Angus Gunn

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  1. LE SOLDATESSE ist ein Film des hierzulande völlig unterschätzten Regisseurs Valerio Zurlini, mit dem Nascimbene auch privat eine enge Freundschaft verband (siehe LA RAGAZZA CON LA VALIGIA). Ein Meisterwerk, ebenso unterhaltsam wie dramatisch packend, bei dem man sich wundern muß, dass es niemals, trotz Mario Adorf, eine deutsche Auswertung erfahren hat. Immerhin existiert eine brauchbare, englisch untertitelte DVD-Edition. Griechenland 1941: Mit den ersten Bildern des Filmes befinden wir uns mitten im Kriegsgeschehen. Die Vorspanntitel setzen ein zur dramatischen, von Trommeln akzentuierten Titelmusik. Ein Leutnant (Tomas Milian) bekommt den Auftrag, zwölf einheimische Frauen (u.a. Lea Massari und Anna Karina) mit einem Lastwagen auf mehrere Stützpunkte der italienischen Besatzungsarmee zu verteilen, um sie dort in Bordellen als Prostituierte arbeiten zu lassen. Zusammen mit dem als Fahrer eingeteilten Sergente Castagnoli (Adorf) macht man sich auf einen beschwerlichen Weg durch gefährliches Gebiet. Das erinnert ein wenig an den Plot von "Lohn der Angst", doch ist Zurlini weniger an vordergründiger Aktion interessiert (obwohl er auch diese virtuos beherrscht). Sein Augenmerk liegt auf den Charakteren, deren Geschichten und Beziehungen untereinander. BALLATA DEL CAMION ist eines der beiden Hauptthemen. Es steht, wie der Titel schon sagt, für den LKW, für das Trübsal und die Not, aber auch die Sehnsüchte und Hoffnungen, die er auf seiner Ladefläche transportiert. Und natürlich greift Nascimbene auf den charakteristischen Klang der Bouzouki zurück und entlockt ihr ein wunderbares Thema, irgendwo zwischen Weltschmerz und latentem Optimismus. Die einzige Person, die ein eigenes Thema zugeordnet bekommt, ist die von Marie Laforet gespielte Eftikia, die vom Drehbuch auch die ausführlichste Charakterisierung erhält. TEMA DI EFTIKIA ist sehr intim orchestriert, steckt voller Tragik und Schwermut und wird zunächst lediglich von Gitarre und Bouzouki dargeboten. In einem späteren Track (SIRTAKI DI EFTIKIA) auch ganz anmutig als Zusammenspiel von Klarinette und Gitarre. In ASSALTO AL CAMION und FUCILAZIONE DEI PARTIGIANI kehren Snaredrums und dramatische Orchestertutti zurück, bevor das Album mit dem hinreißenden, 5-minütigen INCONTRO DI MARTINO ED EFTIKIA allmählich ausklingt. Eine beseelte Filmmusik von großer Ausdruckskraft, die sich in zwei Fassung auf der CD von Beat Records befindet: Die Tracks 1-9 sind das originale RCA-Album in mono, die Tracks 10-18 sind dasselbe nochmal in stereo, diesesmal um 4-5 Minuten verlängert, da das Album hier und da etwas gekürzt war. Die wirklich komplette Filmmusik scheint das aber auch nicht zu sein, da BALLATA DEL CAMION im Film zunächst in einer Fassung mit Trompeten zu hören ist, die das Folkloristische stärker betonen. Diese Trompeten fehlen auf der CD, es muß also wenigsten eine alternative Einspielung dieses Stückes geben, oder die Trompeten wurden separat aufgenommen und später hinzugemischt. Aber das ist nur eine Kleinigkeit, die ich hier interessehalber noch erwähnen wollte. Da SOLDATESSE ein relativ kurzer Score ist, war noch Platz auf der Scheibe, und der wurde mit 10 beschwingten Tracks aus VADO A VEDERE IL MONDO, CAPISCO TUTTO E TORNO ausgefüllt. Dabei handelt es sich um eine 8-teilige, komödiantische Mini-Serie von 1973 um ein weltenbummlerisches, italienisches Paar. Der Komponist begleitet die beiden Protagonisten bei ihren Reisen nach Ägypten, Japan, Hawaii und New York mit dem gut gelaunten SWING SWING, das mal als Bossa, mal mit Streichorchester und mal mit verspieltem Cembalo daherkommt. In der Titelsong-Version wird es auf stimmlich angenehme Weise von Kathy & Gulliver interpretiert, die dem einen oder anderen vielleicht von "Angels and Beans" her bekannt sind. Dazwischen gibt es das eingängige IL VIAGGIO, wahlweise mit Mundharmonika (Franco De Gemini) oder als FOLK BEAT. Eine hübsche Ergänzung zur Discographie des Maestros, aber die Hauptattraktion bleibt freilich LE SOLDATESSE, der in das Regal eines jeden Sammlers gehört, der sich auch nur am Rande mit italienischer Filmmusik beschäftigt, zumal es auch klanglich diesmal nichts zu meckern gibt.
  2. Lange Zeit in der Versenkung verschwunden und gerade wieder ausgebuddelt: VIELE KAMEN VORBEI ist eine Perle des deutschen Kriminaldramas, in teils poetischen Bildern aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, und weit mehr als eine vordergründige Hetzjagd auf einen Frauenmörder. Die Musik von Peter Sandloff ist brillant, mal betörend schön klassizistisch und mal radikal modern, wie die Bilder, die sie begleitet. Man achte vor allem auf die psychologisch raffiniert ausgefeilte Musik während der nächtlichen LKW-Fahrt. Das hätte ein Paul Glass nicht besser hinbekommen, dessen Komposition zu "Bunny Lake is missing" mir noch am ehesten als Vergleich dazu einfällt. Für Sandloff gab´s dafür das Filmband in Silber, sowie den deutschen Kritikerpreis. 10 glorreiche Minuten von diesem Score finden sich auf Folge 6 der Reihe "Deutsche Filmkomponisten", auf der sich natürlich auch noch viele weitere Schätze befinden. Sollte man sich nicht entgehen lassen.
  3. DOCTOR FAUSTUS: Leider ist das beeindruckende "Helen´s Theme", meiner Meinung nach eines von Nascimbenes größten Würfen, nirgendwo zu finden, aber immerhin das düstere Hauptthema: LIEBE IN DER STADT: Der Track des "Fellini"-Albums aus dem Segment "Agenzia matrimoniale" (fehlt in der deutschen Synhronfassung):
  4. Zwei Filme aus der kriminalistischen Märchenwelt der swingenden 6oer. DICK SMART 2.007 ist von 1967 und natürlich ein Vertreter des Euro-Spy-Genres, wie sie seinerzeit im Schatten von James Bond wie Pilze aus dem Boden schossen. Lady Lister (Margaret Lee) hat fünf namhafte Nuklear-Wissenschaftler in ihre Gewalt gebracht um mit deren Hilfe Kohle in Diamanten zu verwandeln... oder so ähnlich. Das Album beginnt mit dem MAIN TITLE THEME, einer hübschen Big-Band-Overtüre mit exotischem Flair und "spacigen" Echoeffekten. Leider beläßt es Nascimbene bei diesem einen Thema, das im Folgenden fast jeden Track bestimmt, ob als SHAKE, als bongo-unterstütztes DICK SMART IN ACTION oder als BOSSA PARTY. Ein Schurkenthema gibt es leider nicht, es sei denn das etwas sinister klingende Motiv in Track 2 (DICK SMART INVESTIGATES) soll ein solches sein. Auch unternimmt Nascimbene keine Versuche, den charakteristischen Klang der James-Bond-Scores zu imitieren - oder doch? Wenn überhaupt, dann finden sich die Ähnlichkeiten in den Karibik-Tracks von Monty Norman aus Dr. No. DISCOTHEQUE PARTY unternimmt einen Abstecher in rockigere Gefilde, und zum Abschluß gibt es dann noch das Hauptthema als italienisch gesungener END TITLE SONG. Das macht alles durchaus Spaß, ist aber sicherlich kein großer Wurf des Maestros, dem ich es anrechnen muß, auf jeglichen La-la-la- und Schubiduh-Gesang verzichtet zu haben, der ansonsten in diesem Genre zu der Zeit eigentlich omnipräsent war. SCENT OF MYSTERY ist im Jahre 1960 unter der Schirmherrschaft von Michael Todd jr. (Sohn von "Todd-AO-Michael) entstanden und war der Versuch, das "Smell-O-Vision"-Verfahren zu etablieren, bei dem durch angebrachte Düsen Gerüche in den Kinosaal geleitet wurden, die mit der jeweiligen Handlungssequenz übereinstimmten. Trotz Denholm Elliot, Peter Lorre und Liz Taylor wollte davon aber niemand was wissen, weswegen der Film als Totalflop in der Versenkung verschwand. Das Album ist mit seinen 35 Minuten Laufzeit allerdings eine ganz vergnügliche Sache. Es steht in einer Linie mit ähnlich gelagerten Scores von Komponisten wie Riz Ortolani oder George Duning, die zu der Zeit ebenfalls im Bereich der gehobenen Unterhaltung tätig waren und dabei so elegant-verspielte Werke zustande brachten. Es gibt spanisches Lokalkolorit, das drollige STREET STROLL - MALAGA SHOE SHINE BOY, den relaxten DIANA DORS BLUES, das humorvolle, mit Autohupen angereicherte THE CHASE, quirlige Klarinettenklänge in BUTTERFLY und natürlich das aparte Hauptthema. Bruce Kimmel beschreibt es im Booklet auf diese Weise: "Nascimbene´s Score was just right, capturing the film´s light-hearted quality and it´s picturesque locations. The two big themes, "Scent of Mystery" and "The Chase", have glorious melodies, while the rest of the cues are colorful and fun, none more so than the opening cue that follows the zipping and zooming butterfly into the garden of roses ..." Ganz so überschwenglich würde ich es nun nicht ausdrücken, aber letzten Endes fliessen beide Alben auf ihre Weise angenehm aber auch nicht besonders aufregend durchs Ohr.
  5. @ataraxus Ach du meine Güte! Nein, also bis in den Schlaf verfolgt mich sowas (bis jetzt) noch nicht. Vielleicht war das ja ein Hinweis aus anderen Sphären, wie wir doch noch an das Material herankommen... Von L´AMORE IN CITTA (Liebe in der Stadt, 1953) ist nie ein Soundtrack-Album erschienen. Es existieren lediglich drei Tracks auf dem 3-LP-Set "L´Impronta del Suono", welches sich leider nicht in meinem Besitz befindet. Sowie ein einzelner Track auf dem Doppel-Album "Tutto Fellini" von CAM. Das ist natürlich ein bißchen mager, zumal dieser eine Track bei CAM kaum mehr als ein Stück Hintergrundambiente im Tanzmusikstil der Zeit ist, aber das gibt mir immerhin die Gelegenheit, den wirklich sehenswerten Film hier mal vorzustellen. Bei diesem handelt es sich um ein Episodenfilm, der sich als ein Boulevardmagazin names LO SPETTATORE versteht, gemacht "mit Zelluloid und Objektiv, statt mit Druckerschwärze und Papier". Gedreht mit Laiendarstellern, die ihre eigenen, authentischen Geschichten und Schicksale unter namhaften Regisseuren nachstellen. Dabei liegen große Tragik und reine Lebensfreude dicht beieinander. Mario Nascimbene beginnt den Film mit einer großen, melodramatischen, aber neutralen Overtüre und schlägt von da an ruhigere und intimere Töne an. Die erste Episode ("Käufliche Liebe") von Carlo Lizzani erhält ein bluesiges Thema, das sich in variierender Instrumentierung durch die ganze Folge zieht. "Versuchter Selbstmord" wurde von Antonioni inszeniert und verzichtet (mit Ausnahme zweier kurzer Momente Sourcemusic) völlig auf Musik. Menschen, die vom Weltentaumel in verzweifelte Situationen getrieben wurden und sich mit Suizidgedanken tragen. Interviewausschnitte, verknüpft mit den für Antonioni so typischen, kargen, symbolbeladenen Bildern. Dino Risis "Paradies für 3 Stunden" um das quirlige Leben in einem Tanzlokal ist dagegen weniger bemerkenswert. In der Fellini-Episode betritt ein junger Mann ein großes, heruntergekommenes Wohnhaus, in der Absicht die Seriosität einer Heiratsvermittlungsagentur zu überprüfen. Er geht durch schmuddelige, unpersönliche Gänge, fragt Mieter, die ihm begegnen, aber niemand weiß, wo sich diese Agentur befindet. Ein paar Kinder wollen ihn hinführen, er verliert sie aus den Augen, bis er schließlich, ganz unvermittelt, vor der Tür steht und von einem Herren mit Krawatte hereingebeten wird. Man spürt einen Hauch der surrealen Szenarien, die Fellini in späteren Jahren auf die Leinwand bringen wird. Und genau in dieser Szene befindet sich der Track des "Tutto Fellini"-Albums: Die Musik dringt aus den offenen Türen der Wohnungen durch die heruntergekommenen Flure des monströsen Mietshauses - zumindest im Originalton. Die deutsche Synchronfassung läßt das musikalische Ambiente einfach weg, wie übrigens auch den warmherzigen Streicherscore, der das später stattfindende Rendezvous zwischen dem jungen Mann und einer vermittelten Dame begleitet. "Caterinas Geschichte" berichtet von der jungen Caterina, die arbeitslos und zeitweise auf der Straße lebend, schließlich nicht mehr weiß, wie sie ihr Kind durchbringen soll. Die sehr melodische Musik dieser Episode atmet Schwermut und Melancholie und ist auch in der Synchronfassung erhalten geblieben. Um das Publikum nicht mit diesem Runterzieher zu entlassen, wurde zum Abschluß noch eine lebensbejahende Episode mit dem Titel "Die Italiener drehen sich um" angehängt. Eine flott geschnittene Collage ohne Dialoge von herumspazierenden Frauen und den vielfältigen Reaktionen der männlichen Bevölkerung, bietet Nascimbene die Möglichkeit, die Szenen mit mannigfaltigen, humorvollen Motiven und instrumentalen Schelmereien, die in slapstickhafter Manier miteinander verknüpft werden, zu begleiten. Fast ein wenig zu viel des Guten, aber ein netter Abschluß. Die deutsche DVD bietet den Film im O-Ton, sowie in der synchronsierten Fassung an. Bei der (guten) deutschen Bearbeitung stand man anscheinend, wie so oft, vor dem Problem, keine getrennten Musikspuren zur Verfügung zu haben, was dann zur Folge hat, dass die Musik der Fellini-Episode völlig fehlt. In anderen Episoden tritt dieses Problem weniger in Erscheinung, da dort Musik und Dialog überwiegend getrennt voneinander stattfinden und man so kaum in die Musik einzugreifen gezwungen war. Lobenswert ist auch, dass man nicht versucht hat, Archivmusik zu verwenden, oder Nascimbenes Score gar ganz auszutauschen (was keine Seltenheit gewesen wäre). Ein großer Vorteil der deutschen Fassung ist auch die wesentlich bessere Tonqualität, während die Musik im O-Ton schon stark verzerrt aus den Boxen dringt. Aber egal für welche Fassung man sich entscheidet, ein alleine schon durch die Antonioni-Episode sehenswertes, und in seinem konzeptuellen Ansatz vielleicht sogar einzigartiges Kleinod.
  6. WHEN DINOSAURS RULED THE EARTH & CREATURES THE WORLD FORGOT Nach der von mir noch im Teenager-Alter erworbenen LP ONE MILLION YEARS B.C. (siehe weiter oben), kam ich natürlich um den Soundtrack des vier Jahre später entstandenen WHEN DINOSAURS RULED THE EARTH nicht herum. Schon allein das imposante Covermotiv versprach spektakuläre Dinosaurier-Action, blonde Steinzeit-Amazonen und war ein unwiderstehlicher Blickfang. Sogar derselbe Komponist war wieder mit an Bord, der mich mit seiner Urzeit-Sinfonie zum Vorgänger schon einmal in seinen Bann geschlagen hatte. Und es funkionierte auch ein zweites Mal. Nascimbene kopiert hier aber keineswegs die Musik des Erstlings, sondern wählt einen ganz klassischen, sinfonischen Ansatz und verzichtet fast völlig auf seine zuvor so wirkungsvoll integrierten Klangexperimente. Diese sind im Films sehr wohl zu finden, doch sind sie hier sparsamer und losgelöst vom eigentlichen Score im Film eingesetzt. Der Titelmusik vorangestellt ist das MAIN THEME, das in aller epischer Breite vorgestellt wird. Es beginnt mit solistischen Fanfaren der Hörner, bevor die Streicher und schließlich der gesamte Orchesterapparat das auf einem Vierton-Motiv aufbauende Hauptthema einführen. Es ist jene Tonfolge, die sich durch den gesamten Score zieht und die auch Basis für alle anderen thematischen Entwicklungen sein wird. Im darauffolgenden MAIN TITLE geht es nicht minder epochal zur Sache. Die wortlosen Chorsätze haben hier (im Gegensatz zu ONE MILLION YEARS) einen eher triumphalen Charakter und könnten auch einer monumentalen Bibelverfilmung entsprungen sein. In der Eröffnungsszene wird ein Opferitual von einem kosmischen Ergeignis unterbrochen. In einem Feuerball entsteht ein neues Gestirn am Himmel: Der Mond, was auf Erden eine Springflut auslöst. Im hereinbrechenden Chaos gelingt der blonden Sanna die Flucht. Wäre auch schade um sie gewesen, denn sie wird von Playmate Victoria Vetri verkörpert. Nascimbene vertont diese Sequenz mit furios-mitreißender Aktionsmusik und gönnt dem Hörer im Anschluß eine Verschnaufpause mit dem lieblichen LOVE THEME. PURSUIT hantiert mit vielfältiger Percussion, orchestralen Suspense-Motiven und spitzt sich mit Hörnern und Trompeten höchst wirkungsvoll immer weiter zu. Mit dem prächtig-effektvollen CATACLISM und den biblischen Chören der END TITLES entläßt uns Nascimbene aus seiner Partitur. Ich bin geneigt diese Musik als meinen persönlichen Nascimbene-Favoriten zu bezeichnen, denn sie ist bis zur letzten Note stimmig und wird von "Legend" vorbildlich als orchestrale Suite von etwas über 20 Minuten präsentiert. Diese Konzentration auf das Wesentliche hat sicherlich einen erheblichen Anteil an dem überaus positiven Gesamteindruck, den dieser Score hinterläßt. Sicher, man hätte auch noch viel mehr Musik hinzufügen können, z.B. die Trommeln bei den Ritualen, das slapstickhafte Thema des Dinosaurier-Babys (das ebenfalls auf dem Vierton-Motiv beruht), die horriblen Klanggebilde beim Angriff der Riesenkrabben, diverses Suspense-Material und mehr. ONE MILLION YEARS hat auf über 30 Minuten hervorragend funktioniert, war aber auch thematisch reichhaltiger, DINOSAURS wäre eine Erweiterung mutmaßlich weniger gut bekommen. CREATURES THE WORLD FORGOT ist der dritte im Bunde der Hammer-Urzeit-Epen und wird auf der B-Seite der LP in ähnlich konzentrierter Form (acht Tracks mit einer Gesamtlänge von knapp über 20 Minuten) präsentiert. Der Film ist heute weitaus weniger bekannt als seine beiden Vorläufer, was an einem einzigen Umstand liegt: Um sich weitere teure Tricktechnik zu ersparen, ließ man die Steinzeitler diesesmal ihre Stammesfehden in einer völlig monsterlosen Welt austragen, was zur Folge hatte, dass der Film sang- und klanglos in der Versenkung verschwand und bei uns sogar allen Ernstes unter dem Titel SEX VOR SECHS MILLIONEN JAHREN durch die Lichtspielhäuser geschleift wurde. Die Musik hierzu ist spröder und thematisch weniger eindrucksvoll, aber dennoch nicht ohne Reiz. Das Orchester wurde deutlich entschlackt, der Chor ist völlig verschwunden. Statt dessen setzt Nascimbene auf vielfältige, urwüchsige Percussioneinsätze, mit denen er eigenwillige, rhythmische Strukturen erzeugt. In der Hinsicht ähnelt der MAIN TITLE demjenigen aus I MONGOLI, wo er stilistisch vergleichbar zu Werke geht. LIFE OF A TRIBE ist ein ruhiges Stück mit kargen, melancholischen Zwischentönen. Unter den Actiontracks ist ERUPTION OF THE VOLCANO der wirkungsvollste und wohl auch der Höhepunkt des Scores, der ansonsten mit seinen reduzierten Klangfarben und der weniger eingängigen Melodik das Schlußlicht im Steinzeit-Trio darstellt... Schlußlicht auf hohem Niveau versteht sich! Die CD-Edition von "Legend" enthält beide Alben, ONE MILLION YEARS, sowie DINOSAURS / CREATURES, und kann nur wärmstens empfohlen werden, da alle drei Scores in vorbildlicher Präsentation vorliegen. Der Klang könnte hier und da etwas transparenter und druckvoller sein, aber angesichts der tontechnischen Mängel vieler anderer Nascimbene-Soundtracks, kann man mit dieser CD eigentlich nur zufrieden sein. Abschließend auch hier wieder die Meinung der "Filmharmonischen Blätter", Ausgabe 008 von 1988: "Die beiden Soundtracks zu den Filmen WDRTE und CTWF sind eher in die konservative Musikrichtung einzuordnen, doch symphonisch bombastisch aufgebaut, bieten sie reizvolle Motive von hohem kompositorischem Niveau. Sie sind voller Originalität und lassen sich kaum mit dem Werk eines anderen Komponisten vergleichen. Nascimbene muß man hören und genießen."
  7. Von der legendären TV-Serie mit Peter Cushing existieren nur noch 6 Episoden, von denen Pidax nun die ersten zwei herausgebracht hat. Die weiteren sollen folgen. Da auch der deutsche Ton der Zeit zum Opfer gefallen ist, hat man den Filmen nun mit Hans Georg Panczak (Holmes) und Ekkehardt Belle (Watson) eine wertige neue Synchro spendiert. Tolle Filme, und eine höchst erfreuliche Veröffentlichung. Wer der Komponist der düster-dramtischen Filmmusik ist, konnte ich leider nicht eruieren, da hierzu jegliche Angaben (auch im Abspann selbst) fehlen. Eventuell Archiv-Musik?
  8. Francis Of Assisi & Doctor Faustus "There is some horrible electronic Wagnerian Theme Music, by Mario Nascimbene." - Da kam anscheinend bei der New York Times im Jahre 1968 jemand nicht mit dem experimentellen Ansatz zurecht, den der Maestro auch hier erfolgreich und sehr effektiv in seine Partitur einarbeitete. DOCTOR FAUSTUS basiert auf der Vorlage des britischen Dramatikers Christopher Marlowe, die natürlich ihrerseits eine Abwandlung des Ghoethe-Stoffes ist. Der Film erwies sich als künstlerischer wie kommerzieller Reinfall, doch Mario Nascimbene schrieb hierzu einen außerordentlich faszinierenden Score. Das in düsteren, schicksalsschwangeren Klangfarben gehaltene INTRODUCTORY THEME stellt mit schummrigen Streichern und gespenstischem Chor das Hauptthema vor. Mit APPARITION OF HELEN steht dem eine überirdisch schöne Melodie gegenüber, die aber aufgrund ihrer kargen Instrumentierung (Solo-Sopran: Lucia Vinardi und ab und zu angeschlagene Cembalo-Töne) auch eine große Tristesse verströmt. In HELEN´S THEME wird derselbe Effekt mittels einer Flöte erzielt (Solist: Severino Gazzelloni) dazwischen tummelt sich Zeitgenössisches wie z.B. mehrstimmige Gesänge im Stil der Epoche in MUSIC AT THE COURT. Interessant sind auch die beiden als BALLET und ANOTHER BALLET betitelten Stücke. Während das eine wie ein klassisches, fröhliches Minuet daherkommt, besitzt das andere eine sehr tragisch-elgische Note und läßt jeden tänzerischen Charakter vermissen, den man vielleicht bei diesem Titel erwartet hätte. Ein weiterer, wichtiger Aspekt bei DOCTOR FAUSTUS sind die Mono- und Dialoge. Richard Burtons Stimme, ausdrucksvoll Marlowes Texte deklamierend, wurde insgesamt vier Tracks hinzugefügt. Und das hat, in Kombination mit den düsteren Musikthemen, bei denen Nascimbene an markanten Textpausen dezente, aber wirkungsvolle Akzentuierungen setzt, eine unbestreitbar starke Wirkung. Die gespenstischen Musik-Geräusch-Collagen sind so symbiotisch mit den Dialogen verbunden, dass es tatsächlich fragwürdig ist, ob eine Trennung beider Elemente Sinn gemacht hätte. Doch zumindest das letzte Stück ELEVEN O´CLOCK SOUNDS beinhaltet ein Streicher-Motiv, dass ich auch gerne als autonomen Track auf dem Album gehabt hätte. Zum Finale hin schwingt sich das Orchester in einem letzten finalen Akt zu dramatischer Größe auf. Die Streicher greifen das Hauptthema wieder auf und lassen es erstmals episch erstrahlen, doch die begleitenden, bleischwer verhallenden Schläge setzten dem eine unentrinnbare Tragik entgegen. FRANCIS OF ASSISI ist dagegen ein historisches Drama mit religiösem Hintergrund. Da es sich um eine eher konventionelle Hollywood-Produktion handelt, verpaßt Nascimbene dem Ganzen auch einen entsprechenden Rahmen. Mit Chor und Orchester entspricht der MAIN TITLE ganz und gar den Anforderungen an die großen Historien- und Bibelepen jener Zeit, befindet sich damit aber nicht auf der Höhe eines Miklos Rozsa oder Alfred Newman. Seine Stärken spielt Nascimbene in den folgenden, sparsamer orchestrierten Stücken aus, wie dem gefühlvollen CLARE´S THEME, oder dem beseelten STIGMATA und streut dem Thema entsprechend sakrale Elemente ein. Aber trotz dem einen oder anderen Vorzug, werde ich mit FRANCIS OF ASSISI nicht so recht warm, dazu ist das thematische Material einfach zu schwach und die wirklich überzeugenden Einfälle, die seine Arbeiten sonst so charismatisch machen, zu dünn gesät. DOCTOR FAUSTUS dagegen macht das Album für den Nascimbene-Fan zu einer kaum verzichtbaren Angelegenheit. Klangliche Mängel müssen jedoch in beiden Soundtracks in Kauf genommen werden.
  9. Ich habe den Film mal auf Arte erwischt, das ist aber auch schon ein paar Jahre her. Meiner Erinnerung nach ist es auch so, dass der Score dort eher sparsam Verwendung fand. Das Booklet der CD (das ansonsten wirklich schön aufgemacht ist) schweigt sich ja auch komplett darüber aus, was den Einsatz des Scores im Film angeht. Und ja, es ist alles mal wieder zu lang geraten, aber andererseits finde ich die Aufteilung in Album (das in diesem Fall mit gerade mal 8 Minuten wirklich etwas kurz ist) und Komplettfassung grundsätzlich immer lobenswert. Man kann sich ja immernoch seine eigenen Highlights herauspicken. Aber wieso ist denn die US-DVD nicht empfehlenswert? Ich hatte selber mal überlegt, mir die zuzulegen, da diese auch noch "Estate Violenta", und englische UT dabei hat. Und mit NoShame habe ich eigentlich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Danke für die Deguello-Korrektur. Es taucht in der CD-Trackliste tatsächlich ohne irgendwelche weiteren Angaben auf (und wird am Ende sogar in zwei zusätzlichen Mixen angeboten), da hatte ich automatisch an eine Neueinspielung gedacht. Das Riddle-Arrangement ist mir bekannt, habe es aber lange nicht mehr gehört.
  10. Das klingt ja ernüchternd... Da fragt man sich, was dieser starrköpfige Nachlaßverwalter davon hat, dass er auf dem ganzen Material sitzen bleibt... Aber immerhin schön zu sehen, dass einige Label noch retten, was zu retten ist, wie z.B: Valerio Zurlini ist ein Regisseur, den es noch zu entdecken gilt, ist sein Name doch neben den berühmten Meistern des italienischen Films heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn sein dritter Spielfilm LA RAGAZZA CON LA VALIGIA ist ein wunderbares Kleinod, gleichermaßen künstlerisch ambitioniert, wie auch im Unterhaltungsgenre zu Hause. Erzählt wird die Geschichte des 16-jährigen Lorenzo, der aus reichem Elternhaus stammt und sich in die mittellose Sängerin Aida verliebt - was mir auch passieren würde, denn schließlich wird diese von der hinreißenden Claudia Cardinale dargestellt. Zurlini erzählt die eigentlich tragische Geschichte jedoch mit leichter Hand und verschmitztem Humor, was seinen Film so sympathisch und sehenswert macht. Für die Musik wählte Mario Nascimbene einen ungewöhnlichen Ansatz. Zwei (!) Instrumente bestreiten den kompletten Score, und zwar Gitarre (Mario Gangi) und Cembalo (Bruno Nicolai). Letzteres ist in erster Linie für das einleitende Thema zuständig, das mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommt und sowohl von seiner Melodie wie auch durch die Instrumentierung der Barockmusik sehr nahe steht. Thema Nummer Zwei ist ruhig und melancholisch, dabei melodisch einprägsam. Nascimbene läßt seine beiden Themen freilich nicht stur repitieren, sondern spielt mit ihnen, kontrapunktiert und ergänzt das eine Thema durch das andere, läßt seine beiden Solisten wechselseitig mit- und gegeneinander musizieren, variiert Tonhöhen und Tempi, und entwickelt dabei auch kleinere Nebenmotive. In seinem Minimalismus ist das natürlich nicht für jeden etwas. Selbst der passionierte Nascimbene-Fan wird hier kaum etwas von dessen Personalstil erlauschen können. Der Zauber dieser Musik liegt in ihrer Einfachheit und ist in ihrer prosaischen Natur vielleicht dichter an Zurlinis Charakteren dran, als es so manch ein vollorchestrierter Filmscore sein könnte. Eingestreut und auf das Album verteilt sind außerdem ein paar Stücke Source-Music - Mambo, Folklore, Rock´n´Roll, und... das Deguello aus Rio Bravo von Tiomkin! Dieses wurde von Nascimbene ziemlich originalgetreu und mit brillantem Trompetensolo arrangiert (vielleicht waren die Rechte sonst zu teuer?) Es wird im Film von einer Schallplatte abgespielt und begleitet eine Szene, in der der junge Lorenzo Aida auf der Tanzfläche beobachtet. Ihre Blicke treffen sich, doch ihr Tanzpartner hat nur eine verachtende Bemerkung für Lorenzo übrig. Große Emotionen, und die ergreifendste Szene des Filmes. Die CD von Quartet startet mit sechs Tracks, die es zuvor bereits auf einer CAM-CD gab, und die wohl seinerzeit für ein unrealisiertes Vinyl-Album vorgesehen waren. Der komplette Filmscore samt eingestreuter Source-Music schließt sich dem an.
  11. Vor kurzem bei Kronos erschienen: Carlo Rustichellis Score zu einem mehrteiligen TV-Film von 1974 um den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi (1807 - 1882). Thematisch vielseitiger Score in dezenter Orchestrierung und wunderbaren melodischen Einfällen. Das Titelthema wird im ersten Track in friedlicher, verspielter, folkloristischer Form vorgestellt, interpretiert von Gitarre, Spinett, Flöte und dezentem Streicherhintergrund. Später wird es in nobler, erhabener Form noch das ein oder andere Mal wieder aufgegriffen. Daneben gibt es herrliche Stücke von folkloristisch-tänzerischem Charkter, Düster-dramatisches mit leichtem Morricone-Touch, das westernartige VERSO IL RIO GRANDE und ein gefühlvolles zweites Thema, das in Track 2 (BENTO VA) erstmals vorgestellt wird und das in Track 13 (L´ULTIMA BATTAGLIA) einen besonders tragischen Charakter annimmt. Die CD ist lobenswerterweise in zwei Segmente aufgeteilt. Die Nummern 1-14 präsentieren das alte Vinyl-Album und lassen sich ganz wunderbar durchhören. Danach wird es sperriger, denn mit den Tracks 15-55 (!) folgen die zusätzlichen, auf dem Album fehlenden Stücke, die zu einem erheblichen Teil aus wenig ergiebiger Suspense-Musik bestehen und oftmals eine Länge von unter einer Minute haben. Trotzdem gibt es immer wieder auch in diesem Bonus-Segment kleinere Höhepunkte zu verzeichnen, wie z.B. die mit konzertanten Klavierläufen angereicherten Tracks 26 & 53 oder die düstere Cembalo-Stimmung in Track 37. Es ist Kronos anzurechnen, dass sie das Album in seinem ursprünglichen Schnitt belassen haben, denn es ist absolut hörenswert und der wichtigste Anschaffungsgrund für diese CD. Die übrigen Tracks werden als archivarische Ergänzung natürlich auch gerne mitgenommen.
  12. Danke für die netten Worte, Jungs! Ja, man predigt hier weitgehend vor leeren Bänken, aber es ist ja nicht so, dass ich das widerwillig machen würde. Was Nascimbene angeht, sehe ich da noch einigen Nachholbedarf, nicht nur hier im Forum, sondern auch diskographisch. Es ist zwar schon eine Menge erschienen, das kann man nicht anders sagen, aber viele (auch wichtige) seiner Filmmusiken sind schon seit Ewigkeiten OOP oder liegen nur in schlechter Tonqualität vor. Vielleicht ist das ja ein Grund dafür, warum Nascimbene unverdientermaßen so wenig Interesse entgegengebracht wird. Und natürlich sterben die älteren Sammler-Generationen allmählich aus, und die nachrückenden haben kein Interesse mehr an den alten Filmen und deren Musik, was sehr schade ist und ein ganz neues Phänomen, dass sich meiner Beobachtung nach in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten so entwickelt hat.
  13. ONE MILLION YEARS B.C. Composed and conducted by Mario Nascimbene, heißt es auf der Soundtrack-CD. Music and Special Musical Effects Compsed by Mario Nascimbene, heißt es im Vorspann des Filmes, und das ist ein sehr treffender Credit, denn der Komponist findet hier mehr als genug Gelegenheiten seine experimentellen Klangschöpfungen effektiv anzuwenden. Die Filmmusik-LP von Intermezzo war seinerzeit meine erste bewußte Berührung mit der musikalischen Welt des italienischen Maestros und hat mich nachhaltig beeindruckt, weshalb ich diesen Score heute auch nur mit einer gewissen Verklärung abhandeln kann, worunter die Objektivität möglicherweise etwas leidet. Film wie Album beginnen mit der Cosmic Sequence, einem fulminanten und höchst ungewöhnlichen, knapp 4-minütigen Eröffnungstrack. Im Zeitraffer sehen wohnen wir der Entstehung unseres Planeten bei. Kosmische Gase, die sich verdichten, der Urknall, die Erde, die vorläufig nur aus Feuersbrünsten und Lavaströmen besteht, bis Sintfluten die Oberfläche abkühlen. Bis hierhin begleitet Nascimbene das Geschehen ausschließlich mit einer in seinem Mixerama-Studio aus myriaden von übereinandergeschichteter und verfremdeter Geräusche und Instrumentierungen (teilweise meint man, Harfenklänge herauszuhören) in detaiierter Feinarbeit ausgearbeiteten Klangkulisse. Erst nach zwei Minuten setzen die Vorspanntitel ein und damit auch der konventionellere Teil der Partitur. Über die tosenden Urgewalten legt sich der pompöse Klang von Nascimbenes Hauptthema. Ohne Streicher, dafür mit wuchtigem Blech und eingängiger Melodie, ist es eines seiner gelungensten epischen Themen, gleichermaßen schroff wie kraftvoll. "Eine Welt am frühen Morgen der Zeit. Eine harte, eine trostlose Welt", meint der Chronist zu Beginn, und zu kargen Felsenlandschaften hören wir urzeitlich anmutende Klanggebilde, bevor ein von mir nicht zu idenfizierendes Blasinstrument in allertiefster Tonlage erneut die Titelmelodie anstimmt. Im Film höchst effektiv und auch als Album eindrucksvoll in seiner Fremdartigkeit. Rauhe Sitten herrschen bei den Urmenschen, die musikalisch durch ein höchst ungewöhnliches, zum Teil aus zweckentfremdeten Gegenständen bestehendes Instrumentarium charakterisiert werden. U.a. sind es Steine, die, rhythmisch gegeneinandergeschlagen, eigenwillige thematische Strukturen erzeugen. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Brüdern kommt, stürzt Tumak (John Richardson) vom Felsen. Für tot gehalten und ausgestoßen, muß er sich von nun an alleine durchschlagen. Der Moment, in dem er in eine ihm unbekannte, endlose Steinwüste aufbricht, wird von Nascimbene mit dem ersten kurzen Orchestertutti, samt Chor, kommentiert. Tumaks Reise führt ihn durch gefährliches Terrain. So wird er hinterrücks von einer riesigen Eidechse behelligt, die ihn bis zu einer Höhle verfolgt. Die Bewegungen der Echse unterlegt Nascimbene mit einem monströsen, schleifenden Geräusch, und er ist damit so erfolgreich, dass es mir in Jugendzeiten mächtig Respekt vor dem Urvieh eingeflößt hat. Auf dem Album befinden sich diese Effekte allerdings nicht, was auch wenig Sinn gemacht hätte. Der später im Film auftauchende Muschelstamm macht einen deutlich sympathischeren und fortschrittlicheren Eindruck als die Steinwüstenbewohner und wird mit einem neuen Thema für klassisches Orchester und Chor bedacht. Und erstmals kommt es auch mit Streichern, flauschigen Flöten und ätherischen Frauenstimmen zu pastoralen Momenten. Natürlich verknallt sich die Stammesschönheit Loana (Raquel Welch) ausgerechnet in den Grobklotz Tumak, was zu neuen Konflikten führt. Sie setzen ihre Reise von nun an gemeinsam fort, und es wird zu Konfrontationen beider Stämme kommen, was Nascimbene die Möglichkeit gibt seine Themen und Motive parallel zu führen und miteinander zu verflechten. Dies macht er sehr geschickt und konzentriert sich mit melodischem Einfallsreichtum stets auf die Dramatik der Geschichte und ihre Figuren. Vordergründunge Actionmusik gibt es in dem Sinne nicht, die zahlreichen, von Ray Harryhausen blendend getricksten Dinosaurierangriffe bleiben unmusikalisch. Bernard Herrmann hätte das freilich völlig anders gemacht, und es ist reizvoll sich vorzustellen, wie er wohl diesen Film vertont hätte. Beim finalen Vulkanausbruch schließlich kehrt das Hauptthema in seiner anfänglichen, urwüchsig-wuchtigen Gestalt noch einmal zurück, diesmal von schrillen Tönen begleitet, die zusätzliche Dramatik ins Spiel bringen. Wilde Geräuschcollagen leiten das triumphale Orchesterfinale ein, das in aller epischer Breite und sinfonischer Kraft das Hauptthema und das Thema des Muschelstammes zu einem organischen Ganzen vereint. Ein glorreiches Ende, nicht nur für den Film, sondern auch für das Album, das den Score in filmchronologischer Reigenfolge präsentiert und bedenkenlos empfohlen werden kann. Zum Abschluß noch der Kurzkommentar aus den "Filmharmonischen Blättern" (Ausgabe 7 von 1987), die die LP seinerzeit etwas nüchterner bewerteten: "Auch dieser neueditierte Soundtrack gehört zu den besseren Arbeiten des experimentierfreudigen italienischen Komponisten. Auch wenn die Filme schrecklich anzusehen waren, die Musik ist allemal interessant." Naja, immerhin... Die CD-Edition von Legend enthält außerdem die Soundtracks der beiden artverwandten Hammer-Produktionen "When Dinosaurs Rouled the Earth" und "Creatures the World Forgot", doch dies ist eine andere Geschichte uns soll ein ein anderes Mal erzählt werden...
  14. LA GARCONNIERE erzählt die Geschichte eines Architekten, der seine Frau über einen längeren Zeitraum in einem extra zu diesem Zweck angemieteten Appartement mit einem jungen Fotomodell betrügt. Die Sache fliegt auf, die beiden Ehepartner finden wieder zueinander, doch ihre Beziehung wird nie wieder dieselbe sein. Nascimbene rückt diesem Beziehungsdrama mit einem kleinen, von Gianni Ferrio geleiteten Ensemble zuleibe, bestehend u.a. aus Trompete, Posaune, Flöte, Vibraphon, Orgel, Gitarre (akustisch und elektrisch), Cello, Schlagzeug. Ein ruhiger, jazziger Score, dem durchgehend eine melancholische Stimmung zu eigen ist. Die Bilder des Filmes sind schwarz-weiß, was auch exakt der Atmosphäre der Musik entspricht. Ein Farbfilm wäre hierzu jedenfalls nicht wirklich vorstellbar. Fast die gesamte Musik kreist um ein einziges Hauptthema, dessen häufige Verwendung zwar etwas repitiv ist, aber dank wechselnder Instrumentierung, variierender Stimmungen und eingeflochtener Kontrapunkte durchweg interessant und hörenswert bleibt. Besonders das Cello vermag hier ganz wunderbare Akzente zu setzen. Gelegentlich wird einem Solo-Instrument auch mehr Freiraum eingeräumt. Vor allem die Trompete darf sich auch schonmal aus den vorgegebenen Bahnen lösen und improvisatorisch tätig werden. Und zwischendurch wird in einem feinfühligen Intermezzo von Gitarre und Klarinette, fast unmerklich ein zweites Thema präsentiert.