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Soundtrack Board

Angus Gunn

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Alle erstellten Inhalte von Angus Gunn

  1. Irving Lerner - Ein vergessener Regisseur MURDER BY CONTRACT (1958) Um sich seinen Traum vom Eigenheim zu erfüllen, heuert der Buchhalter Claude bei dem zwilichtigen Mr. Noon als Auftragskiller an. Die Aufträge kommen von einem Gangster namens Vick, sind hochbezahlt, und Claude erfüllt sie kaltblütig und gewissenhaft. Als er eines Tages eine Frau beseitigen soll, die offenbar eine für Mr. Vick gefährliche Zeugin ist, rührt sich sein Gewissen. Vince Edwards verkörpert seinen Part als egomanischen Psychopathen, was schon im betont nüchtern gehaltenen Bewerbungsgespräch zu Beginn deutlich wird, und sich in der kaltblütigen Ausführung der ersten Aufträge fortsetzt. Ein Killer in der Tradition von Alan Ladds Philip Raven, und eine Vorwegnahme und vermutlich auch Inspirationsquelle von Allen Barons BLAST OF SILENCE. Mit seinem melancholischen und eingängigen Hackbrett- und Gitarren-Score von Perry Botkin steht MURDER BY CONTRACT stilistisch auch dem europäischen (vor allem dem französischen) Noir-Kino näher als dem amerikanischen. Ein kleiner, ungemein zynischer und bestechend im dramaturgischen Rhythmus gestalteter Noir-Thriller, der sich inzwischen (auch dank der Initiative von Martin Scorsese) einen Klassiker-Status erworben hat, und in einer exzellent restaurierten, amerikanischen DVD-Fassung zu haben ist. CITY OF FEAR (1959) Nach einem Überfall sind zwei Ausbrecher auf dem Weg nach Los Angeles. Einer von beiden stirbt an einer Schußverletzung, der andere, Ryker, setzt seine Flucht fort. Mit sich führt er einen erbeuteten Metallzylinder, der seiner Meinung nach Heroin enthält, tatsächlich aber mit radioaktivem Kobalt-60 gefüllt ist. Da ein Wissenschaftler, sollte der Behälter geöffnet werden, eine tödliche Gefahr für die ganze Stadt vermutet, wird fieberhaft nach Rykler gefahndet, der inzwischen langsam aber sicher selber vom Inhalt des Zylinders vergiftet wird. Mit dem selben Team (Lucien Ballard, Lerner, Edwards) realisiert, erweist sich CITY OF FEAR mit seinem skurrilen SF-Plot, der teils unausgegorenen Story und der wenig inspirierten Dramaturgie rund um die Polizeiermittlungen, als deutlich schwächer als sein Vorgänger. Trotzdem besitzt er noch genügend Potenzial, das Talent eines Regisseurs zu erkennen, der eine individuelle Handschrift besitzt und der leider in diesem Genre nicht weitergemacht hat. Der Score ist natürlich durch seinen berühmten Urheber weithin bekannt. Auf CD mag die halbe Stunde bisweilen etwas sperrig anmuten, aber tatsächlich erweist die Musik erst im Zusammenspiel mit dem Film ihre wahre Größe. Goldsmith´ ruppige Kompositionen sitzen wie angegossen und helfen der bisweilen holprigen Geschichte bravourös über die Runden.
  2. Noch einer, weil ich gerade so im Flow bin: ZEUGE GESUCHT (Phantom Lady, 1944) Dass es auch ganz ohne dramatischen Score geht, beweist Robert Siodmaks großartiger PHANTOM LADY. Um seiner kriselnden Ehe zu entfliehen verbringt der erfolgfreiche Ingenieur Scott Henderson seine Freizeit im New-Yorker Nachtleben. In einer Bar kommt er mit einer Frau ins Gespräch, mit der er die ganze Nacht in einer Musikshow verbringt. Am nächsten Morgen wird Scott zu Hause von der Polizei erwartet. Seine Frau ist ermordet worden, und er gilt als dringend tatverdächtig. Nur die Fremde aus der Bar könnte ihm ein Alibi geben, doch er kennt nichtmal ihren Namen. Scott kommt in Untersuchungshaft. Seine Sekretärin Carol ist entschlossen, seine Unschuld zu beweisen und macht sich im nächtlichen New York auf die Suche nach der Unbekannten. Neben der außerordentlich stilsicheren Regie ist es vor allem die wie immer hinreißende Ella Raines, die diesen Film zum Ereignis macht. Sie trägt einen Großteil der Handlung, reißt ihre Szenen allein durch ihre Präsenz an sich, inkarniert von der charmanten Büro-Schönheit zum durchtriebenen Nachtclub-Vamp und spielt ihre Kollegen dabei glatt an die Wand. Die Sequenz, in der sie dem schmierigen Drummer einer Jazzcombo die Schweißperlen auf die Stirn treibt, muß man gesehen haben. Filmmusik gibt es, wie schon erwähnt, keine (Hans J. Salter wird im Vorspann als "Musical Director" genannt). Ein Grund dafür mag sein, dass diegetischer Musik in Form von Nachtclub-Jazz bis zu Revue-Shows in PHANTOM LADY eine größere und auch dramaturgisch wichtige Rolle zukommt und man den Film nicht überladen wollte. So sind viele Szenen von beträchtlicher Spannung (Bahnhof-Sequenz und vor allem auch die letzte Viertelstunde!) und finden doch in aller Stille statt. Statt dessen werden geschickt platzierte Geräusche eingesetzt. So wird hier das schrille Klingeln des Telefons zum Signal für mörderische Umtriebe. Ähnlich verfährt Siodmak im deutschen Noir-Drama NACHTS WENN DER TEUFEL KAM. Dort ersetzt eine plötzlich losheulene Fliegeralarm-Sirene das Todesdrama, wenn Bruno Lüdke zur Tat schreitet. Ein in jeder Hinsicht erstklassiker Noir, bei dem sich vor allem eine Frage aufdrängt: Warum ist Ella Raines heute kaum noch jemandem ein Begriff?
  3. Und zwischendurch mal einen Filmtipp: DAS TODESHAUS AM FLUSS (House by the River, 1950) Der Schriftsteller Stephen Byrne lebt in einer viktorianischen Villa am Flußufer. Da es mit dem Beruf nicht mehr so gut läuft, greift er immer häufiger zur Flasche, bis er eines Tages im Suff das attraktive Dienstmädchen Emily erst bedrängt und dann tötet. In Panik zieht er seinen Bruder ins Vertrauen, und die beiden versenken die in einem Sack verschnürte Leiche nachts im Fluß. Aber dieser Fluß hat seine Launen und fördert manchmal Dinge ans Tageslicht, die eigentlich für immer auf dem Grund hätten verweilen sollen... Auch wenn die Auflösung vielleicht (aus heutiger Sicht?) etwas banal daherkommt, so ist hier doch ein sehr stimmiger und außerordentlich spannender Noir gelungen, der deutlich auf den Spuren Hitchcocks wandelt, und der als einer der wenigen diesem Vorbild auch das Wasser reichen kann. Fritz Lang vertrödelt keine Sekunde, geht von Anfang an in medias res, zeichnet seine Charaktere mit groben aber sorgfältig gesetzten Pinselstrichen und erlaubt sich inszenatorisch weder Schwächen noch Unkonzentriertheiten. Die Szenen nach dem Mord, als eine unbekannte Person ums Haus schleicht, die Licht- und Schattenkontraste am Türglas und das Auge, das hereinblickt. Und natürlich Byrnes nächtliche Irrfahrt über den Fluß - das sind Bilder für die Ewigkeit, und man muß sich doch sehr über den geringen Bekanntheitsgrad dieses Werkes wundern. Für mich war die ansprechend gestaltete deutsche DVD-Buchbox jedenfalls meine erste Begegnung mit diesem wenig beachteten Kleinod. Obwohl ich ein Anhänger der klassischen, deutschen Synchronkunst bin, muß ich hier allerdings ausdrücklich die exzellent restaurierte Originaltonspur empfehlen. Die deutsche Fassung verprellt nicht nur mit einer stimmlichen Fehlbesetzung der Hauptfigur, sondern auch mit einem dumpfen und leiernden Klang, der die dramatische Filmmusik von George Antheil zu einem undefinierbaren, scheppernden Tonbrei verformt.
  4. THREADS / TAG NULL (1984, Mick Jackson) Die 80er Jahre sind auch ein Jahrzehnt von ambitionierten Spielfilmen über den Atomschlag und den nuklearen Winter. THE DAY AFTER ist das vielleicht populärste Beispiel, das der Bevölkerung ihre großen, kollektiven Ängste in erschreckenden Szenarien vor Augen führte. THREADS von 1984 war mir bisher unbekannt. Er ist seit 35 Jahren nicht mehr ausgestrahlt worden, und dies mag an der außerordentlich realistischen und drastischen Inszenierung liegen, bei der man kaum glauben mag, dass es sich hierbei um eine britische TV-Produktion handelt. Ein wirklich unangenehmes und verstörendes Werk, das ein jahrelanges Überleben nach der Katastrophe ohne Aussicht auf Besserung schildert, und das irgendwann im größten Elend einfach aufhört. Und zwar mit einer schockierenden Schlußsequenz, die wahrlich ihres Gleichen sucht. Regisseur Mick Jackson drehte später in Amerika Kommerzkino, doch ist THREADS derjenige, mit dem er nach eigener Aussage in Erinnerung bleiben möchte. Wer sich belastbar genug fühlt, sollte sich diesen wichtigen Film nicht entgehen lassen. Alle anderen greifen zur Hollywood-Schmuse-Variante THE DAY AFTER.
  5. Ja, den Malberg kenne ich. Ich kann ihn ja mal dezent befragen bezüglich einer Vorführung des Films hier in Köln. Danke, Max, für den Tipp. Auf YouTube schaue ich Filme nur dann, wenn´s wirklich keine bessere Möglichkeit gibt. Von daher warte ich erstmal noch ab. Aber gut zu wissen, dass mir notfalls immernoch diese Option bleibt.
  6. Ach ja, das war ja YELLOW SKY Marsch... Hatte ich vergessen. Danke, Stefan!
  7. So habe ich das auch lange gehandhabt. Mache ich inzwischen aber nur noch in Ausnahmefällen. Man kann nicht immer alles behalten, und ich will nicht von jedem dritten Soundtrack mehrere Ausgaben im Regal haben. Irgendwo ist auch mal Schluß. Ist das so? Also im Fall von BLACK SWAN würde ich da auch zustimmen. Und bis zu einem gewissen Grad auch bei CASTILE. Aber alles andere klingt für mich hervorragend. Und noch eine Frage zu THE GUNFIGHTER: Die Trailer-Musik (Track 28) habe ich auch schon bei mindestens drei anderen Gelegenheiten gehört. Dieses Thema ist auch die Titelmusik von THE SILVER WHIP von 1953 und war Eröffnungsstück bei zeitgenössischen Wochenschauen. Ist der GUNFIGHTER-Trailer nun der Ursprung dieses Themas oder gibt es noch frühere Varianten?
  8. Oh, der hätte mich auch sehr interessiert. Reinl geht immer. Seine "Jerry Cotton"s sind die unterhaltsamsten der ganzen Reihe, seine Nibelungen-Saga halte ich für weithin unterschätzt, und gerade am Anfang seiner Regie-Karriere hat er mit "Bergkristall" ein unglaublich starkes Heimatdrama hingelegt, das ich ebenfalls und ohne Einschränkungen zu den schönsten deutschen Nachkriegsfilmen zählen würde. Ein großer Regisseur. Vielleicht findet ja die "Klostermauern"-Kopie irgendwann mal ihren Weg nach NRW. Ansonsten bleibt mir nur übrig, auf eine DVD-VÖ zu warten...
  9. So, ich konnte natürlich nicht widerstehen. Hauptgrund für den Kauf war für mich PRINCE OF FOXES, der zu meinen absoluten Golden-Age-Lieblingen gehört. Temperamentvoll, anrührend, vielseitig und nicht eine Sekunde beliebig oder gar langweilig. Und das Madonna-Thema...ja, was soll ich da noch schreiben? Es gibt nicht viel Vergleichbares. Die ca. 20 Minuten, die er nun verlängert wurde sind ebenfalls allererste Sahne, werten den Score entgegen meiner Bedenken tatsächlich nochmal auf. Die Tonqualität wurde hörbar verbessert. Als Fazit muß ich sagen: Ja, es ist viel Geld für relativ wenig Zugewinn, aber allein wegen des PRINCE-OF-FOXES-Updates hat es sich für mich gelohnt. Und außerdem bekommt man die Penunze zum Teil ja wieder rein, denn die alten Ausgaben kommen nun unter den Hammer. Da die anderen schon weg sind, bleibt noch CAPTAIN FROM CASTILE von SAE für 19 Euro abzugeben. Natürlich in tadellosem Zustand. Bei Interesse bitte Mail an mich.
  10. Alex North: THE 13TH LETTER Die Bewohner einer kanadischen Kleinstadt werden durch anonyme Briefe mit denunziatorischen Inhalten gegeneinander aufgehetzt. Dieser Film ist das Remake des französischen Klassikers LE CORBEAU von 1943, mit dem sich Regisseur Clouzot aufgrund der sehr negativen Darstellung der französischen Bevölkerung ein jahrelanges Berugsverbot einhandelte. Aber im Gegensatz zum Original ist Otto Premingers THE 13TH LETTER weitgehend von der Bildfläche verschwunden und scheint auch niemals ins Deutsche übersetzt worden zu sein. Ich habe ihn nie gesehen, aber wer die gefürchtete Public-Domain-Qualität nicht scheut, der kann ihn als DVD-R erwerben. Die Musik von Alex North deutet auf ein abgründiges, düsteres Thriller-Melodram hin, das mit einem kurzen, aber wirklich packenden, fanfarenartigen MAIN TITLE beginnt. Höchst romantisch geht´s dann in THE FERRY weiter, bevor allmählich die düsteren Klangfarben den Ton übernehmen. PEARSON ist ein großartiges Stück, ruhig dahingleitend und von hintergründigem Suspense. North bleibt in diesem Stil, erzählt von Zweifeln und seelischen Abgründen und wird dabei nie aufdringlich. Eine beeindruckende Musik, tiefschwarz und empfindsam, die gegen Ende in den Stücken ABOUT DOC PEARSON und DOC AND CORA ihren Höhepunkt findet, bevor sie dann in NO MORE MAIL zu optimistischeren Klängen zurückfindet. Eigentlich die formvollendete akustische Umsetzung des Begriffs "Noir". So in etwa stelle ich mir das Ergebnis vor, wenn North zu der Zeit mit Hitchcock zusammengearbeitet hätte. Auf der Varese-CD ist freilich VIVA ZAPATA das Aushängeschild und war seinerzeit auch für mich der alleinige Kaufgrund. Und das ist auch gut so, denn ansonsten wäre ich auf THE 13TH LETTER vielleicht nie aufmerksam geworden.
  11. Och, der ist ganz gut. Wer italienisches Actionscoring der 70er a la Franco Micalizzi mag, der wird hier seine Freude haben. Ich hatte mich sowieso schon lange gefragt, wann der denn endlich mal kommt.
  12. Kann ich mir gut vorstellen. Das ist ungefähr so, als würde man in eine Moschee gehen und dort lautstark über Allah herziehen. Ja, das FSM Board... Ein bißchen spleenig ist ja immer ganz nett, aber da drüben sind mir die Leute dann doch zu hart drauf. Du könntest jetzt natürlich Deinen alten Beitrag wieder hervorkramen und dem Lynchmob süffisant unter die Nase reiben. Denn jetzt wird wohl niemand mehr die Unterschiede leugnen können.
  13. Ein persönliches Fazit nach dem ersten Hördurchgang. Die Filmeinspielung von NEVADA SMITH unterscheidet sich in einigen Tracks erheblich von den LP-Versionen (z.B. "Going West"). Auch ist der Main Title hier weniger schaumgepolstert, wirkt griffiger und mitreißender. Allerdings findet sich auf den 51 Minuten auch die eine oder andere Suspense-Strecke, die für sich genommen wenig hergibt. EL DORADO hat sich als Score bereits gänzlich vom Golden Age entfernt, ist eher eine spröde Angelegenheit. Allerdings liebe ich die fulminante Titelballade, die nun endlich nicht mehr direkt dem Filmton entnommen wurde. Die Instrumentalversionen des Themas sind dann auch die Höhepunkte des Scores. Für WILL PENNY wurde es mal höchste Zeit. Der 6-minütige Titeltrack ist atemberaubend, anders kann man es nicht nennen. THE FURIES ist hochdramatischer Waxman in Vollendung und läßt schonmal den künftigen TARAS BULBA anklingen. STEETS OF LAREDO ist wieder ein sehr schwelgerisches Werk von Victor Young. Western-typische Elemente sind hier kaum zu finden. Die Orchestrierung ist ihm eine Spur zu blumig geraten, dass der Eindruck erweckt werden könnte, einem Disney-Trickfilm zu lauschen. Das ist aber nicht negativ gemeint, denn als 30-minütiges Höralbum kann man sich darin wunderbar verlieren. THREE VIOLENT PEOPLE besitzt einen ausgesprochen hitzigen, dramatischen Main Title, schlägt ansonsten hauptsächlich ruhigere Töne an. THE HANGMAN ist zwar nicht durchgehend überzeugend, hat im Mittelteil hier und da mal einen Durchhänger, begeistert aber mit einem tollen, westernkonformen Hauptthema und packenden Actionsequenzen. Mein heimlicher Überraschungsfavorit ist aber WALK LIKE A DRAGON von Paul Dunlap. Obwohl es im Film um chinesische Einwanderer im Californien der 1870er Jahre geht, verzichtet der Komponist auf exotische Instrumentierungen. Umrahmt von einer melancholischen (von Mel Thorme geschriebenen und gesungenen) Weise entfaltet sich ein kraftvoller, melodramatischer Score mit ruhigen, intimen Passagen, romantischen Orchestertutti und höchst eindringlicher, gerade zum Finale hin mit Hörnen und Pauken unterstützter Dramatik. Zum Klang: Sicher wäre es schöner gewesen, die 60er-Titel in Stereo zu haben, aber mit dem hier gebotenen Mono kann ich auch ganz gut leben. Die beiden Stereo-Titel (vor allem HANGMAN) sind tontechnisch hervorragend. 35-seitiges Booklet ist dabei.
  14. Pierre Raph: REQUIEM POUR UN VAMPIRE Auf ihrer Flucht durch das ländliche, französische Hinterland geraten zwei Mädchen, mal in greller Clownskostümierung und mal im Schulmädchen-Lolita-Look, in eine verwunschene Burgruine und dort in die Fänge einer vampirischen Sekte. Bei REQUIEM dürfte es sich um eines von Rollins surrealsten Werken handeln. Der Plot ist an den Haaren herbeigezogen und besitzt reinen Alibi-Charakter für eine Fülle von grandiosen Bildkompositionen und schrägen Handlungssträngen, die jeglicher rationalen Logik entbehren. Der durchschnittliche Mainstream-Konsument (und da kann man ihm eigentlich keinen Vorwurf machen) wendet sich verständnislos ab. Der Connaisseur hingegen wird sich einmal mehr in den absurd-imaginären Szenarien verlieren. Für Komponist Pierre Raph war es der erste von vier Filmscores, die er für Rollin schrieb. Raph kam, ebenso wie Acanthus, aus der pariser Underground-Musikszene und war dort beim Musiklabel Editions Musicales Delamarre für die Arrangements einiger Vinyl-Scheiben verantwortlich, darunter u.a. ein Opern-Projekt namens Romances Russes. Im Laufe der 70er Jahre scheint sich seine Spur zu verlieren, was sehr schade ist, denn seine Filmmusik unterstützt und begleitet mit persönlichem Stil mit viel Fingerspitzengefühl die jungen Darstellerinnen auf ihrer Reise durch Rollins wundersames, experimentelles Film-Labyrinth. Holzbläser und Gitarre erzeugen fragil-melancholische Stimmungen, wenn die Mädchen durch karge Landschaften wandeln und sich an einem Teich die Clownsschminke aus den Gesichtern waschen. Einschübe von klassischer Slapstick-Komik werden von einem beschwingten, aber nicht weniger fragil orchestrierten Menuett begleitet. Im Vampir-Domizil beherrschen düstere Motive, Beckenschläge, Orgelklänge, Flötentriller u.ä. die Szenerie. Zu wildem Orgel-Percussion-Rock geht´s hinab in schummrige Sado-Folterkeller (Rollins Zugeständnis an seinen Produzenten), gefolgt von stummfilmartigen Klavierpassagen. Eine Musik von eigenwilliger Schönheit und stilistischer Vielseitigkeit, die den richtigen Ton trifft. Quellmaterial mit separierter Musik war hierfür nicht aufzutreiben, und so griff man bei Finders Keepers zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Die Tracks wurde zur Gänze der DVD-Tonspur entnommen. Und das funktioniert dank der Dialogarmut des Films sogar ganz zufriedenstellend. Die Aufnahme wird zwar von meist dezenten Soundeffekten wie Schritte oder Wasserplätschern begleitet und leidet unter einem naturgemäß etwas unsauberen (Lichtton?)-Klangbild, und in CROTCH BATTERIE wird mächtig gestöhnt und mit den Ketten gerasselt, aber alles in allem kann man mit dieser Notlösung einigermaßen zufrieden sein. Die CD enthält außerdem Philippe d´Arams stilvolle Walzer- und Chororgel-Themen aus FASCINATION. Den sehr gut klingenden Tracks der Lucertola-Veröffentlichung (siehe oben) wurden ein paar (französische) Dialoge und Musikpassagen hinzugefügt, die wiederum direkt vom Filmton stammen. War nicht unbedingt nötigt, da sie den Hörfluß eher behindern und nichts Essenzielles beinhalten. Dennoch eine willkommene Wiederveröffentlichung und wertige Ergänzung zum REQUIEM-Score.
  15. Für I CONFESS wäre ich natürlich auch jederzeit zu begeistern. Und ja, ich sehe da auch wesentlich mehr musikalische Substanz. Allein der düstere Beginn mit dem Dies-Irae-Motiv erzielt wirklich eine unglaublich dichte Atmosphäre in der Eröffnungssequenz. Ich weiß nicht, wie es bei diesem Score mit der Materiallage aussieht, aber wäre da nicht auch eine Veröffentlichung der Filmaufnahmen möglich? Immerhin ist da doch auch dieser eine Track bereits im Umlauf.
  16. Die Hörproben klingen schonmal sehr gut, aber warum ausgerechnet nochmal STRANGERS ON A TRAIN in der Bonusabteilung, und warum wird das als "premiere recording" beworben? Das wäre doch mal eine Gelegenheit für eine Suite aus SHADOW OF A DOUBT oder I CONFESS gewesen.
  17. LA COMTESSE NOIRE kam rechtzeitig zu Weihnachten an, zusammen mit einem Sticker mit dem Label-Emblem. Schönes Digipack mit stilvoll gestaltetem Booklet, das offenbar der Beginn einer EUROCINE-Collection ist. Die Jungs meinen es wirklich ernst. Die Musik ist romantischer Natur, mal elegant, mal schwülstig, mal jazzig. Nach ihrer Verwendung in den beiden hier präsentierten Filmen fanden die Tracks ihren Weg auf Library-LPs und hielten von dort auch Einzug in weitere Eurocine-Produktionen. Und jetzt wissen wir auch wo das romantische Thema aus LAC DES MORTS VIVANTS herstammt. Thanks to Lucas Giorgini and all the Folks at Omega Productions. Have a good new year and keep on the great work!
  18. Ein neues Dreiergespann von Musicbox. MILLE MILLIARDS DE DOLLARS war (neben LANCELOT DU LAC) mein größter Sarde-Wunschkandidat für eine CD-Edition. Der Film ist ein interessanter Polit-Thriller um einen Journalisten der sich mit Magnaten der Weltwirtschaft anlegt. Nicht weniger interessant ist der ungewöhnliche Vertonungsansatz. Ein relativ kurzer und (fast) reiner Klavierscore, der mit einem eingängigen Hauptthema und komplexen Spannungsstücken beeindruckt. Im Grundtimbre melancholisch angelegt, und nur zu Beginn und zum Ende durch eine Viola ergänzt (wobei diese Viola im Film ausschließlich im Finale eingesetzt ist, wenn ich mich da jetzt richtig erinnere). Ungewöhnlich und sehr empfehlenswert. Im Gegensatz dazu ist CONTE DE LA FOLIE ORDINAIRE ein hinreißender, von spanischer Folklore beeinflußter Orchesterscore, der die anarchische Groteske (nach Bukowski) in betörend schöne Klänge hüllt, die Ferreris bizarre Bilderwelten konterkarieren und auf eine andere Ebene heben. Hier jetzt erstmalig der komplette Sarde-Anteil des Vinyl-Albums. LE CRABE-TAMBOUR war mir als Musik (und als Film) völlig unbekannt. Es ist eine dramatische, aber eher ruhig und charakterbezogen erzählte Geschichte aus dem Indochina-Krieg. Von daher dürfte der deutsche Verleih-Titel "Der Haudegen" mal wieder in eine völlig falsche Richtung zielen. Schwermütige, tiefgründige Orchesterthemen (60-70 Musiker, von Carlo Savina geleitet), ergänzt durch eine vietnamesische Zither und dem Jagdhorn. Letzteres untergräbt durch sein groteskes und verdrehtes Spiel jeglichen Anflug von Heroismus, für den dieses Instrument sonst so gerne verwendet wird. Wiederum ein starker, gegen das Klischee gebürsteter Score, der für mich eine große Entdeckung ist. Sarde did it again. Ich hoffe, dass Musicbox in dieser Richtig weitermacht.
  19. Gerade mal die Hörproben durchgehört. Gefällt mir unerwartet gut. ENTER THE DRAGON kombiniert mit mystischen Motiven und den Schifrin-typischen, herumwirbelnden Streicherfiguren. Der kommt mit auf die Einkaufsliste.
  20. Damals in den 90er Jahren war sich unser kleiner, filmmusikbegeisterter Zirkel einig darüber, dass unser Hobby eine rein männlich geprägte Domäne ist. Inzwischen weiß ich es freilich besser. Der Anteil dürfte zwar sehr gering sein, aber gerade deswegen ist es umso erfreulicher, dass sich hier mal wieder eine weibliche Kandidatin zur Filmmusik bekennt. Von daher ein herzliches Willkommen im Board!
  21. Das stimmt allerdings, wobei das natürlich auch Geschmacksache ist. Der beste mir bekannte Euro-Spy-Score ist De Masis THE BIG GAME, der mir durchgehend gut gefällt. Auch MISSIONE LADY CHAPLIN von Nicolai ist sehr ernsthaft und hat seine Meriten. Besonders gut kenne ich mich in dem Bereich aber nicht aus. Glaubt man einigen Filmkritiken im Netz, dann ist LADY CHAPLIN ein lohnendes Genre-Highlight, und der erscheint im Januar bei Pidax auf DVD. Werde ich mal antesten.
  22. Carlo Savina: GOLDSNAKE Also eines muß ich Savina ja lassen: Titelsongs konnte er verdammt gut. So manch eine seiner Western-CDs steht bei mir eigentlich nur wegen ihrer kraftvollen Eröffnungsballade im Regal. "Rocks, Blood and Sand" beispielsweise ist sicherlich einer der besten Songs, die je einen Italo-Western eingeleitet haben. Aber auch über seine Arbeit im Euro-Spy-Genre läßt sich ähnliches sagen. So auch im Fall von GOLDSNAKE, der mit einer wirklich coolen Eröffnungsnummer glänzt. Mit Blech und Streichern orchestriert, wie es sich für das Genre gehört, und ebenso stimmgewaltig wie lasziv von Iva Zanicchi interpretiert. Ein toller, vielversprechender Einstieg, aber leider (!) bleibt Savina nicht in diesem Stil, sondern driftet danach sofort ab in locker-flockiges Sixties-Geplänkel zwischen Nightclub-Atmosphäre, La-la-la-Gesang bei Actionszenen und minimalistischen Suspense-Motiven. "Lounge mood" heißt der vorletzte Track auf der CD, und dieser Titel könnte eigentlich auch über dem gesamten Album stehen. In der richtigen Stimmung ist das einigermaßen unterhaltsam anzuhören, aber es wäre viel mehr dringewesen, wenn Savina den Stil des Titelsongs auch im Score beibehalten hätte. https://www.youtube.com/watch?v=QHeJN4Ubi34
  23. Über Lautsprecher, nicht über Kopfhörer gelauscht: Klingt angenehm und transparent. Rauschpegel und Azetat-Laufgeräusche kommen mal mehr mal weniger durch, sind aber die meiste Zeit sehr dezent. Trotzdem gehen auch leisere Töne nicht verloren, wie z.B. der gleichförmige Takt bei CREATION, der die ganze Zeit über mittrommelt oder die Harfen- und Celesta-Klänge in PRESENTING THE BRIDE. In den lauten, hohen Tönen, bei Trompeten oder Orchestertutti neigt die Aufnahme natürlich zu Verzerrungen, aber nie soweit, dass es wirklich unangenehm auffiele. Zur Not hat Matessino dann auch in problematischen Passagen den Pegel mit sicherer Hand reduziert, so dass es eigentlich keine klanglichen Ausfälle gibt. Als subjektives Fazit würde ich sagen: Knapp auf dem Niveau von Disneys SNOW WHITE, aber nicht so gut wie FSM´s NORTH WEST PASSAGE. Für einen Fan der Musik (und Waxman generell) führt eigentlich kein Weg dran vorbei, alleine schon wegen des stilvollen, 20-seitigen Booklets.
  24. Schön. Aber es ist das einzige Thema in dieser Art auf der CD? Den Hörbeispielen nach handelt es sich sonst um Easy Listening der eher uninteressanten Art. SUNSET SUNRISE sagt mir garnichts. Ist von dem neuen Quartet-Satz die einzige, die mich interessieren würde.
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