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Geschrieben
vor 23 Minuten schrieb Nightwalker:

@Sebastian Schwittay Mich - und vermutlich auch @TheRealNeo - interessiert ob es Neuigkeiten zu dem Aufsatz gibt? :)

Das ist so ein Ding, das ich seit Jahren vor mir her schiebe... Es ist leider vollkommen ausgeartet, zu einer Takt-für-Takt-Analyse von "Fireproof" aus HELLBOY. Ein großartiges, hochkomplexes Stück, an dem sich Beltramis Modernismus exemplarisch zeigt. Aber die Analyse ist entsprechend auch monströs detailversessen, und leider bislang unvollendet. 

Am 25.9.2026 um 19:53 schrieb Mistermaffay:

Da es im ursprünglichen Thema mal um Beltrami und seine Kunst ging, hier mal mein Senf dazu:

Er hat ein paar wirklich interessante Scores (z.B. SOUL SURFER, IROBOT, MIMIC, GODS OF EGYPT und stellenweise FEAR STREET), aaaaaber mir ist seine Musik meist zu austauschbar, Elektro-überladen und identitätslos. 
Von einem ehemaligen Goldsmith Schüler hätte ich da deutlich mehr erwartet. 
Aber Beltrami hat offenbar so viel mit Goldsmith zu tuen wie McCreary mit Bernstein. Schade. 

Bei Beltrami ist es ganz entscheidend, welche Arbeiten du hörst. Die, mit denen er Geld verdient und "im Geschäft" bleibt (THE SHALLOWS, BEN HUR, FANTASTIC FOUR, THE GUNMAN, THE DROP, UNDERWATER, CHAOS WALKING...) - oder eben die Arbeiten, die ihm Spaß machen und kompositorische Freiheiten gewähren. Von denen hast du ja einige aufgezählt, und ich würde da noch Musiken wie THE KILLER (2024), THE SNOWMAN (2017), seine DIE HARD-Scores, und natürlich THE HOMESMAN (2014) oder SNOWPIERCER (2013) dazu zählen. Außerdem gibt es funktionalere "Broterwerbs"-Scores mit wunderbaren Konzertfassungen der Themen, wie z.B. VENOM: LET THERE BE CARNAGE - das sind in Gänze zwar keine großen Kaliber, aber für die End Credits oder eine konzertante Albumversion hat er dann eben doch gezeigt, was er kann. 

Und zum Thema "was er kann": er ist einer der wenigen, modernistisch geschulten, noch aktiven Komponisten in Hollywood - das darf man nicht vergessen. Beltrami kommt aus einer modernen akademischen Tradition, er hat u.a. bei Luigi Nono studiert. Und das hört man in seinen Agitato-Passagen und in seiner kontrapunktischen Schreibweise immer wieder!

Diesbezüglich mal ein paar Tracks, die ich dir ans Herz legen möchte: 

  • "Chaising the Tail" aus WORLD WAR Z - unused cue; gibt es nur auf dem Marco-Beltrami-Sampler des Film Fest Gent
  • "Down the Harry Hole" aus THE SNOWMAN
  • "Door Jam" aus KNOWING
  • "Blonde Behind the Wheel" aus TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES

Und was seinen sehr klassischen Zugang zu Form und Entwicklung anbelangt: 

  • "Venom and Blues" aus VENOM: LET THERE BE CARNAGE
  • "Yona's Theme" aus SNOWPIERCER
  • "The Spirit of Sport: Jack Nicklaus" - ein wunderbares neues Konzertstück auf dem Album "The Paintings of Bob Peak", in Auftrag gegeben von Robert Townson

 

Man darf sich bei Beltrami nicht so sehr von den Routine-Arbeiten täuschen lassen. Er möchte halt im Geschäft bleiben, und dafür braucht es heutzutage eben auch viel reinen Dienstleistungs-Output. 

  • Thanks 2
Geschrieben
vor 10 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

Das ist so ein Ding, das ich seit Jahren vor mir her schiebe... Es ist leider vollkommen ausgeartet, zu einer Takt-für-Takt-Analyse von "Fireproof" aus HELLBOY. Ein großartiges, hochkomplexes Stück, an dem sich Beltramis Modernismus exemplarisch zeigt. Aber die Analyse ist entsprechend auch monströs detailversessen, und leider bislang unvollendet. 

Bei Beltrami ist es ganz entscheidend, welche Arbeiten du hörst. Die, mit denen er Geld verdient und "im Geschäft" bleibt (THE SHALLOWS, BEN HUR, FANTASTIC FOUR, THE GUNMAN, THE DROP, UNDERWATER, CHAOS WALKING...) - oder eben die Arbeiten, die ihm Spaß machen und kompositorische Freiheiten gewähren. Von denen hast du ja einige aufgezählt, und ich würde da noch Musiken wie THE KILLER (2024), THE SNOWMAN (2017), seine DIE HARD-Scores, und natürlich THE HOMESMAN (2014) oder SNOWPIERCER (2013) dazu zählen. Außerdem gibt es funktionalere "Broterwerbs"-Scores mit wunderbaren Konzertfassungen der Themen, wie z.B. VENOM: LET THERE BE CARNAGE - das sind in Gänze zwar keine großen Kaliber, aber für die End Credits oder eine konzertante Albumversion hat er dann eben doch gezeigt, was er kann. 

Und zum Thema "was er kann": er ist einer der wenigen, modernistisch geschulten, noch aktiven Komponisten in Hollywood - das darf man nicht vergessen. Beltrami kommt aus einer modernen akademischen Tradition, er hat u.a. bei Luigi Nono studiert. Und das hört man in seinen Agitato-Passagen und in seiner kontrapunktischen Schreibweise immer wieder!

Diesbezüglich mal ein paar Tracks, die ich dir ans Herz legen möchte: 

  • "Chaising the Tail" aus WORLD WAR Z - unused cue; gibt es nur auf dem Marco-Beltrami-Sampler des Film Fest Gent
  • "Down the Harry Hole" aus THE SNOWMAN
  • "Door Jam" aus KNOWING
  • "Blonde Behind the Wheel" aus TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES

Und was seinen sehr klassischen Zugang zu Form und Entwicklung anbelangt: 

  • "Venom and Blues" aus VENOM: LET THERE BE CARNAGE
  • "Yona's Theme" aus SNOWPIERCER
  • "The Spirit of Sport: Jack Nicklaus" - ein wunderbares neues Konzertstück auf dem Album "The Paintings of Bob Peak", in Auftrag gegeben von Robert Townson

 

Man darf sich bei Beltrami nicht so sehr von den Routine-Arbeiten täuschen lassen. Er möchte halt im Geschäft bleiben, und dafür braucht es heutzutage eben auch viel reinen Dienstleistungs-Output. 

Vielen Dank @Sebastian Schwittay !! :) 

Du hast schon recht - Beltrami hat einige Scores geschrieben, die großartig sind. Man muss nur die Perlen heraussuchen und die langweiligen Routinearbeiten zur Seite legen. 
Ich werde mich nochmal damit auseinandersetzen.  

Ich bin dir auch sehr dankbar, da ich durch dich immer wieder mit Beltramis Musik in Kontakt komme. Dies geschieht durch deine alten Forenbeiträge und in diesem Kontext ausgesprochenen Empfehlungen - beispielsweise SOUL SURFER, FLIGHT OF THE PHOENIX und KNOWING. 
 

Ich habe an dieser Stelle zwei Fragen an dich, wenn es genehm ist:

- wie stehst du aktuell zu seinem Score LOGAN? Ich sah erst kürzlich erneut den Film und hörte mir anschließend die Musik isoliert an. Beltrami hat m.E. diesen rauen, harten und wüstenartigen Ton des Films perfekt getroffen - man kann den Staub förmlich hören.
Die simplen aber effektiven Piano-Akkorde für Logan und seinen in die Jahre gekommenen, verzweifelten Charakter haben mich ebenfalls stark getroffen. 
 

- kannst du bitte ein paar weitere Empfehlungen geben zu den von dir angesprochenen Konzertfassungen gewisser Themen (bspw. VENOM), die toll klingen, aber keinen ganzen Score tragen? 

Geschrieben

P.S.:

Einen gewissen Kritikpunkt könnte man bei Beltrami aber definitiv anbringen: Er steht meist nicht als alleiniger Komponist genannt. Als „additional composer“ arbeitet fast immer jemand anders an dem Projekt mit. Sowas mag ich eigentlich nicht, da man dann nie 100%ig weiß welche Idee nun auf welchen Komponisten zurückgeht. Solche Probleme gab es bspw bei John Williams oder Jerry Goldsmith nie - da bekommt man das was drauf steht

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