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HOOK-John Williams


Gast Carlo_thefilmfreak
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Ich habe ihn zweimal gesehen und ich fand's grausam...einfach nur furchtbar. Habe schon als Kind solche Filme gehasst. Diese blöden Bonbonfarben, das übertriebene Spiel, die pappigen Kulissen und dann diese ätzenden Kinder, nicht fähig, vernünftig zu artikulieren (was soll eigentlich so süß daran sein, Kinder mit einem Biss- oder Sprachfehler auszustatten, damit sie ja schön lispeln?). Mich haben minderjährige Heldenfiguren schon immer genervt und daher konnte ich auch nichts mit Astrid Lindgren, Harry Potter oder den fünf Freunden anfangen.

Zur Musik: Bin ich der Einzige, der diese Musik nicht mag? Die Musik zur Vorschau sollen ja laut Williams-Fans mitunter die besten Minuten in Williams' Schaffen sein. Also gut, diese hüpfende Streicherfigur mit der Harfe sagt mir auch zu, aber eigentlich beginnen mich schon die Chimes gaaanz am Anfang zu stören, die dem Einstieg der Musik wohl einen träumerischen Charakter bescheren sollen. Das Thema finde ich allerdings wieder recht ansprechend, auch der versetzte Paukenschlag, der den Einsatz der Kontrabässe eröffnet, aber wenn dann wieder die schillernden Trompetenfanfaren einsetzen...typisch Williams, schon so oft gehört und nie mit warm geworden. Einfach ein bisschen zu golden, zu filigran, zu konzertant. Der Einsatz der Streicher ist wieder ganz nett und führt das Thema angenehm weiter, rutscht dann aber zu sehr wieder in die Fanfaren ab und ein knackiger Schluss hätte dem Stück wahrscheinlich besser gefallen, als die leicht an der Tonika vorbei rutschenden Flöten-Streicherfiguren.

Williams beherrscht sein Handwerk allerdings perfekt, die oben aufgezählten Punkte sind eine reine Geschmacksfrage. So haben wir es hier mit einer unegemein filigranen Orchestrierung zu tun, das Orchester wird voll ausgeschöpft und es gibt viele Nebenstimmen und Kontrapunkte, die sehr gut gesetzt und auskomponiert wurden und auch harmonisch steckt wieder viel mehr drin, als auf den ersten Hördurchgang vermuten lässt (wie schon bei Anakins Thema), aaaber trotzt allen Handwerks und der brillanten Interpretation und der knackigen Aufnahme finde ich die Musik zimlich uninspiriert.

Vielleicht liegt es schon daran, dass ich diesen süßlichen Klang nicht abkann, den Williams so oft und besonders bei Spielberg-Filmen (dessen Filme im Stile von "Kevin" und "Hook" auch absolut nichts abgewinnen kann und der für mich auch eher ein sehr gut berechnender Produzent von teilweise solidem Popkornkino ist, denn ein wahres filmerisches Genie (das sind für mich eher Hitchcock, Peckinpah oder auch Lang)) einsetzt.* Dieses sähmig süßliche, was sich dann über die knallbunten pdseudo-phantasievollen Bilder ergießt, spricht mich absolut nicht an. Hinzu kommt Williams' große Leidenschaft, sich von der Romantik "inspirieren" zu lassen. Er macht es nicht so deutlich wie Horner, aber das "Macht-Motiv" ist eindeutig eine Abwandlung Wagners "Siegfreid-Themas". Der "Imperial March" wurde deutlich von einem Motiv aus Mahlers Fünfter inspiriert, in E.T. (ich glaube, der war's) findet man Motive aus Raffs zweiter Symphonie etc. Schlimmer finde ich aber noch, dass Williams komplette Stimmungen und Klangcharakter für seine Filme offensichtlich klaut. Über die massive Ausschlachtung der "Planeten" bei "Star Wars" herrscht Unklarheit, da Lucas von Williams ja forderte, sich von diesem Werk inspirieren zu lassen.

Für diese Spielberg-Kinderfilme übernimmt Williams 1:1 die Klangsprache der Tschaikowsky-Balette und macht ihn noch süßlicher und noch kitschiger, ohne sich aber die geringste Mühe zu geben, diesen Fakt ein bisschen zu kaschieren. Die Orchestration etc. entsprechen ziemlich dicht dem es Nussknackers. Umso irritierender ist es, wenn einem im Laufe der Musik plötzlich weitere unzählige Klauereien kleinen mittleren und größeren Ausmahes entgegenfallen und somit das Gesamtkonzept und den Fluss der Musik einfach stören. Besonders stark fällt natürlich die "Anleihe" aus Strawinskys "Feuervogel" für Tinkerbell auf. Diese flirrende Strawinsky-Stil wird allerdings nicht wirklich warm mit dem dominierenden Tschaikowsky-Stil. Außerdem meine ich gehört zu haben, dass Williams Stellen aus "Kevin allein zu Haus" nahezu 1:1 wieder in "Hook" verwendet hat. Absolut dreist und überflüssig finde ich dann aber die Klauerei aus dem Golden-Age, wie die fast Note für Note übernommene "Sea Hawk"-Adaption im Endkampf sowie die völlig fehl am Platze eingesetzten "Rozsa"-Fanfaren, während die Piraten mit Eiern beschossen werden (schon alleine diese Tatsache lässt den Film vor meinen ugen nochmals deutlich sinken).

Ich persönlich bin auch absolut kein Williams-Freund. Der größte musikalische Geschichtenerzähler ist für mich auch immer noch Riachard Wagner und daran wid sich so schnell wohl nichts ändern. Auch Mahlers Geschichten sind für mich deutlich intensiver, interessanter und abwechslungsreicher erzählt als Williams' Spielberg-Sirup, von dem bis auf die unerträgliche Süße besonders die unschönen Klauereien auffallen.

*Ausnahmen bestätigen die Regel: "Schindlers Liste" ist ein wirklich wertvoller Film!

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Naja, du bist aber auch ein stückweit selber schuld, dass du wegen hook so abgehst. Wenn du schon weißt, dass du keine "süßlichen filme mit ätzenden minderjährigen" magst, warum schaust du sie dir dann an? Das klingt für mich sehr nach selbstverstümmelung. ;)

Und es ist ja nicht so, als ob spielberg nur diese art film gemacht hätte, bzw. williams nur harry potter, hook und home alone vertont hätte. Williams hat mindestens genauso viele finstere, ernste und originelle arbeiten abgeliefert. Der erst kürzlich veröffentlichte black sunday ist ein beispiel welches schon früh in seiner karriere kam, aber auch sachen wie presumed innocent, nixon, the fury, JFK, saving private ryan, sleepers oder der großartige close encounters, seven years in tibet, amistad, war of the worlds, munich sowie jurassic park 1 und 2 sind sehr intensive, ernsthafte und teils sehr düstere scores.

Und was die klassik und filmmusikzitate angeht, die du genannt hast: das mag alles richtig sein, allerdings sollte man bedenken, dass spielberg immer schon gesagt hat, dass er seine filme zu klassischer und filmmusik schreibt. Wenn er dann im schneideraum sitzt hat er also schon seit der pre-production eine ganze reihe temp-stücke im hinterkopf, die er williams schon in der vergangenheit aufgedrückt hat. Ich sehe das nicht als manko, ein temp-track kann zu einer besseren dramaturgie führen wenn der regisseur und der komponist wissen, wie sie damit umzugehen haben. Hook ist allerdings ein extremes beispiel. Selbst the face of pan ist ja von delerue inspiriert. Mich stört sowas nur in ganz bestimmten fällen und da ich kein klassikliebhaber bin stören mich klassikzitate überhaupt nicht. Ich finde es sogar gut, wenn ein komponist auf solche werke zurückgreift (bei horner ist mir das übrigens genauso egal, das problem bei ihm ist eher, dass er die ewig selben zitate für gefühlte 90% seiner scores verwendet). Nur weil im nussknacker pizzicati streicher oder bestimmte orchestrationen vorherrschen heißt das meiner meinung nach nicht, dass niemand anderes sowas verwenden kann.

Bearbeitet von BigMacGyver
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Nein, Mephisto, du bist nicht der Einzige. Mir geht's ähnlich wie dir, ich kann selbst mit "Hook" und "Kevin" filmisch wie musikalisch wenig anfangen. Auch viele andere Romanzen- und Komödien-Scores von Williams höre ich sehr selten bzw. kaufe sie mir erst gar nicht ("Stepmom", "Always", ...).

Allerdings gibt es von ihm wirklich vieles, das nicht "süßlich" oder sirupartig ist, und der Begriff "Ausnahme" passt da m. E. nicht mehr. BigMacGyver hat ja schon einige Soundtracks aufgezählt, ich möchte da noch "Images" und "Minority Report" hinzufügen.

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Oh ja, images! Der inbegriff von "abgefahrener gehts nicht mehr". ;)

Ich würde sagen dieser score ist williams originellster score überhaupt, obwohl ich sicher nicht klassikerfahren genug bin um mögliche klassikzitate auszuschließen, aber wenn man es mal mit sonstiger filmmusik vergleicht (gerade aus der zeit) wirkt images schon sehr originell.

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Ich kann Williams' HOOK auch nicht ausstehen, ebenso wie fast alle anderen seiner "Nussknacker-Scores"... ;) Bin auch viel eher ein Freund seiner Suspense-dominierten Scores - interessanterweise liefert er in dem Bereich immer viel originellere Musik ab, in der auch wesentlich mehr Herzblut zu stecken scheint.

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Für diese Spielberg-Kinderfilme übernimmt Williams 1:1 die Klangsprache der Tschaikowsky-Balette und macht ihn noch süßlicher und noch kitschiger, ohne sich aber die geringste Mühe zu geben, diesen Fakt ein bisschen zu kaschieren. Die Orchestration etc. entsprechen ziemlich dicht dem es Nussknackers.

Ganz unauffällig sind auch die ganzen Schwanensee-Kopien, die man immer wieder hört ;)

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