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32/52 MOBY DICK by Christopher Gordon


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Herman Melville´s Walfangepos um die schicksalshafte Fahrt der Pequod war schon immer einer meiner Lieblingsgeschichten. Schon als Kind hatte ich eine gekürzte Hörbuchversion auf Kassette die ich regelmäßig gehört habe. Mein nächster Kontakt mit dem weißen Wal war die recht ansprechende Verfilmung von John Huston mit einem etwas deplatzierten Gregory Peck als Ahab und der großartigen Musik von Philip Sainton. Danach habe ich mehrmals versucht den dicken Wälzer zu lesen, bin aber an dem trockenen und ausschweifenden Stil Melville´s mehrmals gescheitert. Schlussendlich habe ich Moby Dick in Form eines Hörbuchs endgültig erlegt J. Die Geschichte um den mythisch überhöhten Zweikampf zwischen dem weißen Wal und dem von Rache besessenen Captain Ahab mit all seiner tieferen psychologischen Bedeutung ist atemberaubend interessant und fesselnd. Der ausschweifende Stil von Melville mit seinen detaillierten Beschreibung des Walfangs und der Abläufe an Bord ist für mich jedoch teilweise ermüdend.

 

Und er bürdete dem Buckel des weißen Wals die Summe der Wut und des Hasses der ganzen Menschheit auf. Wäre sein Leib eine Kanone, er hätte sein Herz auf ihn geschossen“

 

Zitiert ein anderer nicht weniger berühmte Captain in Star Trek VIII aus Moby Dick – das ist eines meiner absoluten Lieblingszitate der Literaturgeschichte. Und eben dieser Captain der USS Enterprise durfte 1998 in TV Verfilmung des Stoffes den besessenen Captain Ahab darstellen. Sir Patrick Stewart lieferte eine großartige darstellerische Leistung in der auch eher mittelprächtigen Verfilmung ab.

Für die musikalische Waljagd war ein damals mir gänzlich unbekannter australischer Komponist namens Christopher Gordon verantwortlich. Nach wie vor stellt Gordons Komposition für mich einer der besten wenn nicht die beste Musik für einen Fernsehfilm dar.

Gordon wurde 1956 in London geboren und lebt seit seiner Kindheit in Australien. Mit nur 13 Jahren entschloss er sich Komponist zu werden, wobei das Werk von Benjamin Britten eine besondere Inspirationsquelle war. Gordon ist Autodidakt und absolvierte nie eine höhere musikalische Ausbildung – was umso erstaunlicher ist, da sich Gordon durch eine besonders virtuose Beherrschung des Klangkörpers Orchester auszeichnet. Bei dem großartigen musikalischen sowie dramatischen Talent Gordons kommt es geradezu einem Verbrechen gleich wie selten Gordon Aufträge für Filme bekommt.

Seine Partituren sind technisch auf höchstem Niveau und dabei musikdramaturgisch ungemein eindrucksvoll und trotzdem relativ leicht zugänglich – für mich nur eine Parallele mit meinem Großmeister der Filmmusik Jerry Goldsmith. Insbesondere für das Horrorgenre lieferte er zwei herausragende Kompositionen ab (Daybreaker und Salem´s Lot). Es war eine wirklich schwere Entscheidung für mich, ob der musikalisch ungemein vielschichtige (Avantgarde Techniken, atemberaubende Perkussions oder tragisch melancholische Passagen) Daybreaker oder der doch eher klassische Moby Dick in meine Liste wandern sollte – aber es sind ja noch ein paar Plätze frei. Meine Vorliebe für großorchestrale romantische Scores hat wie immer gewonnen und deswegen darf ich hier über Gordon´s Moby Dick Soundtrack schreiben.

 

Zuerst möchte ich vorausschicken wie großartige die sehr „britische“ Partitur von Philip Sainton für die John Huston Verfilmung aus dem Jahr 1956 ist. Auch für diese Musik gibt es von mir eine absolute Hörempfehlung. Gordons Interpretation des Stoffes ist aber etwas leichtfüßiger und zugänglicher und landet deswegen wesentlich häufiger in meinem CD Player.

 

Frank Roddam der Regisseur der Fernsehproduktion dürfte Chris Gordon relativ viel kompositorische Freiheit eingeräumt haben – so verzichtete der Regisseur auch auf Temp Tracks. Die Musik ist im besten Sinne old school. Eine atemberaubende Abenteuermusik die einem die Meeresluft geradezu musikalisch um die Ohren haut. Schon das ausladende, mitreißende und majestätische Hauptthema bei dem es nicht schwer fällt,sich große Segelschiffe in voller Fahrt bei wogenden Wellen vorzustellen, ist absolut großartig.

Den großen weißen Wal stellt ein eindrucksvoll aggressiver  Bläserakkord dar – Goldenthals Elephantenbläser (mich würde interessieren wie dieser musikalische Effekt erzielt wird – vielleicht kann hier einer etwas dazu schreiben). Gut in „The Devil Himself“ zu hören.

Insbesondere beeindruckend an Gordons Komposition ist sein innovativer und enthemmter Umgang mit dem Schlagwerk und dem Blech (zB „The Pequod Burns“).

Zusätzlich kommt ein wortloser Chor zum Einsatz der insbesondere das mystische Naturphänomen Elmsfeuer eindrucksvoll klangmalerisch widerspiegelt – großartige spannungsgeladene Filmmusik. Atemberaubend entfesselte Actionmusik gibt es bei einem derartigen überdimensionalen Drama natürlich auch wie zB in „Fate´s Lieutenant“ einem frenetischen Scherzo oder in „Lower the Boats“.

Der Harpunier Queequeg wird durch brachiale, erdige Musik inklusive sprechendem Männerchor dargestellt.

Insgesamt eine musikalisch absolut hochwertige ungemein unterhaltsame, dramatisch akkurate Filmmusik die gigantisch viel Spaß macht - besonders eindrucksvoll ist es das Moby Dick Christopher Gordons erstes "größeres" Filmprojekt war.

 

Für mich ist Chris Gordon nach wie vor einer der musikalisch interessanteste Komponist da draußen und es wirklich eine absolute Frechheit das er kaum Filmprojekte vertonen darf - immerhin steht jetzt nach drei Jahren wieder einmal ein Projekt bei imdb gelistet (Scarlett). Ein weiterer Beweis das heutzutage in der Filmmusik keine musikalische Qualität gewünscht ist sondern nur bekannter, sich bewährter Einheitsbrei.

 

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Goldenthals Elephantenbläser (mich würde interessieren wie dieser musikalische Effekt erzielt wird – vielleicht kann hier einer etwas dazu schreiben.)

 

In der Regel sind das Horn-Triller.

 

... wirklich eine absolute Frechheit das er kaum Filmprojekte vertonen darf - immerhin steht jetzt nach drei Jahren wieder einmal ein Projekt bei imdb gelistet (Scarlett).

 

Sehr schön, endlich mal wieder was Neues. :)

 

Scheinbar kommt bald auch eine neue CD mit Konzertwerken, zumindest hat er auf Facebook Anmerkungen in die Richtung gemacht (inkl. eines Session-Fotos).

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