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Da ich mich in letzter Zeit wieder vermehrt mit Piccionis Filmmusik beschäftige (an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Stefan), verspüre ich das Bedürfnis, mich zu einigen seiner Werke anerkennend zu äußern. Natürlich ist Piccioni jemand, der hier im Forum bisher wenig Beachtung gefunden hat, und das kann man ja ruhig mal ändern, zumal sich in seiner üppigen Filmografie sowohl Genre-Titel wie auch etliche anspruchsvollere, zum Teil vergessene, Perlen finden. Und freilich gehe ich da erstmal von persönlichen Präferenzen aus, wie z.B.:

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Ich weiß nicht mehr genau, im welchem Alter mir dieser Film von meinem Vater vorgeführt wurde, aber es war noch zu einer Zeit, als mir der Name Piccioni noch gänzlich unbekannt war. Die 35-mm-Kopie, die da in den heimischen vier Wänden zum Einsatz kam, wies die eine oder andere Klebestelle auf, war im Großen und Ganzen aber in einem sehr ordentlichen Zustand. Die Geschichte einer Piratenmeute, die sich auf einer Felseninsel einnistet, und mit dem Leuchtturmwärter Denton eine Hetzjagd im "Most Dangerous Game"-Stil veranstaltet, lag mit ihrem nihilistischen Duktus und den nicht unbeträchtlichen Grausamkeiten durchaus im Trend der Zeit und hatte mit den schwungvollen Seeräuberspektakeln vergangener Tage nicht mehr viel gemein. Mich hat es jedenfalls schwer beeindruckt, und der Film lief danach noch mehrmals über den Spulenturm unseres Bauer-Projektors.

Piero Piccioni ist mir danach lange Zeit nie mehr begegnet. Ich verband seinen Namen ausschließlich mit jener unwirtlichen Insel auf der sich Kirk Douglas und Yul Brynner ihr erbarmungsloses Duell liefern. Mit den enervierenden, hypnotischen Stücken zu denen Douglas durch die felsige Landschaft gehetzt wird, mit den samtigen Streichern und Carillon-Klängen, mit denen Denton sich an seine verflossene Liebe Emily Jane zurückerinnert. Mit dem aufwühlenden Kongre-Motiv und natürlich mit jener ausladenden, romantisierenden,  von Abenteuern und fernen Orten erzählenden Titelmusik.

Papa ist dann vor ein paar Jahren gestorben. Und welches Musikstück wäre als Trauerbegleitung besser geeignet gewesen als dieses, das sowohl mit persönlicher Erinnerung verbunden ist, wie auch die angemessene Würde und Erhabenheit auszustrahlen vermag?

 

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In seiner früheren Schaffensphase hat Regisseur Mauro Bolognini mehrmals mit Piccioni zusammengearbeitet, bevor er später eher auf Morricone als bevorzugten Komponisten zurückgriff.

Der junge Emilio (Anthony Franciosa) lebt mit seiner Schwester in einer Wohnung in Triest. Sein Leben verläuft bieder und ereignisarm, bis er sich in die attraktive Angiolina (Claudia Cardinale) verliebt, die einen selbstgefälligen Charakter besitzt und zu einem ungezwungenen Lebenswandel neigt. Emilio gerät in einen Sog aus Abhängigkeit und Eifersucht, den Bolognini ohne jede ironische Brechung mit der Schwere einer klassischen Tragödie inszeniert. Die stilvolle Schwarz-weiß-Fotografie und die beeindruckenden Schauplätze von Triest mit ihren barocken und neoklassizistischen Bauten, das ist schon eindrucksvoll. Aber auch eine erste, längere Kuß- und Konversationsszene der beiden Protagonisten weiß Bolognini ausdrucksstark (und ohne Musik) vor dem Hintergrund eines dampfenden Industriegeländes zu inszenieren.

Die Musik ist bis ins Detail stimmig, warmherzig, aber stets von Zweifeln begleitet, zunehmend dramatisch und auf ein fatales Ende zusteuernd. Das Album folgt nicht der Filmreihenfolge. Es beginnt mit dem Stück MUSICA DELLA NOTTE, das im Film nach etwa der Hälfte der Laufzeit einsetzt und den von Argwohn und Kummer geplagten Emilio beim ziellosen Umherirren durch die nächtlichen Straßen begleitet. Ein Stück von großer emotionaler Spannung und Empathie, das auf höchst eindringliche Weise den Seelenzustand des Protagonisten auslotet. Ein zweites Thema wird vorstellig in einem schwerfälligen TANGO mit leicht grotesken Zügen. TEMA DI AMALIA ist ein elegisches Kleinod, das Emilios Schwester zugedacht ist, die im Film ebenfalls ein tragisches Schicksal erfährt. CHIMERA hantiert mit melancholischen, hallenden Klavierklängen, die zusammen mit der behutsamen Begleitung einen entrückten Charakter annehmen. In u.a. AMORE VANO und QUASI AMORE schließlich kommt das wunderbare Liebesthema in vollem Streicherglanz zur Geltung.

Und noch eine Szene möchte ich herausgreifen: Nach der ersten Annährung, die gänzlich ohne Musik stattfindet, besucht Emilio Angiolina in ihrer Wohnung. Er steigt die verwahrlosten Treppen eines heruntergekommenen Mietshauses empor, wird oben von ihr und ihrer Mutter empfangen. Er stellt sich vor, es gibt etwas Unruhe mit herumspielenden Kindern. Sie bittet ihn in ihr Zimmer und schließt die Tür. In dem Moment setzt das Tango-Thema wieder ein, diesmal in einer helltönenden, sphärenhaften Variante (MUSICA DEL MARE). Er befindet sich nun am Ziel seiner Wünsche, in einer Art Zauberwelt, den tristen Alltag hinter der Zimmertür zurücklassend. Derlei clevere Musikeinsätze finden sich mehrfach im Film, den ich vielleicht nicht mehr zur Gänze zum italienischen Neorealismus zählen würde, der aber noch deutlich von diesem beeinflußt ist.  

Es sollte klar geworden sein: SENILITA ist mein absoluter Piccioni-Favorit. Zutiefst romantisch, aber gleichsam auch dramatisch und atmosphärisch unglaublich dicht, nach Piccionis eigener Aussage inspiriert von Debussy. Aber auch den Film sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

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LA VIACCIA ist etwa ein Jahr vor SENILITA entstanden und behandelt das sehr ähnliche Thema von Liebe und Abhängigkeit, und auch hier führt der Weg für den männlichen Part in den Untergang, da die Frau in der Lage ist, in letzter Konsequenz aus opportinistischen Erwägungen zu handeln. 1885: Der junge Amerigo (Belmondo) lebt im Kreise seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen in der italienischen Provinz. Nach dem Tod des Großvaters wird Amerigo in die Stadt geschickt, wo er in der Weinhandlung eines Verwandten eine Arbeit findet. Eines Tages lernt er die Prostituierte Bianca (Cardinale) kennen und verliebt sich in sie. Um sie weiterhin besuchen zu können, bestiehlt er seinen ausbeuterischen Arbeitgeber, was zu weiteren Konflikten führt.

Für die Filmmusik adaptiert Piccioni hier Debussys RAPSODIA PER SAX E ORCHESTRA, was auch ganz wunderbar funktioniert. Die Debussy-Stücke ergänzen sich trefflich mit Piccionis eigenen Kompositionen, bei denen er  sich diesmal mehr auf solistische Holzbläser-Einsätze und sehr düstere Klangfarben konzentriert. Samtige Streicherflächen, wie noch in SENILITA, gibt es hier nicht. Überhaupt ist die Musik hier um einiges spröder, besitzt weniger Oberflächenreize, und kommt so der trübseligen Stimmung von Bologninis Sozialdrama entgegen. Dennoch ein lohnenswertes Album, das auch diverse Source-Music-Tracks enthält, mit denen die Bordell-Szenen ausgestattet sind.

Die deutsche Kinofassung des Films (Ohne O-Ton, mit deutschen Vorspanntiteln) ist auf einer empfehlenswerten DVD erschienen. Sauber abgetastet von einer gut erhaltenen Kopie, mit leichten Verschmutzungen, gelegentlich holprigen Übergängen bei Spulenwechseln und authentischem Zelluloid-Flair.

 

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IL MOMENTO DELLA VERITA

Diesen Film habe ich vor langer Zeit mal in der Fernsehausstrahlung gesehen, von daher ist er mir nicht mehr in allen Details präsent. Es geht um einen jungen Mann aus provinziellen Verhältnissen, der in der Strierkampfarena zum umjubelten Helden wird. Die Geschichte wird mit Pathos und psychologischem Unterbau erzählt, und natürlich sind die Kämpfe in der Arena auch metaphorisch zu verstehen. Kamera und Schnitt sind exzellent, werden zum Teil bewußt zerfahren eingesetzt, was den Eindruck von improvisiertem Dokumentarmaterial erzeugt.  Tatsächlich ist hier nichts gestellt, und auch das Blut, das den Tieren aus Wunden und Mäulern läuft, ist echt, was diesen Film, so eindrucksvoll ich ihn damals auch fand, zu einem zwispältigen Erlebnis macht, bei dem man um die moralische Grundsatzfrage als Zuschauer nicht herumkommt.

Die Filmmusik habe ich seinerzeit, noch bevor ich den Film gesehen hatte, durch die CAM-CD kennengelernt. Und noch heute verspüre ich eine gewisse nostalgische Zuneigung zu den Scheiben aus CAMs Soundtrack-Encyclopedia, war es doch jene Serie mit dem markanten Cover-Design und den spärlichen, holprig übersetzten Texten, die mir damals meinen ersten Zugang in die Welt südeuropäischer Filmmusik abseits der gängigen Titel erstmals ermöglichte.

Mit schwerer Kirchorgel, satten Streicherflächen und Corrida-Fanfaren entfacht Piccioni eine aufwühlende Tour-de-Force, deren Melodik einfach atemberaubend ist. Dem Stierkämpfer wird hier nicht bloß gehuldigt, er wird  geradezu in sakrale Sphären gehoben. Das ist grandios anzuhören und nach ca. 17 Minuten vorbei, denn man hat lobenswerterweise den Score in 7 aufeinanderfolgenden Tracks präsentiert, getrennt von den Jazznummern, die sich mit den Track 8-12 anschließen.  Eine der essenziellen Piccioni-CDs!

 

 

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SCHÖNE ISABELLA / C´ERA UNA VOLTA

Ich weiß nicht, wie Carlo Ponti auf die Idee gekommen ist ausgerechnet Francesco Rosi den Regieauftrag für einen Märchenfilm (und Star-Vehikel für Sophia Loren) zu übertragen. Was im ersten Augenblick einfach nicht zusammenpaßt, erweißt sich im Ergebnis als charmante, volkstümelnde, von Rosis regulärem Kameramann Pasqualino De Santis sehr gut gefilmte Aschenputtel-Mär um zaubernde Hexen, einen schwebenden Mönch, einer Küken-Invasion und sieben Semmelklöße.

Nicht nur aus meiner Sicht, auch nach Piccionis eigener Einschätzung ist diese Partitur eine seiner allerschönsten. Eine äußerst charmante und wunderbar melodische Musik mit einem hinreißenden Hauptthema (Prince Rodrigo). Gleichermaßen elegant wie lebhaft strahlt es mit den Hörnern auch die nötige Erhabenheit aus. Der Score ist bei GDM auf CD erschienen, allerdings würde ich zur FSM-Edition raten, die sowohl den LP-Schnitt der US-Version (mit der für den US-Markt konzipierten vorangestellten Song-Fassung des Themas) bietet, wie auch den kompletten Score in chronologischer Reihenfolge. Dieser ist um einiges umfangreicher und enthält u.a. mehr von den rhythmischen Turnier-Stücken und vor allem die komplette Musik zum Geschirrspül-Duell die bei GDM mittendrin einfach ausgeblendet wird.

 

 

 

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LE MANI SULLA CITTA (Hände über der Stadt):  Edoardo Nottola ist Abgeordneter im neapolitanischen Stadtparlament und skrupellos agierender Bauspekulant. Bei den Arbeiten an einem von ihm iniziierten Wohnungsbauprojekt stürzt (in einer beklemmend realistischen Szene) ein angrenzendes Mietshaus ein. Es gibt Tote und Verletzte, und es stellt sich heraus, dass das Haus unzureichend gesichert war. Daraufhin gerät er ins Visier seiner politischen Gegner, die ihn auf diese Weise zur Rechenschaft ziehen wollen. Vergangene Korruptionsaffären werden aufgedeckt und veröffentlicht, doch Nottola ist nicht so leicht beizukommen und so steuert der Film auf ein zynischen Ende zu.

Ein meisterhaft inszeniertes Drama von Francesco Rosi mit einem nicht minder genialen Rod Steiger in der Hauptrolle. Der Film beginnt (und endet) mit einer Hubschrauber-Persepektive über dem Häusermeer von Neapel. Die Titelmusik klingt nach Krimi, ist aufbrausend und aggressiv. Eigentlich ungewöhnlich für Rosi, der bei solchen politisch brisanten Themen doch musikalisch eher diskret zu Werke geht. Score gibt es im weiteren Verlauf des Films dann aber auch sehr wenig. Sehr viel weniger als sich auf der CD befindet, die natürlich sämtliche eingespielte Varianten des Themas bietet, abwechseld mit launigem Lounge-Jazz. Unterm Strich sind das 17 Tracks von recht repetitivem Charakter. Dennoch ein guter Score in sehr ordentlicher Klangqualität.

In SALVATORE GIULIANO (Wer erschoß Salvatore G?) arbeitet Rosi einen authentischen Fall auf, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht lange zurücklag. Zum Teil griff er dabei auf Laiendarsteller zurück, die auch in die tatsächlichen Vorfälle involviert waren. Der Bandit Guiliano wird in einem Hinterhof tot aufgefunden. Anscheinend bei einem Polizeieinsatz in Notwehr erschossen. Als der Fall aufgerollt wird, kommen jedoch Details ans Licht, die eher auf eine gezielte Hinrichtung hindeuten und zu einem eng verzahnten Räderwerk zwischen Polizei, Mafia und Politik führen. Piccioni hat hierzu einen überaus ungewöhnlichen Score geschaffen, der mit langgezogenen, dissonanten Klangflächen und beklemmenden Motiven in tiefen Tonlagen zur Aufmerksamkeit zwingt. In einer begrüßenswerten Entscheidung wurde die Musik zu einer 14-minütigen Suite zusammengeschnitten, die sich wirklich sehr gut und interessant durchhören läßt, zumal sie sich auf der Zielgeraden zu einer richtigen Melodie entwickelt und in einem requiemartigen Thema ausklingt. Ein trotz oder gerade wegen seiner exzentrischen Art beeindruckender Score. Mein klarer Favorit unter den drei hier vertretenen Werken.

Noch wagemutiger geht Piccioni bei IL CASO MATTEI zu Werke, der eine rein elektronische, enervierend hämmernde Klangkulisse bekommen hat, die ohne jeglichen Ansatz von Melodie, permanente Unruhe hervorzurufen im Stande ist. Erst in den letzten zwei Minuten mischt Piccioni die Klänge einer Jazzband hinzu, und es ist jene Collage, die dann auch Anknüpfungspunkt zu Rosis nächsten Film LUCKY LUCIANO ist, wo sie als Titelmusik Verwendung fand. Auch dieser Score wird auf dem Album als Suite präsentiert, die sicherlich kein Hörvergnügen im herkömmlichen Sinne ist. Als Studienobjekt jedoch durchaus von Interesse.

 

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Die Wahrheit ist nicht immer revolutionär.

Ein Staatsanwalt wird durch einen gezielten Schuß auf der Straße ermordet. Inspektor Rogas ermittelt, und schon bald häufen sich ähnliche Todesfälle. Die Opfer sind stets hohe Amtspersonen und staatliche Würdenträger. Eine zeitlang konzentriert er seine Untersuchungen auf einen verschwundenen Apotheker namens Kress, der vor Jahren schonmal wegen eines versuchten Giftmordes fünf Jahre im Gefängnis saß. Doch die Dinge entgleiten seiner Kontrolle. Ein Komplott ist im Gange, und Rogas sieht sich einer allgegenwärtigen, diffusen Überwachung und Bedrohung ausgesetzt.
 

DIE MACHT UND IHR PREIS ist ein sehr kalter, beinahe emotionsloser Film. Er beginnt in einer Kapuzinergruft mit authentischen Mumien und endet im Museum zwischen nicht minder leblosen Statuen. Zwischenmenschliches findet nicht statt, Rosi läßt seine Schauspieler bevorzugt in hohen, sterilen Räumlichkeiten agieren. Lino Venturas Rogas ist die einzige Figur, die gelegentlich Emotionalität erkennen läßt. Letzten Endes läuft der Film auf das deprimierende Porträt einer seelenlosen Überwachungsmaschinerie und auf politische Interessenskonflikte hinaus, die für das einfache Individuum undurchschaubar sind und bleiben. Interpretationsspielraum, auch hinsichtlich aktueller Entwicklungen, inklusive.

Obwohl Rosi nichts ferner liegt, als mit herkömmlichen Polizeifilm-Klischees zu hantieren, erzeugt er eine stetige Unruhe, die sich mit zunehmender Laufzeit steigert. Tatsächlich ist gerade die zweite Filmhälfte von einer derart atemberaubenden Spannung, wie ich es nur selten erlebt habe. Geadelt wird dieses Meisterwerk von einer Riege exzellenter Charakterdarsteller von Alain Cuny bis Max von Sydow.

DEAD FLOWERS heißt die schwer-dräuende, streicherlastige Titelmusik auf dem Album. Und wenn es eines Tracks bedarf, der die Atmosphäre des Films trefflich einfängt, dann ist es dieser. Mehr Score taucht im ganzen Film sonst nicht auf, obwohl sich noch zwei weitere, ähnlich dissonante Stücke angeboten hätten. Alles andere auf der CD ist Source Music, und selbst davon ist nur ein kleiner Teil im Film wiederzufinden. Guter, klassischer Big-Band-Jazz ohne exzentrische Abweichungen. Es gibt drei lässige, schön ausgearbeitete Sechsminüter (u.a. BLACK CONNECTION) mit Orgel und Saxophon in bevorzugten Solo-Parts, sowie das entspannte PROJECT FOR A DREAM, das auch in einer alternativen Streicher-Fassung angeboten wird. Unter Piccionis Jazz-Alben ist mir dieses ein angenehmer Zeitvertreib, auch wenn es freilich kaum die Stimmung des dazugehörigen Filmes wiederspiegelt.

 

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DIE SPIONIN VON GIBRALTAR

"Der wagemutige Einsatz einer Spezialeinheit von Kampfschwimmern (1940) ist hier wenig originell mit Spionage- und Liebesabenteuern garniert. Regisseur De Robertis, selbst ehemaliger Marineoffizier und Chef des italienischen Marinefilmdienstes, vermag immerhin einige militärische und technische Details kompentent ins Bild zu setzen." (Aus dem Lexikon des internationalen Films)

Der Film ist mir unbekannt, und die Musik hat mich bei der Erstbegutachtung durchaus überrascht. Es ist nämlich ein reinrassiger Golden-Age-Score, der sich allen Verzierungen und Klangfarben bedient, die man von solch einer Musik erwarten darf.  Mit einem ausladenden, maritimen Hauptthema, eingeflochtenen Orientalismen und einem einschmeichelnden Liebesthema. Hätte ich die Musik gehört ohne den Namen des Komponisten zu kennen, und lediglich mit dem Wissen ausgestattet, dass es sich um einen italienischen Film handelt, hätte ich vermutlich auf einen Vertreter der älteren Generation wie Cicognini oder Masetti getippt. Von Piccioni jedenfalls habe ich sowas nicht erwartet. Molto Bene!

 

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Die 70er Jahre brachten eine ganze Schwemme von Filmen hervor, die dem Publikum das unmoralische Treiben hinter Klostermauern näherzubringen trachteten. Auslöser dieser Welle war vermutlich der Film DIE NONNE VON MONZA aus dem Jahr 1969, für den Ennio Morricone eine seiner anmutigsten Partituren geschrieben hatte. Aber auch Piero Piccioni empfand das Genre offenbar als überaus inspirierend, denn er legte ein paar Jahre später gleichwertig nach. Und das tat er mit der Musik zu DIE NONNE VON VERONA. Ein Werk, das sich zwar ebenfalls auf eine literarische Vorlage beruft, aber  um einiges exploitativer angelegt ist, weswegen man sich über die beseelte und überaus kultiviert klingende Komposition fast schon wundern muß. Das Hauptthema ist ohne Zweifel eine von Piccionis schönsten und malerischsten Schöpfungen. In kunstvollen Verianten zieht es sich durch den gesamten Score und wird auch, in etwas abgewandelter Form, in den Nachfolge-Film DER NONNENSPIEGEL mit hinübergenommen. Die musikalischen Schwerpunkte liegen auf den Streichern, den Holzbläsern und der Orgel. Sakrale Frauenchöre runden das Bild ab, und in einem Track wechselt mal kurz Stimmung hin zu majestätischer Jagdhorn-Romantik.

 

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Ich erinnere mich noch, wie ich vor vielen Jahren mal von einer Party nach Hause kam und beim Zappen durchs TV-Programm auf Cadaveri eccellenti stieß. Die Titelmusik hat mich damals sehr beeindruckt und dürfte auch meine erste Begegnung mit der Musik von Piccioni gewesen sein. Allein wegen der Titelmusik wollte ich mir am nächsten Tag die CD zulegen, aber die war damals in der Tat schon bei sämtlichen Händlern vergriffen. Meine Debüt-CD von Piccioni wurde dann halt der ganz anders geartete Puppet on a Chain.

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vor 6 Stunden schrieb Oliver79:

Meine Debüt-CD von Piccioni wurde dann halt der ganz anders geartete Puppet on a Chain.

Ja, der hat sicher ein mitreißendes Titelthema, ist aber darüberhinaus weniger ergiebig. Meine erste Begegnung mit Piccioni war, wie oben schon geschrieben, der Film "Das Licht am Ende der Welt". Mein erster Tonträger muß dann "Sartana" gewesen sein, der auf der B-Seite einer Intermezzo-LP zu finden war. Zu der Zeit fing ich gerade erst mit dem Sammeln an und Italo-Western gehörten damals zu meinen bevorzugten Filmmusik-Trophäen. Und wo ich den gerade schon erwähne, kann ich auch direkt damit weitermachen:

 

SARTANA - BETE UM DEINEN TOD ist ein unterhaltsam inszenierter, leichenreicher, aber ironisch gebrochener Italo-Western. Der Film war die eigentliche Geburtsstunde des von Gianni Garko verkörperten Sartana-Charakters, dessen Name ironischerweise von deutschen Verleihern für den früher entstandenen Garko-Film MILLE DOLLARI SUL NERO ersonnen wurde, und dann von den italienischen Produzenten übernommen wurde.

Piccionis Western-Scores sind stets von ganz eigener Art und kaum mit den Werken anderer Komponisten in diesem Genre zu vergleichen, weder in Italien, noch in Amerika. Nicht jeder kommt damit klar. In den Amazon-Kommentaren ist von einem "saumäßigen Soundtrack" zu lesen. Oder von einer Musik "auf Saloon-Niveau" - was immer das heißt.  Allerdings meine ich mich erinnern zu können, dass diese CD auch damals in Luc van de Vens Soundtrack-Magazin die schlechteste Bewertung bekam. Vermutlich wurden konventionellere Western-Klänge erwartet, aber Piccioni wandelt hier tatsächlich auf ganz eigenen Pfaden.

Und so sind auch die zwei Hauptthemen dieses Albums so eigenwillig wie originell. Zum einen das anschwellende Sartana-Thema mit Blech und Orgel. Zum anderen das eingängige, lounge-jazz-geprägte SYCAMORE TRAILS, das in seiner entwaffnenden Lässigkeit gefällt. Auch spätere Varianten dieses Themas wie COMING TO THE POINT oder MEXICAN BORDERS gehören zu den Highlights des Albums. ANNELISE heißt das flauschige, aber auch wenig inspirierte Liebesthema, das schnell wieder vergessen ist.  In einigen Tracks nutzt Piccioni bevorzugt das Fagott zum Erzeugen einer mysteriösen, spannungsfördernden Atmosphäre. Eine handvoll Saloon-Tracks sind natürlich auch vorhanden, und im kurzen THE GREEN VALLEY werden vorübergehend wuchtigere, fast epische Töne angeschlagen.

Es ist nicht Piccionis bester Western-Score, aber er bietet gefällige Themen und relativ viel Abwechslung, dass auch die Laufzeit von immerhin fast einer Stunde ohne größere Flauten goutiert werden kann.

 

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