Booklet, das nicht einen einzigen Text aus den Symphonien oder den Liedern enthält, sodass man sich diese mittels Partituren, Klavierauszügen, Büchern oder des Internets zugänglich machen muss, was besonders beim "Klagenden Lied" und den "Gesängen aus der Jugendzeit" schwierig ist. Ansonten ein tolles Produkt und ohnehin Pflicht für alle Interessierten der Modernen Orchestermusik - und natürlich besonders der Filmmusik, denn neben Strawinsky dürfte Mahler für viele Komponisten der Filmmusik eine wichtige Inspirationsquelle sein! bearbeitet von Mephisto

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Wow, was ein toller Text, Mehpisto :)

Ich selber habe diese Box auch und bin sehr zufrieden mit ihr. Bei Mahler gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken und gerade das macht ihn so interessant!

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Carmina Burana - Carl Orff

Dieses Werk gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Werken der ernsten Musik des 20. Jahrhunderts und die beiden identischen Rahmensätze "O Fortuna" gehören wahrscheinlich zu den bekanntesten Stücken überhaupt. In diesem Werk für großes Orchester mit mächtig erweitertem Schlagwerk, Solisten, gemischten und Knabenchor stellte Orff Texte aus der Handschrift "Carmina Burana" aus dem 11. und 12. Jahrhundert entnommen, wobei der Komponist zum einem mit dem Text sehr frei umging, aber auch nicht die originalen musikalischen Vorgaben beachtete, sondern neue Rhythmen und Melodien frei erfand, die dem Stück oft seinen in den Bann ziehenden Charakter verleihen.
Der Charakter der Musik ingsesamt ist äußerst archaisch, Orff komponierte schon fast "bewusst primitiv", sodass man gar nicht beginnen sollte, nach thematischen Entwicklungen oder interessant gesetzten Kontrapunkten (Gegenstimmen) zu suchen. Stattdessen ist es genau dieser durch die beeindruckende Schlagzeugabteilung urwüchsige Anstrich, der dieses Werk so beliebt macht. Doch sollte man sich nicht von dem Eröffnungsfeuerwerk des "O Fortuna" zu sehr täuschen lassen, denn Orff arbeitet oft auch sehr sakral angehaucht, schon fast meditativ und zurückhaltend. Solopassagen wurde besonders in der zweiten Hälfte des Werks sehr viel Platz eingeräumt, sodass sich der nur auf Wucht wartende Zuhörer bis zu den letzten beiden Sätzen gedulden muss. Einzig in den orchestralen Passagen "Tanz" und in "Reie" arbeitet Orff mit recht interessanten rhythmischen Verschiebungen.
Wer nach komplex gesetzten Stimmen und filigranem Umgang mit Orchester sucht, sollte lieber zu Mahlers achter Symphonie greifen, aber Liebhaber der "Conan"-Musik oder der "Immediate Music"-Spalte sollten wirklich ein Ohr riskieren. Diese Aufnahme unter Andre Previn lässt keine Wünsche offen. Das Stück kommt genau so archaisch und grob daher, wie es klingen muss. Zu den technischen Einzelheiten dieser CD kann ich nicht viel sagen, habe sie bisher immer auf der Stereo-Anlage gehört und war sehr zufrieden. Es gibt dieselbe Aufnahme auch noch in der Originalausgabe der DGG und nicht von "Esprit":

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Die Planeten - Gustav Holst

Dieses Werk ist nicht nur das bekannteste Holsts, sondern wahrscheinlich auch eines der bekanntesten und beliebtesten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts. Holst bedauerte allerdings, dass die Planeten, die er nicht für seine beste Komposition hielt, alle anderen seiner Werke in den Schatten stellten. Holst begann seine Arbeit an den Planeten 1914 und musste seine Arbeit für ein Auftragswerk unterbrechen, sodass die Planeten erst ohne den "Mercur" nur für zwei Klaviere vorlagen, bevor Holst das Werk 1916 vollendeten und für großes Symphonieorchester instrumentierte. Besonders die orchestrale Wucht sowie die unglaublich vielfältigen Klangfarben, die Holst seinem gewaltigen Apperat entlocken kann, machten das Stück für das damalige Publikum so eindrucksvoll und lassen die Planeten noch immer so frisch klingen. Der Einsatz eines sechstimmigen Frauenchors außerhalb des Saales oder zwölf Pauken (von 2 Spieler zu je sechs Pauken gespielt), die es ermöglichten, ganze Themen komplett zu begleiten gehören zu den besonderen Einfällen Holsts, die seine Komposition vor Allem was Klangfarben betrifft, von vielen Werken britischer Kollegen der damaligen Zeit, hervorhebt.
Von der Struktur orientierte sich Holst an der astrologischen Vorlage und die Reihenfolge der Sätze stimmt (bis auf den vertauschten Mars und Merkur) der Reihenfolge der Planeten im Sonnensystem. Pluto wurde erst vier Jahre vor dem Tod Holsts entdeckt. Holst wollte jedem Satz die Stimmung vermitteln, die man auch mit der jeweiligen römischen Gottheit in Verbindung bringt und setzt je nachdem das Orchester mit einer äußerst rauhen Brutalität ein wie beim rhythmisch geprägten, von Blech und Schlagwerk dominierten Mars, mit schwungvoller Kraft und Energie wie beim Uranus, schlwegerisch-elegischen sowie beschwingten Themen wie beim Jupiter, geheimnisvollen sphärischen Klängen wie beim Saturn, verspielten und quirligen Holzbläsern wie beim Mercur oder erhabener Schönheit wie bei der Venus. Hierbei werden Einflüsse von Schönberg, Vaughan Williams, Paul Dukas und Richard Strauss deutlich sowie die Einflüsse von Strawinskys "Feuervogel" in der reichen Instrumentierung.
"Die Planeten" sind kitschig - ja, sie sind auch plakativ, aber trotzdem voller mitreißender Themen, wundervoller Energie und Kraft sowie herrlich farbenfroher Orchestrierung. Besonders die Filmmusik griff immer wieder auf diese knapp einstündige Suite zurück und ließ sich oft von ihr inspirieren. Wer also gerne John Williams hört, wer auf ausladende Themen und großen Klang Wert legt, der ist hier genau richtig!
Diese Einspielung unter Zubin Metha ist zwar nicht perfekt, aber sehr empfehlenswert wenn man sich in ertsre Linie an den schmissigen und lauten Sätzen erfreuen möchte, denn der Blech- und Schlagwerkapperat leistet wirklich außerordentliche Dienste. Die Holzbläser und Streicher kann man ebenfalls getrost im guten Bereich ansiedeln, bleiben mit ihrer Leistung aber etwas hinter dem Blech zurück, was die stillen Sätze etwas blass und leblos klingen lässt. Wer aber einen wirklich brutalen Mars und einen wirklich fröhlichen Jupiter hören möchte, sollte diese CD nicht vorüberziehen lassen.

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