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Angus Gunn

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  1. Mir auch. Und ehrlich gesagt sehe ich auch bei diesen Schauerdramen rund um gotische Häuser (House on Telegraph Hill, Gaslight, Psycho, House by the River etc.) ebenfalls kaum Elemente, die sie als Noir qualifizieren würden. Aber bei "Noir.de" sieht man es halt so, und dann soll´s mir recht sein. Andererseits zählt für mich ein Film wie ON THE WATERFRONT ganz klar zum Noir-Kosmos. Aber der wird nirgendwo diesem Stil zugerechnet. Alles eine Frage der persönlichen Auslegung.
  2. Aber das müßte doch eigentlich jeden zufriedenstellen. Hier wurden ja nun schon öfters die Vor- und Nachteile von Album- und Komplettfassung gegeneinander abgewogen, und so ist es doch eine salomonische Lösung für alle.
  3. 23 PACES TO BAKER STREET (Leigh Harline) Ein weiterer Harline, den ich sehr mag, ist leider nie auf Tonträger veröffentlicht worden. Der Film ist kurz nach BLACK WIDOW und HOUSE OF BAMBOO entstanden und gehört wie diese zu den farbigen Breitwand-Noirs der Fünfziger Jahre. Der erblindete und verbitterte Schriftsteller Philip Hannon wird in einem Lokal zufällig Zeuge der Verabredung zu einem Verbrechen. Zu Hause rekonstruiert er das belauschte Gespräch in dem er es selber auf Tonband spricht. Bei der Polizei findet er keine Unterstützung, da man dort seine Angaben für zu wage hält. Hannon beschließt, zusammen mit seiner Ex-Frau und seinem Butler selber in der Sache zu ermitteln. Seine einzigen Anhaltspunkte sind der Parfumgeruch aus dem Lokal und die lückenhaften Informationen aus dem mitgehörten Dialog. Kameramann Milton Krasner findet opulente Bilder für die interessante, spannende Geschichte. Ort der Handlung (und Drehort) ist London, das fast die ganze Zeit über im Dämmerlicht und in dunstigen Nebelschleiern zu sehen ist. Auch weiß der Film die Behinderung seiner Hauptfigur für spannungsintensive Sequenzen zu nutzen. Wenig bekannt, aber lohnenswert. Harlines Musik ist opulent und besitzt in einigen Szenen ein unwiderstehliches mystisches Flair. Die hier von mir zusammengebastelte Suite vermittelt zumindest einen kleinen Eindruck:
  4. Don Ellis: THE DEADLY TOWER Hin und wieder fördert man in der eigenen Sammlung Perlen zutage, deren Existenz man schon fast vergessen hatte. Der Film stellt einen authentischen Fall nach, ist bei uns im Fernsehen unter dem Titel TURM DES SCHRECKENS ausgestrahlt worden und hat mich damals (vor ca. 30 Jahren) sehr beeindruckt. Es geht um einen Heckenschützen, der sich schwer bewaffnet auf dem Dach eines Hochhauses verschanzt und von dort aus wahllos auf Passanten schießt. Gerne würde ich ihn nochmal sehen, aber eine DVD gibt es bisher nicht. Ein Fall für Pidax? Wirklich beeindruckend ist der 16-minütige Score, den Ellis mit einem 24-köpfigen Ensemble (16 Streicher, 4 Holzbläser, je 2 Keyboards und Schlagzeuger) eingespielt hat. Die Musik nimmt keinen Bezug auf einzelne Protagonisten, sondern beschreibt die Situation mit spannungsfördernden Klangflächen zwischen Schwermut und diffuser Bedrohlichkeit. Ein Score, der Aufmerksamkeit verlangt und diese auch reichlich belohnt. Das Hauptthema (erster und letzter Track) ist brillant, steht in seinem düsteren Timbre den Thriller-Scores von Michael Small nahe. Vielleicht habe ich damals nicht mit der nötigen Konzentration hingehört, oder war einfach nicht in der richtigen Stimmung, sonst hätte ich dieses Kleinod sicherlich nicht so lange unbeachtet gelassen.
  5. Ja, BROKEN LANCE ist phantastisch. Ihn in diesem Faden zu erwähnen ist auf jeden Fall sinnvoll, da es sich immerhin um das Western-Remake eines Noirs namens HOUSE OF STRANGERS von 1949 handelt.
  6. Leigh Harline: HOUSE OF BAMBOO Das Problem von TOKIO STORY liegt in seiner allzu konventionellen Geschichte, in der ein amerikanischer Captain und ein japanischer Inspektor gegen eine Gangsterbande vorgehen, die einen US-Militärzug überfallen hat. Rein formal ist Regisseur Sam Fuller hier in bester Verfassung, weiß seine authentischen Schauplätze effektvoll zu nutzen, und auch mit explosiven Actionszenen zu erfreuen. Fürs Auge wird also einiges geboten, und zwar in Farbe und Cinemascope. Über die vorhanden Schwächen des Drehbuchs kann man dennoch nicht ganz hinwegsehen, zumal der Film mit Robert Stack einen recht farblosen Hauptdarsteller besitzt, da nützt auch DeLuxe Color nichts. Robert Ryan als Gegenspieler ist da ein völlig anderes Kaliber. Leigh Harlines Musik ist wiedereinmal vom Feinsten, und es ist mir unverständlich warum er im Vergleich zu anderen Golden-Age-Komponisten so wenig beachtet wird. Mit flirrenden Streichern und dramatischen Akzenten vom Blech leitet die furiose Titelmusik einen Score ein, der ansonsten neben dezent eingesetztem, fernöstlichem Kolorit sich vor allem dem Subplot um eine Liebesgeschichte zwischen Stack und der Japanerin Shirley Yamaguchi widmet. Harline überfordert den Film nicht mit zuviel Streicherpomp und komponierte entwaffnend schöne, farbig orchestrierte, aber auch zurückhaltende Stücke von großer Ausdruckskraft.
  7. Danke für die Hinweise, Oliver! Ja, im Booklet-Text ließt sich das tatsächlich so, als habe Fuller eine Vorliebe für dieses Lied gehabt. Es war jedenfalls seine eigene Wahl. Den 21.09. kann sich ja mal jeder notieren, der dem Genre zugetan ist und diesen Film noch nicht kennt. Er ist wirklich sehr sehenswert.
  8. Leigh Harline: PICKUP ON SOUTH STREET (Polizei greift ein) Skip McCoy (Richard Widmark) schlägt sich mit kleinen Gaunereien durchs Leben. Bei einem Handtaschendiebstahl in der vollbesetzten U-Bahn fällt ihm ungewollt ein Mikrofilm mit brisantem Inhalt in die Hände. Von nun an wird er von Polizei und FBI gesucht. Die ebenfalls in die Ermittlungen eingeschaltete Informantin Moe (Thelma Ritter), die sich gelegentlich für Spitzeldienste bezahlen läßt, kann Skip identifizieren und an die Polizei verraten. Er leugnet den Diebstahl, bekommt aber bald Besuch von Candy (Jean Peters), jene Dame, in deren Handtasche sich der Mikrofilm befand... Blendend inszeniertes, hartes Kriminaldrama von Samuel Fuller, der wie immer großen Wert auf Milieuzeichnung legt. Seine Figuren sind stimmig, handeln in der Regel aus reinem Egoismus heraus. Die Story entwickelt gerade in der zweiten Hälfte eine enorme Dynamik. Actionszenen sind ebenso drastisch wie energisch mit Handkamera und wenigen Schnitten inszeniert und wirken äußerst realistisch. In der amerikanischen Fassung geht es um kommunistische Umtriebe. In der deutschen Synchronisation wurde daraus eine Rauschgiftaffäre gestrickt, was in diesem Fall nicht wirklich gelingt, da Personen und Situationen nicht so recht mit einer Drogengeschichte kompatibel sind. Man ist also so oder so mit der Originalfassung besser bedient. Leigh Harline greift in seinem Score den nüchternen Tonfall des Films auf, entschlackt das Orchester effektvoll und läßt nichts mehr übrig vom schwelgerischen Golden-Age-Stil eines BLACK WIDOW. Zwar gibt es auch hier durchaus warmherzige Streicherklänge für die Beziehung zwischen Skip und Candy, doch sind auch diese eher verhalten und eingebettet in melancholisch-bluesige Strukturen. Der Soundtrack beinhaltet außerdem einen nicht von Harline stammenden, träumerischen Song namens "Mam´selle", der im Film von einer Schallplatte erklingt und in einer wirklich anrührenden wie erschütternden Szene eingesetzt wird.
  9. Es handelt es sich wahrscheinlich nicht um einen Genre-Film, trotzdem setze ich ihn hier mal rein. Der Film scheint in der Versenkung verschwunden zu sein. Auf die Musik bin ich mehr zufällig vor kurzen erst aufmerksam geworden. Das Hauptthema mit seinen (für Piccioni typischen, gedimmten) Streichern und Mandolinen ist keines, das sich unmittelbar Im Ohr festsetzt oder gar zum Mitsummen animiert. Es hat einen melancholischen, nostalgischen und durchgehend geradezu traumwandlerischen Charakter, mal eher der subtilen Dramatik zugeneigt, dann wieder helltönend romantisch. Gerade letzteres ist Piccioni besonders ergreifend gelungen, z.B. in Track 9 oder 21. Dazwischen eingestreut sind diegetische Musikstücke aus Taverne und Cabaret und entspannter Jazz und Blues im Timbre der 30er Jahre. Die berüchtigte Giovinezza, jene Hymne der faschistischen Partei im damaligen Italien, kommt nicht vor. Insgesamt vielleicht nicht in der gleichen Liga wie SENILITA oder C´ERA UNA VOLTA aber ein sehr schöner Score mit einlullender Wirkung.
  10. MAD MAX - FURY ROAD "Heute fahren wir nach Gastown!" gröhlt am Anfang ein Statist und faßt damit die Story schon ganz gut zusammen. Es kommt zu Turbulenzen zwischen irgendwelchen Gestalten, die einem allesamt scheißegal sind. Zwischen den irrsinnigen Stunts und enorm aufwendigen Actiongemälden tummeln sich unzählige CGI-Effekte und aufdringliches Color-Grading. Modernes Event-Kino in seiner reinsten Form. Reduziert auf ein Minimum an Handlung, und auf den maximalen optischen Effekt getrimmt. Am Schluß wird der Score nochmal richtig pathetisch. Für wen, weiß ich nicht. Vielleicht für den Zuschauer, der es endlich überstanden hat.
  11. Leigh Harline: BLACK WIDOW (Die Spinne) "Professionell und spannend inszeniertes Eifersuchts- und Kriminaldrama mit gesellschaftskritischem Einschlag im attraktiven Künstlermilieu" steht es im Filmlexikon zu lesen. Der Film ist rein vom formalen Aspekt her weit entfernt vom typischen Noir-Stil früherer Jahre, und bei seiner Dialoglastigkeit bestand eigentlich kein Grund, ihn in Cinemascope und Farbe zu inszenieren. Die Geschichte jedoch, die ihren Hauptcharakter (Van Heflin) und die ihn umgebenden Figuren immer tiefer in einen Strudel der Unmoral zieht, gehört eindeutig in den Noir-Kosmos. Beurteilen kann ich das selber nicht, da ich ihn bisher noch nicht gesehen habe. Die Musik allerdings dürfte eine der schönsten sein, die einen Noir zu jener Zeit bereichert haben. Die Titelmusik (unten verlinkt) ist ein Wunderwerk von düsterer Eleganz und melodisch umwerfend. Klavierstücke und Orchestertutti, mal schwelgerisch, mal solistisch, beschreiben das exquisite High-Society-Milieu. Erst in der zweiten Hälfte kehren die dunkleren Klangfarben zurück (DECISION und CONFESSION sind Kompositionen von großer Intensität, ebenso malerisch wie schwermütig) und beenden den nur 22-minütigen Score mit schwarz-romantischen Walzer-Klängen, basierend auf dem Strauss´schen SALOME-Tanz, der zuvor im Score auch direkt zitiert wird. Alfred Newman dirigiert das Fox-Orchester in gewohnter Präzision und Hingabe ("... next to impossible to duplicate.") Unbedingte Empfehlung!
  12. Der Film hatte bei uns den Titel FIREFLASH - DER TAG NACH DEM ENDE und ist ein typisches Endzeit-Actionspektakel der 80er Jahre. Im Vergleich zu einigen ähnlichen Werken italienischer Herkunft erfreut FIREFLASH mit einer kompetenten Inszenierung von Sergio Martino, dem offenbar auch ein angemessenes Budget zur Verfügung stand. Bei Freunden des italienischen Trivialkinos ist die wilde Mischung aus "Klapperschlange", "Mad Max" und Grimms Märchen (!) jedenfalls nach wie vor ein beliebter Zeitvertreib. Den Score als Prachtexemplar zu bezeichnen wäre sicherlich übertrieben, aber ein kleines Grälchen war das für mich schon, ich geb´s ja zu. Und tatsächlich handelt es sich um ein durchgehend unterhaltsames Album mit Anklängen bei Vangelis und Carpenter, funkigen Rhythmen, melancholisch-archaischen Flötenklängen und dem ein oder anderen Motiv, das sich im Ohr länger festsetzen dürfte. Die Tracks auf der CD sind in Filmreihenfolge und besitzen mehr Score-Charakter als es sonst oft bei De Angelis der Fall ist. Es wurde offenbar direkt auf die Szenen komponiert. Wer nichts mit rein elektronischen Scores aus jenen Tagen anzufangen weiß, der sollte hier natürlich Abstand wahren. Für Freunde von zünftiger 80er-Action-Musik, der man ihre Entstehungszeit auch anmerkt, kann man guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen.
  13. Toller Score! Habe mich schon lange gefragt, wo der bleibt. Den Sondheim-Song "I Never Do Anything Twice" scheint aber auch diese CD nicht zu enthalten. Die geniale Interpretation von Judy Kaye (auf Bruce Kimmels Holmes-Sampler von 1996 enthalten) ist immer wieder herrlich:
  14. Na, hoffentlich war das noch erschwinglich und hat sich gelohnt! IM ZEICHEN DES BÖSEN (1958) Gerade ist von Koch Films die Blu-ray-Edition von Orson Welles TOUCH OF EVIL erschienen. Grund genug den Film, seine Musik und natürlich die wunderbare Edition hier mal zu erwähnen. Auf zwei Scheiben verteilt finden sich hier drei Versionen des Films: Zum einen die Kinofassung von 1958, die auch (ganz wichtig!) die ursprüngliche deutsche Synchronisation mit Horst Niendorf (Heston), Margot Leonard (Leigh) und Walther Suessenguth (Welles) enthält. Außerdem die bisher auf DVD erhältliche restaurierte Fassung von 1998 mit der Neu-Synchro (aber wahlweise auch mit der lückenhaften Originalsynchro), und eine bisher nicht gezeigte Preview-Fassung von 1958, einen vorläufigen Rohschnitt, der bei den Produzenten auf Ablehnung stieß und Welles zu Kompromissen zwang. Eine wichtige Änderung der Restaurierung besteht im Fehlen der Titeleinblendungen. Der Film beginnt mit jener berühmten Plansequenz an deren Ende eine Autobombe explodiert. Welles hatte sich seinerzeit ausdrücklich und zurecht gegen dieTiteleinblendungen entschieden, da diese zu sehr vom Bild ablenken würden, konnte sich aber nicht gegen Universal durchsetzen, die den Film noch zahlreichen weiteren Änderungen unterzogen (alles im lesenswerten Booklet erläutert) und ihn schließlich als reinen B-Film im Doppelprogramm vermarkteten. Obwohl Welles und sein Kameramann Russell Metty den Film Open Matte drehten, um sowohl dem bis dahin gebräuchlichen 1:1.37-Seitenverhältnis wie auch dem neuen Breitwandformat gerecht zu werden, liegen alle drei Fassungen im Format 1:1.85 vor, dem seit damals üblichen amerikanischen Kinoformat. Der Konsument hat außerdem die Auswahl zwischen vier (!) verschiedenen Audiokommentaren von Filmhistorikern, dem Produzenten der restaurierten Fassung Rick Schmidlin und den Darstellern Heston und Janet Leigh, sowie eine in zwei Teilen präsentierte Doku aus den 90er Jahren. Viel Beschäftigung für den Noir-Filmfan, und eine würdige Präsentation eines großen Klassikers. Für alle, die diesen Film noch nie gesehen haben (gibt´s so jemanden hier?), greife ich jetzt mal in meinen Bücherschrank und zitiere die Kurzkritik aus dem guten alten "Lexikon des internationalen Films": Ein Mordfall in einer schmutzigen Kleinstadt an der mexikanischen Grenze ist Anlaß für das tödliche Duell zwischen einem jungen mexikanischen Rauschgiftfahnder und dem alten Polizeichef, der durch den gewaltsamen Tod seiner Frau demoralisiert und korrumpiert ist und seine Fälle bei Bedarf durch gefälschte Beweise zu lösen pflegt. Der komplizierte Reißer nach einem Roman von Whit Masterson knüpft an die "Schwarze Serie" an und führt sie gleichzeitig ad absurdum. Ein intelligenter Film von exklusiver formaler Qualität, mit eindrucksvollen Darstellern und ebenso abstoßender wie faszinierender Atmosphäre. Zunächst ein mäßiger Erfolg bei Presse und Publikum, gilt der Film seit den siebziger Jahren nach CITIZEN KANE als Welles´ bedeutendstes Werk. Und natürlich muß hier auch die Filmmusik gewürdigt werden. TOUCH OF EVIL war Henry Mancinis erster wirklich großer Wurf. Zur Illustration der von Korruption zersetzten Grenzststadt mit ihren schmierigen Kaschemmen und zwilichtigen Hotels komponierte er mehrere Stücke Source-Music, zum Teil mit lateinamerikanischen Einflüssen, vom resignativen Blues, zum wilden Rock´n´Roll, bis zu den melancholischen Pianola-Themen aus Tanyas (Marlene Dietrich) Bar. Für den dramatischen Score reduziert Mancini das Ensemble auf Blech, Klavier und die fast omnipräsenten Bongos, deren trockener Klang sich von Anfang an durch das triste Szenario schlängelt. Neben der Musik zur erwähnten Eröffnungssequenz (bei der der Bongo-Rhythmus exakt beim Aufziehen der Zeitzünder-Uhr einsetzt) ist als dramatischer Höhepunkt vor allem das siebenminütige, exzessive BACKGROUND TO MURDER zu nennen, aber auch die wuchtigen, abgründigen Klänge bei der finalen Konfrontation an der nächtlichen Brücke (THE CHASE) verfehlen ihre Wirkung nicht. Schwelgerisches Golden-Age-Scoring wird man hier vergeblich suchen (wäre auch fehl am Platz gewesen), weswegen der Score nicht für jedermann zugänglich sein dürfte. Aber alleine schon wegen des Klassiker-Status eigentlich eine Pflichtanschaffung.
  15. Tragödie in einer Wohnwagenstadt (1967) Die 15-jährige Dotty wird nachts Opfer eines vermeintlichen Übergriffes. Der Täter äußert ein flüchtiges "Hi" und küßt sie abrupt. Schockiert und verstört rennt sie weinend nach Hause. Ihre Eltern leben in der nahegelegenen Wohnwagensiedlung, wo sich sofort ein zu allem entschlossener Lynchmob zusammenfindet, als sich der Vorfall herumspricht. Man bildet einen selbsternannten Untersuchungsausschuß und beginnt mit der Befragung der Einwohner ("Und wenn ihr jemanden hart anpacken müßt, dann geniert euch nicht!"). Vor allem auf die zugezogene Puertoricanerfamilie hat man in besonderem Maße abgesehen. Was Regisseur Günter Gräwert mit seinem grandiosen Darsteller-Ensemble nach einem Drehbuch von Reginald Rose hier geschaffen hat, ist eine intensive, ungeheuer packende Studie über soziale Dynamiken, die sich ganz schnell zu unreflektierten Gewaltausbrüchen und Anarchie hochschaukeln. Eine Geschichte in der Tradition von "Fury" oder "Oxford Incident", und einer der spannendsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ganz groß!
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