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Mephisto

Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre

Empfohlene Beiträge

vor 4 Minuten schrieb Mephisto:

Danke für die weiteren Erläuterungen! Besteht die Möglichkeit, einmal eine wirklich chronologische Auflistung der einzelnen Stücke zu bekommen und wo diese jeweils auf der CD zu finden sind?

Wenns Dich interessiert, dann kann ich die M-Nummern für jeden Track der CD mal hier eintippen. Die habe ich nämlich vorliegen.

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Das wäre absolut großartig und auch eine Berecherung für dieses Thread, denke ich! Dafür kann ich mich bei Gelegenheit mit einer chronologischen Auflistung und Tracktiteln zu COL FERRO E FUOCO revanchieren. :)

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Das wären also die M-Cues für die Digitmovies-Doppel-CD von I MONGOLI:

CD1:
01 Titoli IV
02 M2 + M3 + M4 + M 7
03 M5 + M6 + M39 + M37 + M75 + M78 + M79 + M102
04 M8
05 M10
06 M14 + M 52 + M53bis + M12 + M38 + M64 + M84 + M94 + M96 + M97 + M99 + M100 + M103
07 M15 versione 2a con coro
08 M18 + M43 + M36 + M56 + M13
09 M19 + M44 + M47
10 M21 + M23 + M34 + M32 + M16 + M41
11 M22 + M22 parte 2a  + M49
12 M26 + M37 + M106 + M104 versione 2 + M82
13 M27 + M38 + M74 + M73 + M93
14 M42 intro + M42
15 M45
16 M46 + M48 + M54
17 M50 + M51
18 M53 bis + M76 + M110
 
CD2:
01 M55 + M48 + M54 + M83bis
02 M57
03 M58
04 M69 + M80 + M81 + M92 + M112 + M114 + M29 + M65 + M31
06 M72 + M72 bis + M73 + M24
07 M76 + M111
08 M86 I + M88 II
09 M87 + M85 + M30 + M30 versione libera
10 M89 + M107 + M109 + M95 + M98
11 M90 + M77 + M61 + M9 + M110
12 M 101 I + M103 I + M105 I
13 M104 + M106
14 M107
15 M 108 + M63 + M33 + M20
16 M 115
 
bonus tracks
17 M 15 versione 2a
18 M 115

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Tausend Dank! Ich werde diese Liste beim nächsten Hörn berücksichtigen! Vielleicht finde ich mich in diesen Stückwerk-Passagen dann etwas besser zurecht.

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Zum Vergleich auch noch Nascimbenes geplante LP-Version mit 18 Tracks:

01 M1 Titoli di Testa (2:24)
02 M2 (Dieta Polacca) + M3/M4 (Pattuglia di Stefano) + M5/M6 (Polacchi profughi) (3:58)
03 M23 (Bagno Huluna) (1:10)
04 M25 (Stefano cambio abita) + M26 (Stefano travestito) + M27 (Stefano riparte) + M 28 (Stefano uccide i Mongoli inseguitori) (3:30)
05 M30 (Amina e Stefano) (1:33)
06 M34 (Holuna tortura Amina) (1:11)
07 M39 (Amina viene portata in salvo dal pastore) + M41 (Stefano e Igor) (0:49)
08 M44 (Corni Genghis Khan) (1:18)
09 M46 (Arrivo di Genghis Khan) (1:34)
10 M50 (Stefano, Enrico, Amina) + M51 (Amina, Stefano, Enrico) (2:40)
11 M53 bis (Genghis Khan chiede consiglio agli spiriti) (0:55)
12 M65 (Interno chiesa 1 - Amina e Stefano) + M66 (Interno chiesa 2 - "Portate via le donne") (1:55)
13 M74 (Inseguimento die Stefano) + M75 (Pattuglia Polacca) (1:36)
14 M76 (Funerale di Genghis Khan) (1:32)
15 M80/81(Esercito Polacca avanza 1) + M82 (Esercito Polacca Avanza 2) (3:34)
16 M106 (Sabbie mobili) + M107 (Morte di Huluna) (2:14)
17 M110 (Ogotai a cavallo) + M111 (Ogotai appicca il fuoco) (2:18)
18 M114 (Arrivo di Stefano) + M115 (Finale) (2:24)

 

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Carlo Rustichelli – I promessi sposi

Alessandro Manzonis Roman gehört zu den bedeutendsten Beiträgen der italienischen Literaturgeschichte, für dessen Verfilmung aus dem Jahre 1964 Carlo Rustichelli eine ansprechende und inspirierte Partitur komponierte. Seine Musik könnte man fast als opernhaft bezeichnen. Nicht etwa, weil dort gesungen wird – keine Sorge! Die wenigen Passagen mit Gesang werden allesamt von einem Chor übernommen –, sondern weil sie fast durchgehend melodisch gestaltet ist und häufig mit großen musikalischen Gesten aufwartet.

In der Titelmusik etabliert Rustichelli eine Art folkloristisches Marschlied, das über die gezupfte Streicherbegleitung vom Chor intoniert, aber im weiteren Verlauf der Musik nicht mehr aufgegriffen wird. Stattdessen folgt direkt im Anschluss mit „Peste Magnificat“ ein wuchtiges Stück, das mit seinen schweren, vom Glockenklang verstärkten Blechakkorden, der massiv von den Streichern vorgetragenen Melodie, die später vom gemischten Chor kräftig verstärkt wird, an eine geistige Prozession erinnert. Neben diesen gewichtigen Passagen wirkt das sanfte Liebesthema umso lyrischer, und scheinen einige verspielte Holzbläsersoli noch gleich viel leichtfüßiger. Insgesamt deckt Rustichellis Musik nahezu alle üblichen Facetten einer melodramatischen Historienfilmmusik ab. Besonders reizend gehört auch die kecke Holzbläserpassage für Don Abbondino.

Als einziges Manko hätte ich persönlich – wie schon zuvor bei diesem Komponisten – den Einsatz der elektrischen Orgel zu bemängeln, die er immerhin sehr sparsam einsetzt. Ansonsten überzeugt die Musik durch einen großen Melodienreichtum und eine versierte Instrumentation.

Zum Filmstart erschien eine LP mit immerhin 30 Minuten Musik aus I promessi sposi, bevor Kronos Records den Titel 2013 in ihre Gold-Edition aufnahmen und die vollständigen Aufnahmen veröffentlichten. Hierbei wurde der originale Albumschnitt beibehalten und um eine Bonussektion mit den restlichen Stücken ergänzt. Im Vergleich mit der LP-Version fällt schnell auf, dass Rustichelli nahezu alle wichtigen Passagen für die Veröffentlichung ausgewählt hatte, allerdings enthält die Bonus-Sektion mehrere hörenswerte Titel wie eine weitere Darbietung der pastoralen Flöten- und Oboensoli sowie eine mächtige vierminütige Fassung von „Peste Magnificat“, die ich nicht missen wollen würde.

Die Klangqualität ist gemessen an dem Alter der Aufnahmen zufriedenstellend, und insgesamt möchte ich diese Musik allen empfehlen, deren Herz zu große symphonische Historienfilmmusik schlägt.

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Freut mich, Mephisto, daß I PROMESSI SPOSI nun auch den Weg zu Dir gefunden hat und recht gut ankommt. Für mich persönlich hat dieser Rustichelli-Score eine besonderen Stellenwert und es ist mir nach wie vor einer seiner liebsten.
Bei mir kommt der glückliche Umstand hinzu, daß ich den Film im März 1981 bei uns im Kino in der italienischen Originalfassung für eine Gastarbeitervorstellung vorführen durfte. Die Filme hat man damals immer vom für diese italienischen Originalfassungen zuständigen deutschen Verleih Midas bzw. Unicontact zugeteilt bekommen, die wurden dann von einem Ort zum anderen verschickt - eben dahin, wo es viele Gastarbeiter gab. Es war also mehr oder weniger Zufall, daß ausgerechnet PROMESSI SPOSI da mal mit dabei war.
Zum damaligen Zeitpunkt kannte eigentlich niemand in Deutschland diesen total obskuren Historienfilm und die Musik natürlich ebenfalls niemand. Bei diesen Gastarbeitervorstellungen, die wir damals jeden Sonntag um 17.30 Uhr hatten und die unglaublich gut besucht waren, gab es in der Woche davor immer schon einen Trailer für den Film am nächsten Sonntag. Und der Trailer von PROMESSI SPOSI war bereits gefüllt mit der Musik vom Track "Peste Magnificat", was bei mir schon eine große Vorfreude auf den Film selbst schürte.
Klar, jüngere Jahrgänge können sich die damalige Zeit gar nicht mehr vorstellen: Es gab hier in Deutschland selbst keine Möglichkeit, an die top-rare italienische CAM-LP von 1964 ranzukommen und der Film wäre hierzulande auch nie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgetaucht. Deshalb habe ich die so gut wie komplette Musik (abgesehen vielleicht von ein, zwei Source Music-Stücken) damals ein,  zwei Tage nach der offiziellen Vorführung für mich auf Tonband im Kinosaal mitgeschnitten. Ich habe das Tonband sogar heute noch und ich habs vor ein paar Jahren nochmals abgespielt als ich die Tracks auf der CD mit denen im Film selbst genau abglich.
Die CAM-LP konnte ich erst so gegen 1988/1987 auftreiben als ich auch mehrer Kontakte zu Händlern in Italien bekommen hatte - an 1981 war das einfach noch viel zu früh. Die Begeisterung war daher groß als ich die LP dann das erste Mal überhaupt in Händen halten konnte. Leider wurde die Freude ein bißchen getrübt durch die Pfeifgeräusche, die man fast durchweg wohl aufgrund eines Preßfehlers auf der LP noch mithörte. Zum Glück ist das Pfeifen auf der CD weg, dafür muß man oft etwas Rauschen in Kauf nehmen, was mich persönlich aber nicht so besonders stört.
Die Musik ist sehr präsent aufgenommen, wirklich leidenschafltlich und zum Teil wie Mephisto ja auch schreibt opernhaft dramatisch angelegt - wobei es natürlich auch charmant Gewitztes oder Nostalgisches gibt - mit einer Vielfalt an melodisch schönen Themen, ab und an mit Chor angereichert. Gerade "Peste Magnificat" oder "Marcia appestati", die hörbar von der Scarpia-Musik aus dem zweiten Akt von Puccinis "Tosca" beeinfußt sind, kann ich auch nach Jahren und obwohl ich die Musik ja sehr gut kenne immer wieder mit großem Genuß hören.
Was die Bonus Tracks anbetrifft: Ein paar davon sind durchaus ganz reizvoll, ein paar Andere mit statischer Spannungsmusik dagegen kein Zugewinn. Chronologisch sind diese jedenfalls nicht auf der CD angeordnet.
Hier unten mal die chronologische Auflistung aller orchestralen Tracks wie sie im Film erscheinen. VIelleicht für Mephisto ja ganz interessant, da es selbst heutzutage noch recht schwer ist, an den Film selbst ranzukommen.
Von den Album-Tracks fehlt im Film im Prinzip nur Track 9 "L´innominato", den man unten in der ersten Hälfte noch eingliedern könnte, ansonsten taucht eigentlich schon alles davon im Film auf. Manche der Bonus-Tracks dagegen überhaupt nicht, das dürften zum Teil Alternativ-Version gewesen sein oder sie wurden geschnitten. Im Film selbst ist mal an einer Stelle auch noch eine längere Passage aus dem Adagio von Albinoni zu hören – für die LP und die CD wurde das aber nicht übernommen.

01 Tr. 1: Donzelle al fiume (= Main Title)
02 Tr. 13: Don Abbondio
03 Tr. 29: Il buongiorno
04 Tr. 15: I promessi sposi (Intrigo)
05 Tr. 4: Mistico
06 Tr. 14: La perpetua
07 Tr. 11: Addio al natio suolo
08 Tr. 28: Addio al natio suolo
09 Tr. 22: Suite Tensione I (ab 1:58)
10 Tr. 2: Peste Magnificat
11 Tr. 12: Renzo a Milano
12 Tr. 19: Preoccupazione
13 Tr. 5: Carestia
14 Tr. 23: Il dramma
15 Tr. 18: Incubo
16 Tr. 21: Interludio
[17) Tr. 22: Suite Tensione I (erste Hälfte)]
18 Tr. 6: Soldataglia
19 Tr. 7: Razzie
20 Tr. 8: Renzo e Lucia
21 Tr. 25: Tensione
22 Tr. 9: Conversione innominato
23 Tr. 3: Triste presagio
24 Tr. 16: Don Rodrigo
25 Tr. 10: Marcia appestati
26 Tr. 31: Finale

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Wie immer sehr schöne Reviews, Mephisto. Ich lese sie alle mit Interesse mit,. auch wenn ich mich in letzter Zeit seltener zu Wort gemeldet habe (Grund ist eine prekäre private Situation). Den ein oder anderen Tipp konnte ich hier schon aufgreifen. LEGIONI DI CLEOPATRA ist mir beispielsweise bisher noch nicht bekannt, wird aber demnächst bestellt werden.

Zu Fuscos Troia/Enea-Doppelpack muß ich sagen, dass ich nie wirklich Zugang zu der Musik gefunden habe. Ich weiß, dass es originelle und außergewöhliche Scores sind, aber auf mich haben sie stets einen sperrigen, geradezu drögen Eindruck gemacht (naja, vielleicht vom Troia-Titelthema abgesehen). Obwohl ich sonst ja sehr zu begeistern bin für Fuscos eigenwilligen Stil, und seine Arbeiten für Antonioni sind wirklich ungemein spannend und brillant, aber bei seinen griechischen Heldenepen bin ich leider raus.

Mephisto, vielleicht möchtest Du Dich auch mal den Marinuzzi-Peplum-Scores annehmen. Die haben es mir, entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen, doch sehr angetan. Würde mich interessieren, ob nur ich das so sehe, oder ob sie auch anderen gefallen.

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@Stefan Schlegel, vielen für die chronologische Liste und die schönen Anmerkungen zu I PROMESSI SPOSI. @Angus Gunn, ich würde Dir gerne folgende Musik ans Herz legen, die für mich zu den Entdeckungen innerhalb der italienischen Filmmusik gehört:

Fusco_Venere.jpg.c2aa34d55b01f767751fc3d29c828aa3.jpg

Giovanni Fusco – La Venere di Cheronea

Der ukrainisch-stämmige Regisseur Viktor Tourjansky drehte 1958 eine melodramatische Dreiecksgeschichte zwischen dem griechischen Offizier Luciano und Bildhauer Prassitele, die sich beide in Iride, Prassiteles Modell für seine neue Venus-Statue verlieben. Für die Musik zeichnete Giovanni Fusco verantwortlich, der ein paar Jahre später hervorragende und etwas eigenwillige Vertonungen zu Kampf um Troja und Äneas schaffen sollte. Seine Musik zu La Venere di Cheronea, der in Deutschland unter dem Titel Helena – Kurtisane von Athen verliehen wurde, entspricht in ihrer symphonischen Anlage noch ganz der Genrekonvention, aber auch hier übertrifft Fuscos Beitrag viele Arbeiten seiner Kollegen um etliche Längen.

In Anbetracht der üppigen Laufzeit von guten 70 Minuten ist es zunächst beeindruckend, wie abwechslungsreich und kurzweilig der Komponist seine Partitur gestaltet hat. Seine orchestrale Vertonung, die in Verbindung mit dem Film stellenweise dick aufgetragen wirken mag, kann als alleinstehendes Hörerlebnis voll und ganz überzeugen. Dies liegt zum einen an dem filigranen Umgang mit dem Orchester, aus der eine filigran instrumentierte Partitur resultiert, und der Vielzahl von Themen, die darüber hinaus virtuos variiert werden. Im Zentrum der mitreißenden Komposition stehen ein leidenschaftliches Liebesthema sowie ein kurzes heroisches Motiv, das Luciano zugeordnet ist. Es klingt bereits zum Ende des Vorspanns an und wird zunächst – ein bisschen an Wagners Siegfried gemahnend – als optimistisches Hornsolo eingeführt, aber wandelt sich schnell zu einem verbissenen Kampfmotiv, das wegen seiner Kürze gut sequenziert werden kann. Es erklingt anschließend als nobles Thema im Blech und später auch als fanfarenschmetternder und heroischer Marsch. Das Liebesthema wird im Vorspann als schmachtende Streichermelodie vorgestellt und teilt sich die ersten drei Töne von Lucianos Motiv. Es erklingt wahlweise als zartes Violinsolo, triumphal in den schmetternden Blechbläsern, leidenschaftlich in den Streichern oder mystisch vom Frauenchor intoniert. Fusco versteht es hervorragend, seine Melodie in immer neuem Licht zu präsentieren. Ein besonderer Wurf ist der charmant schlendernde, eine aus dem Liebesthema abgewandelte Walzervariante, die der Partitur eine zusätzliche reizvolle Facette verleiht.

Neben diesen beiden Hauptgedanken komponierte Fusco weitere Themen und Motive, die sich durch die Musik ziehen, zum Beispiel den eigenwillig mit Saxophonen instrumentierten Ruf für die mazedonische Armee oder ein mystisches Viertonmotiv, das gleich zu Beginn des Vorspanns erklingt, bevor der Frauenchor es aufgreift, und das ein bisschen an Mario Nascimbenes Musik Le Baccanti erinnert. Darüber hinaus enthält die Partitur noch viele weitere schöne Momente wie das sanfte Klarinettensolo in „Splendida statua“, das ebenfalls aus dem mystischen Viertonmotiv entwickelt ist oder die furiose zehnminütige Schlachtpassage, die mit dem heroischen Marsch für die griechische Armee, basierend auf Lucianos Motiv, eröffnet und vom mazedonischen Rufmotiv kontrastiert wird, bevor Fusco ein stampfendes Kampfmotiv einführt, das bald vom ganzen Orchester in sich in überlagernden Schichten aufgegriffen wird. Auch die anderen Kampf- und Actionpassagen sind hervorragend gearbeitet, wobei sich Fusco im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht auf dröhnende Paukenwirbel und Blechmotive verlässt, sondern mit rasanten Streicherfiguren, Holzbläserläufen arbeitet und auch die schmetternden Kampfmotive der Blechbläser sorgfältiger ausarbeitet.

Insgesamt gehört Giovanni Fuscos Musik zu La Venere di Cheronea  zu den besten Werken, die ich hier vorstellen konnte und sei jedem ans Herz gelegt, der sich für dramatische und orchestrale Musik begeistern kann. Obwohl sich Fuscos Vertonung dicht am Bild orientiert, ist sie auch in sich schlüssig strukturiert und ihr „symphonischer“ Charakter wird vor allem durch die kompetente Behandlung des Orchesters unterstrichen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die sich in ihren Peplum-Vertonungen hauptsächlich auf die Wucht des Blechs und den Schmelz der Streicher verließen, verwebt Fusco in seiner Partitur die einzelnen Instrumentengruppen miteinander und schafft eine in vielen Farben schillernde Musik. Für die komplette Erstveröffentlichung seiner Vertonung von La Venere di Cheronea konnte Beat Records glücklicherweise auf die vollständig erhaltenen Bänder zurückgreifen, sodass wir die Musik hier in all ihren Facetten genießen können und sogar noch eine alternative Fassung der Schlussmusik erhalten. Tatsächlich kommt beim Hören der kompletten CD keine Langeweile auf, nur an zwei Stellen, dem rollenden Paukenwirbel in Dopo il risveglio“ und „Splendida statua“ den stehenden wabernden Klangflächen in tritt die Musik etwas auf der Stelle. Nach meinem Eindruck deckt sich die präsentierte Musik bezüglich der Chronologie und Anordnung nicht vollständig mit der im Film zu hörenden Vertonung, ich schätze, dass für den Film einige Stücke geschnitten und neu angeordnet wurden. Es kann aber auch sein, dass Beat Records einige editorische Arbeit geleistet hat. Insgesamt handelt es sich ohne Frage um eine der wichtigsten Veröffentlichungen des Jahres 2018 und sollte nun endlich die angemessene Würdigung erfahren.

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Schön, daß Du Dir auf meine Empfehlung hin vor ein paar Jahren die VENERE DI CHERONEA-CD auch noch geholt hast. Ist wirklich ein toller und farbenprächtiger Score, obwohl nicht unbedingt typisch für Fusco, da man solch schwelgerische  und romantische Klänge bei ihm ansonsten nicht unbedingt vernimmt. Ich bin daher immer noch nicht ganz schlüssig, welche Rolle der in Kiew geborene Komponist Michel Michelet hier wirklich gespielt hat, da Fusco im Gegensatz zu Michelet im Main Title (sowohl der italienischen wie der französischen Fassung) ja überhaupt nicht erwähnt wird.
Michelet war mit dem ebenfalls aus Kiew stammenden Regisseur Victor Tourjansky eng befreundet -  und im Main Title wird Tourjansky eigentlich als Regisseur neben Giorgio Rivalta (ein Pseudonym des Produzenten Giorgio Venturini) genannt: "Un film di W. Tourjansky". Manche Quellen nennen zusätzlich auch noch Fernando Cerchio als Co-Regisseur, der dann später um 1960 herum ein paar Mal noch Fusco herum als Komponist für seine Filme verpflichtete.
Michelet und Tourjansky, die beide bereits in den 30er Jahren in Frankreich an mehreren Filmen zusammengearbeitet hatten - Michelet, der Jude war,  emigrierte dann in die USA,, kam aber in den 50ern wieder nach Europa zurück und vertonte sogar einige Filme in Deutschland wie im Jahr 1959 Fritz Langs berühmten Zweiteiler DER TIGER VON ESCHNAPUR und DAS INDISCHE GRABMAL - kamen in den 50er Jahren wieder in Kontakt  miteinander wie etwa 1958 bei PETERSBURGER NÄCHTE oder eben gerade bei VENERE DI CHERONEA. Im Main Title von VENERE DI CHERONEA wird Michelet ganz fett als Komponist genannt, was die IMDB und alle möglichen anderen Quellen natürlich dann  so übernommen haben. Offiziell hat Fusco bei diesem Score also nie eine Rolle gespielt

Meine ursprüngliche Vermutung, daß Michelet eventuell die französische Version vertont haben könnte und Fusco dagegen nur die italienische, hat sich nach Sichtung der französichen Fassung - die übrigens stark gekürzt ist gegenüber der italienischen Version- leider auch nicht bestätigt, denn sie enthält verrückterweise genau dieselbe Musik wie die italienische Fassung.
Was hat Michelet daher also wirklich für diesen Film nun beigesteuert und stammt denn tatsächlich alles von Fusco? Definitiv Klarheit dürfte erst ein Einblick in die Originalpartituren bringen..
Michelet hat auf alle Fälle einen Score für den Film geschrieben, denn die Partitur ist im Michelet-Nachlaß vom American Heritage Center der Universität Wyoming vorhanden. Siehe hier unter Box 5:
https://archiveswest.orbiscascade.org/ark:/80444/xv729167

Die Fusco-Partituren befinden sich dagegen in der Biblioteca Gianni Milner in Venedig. Hier ist allerdings nicht klar, ob die zu VENERE DI CHERONEA dabei ist, da keine Online-Auflistung vorhanden ist:
https://www.fondazionelevi.it/biblioteca/fondi-acquisiti/fondo-fusco/

Mephisto, siehst Du denn eventuell eine Möglichkeit, an eine Photokopie zumindest eines kleinen Auszugs von einer der beiden Partituren ranzukommen? Denn das wäre gerade in dem Fall hier schon höchst interessant.

Noch eine kleine Korrektur zum Schluß: Die Musik ist nicht auf Beat Records, sondern auf Digitmovies erschienen.

 

 

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Natürlich! Du siehst, dass ich Eure Empfehlungen ernstnehme und ihnen meistens auch nachkomme - wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Differenz. Ich muss sagen, dass mich VENERE DI CHERONEA überrascht hat - eine so gute Musik habe ich nicht erwartet und ich denke, es ist meine persönlich Favoritin aller hier vorgestellten Peplum-CDs. Interessant, was Du über die verschiedenen Fassungen und die beiden Komponisten schreibst. Im Booklet wird ja nur Fusco erwähnt. Man müsste in Italien mal amnfragen, ob die bereit wären, die Partituren zu Ansichtszwecken zu digitalisieren. Ich würde mich die auch gerne mal anschauen. Hast Du da einen Kontakt? Mein Italienisch ist halt nonexistent, kann aber jemanden fragen. :) 

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Einen direkten Kontakt zu der Bibliothek in Venedig, die den Fusco-Nachlaß beherbergt, habe ich auch nicht. Auf ihrer Seite schreiben sie, daß der Nachlaß wohl noch ziemlich ungeordnet und auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die werden sicher auch Englisch verstehen, wenn Du da hinschreibst, aber wenn der Bestand nicht öffentlich einsehbar ist, dann könnte es schwierig werden. Bei der University of Wyoming hingegen mit dem Michelet-Nachlaß sieht es meiner Ansicht nach besser aus, denn da steht ja extra dabei: "there are no access restrictions on the materials for research purposes, and the collection is open to the public."
Es dürfte auch fast noch interessanter sein, bei der Michelet-Partitur wenigstens einen kurzen Einblick zu bekommen und zu sehen, ob sich denn da irgendwas deckt mit dem, was auf der CD bzw. im Film enthalten ist.
Jedenfalls ist das ein höchst kurioser Fall, dem man in der Art selten begegnet. Witzigerweise nennt die iltalienische SIAE für VENERE DI CHERONEA gar keinen Komponisten, der Titel taucht in der dortigen Datenbank einfach nicht auf. die SACEM in Frankreich hingegen nennt nur Michelet. Das ist alles total verrückt. Selbst im alten CAM-Katalog aus den frühen 90ern lief die Musik noch unter Michelets Namen, erst im neuen, von Sugar überarbeiteten von vor ein paar Jahren, wird jetzt nur noch Fusco genannt.
Ich bin eigentlich schon auch der Ansicht, daß die Musik doch sehr italienisch klingt und von einem Italiener komponiert worden sein muß. Und ein paar typische Fusco-Stilismen wie etwa die solistische Verwendung der Holzbläser oder so manche Dissonanzen sind schon drin und verweisen recht klar auf ihn als Komponisten. Ein pastorales Thema in der Mitte des Scores weist zudem eine gewisse Ähnlichkeit mit einem für religiöse Szenen in dem ein paar Monate später von ihm geschriebenen Score zum Film-Namensvetter AFRODITE, DEA DELL´AMORE auf. Dieser AFRODITE-Score ist allerdings insgesamt schon deutlich herber als der sehr lyrische und geradezu schmachtende VENERE DI CHERONEA.
Wie gesagt: Trotz aller Erklärungsversuche bleibt es letzthin erst mal ein Rätsel, welche Rolle Michel Michelet eigentlich gespielt hat und warum sein Main Title-Credit nicht mal in der viel später an den Start gegangenen französischen Fassung des Films entfernt wurde.

Da es bei der Veröffentlichung der CD aufgrund von Michelets offiziellem Credit ein regelrechtes Wirrwarr gab, hat Digitmovies ja auf ihrer Seite dann noch dieses Statement hier dazu abgegeben:

"We have received some requests in the last few days to clarify the situation inherent in "LA VENERE DI CHERONEA", the artistic work was carried out by keeping to us strictly to what was reported in the Sugar database, formerly C.A.M.
It appears that Maestro Giovanni Fusco wrote the music score, orchestrated and conducted by Carlo Savina as it is attested in the original contracts and in the worksheets of the soundtrack recorded in 1957.
What happened at the film production / distribution level we can not know.
One can make all the hypotheses of the world, but any plausible explanation is lost in the past, well sixty-one years ago.
Although the name of Michel Michelet appears in the opening credits, the database reports everything to Maestro Giovanni Fusco."


 

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Hmmm... an den Fusco-Nachlass ist anscheinend wirklich nicht leicht ranzukommen. Wenn das nicht geordnet ist und vor allem auch die Rechte nicht frei sind, kann man sich eine Digitalisierung abschminken und die Partitur vielleicht noch nicht einmal vor Ort einsehen. Gibt es denn zu AFRODITE eine Veröffentlichung? Bisher bin ich von Fusco, was seine Peplum-Sachen angeht, echt noch nicht enttäuscht worden.

Ich vollziehe jetzt jedenfalls mal einen Schwenk von Fusco zu einem anderen altbekannten Komponisten:

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Francesco de Masi & Giovanni Fusco – COL FERRO E COL FUOCO

„Mit Feuer und Schwert“ bildet den ersten Teil einer Romantrilogie des polnisches Autors Henryk Sienkiewicz, und handelt von der Kosakenrebellion in der Ukraine in den Jahren 1648–1651. In der verhältnismäßig aufwendigen Verfilmung von Fernando Cerchio aus dem Jahre 1962 spielt Pierre Brice einen Leutnant der polnischen Truppen, den mit Kosakenführer Bohun eine erbitterte Feindschaft verbindet.

Ursprünglich sollte Giovanni Fusco die Musik zu COL FERRO E COL FUOCO komponieren. Dieser stellte aber nur zwei Themen fertig, bevor er aus Zeitgründen das Projekt verließ, sodass Francesco de Masi die Aufgabe übernahm. Es ist nicht klar, welche zwei Themen von Fusco stammen, da die Partitur weitaus mehr melodische Elemente enthält. In der Ouvertüre wird ein markantes Blechmotiv vorgestellt, das erst später im Verlauf einiger Schlachtszenen wieder aufgegriffen wird. Ein anschließendes lyrisches Thema der Streicher, das durchaus als Liebesthema vorgesehen sein könnte, spielt im weiteren Verlauf der Musik schließlich gar keine Rolle mehr. Den größten Raum der Musik nimmt ein fanfarenartiges, optimistisches Dur-Thema für die polnischen Soldaten ein, das überwiegend in den Trompeten über eine rhythmische Begleitung der Streicher intoniert wird und hauptsächlich die Rittszenen der Protagonisten unterlegt. In einer besonders strahlenden Variante erklingt es auch bei einer Zeremonie, als einer der polnischen Soldaten zum Ritter geschlagen wird, während es gequält und schrill erklingt, als ein polnischer Heerführer von den Tarten getötet wird.

Für Jan und Helen komponierte de Masi ein eigenes Liebesthema, das stets sanft in den Streichern erklingt. Das Liebesthema wird stellenweise mit einem Seitenthema erweitert, das in seiner fallenden Bewegung ein bisschen an die Streichermelodie aus der Ouvertüre erinnert. Als drittes wichtiges melodisches Element führt de Masi ein unheilschwangeres Motiv für Bohun ein, das oftmals als dunkler und schwerer Blechchoral arrangiert wird, aber auch in dramatischen Passagen kraftvoll zur Geltung kommt.

Auch die Actionpassagen sind fast durchgehend melodisch gestaltet. So etabliert de Masi in der Mitte der letzten Schlacht eine gleichsam diegetische Fanfare (Sequenza 38), die in der anschließenden Schlachtmusik (Sequenza 15) auch in die orchestrale Begleitung verwoben und dem markanten Thema der Ouvertüre gegenübergestellt wird, bevor eine triumphale Darbietung des Polen-Themas den Sieg der Protagonisten verkündet. Doch damit nicht genug: de Masi komponierte für die Kampfszenen noch ein weiteres, signalartiges Motiv, das in seinem Arrangement ein wenig an ähnliche Motive aus den Historienfilmmusiken Miklós Rózsas erinnern. Eine weitere Facette bilden zwei diegetische Passagen, die wahrscheinlich an Balalaikamusik erinnern und osteuropäisches Flair versprühen sollen. Doch in Ermangelung authentischen Instrumentariums setzte de Masi Mandolinen und Gitarren ein.

Insgesamt komponierte de Masi eine überaus ansprechende orchestrale Historienfilmmusik mit zahlreichen Themen. Auch die Kampfpassagen verfügen über genug Wucht und sind durch die Einbindung der unterschiedlichen Themen gut strukturiert. Reine Spannungsmusik findet sich kaum und wenn, dann in sehr kurzen Titeln. Die allgemeine Kürze der einzelnen Musikstücke könnte generell als Manko dieser Musik bemängelt werden, da sich kaum eine musikalische Entwicklung vollzieht, sondern die einzelnen Abschnitte meistens knappe, in sich geschlossene Varianten eines Motivs oder Themas bilden.

Die Musik zu COL FERRO E COL FUOCO wurde erst im Rahmen der Kronos-Gold-Edition zugänglich gemacht. 2014 veröffentlichte das Label die vollständigen Aufnahmen in überraschend klarer Klangqualität. Es ist leider nicht unüblich, dass italienische Veröffentlichungen mit Informationen zu der jeweiligen Musik geizen. So enthalten die einzelnen Titel weder individuelle Titel, noch sind sie in einer nachvollziehbaren Reihenfolge angeordnet. Eine einigermaßen chronologische Abfolge der Stücke im Film mit pragmatischen Titelbezeichnungen habe ich daher einmal unten aufgestellt.

Trotz der Mängel, über die man in Anbetracht der unterhaltsamen Musik gerne hinwegsieht, kann ich dieses Album all denen empfehlen, die sich an orchestraler und thematisch reicher Historienfilmmusik freuen.

 

02 – Vorspann

42 – Ritt der polnischen Soldaten

19 – Ritt in die Festung

22 – Überfall im Wald

28 – Elenas blinder Bruder

03 – Andrejs Ankunft

26 – Bankettmusik

32 – Bohun und Jan

33 – Gnade

29 – Helen möchte Jan besuchen/Jan und Bohun

35 – Abschied von Jan/Die Polen und die Ukrainer verlassen die Burg

43 – Jans Rückkehr/Helen und Jan im Wald

40 – Jan fasst einen Entschluss

41 – Helen und Jan

32 (00:00 – 00:17) – „Öffnet das Tor!“

05 – Ankunft der polnischen Soldaten

42 – Nächtlicher Ritt

34 (00:00 – 00:25) – Nächtlicher Besuch von Bohun

14 – Bohun Zorn/Blutige Rache

21 – Nach dem Massaker/Elenas Onkel spuckt Bohun ins Gesicht

39 – Blutige Hände

16 – Ritt durch den Wald/In der Hütte

06 – Bohun wirft den Dolch versehentlich ins Heiligenbild

18 – Alarm/Überfall

10 – Siegesfeier

31 – Der Gefangene

30 – Tod des Generals

12 – Bohun bei dem gefangenen Jan

27 – Jan wird abgeführt/Plünderung/Rettung durch die Polen

09 – Nach dem Kampf/Begegnung mit Jan

11 – Jans Bericht/Pirsch durch den Wald

07 – Von Bohun überrascht

23 (00:00 – 00:21) – Die Geiseln/Helen flieht

01 – Elenas Onkel stirbt/Bohuns Flucht

13 - Ritterschlag/Panik

08 – Ukrainische Delegation

34 (00:00 – 00:25) – Bohun reitet fort

24 – Helen und Jan/In der Kirche/Die polnischen Soldaten begeben sich in den Wald

17 – Kampf/Jan wird verwundet

36 – Der Verwundete wird in die Festung getragen

37 – Die Prinzessin bangt

20 – Das tartarische Heer/Angriff und Kampf

38 – Fanfare

25 – Die Tartaren greifen die polnische Artillerie an

15 – Aufstellung der Kavallerie/Angriff

44 – Triumph

45 – Bohuns Tod/Finale

 

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vor 23 Stunden schrieb Mephisto:

Hmmm... an den Fusco-Nachlass ist anscheinend wirklich nicht leicht ranzukommen. Wenn das nicht geordnet ist und vor allem auch die Rechte nicht frei sind, kann man sich eine Digitalisierung abschminken und die Partitur vielleicht noch nicht einmal vor Ort einsehen. Gibt es denn zu AFRODITE eine Veröffentlichung?

Nein, zu AFRODITE DEA DELL´AMORE gibt es keine Veröffentlichung. Und es wird sicher auch keine mehr geben, da die Rechte für diese Musik bei Nazionalmusic lagen und nicht bei CAM. Die Originalbänder sind also schon lange vernichtet.
Sugar/CAM hätten noch zwei Peplum-Scores von Fusco, die noch nicht veröffentlicht worden sind, -  das wären DONNA DEI FARAONI und IL SEPOLCRO DEI RE,  beide von 1960. Merkwüdigerwesie hat sich dafür kein Label bislang groß interessiert.

VIelen Dank auch für das detaillierte Tracklisting von COL FERRO E COL FUOCO. Höchst eigenartig, welch ein Kuddelmuddel Kronos bei dieser CD veranstaltet hat. Da ist ja weder was chronologisch richtig angeordnet noch ist irgendein Versuch gemacht worden, kürzere Stücke zusammenzufügen, um so einen etwas besseren Hörfluß hinzubekommen. Ist mir völlig unverständlich wie es zu so was kommt, denn das Label hatte doch mit Sicherheit das Cue Sheet von CAM  mit allen M-Nummern zur Verfügung, so daß eine weitaus bessere Sequenzierung jederzeit möglich gewesen wäre.

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Ich freue mich, dass ich mich revanchieren konnte! Vielleicht hat man einfach die Reihenfolge auf den Bändern verwendet, wobei das wirklich keinen Sinn ergibt - vor allem, wenn sie die entsprechende Reihenfolge hätten rekonstruieren können. Ich selber bin kein großer Freund davon, kleinere Stücke zusammenzufassen. Man merkt doch zu 90%, dass es sich da um musikalische Einzelmomente handelt. Mir ist es viel lieber, wenn die Stücke zwar als einzelne Tracks anwählbar sind, aber dafür keine Pause gelassen wird. So ergibt sich meistens auch ein guter Fluss ohne dieses erzwungene Stückwerk.

Ich hoffe natürlich auf eine Veröffentlichung der beiden verbliebenden Fusco-Musiken :) Nächste Woche geht's aber erstmal mit de Masi weiter.

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Die Reihenfolge wie sie auf den zwei oder drei Bändern war hat Godwin Borg sicher nicht verwendet, denn sonst würde  man nicht den Main Title am Anfang und das Finale am Ende der CD auffinden. Und die beiden Tracks sind garantiert nicht so schön aufgeteilt auf den Bändern drauf gewesen, denn meistens wurden die M-Tracks damals nicht nach der Numerierung aufgenommen, sondern man hat eher drauf geachtet, welche Orchestersektion für welche M-Tracks gebraucht wurde und diese dann auch in der Art nacheinander eingespielt. Bei den meisten italienischen Recording Sessions aus der Zeit, die mir bislang so in die Hände gekommen sind, ist es so gelaufen. Daher finden sich oft großorchestrale Stücke direkt hintereinander auf den Bändern oder auch alle möglichen Spannungsstücke gebündelt. Oft ist es daher auch so, daß man nach dem Main Title gleich das Finale aufgenommen hat, da der Stil der Musik meist derselbe war und auch die benötigte Orchestergröße.
Ich glaube auch nicht, daß Godwin Borg mit dem Film selbst hier irgendwas abgeglichen hat, denn sonst hätte er für die CD Tracktitel übernommen. Bei Lavagninos I FRATELLI CORSI (auch von Sugar/CAM) hat er hingegen mit Tracktiteln direkt aus dem Film gearbeitet und auf dieser Kronos-CD  ist wenigstens auch alles einigermaßen chronologisch angeordnet. Da war er wohl auch gezwungen dazu, sich das näher anzuschauen, da ein Band von insgesamt drei gefehlt hat und vor allem Stücke zwischen M2 und M20 abgehen.  Da ich das Cue Sheet in dem Fall hatte (der Score hat insegsamt 76 M-Tracks), konnte ich auch den exakten Vergleich machen und von daher weiß ich das. Immerhin ist  zum Glück trotzdem das Wesentliche vom Score auf der CD und es sind eher kleinteilige Stücke und ein paar Soruce-Tracks, die abgehen - man hätte es sich schlimmer vorstellen können.
Was die Zusammenfassung kürzerer Stücke betrift, so gibt es da große Unterschiede zu beachten: Man muß sich den Film selbst dazu anschauen, um zu entscheiden, ob kürzere Stücke zusammengehören oder nicht oder ob man ein 20 oder 30-Sekunden-Stück einfach ganz rauswirft, wenn es musikalisch auf CD so gut wie nichts einbringt.  Wenn ein Zusammenhang im Film da ist oder man gar nur bei den Recording Sessions aus einem längeren Track zwei oder sogar drei M-Cues gemacht hat, dann ist es völlig klar, daß man die zusammeneditieren kann. Wenn jedoch ein 20/30-Sekunden-Stück nur für sich allein im Film steht, dann muß man sich schon überlegen, ob man es überhaupt mit auf die CD nimmt oder wo man es passenderweise sonst noch unterbringen könnte. War jedenfalls stets meine Vorgehensweise bei unseren bisherigen Lavagnino-CDs auf Alhambra und ich denke, daß wir damit auch ganz gut gefahren sind.

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Francesco de Masi – GLI SCHIAVI PIÙ FORTI DEL MONDO/LA VENDETTA DI SPARTACUS

1992 veröffentlichte CAM erstmals die Musik zu zwei von Francesco de Masi vertonten Peplum-Filmen: Gli schiavi più forti del mondo und La vendetta di Spartacus. Dabei nimmt Gli schiavi più forti del mondo mit knapp 44 Minuten Laufzeit den weitaus größeren Platz des Albums ein. Für den 1964 in Deutschland unter Tribun und Verschwörer erschienenen Film komponierte de Masi eine überaus solide Orchestermusik, in deren Mittelpunkt das Thema für die sieben Protagonisten steht. Dieses wird nicht fanfarenschmetternd und Triumphal eingeführt, sondern als getragener Marsch, da die Protagonisten, denen es zugeordnet ist, als Sklaven beim Bau eines Aquädukts ihr elendes Dasein fristen. Im weiteren Verlaufe der Partitur setzt de Masi die motivische Keimzelle des Marsches in zahlreichen Kontexten ein. Besonders in den zahlreichen Actionpassagen erklingt das Motiv – nun nach Dur gewendet – strahlend und zuversichtlich in den hohen Blechbläsern, wenn die Protagonisten während eines Aufstands entkommen können und ihren Rachezug antreten. Während de Masi bei der Verarbeitung seines Hauptthemas sein handwerkliches Können unter Beweis stellt, konnte er mit einem lyrischen Thema für Claudia, der Geliebten einer Hauptfigur, sein melodisches Talent voll zur Blüte bringen. Claudias Thema wird als sanftes Violinsolo eingeführt und anschließend von den Streichern übernommen. Im Gegensatz zum Hauptthema variiert der Komponist Claudias Thema, das traditionellerweise auch als Liebesthema fungiert, nicht auffällig, sondern greift es noch an weiteren Stellen fast unverändert auf. Dennoch gehören die Auftritte von Claudias Thema zu den Höhepunkten der Partitur, die durchgängig auf gutem Niveau gearbeitet ist und alle Ingredienzien einer historischen Abenteuerfilmmusik enthält wie zum Beispiel das bedrohliche Motiv für den Gegenspieler, das schon in „La sfida degli schiavi“ anklingt und anschließend „Entrata di Caio“ in einem massiven Arrangement für Blechbläser eröffnet und auch kurz in „Claudia seguita“ auftaucht. Die heitere Musik für einen Gaukler lockert die Partitur zusätzlich mit dem vergnügten Spiel der Holzbläser auf. Neben den schmachtenden Violinsoli für die weibliche Hauptfigur, ein paar Mickey-Mousing-Momenten wie den abfallenden Holzbläserläufen in „La sfida degli schiavi“ oder den flirrenden, mit Vibraphonklängen angereicherten Streichern für die sengende Wüstenhitze in „Il deserto infuocato“ verfügt Francesco de Masi kompetent alle üblichen musikalischen Klischees, ohne seine persönliche Klangsprache aufzugeben. Vor allem die angespannten hohen Streicherakkorde in „La sfida degli schiavi“ hört man so auch in mehreren seiner Western-Musiken.

Dem Komponisten stand ein durchschnittlich besetztes Orchester zur Verfügung, das er, wenn auch nicht virtuos, so doch sicher beherrscht. Besonders während des zehrenden Wüstenmarschs und der anschließenden Errettung schöpft de Masi das Potential des Klangapparats voll aus, wenn in „La salvezza“ sanfte Streicherarpeggien und verheißungsvolle Flötentriller zu einer leidenschaftlichen Streichermelodie überleiten. Die Qualität der Kampfmusiken ist durchwachsen. Während die scharfen Blechattacken und die motivischen Einwürfe aus dem Hauptthema während des Aufstands und der Flucht der Sklaven noch mitreißen können, verliert die Actionmusik im letzten Drittel an Kraft. Vor allem das Bassfundament, das fast ausschließlich aus rollenden und donnernden Paukenwirbeln besteht, über die das Blech einzelne Motive schichtet, lässt die Musik statisch erscheinen. Agilere Figuren der tiefen Streicher und Bläser, gewürzt mit knackigen Schlagzeugattacken wie in „La battaglia notturna“ oder „Combattimento con le fiaccole“ hätten der Musik hier weitaus mehr Kraft verleihen können. Insgesamt fehlt der Musik das gewisse Etwas, was sie über kompetent gemachten Durchschnitt hebt. Für Fans des Genres und des Komponisten kann diese Musik meines Erachtens einiges Hörvergnügen bieten und die Fantasie anregen, aber sie kommt eben nicht an Cicogninis Ulysses, an die Herkules-Musiken von Masetti, Fuscos Troja-Scores oder Rosselinis Cleopatra heran.

Der Grund, warum ich trotzdem eine Kaufempfehlung für dieses Album ausspreche, sind die rund 28 Minuten zu La vendetta di Spartacus, der eine inoffizielle Fortsetzung von Stanley Kubricks Spartacus darstellt. De Masi orientiert sich natürlich nicht an Alex Norths Musik zum Kubrick-Film, sondern schuf eine kraftvolle Orchesterpartitur, deren Schwerpunkte auf einem schwelgerischen Hauptthema und mitreißenden Actionpassagen liegen. Nach einer verhaltenen Musik für den Prolog entfesselt der Komponist die Wucht des Orchesters mit einer dramatischen Figur der tiefen Blechbläser, die von grellen Fanfaren kontrakariert wird. Aus dieser Eröffnung entspinnt sich schließlich das Hauptthema in den Streichern, das eigentlich sehr kurz gehalten ist, von de Masi aber durch Sequenzen – also Wiederholung dergleichen Tonfolge auf unterschiedlichen Tonhöhen – „gestreckt“ wird. Durch diese lange Fortspinnung riskiert de Masi den individuellen Charakter seines Themas, doch das schwelgerische Arrangement macht dieses Manko größtenteils wett. Indem der Komponist das Thema auch in mehreren Actionpassagen voll ausspielen lässt, enthalten die Kampfmusiken einen eher weichen und strukturierten Charakter. Dennoch vermag de Masi auch mit ungeraden Rhythmen wie dem 5/4-Takt in „Incursione nel granaio“ oder die sich überlagernden Trompetensignale zu Beginn von „Imboscata sulla spiaggia“ auch den Actionpassagen die nötige Energie zu verleihen. Wie auch im Falle von Gli schiavi più forti del mondo bildet die Musik zur weiblichen Hauptfigur mit einem ausladenden Violinsolo einen besonderen Höhepunkt der Musik, wobei sich bei La vendetta di Spartacus anbot, auf das schwelgerische Hauptthema zurückzugreifen, das in „Idillio di Cinzia“ in einem besonders zauberhaften Arrangement erklingt.

Insgesamt erhält man auf diesem Album mit Gli schiavi più forti del mondo eine überaus solide und kompetente Musik, die mit der wirklich starken Komposition zu La vendetta di Spartacus mehr als ausgeglichen wird und insgesamt viel Freude bereiten kann. Beide Musiken wurden wahrscheinlich nahezu vollständig veröffentlicht, denn 2016 veröffentlichte Digitmovies Gli schiavi più forti del mondo in einer „Solofassung“, die neben ein paar Fanfaren und einer fünfminütigen Suite größtenteils nur alternative und Filmversionen zu den bereits veröffentlichten Auszügen enthielt. La vendetta di Spartacus ist bisher nur auf der CAM-CD, die 2003 noch einmal aufgelegt wurde, erhältlich, sodass ich davon ausgehe, dass kein weiteres Material, das eine Wiederveröffentlichung gerechtfertigt hätte, existiert. Mit den erhältlichen 27 Minuten ist man aber auch hervorragend bedient!

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Francesco de Masi – SOLIMANO, IL CONQUISTATORE

Komponist Francesco de Masi war gerade einmal 30 Jahre alt, als er den Auftrag annahm, die Musik zu SOLIMANO, IL CONQUISTATORE zu schreiben, und schuf eine äußerst frische und eindrucksvolle Orchesterpartitur.

Als Hauptthema komponierte de Masi eine sehr lyrische Melodie mit „slawischem“ Einschlag, die sich während der Titelmusik zu einer schweren Hymne steigert. Dieses Thema durchzieht die Partitur in mannigfacher Weise, teils als dunkel schimmerndes Flötenduett über eine gleichmäßig absteigende Basslinie der tiefen Streicher oder sanft von den Violen über gezupfte Bässe und Celli vorgetragen, unterlegt es ebenso Dialogszenen wie es in den Kampfszenen immer wieder als Ursprung der schmetternden Blechfanfaren zu erkennen ist. Aus dem Hauptthema leitete der Komponist ein weiteres, sehr ähnliches Thema ab, das aufgrund der eröffnenden Dreiklangsbrechung auch als Armeesignal Verwendung findet. Diesen beiden lyrischen und sehr sanglichen Elementen stellt der Komponist einen brutalen Marsch im wuchtigen 5/4-Takt gegenüber, der Suleimans Streitkräften zugeordnet ist.

Doch damit nicht genug: de Masi komponierte weitere Themen, um seine Partitur möglichst melodisch zu gestalten. Zu den Höhepunkten der Musik zählt zweifellos das lyrische Flötensolo für Esma sowie eine wunderschöne zarte Streicherpassage, in der jede Note de Masis Stil zu spüren ist.

Auch die zahlreichen Kampfszenen wusste der Komponist angemessen zu vertonen. Auch hier nehmen die überaus dramatischen Gesten diverse ähnliche Passagen aus seinen späteren Western-Musiken vorweg, allerdings wirkt die Instrumentierung in SOLIMANO, IL CONQUISTATORE viel kräftiger. Hämmerndes Schlagwerk und dröhnendes Blech bilden die Hauptbestandteile der aktionslastigen Abschnitte. Des Weiteren komponierte de Masi auch zwei diegetisch anmutende Tanznummern. Insbesondere mit der von den Mandolinen über einen dezenten Trommelrhythmus intonierte Melodie zu Suleimans Tanz zaubert de Masi noch im letzten Drittel ein einprägsames Thema hervor, das anschließend weiter in der extradiegetischen Musik weiterverarbeitet wird.

Zum Filmstart war keine Sekunde dieser einfallsreichen und erfrischenden Partitur erhältlich. Erst 1979 erschien bei Beat Records eine luxuriöse Doppel-LP mit rund einer Stunde Laufzeit. Dieser Albumschnitt wurde nun ohne Änderungen in die Kronos-Gold-Edition aufgenommen. Dabei wurden jeweils mehrere Passagen zu längeren Blöcken zusammengefasst, aber löblicherweise auf Überblendungen einzelner Stücke verzichtet, sodass man stets erkennt, wann ein neuer Abschnitt beginnt. Dem Hörfluss ist dieses Verfahren mit Ausnahme der Musik zu Samograds Tanz nicht abträglich. Hier aber gestaltet sich die mehrfache Wiederholung ähnlicher Abschnitte aus ermüdend, zumal zwischendrin auch zweimal die lyrische Streicherpassage auftaucht und den Fluss der tänzerischen Musik zusätzlich stört.

Die Klangqualität ist dem Alter der Aufnahmen natürlich nicht mehr astrein, aber die orchestrale Wucht kommt immer noch gut zur Geltung, hin und wieder klingt es etwas dumpf und/oder schrill, aber was will man bei 57 Jahre alten Aufnahmen erwarten?

SOLIMANO, IL CONQUISTATORE bildet jedenfalls eine willkommene Bereicherung der CD-Sammlung in der Abteilung orchestrale Abenteuerfilmmusik. De Masi präsentiert sich hier als hervorragender Handwerker mit einer Gabe für einprägsame Themen.

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