Im Jahre 1958 erschien eine Capitol-LP mit dem Titel "Contemporary Creations for Spanish Guitar", mit einigen Kompositionen für Solo-Gitarre, die größtenteils vom brasilianischen Konzertgitarristen Laurindo Almeida in Auftrag gegeben wurden. Neben den Stücken von Goldsmith, North und Mancini fand sich auf der LP unter anderem auch ein von Almeida selbst arrangiertes Raksin-Thema (THE BAD AND THE BEAUTIFUL, 1952).

Von Goldsmith ist die ca. 3-minütige "Toccata for Solo Guitar", vermutlich aus den Jahren zwischen 1955 und 1958. Eine genauere Datierung ist wohl nicht mehr möglich.
Von den drei vorliegenden Komposition ist die "Toccata" die anspruchsvollste und die modernste. Ein ziemlich dissonantes, größtenteils im phrygischen Modus (auch bekannt als "spanische Tonleiter") gehaltenes Stück - das Phrygische soll später ein wichtiger Bestandteil vieler Western-Musiken von Goldsmith werden, am ohrenfälligsten ist wohl die Verwendung des Modus im aggressiven Thema für die mexikanische Armee in 100 RIFLES.
Die Komposition kann grob in drei Teile gegliedert werden: ein Thema, ein verarbeitender Mittelteil und eine Reprise des Themas. Am Ende nimmt Goldsmith den Begriff "Toccata" (von lat. toccare - schlagen) ganz wörtlich und lässt den Gitarristen vor dem letzten Akkord ein kurzes Rhythmusmotiv auf den Resonanzkörper der Gitarre klopfen - netter Gag.
Alex Norths Komposition ist noch kürzer, dauert nur etwa 2 Minuten, und trägt den wohl nicht ganz ironiefreien Titel "Ballad for a Westerner". Die Erwartungen, die der Titel weckt, erfüllt das Stück in jeder Hinsicht: ein einfaches, melodisches, leicht wehmütiges Western-Thema, ganz klassisch und eben typisch "western". Das Thema ist akkordisch gebaut und lebt vor allem von den idyllischen Arpeggien, dem wohl charakteristischsten Merkmal des Stücks. Insgesamt eine kleinere, weniger "schwere" Komposition als Goldsmiths "Toccata", aber trotzdem ganz wunderbar.
Henry Mancinis formal recht freie "Prelude for Laurindo" ist wieder etwas dissonanter und düsterer, bewegt sich aber in seiner stark moll-geprägten Harmonik noch im Bereich des Tonalen. Die dissonanten Einschübe der großen None erinnern mich persönlich ein kleines bisschen an Kamens LICENCE TO KILL, der ja auch größtenteils um Septnonakkorde in Moll herumstrukturiert ist - vielleicht kannte Kamen das Mancini-Stück ja.
Alle drei Stücke gibt es auf iTunes für jeweils 99 Cent - ich rate jedem, hier zuzuschlagen, für diese 3 Euro bekommt man acht Minuten wirklich hochinteressante Musik, die zumindest bei mir seit einiger Zeit rauf- und runtergehört wird.













