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Angelo Francesco Lavagnino - Das Vermächtnis des Inka

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Hallo,

in verschieden Forenbeiträgen der letzten Jahre ist über den Soundtrack bereits diskutiert worden.

Mutmaßlicher Stand der Dinge: Es gibt weder beim Musikverlag noch im Archiv des Komponisten Bändern. Insofern kann man auch nichts als CD veröffentlichen.

In Italien hat wohl das Originalnegativ bei der italienischen Schnittfassung bei der Filmfirma überlebt und wurde abgetastet. Das Originalnegativ ist wohl in Italien gelandet und wurde um geschnitten, d.h. von der deutschen Fassung gibt es kein Original mehr. Das man bei Filmfirmen Tonbänder des OST findet ist generell eher sehr unwahrscheinlich - die deutsche Firma ist bekanntlich über den Film in die Insolvenz gegangen. 

Die gängige Theorie ist, das der Soundtrack von einem anderen unbekannten Film übernommen wurde. Andere Benutzer in diesem Forum haben die Ansicht vertreten, das die Musik doch original für den Inka Film komponiert worden ist (Quelle: Registereintragungen der Komposition).

Michael Petzel vom Karl May Archiv in Göttingen hat letztes Jahr im Karl May Magazin 2/17 publiziert, das die Musik vom Film "I Predoni del Sahara" stammt. Quelle: Produktionsunterlagen der deutschen Filmfirma, die im Karl May Archiv gelandet sind.

Dummes Problem: Der Film hat gefloppt, die Filmfirma ist schon lange nicht mehr vorhanden, der Film ist so gut wie unbekannt, weder per TV noch per VHS oder DVD verfügbar. Einzig eine Super 8 Fassung ist nachweisbar.

Nun könnte man noch mal wegen des Films "I Predoni del Sahara" im Archiv des Komponisten nachforschen. Last Chance. Dazu fehlen mir die Möglichkeiten.

Andere Forenteilnehmer hatten da bessere Kontakte hinsichtlich Recherche.

Viele Grüße

Michael

 

 

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Das ist ja äußerst merkwürdig, daß die Musik zu I PREDONI DEL SAHARA laut Produktionsunterlagen der deutschen Filmfirma für VERMÄCHTNIS DES INKA wiederverwendet worden sein soll. Das ist mir ganz neu.
Ich habe die ganzen Bänder im Lavagnino-Nachlaß zusammen mit der Tochter an 2011 in der Villa des Komponisten in Gavi eingeordnet und kann daher schon Näheres dazu sagen. Ich weiß daher ganz genau, daß von PREDONI zumindest ein kleineres Tonband mit 18cm Durchmesser vorhanden ist - das dürfte so eine Länge von rund 30 Minuten haben, wobei da sicher wie üblich noch Ansagen vor den jeweiligen M-Tracks mit dabei sind. Ich habe sogar noch ein Foto , wo man die beschriftete Schachtel mit dem Band sehen kann.
Der italienische Musikverlag war in beiden Fällen Nazionalmusic, rechtlich ist das heutzutage Beat. Von daher also erst mal grundsätzlich möglich, daß zumindest Teile aus PREDONI für VERMÄCHTNIS damals erneut verwendet wurden.
Allerdings spricht dem wieder dagegen, daß sowohl für PREDONI wie für VERMÄCHTNIS die jeweiligen Originalpartituren vorhanden sind. Diese können in der Bibliothek Luigi Chiarini im Centro Sperimentale in Rom  vor Ort eingesehen werden. Man sieht sehr schön auch im Online-Katalog (einfach "scheda" anklicken), daß PREDONI 60  einzelne M-Tracks hat, VERMÄCHTNIS dagegen 81:
https://scuolacinema.sebina.it/opac/resource/i-predoni-del-sahara/CSC0206170?tabDoc=tabloca

https://scuolacinema.sebina.it/opac/resource/l-ultimo-degli-incas/CSC0161212?tabDoc=tabloca

Ein komplettes Originalmanuskrirpt wäre jedoch nicht vorhanden, wenn ein kompletter früherer Score für VERMÄCHTNIS recycelt worden wäre. Diese Fälle gibt es in den 60ern bei Lavagnino durchaus und da existieren dann natürlich auch keine komplette Partituren, sondern entweder gibt es gar nichts oder Hinweise, welche M-Tracks aus vorherigen Scores an welcher Stelle eingefügt wurden. Gerade bei vielen späten B/C-Produktoionen von 1969/1970 (Tarzan,  Zorro etc.) ist genau das dann auch der Fall, aber auch schon bei einigen Peplums ab ca. 1963.
Dies alles macht mich denn doch wieder sehr stutzig, ob die Info wirklich stimmt, daß PREDONI tatsächlich als Vorlage gedient hat. Vielleicht wurden doch nur ein paar Tracks übernommen?

Ich werde mal versuchen, an den äußerst raren PREDONI-Film eventuell über einen italienischen Freund ranzukommen, der ziemlich viele seltene alte italienische  Filme auftreiben kann. Und es besteht natürlich durchaus auch die Möglichkeit, daß wir die PREDONI-Musik innerhalb der nächsten 2-3 Jahre auf einer Alhambra-CD eventuell noch herausbringen könnten. Da gäbe es eigentlich keine großartigen Probleme. Bevor dieses CD-Projekt allerdings nicht in Angriff genommen wird, haben wir aber leider nicht die Möglichkeit, in dieses eine Band reinzuhören.

 

 

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vor 16 Stunden schrieb mich:

Michael Petzel vom Karl May Archiv in Göttingen hat letztes Jahr im Karl May Magazin 2/17 publiziert, das die Musik vom Film "I Predoni del Sahara" stammt. Quelle: Produktionsunterlagen der deutschen Filmfirma, die im Karl May Archiv gelandet sind.

Ich hätte da jetzt nochmals eine Frage zu diesen Produktionsunterlagen: Ist da denn eventuell irgendeine Auflistung von "M"-Cue-Nummern vorhanden, die von PREDONI DEL SAHARA übernommen wurden? Dann wüßte man nämlich schon mal deutlich mehr. Oder wird die Übernahme nur ganz nebenbei in einem Satz erwähnt?

Wegen dem PREDONI-Film habe ich meinen Freund in Italien bereits angefragt. Er hat ihn selbst auch nicht auf Video, versucht ihn aber aufzutreiben. Notfalls gäbe es vielleicht noch die Möglichkeit, über das Centro Sperimentale in Rom und über Federico Savina, der dort arbeitet und mit der Lavagnino-Familie eng befreundet ist,  an den Film selbst ranzukommen. Die Möglichkeit haben wir bei CALYPSO - unserer letzten Alhambra-CD - genutzt, denn CALYPSO ist ansonsten auch ein total verschollener Film in Italien, von dem nur das Centro eine Kopie noch hatte, die ich persönlich überspielt bekam nur für den Zweck der CD-Produktion. Von dieser letzten Möglichkeit können wir aber wirklich erst dann Gebrauch machen, wenn wir das PREDONI-Band tatsächlich auf CD bringen.
Deshalb hätte ich auch gern noch ein wenig nähere Infos zu diesen Produktionsunterlagen von VERMÄCHTNIS DES INKA, bevor wir überhaupt bezüglich PREDONI was machen.

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Hallo,

man müsste ggf. Michael Petzel vom Karl May Archiv per E-Mail ansprechen, siehe http://karl-may-archiv.de/kontakt.

Konkrete Kontakte zu Michael Petzel über den Kanal E-Mail hinaus habe ich leider nicht.

In dem Artikel standen meines Wissens keine Detailangaben drin.

Viele Grüße

Michael

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Ich habe mich gestern schon privat mit Michael Petzel in Verbindung gesetzt. Wir haben seither schon einige E-Mails ausgetauscht und sind inzwischen sogar zum selben Ergebnis gekommen nachdem alle Details gemeinsam ausdiskutiert worden sind.😀
Es ist auf alle Fälle eine höchst spannende Angelegenheit!
Ich muß sagen, ich habe mich wohl selbst auf der Seite der Luigi Chiarini-Bibliothek, wo die ganzen Original-Manuskripte ja zu finden sind, ein wenig täuschen lassen. Das ist nämlich gar keine richtige Partitur, die unter INKA dort aufgeführt wird, also keine sogenannte “Partitura orchestrale” wie man sie etwa auf der Seite mit PREDONI DEL SAHARA sieht, wo das dann auch tatsächlich dabei steht (wenn man auf das “scheda” klickt sieht man den Unterschied eindeutig).
Daher wahrscheinlich auch dieser “Arbeitstitel” L´ULTIMO DEGLI INCAS (Der Letzte der Inkas) und nicht VIVA GRINGO wie der Film dann letztendlich in Italien hieß. Ich vermute von daher, daß Lavagnino nur eine Art Rohentwurf oder Skizze in einer Kladde/Notizblock (das ist dieses sogenannte “brogliaccio”) angefertigt hat mit einer Aufstellung aller für INKA geplanten M-Tracks 1-81 (das heißt er hat alle Stellen aufgeführt, wo er Musik im Film platzieren wollte), aber eine wirkliche auskomponierte Partitur ist nicht mehr zustandegekommen.

Es könnte so gelaufen sein: Die italienische Co-Produktionsfirma hatte Lavagnino wohl zunächst vorgesehen als Komponist für INKA, er hat den Film vielleicht im Rohschnitt einmal zur Ansicht bekommen, dann diese Kladde angefertigt mit den geplanten M-Tracks und hat dann aber keine Zeit mehr gehabt zum eigentlichen Komponieren, weil es sich eventuell mit einem anderen Auftrag überschnitt – er hat ja 1965 und 1966 ohnehin jeweils mehr als 12 Filme im Jahr vertont - oder sonst irgendwas anderes dazwischenkam. Dann hat die italienische Produktionsfirma stattdessen eine bereits vorhandene Musik von Lavagnino – möglichst von einem ohnehin kommerziell gefloppten Film, den eh kaum jemand kannte und der gar nicht erst nach Deutschland exportiert wurde - - nach Deutschland an Regisseur Georg Marischka geschickt und genau diese Musik wurde dann von Marischka an den INKA-Film angelegt. Michael Petzel hatte Marischka selbst vor seinem Tod an 1999 noch interviewt und dieser erklärte ihm, daß er mit Lavagnino nie was zu tun gehabt hatte und einfach nur präexistente Musik aus einem anderen Film vom italienischen Co-Produzenten Grimaldi erhalten hatte, die dann im INKA-Film überraschend gut funktionierte. Insofern könnte es wirklich zutreffen, daß es sich bei PREDONI um die Musik für INKA handelt.

Michael Petzel kam deshalb zu dem Schluß, daß es sich bei der für INKA verwendeten Musik um PREDONI handeln muß, weil unter VIVA GRINGO auf der deutschen GEMA-Seite gleichzeitig auch noch PREDONI gelistet wird. Die Sache scheint also mehr und mehr auf PREDONI rauszulaufen. Da zumindest ein Band ja im Nachlaß vorhanden ist, könnte dies auch auf CD veröffentlicht werden. Wir müssen dann schauen, ob sich das wirklich mit der INKA-Musik deckt.


 

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Liebe Leute, ich bin Euch sehr dankbar für die erhellenden Einblicke in diese Spurensuche. Es ist genau diese Form des "Detektivspielens", die mich selbst an der Musikwissenschaft reizt. Recherche, Rekonstruktion, Interpretation. Ich selbst habe INKA weder gelesen noch gesehen, aber Titelmelodie kenne ich aus der großartigen Karl-May-Box und die lief einige Zeit rauf und runter. War überhaupt mein erster Kontakt mit Lavagnino. Ich würde mich sehr freuen, wenn Alhambra die Musik - wenn auch unter anderem Titel - noch veröffentlichen könnte.

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Hallo,

das klingt ja hoch interessant.

Die Franz Marischka Film war ja - soweit bekannt - gegen Ende der Produktion "so gut wie Pleite". Auch der Filmverleih war klamm.

Z.B. sollen die bulgarischen Partner das Filmmaterial als Sicherheit einbehalten haben - erst die Rechnungen bezahlen. 

Auch für Werbemaßnahmen war kein Geld da, was mit als Grund dafür gilt, das der Film im Kino sang und klanglos untergegangen ist mit katastrophalen Besucherzahlen.

Es wäre daher auch denkbar das für separate Musikaufnahmen - eigener Soundtrack - schlichtweg kein Geld und/oder Zeit da war. Man hat auf kostengünstiges Archivmaterial zurückgegriffen. 

Sollte es eine CD geben - ich bin dabei.

Viele Grüße

Michael

PS: Korrekt ist Karl May Magazin 1/2017.

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Ja, es ging auch sicher dem italienischen Co-Produzenten Alberto Grimaldi darum, Geld zu sparen. Und es war von vornherein vertraglich ausgemacht gewesen, daß die italienische Co-Produktionsfirma - und nicht die deutsche - für die Musik zuständig sein sollte.

Lange hieß es auch, die Musik sei von einem Lavagnino-Western eventuell übernommen worden. Ich habe aber selbst in den INKA-Film nochmals länger reingehört und es sind durchaus auch einige orientalisch klingende Pasagen dabei - das heißt, die Musik kommt demnach sicherlich nicht von einem Western, obwohl die Titelmusik mit dem Hauptthema durchaus starke Ähnlichkeiten mit der zum Western GLI UOMINI DAL PASSO PESANTE (DIE TRAMPLER) aufweist, der im Dezember 1965 in den italienischen Kinos gestartet wurde.
INKA wurde in Deutschland übrigens am 9.4.1966 uraufgeführt, während PREDONI DEL SAHARA in Italien Anfang Febraur 1966 herauskam. Das heißt, es lagen zwei Monate zwischen dem Start von PREDONI und INKA - innerhalb dieser Zeit muß Georg Marischka das Musikmaterial aus Italien erhalten haben. Und im März 1966 war naürlich auch längst klar, daß PREDONI ein gewaltiger Flop in Italien selbst war und ein Export nach Deutschland deshalb sowieso gar nicht mehr in Frage kam.
Was mich wundert, ist, daß im Lavagnino-Nachlaß nur ein Band von PREDONI vorhanden ist. Das kann also nicht der komplette Score sein, denn das wären ja 60 M-Cues und dafür gehen in der Regel mindestens zwei Bänder drauf. Bin folglich selbst gespannt, welche Musik auf diesem einen Band denn wirklich enthalten sein wird. Das läßt sich so jetzt erst mal noch nicht sagen.
Wir sind auch momentan noch an einem anderen Lavagnino-Projekt dran, bei dem wir es rechtlich mit der britischen ITV zu tun haben und es noch nicht abzuschätzen ist, wie hoch die Lizenzkosten ausfallen werden und ob das realisiert werden kann. Je nachdem, ob es damit klappt oder nicht, könnte INKA/PREDONI vorgeschoben worden oder eben nicht. Das entscheidet sich definitiv in den nächsten 2-3 Wochen.

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Mein italienischer Freund hat es inzwischen doch tatsächlich geschafft, eine Videokopie vom top-raren Film I PREDONI DEL SAHARA aufzutreiben und hat mir heute Morgen bereits die Musik von Main Title und Finale zugesandt.
Und nun die ganz große Überraschiung: Die Musik, die da nun zu hören ist,  hat keine Ähnlichkeit mit der von VERMÄCHTNIS DES INKA.
Es ist absolut verrückt, denn somit scheinen die bislang aufgestellten Theorien bezüglich der INKA-Musik doch nicht zu stimmen. Die Frage bleibt daher: Woher kommt die INKA-Musik dann wirklich? Und warum erwähnt die GEMA PREDONI als “Unter-Titel” von INKA? Oder sind nur ein paar Spannungstracks von PREDONI für INKA verwendet worden, aber nicht das Hauptthema? Ich werds hören, wenn ich den kompletten PREDONI-Film dann hier habe. Aber das Ganze ist schon eine äußerst knifflige Geschichte.

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