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Angus Gunn

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Alle erstellten Inhalte von Angus Gunn

  1. Ich mag die Musik auch irgendwie. Gerade diese kammermusikalische Attitüde mit dem hektischen Zusammenspiel von Streichern und Blech, das ist geradezu anspruchsvoll, wenn man bedenkt, was sonst so für die Horrorschundis aus dieser Zeit und in dieser Preisklasse eingespielt wurde. Auch könnte ich mir vorstellen, dass das nicht einfach zu spielen war, und dafür klingt es überaus sauber und präzise interpretiert. Ich kann allerdings jetzt nur für die Musik aus Teil 1 sprechen. Den Filmen selber kann ich allerdings wenig abgewinnen. Fand die damals sehr öde und habe nach dem dritten Teil aufgegeben.
  2. Das sind wirklich fantastische Neuigkeiten! Mein Interesse beschränkt sich jetzt nicht nur auf Bud-Spencer-Scores, und L´ULTIMO SQUALO ist schonmal ein Titel, den ich mir sehr gerne ins Regal stelle. Im Filmvorspann ist "Magazine Music" als Publisher angegeben. Ist das denn derselbe Verein, oder wie hängt das zusammen? Bei CABUM ist auch 2019: DOPO LA CADUTA DI NEW YORK. Auf den darf man dann wohl auch hoffen?
  3. Kritzerland is proud our new CD release – a 5-CD set, including the world premiere release of The Gunfighter, new masterings, and a hugely expanded presentation of Prince of Foxes: For this Henry King at Fox set, we’ve chosen five films, all of which were scored by the brilliant Alfred Newman, the long-time head of the Fox music department, composer of some of the greatest film scores ever written, and the winner of nine Academy Awards. THE BLACK SWAN - For this release, The Black Swan was completely remastered from hi-resolution mono sources. CAPTAIN FROM CASTILE - For this release, Captain from Castile (on two-CDs) was remastered using Ray Faiola’s initial mixes for the Screen Archives release, with some additional rebalancing and restoration applied to update the presentation. PRINCE OF FOXES - Prince of Foxes was released previously on CD, but it was not complete and was missing some of its best music – that was all due to what was available and what could be done technically at the time. For this release, there is over twenty minutes of additional music, and in much better sound. It was completely restored, remixed, and remastered from new high-resolution transfers. THE GUNFIGHTER - This is the score’s world premiere release and its brief duration packs a surprising punch. It was in “push/pull” format from 1/4” tape made in the 1980s from the original 35mm optical tracks. LOVE IS A MANY-SPLENDORED THING - Kritzerland released Love Is a Many-Splendored Thing in improved sound back in 2012 and it sold out quickly – it’s been one of our most requested titles for reissue.
  4. Angus Gunn

    Kritzerland: HENRY KING AT FOX (Alfred Newman)

    War da nicht auch mal die Rede von einem Hathaway-Set? Wie steht´s denn eigentlich damit?
  5. Angus Gunn

    Kritzerland: HENRY KING AT FOX (Alfred Newman)

    Ich bin auch etwas enttäuscht und noch im Zweifel, ob ich mir das Set zulege. Immerhin habe ich BLACK SWAN noch nicht, und die Hörbeispiele von PRINCE OF FOXES klingen tatsächlich besser als die bisherige FSM-CD. Die sind aber auch wirklich stark! Ich muß nochmal ´ne Nacht drüber schlafen...
  6. Angus Gunn

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    STÜRME ÜBER DEM MONTBLANC (1930) Hannes (Sepp Rist) beaufsichtigt eine Wetterstation auf dem Gipfel des Montblanc. Per Morsetelegrafie werden die aktuellen Wetterdaten dem Astronomen Armstrong übermittelt, in dessen Tochter Hella (Riefenstahl) er sich später verliebt. Nach einer bitteren Enttäuschung beschließt Hannes noch eine weitere Saison auf der Station zu bleiben. Doch bei einem Unwetter erfrieren seine Hände, das Feuer erlischt und ein Abstieg ist wegen der tiefen Gletscherspalten unmöglich. Ein wuchtiges Bergdrama, bei dem man sich mehrmals verwundert fragen muß, wie solche Szenen damals realisiert wurden. Die Apparratur der Wetterstation wirkt, vor allem angesichts der Herstellungszeit des Films, wie ein Stück jules-verne´scher Utopie inmitten der archaischen Umgebung. Ein Effekt, der von der Filmmusik (Paul Dessau) an diesen Stellen noch gefördert wird. Für die Realistion der Flug- und Luftaufnahmen war der berühmte Kunstflieger Ernst Udet verantwortlich, der sich hier auch selber spielt. Optisch atemberaubend, und nicht nur filmhistorisch spannend und hochinteressant. Ein früher Tonfilm, inszeniert in der Ästhetik und der Bildsprache des Stummfilms.
  7. Das habe ich mir fast gedacht, dass sich hierfür keiner interessiert. Ich finde es toll, dass Hopkins auch mal wieder die Ehre erwiesen wird. Die Hörbeispiele klingen sehr vielverprechend. Für mich eine Anschaffung, bei der ich nicht zweimal überlegen muß.
  8. Angus Gunn

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    THREE GIRLS (2017) Puh, harter Stoff, den ich mir wahrscheinlich aus reinem Vergnügen kein zweites Mal anschauen werde. Eine dreiteilige Mini-Serie, die den Missbrauchskandal von Rotherham filmisch aufarbeitet. Etwa 1400 einheimische Mädchen aus sozial schwachen Verhältnissen wurden in Mittelengland Opfer pakistanischer Einwanderer-Clans. Hat jeder mitbekommen, deswegen spare ich mir an dieser Stelle weitere Details. Anhand dreier Einzelschicksale beleuchtet der Film vor allem das nähere Umfeld der Mädchen und sucht nach einer Erklärung, wie es sein konnte, dass diese Machenschaften über mehr als 15 Jahre hinweg ohne Konsequenzen geblieben sind. Die Antwort besteht in einer komplexen Mischung aus Ignoranz (man glaubt den Opfern nicht, bezichtigt sie sogar der freiwilligen Prostitution), sozialem Duckmäusertum und idealistischer Borniertheit. Mehrfach preisgekrönt, sehr eindringlich, glaubhaft und realitätsnah. Ein äußerst wichtiger Film, der im O-Ton auf Dailymotion zu finden ist. Eine synchronisierte Fernsehausstrahlung gab es bisher lediglich auf ARTE, dabei müßte sowas mindestens zweimal im Jahr zur besten Sendezeit bei den Öffentlich-rechtlichen laufen. Aber da kannste lange warten.
  9. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    WHITE HEAT habe ich gerade nicht mehr so auf dem Schirm. Bei KEY LARGO stimmt die Musik weitgehend würde ich sagen. Obwohl die Titelmusik auch schon wieder so üppig aufträgt als handelte es sich um ein Monumental-Epos. Aber im Zusammenhang mit den Luftaufnahmen im Vorspann von Brücke, Meer und Insel kann man es gelten lassen. Hier reicht mir allerdings die Gerhardt-Suite vollkommen. Ein anderer Steiner-Kandidat ist THE BIG SLEEP, der auch wieder mit einer tosenden Titelmusik beginnt. Dazu sehen wir die Silhouetten von den Zigaretten rauchenden Hauptdarstellern Borgart und Bacall. Hier empfinde ich die Overtüre wieder sehr überzogen, zumal mich das Thema auch nicht wirklich packt. Es wirkt einfach laut und aufdringlich. Der restliche Score ist allerdings zugegebenermaßen sehr gut und auch sinnvoll eingesetzt, auch wenn Steiner sein gelegentliches Mickey-Mousing etwas dezenter hätte gestalten können. Allgemein zu THE BIG SLEEP: Ein Film, der es trotz unübersichtlicher Handlung schafft, durchgehend zu fesseln. Das liegt am rasanten Erzähltempo und den vielen humorvoll eingestreuten Bonmots. Außerdem erfreut er mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl bemerkenswert hübscher Darstellerinnen (Dorothy Malone als Buchhändlerin!), die hier quasi an jeder zweiten Ecke zu finden sind. Besonders amüsant ist die Taxifahrerin. Marlowe bezahlt sie für die Fahrt, sie gibt ihm ihre Karte mit den Worten: "Wenn Sie mich wieder mal brauchen sollten, rufen Sie diese Nummer an." Marlowe: "Tag und Nacht?" Sie: "Nachts ist es besser. Tagsüber arbeite ich."
  10. In diesem Faden soll es um die Filme gehen, die im Allgemeinen mit dem Begriff FILM NOIR (bei uns auch als "Schwarze Serie" bekannt) umschrieben werden. Der Begriff wurde von französischen Kritikern geprägt, und obwohl der FILM NOIR kein eigenes Genre ist so ist er doch in der Regel (aber nicht nur) in der Kriminalliteratur von Schriftstellern wie Woolrich, Chandler und Hammett verwurzelt, um mal die bekanntesten zu nennnen. Zu seinen Eigenschaften zählen neben der stimmungsbetonenden Schwarz-weiß-Fotographie eine dichte Atmosphäre und ein tendenziell pessimistisches Menschen- und Weltbild. Klar abgesteckt sind die Grenzen nicht. So ist in der rühmlichen "Film-Noir"-Kollektion von Koch beispielsweise auch das Spukhaus-Drama THE UNINVITED (1944) zu finden, das ich persönlich nicht dort eingliedern würde, aber da gehen die Ansichten halt auch mal auseinander. Im Allgemeinen wird John Hustons THE MALTESE FALCON (1941) als der erste, und Orson Welles´ TOUCH OF EVIL als der letzte Film dieser Gattung definiert, daher habe ich mal diese beiden Jahreszahlen als Rahmen gesetzt. Natürlich sollte auch und gerade die Filmmusik im Fokus stehen, unabhängig davon ob sie als Soundtrack-Veröffentlichung existiert oder nicht, denn oft sind auch bloße Vergleiche der Originalversion mit der deutschen Synchronfassung interessant. Da ich ein großer Anhänger dieser Filme bin, aber längst nicht alles kenne, was es in diesem Bereich gegeben hat, springt vielleicht auch für mich der ein oder andere Geheimtipp heraus. Los geht´s mit: LAURA ist ein hinreißend fotographiertes Kriminaldrama mit Mystery-Touch, das nahezu gänzlich ohne Action auskommt und stattdessen mit ausgefeilten Charakteren und brillanten Dialogen fesselt. Der Kriminalbeamte McPherson untersucht den gewaltsamen Tod von Laura Hunt. Beeindruckt von ihrem Porträt über dem Kamin, steigert er sich bis zur Besessenheit in den Fall und Lauras Charakter hinein, bis die Totgeglaubte sehr lebendig vor ihm steht.... Einer der schönsten Noirs mit einem wunderbaren Schaupieler-Ensemble, von dem vor allem Clifton Webb als zynischer Radiokolumnist Waldo Lydecker beeindruckt. In einer Szene, in der Laura ihn in einem Restaurant um eine Gefälligkeit bittet und beim Dinieren stört, legt er entnervt das Besteck beiseite und unterbricht sie harrsch: "Hören Sie, junge Frau. Entweder Sie haben Ihre Erziehung in unglaublich rustikaler Gesellschaft genossen, wo gute Manieren unbekannt sind, oder Sie leiden an der üblichen Selbsttäuschung, dass die bloße Tatsache eine Frau zu sein, sie von den Regeln zivilisierten Verhaltens entbindet. Oder möglicherweise beides." Die Filmmusik von David Raksin ist monothematisch konzipiert und umwabert das Geschehen mit dem einschmeichelnden Laura-Thema ("nicht gerade klassisch, aber hübsch"), das sich samtig durch die Handlung schlängelt. Es ist sicherlich eine der bekanntesten Filmmelodien der 40er Jahre, und dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass für die (TV-) Synchronisation mit wesentlich kleinerem Ensemble eine neue Filmmusik eingespielt wurde, die das Laura-Thema ebenfalls verwendet, sich aber an anderer Stelle leider auch im Ton vergreift. So werden beispielsweise die Szenen gegen Ende, als sich im Gespräch zwischen Tierney und Andrews des Rätsels Lösung allmählich abzeichnet, von einer viel zu modern klingenden Komposition begleitet, die man eher in einer "Kommissar"-Folge aus den 70er Jahren verorten würde. Und höre ich in der Restaurant-Szene im Hintergrund etwa ein Keyboard heraus? Ich fürchte ja.... Derlei Ausrutscher hätten nicht sein müssen, denn im Großen und Ganzen will ich die Synchronisation nicht verteufeln. Vor allem Webb und Price haben exzellente Sprecher bekommen, und rein von der stimmlichen Besetzung her gibt es hier nichts zu beanstanden. Auch die neue Musik des mir unbekannten Musikers geht trotz mancher Schwäche für mich aber in Ordnung, obwohl immer dann ein Qualitätssprung zu bemerken ist, wenn zwischendurch Raksins Originalmusik erhalten geblieben ist. Dies ist z.B. in der Szene der Fall, in der McPherson allein und gedankenversunken vor dem Porträt in ihrer Wohnung sitzt bis die angeblich ermordete Laura zur Tür hereinkommt. Wirklich gerne würde ich LAURA mal in der Kinosynchronisation erleben, aber daran ist vorerst wohl nicht zu denken. "In meinem Fall ist Egoismus vollkommen gerechtfertigt. Ich habe nie irgend etwas entdecken können, das sich meiner Aufmerksamkeit würdig erwiesen hätte" (Waldo Lydecker)
  11. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    Ja, sowas meine ich. Auch viele seiner Themen reißen mich nicht so mit. Das ist einfach eine Sache des persönlichen Empfindens. Ich habe mich beispielsweise durch die Hörproben dieser "Caged"-CD gehört und nichts entdeckt, was mich zum Kauf animiert hätte. Aber es gibt auch Steiner-Scores, die mir sehr gefallen, z.B. "Searchers" und "Casablanca". Im Fall von CASABLANCA kann ich jedoch mit dem Film wiederum nicht viel anfangen. Er ist überschätzt und der langweiligste aller mir bekannten Bogart-Filme. Die DVD steht bei mir aber dennoch im Regal - aus Gewissensgründen und weil sie eine schöne Doku enthält. Aus meiner Sicht ist CASABLANCA kein Noir, aber er besitzt in der Tat Stilismen, die in diese Richtung gehen. Die Musik ist allerdings hervorragend, gerade die Titelmusik (das ja wohl eigentlich aus THE LOST PATROL stammt) und die Verwendung von As Time Goes By im Score. Und Steiner hält sich hier auch mehr im Zaum. Auch das Finale ist sehr stimmig. Da gebe ich dir vollkommen Recht, CASABLANCA ist eine tolle Musik, und für ein Album mit den überarbeiteten Azetaten wäre ich auch jederzeit zu haben.
  12. Angus Gunn

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    DAS LICHT AM ENDE DER WELT Captain Moriz (Fernando Rey) ist Leuchtturmwärter auf einer einsamen Insel, die eines Tages von Piraten überfallen wird. Moriz und sein Gehilfe Felipe werden von ihnen getötet. Nur der ebenfalls hier arbeitende Denton (Kirk Douglas) überlebt und sucht Zuflucht in einer Felsenhöhle. Die Piraten nehmen den Turm in Beschlag und leiten Schiffe mit falschen Leuchtfeuern auf Untiefen, um sie auszuplündern. Denton steht nun allein der blutrünstigen Horde und ihres Anführers Kongre (Brynner) gegenüber. Ein Film von sehr eigener Atmosphäre. Nihilistisch, auffallend wortkarg und bisweilen äußerst brutal. Der Italo-Western hat hier ganz klar seine Spuren hinterlassen. Die Piraten sind keine aufrichtigen Raubeine wie noch in seeligen Errol-Flynn-Zeiten, sondern hinterhältige, sadistische Mörder ohne eine Spur von Moral. Kongre hat als einziger einen offenbar kultivierten Hintergrund, hat Sklavenhandel betrieben und haßt Amerikaner. Mehr erfahren wir nicht über ihn oder seine Motivationen, was das ganze Szenario umso diffuser und bedrohlicher macht. Dieser Film war früher Teil unseres heimischen 35-mm-Archivs, und hat mich seinerzeit in jungen Jahren ob seiner bedrückenden Stimmung, der archaischen Landschaft und der beträchtlichen Grausamkeiten (obwohl die drastischsten Gewaltspitzen in der deutschen Kinofassung gar nicht enthalten waren) sehr beeindruckt aber auch verstört. Das war etwas, was man bei den Namen Kirk Douglas oder Jules Verne (auf dessen Vorlage dieser Film beruht) nicht erwartet hatte. DAS LICHT AM ENDE DER WELT ist gerade bei Pidax erstmals ungeschnitten als deutsche DVD erschienen. Ungewöhnlich und sehenswert, aber er wird vielleicht nicht jedem gefallen. Das Hauptthema von Piero Piccioni lief auf Papas Beerdigung.
  13. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    Dieser Film ist mir bisher unbekannt, aber die Musik von Friedhofer gehört mit zum besten, was mir im Krimi-Genre der 40er/50er Jahre untergekommen ist. Es geht um eine Frau, die mit einem unehelichen Kind schwanger ist, nach einem Zugunglück in die Rolle einer Toten schlüpft und daraufhin von ihrem Ex-Partner erpreßt wird. Das klingt nach einem düsteren Melodram, das Friedhofer die Möglichkeit für eine seiner unnachahmlichem, psychologisch ausgefeilten, tiefgründigen Kompositionen bot. Das PRELUDE startet mit einem wunderschönen, romantischen Thema, das jedoch auch von dramatischen Akzenten begleitet wird, bevor es dann im PROLOGUE in eine reine Pastorale übergeht. Ausbrüche von thrillender Spannungsmusik gibt es wenige. TRAIN WRECK AND HOSPITAL ist in dieser Hinsicht das herausragende Stück. So führt uns Friedhofer durch ein virtuoses, 26-minütiges Labyrinth musikalischer Emotionen, auf einer Gradwanderung zwischen beschaulicher Romantik, elegischer Tragik und subtilem Suspense, das mehrmals durchlaufen werden darf und sollte.
  14. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    Vielen Dank für Reaktionen, Ergänzungen und Hinweise! Trekfan, da bin ich ganz auf Deiner Seite. Es gibt zwar noch drei oder vier Noir-Kandidaten, die ich noch höher einstufen würde, aber der Falke ist wirklich phantastisch. Und weil mir gerade danach ist, schreibe ich noch ein paar Zeilen dazu: The stuff that dreams are made off Privatdetektiv Sam Spade erhält von einer Klientin den Auftrag, ihre Schwester aufzuspüren, die anscheinend mit einem dubiosen Mann in San Francisco untergetaucht ist. Kurz darauf wird Spades Partner auf nächtlicher Straße erschossen, und schon bald sieht sich Spade inmitten eines mysteriösen Falles, in den mehrere zwilichtige Parteien verwickelt sind. Das Objekt der Begierde ist eine geschichtsträchtige Falken-Statue, für deren Besitz gemordet und intrigiert wird. Man mag kaum glauben, dass es sich hierbei um ein Regiedebüt handelt. Der Film war seinerzeit stilprägend und weiß auch heute hoch blendend zu unterhalten. Das Lexikon des Internationalen Films brachte es auf den Punkt: "... perfekt gebaut, bestechend gespielt, zynisch, pessimistisch und voller schwärzestem Humor, präzise in den Dialogen, beeindruckend in der Dichte der "schwarzen" Atmosphäre, die nicht zuletzt durch die Komposition von Licht- und Schatteneffekten in der Tradition des deutschen Expressionismus erreicht wird." Dennoch muß ich einen kleinen Kritikpunkt anbringen, und der betrifft die Besetzung von Mary Astor. Ihr Schauspiel ist zwar einwandfrei, doch ist sie aus meiner Sicht fehlbesetzt. Ihr mangelt es einwenig an Charisma. Außerdem ist sie schlicht und einfach nicht hübsch genug für eine Femme Fatale, die in der ersten Szene sogar noch mit "She´s a knockout!" angekündigt wird und den zynischen Spade um den Finger wickelt. Man stelle sich einmal Ella Raines in der Rolle vor. Oder Veronica Lake. Oder Paulette Godard. Letztere stand wohl auch tatsächlich zur Auswahl. Das wär´s gewesen, oder? Wie so oft wird auch bei diesem Film Musik schnöde übergangen, überhört, oder schlicht und einfach ignoriert.Dabei wären lobende Worte wirklich angebracht. Um den Film nicht zu überfrachten vermied Adolph Deutsch offensichtliche Leitmotive und stattete THE MALTESE FALCON mit einem sehr ernsthaften, teils düsteren und angenehm zurückhaltenen Score aus, den eine Aura des Mysteriösen umgibt. Hauptthema und wiederkehrendes Element ist dabei das aus einer Folge von acht Tönen bestehende Falken-Motiv. Dieses Motiv verwendet Deutsch in der Titelmusik auffallend clever, indem er es unablässig wiederholt und dabei von verschiedenen Instrumentengruppen in unterscheidlichen Rhythmen und Tempi intonieren läßt. Die perfekte Musik für den Film, und man darf froh sein, dass die Wahl nicht auf Max Steiner gefallen ist. Ich bin, ehrlich gesagt, kein großer Freund des steiner´schen Geklotzes. Da ist Deutsch schon ein anderes Kaliber. Zur deutschen Fassung: Diese ist unter hiesigen Filmfans natürlich ebenso berühmt wie berüchtigt, denn hier hat man sich wirklich der groben Verunstaltung schuldig gemacht. Da gibt´s keine Ausrede mehr. In der Synchronisation dudelt ein Jazz-Score, der in einem Edgar-Wallace-Reißer mit Fuchsberger sicherlich gut funktioniert hätte und der Spades Ermittlungen hartnäckig von beschwingten Klavierläufen begleitet (oder besser: behindert). Auch eine Szene gegen Ende ist bezeichnend: Eingewickelt in Stoff und Papier liegt der Malteserfalke auf dem Tisch, wird von gierigen Händen ausgepackt und von allen Seiten begutachtet, bis sich die Figur als Fälschung herausstellt. Nicht nur wird diese Szene konsequenterweise von hysterisch kreischenden Jazz-Trompeten malträtiert, der Synchronautor jubelt Bogart auch noch den Satz "Nehmt ihm doch die Windeln ab" unter. Es war die Zeit, in der Synchros a la Rainer Brandt sehr populär waren. Schade um die guten Sprecher. Wer ihn noch nicht kennt und dem Kino vergangener Tage nicht gänzlich abgeneigt ist sollte sich THE MALTESE FALCON nicht entgehen lassen. Und ich empfehle, sich beide Fassungen anzuschauen. Die eine für´s authentische Filmerlebnis, die andere als kurioses Stück deutscher Synchrongeschichte.
  15. Schön und anschaulich erklärt, vielen Dank dafür!
  16. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    KISS OF DEATH (David Buttolph) Nick Bianco (Victor Mature) wird bei einem Raubüberfall gefaßt und landet für drei Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung erfährt er, dass seine Frau nicht mehr lebt und seine zwei Kinder im Waisenhaus sind. Offenbar sind seine Komplizen, die nach dem Überfall entkommen sind, nicht unschuldig an ihrem Tod. Aus Rache verpfeift er sie bei der Polizei, doch sie werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen, und von nun an steht Bianco auf ihrer Abschußliste. Ein sehr starkes Kriminaldrama mit einer Gangster-Figur als Sympathieträger und Richard Widmark als infantil grinsender Killer, der eine enorme Gefährlichkeit ausstrahlt und nicht davor zurückschreckt, eine an den Rollstuhl gefesselte Frau die Treppe herunterzustoßen. Komponist David Buttolph ist mir schon mehrfach im Umfeld des Noir-Films positiv aufgefallen, wenn auch viele davon bei uns nie zur Aufführung gelangt sind (z.B. "Within these Walls" (1945), "House on 92nd Street" (1945), "Somewhere in the Night" (1946). Seine Musik ist prägnant, oft schroff im Tonfall und zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Ökonomie im Zusammenspiel mit den Filmbildern aus. Die Musik zu KISS OF DEATH ist dafür ein sehr gelungenes Beispiel, hält sie sich doch über längere Zeiträume gänzlich zurück, um dann in dramaturgisch wichtigen Szenen umso mehr zu glänzen. Von diesem Film existiert immerhin eine amerikanische BD mit isolierter Musikspur, ansonsten sieht es mit Soundtrack-Veröffentlichungen sehr düster aus. Hier die prägnante Titelmusik (mit vorangestellter Dialogszene): Zumindest von KISS OF DEATH gibt es eine amerikanische BD mit isolierter Musikspur, ansonsten sieht es mit Soundtrack-Veröffentlichungen sehr düster aus. Hier die prägnante Titelmusik (mit vorangestellter Dialogszene):
  17. Bei Tarantula noch für 35 Euro im Katalog. Aber, mal ehrlich. Hört sich das wirklich jemand zum Vergnügen an? Ich habe mir die CD damals wegen Youngs Orchester-Tracks geholt. Aber diese Rausch- und Stampf-Geräuschkulisse kann ich mir beim besten Willen nicht geben. Andere Leute verlangen Mietminderung dafür, wenn sowas von draußen kommt.
  18. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    RÄCHER DER UNTERWELT / DIE KILLER (1946) Zwei fremde Männer betreten eine Schankwirtschaft und sperren einen Gast und den Koch in einen Nebenraum. Sie haben die Absicht, den Schweden Ole Anderson (Burt Lancaster) zu töten, der in der Tankstelle arbeitet und jeden Abend zum essen kommt. Doch ausgerechnet heute kommt er nicht. Er liegt zu Hause apathisch auf dem Bett, als die Killer zu Treppe hochkommen. Obwohl Anderson vorher noch gewarnt wurde, unternimmt er keinen Fluchtversuch und wartet ohne Gegenwehr auf seinen Tod. Ein Versicherungsdetektiv (Edmond O´Brien) ermittelt in dem Fall und rollt die tragische Vergangenheit des ehemaligen Boxers auf. Burt Lancasters Leinwanddebüt ist ein Musterexemplar für ein mitreißend erzähltes, anspruchsvolles Kriminaldrama in ausgefeilter Schwarz-weiß-Dramturgie. ZELLE R 17 (1947) Die Häftlinge im Westend Penitantiary haben unter dem sadistischen Aufseher Munsay zu leiden. Die fünf Insassen von Zelle R 17 planen einen Ausbruch. Ein unglaublich dramatischer Film mit Szenen von außerordentlicher Brutalität, der auf ein erschütterndes Finale zusteuert. Ein Kritikpunkt wäre vielleicht der, dass er es dem Zuschauer zu einfach mit der Sympathievergabe macht. Jeder der fünf Zellengenossen sitzt entweder unschuldig ein, hat seine Tat aus moralisch nachvollziehbaren Beweggründen begangen, o.ä. Ein in Gefängnisdramen seit jeher beliebter, dramaturgischer Kniff, der dem Publikum die Unbequemlichkeit abnimmt, selber über das Identifikationspotenzial der Protagonisten zu entscheiden. STADT OHNE MASKE (1948) Dieser Film wählt einen semi-dokumentarischen Ansatz. Seine Schauplätze sind echt, die Großstadt rauh und menschenfeindlich. Und die Geschichte, die hier erzählt wird, ist nur eine von achtmillionen, wie es uns Produzent Mark Hellinger selber im Prolog erklärt. Es geht um den Mord an einem Fotomodell, die Ermittlungen durch Detective Muldoon und um die vielen, scheinbar beiläufigen Vorkommnisse drumherum. Dassin zeigt eindrücklich ein ernüchterndes, unglamouröses New York, das von Korruption zersetzt zu werden droht, erlaubt sich am Schluß aber auch eine genregerechte, versiert inszenierte Verfolgungsjagd, ohne einen Bruch zum bisher vorherrschenden Quasi-Doku-Charakter zu riskieren. Diese drei Filme haben nicht nur ihren Produzenten gemeinsam, sondern auch den Komponisten Miklos Rozsa. Zu jedem der drei gibt es mehrere Möglichkeiten, sich die Musik ins heimische Sammler-Regal zu stellen. Auf Zusammenstellungen in Form von Auszügen oder als mehr oder weniger vollständiger Score. Neu eingespielt oder in der Originalaufnahme. Da mag jeder seine eigenen Präferenzen haben. Ich persönlich hege eine besondere Vorliebe für jene Suite, die Rozsa selber unter dem Titel BACKGROUND TO VIOLENCE eingespielt hat, und die im Jahr 1956 erstmals auf Vinyl gepreßt wurde. Zunächst noch in Mono, gab es wenige Jahre später dasselbe nochmal in einer Stereo-Abmischung, die seither verschiedentliche Wiederveröffentlichungen erfahren hat, zuletzt auf dem kanadischen Label "Disques Cinemusique". Warum ist ausgerechnet diese Suite von solch besonderer Güte? Obwohl sie aus den Scores zu drei Filmen zusammengestellt ist, funktionieren die 21 Minuten als in sich geschlossenes, sinfonisches Werk und als repräsentativer Querschnitt durch Rozsas Gangsterfilm-Schaffen perfekt. Da ist kein Gramm Fett zuviel. Mit PRELUDE TO MURDER beginnt die Suite mit reißerischen, aufregenden Klängen, bei denen Rozsa wie zu erwarten aus dem Vollen schöpft. Es folgt das umwerfende NOTTURNO in dem sich pastorale Augenblicke von Sehnsucht und Idyll mit dräuender Schwermut verbinden. SCHERZO ist seinem Titel entsprechend verspielt und von leichterer, unbekümmerter Art für die amüsanteren Verschnaufpausen. Stammen die ersten drei Stücke allesamt aus BRUTE FORCE, geht es danach bruchlos mit DESPAIR aus THE KILLERS weiter, dem vielleicht intensivsten Stück der Zusammenstellung, das in expressiver, aufwühlender Verzweiflung kulminiert. Mit PURSUIT aus THE NAKED CITY geht es mit der musikalischen Umsetzung einer rasanten, finalen Verfolgungsjagd weiter, bevor Rozsa zu einem triumphalen Finale (EPILOGUE) ausholt. Als "the happy song of a great city" bezeichnet Rozsa selber in einem bemerkenswerten Anfall von Understatement diesen abschließenden Track. Abgesehen von ihrem musikalischen Wert hat diese Suite den Vorteil eines sehr guten Stereo-Klangs, der aber trotzdem noch die angenehme, authentische Patina einer zeitgenössischen Aufnahme aus den 50er Jahren besitzt.
  19. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    ENTSCHEIDUNG IN DER SIERRA (Adolph Deutsch) Der Film beginnt mit der Panoramaaufnahme eines Bergmassivs über das zur ebenso aufwühlenden wie wuchtigen Titelmusik die Vorspanncredits laufen. Dann wechselt die Szenerie in die Stadt. Der Ganove Roy Earle (Bogart) wird aus dem Gefängnis entlassen. Seine Freilassung verdankt er der Intervention des einflußreichen Gangsterbosses Big Mac, der ihn und seine Erfahrung für einen geplanten Raubüberfall benötigt. In einer Hütte im Gebirge trifft sich Earle zur Planung mit drei angeheuerten Mitstreitern. Einer davon hat seine Freundin Marie (Lupino) dabei, die sich in Earle verliebt, was zu weiteren Konflikten führt. Der Score ist klassisch-sinfonisch gearbeitet, beschreibt schroff und würdevoll die Gebirgsszenerie und schlägt häufig auch stille, differenzierte Töne für die zwischenmenschlichen Spannungen an. In der deutschen Fassung wurde die Musik fast zur Gänze ersetzt. Allerdings hat man sich hier sehr bemüht, angemessene, der Stimmung der Originalmusik entsprechende Stücke zu verwenden, was im Großen und Ganzen auch akzeptabel gelungen ist, aber hier und da auch weniger zu überzeugen vermag. Zwei Negativ-Beispiele möchte ich herausgreifen: Zum einen der Dialog zwischen Bogart und Lupino am Küchentisch, den Deutsch mit einem empfindsamen und etwas resignativ klingenden Stück begleitet, das exakt zum Zwigespräch zweier angeschlagener Charaktere paßt. In der deutschen Fassung hat man eher den Eindruck dem Finale eines romantischen Liebesfilms zu lauschen, was der Szene einen Teil ihrer Wirkung nimmt. Ähnlich verhält es sich gegen Ende. Earle flüchtet einen Steilhang hinauf. Von unten wird er von Polizisten mehrmals zur Aufgabe aufgefordert, über ihm nimmt ihn ein Scharfschütze ins Visir. Dieses Finale erzielt mit der hitzigen, dramatischen Musik von Deutsch (zu hören als APPREHENDED auf der CD) eine wesentlich stärkere Wirkung, als es die Archivmusik der Synchronfassung vermag. Ein sehenswerter Klassiker mit einer großen Filmmusik ("filled with memorable melodies and strong themes, it is certainly Deutsch´s most "Steinerish" music on this album"), von der das rührige Morgan/Stromberg-Team eine 13-Minuten-Suite destilliert hat, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
  20. Kurze Einschätzung dieser CD: Das Hauptthema ist wirklich schön, hat mich bei den Hörbeispielen direkt angesprochen und war für mich der Grund für den Kauf. Stlistisch kreuzt es in den selben Gewässern wie einige von Ortolanis Westernthemen, vor allem HUNTING PARTY, dramatisch, melodisch, aufwühlend. Von diesem Stück gibt es noch drei oder vier wunderbar ruhige, nostalgische Varianten. Vor allem LE MIE SERE PIU BELLE ist hier hervorzuheben. Dazwischen etwas Ambiente ohne Melodie für die Unterwasserszenen und zwei jazzige Tracks, die die Stimmung etwas stören. Leider ist ausgerechnet die aufregende CACCIA AL PESCECANE nur in mäßigem Mono, während sich die meisten übrigen Stücke in sauberem Stereo präsentieren. Das Original-Album umfaßt 10 Tracks, gefolgt von 14 Bonustracks. Letztere sind eher weniger lohnenswert, da sich unter ihnen auch viel von der Unterwasser-Atmo-Musik wiederfindet. Die CD ist unterm Strich vielleicht kein Muß, aber für mich eine angenehme Entdeckung eines mir bisher gänzlich unbekannten Scores.
  21. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    ON DANGEROUS GROUND - BERNARD HERRMANN Mit zunehmender Verbitterung führt Jim Wilson seinen Job als Ordnungshüter in der Großstadt aus. Als ihn seine unberechenbaren Gewaltausbrüche mal wieder in Konflikt mit seinen Kollegen bringen, versetzt ihn sein Chef in die Provinz, wo er in einem Mordfall an einer jungen Frau ermitteln soll. Dabei stößt er auf die blinde Mary, deren geistig behindeter Bruder der Täter zu sein scheint. Wilson (Robert Ryan) ist der prototypische Hardboiled-Detective. Er ist alleinstehend, zynisch, desillosioniert ("Cops have no friends, noboby likes a cop. On either side of the law, nobody." - "Is that what you want? People who like you? Than you´re in the wrong business.") Selten sahen die Gassen und Hinterhöfe der namenlosen Stadt so abweisend aus wie hier. Die Vorgänge in der ersten halben Stunde laufen ins Leere, dienen nur dazu, den Wilson-Charakter zu porträtieren. Als musikalische Entsprechung hätte man Wilson nun eine melancholische, gebrochene Melodie beiseite stellen können, aber Herrmann beschreitet einen anderen Weg. Mit seinem schroffen, äußerst aggressiven PRELUDE konzentriert er sich auf Wilsons gefährliche Unberechenbarkeit, auf dessen aufgestauten Hass und zeichnet die Stadt (die wir in der Vorspannsequenz aus subjektiver Sicht durch die Windschutzscheibe sehen) gleichzeitig als menschenfeindlichen Moloch voller Unmoral und Gewalt. Erst später, bei der Begegnung mit einem kleinen Jungen, der auf der Straße spielt, bekommt Wilson ein traurig-resigniertes, jazzig angehauchtes NOCTURNE mit auf den Weg. Der Tonfall ändert sich mit dem Zusammentreffen mit Mary (Ida Lupino). Hier setzt die Handlung erneut an. Der Täter steht schnell fest, und es geht auch nur vordergründig um die Jagd nach einem Mörder. Wilson entwickelt Zuneigung zu der ebenfalls allein lebenden Mary, was von Herrmann mit einem anrührenden Streicherthema (Virginia Majewskis Solo-Violine ist sogar im Vorspann genannt) begleitet wird. In den beiden Jagdsequenzen HUNT SCHERZO und der durch die Gerhardt-Enspielung legendären DEATH HUNT, kehren die aggressiven Strukturen der Titelmusik wieder zurück, und es ist in der Tat atemberaubend, was Herrmann hier an Wildheit und Dramatik auffährt. ON DANGEROUS GROUND ist auch als Film sehenswert. Das meiste ist erkennbar nicht im Studio gedreht, gelegentlich werden für die Zeit ungewöhnliche Handkamera-Szenen (z.B. im Wageninnern durch die Scheiben nach draußen gefilmt) eingesetzt. Ein nicht unerheblicher Schwachpunkt ist allerdings das versöhnliche und aufgesetzt wirkende Happy-End, das durch RKO-Chef Hughes aufgezwungen wurde, und leider ein nachwirkendes Kloß-im-Hals-Ende vermasselt. Der Film existiert nur in Originalfassung. Meine italienische DVD ist in Ordbnung, wirkt aber etwas ausgebleicht und kontrastarm. Inzwischen ist auch eine BD im Umlauf. Die Musik ist unverzichtbar, und eine meiner drei Herrmann-Lieblings-Scores. Die Azetat-Laufgeräusche, die die Aufnahmen auf der großartigen FSM-CD zum Teil begleiten, werden aber leider viele abschrecken.
  22. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    HITCH-HIKER habe ich noch nicht gesehen. Auf der Seite "der-film-noir.de" entdecke ich auch viele Filme, die meiner Einschätzung nach dort nichts verloren haben. Und umgekehrt fehlen welche, die dort unbedingt hineingehört hätten. Außerdem pflegt man dort eine generelle Abneigung gegen Synchronfassungen. Davon abgesehen aber eine liebevoll zusammengestellte, empfehlenswerte Seite zum Stöbern und informieren. Nur die Musik findet dort halt kaum Erwähnung. Aber dafür gibt es ja jetzt diesen Faden hier. Unabhängig von seiner Einordnung, ist HITCH HIKER denn sehenswert? Schön, dass die alte Cloud-Nine-CD nicht vergessen ist. Ich hatte damals schon den Eindruck, dass sie bei Filmmusik-Fans wenig Interesse auf sich gezogen hat. Man braucht natürlich eine gewisse Toleranz gegenüber dem historischen Mono-Klang von Acetat-Überspielungen. Das Buch ist wohl mehr was für professionelle Musiker, aber ich finde es schon bemerkenswert, dass ausgerechnet der Musik zum klassischen Noir ganze Bücher gewidmet sind. Ein lohnendes Betätigungsfeld offenbar.
  23. Angus Gunn

    Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958

    Wer erinnert sich noch an diese feine CD-Edition von "Cloud Nine Records", die sich dem Schaffen des oft übersehenen Roy Webb widmete? Wahrscheinlich kaum einer. Dabei ist ihr Inhalt auch und gerade für diesen Faden von Belang, finden sich doch Auszüge aus gleich mehreren "Noir"-Scores der 40er Jahre auf dieser Scheibe, die auch eines der wunderbaren, bebilderten Booklets enthält, für die dieses Label seinerzeit geschätzt wurde. In OUT OF THE PAST (Goldenes Gift, 1947) betreibt Jeff (Robert Mitchum) im ländlichen Kalifornien eine Tankstelle und wird dort von seiner Vergangenheit als Privatdetektiv eingeholt. Der skrupellose Gangsterboss Sterling (Kirk Douglas) hat noch eine Rechnung zu begleichen, und auch die undurchsichtige Kathie (Jane Greer) verfolgt ihre eigenen Pläne. Diesem Film eilt der Ruf eines echten Klassikers voraus, und was ich hier in zwei Sätzen grob umrissen habe ist in Wirklichkeit ein überaus engmaschig verwobenes Netz aus Intrigen, Verrat und Rache, das ein größeres Maß an Aufmerksamkeit einfordert, will man den Faden nicht verlieren. Trotz Tourneurs eleganter, stilsicherer Inszenierung kann man an den vorhandenen Schwächen nicht gänzlich vorbeisehen. So wird die Geschichte zum Teil unnötig umständlich erzählt, was auch daran liegen mag, dass man einfach des Guten zuviel hineingestopft hat, und dass auch nicht jede Wendung wirklich nachvollziehbar ist. Das hält den Zuschauer trotz des fulminant aufspielenden Darstellerensembles auf Distanz. Sehenswert ist der Film aber dennoch allemal. Die Filmmusik ist mit der Overture als Track 1 auf der CD vertreten. Webbs Komposition ist elegant und frönt einer ausladenden Romantik. Als Einleitung für ein Kriminaldrama für meinen Geschmack etwas zu seicht. Eine anmutige Musik, die eher nach gefühlsduseligem Melodram klingt (was der Film bis zu einem gewissen Grad allerdings auch ist), und ruhig etwas kantiger hätte sein dürfen. Die folgenen drei Filme haben allesamt keine deutsche Übersetzung erfahren und sind mir bisher unbekannt. Sehr wirkungsvoll, und wohl auch das intesivste Stück des Albums, ist der MAIN TITLE zum Susan-Hayward-Film THEY WON´T BELIEVE ME. Ein packendes, in dramatisch-düsteren Klängen gehaltenes Thema, das auf die kommenden, tragischen Ereignisse einstimmt. THE LOCKET ist ein "Noir"-Drama mit komplexer Rückblendenstruktur, Larraine Day als Femme Fatale und einem der trostlosesten Enden im Kino der 40er Jahre. Die charmante, 10-minütige Suite macht über lange Zeit den Eindruck dem Score einer romantischen Komödie zu lauschen. Mal schwelgerisch, mal beschwingt, läßt er erst in den letzten zwei Minuten auf sinistre Vorgänge schließen. In CORNERED rächt sich ein französisch-kanadischer Pilot nach Kriegsende an den Leuten, die für den Tod seiner Frau verantwortlich sind. Die 4 Minuten dieser Suite sind von grimmiger Art, rauer als alle anderen Webb-Kompositionen, die auf diesem Album sonst zu hören sind. Es lohnt sich, nach der CD Ausschau zu halten, hat sie doch eine Menge Raritäten zu bieten. Neben den genannten, finden sich noch längere Auszüge aus CURSE OF THE CAT PEOPLE und Hitchcocks NOTORIOUS (beides keine wirklichen Noirs aus meiner Sicht), sowie SINBAD THE SAILOR und einiges mehr.
  24. Angus Gunn

    Guido & Maurizio De Angelis

    Bei jedem hat´s irgendwann mal angefangen. STAR WARS, WINNETOU, JAMES BOND... die Liste der gerne genannten Initialzündungen ist lang und individuell. Ich persönlich habe kein spezielles Schlüsselerlebnis vorzuweisen; bei mir geht die Annährung an die Filmmusik-Liebhaberei bis in die Grundschulzeit zurück und war wohl ein eher natürlicher Prozess bin ich doch schon von Anfang an mit der Filmbegeisterung meines Vaters und seinem 35-mm-Heimkino aufgewachsen. Eine Kindheit zwischen Zelluloid und Projektionstechnik. Die musikalische Ausgestaltung all dieser wunderbaren Klassiker die damals auf drei Meter Breite auf die Leinwand an unserer Wohnzimmerwand projiziert wurden hat mich also maßgeblich beeinflußt, und schon sehr früh waren mir vor allem Namen wie Bernstein, Jarre und Goldsmith ein Begriff. Auch wenn es auf der einen Seite zunächst mal anspruchsvolle Kompositionen zu DIE 10 GEBOTE, LAWRENCE VON ARABIEN oder DER WIND UND DER LÖWE oder auch Morricones Western-Musiken waren, so haben andererseits die De-Angelis-Brüder mit ihren in der Pop- und Folk-Musik verankerten Klängen auf jeden Fall einen maßgeblichen Anteil daran, dass ich heute hier sitze und diesen ganz persönlichen Prolog schreibe. Und deshalb möchte ich den beiden diesen längst überfälligen eigenen Faden widmen, denn viele ihrer Melodien verfügen über einen größtmöglichen Wiedererkennungswert und sind nicht selten losgelöst vom Film zum Bestandteil der Popkultur geworden. Doch Guido & Maurizio De Angelis sind viel mehr als nur Hitlieferanten, und ihr Name ist fest mit dem italienischen Genre-Kino der 70er Jahre verbunden. "Guido ist mehr der Geschäftsmann, Maurizio ist ein Künstler - ein echter Künstler.Ich kann nicht sagen, wer der Bessere ist, Marlon Brando oder Al Pacino, das hängt auch immer vom Film ab. Maurizio ist sehr gut, beinahe auf dem Niveau von Morricone. Er fing mit Schlagern an. Er schrieb sie für Don Backy. Nette Lieder, aber eine ganz andere Welt. Aber er hat das Potenzial für ganz andere Leistungen..." -Sergio Sollima Unter den Filmen des Spencer-Hill-Duos ist ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE mein Favorit. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen stehen die so typischen Klamauk- und Prügelszenen hier in einem sinnvollen Kontext zur Geschichte und werden auch nicht überstrapaziert. Zum anderen kommt hier, bei allem Humor, auch eine richtig schöne Abenteuerfilm-Atmosphäre rüber. Dies liegt nicht zuletzt an der bemerkenswerten, präzisen Kameraführung, die aus den authentisch anmutenden Dschungel-Settings und der sorgfältigen Ausstattung das Beste herausholt. Da sitzen beispielsweise die beiden Protagonisten Plata (Hill) und Salud (Spencer) in einem Transportflugzeug, das sie der Versicherungsprämie wegen zur Bruchlandung bringen wollen. Der Laderaum ist vollgestopft mit Gerümpel, Käfige mit flatterndem Federvieh rutschen von einer Ecke in die andere. Colizzi und sein Kameramann sezieren das Szenario mit einer solchen Hingabe, dass man als Zuschauer meint, den dampfenden Muff im Cockpit förmlich riechen zu können. Und auch auf der musikalischen Ebene stimmt hier alles. Die deutsche LP-Pressung von RCA (oben abgebildet) war damals eine meiner ersten eigenen Filmmusik-Errungenschaften, und der Titelsong FLYING THROUGH THE AIR muß niemandem vorgestellt werden. Mit einer so originellen wie humorvollen Orchestrierung und dem lässigen Rhythmus trifft er den Charakter des Films perfekt und war natürlich auch als Single-Auskopplung ein großer Erfolg. Entwaffnend sind auch die mit viel Samba-Flair ausgestatteten Instrumental-Versionen die immer wieder durch pfiffige Einfälle und schräge Instrumentierungskniffe erfreuen. So startet das Ensemble in SCAMBIO DI OPINIONI (Track 21 auf der CD) mit fröhlicher Verve um nach etwa einer Minute immer dezenter und leiser zu werden, bis die Melodie schließlich nur noch im Flüsterton vom Saxophon intoniert wird, als hätte zwischendurch jemand die Musiker dazu aufgefordert doch bitte die Mittagsruhe einzuhalten. PLATA AND SALUD ist das zweite Thema, das mehr den abenteuerlichen Aspekt betont, mit Streichorchester und Chor vor allem bei den Start- und Flugszenen eingesetzt wird. Mit Flöten und Gitarre orchestriert, trifft es aber auch ganz wunderbar den versponnen-friedlichen Charakter des alten Smaragdschürfers IL MATTO, der als Einsiedler in einer verwahrlosten Bretterbude haust und für einen wirklich rührenden und tragischen Moment verantwortlich ist: Da er noch nie die Stadt gesehen hat, wird er von Plata und Salud mitgenommen. Doch nach der Landung auf dem Flugplatz müssen sie feststellen, dass ihr Gast, von Freude und Aufregung überwältigt, die große Stadt nun doch nicht mehr aus der Nähe erleben wird, denn "Matto ist wieder aufgestiegen". Zusammen mit dem hinreißend traurigen Streicher-Gitarren-Arrangement des Themas treibt mir diese Szene auch heute noch das Wasser in die Augen. Eine ganz vortreffliche Filmmusik, ohne größeren Anspruch, doch originell und symphatisch. Dass das nicht selbstverständlich ist, wird deutlich, wenn man sich mal die späteren Filme von Spencer und Hill zu Gemüte führt, die von anderen Komponisten betreut wurden. Die Ergebnisse sind oft weit weniger überzeugend, und meiner Meinung nach ist Walter Rizzati mit DAS KROKODIL UND SEIN NILPFERD der Einzige, dem es gelungen ist, an Charisma und Originalität der De-Angelis-Scores heranzukommen.
  25. Angus Gunn

    Guido & Maurizio De Angelis

    CANTERBURY NO.2 ist eine für ihre Zeit typische Erotikkomödie in mittelalterlichem Ambiente aus dem Jahr 1973. Die Imdb gibt Drehbuchautor Roberto Loyola als Regisseur an. Laut CD-Booklet war aber Italiens Exploitation-Papst Joe d´Amato für das Werk verantwortlich. Einigkeit herrscht aber immerhin über die Urheber der Filmmusik. Doch der Score der De-Angelis-Brüder ist als Album eher eine Enttäuschung. Dabei beginnt es wirklich vielversprechend: In TITOLI leiten Orgelklänge über in ein ruhiges, sakral anmutendes Lied mit Solostimme, Chor und von einer handgeschlagenen Trommel rhythmisiert. Ein wunderbares Stück, voll spritueller Erhabenheit, das es, wie den gesamten Score, niemals zuvor auf Tonträger gab, und für mich eine sehr erfreuliche Überraschung war. Ein weiteres Lied (AMORE) ist im Minnegesang-Stil gehalten und ist auch instrumental vertreten. OSCURITA greift den sakral-sphärischen Aspekt wieder auf, und der Rest der Musik erschöpft sich in komödiantischen Melodien, interpretiert von kleinem Ensemble mit u.a. Flöte, Fagott, Gitarre, Spinett und Banjo, in direkter Nachbarschaft von Morricones Slapstick-Einlagen im "Nobody"-Score. Das ist auf Dauer anstrengend und musikalisch wenig ergiebig, zumal die meisten Tracks filmbedingt auch sehr kurzatmig sind. Leider ein schwächeres Album, von dem man sich mehr erhofft hätte. Der 4-minütige Eröffnungstrack allerdings ist vom Feinsten und für mich alleine schon die Anschaffung wert.
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