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Leto

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  1. Leto

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    "Rechts" ist in meinen Augen ebenso wenig ein "Totschlagbegriff" wie "Links", sondern eine weltanschaulich begründete, politische, zunächst wertfreie Positionszuschreibung. Als "Totschlagbegriffe" würde ich (im deutschen Sprachgebrauch) "Nazi" oder "Gutmensch" einstufen. Da "Hollywood" in den USA bekanntlich allgemein im Ruf steht, liberal bzw. von der Demokratischen Partei dominiert zu sein, tut man, glaube ich, keiner der genannten Personen Unrecht, wenn man sie in Abgrenzung vom (angeblich) links-liberalen Mainstream als (relativ) politisch eher "rechts" stehend einstuft. "Rechts" schon als "Totschlagbegriff" zu klassifizieren unterstützt eher die Bemühungen radikalerer "Rechter" sich selbst zu Opfern einer angeblich linken Diskurshoheit zu stilisieren.
  2. Leto

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    "DAS DSCHUNLGELBUCH" (2016, Disney-Version) So, das wollte ich doch noch nachholen: über die Feiertage habe ich mir, wie angekündigt, die erfolgreiche Disney-Neuverfilmung von 2016 von "Das Dschungelbuch" auch noch angesehen. Der Oscar für die besten Spezialeffekte ist verdient, keine Frage. Die Tiere sind erheblich naturalistischer gestaltet als in der 2018er Version, in der das motion-capturing den Tieren eher die Anmutung von Tieren mit menschlichen Gesichtern verleiht, was insbesondere für den Panther ("gespielt" von Christian Bale, dessen Gesicht man sofort wiedererkennt) gilt. Hier "sprechen" die Tiere zwar, wie in einer Fabel üblich, ähneln ansonsten aber mehr ihren natürlichen Vorbildern und sind fantastisch animiert. Man merkt, dass sich Disney natürlich an seinem eigenen Zeichentrick-Klassiker orientiert hat, der Junge, der "Mogli" spielt, wurde offenbar weniger wegen der "natürlichen" oder glaubwürdigen Darstellung eines im Dschungel aufgewachsenen Jungen gecastet, sondern weil er seinem Zeichentrick-Vorbild bis hin zu der seltsamen "Pilzfrisur"extrem ähnelt. Auf mich wirkte der Darsteller zudem etwas zu pummelig und pausbäckig. Hier hat für meinen Geschmack die 2018er Verfilmung eindeutig die Nase vorn, die zudem die Glaubwürdigkeit der "indischen" Umgebung und Lebenswelt bewahrt, während die Disney-Version in dieser Hinsicht "de-ethnisiert" worden zu sein scheint, möglicherweise aus kommerziellen Gründen - der "Dschungel" wirkt aus diversen (CGI-)Versatzstücken zusammengesetzt, manchmal ein wenig "Afrika", manchmal sieht es ein wenig nach "Herr der Ringe" oder "Avatar" aus. Wie nicht anders zu erwarten, fällt die Disney-Version familienfreundlicher und vor allem wesentlich humorvoller aus, in erster Linie dank Baloo, dem Bär - und es wird gesungen. Das ist natürlich Geschmackssache, ich sage ganz offen, dass das nicht mein Fall ist, vor allem wenn der Gesang an IMHO ziemlich unpassenden Stellen einsetzt, wie etwa bei dem Riesenaffen, der "bedrohlich" wirken soll, aber durch das Lied, das er dann zum besten gibt, ziemlich ins Lächerliche gezogen wird. Der größte Unterschied zwischen beiden Verfilmungen besteht aber meiner Ansicht nach in der Charakterentwicklung von "Mogli", der als Charakter in der 2018er Version ungleich vielschichtiger angelegt ist, eine bemerkenswerte und dramatisch mitreissende Persönlichkeitsveränderung erfährt, was im Finale schliesslich fast metaphorisch im Ende der Heldenreise mit dem Kind, der nun zum jungen Mann geworden ist, gipfelt (auch wenn für meinen Geschmack das Ende damit einen Hauch zu sehr den Geist von "Tarzan" atmet). Verglichen damit bleibt Mogli in der Disney-Version über weite Strecken ein eher harmloses, unschuldiges Kind, das ein Dschungel-Abenteuer mit sprechenden, häufig lustigen, Tieren erlebt, dazu passt, dass der Film etwas gemächlicher und undramatischer dahinplätschert und erst gegen Ende in einem für einen "Familienfilm" dann doch sehr actionreichen Finale gipfelt, in dem sich auch Mogli selbst in einer etwas anderen, erwachseneren, Rolle wiederfindet. Ist die eine eine Verfilmung nun "besser" als die andere? Das ist natürlich Geschmackssache - jede hat ihre Vorzüge und Schwächen. In einer Hinsicht, nämlich der für Filmmusik-Liebhaber, hat aber die Disney-Version die Nase vorn: Die Filmmusik von John Debney hat im Vergleich mit der durchaus auch nicht schlechten von Nitin Sawhney einfach für hiesige Hörgewöhmheiten bessere "Standalone-Qualitäten", wirkt sehr gefällig, melodisch ansprechend gestaltet, dramatisch und actionreich, wo es nötig ist, ruhig und gefühlvoll in anderen Tracks. Die werde ich mir noch oft zu Gemüte führen. Meine Wertung: 8 von 10 Eine persönliche Nachbemerkung zu diesen jüngsten Postings mit politischem Bezug sei mir gestattet: Ich hoffe, die Spaltung der Gesellschaft und der Hass auf Andersdenkende, die zahllose Bereiche und Internetforen durchziehen, findet nicht auch hier Einzug. Ich sage ganz offen, ich stehe politisch "links", finde aber John Debney (ich habe gelesen, er steht politisch "rechts" und unterstützt Trump) als Filmmusik-Komponisten hervorragend, mag Filme von und mit Clint Eastwood (rechts), mag Arnold Schwarzenegger (Republikaner) und Mel Gibson (rechts) und das soll auch so bleiben. Wenn sich nun auch Filmmusik-Hörer und Film-Interessierte hier nach "rechts" und "links" sortieren und ihre Lager bilden, ggf. nur noch negativ aufeinander reagieren, fände ich das schade - abgesehen davon, dass ich nicht sicher bin, ob dieser Aspekt überhaupt etwas in diesem Film-Thread verloren hat, wenn kein Bezug zu einem rezensierten Film besteht. Ansonsten frohes neues Jahr.
  3. Leto

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    Bei mir zuletzt im Player: "ALPHA" (2018) Filme über die sogenannte "Urzeit" oder "Steinzeit" - oder dem, was Hollywood-Autoren dafür halten - sind ein schwieriges Gebiet, wie bisherige Genre-Beiträge nahelegen: Bei zu viel Bemühen um Authentizität droht der Unterhaltungswert auf der Strecke zu bleiben ("Am Anfang war das Feuer"), bei zu viel Heldenepos verkommt der Film ggf. zur Conan-Karikatur (wie z.B. Roland Emmerichs 10.000 BC). Für dieses Werk verschmolzen die Autoren das Genre mit dem des Tierfilms, um auf durchsichtige Weise mit ein wenig Disney-Kitsch die Herzen der Zuschauer zu gewinnen - was teilweise sogar gelingt - und verwandeln den Film in eine Art archetypische Fabel über die (spekulative) Entstehung der Freundschaft bzw. symbiotischen Beziehung zwischen Urzeit-Mensch und Wolf, aus dem in Laufe der Zivilisationsentwicklung der "beste Freund des Menschen", der domestizierte Hund, werden sollte. Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen: Ein Junge aus einem "Steinzeit-Stamm" - wobei während des ganzen Films unklar bleibt, ob es sich bei den Protagonisten eigentlich um Steinzeit-/Eiszeitmenschen, Indianer oder Eskimos handelt, denn es sind klar alle drei Elemente präsent - gespielt von Kodi Smit-McPhee (X-Men: Apocalypse), der seine Sache gut macht, aber vielleicht etwas zu grazil und zart für die Rolle gebaut ist, was der Film aber durchaus geschickt nutzt, um ihn als "Antihelden" aufzubauen, dem es schwer fällt, Tiere zu töten oder an der gemeinschaftlichen Jagd teilzunehmen, stürzt bei einer Treibjagd in eine Schlucht und wird für tot gehalten. Wird es ihm gelingen, zu seinem Stamm zurückzukehren? Technisch machte der Film auf mich einen durchwachsenen Eindruck: Die CGI-animierten Tiere sehen teilweise entsetzlich unglaubwürdig aus, die CGI- und farbkorrigierten Landschaften sehen teilweise grossartig, teilweise fast surrealistisch aus, was aber beabsichtigt sein könnte, um den archetypischen Anspruch der Geschichte zu unterstreichen. Die Sequenzen zwischen dem Jungen und dem Wolf hingegen sind überaus gelungen, hier haben die Tiertrainer ganze Arbeit geleistet und auch die Balance zwischen gerade noch umschifftem Kitsch und herzerwärmenden Szenen weitgehend gehalten. Fragen nach der "Realismus", Plausibilität und Glaubwürdigkeit sollte man hier aber nicht allzu oft stellen, der Film ist halt eine Fabel aus der Kategorie "Wie sich Hollywood-Autoren die Steinzeit vorstellen" und wenn man das akzeptieren kann, darf man ein durchaus herzerwärmendes, manchmal ein klein wenig kitschiges Tier-Urzeit-Abenteuer erleben. Für Weihnachten geeignet. Meine Wertung: 7 von 10 "MOGLI" (2018) Das "Dschungelbuch" (eigentlich eine Geschichten-Sammlung) des britischen Literatur-Nobelpreisträgers Rudyard Kipling gehört ja zweifellos zu den am häufigsten verfilmten Werken der Literaturgeschichte, vielleicht nur noch getoppt von Jules Vernes oder Alexandre Dumas, wobei ich nie verstanden habe, warum die animierte Kinderfilm Disney-Version eigentlich gemeinhin als die ultimativ gelungenste angesehen wird, denn mir ist nicht bekannt, dass Kipling sein Werk als Kinderbuch angelegt hätte. Diese Version beschreitet jedenfalls einen völlig anderen Weg: düster, actiongeladen, telweise brutal, schockierend und dramatisch - für Kinder eindeutig weniger geeignet. Inszeniert von HdR-Gollum-Darsteller Andy Serkis, hält sich die Verfilmung dennoch an die bekannten Vorlagen, Figuren und Plotelemente. Man merkt, dass Andy Serkis im Laufe seiner Karriere zum absoluten Experten für motion-capturing und deren Umsetzung in CGI geworden sein muss, denn gerade die Umsetzung der Emotionen in den Tierfiguren wirkt derartig glaubwürdig, teilweise so atemberaubend intensiv, dass man seinen Blick kaum abwenden kann. Wenn man an dem Film etwas kritisieren kann, dann die missratene Balance zwischen kindgerechten Inhalten und Brutalität. Es gibt "süsse" Figuren und Charaktere, die sich in ihrer Gestaltung eindeutig (auch) an ein jüngeres Publikum wenden, wozu aber die Dramatik und die Action in anderen Sequenzen nicht passen. Ein weiterer stilistischer Bruch vollzieht sich, wenn Mogli in das Menschendorf zurückkehrt. Die Verlangsamung und Änderungs des Tons passen nicht so recht zu dem Tempo, das der Film ansonsten hält und dem dramatischen Finale. Das fällt bei einem erwachsenen Publikum viel weniger ins Gewicht, aber man sollte zur Kenntnis nehmen, dass es sich hier nicht unbedingt um einen Disney- "Familien"-Film handelt. In diesem Film werden auch Blut und Tod gezeigt. (Ich habe leider die kommerziell erfolgreichere Verfilmung von 2016 von Jon Favreau mit der grossartigen Musik von John Debney noch nicht gesehen, aber das werde ich über Weihnachten noch nachholen - ich bin auf den Vergleich schon gespannt) Auf eine so erwachsene Version dieses Stoffes habe ich jedenfalls schon lange gewartet und ich war insgesamt begeistert von dieser Verfilmung, daher gebe ich 8 von 10. Für Weihnachten aber nur bedingt geeignet. "FLORIDA ZÄHLT NACH" (2008) ...und nun noch zu etwas ganz anderem: eine auf wahren Gegebehnheiten basierende Polit-Posse mit Star-Besetzung aus der Prä-Trump-Ära, die auf äusserst unterhaltsame Weise dokumentiert, dass es mit der sogeannten Demokratie in den USA schon vor Trump nicht immer zu besten stand. Die Fakten sind bekannt: Die Präsidentschaftswahlen Bush. vs. Al Gore im Jahr 2000 gingen so knapp aus, dass mehrmalige Nachzählungen im Bundestaat Florida notwendig waren, um das Ergebnis zu ermitteln. Dabei offenbarten sich diverse skandalöse Verhältnisse, was das Prozedere zur Stimmabgabe angeht. Juristische Auseinandersetzungen folgten, bis Gore schliesslich aufgab und ein oberstes Gericht Bush zum Sieger erklärte. Europäischen Zuschauern, die mit den politischen Verhältnissen in den USA nicht vertraut sind, kommen da aus dem Staunen und Kopfschütteln kaum noch heraus, wobei zur Überheblichkeit keine Veranlassung besteht, denn in unseren politischen Systemen gibt es sicher nicht weniger Defizite, nur sind diese anderer Art, bedingt durch andere historische Entwicklungen. Stars wie Kevin Spacey, Tom Wilkinson, John Hurt, Denis Leary und vor allem Laura Dern überzeugen als authentische Figuren, nur ein wenig humoristisch überspitzt und ironisiert mit scharfzügigen Dialogen und Regisseur Jay Roach gelingt das Kunststück, trotz bekannten Ausgangs, was einen traditionellen Spannungsbogen ja weitgehend ausschliesst, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Meine Wertung: 8 von 10 - herrliche Polit-Posse über Amerika in der Vor-Trump-Ära. Für Weihnachten und in der Ära Trump erst recht geeignet. Frohes Fest und guten Rutsch.
  4. Leto

    Filmmusikalische Americana-Musik

    Ich konnte mit dem Begriff "Americana" auch lange nichts anfangen, bis ich gelesen habe, dass wohl Jerome Moross der bekannteste Vertreter dieses Stils im Filmmusik-Genre sein soll. Da ich seine Musik sehr gerne mag, bin ich dankbar für alle Anregungen zu Scores, die vielleicht in eine ähnliche Richtung gehen... insofern: Danke für die Inspiration in die genannten Vertreter werde ich auch mal versuchen, reinzuhören... gruss
  5. Leto

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    Bei mir in letzter Zeit im Player: OBSESSION (1976) von Brian De Palma Wow, und ich dachte, ich kenne alle Filme von Brian De Palma - aber der war mir bislang entgangen. Obwohl die Kritiken eher durchwachsen ausfallen, weil dem Film eine zu große plagiatorische Nähe zu Hitchcocks "Vertigo" unterstellt wurde, kann ich speziell diesen Punkt eigentlich nicht nachvollziehen, denn der Plot entwickelt sich doch in eine völlig andere Richtung und die Spannung bleibt bis zum Finale erhalten. Ein Mann entdeckt auf einer Geschäftsreise eine Frau, die seiner vor vielen Jahren bei einem Verbrechen ums Leben gekommenen Ehefrau zum Verwechseln ähnlich sieht - diese Paralelle und eine surrealistische Atmosphäre sind eigentlich die einzigen Gemeinsamkeiten. Ein Fest für Filmmusik-Fans ist allerdings die dritte Gemeinsamkeit, nämlich die erfreuliche Tatsache, dass Bernard Herrmann die fantastische Musik zu diesem Film (die ich bislang auch nicht kannte) beisteuerte (wie zu "Vertigo"). Ich muss ehrlich gestehen, von der Musik war ich überwältigt - quasi ein Best-Of der bekanntesten Stilelemente von Herrmann aus dem Psychothriller/Romanze/Drama Fundus. Aber der Film selbst kann auch mit anderen Qualitäten punkten: Er ist fantastisch gefilmt, die authentischen Drehorte im Florenz der 70er bezaubern heute fast noch mehr als damals, wo alles nur noch mit Greenscreen, Farbkorrektur und CGI entstellt wird. Sicher, Cliff Robertson ist kein Cary Grant, James Stewart oder Gregory Peck und Genevieve Bujold nicht unbedingt Ingrid Bergman, aber das ist sehr solide gespielt und wenn man etwas an den Schauspielern bemängeln kann, dann das Type-Casting von John Lithgow, weil ein so "typischer" Bösewicht-Darsteller natürlich jedem versierten Thriller-Freund mutmassen lässt, in welche Richtung sich die Story entwickelt, aber in den 70ern war Lithgow wahrscheinlich noch gar nicht so bekannt wie heute. Meine Wertung: 8 von 10 - Fantastisch gefilmter Psychothriller von Hitchcock-Fan De Palma, der auch Filmmusikfreunde dank eines der IMHO besten Scores von Bernard Herrmann jubeln lässt. SON OF A GUN (2014) Australischer Actionthriller um einen jungen Kriminellen, der mit einem gewieften Ausbrecher und seiner Bande zusammen eine Goldmine ausrauben möchte. Quasi ein "Best-Of" zahlloser Gangsterfilm-, Actionthriller, Gefängnis- und Bankraub-Filme, bei denen man scheinbar nach einer Liste wirklich jedes im Genre unvermeidliche Plot-Element abhaken wollte (Gefängnis-Veteran rettet Frischling vor "Vergewaltigung? - check. Held verguckt sich in Tussi des Gangsterbosses - check...usw. usw.). Verrat, Betrug und Love-Story inclusive - aber was soll man sagen? Es funktioniert. Der Film ist eigentlich von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsam und auch wenn gewisse Plotelemente vohersehbar sind, schmälert das kaum den Unterhaltungswert. Ewan McGregor als hartgesottener Krimineller überzeugt ebenso wie der Rest der Crew, insgesamt kompetent inszeniert, die Action ist solide, aber nicht übertrieben. Fazit: 6 von 10. Klischeehaft, aber unterhaltsam. Gepflegter Actionthriller fürs Feierabend-TV. BLACK DYNAMITE (2009) von Scott Sanders Das Genre der "Spoof-Komödie" war ja lange Zeit, ausgehend von den köstlichen ZAK-"Airplane" und "Naked Gun"-Filmen mit Leslie Nielsen bis zu den Niederungen der "Scary Movie"-Streifen und anderer Peinlichkeiten im Abstieg begriffen, aber hier kommt man endlich mal wieder in den Genuss einer Genre-Parodie, bei der man zugleich staunen und sich köstlich amüsieren kann, weil sie sich als Hommage und Parodie gleichermassen versteht - und zwar auf ein in Europa wohl eher weniger bekanntes Genre, nämlich die 70er "Blaxploitation"-Streifen, in denen muskelbepackte, farbige Helden weiße Bösewichte ordentlich aufmischen und zugleich den Begriff Coolness neu definieren. Die haarsträubende Story um den Protagonisten "Black Dynamite", der mit Drogendealern, korrupten Cops, chinesischen Wissenschaftlern und grössenwahnsinnigen Politikern aufräumt, ist nur ein Vehikel, um die Klischees, die billige Machart, die Sprüche, Moden und Typen durch den Kakao zu ziehen, die das Genre seinerzeit definiert haben. Das gelingt IMHO sogar noch viel besser als in den viel bekannteren, diesem Film ähnlichen "Grindhouse"-Movies von Robert Rodriguez, in denen IMHO das "absichtlich schlecht gemacht"-Element einen Tick zu "gewollt" wirkt, um zu überzeugen, während es sich hier viel natürlicher einfügt und wackelnde Kulissen, im Bild hängende Mikrofone, Actionszenen, in denen die Gangster aus Autos springen die dann unabsichtlich weiter rollen oder deren Türen sich im Bordstein verkeilen, wirklich komisch rüberkommen und nicht mit der "so schlecht gemacht, hier bitte lachen"-Attitüde der Grindhouse-Streifen. Hauptdarsteller Michael Jai White stolpert mit einer köstlichen ernsthaften Naivität durch die absurdesten Szenen wie seinerzeit Leslie Nielsen. In der (insgesamt soliden) deutschen Synchro geht natürlich so mancher Original-Dialogwitz verloren, aber der Original-Slang ist wirklich für nicht-US-englisch-Muttersprachler kaum zu verstehen. Meine Wertung: 7 von 10. Herrliche 70er "Blaxploitation"-Parodie. Wer mit diesem Genre allerdings generell nichts anfangen kann, kommt wahrscheinlich kaum auf seine Kosten. Gruss
  6. Nein, den kenne ich in der Tat nicht - aber vielen Dank für den Tipp, da werde ich mal reinhören.
  7. Bilde ich mir das nur ein oder hat der letzte Track "End Titles" (besonders am Anfang) nicht so einen ganz leichten "Western-Touch"? Habe ich bei JNH so noch nie gehört... wenn mir der Track vorgeführt worden wäre und ich hätte den Komponisten raten müssen, hätte ich vielleicht auf Elmer Bernstein oder Joel McNeeley getippt JNH überrascht mich immer wieder mit seiner Vielseitigkeit.
  8. Leto

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    Bei mir zuletzt im Player: "Das Jericho-Projekt" (2016) (SPOILER!) Na, da fühlte sich wohl jemand berufen, den Plot von John Woos "Face OFF - Im Körper des Feindes" mit quasi umgekehrter Prämisse zu recyceln (Gedanken- statt Gesichts-"Transplantation"). Ich will nicht mehr über den Story-Verlauf verraten, aber nach einem starken Anfang verläuft das doch in nur allzu bekannten Bahnen. Was an dem Film aber doch grossen Spass macht, ist zu sehen, mit welcher offensichtlichen Freude Kevin Costner endlich mal wieder einen richtig gemeinen "Badass"-Charakter spielen darf. Bei Kostner, in den 90ern ja quasi zur filmischen "Inkarnation des Guten" gereift, hat man fast den Eindruck, dass nun im Alter seine Auftritte als Serienkiller ("Mr. Brooks") oder Gewalttäter (wie in diesem Film) als so eine Art Katharsis fungieren, um sein ewiges "Good Guy"-Klischee lustvoll zu konterkarieren. Leider ist der Rest der stellaren Besetzung ziemlich verschwendet - Gary Oldman spielt im wesentlichen eine Choleriker-Version seines Batman-Cop-Charakters und Tommy Lee Jones kann als Wissenschaftler nicht so richtig überzeugen. Ein lächerlich klischeehafter Bösewicht zieht den Film auch eher runter, während die Produktionswerte, die ziemlich blutrünstigen Action-Szenen und solide inzenierten Verfolgungsjagden zumindest unter Beweis stellen, dass hier keine Amateure am Werk waren - begleitet von gewohnt dynamischer Musik von Brian Tyler (für meinen Geschmack aber viel zu elekronik-lastig). Meine Wertung: 6 von 10 - für Fans von Kevin Costner und für einen gepflegten Action-/Agenten-Thriller-DVD-Abend mit einem ziemlich bizarren Plot ausreichend "Eye in the Sky" (2015) Dieser Film greift ein sehr heikles und politisch umstrittenes Thema auf, nämlich die Legitimität des weltweiten Drohnen-gestützten Krieges gegen "Terroristen", bei dem bekanntlich in vielen Fällen weit mehr Zivilisten und Unschuldige getötet werden als richtige "Terroristen". Ein fiktives Szenario eines solchen Einsatzes in Afrika wird quasi in "Echtzeit" dem Zuschauer als gewissermassen live-gestreamt präsentiert, was zunächst einmal den positiven Effekt hat, dass der Film von der ersten bis zur letzten Minute atemberaubend spannend bleibt. Man kann seine Augen kaum abwenden. Die ethischen Implikationen, Entscheidungsprozesse, Konflikte und politischen Abwägungen, repräsentiert durch die verschiedenen Protagonisten - Politiker, Militärs und beteiligte Soldaten - bleiben glaubhaft und in sich schlüssig und gestatten keine "richtige" oder "einfache" Auflösung, die der Film auch konsequenterweise am (deprimierenden) Ende nicht zu bieten hat. Bei mir als einfachem, cineastisch interessiertem Zuschauer, der aber zugegebenermassen keine Ahnung von militärischen Entscheidungsprozessen hat, blieb dennoch ein etwas bitterer Nachgeschmack, weil einerseits bestimmte "populistische" Klischees nicht außen vor bleiben - Politiker sind im wesentlichen feige und versuchen, sich vor unbequemen oder unpolulären Entscheidungen zu "drücken", während die Militärs im Zweifelsfall auch gerne mal Fakten manipulieren, um ihren "Interessen" zur Durchsetzung zu verhelfen, wobei Amerikaner skrupelloser morden als Engländer (dieser Film ist eine UK Produktion) - und man sich andererseits des Eindrucks nicht erwehren kann, dass angesichts dessen, was dank WikiLeaks und Whistleblowern aus diesem sensiblen militärischen Bereich an Berichten an die Öffentlichkeit gelangt ist, die "Wirklichkeit" möglicherweise noch viel "schlimmer" ist. Letzlich kann ich nicht beurteilen, ob insofern die Militärs in diesem Film noch "viel zu gut" wegkommen und die gezeigten Konflikte um Moral und Legitimität nicht eher "unrealistisch" sind und in Wirklichkeit ohne jede Diskussion "auf den Knopf gedrückt" wird. Aber vielleicht kann ein solcher Film, der ja letztendlich "auch" der Unterhaltung dient, das auch gar nicht leisten, ebensowenig wie die Klärung der Frage, wie sogenannter "Terrorismus" im geostrategischen und global-politischen Kontext entsteht und zu bewerten ist. Die großartige Helen Mirren und der ja leider viel zu früh verstorbene Alan Rickman überzeugen wie immer in ihren Rollen, für die eher subtile Spannungs-Musik zeichnen Paul Hepker und Mark Kilian verantwortlich (die Namen sagen mir beide nichts). Meine Wertung: 8 von 10 Ein Film, der ein äusserst heikles Thema grösstenteils angemessen und mit atemberaubender Spannung aufbereitet und zum Nachdenken anregt - nicht mehr und nicht weniger. Eine "realistische" Wiedergabe der diesbezüglichen "Wirklichkeit" sollte man aber nicht unbedingt erwarten.
  9. Danke für den Link - erinnert hinsichtlich seiner "melodramatischen Qualität" meiner Ansicht stark an "Escape from Tomorrow". Das Release werde ich mir auf jeden Fall vormerken. Abel ist immer für eine postive Überaschung gut.
  10. Gilt es eigentlich jetzt als gesichert, dass Alexandre Desplat die Musik beisteuert? Stammt die Trailer-"Musik" bereits aus dem Score? Wenn ich etwas an Desplat bewundere, dann auf jeden Fall seine Vielseitigkeit. Andererseits habe ich noch nie Musik von Desplat gehört, in der er Themen anderer Komponisten "adaptiert" - was bei einem StarWars Film ohne John Williams an Bord wohl kaum zu vermeiden ist. Da hätte ich dann eher auf jemanden wie John Debney (Predators) oder Michael Giacchino (Jurassic World) getippt, wenn man einen Komponisten benötigt, der befähigt ist, andere Scores gut zu adaptieren. Ich bin schon sehr gespannt ob Desplat wirklich ein völlig neues "musikalisches Universum" für diesen Film erschaffen möchte. Zuzutrauen wäre es ihm...
  11. Leto

    Der beliebteste Kino-Soundtrack 2015 - Nominierungen

    Da möchte ich doch dann auch noch Thomas Newmans James Bond Score "Spectre" nominieren. Grunsätzlich fand ich die "alten" Jahres-End-Best-Of Threads jedes Users (der mitmachen wollte) aber auch interessanter und übersichtlicher.
  12. Leto

    Der beliebteste Kino-Soundtrack 2015 - Nominierungen

    Ist ANT-MAN von Christophe Beck schon nominiert worden? In der Liste kann ich ihn nicht finden. Gehört meiner Ansicht nach zu den Highlights unter den jüngsten Superhelden-Scores.
  13. Leto

    James Horner

    Seufz... jetzt ist nur noch einer der drei grossen Komponisten (Williams, Goldsmith, Horner), die mich damals in den 80ern als Jugendlichen zum Filmmmusikfan werden liessen, am Leben. Wirklich ein Tag der Trauer... Nie wieder werde ich wohl Krulls "Ride of The Firemares" oder Rocketeers "Flying Circus" so unbefangen für Ihre wunderbare, energiegeladene, pure musikalische Freude geniessen können, weil sich ab jetzt die Erinnerung an den sinnlosen und viel zu frühen Tod ihres Schöpfers stets in das Hörerlebnis einbringen wird... Farewell, James - und ewigen Dank für Dein künstlerisches Schaffen, mit dem Du mein Leben (und das unzähliger anderer Filmmusik-Fans) bereichert hast. RIP
  14. Leto

    Leonard Nimoy stirbt mit 83 Jahren

    (seufz) "Er ist nicht wirklich tot - nicht so lange wir an ihn denken" Dr. McCoy - Star Trek II Danke für die vielen, großartigen Momente der Inspiration und Begeisterung, die Sie mir als jungem Sci-Fi-Fan beschert haben. Mr. Nimoy "Live Long and Prosper" - ...in heaven
  15. Leto

    Was habt ihr zuletzt gesehen?

    "DER KONFORMIST" (1970) Italienischer Klassiker von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 1970. Jean-Louis Trintignant spielt darin einen italienischen Faschisten, der in den 30er Jahren als Mitglied einer Geheimorganisation den Auftrag erhält, in Frankreich seinen ehemaligen Hochschullehrer zu ermorden... Eine visuell wunderbar kunstvoll, teilweise surrealistisch arrangierte Mischung aus Krimi und Psychodrama, bei dem Bertolucci meinem Eindruck nach unter dem Einfluss verschiedener psychoanalytisch begründeter Theorien (Fromm, Jung, Reich etc.) über die Entstehung des "autoritären" Faschismus-affinen Charakters stand und versuchte, ein solches Konzept im Film künstlerisch umzusetzen, wobei er den Fokus auf die Wechselwirkung zwischen individual-psychologischen Faktoren und sexueller Repression legt. Der übermächtige Wunsch des Protagonisten nach Konformität und "Normalität", wurzelnd in zwei traumatischen Kindheitserlebnissen, der Geisteskrankheit des Vaters und einer homoerotischen Gewalterfahrung, lässt die kompensatorische Möglichkeit, als der titelgebende "Konformist" seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und mit Hilfe einer arrangierten Ehe die "bürgerliche Normalität" im Faschismus zu finden, als primäre Motivation erscheinen und nicht etwa ideologische Versatzstücke oder politische Lehren des faschistischen Weltbildes, die in diesem Film eher außen vor bleiben, auch wenn philosophische Grundlagen des "Weltverständnisses" wie Platons Höhlen-Gleichnis in einem interessanten Diskurs am Rande der Handlung aufgegriffen werden. Auch die in der Psychoanalyse zu findende Theorie, dass verdrängte und "verbotene" eigene homoerotische Neigungen die Hingebung zu faschistischer Ideologie befördern könnten, setzt Bertolucci vor allem im Finale zusammen mit einer klassischen psychoanalytischen Projektion des "Selbsthasses" des Protagonisten auf den Missbrauchs-Verantwortlichen in einer sehr effektiven Weise ein. Ich habe eigentlich - vielleicht abgesehen von Hitchcocks "Spellbound" - noch nie einen Film gesehen, der derart von einem bestimmten psychoanalytischen Theoriengebäude durchdrungen ist, das aber nahezu perfekt künstlerisch umgesetzt wurde, ohne aufgesetzt oder intellektuell überfrachtet zu wirken. Der Film ist ganz sicher nicht jedermanns Sache, trotz bestechend schöner Cinematographie und Ausstattung und der Musik von Georges Delerue, weil die Krimihandlung eigentlich nebensächlich bleibt und trotz einer auch an Hitchcock erinnernden bizarren Mord-Sequenz von Zuschauern mit heutigen Sehgewohnheiten als "langweilig" empfunden werden könnte, wenn man sich nicht für die psychischen Verstrickungen des Protagonisten und seines bizarren Seelenlebens interessiert. Meine Wertung: 9 von 10 - egal, wie man dazu steht, hier handelt es sich um einen Film, den jeder filmhistorisch Interessierte zumindest einmal gesehen haben sollte "COMPLIANCE" (2012) US-Low-Budget-Psycho-Krimidrama nach wahren Ereignissen, das ebenfalls ein interessantes psychologisches Muster in den Mittelpunkt der Handlung stellt: Ein Vorstadt-Psychopath macht sich einen Spass daraus, eine Angestellte einer Fast-Food-Kette anzurufen, sich ihr gegenüber als autoritärer Polizist auszugeben und sie zu "zwingen", gegen eine andere Angestellte, die angeblich eines Verbrechens überführt wurde, vorzugehen. Dabei kommt es zu Ereignissen, die die Geschichte völlig aus dem Ruder laufen lassen. Ich kann getrost sagen, dass ich zunächst nicht wusste, ob ich diesen Film als Farce, als Psychokrimi oder als Realsatire einstufen sollte, so unglaublich erschien mir der bizarre Plot. Offensichtlich orientiert sich die Handlung an einem psychologischen Phänomen, das im berühmten Milgram-Experiment bekannt wurde, nämlich der Autoritätshörigkeit und der Verantwortungs-Verlagerung, die Menschen zu schier unglaublichen Handlungen befähigen, sofern sie glauben, dass hinter den Anweisungen, die sie befolgen "müssen", eine höhere Autorität steht und diese einem "höherwertigen Ziel" dient. Wie oft dies in der Menschheitsgeschichte zu grausamsten Zwecken ausgenutzt wurde, muss gerade uns Deutschen wohl keiner erzählen. Auch deutsche Filmemacher haben sich ja, etwa in dem Streifen "Das Experiment", darin versucht, dieses Phänomen im Film dramatisch aufzuarbeiten. Dieser Film siedelt eine solche Geschichte in "keinerer" Dimension in den USA der Gegenwart an - schockierend wirkt das Gezeigte dennoch, weil einem vor Augen geführt wird, dass es sich beim Ausnutzen dieser menschlichen Schwäche nicht um ein "vergangenes", einmaliges historisches Ereignis handelt, sondern etwas, was sich jederzeit wiederholen kann - in jedem von uns. Meine Wertung: 8 von 10 - trotz Low-Budget beklemmend zeitlose Schilderung einer schlimmen Eingenart der menschlichen Psyche gruss
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