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Sonstiges - Filmmusikmanifest von Frank Fojtik


Marcus Stöhr
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Der Komponist Frank Fojtik hat auf seiner Webseite ein Filmmusikmanifest veröffentlicht, welches sich am u.a. von Lars von Trier unterzeichneten Manifest, [ame=http://de.wikipedia.org/wiki/Dogma_95]Dogma 95[/ame], orientiert.

Liebe Filmmusikfreunde,

die meines Erachtens v.a. bei den

Hollywood-Blockbustern zu beobachtende, äußerst

bedauerliche Entwicklung (Verflachung) der Filmmusik

in den letzten Jahrzehnten die meines Erachtens

weniger auf die Filmkomponisten, sondern vielmehr auf

die Unmusikalität vieler Regisseure und Produzenten

zurückzuführen ist hat mich kürzlich dazu

veranlasst, ein Manifest zu verfassen, das zehn

allgemeine Regeln enthält, deren mehr oder weniger

strenge Beachtung sicher zu einer deutlichen

Qualitätsverbesserung im Filmmusikbereich führen würde

(siehe Link unten). Diese Regeln sind keineswegs aus

der Luft gegriffen und werden von den Meisterwerken

der Filmmusik auch mit Leichtigkeit erfüllt. Ich wage

sogar zu behaupten, dass sie für (musikalische)

Regisseure wie Visconti oder Zeffirelli ein

ungeschriebenes Gesetz darstellten.

Das Manifest ist in einem gewissen Sinne mit Lars von

Triers Dogma 95 vergleichbar, da es ebenso eine

Reaktion auf diese immer stärkere Kommerzialisierung

und Industrialisierung v.a. des amerikanischen Films

darstellt, die immer weiter vom eigentlichen Kern der

Sache, also von der Tiefgründigkeit eines Films bzw.

einer Filmmusik wegführt. Die Mittel (im Film:

aufwändige Computeranimationen, zunehmende

Brutalisierung etc.; in der Filmmusik: meist

ungerechtfertigte Riesenorchester, erhöhte

Musikquantität usw.) sind inzwischen in vielen Fällen

zum Selbstzweck und fast zu notwendigen Bedingungen

für einen guten Film überhaupt erhoben worden.

Gerade auf diese negativen Entwicklungen könnten nun

analog zu Dogma 95 z.B. europäische Produzenten oder

Regisseure reagieren, um einen eigenen Stil zu

etablieren. Der Versuch, Hollywood im Positiven wie im

Negativen nachzuahmen, sei es nun in Bezug auf Film

oder auf Filmmusik, wird schon aufgrund des

geringeren Budgets immer scheitern, da das Publikum

in diesem Fall (zurecht) lieber auf das Original

zurückgreift. Das Filmharmonische Manifest richtet

sich also in erster Linie an Produzenten und

Regisseure, um sie damit einerseits zum Nachdenken

über die derzeitige Situation anzuregen und ihnen

andererseits auch eine Art Leitfaden für die Bewertung

von Filmmusik im Allgemeinen zur Verfügung zu stellen.

Dennoch dürften diese zehn Punkte auch für

Filmkomponisten und Filmmusikliebhaber nicht weniger

interessant sein...

In der Hoffnung, damit eine anregende Debatte

auszulösen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Frank Fojtik

Der Komponist würde sich über eine lebhafte Diskussion seines Manifests freuen.

EDIT: Korrektur von Dogma 95 in Manifest.

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Gast Stephan Eicke

Ach Gott- bitte nicht. Im Cinemusic Forum tobt im Moment ein Krieg darüber, dass die Filmmusik soooo schlecht geworden ist und blablabla.

Alles übertrieben. Man kann halt nicht erwarten, dass Musik heute noch so klingt wie vor 50 Jahren.

Blödsinn.

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Ach Gott- bitte nicht. Im Cinemusic Forum tobt im Moment ein Krieg darüber, dass die Filmmusik soooo schlecht geworden ist und blablabla.

Alles übertrieben. Man kann halt nicht erwarten, dass Musik heute noch so klingt wie vor 50 Jahren.

Blödsinn.

Nicht jeder kann im Cinemusic-Forum lesen. Bei scoresheet gibt es ebenfalls eine heftige Diskussion darüber und was ist falsch daran, hier ebenfalls darüber diskutieren zu lassen?

Wenn dir die Diskussion zu mühselig und langweilig erscheint, dann beteilige dich doch lesend daran. ;)

Die Filmmusik soll nicht so klingen wie vor 50 Jahren, eine Modernisierung ist immer gut, aber bei aktuellen Hollywood-Produktionen hat die Qualität der Musik deutlich nachgelassen.

Manchmal klingt es halt langweilig, aber wenn Produzent und Regisseur, ja auch der Komponist selbst, keinen gesteigerten Wert auf andere Musik legen und wir als kleine Minderheit die einzigen sind, die ein Problem damit haben, dann scheint die Qualität ja ausreichend zu sein.

Es ist eine reine Kopfsache.

Das spiegelt aber nur meine Meinung wider und es ist auch im Sinne von Herrn Fojtik, dass darüber diskutiert wird.

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Gast Stephan Eicke

Und wenn ich zugebe, die Musik von Zimmer hat keinen objektiven Wert und ist halt langweilig und eine äußerst bedauerliche Entwicklung, ist das Geschrei doch schon wieder groß und alle schlagen sich hier die Köpfe ein, weil Zimmer ein Gott ist.

Ich bin auch nicht der größte Fan moderner Filmmusik, aber man kann das nunmal nicht pauschalisieren und sagen, alles ist schlecht, dafür gibt es zu viele vielversprechende Komponisten wie Marianelli, Desplat, Lurie etc.

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Es gab immer bestimmte Phasen in der Entwicklung des Films, in denen die Musik unterhalb der Bilder besonders gut und niveauvoll war. Das waren jene Phasen, in denen dem Gros der Filmemacher (auch denen für´s Massenpublikum) bewußt war, wie sehr ein gut abgestimmter und durchdachter Score ihren Film bereichern und ihm eine tiefere, andere Dimension verleihen kann.

Dann gab es Phasen, in denen plötzlich neumodische "Spielzeuge" zur besseren (oder die Sensationslust befriedigenden) Umsetzung der visuellen Ideen auftauchten. In diesen Abschnitten der Filmgeschichte rückte der reine optische Reiz sowohl in den Mittelpunkt des Geschehens als auch in den der Budgetbeutel. Je mehr "aaaah"´s und "Oooohh"´s, je mehr Sensation, desto mehr rückte die Filmmusik in ihrer Qualität und ihrem Ansehen in den Hintergrund. Ich glaube, derzeit befinden wir uns in einer solchen Phase. Die CGI´s samt daraus resultierende revolutionäre Techniken in der Umsetzung von visuellen Visionen des Regisseurs sind das aktuelle Spielzeug... und wenn Filmmusikkomponisten in dieser Zeit überleben wollen, so passen sie sich den Gegebenheiten an. Ausnahmen - wie etwa PAN´S LABYRNITH (nur ein Beispiel!) - bestätigen natürlich die Regel (so wie früher auch).

Ein weiterer Aspekt dürfte die Ausbildung der Komponisten sein. Wirklich klassisch und handwerklich kompetent gelernte Komponisten gibt es nur noch sehr selten, vielmehr haben oft jene Autodidakten und Quereinsteiger aus der Populärmusik dann die größten Chancen, wenn sie es verstehen, mit ihren Entwürfen den "angesagten" Trends zu entsprechen.

Cheers, Thomas

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Dein Argument mit den neuen Spielereien greift aber nicht wirklich, schliesslich war Star Wars auch was neues, und über das was rauskam brauchen wir ja nicht diskutieren.

Ich glaube vielmehr das dies eine Zeit des Pop´s ist was Filmmusik angeht, und das es im Zeichen der Zeit steht. Ein Trend wie alles andere auch. Das schafft neue Liebhaber und alteingesessene die darüber diskutieren wie es früher war. Geschichte wiederholt sich...

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Dein Argument mit den neuen Spielereien greift aber nicht wirklich, schliesslich war Star Wars auch was neues, und über das was rauskam brauchen wir ja nicht diskutieren.

Nein, das stimmt. STAR WARS war zu damaliger Zeit die Vollendung der Tricktechniken, die jedoch bereits im Vorfeld dieses Films erprobt wurden. So ähnlich etwa wie bei JURASSIC PARK mit CGI.

Der Knackpunkt ist aber, das STAR WARS mit George Lucas einen der (damals) "jungen wilden" Regisseure hatte, die den Mut besaßen, dem damals ebenfalls vorherrschenden Popmusikgeschmack im Kino zu entsagen und in geradezu visionärer Kühnheit zu erkennen bzw. zu spüren, dass der gute alte Golden-Age-Full-Orchestra-Sound genau DAS Richtige für seinen Film ist. Damit verhalf er diesem Musikstil zu einem furiosen Comeback.

Die Frage ist, welcher heutige Blockbuster-Regisseur hat ähnlichen Mut? Jetzt nicht insbesondere in Richtung des rein orchestralen Sounds... sondern ganz allgemein. Denn, sind wir nicht bereits mit den visuellen Reizen und den grandiosen Surround-Sound-Soundeffects-Zaubereien heutiger Big-Budget-Filme völlig übersättigt? Könnten wir hinter all dem überhaupt noch einen "guten alten" Film-Score wahrnehmen? Lucas ließ den Klängen von Williams genau jenen Raum, den sie zum Sich-Entfalten benötigten.

Cheers, Thomas

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Gast Stephan Eicke

Bernard Herrmann hat sich in den 60ern schon über den Rückgang nieveauvoller Filmmusiken aufgeregt, dass nur noch Popsongs geschrieben werden. Und heute sind das zum Teil "Klassiker".

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Bernard Herrmann hat sich in den 60ern schon über den Rückgang nieveauvoller Filmmusiken aufgeregt, dass nur noch Popsongs geschrieben werden. Und heute sind das zum Teil "Klassiker".

Er sagt aber auch, dass jeder Komponist Musik seiner Zeit schreiben soll,

was allerdings nichts über die Qualität aussagen muss.

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Gast Stephan Eicke
Er sagt aber auch, dass jeder Komponist Musik seiner Zeit schreiben soll,

was allerdings nichts über die Qualität aussagen muss.

Das wusste ich nicht- in seiner Biographie waren ja die Interview Auszüge, in denen er sich über die PopSongs beschwert hat.

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Es könnte sein, dass du sogar das Interview hast, in dem er sagt:

``and I think that is is the complete responserbility of any gift a composer to write a certain music of there time ´´(oder so ähnlich,

die Aussprache ist nicht immer sehr deutlich). Erschienen auf Milan

Elmer Bernstein conducting (letzter Track - Audio Interview).

Auch in dem Interview von FMS werden glaube ich ein paar Punkte

angesichts der neuen Filmmusik angesprochen.

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Er sagt aber auch, dass jeder Komponist Musik seiner Zeit schreiben soll,

was allerdings nichts über die Qualität aussagen muss.

Ich denke das trifft es schon irgendwie.

Die Gesellschaft unterliegt einem ständigen Wandel. Mir scheint es so, als ob durch eine steigende Technisierung dieser gesellschaftliche Wandel begünstigt und beschleunigt abläuft. Der Geschmack der Menschen verändert sich ständig und die Filmschmieden versuchen mit der Gesellschaft mit zu halten bzw. sie produzieren das was sie glauben das an kommt.

Die Kinobetreiber haben jahrelang nur stagnierende Besucherzahlen vermeldet und das natürlich ausschließlich dem Sündenbock "Filmpiraterie" zu geschustert. Ich bezweifle nicht, dass illegale Kopien eines Films die Einnahmen schmälern allerdings denke ich auch, dass nicht jeder Film der heruntergeladen wurde auch wirklich im Kino angesehen worden wäre.

Ich sehe das Problem zumindest teilweise indem, was den Zuschauern präsentiert wird. Dort sollte man mehr Wert auf Qualität als auf Quantität legen. Das ist aber heute eher ein grundsätzlichen Problem, ob es Kinofilme, Musik, Grafikkarten für den PC, Handys oder Autos sind. Hauptsache möglichst schnell irgendetwas neues zu präsentieren macht noch keine Qualität. Ich denke die Verbraucher wären mit weniger dafür durchdachteren Produkten zufriedener als mit dieser Überflutungstaktik.

Damit wäre ich dann auch beim Filmmusikmanifest angekommen.

Die Grundidee dahinter gefällt mir! Die Entscheidungsträger sollten wirklich mal in sich gehen und über das ein oder andere Nachdenken.

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  • 2 Wochen später...

Eine zunehmende Verflachung sieht man IMHO bei sämtlicher Mainstreamkultur. Haltet mich ruhig für einen ewig gestrigen 27jährigen, aber die Popmusik war früher auch mal besser, ebenso die Filme an sich. Ein Scorekomponist spiegelt mit seiner Arbeit ja in gewissem Sinne die Qualität des Films. Nicht viele davon haben den Ehrgeiz, auch Schrott mit super Musik zu unterlegen, wie das Goldsmith häufig getan hat.

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