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Ennio Morricone - RED SONJA


Empfohlene Beiträge

Red Sonja (Die Rache der Schwertkämpferin)

Komponist: Ennio Morricone

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Filmstart: 1985

CD-Release: 1990 (Varése Club Limited Edition of 1000 copies), zusammen mit BLOODLINE

Trackliste:

RED SONJA

1. Symphonic Suite from for Chorus and Orchestra - Part 1 (16:37)

2. Symphonic Suite from RED SONJA for Chorus and Orchestra - Part 2 (18:42)

BLOODLINE

3. Main Title (01:48)

4. Mountain Murder (01:43)

5. No Accident (02:05)

6. Almost Perfect Indiscretion (03:22)

7. Another Bloodline Murder (02:08)

8. Out of The Past (02:47)

9. Pills On Parade (03:23)

10. Bloodline Murders (03:21)

11. Dinner At Maxims (02:40)

12. Horrible Discovery (03:24)

13. Resolution / End Title (03:45)

Gesamtlaufzeit: 1h:05min

REVIEW

Autor: Mephisto

Nach dem Misserfolg von "Conan der Zerstörer" ist es verwunderlich, dass Regiesseur Richard Fleischer, der ohne Zweifel einige wirklich gute Filme drehte, auch für den dritten Teil der "Conan"-Reihe, der mit seinen Vorgängern eher wenig zu tun hat, verpflichtet wurde. Schwarzenegger war laut Vertrag angewiesen, in drei Filmen um den Barbar "Conan" mitzuspielen. Zum wahren dritten Teil der als Trilogie angelegten Reihe, "King Conan", kam es nicht mehr und auch in "Red Sonja" gibt der Österreicher das Schwert an seine dänische Kollegin Brigitte Nielsen ab, die in der ersten Hälfte des Films sogar dessen Hilfe ablehnt. Schwarzenegger selbst tritt übrigens nicht mehr als "Conan", sondern als Kalidor auf. In Hinblick auf diesen Umstand und die Tatsache, dass die rothaarige Heldin nicht mehr auf den "Conan"-Schöpfer Robert E. Howard zurück geht, gilt "Red Sonja" auch als Spin-Off, nicht aber als gleichwertiger Teil der "Conan"-Reihe. Auch musikalisch wurde hier ein Schnitt gemacht, da die Musik nicht mehr vom griechischen Altmeister Basil Poledouris stammt, sondern von Ennio Morricone geschrieben wurde.

Basil Poledouris gelang mit "Conan der Barbar" wahrscheinlich einer der größten Streiche seiner gesamten Karriere. Dass der Film auch heute noch Kultstatus genießt, trägt möglicherweise auch dazu bei, dass die Musik auch heute noch einem breiten Publikum bekannt ist. Für den ersten Film versammelte Poledouris ein 90 Mitglieder starkes Orchester sowie einen 24 Sänger und Sängerinnen zählende Chor um sich, den er noch einmal in der Aufnahme verdoppeln konnte. Die Musik kommt also höchst wuchtig daher, beeindruckt aber auch durch schöne lyrische Passagen und Themen. Einige Titel kommen sogar komplett ohne Blech aus. Die Kampfszenen wurden hauptsächlich von donnerndem Schlagwerk und schweren Blech untermalt, häufig auch mit Chorpassagen garniert. Allerdings vermitteln diese Actionpassagen meist einen kompositorisch geschlossenen und melodiösen Eindruck, als würde man einer Orff-Kantate lauschen. Leider ist die Aufnahme nicht sehr gelungen, Blech und Streicher hören sich scheppernd an, das Schlagwerk klingt flach. Die mögliche Klanggewalt des Orchesters ist meistens nur zu erahnen.

Schlechter steht es um die Musik des zweiten Teils. Die Besetzung ist auf die Hälfte der Musiker reduziert, der Chor fällt vollkommen weg. Poledouris konnte auch nicht, vielleicht bedingt durch den mäßigen Film, seinen meisterlichen ersten Teil nicht annähernd erreichen. Viele Stücke bleiben nichtssagend und die wenigen Themen, die übernommen wurden, verlieren auf Grund der schlechten Leistung des Orchesters sowie die schmale Besetzung einiges an ihrer ursprünglichen Faszination. Die zwei neu etablierten Themen sind zwar nett, fangen den Geist der vorherigen Musik leider kaum noch ein.

Man wird leider nie erfahren, ob Poledouris die "Conan"-Reihe zumindest musikalisch zu einem würdigen Abschluss gebracht hätte. Morricone immerhin hat keine schlechte Arbeit geleitet. Auch seine Bestzung scheint viel schmaler zu sein als die Menge an Musikern, die seinem Kollegen zum ersten Teil zur Verfügung stand. Allerdings ist die Klangqualität beiden Vorgängern weit voraus. Das Orchester spielt ebenfalls viel besser, allerdings geht der anscheinend viel kleiner besetzte Chor oft in den lauteren Passagen unter. Die Musik geht nahezu kaum über ein gesundes Mezzoforte hinaus. Es ist interessant, dass es kein eigentliches Thema für die Protagonistin gibt, sondern das Hauptthema Schwarzeneggers Kalidor-Charakter zugewiesen wird. Dieses Thema tritt hauptsächlich im Vorspann auf. Über markantem rhythmischem Spiel der Streicher legt sich das pointierte Thema zuerst von der Trompete, dann von Oboe und Klarinette gespielt. Für einen Barbaren wie Kalidor und der physischen Erscheinung eines Schwarzeneggers scheint dieses Thema einen Tick zu leichtfüßig, weist aber einen deutlicheren Ohrwurm-Charakter als das 11/8-"Anvil of Crom"-Thema von Poledouris auf. Für die mystisch-magischen Elemente der Handlung komponierte Morricone einige ruhige und lyrische Momente, oft von Streichern, Harfe und Chor getragen, der nach einem typischen Morricone besonders vom Satz her. Die Actionpassagen klingen, besonders wenn der Chor singt, nach einer leichten Version des Original-"Conans", allerdings geht Morricone nicht so melodisch und kanatenhaft wie sein Kollege vor. Außerdem fehlt vielen Actionmomenten einfach die Wucht. Neben dem Hauptthema greift der Komponist noch auf ein Liebesthema zurück, das insgesamt dreimal vorkommt und das Finale mitsamt Abspann bestreitet. Hier wurde es unter Einsatz der schwelgerischen Streicher und leichten Schlagwerks in eine poppige Variante umfunktioniert.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Morricones Arbeit ganz nett ist. Es fehlt ein bisschen an Brutalität und Wucht. Die mystischen Passagen sind schön geraten, bieten aber nichts Weltbewegendes. Die Actionpassagen leiden besonders unter der schmalen Bestzung. Da die zwei wichtigen Themen hauptsächlich im Vor- und Abspann auftreten, wurde keine Möglichkeit genutzt, sie zu variieren oder als roten Faden durch den Film zu verwenden, der hauptsächlich von athmosphärischen Stücken mit eigener Melodiestruktur getragen wird. Insgesamt eine nette Arbeit, die man aber nicht unbedingt haben muss.

Gesamtbewertung: 5 / 10

bearbeitet von Thomas Nofz
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  • 1 year later...

Sehr gut analysiert. Selbst als glühender Morricone Fan empfinde ich die Musik von Red Sonja austauschbar. Vielleicht wäre Poledouris tatsächlich als Komponist für Red Sonja angebrachter gewesen . Tatsächlich fehlt dem Soundtrack die "Wucht" zumindest über die Musik in Erinnerung zu bleiben, auch für mich ein eher durchschnittlicher Morricone.

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