Jump to content
Soundtrack Board
  • Ankündigungen

    • Marcus Stöhr

      Schließung des Forums zum 31.12.2017   25.11.2017

      Hallo zusammen. Ich habe mich dazu entschlossen das Forum zum 31.12.2017 zu schließen. Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, ist aber notwendig, da ich die notwendige Zeit nicht mehr aufbringen kann. Bereits im Frühjahr gab es von mir diesen Schritt, aber dank eurer Unterstützung konnte die damalige Schließung verhindert werden. Im Verlauf des Sommers hat sich meine berufliche Situation aber so geändert, dass ich noch weniger Zeit habe mich dem Forum in einer Form zu widmen, die wirklich nachhaltige Änderungen bewirken würde. Ich habe lange überlegt, ob ich jemand anders die diese Community in die Hände legen sollte, mich aber letztlich dagegen entschieden. Ich möchte das Kapitel Soundtrack Board für mich zu einem Abschluss bringen. Ich würde mich freuen, wenn aus der Community - die weit über die Grenzen des Soundtrack Board hinausgeht - Menschen aktiv werden und eine neue Community starten. Ihren Enthusiasmus und ihre Liebe zum Hobby dort einbringen. Das durch die Spenden eingenommene und noch nicht ins Forum investierte Geld werde ich spenden und somit einem guten Zweck zukommenlassen. Mir ist durchaus bewusst, dass einige diese Entscheidung nicht nachvollziehen können, bitte aber um Verständnis. - Marcus

Angus Gunn

Mitglied
  • Gesamte Inhalte

    182
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch

Reputation in der Community

75 Excellent

Über Angus Gunn

  • Rang
    Alter Forumshase

Contact Methods

  • Website URL
    rbstengel@web.de

Profile Information

  • Geschlecht
    Male
  • Wohnort
    Köln

Soundtrack Board

  • Richtiger Name
    Roland

Letzte Besucher des Profils

667 Profilaufrufe
  1. Auch ich habe lange aus reiner Neugier auf eine Veröffentlichung dieses Scores gehofft, und nun, nach dem ersten Hördurchgang macht sich erstmal Ernüchterung breit. Eine Stunde lang frostige, aggressive, schwer verdauliche Synthi-Klänge, das ist schon recht strapaziös. Natürlich ist die Komposition sehr komplex, und Shire hat genau das umgesetzt, was Coppola von ihm verlangt hat: Einen kalten, emotionslosen Sound, der den Horror des Krieges illustriert. Nur selten, wie in der "Orange Light"-Sequenz, wird es für ein paar Augenblicke etwas harmonischer. Für Kenner und Fans des Filmes ist es ohne Zweifel sehr interessant diesen alternativen Score einmal zu hören und mit der tatsächlichen Musikuntermalung zu vergleichen. Shires Score wäre sicherlich auch effektiv gewesen und in einigen Passagen ist sie sogar der Coppola-Musik recht ähnlich, besonders in den späteren Szenen in Kurtz´ Domizil. Dennoch muß ich sagen, dass ich unterm Strich Coppolas eigene Musik bei weitem vorziehe, sowohl für den Film selber, wie auch als Höralbum. Das etwa 30-seitige Booklet habe ich noch nicht durch. Andere Meinungen dazu?
  2. Osteuropäische Filmmusik

    Eugen Illin & Andrzej Rokicki - DIE MUMINS An diese polnisch-österreichische Puppentrickserie von 1979 (nicht zu verwechseln mit der späteren Zeichentrickserie) habe ich eigentlich kaum noch Erinnerung, obwohl sie mich damals im richtigen Kindesalter erwischt hat. Die Musik dieses netten Klassikers ist insofern bemerkenswert, als dass sich hier wieder einmal zeigt, wie liebevoll und hochwertig damals Kinderfernsehen produziert wurde. Anstatt das Keyboard oder den Synthesizer anzuschmeißen oder sich auf zeitgenössischen Disco-Beat zu verlassen, arbeiten die beiden tschechischen Komponisten mit einem kleinen akustischen Ensemble, vorwiegend bestehend aus Holzbläsern, Violine, Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug. Damit zaubern sie eine naiv-charmante, mal jazzige, mal volkstümliche Musikbegleitung, die so fröhlich und lebensbejahend daherkommt, mit so vielen kleinen Einfällen und pfiffigen Melodien durchzogen ist, dass man sich beim Hören unwillkürlich in unbeschwerte Kindertage zurückversetzt fühlt. Anspieltipps auf CD 1 sind das flotte HAPPY DANCING, das träumerische GOOD NIGHT, das drollige, von der Tuba begleitete SOMETHING STRANGE, oder auch das entspannte CALM AND PEACEFUL dessen Titel für sich spricht. Selbstverständlich sind das alles keine anspruchsvollen, künstlerisch ausgefeilten Kompositionen (was auch völlig unangebracht wäre), aber unzweifelhaft eine gelungene, humorvolle und in ihrem Kontext treffliche Musik, die locker den Standard eines Karel Svoboda erreicht und sehr gut nebenbei zu hören ist. Die Musiker dürften jedenfalls viel Spaß bei den Aufnahmen gehabt haben, da bin ich mir sicher, denn das ist nur allzu deutlich herauszuhören. Die Doppel-CD von Hi-Hat ist mit fast 100 Minuten großzügig bestückt, richtet sich aber natürlich vor allem an Fernseh-Nostalgiker, was man schon daran erkennt, dass man die Namen der Komponisten auf dem Inlay wirklich mit der Lupe suchen muß.
  3. Osteuropäische Filmmusik

    KAREL ZEMAN: KRABAT (1977) Es sei gestattet hier auch mal einen Wunschkandidaten für eine eventuelle CD-Veröffentlichung vorzustellen. Karel Zeman dreht einzigartige Filme von zauberhafter Magie. KRABAT von 1977 erzählt die Geschichte in vermeintlich simpler Tricktechnik und mit großer erzählerischer Finesse. Die deutsche Fassung glänzt außerdem mit Christian Brückner in der Titelrolle und Friedrich Schütter als finsterer Mühlen-Zauberer. Zemans erklärtes Vorbild war der französische Trickfilm-Pionier Georges Melies, und grundsätzlich würde ich jede Tonträger-Veröffentlichung zu einem seiner Filme feiern. Aber gerade die Musik von Frantisek Belfin zu dieser KRABAT-Verfilmung ist von einer derartigen Schönheit und Poesie, dass es wirklich ein Jammer ist, sie vielleicht niemals außerhalb des Filmes kennenlernen zu dürfen. Aber wer weiß.... Einen Auszug aus dem Film habe ich gefunden, der zumindest etwas von dem Zauber von Belfins Komposition erahnen läßt:
  4. Osteuropäische Filmmusik

    Die Western der DEFA sind in der Regel naturalistischer und künstlerisch ambionierter gestaltet als unsere trivialen, westdeutschen Karl-May-Verfilmungen und einige von ihnen kommen der Wahrheit wahrscheinlich näher als es selbst die allermeisten US-Western jemals gewesen sind. In rund 20 Jahren Produktionsgeschichte hat sich freilich auch eine Menge Filmmusik angesammelt, die auf den drei "Wigwam"-Samplern von "Cinesoundz" / "All Score Media" vereint sind. Sämtliche 16 Filme aus den Jahren 1966 bis 1985 sind in mehr oder weniger großzügigen Auschnitten berücksichtigt worden. Dabei fängt die Nummer 1 des CD-Trios erstmal ernüchternd an, denn sie wird von einer Reihe von schlagerseligen Liedern eröffnet, die, z.T. von Gojko Mitic gesungen, außerhalb des Filmkontextes natürlich damals zu Promotionzwecken aufgenommen worden waren. Schwamm drüber. Danach folgen mit DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und CHINGACHGOOK, DIE GROSSE SCHLANGE (letzterer nach James F. Coopers "Wildtöter") die Partituren von Wilhelm Neef zu den ersten beiden Filmen dieses Subgenres. Klassische Westernscores, sinfonisch eher nach amerikanischen Vorbildern ausgerichtet, wobei gerade die SÖHNE auch Abstecher in jazzige Gefilde unternehmen, die Ähnlichkeiten zu Raimund Rosenbergers "Kurdistan"-Musiken haben. CHINGACHGOOK ist alles in allem traditioneller gehalten und teils sehr dramatisch. Hat die erste CD noch ihre Schwächen, bieten die beiden Nachfolger exzellente Western-Soundtracks in beeindruckender Originalität und stilistischer Vielfalt. SPUR DES FALKEN und WEISSE WÖLFE von Karl-Ernst Sasse sind absolut mitreißend und haben Elmer Bernstein als klares Stilvorbild. DER SCOUT und PRÄRIEJÄGER IN MEXIKO, ebenfalls von Sasse, sind dagegen mehr der europäischen Tradition verpflichtet. Besonders das von Hörnern getragene, vorwärtstreibende Hauptthema des letzteren ist phantastisch und dürfte sich noch lange im Ohr festsetzen. Dazwischen sorgen immerwieder fremdartige, mystische Flöten- oder Okarina(?)-Klänge für Verschnaufpausen. OSCEOLA von Wilhelm Neef ist ebenfalls mit einer sehr unterhaltsamen Suite vertreten und beginnt mit Trompetenklängen, die sehr stark an Hans Poseggas LOCKRUF DES GOLDES erinnern. In BLUTSBRÜDER übt sich Sasse in reduzierter Instrumentierung und schafft mit einem kleinen Ensemble u.a. aus Mundharmonika, Maultrommel, Gitarre und Percussions eine zurückhaltende, interessante Musik, die mit ihrem rocklastigen Titelthema mehr dem Italo-Western verpflichtet ist. Der Film verfügt außerdem über den großartigen Titelsong "Love Your Brother", geschrieben und gesungen von Hauptdarsteller Dean Reed. Eine mitreißende, balladeske Nummer, die auf CD 1 auch in der Single-Version vorliegt. Sehr ungewöhnlich und im Western-Kontext vielleicht sogar einzigartig ist Günther Fischers TECUMSEH, dessen Titelmusik mit Flöten und Frauenstimmen eine ganz eigentümliche, hypnotische Wirkung erzielt. Auch die übrigen Tracks folgen mit Percussions, Wah-Wah-Gitarren und gelegentlichen Einsätzen eines Streichorchesters den Idiomen der Rockmusik. Eine völlig eigenständige Filmmusik, die sich im Genre auf Nichts und Niemanden zurückführen läßt und dabei hochinteressant und faszinierend anzuhören ist. Ebenfalls originell orchestriert, aber etwas traditioneller und mit gelegentlichen Abstechern ins burlesk-komikhafte erfreut Hans-Dieter Hosallas APACHEN in einer längeren Suite. BLAUVOGEL stattet Peter Rabenalt mit sphärischen, teils synthetischen Klängen aus, die im Film eine ähnliche Wirkung erzielen, wie die Popol-Vuh-Musiken in den Herzog-Filmen. Mit den minimalistischen, melancholischen und sehr eingängigen Bluesläufen von Jürgen Kehrt verabschiedet sich das Genre 1985 mit ATKINS von den Leinwänden. Wunderbare CDs in vorbildlicher Zusammenstellung. Enorm unterhaltsam und für Western-Fans sowieso unverzichtbar.
  5. Meine neueste DVD / Blu-ray

    Kinderbuchautorin gefangen zwischen Illusion und Realität. Mit den Filmen von Altman habe ich seit jeher so meine Probleme und auch diesen hier fand ich bisweilen etwas dröge, aber gerade in den letzten 20 Minuten auch faszinierend und packend mit konsequentem Ausklang und stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen. Der Musik von John Williams (die die meisten hier sicherlich kennen werden) hat "Spiegelbilder" viel zu verdanken.
  6. Soundtrack-Board Alternativen

    Eine gleichwertige Alternative gibt es, zumindest für mich, nicht. Bei "Cinemusic" habe ich mich vor Jahren mal umgesehen als das Forum dort noch frei zugänglich war, und hatte den Eindruck einer doch recht überheblichen, elitären Community. Aber vielleicht hat sich das inzwischen geändert? Gegen FB habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings scheint die dortige Interessengemeinschaft nur den kurzlebigen Smalltalk zu bedienen ohne irgendwelche archivarischen Strukturen. Wer, so wie ich, sich nur ab und zu mal meldet und dann gerne ausführlichere Texte schreibt und Soundtracks vorstellt die sonst völlig übergangen werden, wird mit FB kaum glücklich werden. In den amerikanischen Foren bei FSM und Intrada tummeln sich für meinen Geschmack zu viele Extremfälle. Das Hobby Filmmusik ist ja schön und gut, aber gerade bei den Amis habe ich den Eindruck, dass es dort schon verdächtig in pathologische Gefilde geht. Nix für mich, zumal ich auch Schwierigkeiten hätte, längere Texte in englisch zu verfassen, ohne dass sie für die englischen Muttersprachler holprig zu lesen wären. Ergo bleibt nur das Soundtrack-Board. Hier gibt es angenehme User, ein wohltemperiertes Diskussionsklima, und ich hoffe sehr, dass man noch zu einer Lösung findet. Falls nicht, und falls Ende des Jahres tatsächlich Schluß sein sollte, werde ich mich wohl oder übel mal bei "Cinemusic" anmelden und vielleicht mit dem einen oder anderen meiner bisherigen Texte nach dort umziehen. Aber soweit sind wir noch nicht...
  7. Formidabler, extravaganter Score von Pino Donaggio zu einem vergessenen Film mit Nicole Garcia, Milva (!) und Heinz Bennent. Dass er überhaupt mal im deutschen Fernsehen lief (und zwar 1989 als "Straße der Spiegel") habe ich erst durch Nachforschungen in den "TV-Foren" herausfinden können. Den Inhaltsangaben nach ein giallo-ähnliches Kriminaldrama mit ungewöhnlicher Rollenverteilung. Die Musik ist eine der interessantesten und schönsten, die ich von Donaggio bisher gehört habe. Im Zentrum der Komposition stehen zwei Instrumente: Klavier und Harfe. Jedes steht für einen der beiden weiblichen Hauptcharaktere im Film. Donaggio läßt beide mit- und gegeneinander agieren, mal einschmeichelnd melancholisch, mal harscher im Tonfall. Es ist (im übertragenen Sinne) "Dialog-Musik", mit der Funktion das Unausgesprochene zwischen den beiden auf der musikalischen Ebene wiederzugeben. Da ist kein Ton zuviel, jede Note mit Bedacht gesetzt. Viel besser kann es natürlich der Meister selber beschreiben, daher zitiere ich hier mal aus dem Booklet: It could be defined as a minimalist score, but of a very different minimalism from that of La Monte Young or Philip Glass. Rather than relying on the concept of obsessive repetition with occasional static variations, it relies on the use of a few tools aimed at obtaining the rarefaction effect I wanted to convey. So it becomes a dialogue between piano and harp that identifies with the relationship between the two protagonists of the film, arriving, in some scenes, to give voice to their thoughts. It is the same logic of approach I used for the museum scene in Dressed To Kill. Um diese beiden zentralen Instrumente herum tummeln sich nur wenige zusätzliche Klänge, und nur zweimal (bei "Riflessioni" und "Concerto al parco") kommt ein größeres Ensemble zu Einsatz. Kunstvolle Filmmusik von einem Meister der düster-romantischen Klänge.
  8. Nachdem ich nun alle drei CDs durchgehört habe, kann ich sagen, dass meine anfängliche Skepsis völlig unbegründet war. Dem Wunsch zahlreicher Fans nachkommend, hat man sich bei Quartet-Records um die musikalische Hinterlassenschaft des spanischen Horrorkinos der 60er/70er Jahre gekümmert. Da diese Aufnahmen in ihrem Heimatland sehr stiefmütterlich behandelt wurden, muß ein Großteil heute als verloren betrachtet werden, darunter auch die begehrten Kompositionen von Anton Garcia Abril zu den "Blind Dead"-Filmen. Es wurde also zusammengekratzt, was überhaupt noch aufzutreiben war. Herausgekommen ist dabei ein CD-Trio von immensem Unterhaltungswert. EL ESPANTO SURGE DE LA TUMBA (Blutmesse für den Teufel) ist wahrscheinlich von den sechs Filmen der bekannteste. Den schummrigen Orgel-Score mit Percussioneffekten könnte man sich gut als Begleitung eines expressionistischen Stummfilms a la "Dr. Caligari" vorstellen. Schräg und nur bedingt zu empfehlen. Im Anschluß daran erklingen fünf Tracks von Alfonso Santisteban aus dem agatha-christie-inspirierten Giallo EL ASESINO ESTA ENTRE LOS TRECE. Eingängige, jazzig-melodische Themen im typischen Stil der 70er aus denen das packende "La Fuga" herausragt. Ebenfalls von Santisteban stammen die beiden Scores der nächsten CD. ASESINO DE MUNECAS deckt eine breite Palette musikalischer Ausdrucksformen ab. Großartig und mit orchestraler Wucht beginnt das Titelthema, das sich mit Schlagzeug und Wah-Wah-Gitarren beinahe wie ein zeitgenössisches Rockmusical ausnimmt. Phantastisch auch das folgende "Los traumas del asesino", in dem das Titelthema mit Cembalo und entrücktem Chor variiert wird. Interessante Suspense-Tracks und Zeitgenössisches runden das Bild ab. Der zweite Titel NECROPHAGOS ist sehr viel sparsamer orchestriert, kreiert mit seinem kleinen Ensemble eine psychedelische, einlullende Atmophäre, streut aber immer wieder geschickt melodisches Material ein. Dritter Tonträger im Bunde ist dem Komponisten Fernando Garcia Morcillo gewidmet. LA NOCHE DE LOS BRUJOS ist bei uns als "Woodoo - Orgie des Grauens" auf DVD erschienen. Dschungeltrommeln geben hier den Ton an, dazwischen zeittypische Bossa-Rhythmen und samtige Frauenvocalise, wiederum im Stil der Giallo-Filme. Ein Okkultismus-Drama namens EL MONTE DE LAS BRUJAS ist nicht nur die Nummer zwei auf dem Album, sondern darf auch mit Fug und Recht als das Highlight des Sechserpacks bezeichnet werden. Im Zentrum steht ein melancholisches, wunderschönes Thema, das auf dem "Dies Irae" beruht und im Titeltrack als Orchesterarrangement mit glasklarem Trompetensolo präsentiert wird. Danach deklariert ein infernalischer A-capella-Chor seine Texte zum Teil in englischer Sprache, was ich bei dem starken Akzent der beteiligten Sänger erst garnicht gemerkt habe. "Dreams of Darkness" und "Give me your command" sind zwei der Brocken, die ich glaube verifizieren zu können. Ein unglaublicher Track, der nur noch von der wahrlich furiosen Orchesterfassung getoppt wird, bei der wirklich alles aus ist. Dagegen verblaßt selbst Keith Emersons "Mater Tenebrarum" aus INFERNO, wobei hier stilistische Vergleiche durchaus naheliegen. Ein außergewöhnlicher, ambitionierter Score bei dem sich instrumentale und gesungene Tracks zahlenmäßig in etwa die Waage halten. Die Booklets sind wie gewohnt ansprechend gestaltet, beinhalten Texte zu Filmen und Musik, und auch die kaum bekannten Komponisten werden hier mal vorgestellt. Es gibt hier viel zu entdecken.
  9. Osteuropäische Filmmusik

    Alfi Kabiljo - BANOVIC STRAHINJA / THE FALCON / DER FALKE Die Titelmusik über den Vorspann-Credits war es, die mich vor etwa 25 Jahren mächtig beeindruckt hat. Sie stammt aus der Feder von Alfi Kabiljo, jenem geheimnisvollen Komponisten, der sich mit dem Vinyl-Album "Sky Bandits" dem westlichen Filmmusikfan als virtuoser Schöpfer sinfonischer Abenteuermusik empfahl und danach auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwand. Heute, im Zeitalter der unbegrenzten Information per Mausklick, ist die Identität des Herrn natürlich längst gelüftet. Das alte VHS-Tape von DER FALKE war damals meine erste Begegnung mit dem renommierten, serbischen Komponisten, und ich hätte im Leben nicht geglaubt von dieser jugoslawischen Produktion einmal ein Soundtrack-Album in den Händen zu halten. Umso größer war die Überraschung als Kronos Records letztes Jahr genau diese Musik ankündigte. Die Titelmusik ist freilich die Hauptattraktion des Albums. Mächtige Glockenschläge und tiefe Chöre leiten eine prachtvolle Overtüre ein - aufwühlend und pathetisch, mit Streichern und wortloser, weiblicher Gesangsstimme. Ein ergreifendes Thema, das sich ganz auf Augenhöhe des von Franco Nero gespielten Protagonisten bewegt und sich dabei auch perfekt in das mittelalterliche Szenario einfügt. Kabiljo ist aber nicht an einem aktionsreichen Abenteurscore interessiert. Er entwirft Stimmungsbilder mit begrenztem Instrumentarium und greift nur ab und zu auf das ganze Orchester zurück. Selbst ein DUEL wird in seinen Händen zu einem schwer dahingrummelnden, düsteren Requiem. Neben den sakralen Chören sind es vor allem die für die türkischen Antagonisten stehenden orientalischen Folklorismen, die einen großen Teil des Albums ausmachen. Große, aussdrucksstarke Filmmusik. Schön wäre auch mal eine sorgfältige DVD-Edition des Films, denn der ist wirklich sehenswert.
  10. Osteuropäische Filmmusik

    Die klingt deswegen nicht kindisch, weil der Film einfach kaum kindliche Zugeständnisse hat. Der Dialog mit dem Tod am Schluß... als hätte Ingmar Bergmann in seiner düstersten Phase einen Märchenstoff verfilmt. Absolut genial und eine unbedingte Empfehlung für alle, die sonst bei Märchenfilmen die Nase rümpfen. Und das gilt auch für "Jorinde und Joringel" vom gleichen Team. Hier hat man sich wirklich was getraut und sich komplett aus dem Kinderfilm-Korsett befreit. Danke, Oliver, für die Erinnerung!
  11. Osteuropäische Filmmusik

    GÜNTHER HAUK: Wer reißt denn gleich vor´m Teufel aus (Titelthema & Teufels Ehehölle)
  12. Was habt ihr zuletzt gesehen?

    Habe ich zuletzt vor rund 25 Jahren im TV gesehen und mir nun mal die DVD besorgt. Die 90er-Jahre-Verfilmung mit Anthony Quinn hat ihre Schwächen. Bei einer so berühmten Vorlage ist es eine heikle Sache, eigenmächtige Änderungen vorzunehmen, besonders dann, wenn diese nirgendwo hinführen und eigentlich nur im Weg stehen. Mit Quinn ist den Produzenten natürlich ein Besetzungscoup gelungen, und auch die deutsche Fassung glänzt hier mit der Verpflichtung von Franz-Josef Steffens in der Titelrolle. Steffens war ein überaus markanter Sprecher, der vor allem der Kassettenkinder-Generation ein Begriff sein dürfte. So ist "Der alte Mann und das Meer" letzten Endes doch eine sehenswerte, unterhaltsame Neuverfilmung geworden. An die Atmosphäre, Größe und dramatische Wucht des John-Sturges-Klassikers reicht sie aber in keinem Moment heran.
  13. Osteuropäische Filmmusik

    Bei dem guten Ruf den die Märchenproduktionen der DEFA-Studios weltweit genießen ist es schon verwunderlich, dass dieser hübsche Sampler aus dem Hause CINESOUNDZ bisher ein Unikat geblieben ist. Denn meines Wissens nach hate es weder vor- noch nachher einen vergleichbaren Versuch gegeben das musikalische Erbe der babelsberger Fabelwelten diskographisch aufzuarbeiten. Auszüge aus 22 Filmen tummeln sich auf dieser Scheibe, die insgesamt 19 Komponisten auf großzügigen 74 Minuten vereint. Die ausgewählten Musikstücke sind keiner Chronologie verpflichtet und sind auch nicht nach Filmen sortiert, sondern folgen einer Zusammenstellung, die ein optimales, in sich geschlossenes Hörerlebnis anstrebt. Eingestreut sind kurze, markante Monologe, wie z.B. das bekannte "heute back ich, morgen brau ich..." aus der Rumpelstilzchen-Verfilmung DAS ZAUBERMÄNNCHEN. Bei MÄRCHENLAND handelt es sich also mehr um ein Konzeptalbum als um ein archivarisch sortiertes Arrangement. Und als solches funktioniert es auch wirklich gut, die Stücke selber stammen offenbar allesamt von vernüftigen Quellen (zumindest wurden keine Filmton-Aufnahmen dazwischengemogelt). Die Produktionsdaten der Filmen umfassen einen Zeitraum von 1956 bis 1991. Entsprechend abwechslungsreich und stilistisch durchwachsen ist das Album ausgefallen, aber es ist angenehm und kurzweilig anzuhören, auch wenn ich selber auf manch ein süßliches Liedchen durchaus hätte verzichten können. Im Folgenden möchte ich ein paar Musik-Beispiele herausgreifen. Das Titelthema von KÖNIG DROSSELBART ist wunderbar-eingängige sinfonische Abenteuermusik, die auch aus einer Musketier-Verfilmung stammen könnte. Ähnlich angelegt, aber verspielter und operettenhafter ist DAS SINGENDE KLINGENDE BÄUMCHEN, dessen Titelthema auf knapp 4 Minuten mehrmals die Stimmung wechselt. Einer der schönsten Tracks ist Günther Fischers Titelmusik vom BÄRENHÄUTER, einem sehr melancholischen Carillon-Spiel mit synthetischem Beiwerk, das im Film während der Vorspannsequenz sogar im Bild von einem namenlosen Musiker gespielt wird (nicht ganz synchron, aber trotzdem eine nette Idee). In den 70er Jahren hinterließen Folk und Jazz auch ihre Spuren im Märchengenre. Hier ist vor allem das kurze, aber feine SECHSE KOMMEN DURCH DIE WELT zu nennen, das erst ein volkstümliches Flötenthema mit entspanntem Beatrhythmus unterlegt und dann zu einem an Italo-Western erinnernden Trompetenmotiv übergeht. Ernste und spannende Orchesterklänge bietet das Intro vom EISENHANS, dem zwar auch der Erzählertext hinzugemischt wurde, was aber im Rahmen der Edition eigentlich kaum stört. Voller schöner Einfälle steckt auch WER REIßT DENN GLEICH VORM TEUFEL AUS, wo von tänzerisch-elegant zu dramatisch-perkussiv hin- und hergeschwenkt wird. Außerdem finden sich die essenziellen Teile von Karel Svobodas unverwüstlichem Klassiker DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL auf der Scheibe. Eher negativ fällt auf, dass die eigentlich sehr gute Titelmusik von Joachim Werzlau zu DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN hier um etwa die Hälfte gekürzt wurde (vom selben Komponisten hätte ich übrigens auch gerne die aufbrausenden Orchesterfurien vom TEUFEL VOM MÜHLENBERG mit an Bord gehabt) Es gibt jedoch nicht nur Instrumentales zu hören, dazwischen tummeln sich selbstverständlich auch einige gesungene Lieder, die von sämig-kitschig bis fröhlich-heiter reichen. So ist z.B. FRAU HOLLE gleich mit zweien vertreten, dem kindertümlichen "Aufgewacht!" und dem "Frau-Holle-Lied". Und statt des operettentauglichen "Eins zwei" aus DAS FEUERZEUG hätte ich doch eher die Titelmusik bevorzugt. Mit zwei Beiträgen ist auch Manfred Krug vertreten, dessen Gesangskünste allerdings - ich drücks mal vorsichtig aus - nicht das starke Gewand dieses Albums sind. Unterm Strich eine empfehlenswerte CD für Sammler, die sich auch gerne mal in anderen Regionen umschauen. Natürlich gäben die Archive noch viel mehr her, und manch eine der hier vorgestellten Musiken würde ich wirklich gerne auch in vollständiger Form besitzen. Zum Abschluß noch eine Liste der hier vertretenen Komponisten und den dazugehörigen Filmen (zeitlich von 1956 an aufsteigend) JOACHIM WERZLAU (Das tapfere Schneiderlein) HEINZ-FRIEDEL HEDDENHAUSEN (Das singende klingende Bäumchen) SIEGFRIED BETHMANN (Das Feuerzeug / Die goldene Gans) WOLFGANG PIETSCH (Das Zaubermännchen) HANS DIETER HOSALLA (Das hölzerne Kälbchen) SIEGFRIED TIEFENSEE (Schneewittchen) GERHARD WOHLGEMUTH (Rotkäppchen) JOACHIM-DIETRICH LINK (Frau Holle) WOLFGANG LESSER (König Drosselbart) KLAUS LENZ & HERMANN ANDERS (Dornröschen) PETER RABENALT (Sechse kommen durch die Welt) KAREL SVOBODA (Drei Haselnüsse für Aschenbrödel) GÜNTHER FISCHER (Bärenhäuter / Froschkönig / Hans Röckle und der Teufel / Der Prinz hinter den sieben Meeren) GÜNTHER HAUCK (Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus) PETER GOTTHARDT (Schneeweißchen und Rosenrot) ANDREAS AIGMÜLLER (Der Eisenhans) ZDENEK JOHN (Die Gänseprinzessin und ihr Pferd Fallada) FRIEDBERT WISSMANN (Das Licht der Liebe)
  14. Osteuropäische Filmmusik

    Geht mir eigentlich ähnlich. Ich habe das mal als eigenes Thema angelegt, da es aus dem östlichen Europa ja nur sehr wenig Soundtrack-Veröffentlichungen gibt, und man hier wunderbar alles reinpacken kann, was geographisch östlich des ehemaligen eisernen Vorhangs liegt. Das schließt auch die Defa-Produktionen mit ein, oder Wunschkandidaten für eventuelle CD-Editionen. Bin selber mal gespannt was dabei rumkommt.
  15. Anscheinend auch von unseren hiesigen Fachhändlern völlig unbemerkt sind vor drei Jahren Francois Tusques Musikaufnahmen zu Jean Rollins LA REINE DES VAMPIRES herausgekommen. Verantwortlich hierfür ist das rührige britische Label "Finders Keepers", die die Aufnahmen aus Tusques Privatarchiv in sehr guter Tonqualität gerettet und auf LP verewigt haben. Eine CD gibt es leider nicht, und wer den Kauf eines Vinyl-Albums scheut, der kann sich zumindest an den Download halten, den das Label auf seiner Seite anbietet. Zum Film: Dieser ist der zweite Teil eines Kurzfilms names VIOL DU VAMPIRE (mit einem Score von Yvon Geraud), baut lose auf diesem auf, hat aber ansonsten eine völlig eigenständige Handlung. Beide Teile zusammen wurden als abendfüllender Spielfilm unter dem VIOL-Titel in die Kinos gebracht, wobei LA REINE bei dieser Gelegenheit in LES FEMMES VAMPIRES umbenannt wurde. Es ist eines von Rollins Meisterwerken, noch in schwarz-weiß gedreht, mit unglaublichen visuellen Einfällen, wild, poetisch, einzigartig und unvergeßlich. Die Musik von Francois Tusques läßt sich mit diesen Begriffen am besten beschreiben: Avantgarde, Free Jazz. Wem bei diesen Begriffen nun das kalte Grauen packt, der kann sich getrost zurücklehnen, denn er muß sich keinerlei Gedanken mehr machen, ob sich der Erwerb dieser Musik für ihn eventuell lohnen könnte. Wer jedoch schon Erfahrung mit dieser Musiksparte hat, oder musikalischen Experimenten wie z.B. Morricones Kapriolen mit der "Nuovo-Consonanza"-Gruppe etwas abgewinnen kann, der kann ja mal in dem unten verlinkten Auszug probehören. In den Film fügen sich Tusques kakophonische Klänge jedenfalls blendend ein und tragen sehr zur eigentümlichen Stimmung bei. Das musizierende Ensemble hat in einer Szene sogar einen Cameo-Auftritt. Tusques selber läßt in einen Interview auf der Encore-DVD durchblicken, dass er der klassischen Herangehensweise in der Filmmusik nicht viel abgewinnen kann, was nicht sehr überraschend ist und was sicherlich auch mit Rollins Ansichten übereingestimmt haben dürfte. Seine Musik zu REINE DES VAMPIRES erwies sich jedenfalls als so trefflich, dass Rollin sie 1970 für LA VAMPIRE NUE erneut verwendete.
×