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Alfred Newman - THE ROBE


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THE ROBE (Das Gewand), 1953 - Alfred Newman (Orchester) & Ken Darby (Chor)

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Veröffentlichung: The Robe: 50th Anniversary Deluxe Edition
Datum: 2.12. 2003
Label: Varese Sarabande CD Club VCL 1103 1025 (Limited Edition, 1500 copies)


Trackliste:

CD 1:
1. Prelude/Main Title (01:27)
2. Rome (03:14)
3. The Slave Market (Diana) (02:35)
4. Caligula's Arrival (01:04)
5. Caligula's Departure (01:07)
6. The Map of Jerusalem (05:02)
7. Passover (01:24)
8. Palm Sunday (02:13)
9. The Feast (03:15)
10. Searching For Jesus (03:31) (damaged)
11. Execution Orders (01:57)
12. The Carriage of the Cross (01:55)
13. The Crucifixion (07:45)
14. The Nightmare (01:37)
15. Capri (03:56)
16. Tiberius' Palace (02:31)
17. The Market Place (06:13)
18. The Resurrection (03:01) vocal: Carole Richards

CD 2:
1. Elegy (04:32)
2. Marcellus' Redemption (02:24)
3. Justus' Death (01:45)
4. Aftermath (02:00)
5. Hymn For The Dead (01:09)
6. In His Service (01:45)
7. The Catacombs (05:31)
8. Hope (01:29)
9. Demetrius' Rescue (03:15)
10. The Healing of Demetrius (05:17)
11. Marcellus' Farewell (01:25)
12. The Chase (02:28)
13. Interior Dungeon (02:54)
14. Caligula (01:22)
15. Finale/Hallelujah (01:58)
16. Palm Sunday Part One (01:26) (chorus only)
17. Palm Sunday Part Two (01:11) (orchestra only)
18. The Crucifixion (07:33) (orchestra only)


REVIEW
(Autor: Mephisto)


Die Geschichte um den römischen Tribun Marcellus, der beim Würfeln das Gewand Jesu am Tage der Kreuzigung gewinnt, erst von Alpträumen und Anfällen des Wahnsinns heimgesucht wird und sich schließlich zum Christentum bekehrt, zog sogar noch eine Fortsetzung um den griechischen Sklaven Demitrios, der Marcellus einst diente, nach sich. Auch wenn dieser Film auf der Erfolgswelle der Bibelepen der goldenen Kinoära reitet, so unterscheidet er sich doch in einigen Punkten. Während man in "Ben Hur" oder "König der Könige" versuchte, die oft überlangen Filme mit diversen Kampfszenen und Actionmomenten zu würzen, so ist "Das Gewand" zum einen sehr dialoglastig, zum anderen dauert der Film gerade mal gute zwei Stunden. Er ist insgesamt relativ nüchtern gedreht, obwohl die Grundlage sehr viel Möglichkeiten für Kitsch und Schmalz feilbietet. Durch seine verhältnismäßig kurze Laufzeit wirkt der Film straff konzipiert, Burton spielt den halb wahnsinnigen und später demütigen Tribun sehr glaubwürdig, auch die Nebenrollen wurden passend besetzt sodass der Film insgesamt heute noch sehr sehenswert ist. Aufrufe zur Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe sind ohnehin zeitlos.

Alfred Newmans Musik setzt sich ebenfalls von vielen Sandalen- und Bibelfilmen ab. Mir persönlich schwebte beim Klang des römischen Imperiums Hollywoods stets der etwas raue und gewaltige Rózsa-Klang vor. Keine anderen Musiken prägte diesen Römer-Klang so sehr wie "Quo Vadis" und "Ben Hur". Umso überraschter war ich, als die ersten Minuten Newmans Musik verklungen waren. "Big Al" zeigt nämlich eine ganz andere Herangehensweise an diesen Stoff auf. Bei den Auftritten des römischen Imperators verlässt er sich ganz und gar auf die Trompeten, sodass Newmans Fanfaren deutlich glanzvoller, aber auch dichter und höher klingen als die breit oktavierten und mit Quinten gespickten Rosza-Fanfaren, die hauptsächlich von Trompeten, Hörnern und Posaunen bestritten werden. Der wahlweise weiche oder schmetternde Klang der Hörner sowie der scharfe Ton der Posaunen verleihen den Fanfaren daher einen relativ rauhen Ton. Nicht so bei Newman. Allerdings weist das Liebesthema für Diane und Marcellus den gleichen "hebräischen Touch" in der Melodieführung auf wie Roszas Liebesthema aus "Ben Hur".

Des Weiteren verzichtet Newman auf ausufernde Klänge, sondern konzentriert das Orchester meist auf mittlere Lagen, sodass der Klang an Dichte gewinnt. Der Effekt des engen und dicken Klangbildes wird durch den Chor sehr verstärkt, der nahezu die ganze Partitur durchzieht. Besonders wenn man das Orchester alleine die Musik zur Kreuzigung spielen hört, merkt man, wie wichtig der Chor für diese Klangfülle ist. Sämtliche Chorarrangements und Kompositionen gehen übrigens auf Ken Darby zurück, und besonders wenn man die Gelegenheit nutzt, den Chor einmal losgelöst vom Orchester zu hören, merkt man, wie filigran Darby hier in der Stimmführung vorging. Im Gegensatz zu vielen anderen Sandalenfilmen, in denen der Chor oft nur gegen Ende des Films verwendet wurde, kommt er hier fast in jedem zweiten Titel zum Einsatz, bleibt aber bis auf die "Palmensonntag"-Source-Musik vokalisierend. Erst zum Schluss singt der Chor klar und verständlich ein barock anmutendes "Hallelujah".

Die von Edward Powell in die Partitur übertragende Komposition Newmans, die sich ausschließlich auf die Orchesterstimmen beschränkte, weist ein interessantes Gleichgewicht von Streichern und Holzbläsern auf. Während in vielen Monumentalfilmmusiken die schwelgenden Streicher in fast keiner Szene fehlen dürfen, werden oft minutenlang Teile der Komposition mit Holzbläsern und Harfe oder Holzbläsern und Schlagwerk bestritten. Bei der Perkussion kommt oft der antik anmutende Schellenkranz zum Einsatz, bei Märschen und Auftritten Caligulas greifen Newman und Powell oft auf starkes Schlagwerk mit großen und kleinen Trommeln sowie Pauken zurück. Das Blech wird sehr dezent und daher umso wirkungsvoller eingesetzt. In den dramatischen Momenten übernehmen die Hörner ausgefeilte Kontrapunkte zu leidenschaftlichen Streichern oder der gesamte Blechsatz ertönt mal als massiver, mal als würdevoller Choral.

Die Source-Musiken sind abwechslungsreich und der jeweiligen Szene sehr interessant gestaltet. Da gibt es einmal die typisch römische Festmusik, ein reines Chorstück als Klagelied für den toten Justus oder das wundervoll lyrische Lied über die Auferstehung Christi, gesungen von Carole Richards und das in der Umsetzung und der Melodie wahrhaftig nach einem alten Lied klingt.

50er-Jahre-Monumentalfilmmusik besteht nicht immer aus schmetternden Fanfaren, dramatischen Streicherteppichen und dem einen oder anderen Solo für Flöte und Oboe. Newman schafft zwar eine in der Stimmführung sehr reichhaltige, aber stets gezügelte Komposition, deren Stärken besonders im Feingefühl und der jeweiligen Atmosphäre liegen. Die Doppel-CD des Varèse-CD-Clubs hat leider das gleiche Schicksal ereilt wie die "Predator"-Veröffentlichung: Sie ist nicht nur noch für sehr viel Geld aufzutreiben, sondern nahezu gar nicht mehr zu bekommen. Ich finde die Vermarktung hier etwas unangemessen, da ich dieses Werk für sehr wichtig und hörenswert erachte. Wenn "Cleopatra" und "The greatest Story ever told" mit liebevoll aufbereiteten Veröffentlichungen von Varèse betreut wurden, die regulär zu erhalten sind, warum ist dasselbe nicht auch mit "The Robe" geschehen? Zumal die LP-Aufnahme, die Newman später anfertigte, auch langsam aber sicher vom Markt verschwindet und nicht die klangtechnische Brillianz der Varèse-Club-CD erreichen kann. Das 2-CD-Set an sich ist eine wirklich lobenswerte Veröffentlichung mit sehr ausführlichem Begleittext und der (nahezu) kompletten Musik. Ein Stück ist leider nur noch beschädigt erhalten aber lobenswerter Weise in das Programm aufgenommen worden, sodass sich jeder selber ein Bild von diesem durchaus interessanten Stück machen kann. Und mal ehrlich: Bei Tsunami hätte man die Qualität der beschädigten drei Minuten als gewohnte Klangqualität hingenommen.

Ich kann nur für alle hoffen, die noch nicht in den Genuss der CD gekommen sind, dass sich das Duo Morgan/Stromberg der Sache einmal annimmt, denn diese Musik muss erhalten bleiben und sollte nicht als rares Sammlerobjekt und Ausstellungsstück herhalten.

bearbeitet von Mephisto
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er ist und bleibt unerreicht

ein grosser meister man spricht auch vom

newmansound

bin auch fan

auch die originalsachen von newman

in mono sind echte goldperlen

alles gute kay

bearbeitet von Thomas Nofz
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