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Sebastian Schwittay

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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay

  1. Eine von La-La-Lands langweiligsten End-Jahres-Batches ever. Alles schon in ausreichender Länge im Regal.
  2. BORN ON THE FOURTH OF JULY und JFK sind allerdings auch grundverschiedene Filme, die jeweils andere musikalische Ansätze benötigen. Ersterer bietet in seiner Anlage als biographische Heldenreise viel mehr Raum für traditionelle Entwicklungs- und Variationsformen als JFK, der mit Kevin Costner zwar auch eine "Heldenfigur" hat, aber motivisch viel mehr vom Dickicht der konspirativen Verwicklungen geprägt ist - einer Welt, die sich immer nur kurz mit der Welt des Helden schneidet, aber niemals in solche Interaktion mit ihr tritt, dass sich daraus große musikalische Entwicklungsmöglichkeiten ableiten ließen. Deswegen die von Williams gewählten Techniken der Überlagerung und Collage. Und Filmmusik ist halt doch auch Film(!)musik, und sollte wenigstens dramaturgisch mit dem Film zusammengedacht werden. Da muss ich mich aber etwas verteidigen: ich bin schon immer sehr darum bemüht, einer Filmmusik gerecht zu werden und auch aus der praktischen Perspektive des (Film-)Musikers zu argumentieren. Solche Sperenzchen wie Kamens ROBIN HOOD in Grund und Boden zu reden, weil auf den ersten Seiten der Partitur nur ein Ton wiederholt wird, uff... Was sich Karban und seine Leute damals so geleistet haben, war in Teilen schon äußerst deutsch und freudlos. Musikkritiker halt, man kennt sie.
  3. Diese argumentativ schwer nachvollziehbare Kritik (was ist an einem musikalischen Nukleus als Ausgangspunkt schlecht? Goldsmith hat ständig so gearbeitet...) auch noch mit altbackener Ideologiekritik und Antiamerikanismus aufzuwärmen, ist halt ein typischer, teutonischer Alt-Herren-Move, wie er schon vor 30 Jahren überholt war.
  4. Das ist halt die Sache bei Kamen: er schwelgt eben nicht nur im Melodischen (also in seinen Themen), sondern auch im Harmonischen und Klanglichen. Im Harmonischen, wenn er seine verminderten, arabischen und sonstigen Skalen rauf- und runterjagt und eine beinahe kindliche Freude an der Klangwirkung von Tonleitern und ihres Tonvorrats an den Tag legt (Kamen ist ein Liebhaber des Modalen, just like me ); im Klanglichen, wenn er sich regelrecht suhlt in den instrumentatorischen Kontrastwirkungen seiner Sätze (nur wenige Filmkomponisten seiner Generation haben bzw. hatten ein derart sonoristisches Ohr wie er). Für den traditionellen Filmmusikhörer, der ständige thematisch-motivische Entwicklung gewohnt ist, mag das eventuell unzusammenhängend oder gar nach musikalischem Stillstand klingen - tatsächlich hat es seine Wurzeln oft eher in einer modernen, teils sogar modernistischen Schule, ähnlich wie Goldenthal, Goldsmith und Co. Die Erzählung der deutschen Filmmusikkritik, dass Kamens Musik von ihren vermeintlichen Schwächen bestimmt wird, und nur "aus sich herauskommt", wenn sie sich dem Kompromiss der klassisch-romantischen Entwicklungslogik annähert, ist eben tatsächlich nur das: eine Erzählung.
  5. Geht es doch eh selten, auch hier nur mal als Exkurs zwischendurch. Im Grunde ist das hier doch eh nur das gleiche, was ihr kritisiert, nur eben gespiegelt: sich unentwegt kritisch und enttäuscht über Labelentscheidungen auslassen, statt sie mehrheitlich zu beklatschen wie in den US-Boards. Über spezifisch Musikalisches wird doch gar nicht diskutiert, sondern nur darüber, dass die großen Labels den eigenen Geschmack nicht mehr bedienen. Schade, dass die alte Leier, JFK habe außer dem Thema nicht viel (oder nur "funktionale Spannungsmusik") zu bieten, immer noch so in den Köpfen der deutschen Fans verankert ist. Als ob "The Motorcade" keiner der aufwühlendsten modernistischen Sätze in Williams' Karriere wäre, der auch im Film unfassbar enervierende Wirkung entfaltet. Oder das "The Conspirators"-Thema nicht zurecht zu einer der ikonischen Verschwörungs-Musiken der Popkultur wurde... Ein starker, damals auch völlig zurecht oscarnominierter Score, keineswegs schwächer als die beiden anderen Stone-Arbeiten.
  6. Der wächst und wuchert unaufhaltsam vor sich hin, und sprengt mittlerweile alle Grenzen. In den letzten Monaten hatte ich leider keine rechte Zeit, das Monster zu bändigen. 2023 dann!
  7. Von welchen Spielberg-Filmen gibt es denn überhaupt 70mm-Kopien? Bei CLOSE ENCOUNTERS und 1941 bin ich mir ziemlich sicher, evtl. von den INDIANA JONES-Filmen... aber sonst? Wenn, dann eher 35mm, aber ich tippe mal eher auf digital. Für mich sicher kein Grund, nach Berlin zu fahren.
  8. Die Nominierungen werden aber schon von den jeweiligen "Gilden", also von Kollegen, vergeben, womit durchaus eine Auswahl nach Qualitätskriterien sichergestellt werden soll. Die Vergabe ist dann natürlich was anderes. Ich finde L.A. CONFIDENTIAL auch nicht so überragend, und wundere mich, warum gerade der unter Goldsmiths letzten Oscarnominierungen ist. Aus den späten 90ern bis frühen 2000ern haben Musiken wie THE EDGE, THE GHOST AND THE DARKNESS oder auch HOLLOW MAN deutlich mehr Anteil an der filmischen Erzählung und Emotionalisierung als dieses okaye DETECTIVE/CHINATOWN-Update.
  9. Wirklich starke Einspielung, hatte vor einiger Zeit schon mal jemand auf Facebook verlinkt. Danke für's Erinnern! Viel mehr Kamen im Konzertsaal bitte!
  10. Starker Horror-Score, einer der besten der späten 90er - schön, dass er erhältlich bleibt.
  11. Da kommen wir wohl nicht ansatzweise zusammen. THE OUTSIDE war für mich die stärkste Episode der Anthologie, Kate Micucci hat mich unglaublich beeindruckt. Mein Eindruck bei Letterboxd: https://boxd.it/3pmE4b Auf der anderen Seite finde ich diesen 80er-Retro-Trend, wie er in seiner Extremform gerade bei Cosmatos auftritt, ziemlich ausdruckslos und trist. Das ist alles oberflächlich schick, shiny und unterhaltsam - so wie unsere Zeit -, aber es bleibt einfach nichts hängen. Endlose Referenzen auf einen Stil, der selbst schon oberflächlich war, oder: Oberfläche multipliziert mit sich selbst.
  12. Hat einige launige Momente, z.B. der rockige letzte Teil ab 5:32. Insgesamt blieb aber nicht so viel hängen, kein Vergleich etwa zu Christopher Youngs herrlichem AUTOPSY-Thema.
  13. Im Filmkontext wächst der Score nochmal enorm. Wirklich spannendes Konzept, gerade im kompositorischen Detail. Der Film ist auch stark, wenngleich sicher nichts für Cronenberg-Neulinge.
  14. Die drei hintereinander geschalteten Hauptmotive der Titelmusik von Howard Shores CRIMES OF THE FUTURE (ab 0:21 im Track). Das Gegenüber von Alt und Neu bzw. das Motiv der Evolution arbeitet Shore intelligent in seine Musik ein: die etüdenhaften Sechzehntel-Läufe evozieren den Klassizismus des 18. und 19. Jahrhunderts, während die elektronischen Klangfarben für Erneuerung und Zukunft stehen. In den ersten 6 Takten entwickelt sich die Musik gar im Schnelldurchlauf von dorisch/mixolydisch auf a (Takt 1 und 2) zu reinem a-moll/A-Dur (Takt 3 und 4), was einer Evolution von Kirchentonarten zu modernem Dur/moll entspricht: das accelerated evolution syndrome in Musik übersetzt. https://youtu.be/_2XVepRkYkE?t=21
  15. Den letzten Track mit den kontrastierenden bzw. ergänzenden Haydn-Abschnitten finde ich am interessantesten. Bestimmt auch im Film sehr spannend. Freue mich drauf!
  16. Zu Halloween mal wieder eine größere Transkription: das "Resurrection"-Thema aus Christopher Youngs HELLRAISER. Im ersten Durchgang wird das Thema in sattem Klaviersatz präsentiert und von den Streichern in Alt-Lage begleitet. Im zweiten Durchgang übernehmen die hohen Streicher das Thema, während die Horn-Sektion einen schaurig-eleganten Kontrapunkt beisteuert. https://youtu.be/0GpveZRy2Cw?t=33
  17. Die "Total Time" stand im JW-Fan-Artikel auch nochmal direkt unter der Trackliste, von daher gehe ich davon aus, dass das eher die Gesamtspielzeit ist. Mir ist das auch recht. Lieber 20 Minuten starken, ausdrucksstarken Williams als 1,5 Stunden Balfe, Holkenborg, oder - sorry - Giacchino.
  18. Och, Sextolen sieht man schon öfter, gerade bei schnellen Läufen in den Streichern oder Flöten, oder auch bei minimalistischen Patterns...
  19. Den Score gab es bereits 2005 vom Varèse Club. Finde übrigens auch, dass das einer seiner besten Western-Scores ist (auch einer meiner liebsten Bernsteins überhaupt).
  20. Sehe ich ähnlich. Ein ähnlich wie HALLOWEEN KILLS überdurchschnittlicher Teil der Reihe, bis auf das konventionelle Finale. Mich hat er übrigens stark an HALLOWEEN 6 erinnert, was den Fokus auf sozialen Horror angeht. Immer schön, wenn HALLOWEEN-Filme solche Seitenwege beschreiten.
  21. Finde ich auch furchtbar. Danke für eure Mühen, das und anderes zu beseitigen/zu verbessern.
  22. Ich höre seit einigen Tagen wieder öfter seinen FIREWALL von 2006. Bin verblüfft, wie sehr der Score sogar noch gewachsen ist mit der Zeit. Die Actionmusik ist rhythmisch ziemlich anspruchsvoll und steckt voller Ideen. Der furiose Titeltrack in 6/8 und "The Fight" sind tolle Aushängeschilder für seine Fähigkeiten als Actionfilmkomponist. Zusammen mit THE GHOST WRITER und HOSTAGE bildet der wohl meine Top 3.
  23. Etwas verspätet (gegenüber Facebook) noch das letzte Spotlight nachgereicht: James Horners "Klavier- und Percussion-Crash", wie er erstmals in SNEAKERS (1992) auftauchte, und dann zum Stilmerkmal von Horners Musik der 90er Jahre wurde. (Hier der eigene Thread dazu: https://www.soundtrack-board.de/topic/16194-horner-der-klavier-und-percussion-crash/) https://www.youtube.com/watch?v=YvDt1nVhhk0&t=367s
  24. Der Score kam damals zur gleichen Zeit wie Goldenthals S.W.A.T. bei Varèse raus... im August 2003. Lief drei, vier mal, und wurde dann ganz schnell vom Goldenthal verdrängt. Ziemlich schwerfälliger Silvestri, dem auch die modernen Beats nicht sonderlich gut stehen (die Goldenthal-Konkurrenz arbeitet die zeitgemäßen Elemente fünf Klassen interessanter ein).
  25. Die Wiedersichtung in jüngerer Zeit - im Kontext von Wokeness und Co. - war sicher förderlich. Ich fand es schon spannend, wie Verhoeven hier einen Film über einen fiesen Vergewaltiger im Gewand eines teuren CGI-Blockbusters versteckt. Schöne Schmuggelware. Ach ja: welcome back!
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