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Bewertung von Filmmusik


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Ich möchte meinen Beitrag von gestern noch um ein paar Gedanken ergänzen:

Wenn ich bei FdK3 von der Aneinanderreihung lauter Actionstücke spreche, meine ich damit nicht, dass das pauschal schlecht ist, sondern mich stört der grundsätzliche Mangel an einer musikalischen Dramaturgie, wie er in der Filmmusik derzeit häufiger anzutreffen ist. Das liegt natürlich auch an den zugrundeliegenden Filmen, die von sich aus schon wenig Raum für Ruhepunkte und musikalische Entwicklung lassen. Wenn der Film z.B. eine Actionszene an die nächste reiht, muss die Musik zwangsläufig folgen.

Das sind natürlich nicht immer leichte Bedingungen für einen Filmkomponisten. Aber die besten ihres Faches haben es seit jeher verstanden, den schwierigen Spagat zwischen Erfordernissen des Filmes, Termindruck, den Wünschen von Produzenten/Regisseur und den musikalischen Ansprüchen einer autonom funktionierenden Komposition zu vollbringen. Und das selbstverständlich unter nicht immer einfachen Rahmenbedingungen. Auch im vielbeschworenen Golden Age war die Arbeit eines Filmkomponisten in dieser Hinsicht alles andere als paradiesisch.

Die Kunst eines guten Filmkomponisten ist es neben der reinen Filmdienlichkeit u.a., eine homogene Komposition zu schaffen, in der Themen und Motive miteinander verflochten und vor allem entwickelt werden - nicht nur eine mehr oder weniger lose Aneinanderreihung von Einzelstücken, die Szenen zwar angemessen begleiten, aber kaum einen übergeordneten Zusammenhang ergeben. Man denke nur an Bernard Herrmann, dessen Arbeiten meist aus unzähligen kurzen Einzelstücken bestehen, die zusammengefügt aber einen wunderbaren, erstaunlich bruchlosen Musikfluss ergeben. Ganz aktuell kann man das z.B. an der tollen "The Kentuckian"-Musik nachvollziehen.

Viele Actionmusiken folgen dieser Tage einer brachialen Überwältigungsstrategie, die keinen Raum mehr lässt für Nuancen, Subtilitäten, sondern durch pure Lautstärke (es ist kein Zufall, dass Zimmer seine Musiken gerne mit einen wummernden synthetischen Bassfundament unterlegt bzw. eine dem Pop/Techno nahe Rhythmik in den Actionsequenzen einsetzt) den Hörer geradezu erschlagen. Da muss es stets das große Orchester mit großem Chor sein - als wenn dieser Umstand alleine für Qualität bürgt. Es wäre sicher falsch zu sagen, dass Fdk3 ausschließlich aus einem reinen Actionfeuerwerk besteht. Die Musik macht durchaus Spaß, wenn Zimmer mit seinen Themen arbeitet. Doch diese netten Ansätze gehen im Verlauf der Musik immer stärker im Einerlei der montonen und überlangen Actionpiecen unter.

Da ist William auch im für ihn nicht besonders herausragenden Munich m.E. variabler und ökonomischer und nicht zuletzt stilsicherer im Umgang mit dem Orchester.

Mike

PS: Man verzeihe mir bitte, dass ich nicht musikwissenschaftlich argumentieren kann. Ich meine dennoch, dass man die qualitativen Unterschiede durchaus erkennen und benennen kann.

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@Ludwig: sag mal...hast du nen Höhenritt?

Kann sein. RED BULL verleiht Flüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüügel!

Aber das hatten wir alles schon...

Stimmt...

Ach, dann habe ich deine Aussagen oben wohl vollkommen falsch verstanden... :D

:D

Vielleicht sind ihm solche Lapalien nicht so wichtig, wie gewissen "Pseudo-Musikwissenschaftlern"?

Darüber kann man nur spekulieren!

Als wenn diese Kombination Munich besonders hervorheben würde! Dies tut sie aber nicht!

Und wieso nicht?

Aus diesem Grund hätte ich gerne eine vernünftige Begründung dafür, dass hier eine Themen-Recycling stattfand. Schließlich hast du dies hier eingeworfen! Es wäre schön, wenn es ein bisschen mehr als "das hört man doch" wird.

Ok, hier eine kurze Antwort dazu: Wenn du dir "The Black Pearl" im Vergleich zu "The Battle" anhörst, dass bei Pirates das Konzept des Walzers fast 100%ig durchgesetzt wird (0:51 bis 1:32). Ein paar Takte die nicht in das 8-Takte Schema passen gibt es auch, aber sowas gab es bei Strauss' "Blauer Donau" ja auch. Bei GLADIATOR gibt es das nicht. Es ist zwar im 3-er, aber das macht es noch lange nicht zu einem Walzer!

Auch das asiatische Idiom und das Morricone-Zitat besitzt kaum Pfiff oder Raffinesse, es bleibt beim simplen Stilzitat.

Auch hier der Vergleich: Das elegante Arrangement der Israelischen Nationalhymne gehört bei Williams zu den Höhepunkten der CD.

Sehr schöner Punkt Mike :P

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Hallo Mike,

um dir angemessen antworten zu können, werde ich die wesentlichen Thesen deiner Beiträge zusammenfassen.

Du sagst, FdK 3 hätte im Gegensatz zum Munich keine bzw. eine schlichte Dramturgie. Dem Score fehles es an einer überzeugenden Konzeption und der nötigen Subtilität, um es mit dem Williams aufzunehmen. Er sei roh und monoton.

Weiterhin sagst du, FdK 3 hätte für die Reihe keine neuen prägnanten Themen zu bieten, Munichs Themen hingegen wäre sehr überzeugend.

Als besondere Leistung Williams hebst du das Arrangement der israelischen Nationalhymne hervor.

Als Mangel in der Dramaturgie von FdK 3 machst du eine große Anzahl von Actiontracks verantwortlich, welche dem Score (auf der CD) eine Monotonie verleihen sollen.

Sehen wir uns dazu die Tracks einmal an.

1. Hoist the Colours: Dies ist die Piratenhymne von der du sprachst. Sie ist eine langsame und pompöse Introduktion. Kein Action Track.

2. Singapore: Ein Actiontrack, mit einer langsamen Einleitung, die in das asiatische Millieu einführt. Er mündet wieder in ein ruhiges Ende, in dessen Verlauf das Pirates Thema angespielt wird.

3. At Wit`s End: Hier wird zum ersten Mal der FdK 3 Thema gespielt, auf das ich später näher eingehen werde. Der Track beginnt ruhig und baut langsam das Hauptthema auf. Es kommt ein Frauenchorstatment, das sehr an Da Vinci Code erinnert, also das Sakrale der Situation unterstreicht. Das Hauptthema türmt sich zu einen gewaltigen Statement auf. Es folgt das bekannte Davy Jones Thema mit Spieluhr und Streichern, was sich auch wieder zu einem Orchesterstatment aufbaut.

An dieser Stelle kommt das Orchester in Fahrt, neue Variationen des FdK 3 Themas spielend, mit dem der Track schließt.

Man kann also nicht wirklich von einem Actiontrack sprechen, da hier nur etwa ein Achtel der Musik dieser Definition entsprechen. Vielmehr unterstreicht dieser Track die Vielfältigkeit der Musik, in der Thematik und der Verarbeitung.

4. Multiple Jacks: Ein sehr schräges Stück Musik, das eine sehr skurile Variation des Jack Themas enthält. Von Action keine Spur.

5. Up is Down: Ein Actiontrack ohne Frage, der ein neues Motiv begleitend zum Hauptthema bringt. Die Orchestration ist interessant und vielfältig.

6. I See Dead People in Boats: Der Cue beginnt ruhig mit dem Hauptthema, gespielt von einer Oboe. Dann folgt ein athmosphärisch ruhiger Teil, mit Streicherclustern und Frauenchor, der später durch weitere Instrumente des Orchesters ergänzt wird. Nach fünf Minuten Musik wird es spannend. Eine neue Variation des Haupthemas wird über die drängenden Streicher gelegt, welches später in einem gewaltigen Ausbruch eine Art Schicksalsmotiv kulminiert.

Auch hier muss man eindeutig sagen, dass die treibende Musik eindeutig nicht dominiert.

7. The Brethren Court: Hier wird wieder die Variation des Jack Themas aufgegriffen und durch eine hymnische Form des Hauptthemas ergänzt. Es folgt ein Wiederaufgriff des Jackthemas. Keine Action weit und breit.

8. Parlay: Nu kommt die oftmals gescholtene Spiel mir das Lied vom Tod-Referenz. Man kann vieles über diese Musik sagen aber ein Actiontrack ist es nicht.

9.Calypso: Ein epischer Track mit viel Chor, der sehr ruhig anfängt und sich dann langsam zu einem großen Orchesterausbruch steigert, um dann wieder in leisen, teils dissonanten Tönen zu verschwinden. Kein Actiontrack.

10. What Shall We Die For: Ein ruhiger Anfang, der zusammen mit dem Hauptthema zu einem großorchestralen Statement mit Chor aufbaut. Hier kann man sich streiten aber ich finde, Action ist was anderes.

11. I Don`t Think Now Is The Best Time: Hier haben wir ihn endlich, den großen Actiontrack des Scores. Er untermalt die Schlacht und bietet entsprechen viele Statements von vielen Themen. Hier wird es pathetisch und der Bombast lässt nicht lange auf sich warten. Interessant ist, dass Zimmer sich ab der Mitte des Track sehr dem Prinzip der Machart von Williams nähert. So kommt die Abfolge der Themen (das Medleyhafte) teilweise dem Ultimate War aus Hook sehr nah, was sich natürlich auch auf den Spaßfaktor auswirkt.

12. One Day: Dieser Track bietet nochmal einen ausladenden Orchestersatz eines der Haupthemen aus FdK 1 um dann in das Hauptthema von Teil 3 überzugehen, was dem Hörer etwas Zeit zum durchatmen verschafft und in der schönen Musik schwelgen kann.

13. Drink Up Me Hearties: Der letzte Track ist ein Medley mit den bekannten Haupthemen der Reihe.

Nun, wie wir sehen ist die CD von FdK3 nicht nur vielfältig, sondern auch entgegen des vorherrschenden Meinung nicht etwa mit Action übersättigt. Ganz im Gegenteil, die Mischung stimmt überraschend gut, Monotonie tritt eigentlich nie auf.

Das neue Hauptthema ist nicht nur sehr prägnant und einprägsam, sondern auch in vielen Variationen sehr gut auf dem Score repräsentiert. Es ist mir schleierhaft, wie man dieses nicht als solches wahrnehmen konnte.

Man sieht, der Score bietet inhaltlich alles, was man sich von dieser Art Musik erwarten kann, die Kritikpunkte hingegen scheinen alle auf einer ziemlich oberflächlichen Sicht auf diesen zu beruhen.

Meiner Meinung nach, kann Munich nicht so viel bieten. Belege dafür gibt ist in meinen obigen Beiträgen.

Zu den Themen muss man sagen, dass Munich eigentlich fast monothematisch ist. Das Avner Thema dominiert fast den ganzen Score. Es ist sehr prägnant und eingängig aber durch die oftmalige Wiederholung eher ermüdend auf die ganze Länge des Scores.

Die Hatikvah wird nicht verarbeitet, kann man also nicht als Thema bezeichnen.

Als weiteres Thema kann man das in dem ersten Track angeführte Alt-Solo nennen. Aber dies ist weder besonders einprägsam, noch interessant und heraushebendswert.

Es steht euch natürlich frei, mich mit einer Analyse von Munich zu widerlegen.

Interessant ist, dass die israelische Nationalhymne als Kernstück und repräsentativ für Munich hervorgehoben wird. Besonders aus dem Grund, dass Williams künstlerisch kaum einen Anteil daran hat. Schließlich stammt die Melodie und die Harmonien nicht von ihm.

Umso mehr verwundert es, dass Williams Arrangement keinerlei hervorhebenswerte Besonderheiten besitzt. Der Satz ist sehr klassisch gehalten und die Orchestration mit den Streichern und Holzbläsern nicht sehr überraschend.

Sicher ist Williams hier recht stilsicher, obwohl mir die Verarbeitung ein bisschen zu starr geworden ist aber eine besondere Leistung oder etwa einen Grund die CD aus diesem Grund zu kaufen ist dieser Track nicht.

@ Ludwig

Darüber kann man nur spekulieren!
Genau das habe ich auch geschrieben.
Und wieso nicht?
Weil sie nichts besonderes ist. Das sagte ich aber auch schon oben.
Ok, hier eine kurze Antwort dazu: Wenn du dir "The Black Pearl" im Vergleich zu "The Battle" anhörst, dass bei Pirates das Konzept des Walzers fast 100%ig durchgesetzt wird (0:51 bis 1:32). Ein paar Takte die nicht in das 8-Takte Schema passen gibt es auch, aber sowas gab es bei Strauss' "Blauer Donau" ja auch. Bei GLADIATOR gibt es das nicht. Es ist zwar im 3-er, aber das macht es noch lange nicht zu einem Walzer!
1. Du hast mit diesem Statement nicht nachgewiesen, dass ein Themenrecycling vorliegt.

2. Erkläre bitte etwas genauer, was du mit dem Acht-Takte Schema meinst. Ich habe einige Nachschlagewerke gewälzt und in keinem kam dies als grundlegende Eigenschaft eines Walzers vor.

Hingegen sind der dreiviertel, bzw. sechsachtel Takt und die starke Betonung des Basses auf der Eins hinreichende Kriterien, welche von beiden Musiken erfüllt werden.

Nebenbei: Schade, dass sich der Prinz zurückgezogen hat und scheinbar nicht mehr antworten will.

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Ich möchte mir Dir an dieser Stelle gar nicht streiten, was nun bei Fdk3 als Actionstück anzurechnen ist oder nicht bzw. wie viel Actionmusik nun wirklich enthalten ist. Nur so viel: Ich habe ja oben selber geschrieben, dass es falsch wäre, die Musik als reines Actionfeuerwerk zu bezeichnen - auch wenn durchaus sehr viel typische Actionpassagen vorhanden sind. Stück 11 ist ja mit 11 Minuten bereits 1/5 der CD. Das sollte man nicht vergessen. Aber es geht auch schon bei der Piratenhymne in Track 1 los: Dem langsamen Beginn folgt sofort die altbekannte Zimmer-typische Actionrhythmik, was Du übrigens einfach mal so unterschlägst. Das Stück ist übrigens typisch für Zimmers Arbeitsweise - die verschiedenen Stile werden fast in Suitenform nebeneinander gestellt; es gibt kaum eine echte Entwicklung. Liegt vielleicht auch daran, dass immer unterschiedliche Leute an einer Szene arbeiten. Das fällt übrigens auch bei den langen Stücken von 7-10 Minuten auf, bei denen es durchaus mal sehr hübsche Passagen gibt, dann aber ohne Zusammenhang etwas stilistisch völlig anderes kommt.

Das neue Thema halte ich für nicht so wichtig. Es erinnert mich ein wenig an Horners Titanic und ist mir offen gestanden auch nicht so im Ohr hängen geblieben. In meiner CD-Kritik habe ich es damals aber zumindest erwähnt.

Worum es mir im Wesentlichen ging, ist dass die hübschen Ansätze im ganzen Einerlei aus Bombast, Hymnen und Action- und Spannungspassagen komplett untergehen, mitunter sogar ihrer möglichen Wirkung beraubt werden. Dabei ist der Umgang mit alten Themen durchaus nett und macht z.T. Spaß. Mir ist die Musik insgesamt auch zu überproduziert, jedes Arrangement wird gleich ins Laute, Bombastische mitunter hektische gezogen. Dieses ständige Arbeiten mit tiefen Bässen, wummernden Klangflächen wirkt auf die Dauer doch sehr monoton. Für mich hat Williams u.a. auch in Munich eine ganz andere Ökonomie und Sutilität im Umgang mit dem Orchester. Das mag auf diejenigen, die nur aus der Zimmer-Welt kommen, erst einmal langweilig oder öde wirken. Übrigens ist die Israelische Nationalhymne für mich nicht DAS Highlight der Komposition, sondern einfach ein schönes Arrangement, das zu den Highlights der CD gehört, wobei dies natürlich keine Eigenkomposition, sondern nur ein Arrangement ist.

Mike

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