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Der Schatz im Silbersee - Martin Böttcher

"Papa, warum verfilmst du nicht mal einen Karl may?" frug der kleine Sohn des großen Produzenten Horst Wendlandt, der nie und nimmer an den Erfolg eines solchen Unternehmens glaubte. Als er allerdings sah, wie die grüngoldenen Bände in den Buchhandlungen weggingen wie warme Semmeln und sogar die Kellnerin seines Stammcafés auf die Frage, ob sie Winnetou und Old Shatterhand kenne, sofort mit "Natürlich." antwortete, stand für ihn fest: Ich produziere einen Karl-May-Film.

Die Verfilmung von Karl-May-Romanen reicht schon bis in die 30er Jahre zurück, allerdings nahm man sich bisher nur der Orient-Stoffe an, ein May-Western wurde noch nicht auf Zelluloid gebannt und so übernahm Wendlandt diese Aufgabe. Da die Rechte an den Büchern teuer waren, änderte man die Handlung so weit ab, dass sie nur in den wirklich zentralen Elementen mit der Romanhandlung kongruent sind: Statt Old Firehand gibt's Old Shatterhand, der Plan zum Silbersee wird unter mehreren Leuten aufgeteilt, viele Westmänner wie Tante Droll werden gekürzt, die Eisenbahnhandlung entfällt komplett etc.

"Der Schatz im Silbersee" gilt trotzdem als der beste May-Western überhaupt, da er mit seinen grandiosen Landschaftsaufnahmen (des damaligen Jugoslawiens) und einem Staraufgebot deutscher und (finanzierbarer) internationalen Schauspielern aufwartet, die den Charakteren mit Freude an der Sache Leben einhauchen. So gilt Herbert Lohms Darstellung des Cornel Brinkleys als der fieseste Bösewicht neben Mario Adorf als Santer. Einen sehr wichtigen Beitrag allerdings leistet besonders die Musik Martin Böttchers. Als der Komponist Wendlandt die ersten Takte der Old-Shatterhand-Melodie übers Telefon am Klavier vorspielte soll der einfach gesagt haben: "Das isses!" Und tatsächlich: Das ist der Karl-May-Klang! Dicke verträumte Streicherteppiche, kontrapunktierende Hörner, der pulsierende E-Bass und das leichte Rhythmus-Fundament. Interessanterweise konzipierte Böttcher seine berühmte Winnetou-Melodie erst zum dritten Film, im "Schatz im Silbersee" erklingt lediglich das "Winnetou-Motiv", das von der Altflöte vorgetragen wird. Der thematische Kontrapunkt zur Old-Shatterhand-Melodie ist natürlich die grandiose Musik für die Bösewichte: Die Tramp-Melodie. Hier rumpelt das Schlagwerk (insbesondere Marimba, Kongas, Bongos und Tomtoms) und die Bläser tragen die Melodie mit aller Bedrohlichkeit und Schwere vor, während die Violinen ein herrliches Echo spielen. Eine dritte thematische Grundidee ist das "Gold-Motiv" für den Schatz und den Silbersee mit der schillernden Triangel, dem Vibraphon und der Flöte.

Natürlich entspricht die Musik nicht dem kompositorischen Anspruch eines Alfred Newman oder Jerry Goldsmith, aber sie passt einfach wie die Faust auf's Auge und lädt zu einem beherzten nostalgischen Ritt in die Kindheit ein. Ihre definitive Veröffentlichung fanden die Karl-May-Musiken in einer 8-CD-Box von Bearfamily-Records. Da bleibt wirklich kein Auge trocken! Also, aufgesessen und ab ins Abenteuer!

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Winnetou I - Martin BöttcherNeben "Der Schatz im Silbersee" wahrscheinlich der gelungenste Karl-May-Film mit der herrlich märchenhaften Atmosphäre, aber auch wenn Winnetou die Titelfigur ist, so ist der Held des Films eindeutig Old Shatterhand: Er befreit den Häuptlingssohn, jagt den Banditensaloon in die Luft, rettet die Freundschaft der beiden Völker und hätte beinahe noch Winnetous Schwester bekommen. Ein weiterer Held dieses Films jedoch ist Martin Böttcher, der den Landschaften ihre Weite, Old Shatterhand sein Heldentum, Santers Bosheit und Ntscho-tschi ihre Stimmen gibt. Wie schon im vorigen Film entfaltet Böttcher aus seinen streicherlastigen Melodien die typische musikalische Luft, die diese Filme zum Atmen brauchen. Wieder steht die Old-Shatterhand-Melodie im Vordergrund, aber auch das "Winnetou-Motiv" kommt öfters vor. Für Santer komponierte Böttcher ein kurzes, sehr rauhes und markantes Motiv, das jedoch der Tramp-Melodie an Ohrwurmqualität nachsteht, besonders wegen der kurzen Laufzeit. Die Kampfszenen wurden mit rasant-melodischer Actionmusik vertont und die Freundschaft der beiden Helden lässt die Old-Shatterhand-Melodie in vollem Glanz erstrahlen. Mein persönlicher Höhepunkt ist jedoch die Musik zum letzten Kampf auf dem Nuggetstil: das pulsierende Schlagwerk, die schweren Bläser und die tragische Streichermelodie sind Böttchers wahrscheinlich gelungenste Kampfmusik überhaupt!

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Winnetou II - Martin Böttcher

 

Der zweite Teil der Winnetou-Trilogie unterscheidet sich deutlich von den ersten beiden, in ihrer Atmosphäre ähnlichen May-Western. So wirken die Figuren realistischer, die Filme haben ihre märchenhafte Aura aufgegeben und insgesamt wirkt dieser Film ein bisschen härter. Im Gegensatz zum ersten Teil ist hier Winnetou der absolute Held: Er kämpft gegen Bären, rettet die Häuptlingstocher und bekommt die Qualen einer unglücklichen Liebe zu spüren. Dahingegen fällt der Bösewicht derart ab, dass man Anthony Steel als Bud Forrester einen Unterführer zur Seite stellt, der von niemand anderem gespielt wird als dem jungen Klaus Kinski!

Die neuen Wandlungen zeigen sich auch deutlich in Böttchers Musik. Durch die heroische Präsenz der Titelfigur musste ein Thema her, was der Old-Shatterhand-Melodie ebenbürtig ist und so kommt es, dass erstmals die Winnetou-Melodie erklingt. Schon gleich zu Anfang wird sie im typischen Böttcher-May-Arrangement vorgestellt und unterläuft während des Films mehrere Wandlungen, unter anderem auch als Liebesthema. Die Old-Shatterhand-Melodie lugt nur hier und da mal kurz hervor.

Abgesehen von dieser markanten Melodie bleibt die Musik im Vergleich zu den beiden Vorgängern ziemlich farblos. Die Komposition ist sehr melodisch gearbeitet und gewohnt sanft orchestriert, aber viele Stücke bestehen aus einzelnen für sich stehenden Motiven, die später nicht mehr auftauchen. Des Weiteren besteht die Filmmusik aus "Winnetou II" aus vielen "Rittsequenzen" von nicht mal einer Minute Länge. Ein Thema für den Bösewicht sucht man vergeblich und die drei Kampfszenen wurden recht schwerfällig und wenig treibend unterlegt.

Alles in Allem eine nette Komposition, die aber Einiges vermissen lässt, über ihre kurze Laufzeit von 27 Minuten allerdings zu unterhalten vermag.

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Unter Geiern - Martin Böttcher

 

Mit Stewart Granger als Old Surehand tritt ein neuer Karl-May-Held auf die Leinwand. Wendlandt wollte mit dem Engagement des alternen Stars einen Hauch Hollywood in den Karl-May-Western bringen und Granger wird dem auch voll gerecht. Im Gegensatz zu Lex Barker, der den Old Shatterhand stets bsonnen, nachdenklich, edel und heldenhaft darstellt, mimt Granger ganz den lässigen Amerikaner. In seinem Old Surehand ist keine Spur von Karl May, im Gegenteil, Granger nimmt die Sache und den Stoff sowie seine Kollegen, nicht ernst. Eine Tatsache, die ihm die Karl-May-Freunde übel nehmen. Als Gegenspieler brilliert Sieghard Rupp als Gangsterboss Preston und auch Götz George hat wieder einen Auftritt. An seine breite Brust darf sich am Ende Elke Sommer werfen. Doch nicht nur vor der Kamera wurde eine wichtige Person ausgetauscht, sondern auch dahinter. So wurde die Regie dieses Mal Alfred Vohrer übertragen, der die in "Winnetou II" begonnene Entwicklung weiter verfolgt und aus "Unter Geiern" einen "richtigen" Western macht...vorbei sind nun definitiv die Zeiten des unschuldigen "Schatz im Silbersee".

Der Komponist blieb allerdings gleich. Martin Böttcher war auch dieses Mal für die Musik verantwortlich und machte sich gleich mit einer Komposition für den neuen Helden an die Arbeit: Die Old-Surehand-Melodie. Sie erklingt nicht im majestätischem Gewand wie etwa die Winnetou-Melodie, sondern erscheint viel lässiger und schlichter, was auch deutlich zu Grangers Old Surehand passt. Das zweite bedeutende Thema ist die Musik für die Banditenbande "Die Geier", welches stets mit treibendem Rhythmus unterlegt und von den rauen Posaunen gespielt wird. Ein wirklich deutlicher individueller Bestandteil der Musik ist außerdem die Orchestrionmusik aus dem Saloon der Geisterstadt, in der sich die Geier immer aufhalten. Auch sonst scheint die Musik wieder deutlich vom Konzept an die ersten beiden Filmmusiken nagelehnt zu sein. Wenn sich auch in den Filmen einiges geändert haben mag, so ist Böttcher doch seinem Klang glücklicherweise treu geblieben.

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Der Ölprinz - Martin BöttcherWendlandt schien die Empörung über Grangers Darstellung des Old Surehand nicht zu bemerken und schickte ihn im auch gleich ins nächste May-Abenteuer, dieses Mal ist der Gegner der schmierige "Ölprinz", der seine Geschäftspartner betrügt und die Indianer gegen ehrliche Siedler aufwiegelt, um in Besitz des Landes zu kommen. Harald Leibnitz mimt einen völlig neuen Typen von Karl-May-Schurken (vorher waren die Bösewichte meistens Anführer rauher Banditenbanden) perfekt. In Nebenrollen brillieren Antje Weißberger und abermals Mario Girotti, der spätere Terence Hill.

Für die Musik sorgte abermals Martin Böttcher, der für diesen Film zwei neue Melodien einführt: Die Ölprinz-Melodie und den Chinla-River-Song für die Siedler. Die Melodie für den Schurken passt sich dem neuen bösen Charakter sehr gut an, wirkt nicht so grobschlächtig wie die Tramp-Melodie, sondern kommt eleganter und leichtfüßiger daher. Böttcher verwendet sie während des Angriffs auf den Siedlertreck auch als blechschwere Actionmusik sowie für Suspense-Passagen und sogar im Saloon erklingt sie einmal vom Orchestrion gespielt. Der Chinla-River-Song ist eine Musik im typischen Böttcher-Gewand mit leichter Bongo-Perkussion, Gitarre, dicken Streichern und der Solomundharmonika. Für die beiden Helden tauchen natürlich auch die Winnetou- und die Old-Surehand-Melodie auf. Alles in Allem eine nette sehr melodisch geprägte Musik, die hin und wieder von ein paar farblosen Suspense-Passagen unterbrochen wird.

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Winnetou III - Martin Böttcher

 

Und so kommen sie nochmal alle zusammen: Lex Barker, Pierre Brice, Rik Battaglia, Ralf Wolter, Mihail Baloh um das Finale einzuläuten und das entstand unter der Regie von Reinl: der beste May-Film seit "Winnetou II". Hier stimmt zwar nicht alles, aber vieles: Old Shatterhand und Winnetou stehen erstmals gleichberechtigt im Rampenlicht, die Humoreinlagen sind wohldosiert, Battaglia ist der Böse wie eh und je und die Kampfszenen können sich echt sehen lassen. Winnetous Tod begleitet von Glockenklängen ist ungemein kitschig, die Rettung der beiden Helden durch Feuerwerk ist ein wenig albern, aber diese Sachen stören in Anebtracht des restlichen Films nicht.

Auch Martin Böttcher ließ sich von diesem letzten wirklich gutem Karl-May-Western zu einer netten Musik inspirieren, so komponierte er wieder ein gelungenes Banditen-Thema, welches besonders im B-Teil Referenzen zur Tramp-Melodie aufweist und welches im explosiven Finale in ungeahnter Aggressivität zum Einsatz kommt. Aber auch die treibenden Spannungs- und Actionmomente in der ersten Hälfte der Komposition sind schön ausgearbeitet und fußen ebenfalls größtenteils auf dieser Melodie. Natürlich hat das Banditen-Thema auch wieder einen kleinen Cameo-Auftritt als Saloon-Musik. Ansonsten kommt natürlich die Winnetou-Melodie und besonders die Old-Shatterhan-Melodie zum vollen Einsatz. Es ist interessant, dass Letztere auch den Tod des Apatschen sowie das Finale des Films begleiten. Auch das Liebesthema aus dem ersten Teil lugt einmal kurz hervor.

Insgesamt ist diese Musik wieder einmal eine stimmungsvolle Arbeit mit so unglaublich viel Nostalgie-Gehalt, dass eine möglichst objektive Wertung wie schon bei den voran gegangenen Werken absolut unmöglich ist.

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Old Surehand I - Martin Böttcher

Als Horst Wendlandt bekannt gab, "Winnetou III" zu verfilmen und den Titelhelden wie im Buch sterben zu lassen, waren die Reaktionen unbeschreiblich. Es hagelte Beschwerdebriefe, es kamen Fotos, wo ihm die Augen ausgekratzt waren etc. So gut der Film letztenendes auch aufgenommen wurde, das Publikum war empört. Somit sah sich Wendlandt gezwungen, den Helden auferstehen zu lassen, wie Karl May es ja selber getan hat, und einen weiteren Film mit Pierre Brice als Winnetou zu drehen...und mal ehrlich, ganz ausgemolken war die Kuh ja auch noch nicht.

Man entschied sich, den ersten Band der Old-Surehand-Reihe zu verfilmen, sodass abermals Granger an der Seite des Apatschenhäuptlings stand. Als hätte Wendlandt keinen größeren Fehler machen können, dem ohnehin gereiztem Publikum wieder einmal den lässigen Granger vorzusetzen, beschränkt sich Winnetous Anteil am Film auf eine größere Nebenrolle. So tritt er auch erst auf, als ein Drittel des Films schon vergangen ist. Die wahren Nebenrollen werden abermals von Mario Girotti und neuerdings von Laetitia Roman gespielt. Den Bösewicht spielt Larry Penell, dessen "General" allerdings ziemlich blass bleibt.

Martin Böttcher steuerte wie gewohnt eine stimmungsvolle Musik ganz im klassischen May-Western-Böttcher-Gewand bei, die natürlich hauptsächlich durch die Old-Surehand-Melodie getragen wird. Außerdem besteht ein überraschend großer Anteil der Musik an Source-Musik für eine längere Jahrmarktssequenz und natürlich existieren wieder einige Suspense-Passagen mit E-Bass und langen Streichertönen sowie mehrere Ritt-Musiken. Jedoch hinterlässt die Musik einen ähnlichen Eindruck wie "Winnetou II", allerdings hier mit dem Nachteil, dass noch nichtmal ein neues Thema existiert - die Banditen haben nämlich keins und die Kampfmusik ist, besonders im Vergleich zum vorangegangenen "Winnetou III" ziemlich blass. Was man allerdings u hören bekommt, sie schöne Arrangements der Haupthemen und die eine oer andere rasante Rittmusiken sowie zwei recht dramatische aber ziemlich kurze Todesmusiken.

bearbeitet von Mephisto

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Winnetou und das Halbblut Apanatschi - Martin Böttcher

In diesem Film ist so ziemlich alles daneben: Old Shatterhand, der zivil und pfeiferauchend auftritt und verkündet, dass man Gewalt mit Gewalt beantworten solle, die ständigen albernen Zaubertricks von Götz George, das vorzeitige Ende des Bösewichts, die miese Handlung und die hölzernen Dialoge, die absolut keinen Hauch von Karl May oder der früheren Filme spüren lassen. Stattdessen kann sich handfeste Action sehen lassen, die zwar hochexplosiv daherkommt und so aufwendig in Szene gesetzt wurde wie in keinem May-Western zuvor, aber halt auch wenig in solch einem Film zu suchen hat. Der Tiefpunkt dei Karl-May-Welle ist erreicht und kann nur noch einmal unterboten werden.

Interessanterweise ist die letzte Musik, die Martin Böttcher für einen von Horst Wendlandt produzierten Karl-May-Western, mit 50 Minuten Laufzeit seine wahrscheinlich längste Filmmusik überhaupt. Gleich zu Anfang wird ein neues Motiv für Uschi Glas' hanebüchenen Charakter des Halbbluts vorgestellt, welches wie gewohnt mit sanften Streichern, Bongos, Gitarre und Mundharmonikasolo aufwartet. Zusätzlich gibt es noch ein Gold-Motiv, welches weniger schillernd als bedrohlich klingt und ein Thema für die Banditen, sowie mehrere Kampfthemen. All das musikalische Material wird gewohnt für die verschiedenen Situationen arrangiert, aber eigentlich nie weiter entwickelt, sodass die ewigen Wiederholungen insbesondere des Apanatschi-Themas für einige Durchhänger sorgen. Diverse Verfolgungs- und Fluchtmusiken sind der Urfassung des Banditen-Themas aus "Winnetou III" vom charakter her nicht unähnlich. Natürlich taucht das Goldmotiv auch noch einmal im Gewand einer Saloonmusik und auf dem Akkordeon während Apanatschis Geburtstagsfeier am Anfang des Films auf. Die Musik ist abwechslungsreicher und thematisch um Einiges reichhaltiger als "Old Surehand", ist aber letzten Endes zum Hören vielleicht 10 Minuten zu lang, es sei denn, man kennt den Film auswenig und lässt ihn an Hand der Musik noch einmal Revue passieren.

bearbeitet von Mephisto

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Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten - Martin Böttcher

Wendlandt sah, dass das bisherige Konzept des Winnetou-Films in Gefahr war, sich totzulaufen und versuchte mit "Winnetou und sein Freund Old Firehand" eine neue Ära einzukäuten, die jedoch ein solcher Tiefschlag war, dass sich der May-Western nicht mehr erholen konnte. Konkurrent Arthur Brauner, der sich bisher mit den Orient-Stoffen des Volksautors begnügen musste, witterte seine Chance und startete einen Wiederbelebungsversuch, der sich zwar sehen lassen kann, aber auch nichts mehr zu retten vermochte. Die Handlung ist frei erfunden und an den "Schatz im Silbersee" angelehnt. Auch die Besetzung weist einige Ähnlichkeiten auf, so hat Karin Dor ihren dritten May-Auftritt und auch das Blödel-Duo Wolter und Arrent treten noch einmal in Aktion. Rik Battaglia gibt abermals den Bösewicht und für den jugendlichen Helden steht für Karl May erstmals Burt Reynolds vor der Kamera. Die Regie übernahm May-Experte Reinl und die Vorliebe für extravagante Ideen Brauners ermöglichte, dass einige Einstellungen im echten Grand Canyon gedreht wurden (mit Doubles, allerdings).

Auch Martin Böttcher ist wieder mit von der Partie, schrieb doch zu "Winnetou und sein Freund Old Firehand" sein Kollege Peter Thomas die Musik. Da die Rechte für alle Themen allerdings bei Wendlandts Rialto lagen, hört man weder die Winnetou- noch die Old-Shatterhand-Melodie. Stattdessen komponierte Böttcher gleich einen Schwung neue Themen und Melodien, die in altbekanntem Klanggewand erscheinen. Das Hauptthema, die Grand-Canyon-Melodie, steht für beide Helden gleichermaßen und könnte als eine der schönsten Melodien in Böttchers gesamten Schaffen bezeichnet werden. Die Banditen bekommen ein schön düsteres TZhema verpasst, welches auch wieder für einige Suspense-Passagen verwendet wird. Auch Karin Dors Charakter der Mable bekommt eine Melodie, die sogar recht westernmäßig klingt und durch diesen Hauch von Authentizität aus der Masse der sonst Böttcher-typischen Themen hervorsticht. Außerdem gibt's noch ein, vielleicht recht treffend als "Todesmotiv" zu bezeichnendes Motiv, das oft in Verbindung mit Kämpfen auftaucht und natürlich in während des Finales im "Tal der Toten" voll entfaltet wird. Auch sonst ist die Musik sehr unterhaltsam komponiert. Ein absoluter Höhepunkt sind natürlich die surrenden Streicher, während Old Shatterhand die Banditen in eine Bienenfalle lockt.

Alles in Allem zeigt sich hier, dass Böttcher sich von diesem recht den Wurzeln treuen Film zu einer seiner schönsten Karl-May-Kompositionen überhaupt inspieren lassen konnte. Eine schöne und gelungen abwechslungsreiche Partitur für ein recht angemessenes Finale eine unvergleichlichen Filmreihe, die leider, wie so oft im Filmgeschäft, unter Fehlentscheidungen der Produzenten leiden musste.

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Also wie geschrieben, war "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" der letzte Winnetou-Film, für den Böttcher die Musik geschrieben hat. Die Böttcher/Winnetou-Reihe habe ich jetzt also durch. Wenn es euch stören sollte, dass ich den Thread hier zukleistere, meldet euch. :eek: Die letzte Karl-May-Filmmusik, die jetzt also noch von Böttcher fehlt, kommt hier:

Der Schut - Martin Böttcher

Da Wendlandt mit seinen ersten drei May-Filmen einen immensen Erfolg hatte, merkte auch sein Konkurrent Arthur Brauner, wie gut sich Karl May momentan verkaufen ließ und sicherte sich schnell die Rechte an den Orient-Romanen. Mit Lex Barker hatte die CCC-Ton Schacht ohnehin noch einen Vertrag, sodass er natürlich den Kara Ben-Nemsi spielen würde. Ralf Wolter, Chris Howland und Dieter Borsche sorgten für die Blödeleinlagen und Marie Versini konnte für die Rolle der Tschita gewonnen werden. Die Titelfigur spielt Rik Battaglia, der Brauner als Bandit in "Old Shatterhand" schon begeistert hat. Es sollte der Anfang einer beeindruckenden Karriere als Karl-May-Bösewicht werden.

Der Schut sollte der ersten von zwei Böttcher-Filmmusiken für einen Karl-May-Film sein, die nicht von der Rialto produziert wurden. Man kann Böttcher an Hand der "Schut"-Musik theoretisch das Gleiche wie Hans Zimmer vorwerfen: Es klingt einfach immer nach Martin Böttcher. Besonders die Tatsache, dass Böttcher auf orientalisches Klangkolorit verzichtet und mit seiner gewohnten Besetzung arbeitet, bestärkt diesen Effekt. Ein bisschen fehl am Platz wirkt auch die Rih-Melodie, die mit der Gitarre und Mundharmonika sowie der überdeutlichen melodischen Verwandschaft mit dem "Chinla-River-Song" (der allerdings später entstand) allzu sehr nach (May-)Western denn Orient klingt.

Trotzdem ist die Musik zu "Der Schut" eine kleine Perle im Schaffen Böttchers, da es sich bei diesen gut 20 Minuten um eine der unterhaltsamsten und "frischesten" Partituren in voller Länge handelt. Schon die "Schut-Melodie" ist eines der frischesten und hübschesten Themen Böttchers überhaupt. Natürlich schwingt auch hier der Stil des Komponisten deutlich mit, aber das Thema und die leichten Flötenläufe, die wippenden Posaunen und die schwingende Begleitung: Hier passt so ziemlich alles. Auch die Rittmusiken wie Karas und Tschitas Fluchtversuch, Halefs Ritt, um die Soldaten zu holen, wurden schön schmissig und temporeich ausgearbeitet und die Musik zu Karas Kampf mit den Aladschy ist wahrscheinlich mitunter das Aggressivste, was je aus Böttchers Feder stammt. Auch die naiven, fast schon ironischen Fanfaren für die Soldaten sind köstlich und unterhalten einen schön kurzweiligen Titel.

Insgesamt ist Böttchers einzige Ausflug in den Orient auch eine seiner schönsten May-Partituren, die zu hören sich neben Klassikern wie "Winnetou I" oder "Der Schatz im Silbersee" deutlich lohnt!

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Gast Andreas

Also ich finde es einfach nur wunderbar wie umfangreich und interessant du die einzelnen Alben beschreibst. Weiter so :eek::applaus:

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Na dann kommt hier doch gleich ein kleiner Nachschlag :eek:. Dieser Beitrag ist Thomas gewidmet ;):

Old Shatterhand - Riz Ortolani

Bevor sich Arthur Brauner jedoch an die Produktion seiner Orient-Streifen machte, versuchte er auch mit Winnetou sein Glück, sodass zwischen "Winnetou I" und "Winnetou II" "Old Shatterhand" entstand. Lex Barker für Old Shatterhand zu bekommen, sollte kein Problem sein und auch Pierre Brice konnte am Film teilnehmen, weil man die bei Brauner unter Vertrag stehende Elke Sommer für einen späteren Wendlandt-Film freigab. Für die Humoreinlagen sorgte abermals Ralf Wolter als Sam Hawkins sowie Bill Ramsey, dessen Timpe eine Art Vorreiter des Erhard'schen Kantor Hampels werden sollte. Auch auch für die restlichen Rollen konnte Brauner einige Größen der Zeit verpflichten wie Guy Madison, Daliah Lavi und auch Gojko Mitic hat hier seinen ersten Indianerauftritt.

Brauner konnte die Rechte der Amerika-Stoffe umgehen, indem er eine völlig neue Handlung kreieren ließ. Leider merkt man dem Film allergings auch an, dass er nicht mehr mit Karl May zu tun hat, als die Namen der Charaktere (Old Shatterhand mit einfachem Winchester-Gewehr, Winnetou mit Kriegsbemahlung etc.)

Da es sich bei "Old Shatterhand" um den teuersten May-Film überhaupt handelt, klingt die Musik auch entsprechend groß. Für die war nicht der für Rialto zuständige Martin Böttcher verantwortlich, sondern der Italiener Riz Ortolani. Die Musik klingt entsprechend konventioneller und nähert sich in einigen Passagen deutlich an den Bernstein'schen Westernklang an, wie alleine schon der synchopierte Rhythmus in der Vorspannmusik zeigt. Auch sonst ist die Musik kompositorisch raffinierter als Böttchers Beiträge. So verfügt die überhaupt längste Winnetou-Musik (über 60 Minuten) über eine ungewöhnliche Themenvielfalt: Es gibt ein zweiteiliges Hauptthema, ein Fort-Grand-Thema für die Soldaten, mehrere Actionthemen und ein Thema für die Siedler. Das Hauptthema kommt natürlich am Meisten vor und begleitet so ziemlich alle Protagonisten in verschiedenem Gewand. Auch die Actionmusik ist viel strukturierter und thematischer als die Musik Böttchers und auch die Besetzung klingt viel orchestraler. Ein Eindruck, der besonders durch das chorgeschwängerte Finale und die Vorspannmusik verstärkt wird. Allerdings fallen beim Hören keine Holzbläser auf. Stattdessen gibt's natürlich das obligatorische Mundharmonikasolo und Harfenklänge.

Insgesamt ist das wohl die kompositorisch anspruchsvollste Musik zu einem Winnetou-Streifen, die aber, wie der Film, aus dem Rahmen fällt. Allerdings ist der Nostalgiefaktor auch hier wieder sehr hoch und auch die Themen sind nett anzuhören. Ein kleiner Nachgeschmack, dass man hier einen kleinen Bruder der "Glorreichen Sieben" schaffen wollte, bleibt allerdings.

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Der Schatz der Azteken - Erwin Halletz

Nachdem Brauner sich also am Wilden Westen ("Old Shatterhand") und im Orient ("Der Schut") versucht hat, wandte er sich vorerst mit dem Zweiteiler "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes" der Romanreihe "Das Waldröschen" zu. Die aus fünf Bänden bestehende Reihe ist mit der "Greifenklau"-Reihe wahrscheinlich die vielseitigste und anspruchsvollste Reihe des Autors. Umso trauriger, dass die Verfilmung der Vorlage nicht ansatzweise gerecht wird. So wurden sämtliche Handlungsstränge, die in Deutschland oder im Orient spielten, gestrichen und die Filme komplett in Südamerika angesiedelt. Doch auch dort blieb ein loser Handlungstorso mit hölzernen Dialogen und farblosen Charakteren. Auch Lex Barker als Karl Sternau und Rik Battaglia natürlich als Bösewicht können dieses Machwerk nicht mehr retten.

Umso interessanter, dass dieses Filmduo die wahrscheinlich kompositorisch anspruchvollste Musik aller May-Filme der 60er Jahre enthält. Diese Musik schrieb Erwin Halletz und spielte sie mit dem Graunke Symphonieorchester ein. Dadurch sticht die Musik besonders durch ihren großorchestralen Klang hervor und Halletz konnte mit dem ihm zur Verfügung stehenden Apperat durchaus umgehen. So besticht die Musik zum einen durch gelungene Themen in diversen Variationen und zum anderen einer abwechslungsreichen Satztechnik, die sogar auf die Holzbläser eingeht. Auch das exotische Klangkolorit weist durch den Einsatz von Marimba, Tolotrompete, Gitarre, Castagnetten und Ratsche eine ziemliche Authentizität auf, auch, wenn manchmal auf allzu stereotypische Elemente zurückgegriffen wird. Über 30 Minuten führt Halletz eine ganze Fülle von Themen ein. So zum Beispiel das Hauptthema "Olé Muchachos". ein Thema für den Schatz, einen zackigen Marsch für die französischen Kolonisten, Cembalomusik für festliche Mahlzeiten, Fiesta-Musik für die Bauern, treibende Blechlastige Action und sphärische Passagen für die verführerische Josefa und den See des Vergessens.

Die Zeit während dieser recht unbekannten Karl-May-Musik zu einem wenig ruhmreichen Film vergeht wie im Flug. Halletz schrieb eine schöne Orchesterpartitur und nutzt die ihm zur Verfügung stehende Pallette voll aus, sodass wenigstens ein positiver Aspekt dieses Films bestehen bleibt.

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Die Pyramide des Sonnengottes - Erwin Halletz

Das Prinzip "Wir drehen einen Film und machen zwei draus" gilt nicht erst seit "Zurück in die Zukunft" oder "Fluch der Karibik". Das machte nämlich auch schon Arthur Brauner, der eigentlich einen dreistündigen Film drehte und ihn dann zweiteilte. So endet "Der Schatz der Azteken" auch offen und "Die Pyramide des Sonnengottes" nimmt die Handlung wieder auf.

Insofern ist auch Halletz' Musik eine Fortführung der im "Schatz der Azteken" etablierten Musik. Allerdings scheint die Besetzung etwas geschmälert zu sein. Halletz konzentriert sich eher auf die einzelnen Klangolorite wie den südamerikanisch anmutenden "mexikanischen Walzer" oder die festliche Musik zum Empfan bei Juárez. Ob Musik aus dem vorherigen Film in den zweiten Teil eingefügt wurde, vermag ich nicht mehr zu sagen, denkbar ist es. Trotzdem eine schöne Erweiterung der ohnehin tollen Musik zum ersten Teil!

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Winnetou und sein Freund Old Firehand - Peter Thomas

Nach der Pleite von "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" wollte Wendlandt den May-Western in eine neue Richtung lenken. Für frischen Wind sollte ein neuer Westmann sorgen: Old Firehand, gespielt vom alternen Westernstar Rod Cameron. Die Handlung erinnert ein bisschen an die "Sieben Samurai" und basiert auf dem Roman "Donner an der Grenze" und ließ den Film in Mexico spielen, um ein bisschen an den Italo-Western anzuknüpfen. Das zeigt sich auch an den viel härteren Actionszenen und den unzähligen Explosionen, mit denen die krude Handlung und die farblosen Charaktere übertuüncht werden sollen. Kurzum: Dies hat nichts mehr mit Karl May zu tun und bedeutet somit den schlechtesten Winnetou-Film überhaupt und somit auch der Schlusspunkt der Wendlandt'schen Winnetou-Tradition, den auch Arthur Brauner nicht mehr mit "Im Tal der Toten" retten konnte.

Auch die Musik sollte einen gewissen Teil zu Neuerung beitragen, sodass dieses Mal nicht Martin Böttcher, sondern Peter Thomas die Musik schrieb. Diese erklingt, passend zum Film und typisch für den Komponisten, um einiges rauer als die Musiken seines Kollegen. Auch die Wurzeln der Tanzmusik schimmern bei Peter Thomas noch viel deutlicher durch, was sich besonders in den Actionmomenten (und derer gibt es viele) bemerkbar macht. Besonders der Einsatz des Drumsets und die Riffs der E-Gitarre verstärken diesen Eindruck immens. Peter Thomas greift auf eine recht volle Besetzung zurück und komponierte eine ansehnliche Anzahl von Themen und Motiven, die allesamt sehr nach Thomas klingen. Das Hauptthema, zwei Liebesthemen, mehrere Kampfmusiken und einige wenige Suspense-Musiken sowie das Highlander-Thema für Victor de Kowas abstrusen Charakter des Ravenhurst tragen die 40 Minuten lange Musik recht gut, allerdings stört besonders in den Kampfmusiken der etwas zu lärmende und chaotische Charakter, der hin und wieder an diverse Edgar-Wallace-Titelmusiken erinnert.

Die Musik ist nicht schlecht, macht über große Strecken sogar Spaß zu hören, hat aber wie der Film mit dem ursprünglichen May-Film soviel gemeinsam wie ein Ochsenkarren mit einem Mercedes. Somit bleibt ein völlig aus dem Rahmen fallender Film mit einer treffenden, aber daher ebenfalls völlig aus dem Rahmen fallender Musik.

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Durchs wilde Kurdistan - Raimund Rosenberger

Nach dem südamerikanischen Zweiteiler wandte sich Arthur Brauner wieder den Orient-Stoffen des Volksautors zu und produzierte seinen fünften Karl-May-Film: "Durchs wilde Kurdistan", der nach dem Schut als bester May-Orient-Film der 60er-Jahre gilt. Wieder stehen Kara Ben-Nemsi, Marie Versini und Ralf Wolter sowie Dieter Borsche und Chris Howland vor der Kamera um gegen den korrupten Machdrech von Mossul vorzugehen.

Es ist Raimund Rosenbergers erste Karl-May-Musik und diese Aufgabe hat er zufriedenstellend gelöst. So ist er neben Erwin Halletz der einzige Komponist, der für einen May-Film auf möglichst authentisches Klangkolorit setzt, so es möglich ist, wobei man Halletz ein kleines bisschen mehr Qualität zusprechen muss. Eine schmetternde Fanfare leitet die Vorspannmusik ein, die vom Hauptthema getragen wird. Die leichte Untermalung der E-Gitarre und des Drumsets erwecken hier wie bei Peter Thomas einen leicht poppigen Charakter. Das Thema selber ist aber nett komponiert und weist sofort in die richtige Richtung und tatsächlich wird Rosenbergers Musik im Film weniger poppig und eher konventionell. Die meisten Stücke sind mit kleinerer Besetzung gespielt. Auffällig ist auch das Gleichgewicht von Blech- und Holzbläsern. Besonders letztere Instrumentengruppe sorgt mit den gut komponierten Themen für eine schöne orientalische Athmosphäre. Neben dem Haupt- und dem intimen Liebesthema gibt es noch eine weitere Perle: Den Lindsay-Marsch. Der britische Lord David Lindsay, der in Begleitung seines Butlers Archie nach der Arche Noah sucht, hat stets ein Grammophon dabei, was diesen Marsch spielt. Ein unglaublich pfiffiges Thema, ironische Besetzung (kleine Marschkapelle) und ein treffendes Arrangement machen diesen Marsch zu einem feinem Stück Musik.

Knapp 20 Minuten orientalische Athmosphäre, ein hübsches Liebesthema und eins der pfiffigsten Stücke im musikalischen Karl-May-Universum überhaupt machen diese Komposition zu einem unterhaltsamen Hörvergnügen.

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Im Reiche des silbernen Löwen - Raimund Rosenberger

Auch bei "Durch's wilde Kurdistan" und "Im Reiche des silbernen Löwen" handelt es sich um einen Zweiteiler, allerdings ging man hier geschickter vor. "Durch's wilde Kurdistan" endete geschlossen, aber als der Film gut ankam, ließ man den toten Bösewicht einfach auferstehen und schickte die Helden in ein neues Abenteuer. Der letzte der drei Brauner'schen Orient-Streifen fällt zu den voran gegangenen Filmen etwas ab, hat aber auch heute noch seine charmanten Momente.

Als Komponist war abermals Raimund Rosenberger tätig, der für diesen Film ein ganz neues Hauptthema komponierte. Dieses klingt wesentlich westlicher als die Kurdistan-Melodie und erklingt gleich zum Vorspann in voller Pracht. Allerdings klingt es durch die unisono gesetzten Streicher und die ebenfalls unisono spielende Perkussion zwar sehr "groß", aber auch wesentlich plumper. Im Verlauf des Films durchläuft das Thema mehrere Variationen und wird hauptsächlich von den Holzbläsern, allen voran die Oboe, präsentiert. Neben dem Hauptthema gibt's auch neues orientalisches Material, wie die Themen für den Machdrech und Abu Seif und natürlich kommen auch wieder das Liebesthema und der Lindsay-Marsch vor. Da die Musik mehr als doppelt so lang ist als die Komposition zum vorigen Film gibt es natürlich auch mehr Action- und Suspensematerial. Besonders die Actionmomente offenbahren Rosenbergers Wurzeln als Tanzmusiker, da sie teilweise etwas treibenderen Bigband-Stücken im Arrangement ähnlicher klingen als Orient-Abenteuermusik, was aber auch am damaligen Zeitgeist liegen mag. Die Suspensepassagen werden meist durch einen Klarinettentriller und dissonante Akkorde der restlichen Holzbläser und der gedämpften Blechbläser bestritten.

Die Musik weiß zu unterhalten und die neuen Themen lassen sich gut anhören, allerdings mindert die ständige Wiederholung des Hauptthemas und die swingigen Actionpassagen etwas den Hörfluss. Wer gerne einen Film an Hand der gehörten Musik Revue passieren lässt, kann mit einem kompletten Hördurchgang allerdings wenig falsch machen.

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Winnetous Rückkehr - Martin Böttcher

Rund 30 Jahre nach seinem Leinwandtot kehrt Winnetou auf die heimischen Bildschirme zurück: Er war gar nicht tot, sondern wurde von einem Medizinmann in einer versteckten Höhle gesund gepflegt. Der Zweiteiler hatte sehr hohe Einschaltquoten, die aber beim zweiten Teil schon stark nachließen, was sicher auf die schlechte Qualität der Produktion zurückzuführen lassen. Einer der größten Fehler dürfte gewesen sein, dass man Pierre Brice nicht nachsynchronisiert hat und der Held somit einen französischen Akzent hat. Auch der Rest dürfte ziemlich hanebüchen und Anti-Karl-May sein.

Für die Musik stand abermals Winneout-Experte Martin Böttcher am Pult. Für die Musik griff er natürlich auf die Winnetou- und auch die Old-Shatterhand-Melodie zurück und komponierte noch einen Schwung neuer Melodien und passte sie dem TV-Format an. Somit klingen die Arrangements dünner und auch etwas poppiger als die Originale. Auch die Actionmomente sind unglaublich seicht geraten und lassen weder Tempo noch Spannung aufkommen. Viel mehr hat man den Eindruck, man höre sich eine CD mit Probeaufnahmen für die richtigen Filmmusiken an, wo die Musik noch in den Kinderschuhen steckt. Zu einem Fernsehfilm mag das ja passen, auf CD hört sich das Ganze dann doch etwas zu dünn an.

Die CD enthält bei 60 Minuten Laufzeit wohl die komplette Musik, wobei einzelne kleinere Stücke zu Suiten zusammengefügt wurden, wie die sekundenlangen Pausen innerhalb einzelner Tracks beweisen. Insgesamt ist die CD nur etwas für eingefleischte Fans, Komplettisten oder Leute, die eine athmosphärische Hintergrundbeschallung suchen, wenn sie mit ihren Kindern mit den Playmobil-Indianern spielen. Ansonsten rate ich jedem, sich ein Best-Of mit den Original-Einspielungen zu besorgen oder gleich auf die legendäre 8-CD-Box zurückzugreifen. Eine Suche nach dieser längst vergriffenen CD lohnt sich nämlich absolut nicht.

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@ Mephisto, toll die Kurzbesprechungen von Dir. Sag mal ist die 8 CD Box wirklich zu empfehlen? Du hast bei mir nämlich das Interesse geweckt.....

:DBruce Broughton - The Old Men and the Sea

War eine meiner ersten CDs. Ein schönes nach Urlaub klingendes Hauptthema;). CD höre ich gern.

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Hey, Jobo. Also erstmal vielen Dank für die Blumen. Die 8-CD-Box ist im LP-Format gehalten und enthält ein fettes Buch mit nahezu allen Plakatmotiven zu allen Filmen. Auf den CDs ist aus den 60er-Jahren bis auf "Das Vermächtnis des Inka" nahezu jedes Fitzelchen Musik enthalten, was im jeweiligen Film vorkommt und das bei bestmöglicher Klangqualität. Der Böttcher klingt eigentlich ausnahmslos grandios, am Meisten scheppert "Old Shatterhand", aber auch der klingt für sein Alter klasse. Wie gesagt, die Musik ist komplett. Du hast also unzählige Varianten der Hauptthemen, sehr viel Suspense-Musik und viele Saloon-Source-Sachen etc. Es kommt darauf an, ob du ein eingefleischter Fan bist, dann ist diese Box ein absolutes Muss. Wenn du May-Gelegenheitshörer bist, solltest du dir das etwas genauer überleben, da es schnell ermüdend werden kann, den gleichen Böttcher-Klang auf 5 CDs zu haben. Auch "Old Firehand" und "Im Reiche des silbernen Löwen" haben ihre Längen. Dafür gibt's natürlich auch viele unveröffentlichte Perlen zu entdecken.

Also, wenn Fan, dann ja!

Karl May Filmmusik (1936-1968): Wilder Westen, heißer Orient (8-CD) (Score-CD) im Soundtrack-Club

Wenn "nur" Böttcher-Fan und Gelegenheitshörer

Die schönsten Karl-May-Filmmelodien: Martin Böttcher: Amazon.de: Musik

Einfach mal die jeweiligen Titellisten durchgehen. Wie gesagt, die 8-CD-Box ist wirklich toll, lohnt sich aber bei dem (gerechtfertigten) Preis nur, wenn man so viel Material auch wirklich hören möchte.

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Wer kennt sie nicht: Die herrlich bunten Karl-May-Filme der 60er Jahre, die einige von uns durch die Kindheit begleitet haben dürften? Wie man mit großen Augen und offenem Mund vor'm heimischen Wohnzimmerfernseher saß und sich selbst mit den Helden Winnetou, Old Shatterhand und Old Surehand auf offener Prärie wähnte und später die Abenteuer nachspielte. Einen besonderen Anteil an der unvergleichbaren Athmosphäre haben ohne Zweifel die jeweiligen Filmmusiken, natürlich besonders die von Martin Böttcher, aber auch die seiner Kollegen Riz Ortolani, Raimund Rosenberger, Peter Thomas, Erwin Halletz oder auch des großen Gottfried Huppertz sollten nicht unterschätzt werden. Darum habe ich einmal diesen Thread eröffnet, damit wir in alten Erinnerungen schwelgen können und gemeinsame Freude teilen können.

Meine Frage wäre auch: Welche Filme sind euch besonders in Erinnerung?

Welches sind eure Lieblingsmelodien?

Welches eure Lieblingsfilmmusiken insgesamt?

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Auch wenn man kein Karl May Fan ist, wie ich, lohnt sich diese Box alleine wegen dem Begleitbuch! Das Label Bear Family hat sich damit viel Mühe gemacht! :cool:

Mephisto: Respekt für Deine musikalischen Kurzbeschreibungen! :)

:D

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Sehr viel zu entdecken, lesen und hören zum Thema "Martin Böttcher" gibt es übrigens auf der hervorragenden

Klickt man bspw. in der Menüleiste oben auf "Übersicht Multimedia-Dateien", so gibt es neben reichlich Ohrenfutter auch zwei Interviews mit Böttcher. Sehr interessant!

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