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42/52 THE SEA HAWK by Erich Wolfgang Korngold


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"He (Korngold) has so much talent that he could easily give us half - and still have enough left for himself!" (Giacomo Puccini)

Als Österreicher darf man ohne Zweifel stolz sein auf die großen Filmmusiker die aus meinem Heimatland kamen. Der Grundstein der Filmmusik wurde von zwei Österreichern gelegt die nahezu im Alleingang das Vokabular für die klassische Filmmusik geprägt und geformt haben (natürlich auch noch andere Größen wie Franz Waxman zB). Der Einfluss dieser zwei Giganten der Filmmusik ist gar nicht groß genug zu bemessen - die romantische Sinfonik in Star Wars - hätte es ohne die zwei Österreicher vielleicht gar nicht gegeben. Als Erich Wolfgang Korngold in Hollywood auftauchte war Max Steiner bereits ca. fünf Jahre im Geschäft.

Korngold wurde 1897 als Sohn eines Musikkritikers in Brünn geboren. Er war ein musikalisches Wunderkind das mit 11 ernsthaft zu komponieren begann und mit dreizehn schrieb er breits Klaviersonaten. Seinen größten "klassichen" musikalische Erfolg feierte er 1920 mit der Oper "Die tote Stadt". Korngold war jüdischer Herkunft und so war Max Reinharts Ruf nach Hollywood zu kommen um mir ihm am "Sommernachtstraum" zu arbeiten sicher nicht ganz unglücklich. Korngold arrangierte Mendelsohns Musik neu und komponierte auch im Stil von Mendelsohn zusätzliche Musik. Zur Zeit des Anschlusses Österreichs an Nazi Deutschland weilte Korngold in Hollywood, damals unter Vertrag bei Warner, und vertonte gerade Robin Hood. Ihm gelang es auch seine Familie und seine Eltern in die USA zu holen. Für Anthony Adverse und Robin Hood, König der Vagabunden erhielt Korngold jeweils einen Oscar.

"Meine Filmmusiken sind wie Opern ohne Worte" - Erich Wolfgang Korngold

Korngold schrieb nur eine relativ geringe Anzahl von diesen Opern ohne Worte in seiner doch von 1935 bis 1947 dauernden Karriere (19 Stück). Jede einzelne Vertonung zeigt die absolute Professionalität eines herausragenden Musikers der sein kompositionshandwerk in Bezug auf Orchestrierung, Themenverarbeitung und Dramaturgie wie kein zweiter beherrschte. Dabei war Filmmusik keine minderwertiges Beschäftigungsfeld für Korngold. Ein Satz zu seiner Arbeitsauffassung:

"Musik ist Musik, ob sie für die Bühne, das Dirigentenpult oder fürs Kino ist. Die Form mag sich ändern, die Art sie zu notieren, mag unterschiedlich sein, aber der Komponist darf keine Zugeständnisse machen in Bezug auf das, was er für seine eigene musikalische Überzeugung hält"

Da er einer der ersten war der Filme mit großer symphonischer Musik ausstattete hatte er bei Warner auch eine Freiheit die heutzutage gänzlich undenkbar ist

"I feel very happy as an artist here. No one tells me what to do. I do not feel part of a factory. I take part in story conferences, suggest changes in the editing when it is dramatically necessary to coincide with a musical structure. It is entirely up to me to decide where in the picture to put music. But I always consult thoroughly with the music-chief... I also keep the producer well-informed and always secure his consent for my musical intentions first. But in none of my pictures have I 'played' my music first to either the music-chief, the director, or the producer. And the studio heads never make the acquaintance of my music until the day of the sneak preview. As for my working habits, I like the idea of perfection. If a thing is not right, it is done over and over again."

Ich wünschte mir nur das die heutigen, so erfolgreichen Filmkomponisten nur halb das musikalische Rüstzeug, kompositorischen Fähigkeiten und Arbeitsauffassung hätten wie ein Korngold, Steiner, Herrmann, Waxman oder Rozsa. Aber viele so erfolgreiche Hollywoodkomponisten haben keine fundierte Kompositionsausbildung und daher fehlt natürlich auch das notwendige Handwerkszeug und deswegen klingt vieles auch, sagen wir mal sehr dünn! Miklos Rozsa sagte über die schon damals beschäftigen "film music specialists":

"If you would had ask them to write a Mozart Rondo - he wouldn´t even know what is Mozart and what is Rondo" - Miklos Rozsa

Um so trauriger finde ich das seine großartige Musik vorallem bei jüngeren Filmmusikfreunden so wenig anklang findet. Dabei ist es meiner Meinung nach unmöglich das man Star Wars liebt und Soundtracks wie Captain Blood, Robin Hood oder The Sea Hawk nicht mag. Ich persönlich tu mir auch manchmal schwer mit vielen Werken von Max Steiner und seiner "wall to wall Musik" die einfach nicht immer sexy zum anhören ist - aber auch hier bleibt die musikalisch Qualität der Komposition außer Frage. Von den beiden Golde Age Granden war mir Korngold immer der eindeutig liebere.

Korngold hatte einen ganz interessanten Kompositionsprozess - er ließ sich den Film immer wieder vorführen während er dabei am Klavier improvisierte und komponierte und dabei eine mit Anmerkungen versehene Klavierpartitur ablieferte - zusätzlich instruierte Korngold während dieses Prozesses die oder den anwesenden Orchestratoren in Bezug auf Instrumentation - die sich nebenbei Notizen machten. Ganz nebenbei war einer seiner wichtigsten Orchestratoren der später großartige Filmkomponist Hugo Friedhofer.

 

Der Höhepunkt in Erich Wolfgang Korngolds Schaffen stellt meiner Meinung nach die Musik zum Piratenabenteuer THE SEA HAWK (Der Herr der sieben Meere) dar. Der 1940 erschienen Film von Michael Curtiz mit Errol Flynn in der Titelrolle thematisiert das spanische Weltmachtstreben im 16 Jahrhundert und zieht somit auch Parallelen zu Hitler und Churchill im zweiten Weltkrieg. Ein sehr gelungener Film mit toller Ausstattung und ansprechendem Drehbuch, der gar nicht mal so schlecht gealtert ist. Mit dem ungarnstämmigen Regisseur Michael Curtiz schuf Korngold auch seine größten Werke (Robin Hood, Captain Blood, The Sea Wolf oder The Privat Lives of Elizabeth and Essex). Heutzutage wo es kaum mal ein memorables Thema in Filmen gibt hat Korngold elf Stück davon für The Sea Hawk komponiert.

Der Main Title ist eine wunderbare, atemberaubende ungemein energiegeladene Fanfare die für den Hauptcharakter Thorpe (Errol Flynn) steht, ein der der heroischsten Themen die je komponiert wurden und zugleich auch der Klingelton für meine Frau ;) - die Fanfare geht umgehend in das wunderschöne, ausladende Liebesthema über. Eine ebenso tolle Fanfare gibt es für das Schiff von Thorpe die Albatross und sogar das Schiffsäffchen bekommt ein Xylophonmotiv. "The Battle" ist eine Orchester tour-de-force die Ihresgleichen sucht ein Thema jagt das andere wir variiert in den Hintergrund gedrängt und gewinnt wieder an Präsenz. Atemberaubende Orchestrierung und dazu noch extrem schwer zu spielende Bläserparts. Ein wahrlich virtuoses musikalisches Schlachtgemälde!

Aber auch die Liebe kommt in The Sea Hawk nicht zu kurz - besonders gut gefällt mir hier "Love Scene on the Boat" oder auch "Rose Garden" man hört hier unverkennbar wie die Liebe von Dona Maria zu Thorpe förmlich wächst und ihre anfängliche Vorbehalte dem Freibeuter gegenüber über Bord geworfen werden. In "Throne Room" hören wir einen schmissigen typischen Korngold-Marsch.

"Panama Montage" bzw "Map of Panama" bringt uns eindrucksvoll die Hitze und Dunstigkeit des Dschungels wieder.

Die musikalische Komplexität dieses farbenprächtigen Opus magnum übersteigt leider um Lichtjahre meine musikalische Analysefähigkeit - trotzdem oder gerade deswegen hat diese Musik einen gewaltigen Reiz für mich und wandert ziemlich regelmäßig in meinen Player. Großartig auch das Chorarrangement vom Hauptthema "Happy Sailing" und der finale Schwertkampf "Thorpe enters into Castle - Duel", ein Orchesterfeuerwerk!!!! Es folgt ein pompöses und vor allem glorioses Finale das musikalisch seinesgleichen sucht

Eine Jahrhundertfilmmusik!

Die beste Einspielung ist wie so oft von Charles Gerhardt!

 

 

 

 

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Was soll man da noch sagen? The Sea Hawk ist nicht kritisierbar. Die Gerhardt-Einspielung ist brillant, gar keine Frage, aber mein persönlicher Favorit ist das Kojian-Album. Hängt sicher auch damit zusammen, dass ich damals diese Fassung als erstes kennengelernt habe. Gerhardt fügte hier und da was hinzu, um manchen Stücken noch eine Coda mitzugeben, z.B. bei "Shores of Dover", die in der eigentlichen Filmversion so nicht vorhanden waren. Allein deshalb ist die Gerhardt-Fassung eine unverzichtbare Ergänzung.

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