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Dieser Beitragsblock soll dem Komponisten Isaak Schwartz gewidmet sein:

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Schwartz wurde 1923 in Romny in der ukrainischen SSR geboren. Seine Familie zog 1930 nach Leningrad, wo er das Klavierspielen lernte. Sein erstes Konzert gab er 1935 mit der Leningrader Philharmonie.

Schwartz' Vater war Professor für Archäologie an der Leningrader staatlichen Universität: er wurde 1936 verhaftet und zwei Jahre später im Rahmen der Großen Säuberung hingerichtet. Schwartz' Familie wurde 1937 nach Kirgisistan verbannt, und Schwartz gab privaten Musikunterricht in Frunze (heute Bischkek) und begleitete gelegentlich die Stummfilme im Kino mit Live-Musik.

Während des Zweiten Weltkriegs leitete Schwartz eine der Sektionen des Rotarmistenchors. In dieser Zeit lernte er Mariya Dmitriyevna kennen, die Schwester des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch, die ihn mit ihrem Bruder bekannt machte. Schostakowitsch verhalf Schwartz zum Eintritt in das Rimskij-Korsakow-Konservatorium in Leningrad, von wo aus er 1951 sein Kompositionsstudium mit dem Diplom abschloss. 1955 trat er dem Verband der sowjetischen Komponisten bei. Erst Jahre später erfuhr er, dass Schostakowitsch seine Ausbildung bezahlt hatte. Als Schostakowitsch aus dem Konservatorium entlassen wurde, wurde Schwartz gebeten, Schostakowitsch zu denunzieren, was er jedoch ablehnte.

Schwartz' erster großer Auftrag war die Musik für den Film Unser Korrespondent im Jahr 1959. Danach komponierte er die Musik für mehr als 100 sowjetische Filme, darunter White Sun of the Desert (Белое солнце пустыни, 1969) und The Captivating Star of Happiness (Звезда пленительного счастья, 1975). Sein vielleicht bekanntestes Werk außerhalb der Sowjetunion war für Akira Kurosawas Film Dersu Uzala von 1975. Für seine Musik zu den Filmen Weißer König, Rote Königin (Белый король, красная королева) und Luna Park (Луна-парк) erhielt er 1992 den renommierten Nika-Preis der Russischen Akademie der Filmkünste und -wissenschaften.

Schwartz komponierte auch Musik für Ballette und Theateraufführungen und in geringerem Maße auch für das Fernsehen. Seine einzige Sinfonie, Yellow Stars - Purimspiel im Ghetto, wurde im Jahr 2000 in Sankt Petersburg uraufgeführt: sie wurde von der Geschichte des Ghettos von Kovno in Litauen inspiriert.

Schwartz starb am 27. Dezember 2009 im Alter von 86 Jahren in Siversky in der Nähe von Sankt Petersburg, Russische Föderation.


Quelle:  https://en.wikipedia.org/wiki/Isaac_Schwartz

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Meine erste Begegnung mit der Musik von Isaak Schwartz war - wie es der wikipedia-Artikel andeutet ("sein vielleicht bekanntestes Werk") folgerichtig DERSU UZALA (1975) von Regisseur Akira Kurosawa. Issak Schwartz gelingt es aus meiner Sicht perfekt, die beiden Pole des Films: die Freundschaft zwischen den beiden Männern, als auch die rauhe sibrische Kälte in die Musik zu überführen. Hier "My gray-winged eagle …"  sowie eine Suite aus youtube:

Die Musik wurde auf CD in Japan veröffentlicht im Rahmen der zahlreichen Kurosawa Filmmusik-Box-Sets, darüber hinaus auch in Russland - beispielsweise bei Bomba Music gemeinsam mit zwei weiteren seiner Filmmusiken und einer Ballet-Musik im Rahmen eines 2-CD-Sets. Des Weiteren gibt es eine Neueinspielung, dazu aber später mehr.

http://www.godzillamonstermusic.com/ak4.htm

http://www.godzillamonstermusic.com/kurosawa-3.htm

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Vorteil der russischen Veröffentlichung ggü. der japanischen Einzel-CD ist ein besserer Hörfluss (kein Dialog etc.) - aber auch die beiden anderen Scores, die enthalten sind:  The Captivating Star of Happiness (1975)  sowie  Melodies of a White Night (1976).  Letztere ist die für mich die (mir bekannte) klangschönste und eindrucksvollste Filmmusik von Isaak Schwartz überhaupt.

Auch hierzu zwei youtube-Videos.

 

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Eine Neuentdeckung in 2019 für mich war YELLOW STARS - von dem es zwei Einspielungen gibt:

1. Bei CAPRICCIO erschienen:  eingespielt mit dem russischen National Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Vladimir Spivakov. Die CD gibt es für weniger als 10,00 Euro bei Amazon und ist aus meiner Sicht eine absolute Empfehlung. Querverweise sind natürlich immer ungenau, aber Freunde von Jerry Goldsmiths MASADA können eigentlich nicht viel falsch machen. Allein der Track "Morning Prayer" hat mich "umgehauen"...

2. Bei KOCH erschien einige Jahre zuvor die Musik zu YELLOW STARS gekoppelt mit DERSU UZALA. Eingespielt mit dem KBS Symphony Orchestra unter der Leitung von Vakhtang Jordana.

Daneben gibt es auch DVDs, die ich aber nicht kenne.

Einen Eindruck zur Musik kann man sich über youtube verschaffen:
 


Neben YELLOW STARS gab es noch eine weitere Entdeckung zu Isaak Schwartz, die ich dieses Jahr machen konnte. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr...

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Isaak Schwartz hat zahlreiche Songs geschrieben - auch für Filme  - die auf einigen ihm gewidmeten Sampler-CDs enthalten sind. Diese Sampler sind vielleicht eher für eine andere Zielgruppe ausgerichtet als uns und eher für Fans russischer Lieder zu empfehlen.

Ein Sampler möchte ich aber ausdrücklich wegen eines Tracks empfehlen (siehe Abbildung, mein Cover sieht leicht anders aus): nämlich der 6 minütigen Romance aus "Uncle Vanya" (wohl keine Filmmusik - auf der russischen wikipedia-Seite wird von "Play" / Maly Theater gesprochen, so dass ich den Track eher als Theatermusik interpretieren möchte:

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Из кинематографистов больше всего Шварц работал с режиссёром Сергеем Соловьёвым. Композитор написал музыку к его фильмам «От нечего делать», «Предложение», «Егор Булычов», «Станционный смотритель», «Сто дней после детства», «Мелодии белой ночи», «Спасатель», «Наследница по прямой», «Избранные», к спектаклю «Дядя Ваня» в Малом театре[24].

Of the filmmakers, Schwarz worked most with director Sergei Solovyov. The composer wrote the music for his films “There's nothing to do”, “Proposal”, “Yegor Bulychov”, “Station caretaker”, “One hundred days after childhood”, “Melodies of the white night”, “Rescuer”, “Heiress in a straight line”, “ The Chosen ”, to the play“ Uncle Vanya ”at the Maly Theater

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Der Track beginnt mit dem Gesang von Svetlana Beloklokova und geht dann in ein hochromatisches, instrumentales Thema über. Wem "Melodies of a White Night" gefällt, der ist hier absolut richtig. Auf youtube habe ich das Stück leider nicht gefunden.

Wenn Interesse besteht, würde ich als nächstes auf ein ganz besonderes CD-Set zu sprechen kommen...

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Zu sprechen kommen möchte ich noch auf den Namen des Komponisten. Wie beispielsweise bei einigen japanischen Komponisten gibt es NICHT die einheitliche Schreibweise:


Исаак Шварц  (russische Schreibweise)

Isaak Shvarts  (Vorname mit "k", andere Schreibweise zu Schwartz)

Isaak Schwartz

Isaac Schwartz (Vorname mit "c" - wohl die üblichste Schreibweise, auch wenn ich mich nicht immer daran gehalten habe)

Isaac Schwarts  (mit "s" am Ende)

...

Dies macht eine Recherche nicht immer ganz einfach und sollte der Vollständigkeit-halber angesprochen werden.
 

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Abschließen möchte ich die Vorstellungsrunde zu Isaac Schwartz mit meiner zweiten großen Entdeckung (neben YELLOW STARS) aus 2019:  einem 6-CD-Set, welches seiner orchestralen Filmmusik gewidmet ist, bereits vor einigen Jahren erschien und anscheinend außerhalb Russlands weitestgehend unbemerkt geblieben ist. Zumindest ich wusste bis vor wenigen Monaten noch nichts davon.

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- CD6 enthält die von anderen Veröffentlichungen bereits bekannten Captivating Star of Happiness, Dersu Uzala sowie  Melodies of a White Night  -  hingegen CD1 bis CD5 waren auch für mich vollkommen neu

- Alle Texte, Filmangaben, Tracklisting sind in russischer Sprache (das Tracklisting ließ sich aber Dank Online-Übersetzung, imdb etc. ganz gut identifizieren)

- Alle 6 CDs befinden sich in 6 Digipak-Hüllen mit weiteren Informationen (auf russisch) zum jeweiligen Inhalt. Die 6 Digipak's wiederum befinden sich in einer einfachen Papp-Box

- Neben den Texten auf den Digipak's gibt es auch ein 24-seitiges Booklet. Das Booklet enthält unter anderem zahlreiche Fotos aus den verschiedenen Lebensabschnitten von Isaac Schwartz und eine Filmographie auf russisch

- Das Set beinhaltet 30 Filmmusiken von Isaac Schwartz zu Filmen aus den Jahren von 1962 bis 2004

- in manchen Fällen gibt es nur einen Track von wenigen Minuten Laufzeit - in anderen Fällen ausführliche Musikpräsentationen von >24 Minuten

- Auffällig ist, dass Isaac Schwartz sehr gerne auf Walzer zurück gegriffen hat - diese tauchen bei den verschiedensten Scores immer wieder auf

- Zu entdecken gibt es einiges. Zwei meiner persönlichen Favoriten sind das ca. 6-minütige Pastoral aus Vesyolenkaya poyezdka (1994) sowie das 5-minütige Elegy aus The Stationmaster (1972)

- Sicherlich ist nicht alles gleich gut. Am Wenigsten haben mich die Tracks Restaurant und Meeting aus Life and Death of Ferdinand Lues (1976) beeindruckt - war mir zu sehr "plätschernd"

- Beispielhaft für eines der Kuriositäten des Sets - sprich außerhalb Russlands wohl kaum bekannt - (und mit über 25 Minuten gut repräsentiert):  Golden Sword (1990) - Zolotaya shpaga (1990). Hier der imdb-Eintrag und der Film auf youtube, so dass Ihr Euch von der Musik im Zusammenhang mit dem Film einen Eindruck verschaffen könnt:

https://www.imdb.com/title/tt0818924/?ref_=nm_flmg_com_17

Fazit: das 6-CD-Set ist definitiv empfehlenswert und eine Entdeckung nicht nur bezogen auf Isaac Schwartz sondern auch als Dokument für die Filmmusiken der Sowjet-Filme dieser Zeit. Damit möchte ich die Vorstellungsrunde zu Isaac Schwartz erst einmal abschließen, auch wenn es noch ein paar weitere Tonträger gibt. Bin nun gespannt, ob von Euch Eindrücke zu Isaac Schwartz kommen.

 

 

 

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Da es ein paar ergänzende Anmerkungen zu meinen früheren Posts gibt, wollte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, die letzte noch nicht angesprochene CD mit einer Score-Veröffentlichung von Issac Schwartz zu thematisieren - dazu aber gleich dann mehr.

 

Zitat

Zu sprechen kommen möchte ich noch auf den Namen des Komponisten. Wie beispielsweise bei einigen japanischen Komponisten gibt es NICHT die einheitliche Schreibweise: [...]

Ganz zu Beginn habe ich die englische wikipedia-Seite angesprochen, schlicht weil ich die deutsche wikipedia-Seite nicht gefunden hatte. Stefan hat mich aber dankenswerterweise in anderem Zusammenhang darauf hingewiesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Iossifowitsch_Schwarz

Hier hätten wir also eine weitere Schreibweise des Namens - diesmal Isaak (mit "k")  und Schwarz wie die Farbe...

Im deutschen wikipedia-Text gibt es die folgende Info:  1951 schloss er das Konservatorium mit dem Diplom ab. Im Jahr 1954 schrieb er die Symphonie in f-moll, welche dem jungen Komponisten den ersten Erfolg brachte.

Dies steht im Widerspruch zur englischen Wikipedia-Seite:  His one symphony, Gelbe Sterne – Purimspiel im Ghetto, was first performed in Saint Petersburg in 2000 (= Seine einzige Sinfonie, Yellow Stars - Purimspiel im Ghetto, wurde im Jahr 2000 in Sankt Petersburg uraufgeführt)

Richtig kann nur eines sein - und dies ist in diesem Falle die deutsche wikipedia-Seite.  Neben YELLOW STARS gibt es mindestens noch die SYMPHONY IN F-MOLL. Dies lässt sich daran sehen, dass auch die SYMPHONY IN F-MOLL auf CD erschienen ist - und zwar gekoppelt mit der Filmmusik zu BROTHERS KARAMAZOV:

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Dies ist meines Wissens nach die vierte Filmmusik CD-Veröffentlichung zu dem Thema neben den Vertonungen von Bronislaw Kaper (1958), Piero Piccioni (1969) und Enri Lolashvili (2009).  Der Film, den Isaac Schwartz musikalisch betreut hat stammt aus dem Jahr 1968/1969.

Der Klang der CD ist leider ein wenig scheppernd und schlechter als bei den anderen angesprochenen Veröffentlichungen - Trackzeiten auf dem DigiPak passen nicht immer zu den Laufzeiten auf der CD, aber die Musik selbst ist durchaus hörenswert.  Deshalb auch hierzu ein youtube-Link:

Dies soweit noch als abschließender Nachtrag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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