Mephisto

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  1. In den wenigsten Fällen kann eine Filmmusik über die Grenzen des Filmes hinaus wirken, wie es Elmer Bernsteins kraftvoller Musik zu DIE GLORREICHEN SIEBEN vergönnt war. Höchstens die Themen aus STAR WARS und FLUCH DER KARIBIK haben eine ähnliche Erfolgsgeschichte hingelegt und tief greifende Veränderungen in der filmmusikalischen Landschaft geschürt. Als 1950 der Western mit Hochglanzproduktionen wie WINCHESTER '73 von seinem Schmuddel-Image befreit und in den Olymp der A-Produktionen gehoben wurde, war der musikalische Ansatz an dieses Genre überraschend heterogen. Elegische, streicherdominierte Klänge, wie sie Victor Young zu SHANE (1953) schuf, standen neben düsteren und aggressiven Kompositionen zu WARLOCK (Leigh Harline) oder ausladenden Themen wie zu WEITES LAND (Jerome Moross). Erst Bernsteins Musik zu DIE GLORREICHEN SIEBEN drückte mit einer von Aaron Copland inspirierten Melange aus mexikanisch-folkloristischem Lokalkolorit, ruppigen Rhythmen und schmissigen Themen den Stempel auf. Der Film selbst war eine Western-Adaption von Akira Kurosawas meisterhaft inszenierten Film DIE SIEBEN SAMURAI, der selbst von den US-amerikanischen Western der 1950er Jahre inspiriert wurde. Kurosawas Film beschäftigt sich einerseits mit der Unmöglichkeit, soziale Schranken und gesellschaftliche Klassengrenzen überwinden zu wollen, und andererseits mit den Auswirkungen von Unterdrückung auf die Geknechteten. Während die japanischen Bauern in im Jahr 1587 selbst unter den Repressalien der oberen Klassen teilweise zu mordhungrigen Horden werden, die vor Lynchmord nicht zurückschrecken, bleiben die mexikanischen Bauern in John Sturges' Adaption stets "die Guten", denen der Zuschauer stets Mitleid und Sympathie entgegenbringen soll. Auch das Dasein eines Revolvermannes im ausgehenden 19. Jahrhundert scheint nicht kongruent mit dem eines Samurai dreihundert Jahre früher. Während ein Revolvermann sich irgendwann zur Ruhe setzen, eine kleine Farm oder einen Saloon kaufen kann, bleibt der Samurai seinem Stand und seiner Tradition stets verbunden, andererseits kann niemand zu ihm aufsteigen. Die daraus resultierenden Konflikte charakterisiert DIE SIEBEN SAMURAI in zwei Figuren: Katsuhiro, dem jungen Sohn einer Samuraifamilie, dessen Liebe zu einer Bauerntochter wahrscheinlich unerfüllt bleiben muss und dem Bauernsohn Kikuchiyo, der sich seiner Herkunft schämt, die Bauern verachten möchte und sich durch besonders heldenhaftes Gebaren hervortun möchte. In DIE GLORREICHEN SIEBEN wurden diese Figuren in dem jungen, von Horst Buchholz gespielten Draufgänger Chico verschmolzen. Den geschilderten Konflikten wird durch diese Änderungen der Stachel gezogen und Yul Brunners aus DIE SIEBEN SAMURAI übernommenes Resümee, "We always lose" nicht mehr nachvollziehbar. Zwar sterben wie auch in der japanischen Vorlage vier von sieben Helden im Kampf gegen die Banditen, aber die Revolvermänner sind nicht dazu verdammt, so lange weiterzuziehen und ihr Leben aufs Spiel zu setzen, bis eine Banditenkugel schneller ist. Chico kann sich in der Verpflichtung zum Hollywood-typischen Happy-End gar für die mexikanische Bauerntochter entscheiden, was Brunners Schlusswort noch mehr abschwächt. Um diese Probleme schildern zu können, musste sich KUROSAWA auf bestimmte Figuren konzentrieren, weshalb einige der sieben Samurai kaum charakterisiert werden. Hier gelang es Sturges, trotz der kürzeren Laufzeit jeden der sieben Revolvermänner in Szene zu setzen und ihren jeweiligen Charakter gut hervorzuheben. Zu den besonders glücklichen Innovationen der amerikanischen Adaption zählt die Figur des Revolvermannes Lee, gespielt von Robert Vaughan. Der seelisch völlig destabilisierte Dandy, der fast jedem Kampf ausweicht und nachts von Alpträumen geplagt wird, hat in Kurosawas Film kein Äquivalent. Letzten Endes mag DIE GLORREICHEN SIEBEN den SIEBEN SAMURAI auf inhaltlicher Ebene nicht das Wasser reichen, John Sturges ist aber ein hervorragender Western gelungen, der gelungen in Szene gesetzt und von überzeugenden Darstellern bevölkert ist. Umso merkwürdiger scheint es, dass Elmer Bernstein hervorragende Filmmusik zur Zeit der Premiere keine kommerzielle Veröffentlichung erfuhr. Zu gering war der Erfolg beim amerikanischen Kinopublikum, erst sein Zuspruch beim europäischen Publikum ermöglichte erneute Aufführungen in Amerika, die den gewünschten Erfolg einbrachten. Allerdings wurde auch dann kein Album mit der Filmmusik nachgereicht. Das Hauptthema war zwar auf mehreren Samplern zugänglich, auf Auszüge weiterer Passagen mussten die Filmmusikfreunde allerdings noch sechs Jahre warten, als man im Zuge von DIE RÜCKKEHR DER GLORREICHEN SIEBEN Auszüge aus der Filmmusik zu DIE GLORREICHEN SIEBEN veröffentlichte. Erst 1994 erschien das erste Album, das offiziell den GLORREICHEN SIEBEN gewidmet war. Mit Hilfe des Komponisten wurde die Orchesterpartitur aus den erhaltenen Particellen dirigiert und für eine ansprechende Albumpräsentation arrangiert. Mehrere Passagen, insbesondere aus der ersten Hälfte des Films wurden gekürzt, einzelne Passagen zu längeren Stücken zusammengefasst. Sind diese künstlerischen Entscheidungen durchaus nachvollziehbar, ist es aber besonders störend, das auch über einzelne Titel hinaus, in denen einzelne Stücke zusammengefügt wurden, Überblendungen vollzogen wurden, die keinen musikalischen Sinn ergeben und es nicht möglich machenm bestimmte Titel einzeln zu hören, weil sie nicht "sauber" enden. Zudem krankt die Einspielung unter James Sedares' äußerst kraftlosem Dirigat, das Phoenix Symphony Orchestra spielt ohne Energie. Immerhin gibt es als kleines Trostpflaster eine für das Album arrangierte Ouvertüre zu VIERZIG WAGEN WESTWÄRTS. Wie zufrieden Bernstein mit der 1994er-Produktion war, an der er selbst auch beteiligt war, ist mir nicht bekannt. In Anbetracht der schnarchigen Interpretation wundert es jedoch nicht, dass Bernstein sich 1999 noch einmal ans Dirigierpult stellte, um die rekonstruierte Partitur (mit einer kleinen Kürzung)* des vorherigen Albums noch einmal aufzunehmen. Hier erfährt die Musik nun eine Interpretation, die ihrer würdig ist: Wuchtig eröffnet das Hauptthema, die mexikanischen Passagen sind gefühlvoll interpretiert und die Calvera-Passagen sind von ungewohnter Aggressivität. Leider waren die Bildrechte für diese Veröffentlichung anscheinend nicht endgültig geklärt, sodass die CD bereits nach wenigen Monaten wieder vom Markt genommen wurde. Die Aufnahmen, meiner bescheidenen Meinung nach das beste Album dieser historisch bedeutenden Komposition, sind bis heute nicht wieder aufgelegt worden. 1998 wurden uns dann endlich auch die Originalaufnahmen in einer hervorragenden Veröffentlichung von Rykodisc zugänglich gemacht, die 2004 von Varèse Sarabande wieder aufgelegt wurde. Hier verzichtete man auf unnötige Überblendungen und präsentierte alle erhaltenen 23 Titel in chronnologischer Reihenfolge. Warum der auf beiden Neuaufnahmen vertretene Titel "Enemy Camp/Nightmare" nicht auf der Varèse zu finden ist, wird im Booklet mit keinem Wort erwähnt. Wahrscheinlich ist diese Aufnahme em Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Auch die zuvor nicht verfügbare Nummer "Vin's Bad Luck" ist nur mit dem Overdub des Saloonklaviers zu hören - auch hier wahrscheinlich auf Grund des Mangels an getrennten Tonspuren. Auch das Varèse-Album ist mittlerweile vegriffen, weshalb neuen Interessenten ironischerweise die schlechteste von insgesamt drei Albumpräsentationen zur Verfügung steht. Es bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft bald wieder Alternativen zur Sedares-Einspielung zur Verfügung stehen werden. Nun würde mich aber interessieren, welche Einspielung ihr habt und vor allem: Welche Aufnahme dieser Musik hört ihr am liebsten?
  2. Ich bin ja erst gegen 2006 so wirklich zum Filmmusiksammeln gekommen. Vorher habe ich zwar schon eifrig Filmmusik gekauft und gehört, aber auf die Boutiquenlabel und deren Veröffentlichung bin ich erst ab 2007 aufmerksam geworden. Das war ja die Phase, wo es langsam mit den ganzen Supertiteln losging: BOYS FROM BRAZIL, ALIEN etc., fette Golden-Age-Boxen wie HOW THE WEST WAS WON oder KING OF KINGS waren (noch) gut verfügbar. Worauf andere Jahre gewartet hatten, fiel mir so einfach in den Schoß. Ich wusste z. B. dass BACK TO THE FUTURE und SPARTACUS von vielen heiß ersehnt waren, hatte aber so viel aufzuholen und nachzuhören, dass ich beide Veröffentlichungen dann zwar mit berechtigter Freude wahrnahm, ohne dass aber eine jahrelange Zeit des Wartens vorübergehen musste. Es gab einige Sachen, auf die ich dann auch etwas warten musste wie die Neuveröffentlichung von CHINATOWN oder die komplettfassung von STAR TREK und CONAN, aber bis dahin konnte ich mir die Zeit mit ganz viel anderer unerhörter Musik vertreiben
  3. Ich bezog mich mit Bizet hauptsächlich auf "The Fencing Lesson". Diese auf- und absteigenden Läufe sind derart typisch für "Carmen", dass ich mich echt frage, warum das sein muss, zumal Bizets Oper ja in Spanien, nicht in Mexiko spielt. Über die völlig fehlplatzierte Shakuhachi könnte man sich auch streiten. Wie dem auch sei, mir klebt MASK einfach zu sehr am Bild, daran kranken ja insbesondere die überlangen Passagen. Wieso mich das heute mehr stört als vor fast sieben Jahren habe ich ja schon oben dargelegt. Ich kenne es auch noch, dass ich Filmmusik gerne als Souvenir an einen bestimmten Film gehört habe und dann den Film in meiner Erinnerung zur CD "durchlaufen" ließ. Das reizt mich heute einfach nicht mehr. Ich will die Musik um der MUSIK Willen genießen und da fällt MASK einfach ab. Ich finde auch, dass MASK zu keinem Zeitpunkt das Feuer von ähnlichen Passagen aus LEGEND hinbekommt (ich verweise nochmal auf den "Train"-Vergleich). Der Schmalz ist in MASK schon komplett da, deswegen freue ich mich ja auch über "Zorro's Theme" oder "Elena and Esperanza", aber sonst gibt mir die Musik nicht halb so viel wie LEGEND. Warum also 70 Minuten angezogene Handbremse wenn ich 75 Minuten Feuer und Wucht haben kann, zumal es alles, was einem in MASK an Material Freude bereitet, auch in LEGEND gibt.
  4. Stimme Sami da absolut zu. Mit "formale Anlage" meine ich strukturelle Kontingenz, das kann man wunderbar daran erkennen, wenn man die beiden Final-Stücke aus Teil 1 und Teil 2 gegenüberstellt. "Leave No Witnesses..." ist ein ewiges Stop-and-go, während "The Train" viel größere Abschnitte enthält, die elegant fließend ineinandergewoben werden. Was das Spitzbübische angeht, habe ich in "School justice" viel mehr kecke und verspielte Figuren, die wunderbar ineinandergreifen, als wenn in "Fencing Lesson" uninspirierter "Carmen"-Abklatsch neben Horner'sches Originalmaterial gereiht wird. Es geht mir ja nicht darum, dass immer überall die Post abgeht, sondern nur darum, dass eine musikalische Form und Struktur beim Hören nachvollziehbar wird. Da gewinnt ganz deutlich der zweite Teil. So etwas wie "The Cortez Ranch" findet sich ja im ersten Teil gar nicht - wuchtige, durchkomponierte Suspense! Ich finde, auch "Stolen Votes" kränkelt da noch an einer Behäbigkeit, die den ersten Teil größtenteils hemmte - die Musik ist manchmal etwas zu lahm und kommt nich richtig zu Potte. Wenn man die letzten Minuten von "Stolen Votes" mit den ersten Minuten von "The Train" vergleicht, in denen dasselbe Ausgangsmaterial für eine Verfolgungsjagd arrangiert wurde, gewinnt doch deutlich der temporeichere "Train". Also ich würde jederzeit LEGEND OF ZORRO für MASK OF ZORRO aus der Sammlung kicken, müste ich mich für eine der beiden CDs entscheiden. In LEGEND OF ZORRO, den ich heute nachmittag noch gehört habe, bekomme ich, was ich schon von MASK OF ZORRO erwartet habe: Feurige mexikanische Folklore, unterhaltsame Spannungsmusik und vor Allem musikalisch-strukturierte Action.
  5. Also ich bezweifle, dass ich die CD seit dem 7.4.2010 (immerhin über sechs Jahre!) jemals wieder aus dem Schrank geholt habe. Ich fand diese völlig andere Einschätzung ja auch so interessant, dass ich meine damalige Besprechung hier auch zitiert habe. Ein Dauerbrenner war die CD, die ich jetzt wahrscheinlich über 10 Jahre besitze, zu keiner Zeit. Ich denke, mir haben damals die mexikanischen Folklorestereotypen und die Actionfanfaren gereicht, mittlerweile geht es mir beim Musikhören vielleicht mehr um ein in sich schlüssiges Erlebnis. Damals empfand ich es vielleicht als abwechslungsreich genug, wenn die Musik immer wieder innehielt, um neue Spannung aufzubauen, heute bevorzuge ich stimmige formale Anlagen. ZORRO klebt ja offensichtlich sehr am durchchoreographierten Bild und reagiert auf jede Kleinigkeit. Mir geht es mittlerweile aber viel mehr um die Musik als Musik und keinen Hörführer durch die Erinnerungen an einen Film, sodass ZORRO damit bei mir deutlich weniger punktet.
  6. Interessant, wie sich die Meinung in den Jahren ändern kann. Vielleicht liegt es auch nur an der Tagesform, was ich aber bezweifle, dass es daran liegt, dass mir Horners ZORRO heutzutage kaum mehr etwas geben will. Die Musik kommt zu keinem Zeitpunkt wirklich in Fahrt, stets komponierte Horner "mit angezogener Handbremse". Das macht sich schon zu Beginn bemerkbar, wird aber besonders deutlich in den längeren Action-Suspense-Passagen, in denen die Musik immer wieder steckenbleibt - besonders in "Tornado in the Barracks", "Stealing the Map" und "Leave No Witnesses..." Dafür ist das Album dann auch viel zu lang, auf eine dröge Suspensepassage wie Elena's Truth" hätte ich gut und gerne verzichten können. Wirklich gelungen scheinen mir die ausschweifenden, auf dem Liebesthema basierenden Titel wie "Elena and Esperanza" (aus dem man auch gut zwei 4-Minuten-Titel" hätte machen können), "Zorro's Theme" und "Diego's Goodbye". Das mexikanische Flair ist gut eingefangen, aber letzten Endes fehlt ein durchgehendes Feuer, der Abenteuergeist, das Vergnügt-Spitzbübische, zu dem sich Horner hier nie überwinden mag, weil er viel zu sehr am Bild zu kleben scheint. Das ist dann Mickey-Mousing auf hohem Niveau, das mit dem Film eine überzeugende Wirkung erzielt, auf CD aber massiv einbüßt. Etwas mehr musikalische Eigenständigkeit hätte dieser Musik mit viel Potential durchaus gutgetan.
  7. Dann muss ich hier einmal Asche auf mein Haupt streuen, falls mein Beitrag zu aggressiv rüberkam. Danke für die Erklärung, dann gibt's von mir auch einen Smilie:
  8. Naja, "brauchen" vielleicht nicht, aber es kommt wahrscheinlich (durchschnittlich) jüngeren Leuten entgegen, wenn Sie diese Musik in digitalem Gewand hören dürfen. Ich erinnere mich an diverse Gespräche mit FilmmusikhörerInnen der jüngeren Generation, die stets vor Golden Age zurückschreckten, weil Ihnen der Klang der alten Aufnahmen nicht zusagte. Einige verwechselten dann auch den Klang der Aufnahmen mit der Interpretation, empfanden beispielsweise die Streicher viel zu "aufdringlich" etc. Das dürfte sich mit neuen Aufnahmen etwas legen. Außerdem kündigte James Fitzpatrick ja an, dass er nicht nur auf den kleinen Kreis von Tadlow-Kunden zielt, sondern eben auf Medienunternehmen, für die er diese Aufnahmen dann auch lizensieren könnte (Trailer, Dokus, Werbung etc.). Die greifen dann vielloeicht auch lieber auf Ben-Hur zurück, weil sie den kennen und keine Zeit und Lust haben, sich durch andere Sachen zu hören.
  9. Es geht ja nicht darum, ob Du primitiv bist, sondern ob die Musik ihre Funktion gleichermaßen auf kombinatorischer Ebene mit dem zu begleitenden Film erfüllt als auch für ein alleinstehendes Hörerlebnis ihre Möglichkeiten ausschöpft - letzteres hat ja bekanntlich auch nicht jede Goldsmithmusik geschafft. Primitivität muss nicht gleich "dumm" bedeuten, sondern kann sich ja auch einen bestimmten Sinngehalt des Films beziehen wie z. B. der stampfend-hämmerne Isengard-Rhythmus aus DER HERR DER RINGE. Es gibt bestimmt unzählige Leute, die darauf abfeiern, das muss aber nichts über deren psychische Beschaffenheit oder den kulturellen Horizont aussagen. Ich hatte gehofft, diese Kokketiererei ob der eigenen Geschmacksfragen hätte hier langsam mal ein Ende gefunden. Sound67s Beitrag war auf niemanden hierpersönlich gemünzt, sondern spiegelte nur seine Einschätzung wider und das sollte in einem Musikforum auch erlaubt sein, ohne dass Leute da gleich wieder mit schnippischen Antworten suggerieren, ihnen würde unterstellt, "primitiv" zu sein. Zur Musik: Ich kenne sie nicht in Gänze, habe aber die Titelmusik (auf die Lars sich bezog) mehrfach gehört und sie ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum Djawadi einfach kein versierter Komponist ist. Es reicht nunmal nicht, sich eine schicke Idee zurechtzulegen, sondern man muss auch mit ihr arbeiten können, um ein vierminütiges Musikstück zu gestalten. Die Gesänge sind ja eine ganz nette Idee, die Melodie besteht aus zwei Phrasen, gewissermaßen einer Frage und einer Antwort: Die ersten fünf Noten und die anschließenden fünf Noten. Diesem schicken Einfall geht aber einfach zu schnell die Puste aus. Zweimal vom Frauenchor intoniert, vermag diese Kombination Phrase 1 + Phrase 2 noch eine nette Atmosphäre versprühen, dann hören wir das Thema aber (unverändert harmonisiert) in der asiatischen Flöte - nach 40 Sekunden habe ich dieses Thema nun insgesamt also viermal in seiner Gänze gehört. Anscheined das Thema fortzuspinnen, schiebt Djawadi gleich eine neue melodische Idee, dieses Mal im Frauenchor, hinterher - auch diese wird ohne große Veränderungen mehrfach hintereinander geboten, bevor - ohne Film - relativ unmotiviert die "Actionmusik" hervorbricht. Weder fehlt den sythetischen aufgepeppten Streichern und Trommeln die Wucht eines großen Orchesters. Der Rythmus zieht sich dann über eine Minute durch, während sich beide melodische Ideen aus dem Anfang abwechselnd über den "Actionrhythmus" legen. Somit besteht die Musik aus zwei einigermaßen netten Themen, aus denen aber rein nichts gemacht wird, die Action ist nur mit Streichern und ein paar Trommeln sehr dünn und repetitiv - man hat schon nach einer Minute alle musikalischen Informationen, die Djawadi anschließend nur noch aufwärmt. Ein ähnliches Problem sehe ich da in der Titelmusik aus WORLD OF WARCRAFT: Das chromatisch absteigende Streicherostinato ist ganz nett, ihm geht aber auch viel zu schnell die Puste aus, weil Djawadi offensichtlich nicht weiß, was er damit machen soll bzw. was er "drüberlegen" soll. Das Posaunenthema ist leider nicht griffig genug, weiß nicht, wo es hin soll oder hin will und schon verfährt sich die Musik in Beliebigkeit und Belanglosigkeit - anders dagegen das Isengard-Posaunen-Thema aus DER HERR DER RINGE - griffig, knapp, fetzig.
  10. Wie wärs' mit SINGIN' IN THE RAIN und SUNSET BOULEVARD?
  11. Francesco de Masi - RINGO, IL VOLTA DELLA VENDETTA Ein weitaus gefälligeres Hörerlebnis als RINGO IL CAVALIERE SOLITARINO bietet die Musik zum zwei Jahre früher entstandenen RINGO, IL VOLTO DELLA VENDETTA, hierzulande bekannt unter ES GEHT UM DEINEN KOPF, AMIGO. Wie üblich soll der bekannte Name einer Genrefigur, ähnlich Django, als Zugpferd für einen Durchschnittswestern dienen, denn IL VOLTO DELLA VENDETTA steht zu anderen RINGO-Filmen in keiner Beziehung. Francesco de Masis Komposition ist über weite Strecken melodisch konzipiert. Bereits das von der Solotrompete über die behäbig trottende Begleitung der Rhythmusgruppe intonierte Hauptthema verstrahlt Coolness und Gelassenheit zugleich und ist trotz seiner Ähnlichkeit vom Arrangement deutlich griffiger als das zu IL CAVALIERE SOLITARINO. Dem Hautthema stellt der Komponist eine Fülle weiterer Themen zur Seite wie z. B. eine äußerst stimmige Ballade für zwei Trompete über die sanft zurückhaltende Begleitung von Gitarre, Kontrabass und Marimbaphon. Diese melancholische Melodie gehört in ihren unterschiedlichen Darbietung - so unter anderem auch für Gitarrenduo - zu den schönsten Einfällen des Komponisten und avanciert während des Albums zum eigentlichen Höhepunkt. In "Sequenza Nr. 6" etabliert de Masi außerdem ein weiteres Thema, das von der Mundharmonika über Gitarrenbegleitung dargeboten wird und ebenfalls Ohrwurmpotential hat. Bereits im darauffolgenden Stück wird dieses Thema in der E-Gitarre über trockene E-Bass-Töne in einer Suspensepassage eingeflochten. Diese sind erfreulicherweise äußerst rar und fügen sich gut in den Hörfluss des Albums ein, weil auch ihnen häufig ein Thema zu Grunde liegt. In zwei Fällen flocht der Komponist eine folkloristische Melodie im Englischhorn in die üblichen funktionalen Suspensepassagen, die so eine neue Qualität erhalten. Insgesamt handelt es sich bei IL VOLTO DELLA VENDETTA um den seltenen Fall einer gut durchhörbaren Italowesternmusik, weil de Masi den Fokus auf die melodische Ebene legte. Über die vollständige Laufzeit von über 40 Minuten wird die Musik allerdings etwas gleichförmig, sodass sich das Abum auch gut nebenbei hören lässt.
  12. Wobei ich mich schon frage, ob sich das wirklich lohnt. Schließlich investieren die großen Library-Hersteller doch Jahrzehnte in ihre Produkte. Jeden Ton hundertfach in verschiedenen Verbindungen und Artikulationen von einzelnen Instrumenten und Ensembles aufnehmen, alles programmieren etc. - und das alles nur "nebenbei" als Teil des Arbeit neben den ganzen Filmvertonungen scheint mir doch sehr aufwändig. Können denn diese "Privatlibraries" so viel mehr? An Bimbamdindong: Hier findest Du ein Einführungsvideo in die Spielweise der von Sebastian erwähnten Vienna Symphonic Library: Jeder, der einen Computer, ein Midikeyboard oder E-Piano und so eine Library hat, kann damit letzten Endes eine ganze Beethovensinfonie alleine einspielen oder - wie dieser Nerd hier - "Adventures on Earth":
  13. Liebe Leute, nur ganz kurz zu dem Verschieben der Beiträge: Entgegen Olivers Vorschlag, dass Sebastian und Scorefun den Konflikt privat klären (oder weiterführen oder es lassen) habe ich ja dazu beigetragen, dass das ganze Thema "Elitedenken" hier weiter ausgetragen wurde, weil ich das Gefühl hatte, dass hier einigen etwas unter den Nägeln brennt. Ich habe mich beim Team dafür stark gemacht, dass wir die Diskussion weiterlaufen lassen, um sie eben nicht zu ersticken. Als sich die Wogen zu glätten begonnen haben, wechselte das Thema in den Bereich "Musik fühlen oder verstehen?". Mehrere Mitglieder haben (verständlicherweise) mehrfach darauf hingewiesen, dass das hier eine Diskussion über den Neuen STAR WARS-Film ist. Ich habe angekündigt, die Beiträge zu verschieben und es gab keine Einwände - auch, als ich es zeitlich nicht geschafft habe und die Beiträge länger als geplant hiergeblieben sind. Oliver ist mir dann freundlicherweise zur Seite gesprungen, hat also nur "ausgeführt" und nicht "entschieden". Dass es im Nachhinein Beschwerden gibt, wundert mich, da ich es ja extra angekündigt habe - insbesondere, weil wir Rücksicht auf die Stimmen nehmen wollten, die hier über STAR WARS diskutieren wollten. Man kann es niemandem völlig recht machen. Ich selber denke, dass es gute Ansätze in der Diskussion oben gab, die nicht in einem STAR WARS-Thread untergehen sollen. Sollte es weitere Beschwerden geben, dann richtet diese bitte gegen mich und nicht gegen Oliver. Der kann für die aktuelle Situation nämlich nichts.
  14. Also: Ich werde mich darum kümmern und einen Tisch für vier bis sechs Leute besetzen. Beginn der Runde: 21:00. Freu' mich drauf!
  15. Wäre bei mir vorerst kein Problem. Wie sähe es denn mit dem Brauhaus Südstern aus? Oder sonst eine Woche später?