Stefan Schlegel
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Christopher Nolans' THE ODYSSEY - Musik: Ludwig Göransson
Stefan Schlegel antwortete auf SilvestriGirls Thema in Scores & Veröffentlichungen
Natürlich versucht Nolan, mit dem Stoff anders umzugehen, aber es läuft bei ihm dadurch leider auf eine ziemlich groteske Beliebigkeit raus. Und außerdem ist doch die Irrfahrt bereits in der Vorlage höchst sinnbildhaft angelegt, also kann ich doch nicht sagen das sei gar jetzt was Neues. Der Witz beim Ganzen ist ja, daß Nolan die bekannten Stationen übernommen, aber in ein paar Fällen filmisch sogar richtiggehend vergeigt hat. Er hat ein oder zwei Stationen weggelassen, aber alles andere schlicht übernommen. Und teilweise so haarsträubend, daß es keinen Sinn mehr ergibt. Circe als altes Hexchen in einer Hütte statt in einem großen Palast ist einfach nur noch albern. Weder werden deren noch Kalypsos Verführungskünste - Charlize Theron völlig verschenkt und platt als vermeintliche "Drogen"-Geberin und doch nur wegen Star-Appeal überhaupt in den Film reingepflanzt - in irgendeiner Art und Weise verdeutlicht. Das läuft alles nur völlig ins Leere und wird somit ziemlich sinnlos. Nolan hakt die Stationen zum großen Teil fast schon desinteressiert ab und gleichzeitig fällt ihm aber kaum irgendwas Neues dazu ein. Viel eher läßt er wichtige Informationen noch weg, die an sich fürs bessere Verständnis nötig wären, um ja nicht noch die Götter irgendwie mit reinnehmen zu müssen - das heißt, er kürzt zusammen ohne irgendeinen Mehrwert zu schaffen. Folglich im Prinzip daher für niemand ein Gewinn. Überhaupt fragt man sich doch: Warum übernimmt er denn überhaupt so viele Elemente aus der Vorlage, verortet die Handlung sogar noch in der Bronzezeit und quetscht dann da noch seine penetrante Kriegstrauma-Botschaft rein, die innerhalb dieses historischen Kontexts auf die Art und Weise keinen Sinn mehr macht. Entweder hätte er sich also einen anderen Stoff suchen sollen oder wenigstens so konsequent sein müssen, das Ganze z.B. eh gleich in die US-Gegenwart zu verlegen, wo dann auch das Multi-Kulti/Diversitäts-Getue weitaus besser gepaßt hätte als zu einer klar verorteten historischen Epoche. Stattdessen hat er sich weder für das Eine noch für das Andere entschieden, sich mehr schlecht als recht durchzulavieren versucht und damit ein recht zusammenhangloses Chaos angerichtet. Wie hatte es Fritz Lang, der die Odyssee in Godards VERACHTUNG hätte inszenieren sollen, bereits formuliert: "Ich halte es für töricht, die Figur des Odysseus zu verändern. Er ist kein moderner Neurotiker. Er war ein einfacher, kluger und mutiger Mann." Und noch was zu Deiner obigen Frage, Mike, in welchem Historienfilm Kostüme, Bauten, Dekors etc. authentisch seien. Kann ich Dir ganz einfach beantworten. Nimm Dir mal Anthony Manns THE FALL OF THE ROMAN EMPIRE von 1964 vor. Genau der Monumentalfilm gilt allgemein als "die authentischste filmische Rekonstruktion des kaiserlichen Rom." Ich empfehle dazu die Lektüre des Buchs "Ancient World in the Cinema" von Jon Solomon, wo Du Dir die nötigen Infos darüber einholen kannst. Nur mal ein kurzes Zitat daraus: "While the exterior sets are magnificent, the interiors are elegant and even more authentic, with their delicate acanthus columns and hanging garlands, the walls have soft, pastel-colored frescos in between, deeply-coffered sculpted ceilings above, and richly colorful mosaic floors below." Und was haben wir heute dagegen: Wie schon oben gesagt halt nur noch recht bedeutungslose Beliebigkeit! -
Christopher Nolans' THE ODYSSEY - Musik: Ludwig Göransson
Stefan Schlegel antwortete auf SilvestriGirls Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ich gehe mit Dir darin einig, daß das letzte Drittel dann wenigstens einigermaßen spannend wird nach der emotionslosen Kälte, die zuvor fast durch die Bank vorherrschend war. Abgesehen jedoch von diesem Gemetzel im Finale, das so miserabel choreographiert ist und aus irgendeinem billigen Kung Fu-Film hätte stammen können. Bei dieser Eine gegen Alle-Sequenz ziehts einem ja nun wirklich die Schuhe aus. Und wer soll diese urplötzliche Gelenkigkeit einem Matt Damon abnehmen, der zuvor derart bieder, lahm und tranig daherkam? Zudem wollte er doch nie mehr ein Blutvergießen wie in Troja begehen, weil er völlig traumatisiert war vom Krieg. Von daher ist die Metzelei der Freier der größte Schwachsinn überhaupt und macht alles, was zuvor so alles an Weisheiten geäußert wurde, wieder komplett zunichte. Und das im Anschluß dann noch am Ende mit einer kitschigen Schiffahrt irgendwohin nach Westen auszugleichen (im Original mit der Aussage "Our age of bronze is collapsing"), ist ja wohl an Naivität kaum mehr zu überbieten. Klar kann man klassische Stoffe neu interpretieren, dann muß man aber auch das nötige Format dafür haben und es muß stimmig und glaubwürdig aussehen. Und genau da hängt es bei dem Nolan-Epos für mich an allen Ecken und Enden. Der Film strahlt weder irgendeine Sinnlichkeit oder Leidenschaft aus, der vor Elan strotzende und listenreiche homersche Odysseus ist so stinklangweilig wie ihn Damon abgibt eigentlich gar nicht mehr zu erkennen. Hinzu kommt, daß Damon in der Rolle auch total unglaubwürdig wirkt - das ist einfach nur leeres Gefasel, was aus seinem Mund kommt,das man ihm überhaupt nicht abnehmen kann. Weiterhin sind die Farben von Anfang an gründlich desaturiert, von dem ständigen Grau in Grau hat man spätestens nach einer Viertelstunde die Nase voll, Figuren wirken teilweise völlig deplaziert - wenn gar ein Inder sagen muß "Wir sind alle Griechen", wie soll man den Film dann noch wirklich ernst nehmen -, eine schwarze Helena wirft einen wie vieles ganz aus dem Film raus, dann passen meist anachronistische Kostüme, Dekors und Bauten überhaupt nicht zum antiken Griechenland, von der größtenteils banalen Musik ganz zu schweigen. Teilweise meint man sogar, Sturmtruppen aus STAR WARS würden plötzlich im Wald auftauchen oder Agamemnon wäre als Batman verkleidet. Wo sind wir denn da eigentlich? Irgendwo hörts doch auch mal auf bei derartigen Kindereien. Oder diese hirnrissige Idee, das trojanische Pferd auf den Hinterhufen aufrecht stehend zu konstruieren, so daß die Griechen im unteren Teil am Strand aufgrund des eindringenden Wassers dann zum Teil ertrinken. Sorry, aber wie lächerlich gehts denn überhaupt noch. Man fragt sich somit des öfteren, was der ganze Humbug eigentlich soll. Es sind nur wenige Szenen, wo Nolan inszenatorisch ein bißchen was auf die Beine bringt, aber das ist mir bei solch einem 3-stündigen Werk eindeutig zu wenig. -
Christopher Nolans' THE ODYSSEY - Musik: Ludwig Göransson
Stefan Schlegel antwortete auf SilvestriGirls Thema in Scores & Veröffentlichungen
Dafür sind schon verschiedene Faktoren verantwortlich, wobei man bezüglich der Besucherzahlen ziemlich differenzieren muß. Entweder hat man als Kino das Publikum dafür oder nicht - wir z.B. in unserem Ort eher nicht und bei uns lief er vorletzte Woche auch nur ziemlich schwach. War teilweise wirklich zum Schießen vom Publikum her. Es sind schon die Multiplexe in den größeren Städten, wo es besuchermäßig richtig abgeht und von daher ist es halt doch hauptsächlich das jüngere Publikum so zwischen 16 und 30, das hier angesprochen wird und erscheint. Ältere dagegen nur vereinzelt wie ich das so erlebt habe. Und zudem muß man eben hierzulande auch dieses ziemlich starke Stadt-Land-Gefälle berücksichtigen. Der Hype um den Film war außerdem gewaltig und das hat sehr viel ausgemacht, so daß es quer durch alle Medien zu einem "Must See"-Erlebnis hochgeschaukelt wurde. Dann hat Nolan inzwischen eine ganz große Fangemeinde, die das natürlich ohnehin wieder abfeiert. Zudem die populären Stars, die viele bereits aus den üblichen US-Blockbustern kennen - beispielsweise spielen Tom Holland und Zendaya ja auch im neuen SPIDERMAN die Hauptrollen und da gehts geschäftlich sogar noch mehr ab. Allein das zieht also auch schon eine ganze Menge an Zuschauern in die Kinos. Und was man ja ständig hört ist, daß gerade der Sound neben der Bildgewalt - wobei für mich letzteres kaum vorhanden war und ich da aus älteren Epen ganz anderes gewohnt bin - bei dem Film die Zuschauer so begeistert. Die physische Wucht des äußerst basslastigen Sound Designs überwältigt anscheinend ganz offensichtlich die Massen und wirkt wie ein Rausch. Anders kann man das alles kaum erklären. Die Dialoge sind natürlich dann auch ein bißchen zu leise, wenn man den Lautstärkepegel nicht etwas höher dreht als sonst üblich im Kino. Das ist also Absicht. Bei mir hier im Kino wars noch halbwegs zu überstehen, es waren aber vor allem zwei, drei Sequenzen, wo ich mir auch schier die Ohren zuhalten mußte angesichts des repetitiven Gewummers und Getrötes. Aber ich kann mir schon vorstellen und habe es selbst auch schon erlebt, wie in anderen Kinos, die eben überwiegend auf ein jüngeres Publikum abzielen, die Lautstärke von vornherein bei so was viel zu weit aufgedreht wird. Und so würde ich selbst nun gerade den Film bestimmt nicht durchhalten. -
Christopher Nolans' THE ODYSSEY - Musik: Ludwig Göransson
Stefan Schlegel antwortete auf SilvestriGirls Thema in Scores & Veröffentlichungen
"Die Mühen haben sich gelohnt. The Odyssey ist ein archaisch anmutendes Historiendrama, das sich den Konventionen des Abenteuerkinos zwar nicht völlig verweigert, Homers Dichtung aber in einen neuen Kontext stellt, bei dem die einzelnen Etappen der Reise über die offensichtliche Action hinaus stets allegorisch zu lesen sind. Wenn Odysseus etwa auf der Flucht in seiner Hybris ohne Not noch einen letzten Pfeil auf den Zyklopen Polyphem abschießt, beschwört dies erst sein eigentliches Schicksal herauf. Diese vermeidbare Eskalation führt zu vielen weiteren Toten und weil Polyphem der Sohn von Poseidon ist, löst erst dessen Zorn die eigentliche Irrfahrt aus." Mike, was Du da oben schreibst zur Polyphem-Szene, ergibt doch so gut wie gar keinen Sinn. Was soll denn das für ein "neuer Kontext" sein? Wenn man die Homer-Vorlage oder die früheren Verfilmungen, etwa die mit Kirk Douglas, kennt, kann man doch so was nicht hinschreiben. Viel eher hat Nolan diese ganze Polyphem-Sequenz verkorkst, weil er mehrere wichtige Fakten wegläßt und dafür diesen letzten, absolut unlogischen Pfeilschuß hinzufügt. Das ist wie ganz Vieles in diesem recht öden Filmwerk einfach nur lächerlich. Schon allein durch die Blendung des Zyklopen ist doch völlig klar, daß Odysseus Schuld auf sich lädt. Und die eigentliche Hybris entsteht sowohl bei Homer wie in den früheren Verfilmungen dadurch, daß Odysseus in seinem hochgradigen Übermut bei der Abfahrt seinen wahren Namen enthüllt (das vorherige "Niemand"-Wortspiel entfällt bei Nolan übrigens leider auch noch) und daraufhin Polyphem seinen Vater Poseidon bittet, Odysseus entweder umkommen zu lassen oder zumindest seinen Heimweg übermäßig zu erschweren. Da Nolan hingegen verrückterweise weitestgehend auf Götter und Mythisches zu verzichten versucht, kommt er hier in das Dilemma, den Zorn Poseidons und das Verwandtschaftsverhältnis Polyphem/Poseidon erst mal über Umwege in Ansätzen dem Zuschauer erklären zu müssen. Polyphem selbst ist hier nämlich stumm und nur einer von Odysseus´ Mannschaft will offenbar bei der Blendung das Wort "Poseidon" gehört haben - der Zuschauer hingegen hört es eigentlich gar nicht. Nur deshalb kommen sie dann überhaupt auf den Gedanken, der Gott könnte eventuell was mit Polyphem zu tun haben und nun erzürnt sein. Das ist gegenüber dem Original schon ziemlich weit hergeholt. Alle für die Begegnung mit dem Zyklopen wesentlichen längst bekannten Elemente (Polyphem spricht, Niemand-Wortspiel, die Blendung löst natürlich bereits die Anrufung Poseidons aus, Odysseus prahlt mit seinen Heldentaten und enthüllt auch noch seinen wahren Namen) fehlen völlig, so daß ein ziemlich unnötiger Krampf dabei rauskommt. Neu hingegen ist es nun wirklich nicht, daß Odysseus durch den Zorn Poseidons eine zehnjährige Irrfahrt erleiden muß. Das war noch nie anders seit es die Odysseus-Sage gibt. Nur hat die ganze Szene bislang keiner so dümmlich aufzulösen versucht wie Nolan. Und es gibt noch so einige weitere Dummheiten in diesem Film, der die antike Vorlage und auch den Odysseus-Charakter viel zu sehr verdreht, um überhaupt noch einigermaßen stimmig zu wirken. Wenn es schon die ganze Zeit um Kriegstraumata und dazuhin auch noch um den Vergleich mit imperialistischen Angriffskriegen der Gegenwart gehen soll, warum sich dann einen Stoff aussuchen, der das alles von der ganzen Konzeption her im Prinzip gar nicht hergibt. -
Meine DAVID COPPERFIELD-LP habe ich an 2002 von Arnold, als er für einen Tag in Düsseldorf weilte, signieren lassen. Leider war sein Gesundheitszustand damals bereits so schlecht, daß er gar nicht mehr richtig schreiben konnnte und ihm sein Assistent dabei noch die Hand führen mußte. Heraus kam dann ein ziemlich unleserliches Gekritzel auf meinem Plattencover. Das war insgesamt ein ziemlich skurriler Abend. Von GREAT EXPECTATIONS habe ich auch die LP seit vielen, vielen Jahren. Ist ein schöner romantischer Jarre, leider nie so richtig bekannt geworden wie anderes von ihm. Lohnt sich schon, wenn man seine typische Handschrift mag.
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Doch, es lag leider schon überwiegend an Legrand selbst, daß da solch ein krasser Langweiler dabei rauskam. Am besten in seiner Autobiographie nachzulesen, die in Frankreich bereits 2013 unter dem Titel "Rien n`est grave dans les aigus" erschien (dann wohl noch um ein paar Kapitel ergänzt letztes Jahr auch auf Englisch mit dem Titel "A Life in Music and Film"). Legrand kritisiert darin selbst enorm, was er damals so für den Bond-Film abgeliefert hatte. Als Grund gibt er an, daß er durch die aufwendige monatelange Arbeit am Barbra Streisand-Musical YENTL davor - übrigens eh eine seiner besten Filmmusiken - musikalisch innerlich so ausgepowert war, daß ihm fast nichts mehr einfiel und er eigentlich eine Pause von ein paar Monaten nötig gehabt hätte, was er im Anschluß auch machen wollte. Dann kam ihm aber urplötzlich Sean Connery ins Gehege, der ihn unbedingt auch für den Bond haben wollte und nicht locker ließ. Im Nachhinein - so zu lesen im Buch - meinte Legrand, daß er den Auftrag nicht hätte annehmen sollen, da er erstens nicht genügend inspiriert war und ihm zweitens nur ein Zeitraum von einem Monat für die gesamte Komposition zur Verfügung stand. Zitat aus dem Buch: "Das Problem war nicht der Film, sondern mein innerer Zustand, meine Fähigkeiten und meine Lust zu dem Zeitpunkt als mich Connery angeheuert hatte."
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Meine persönlichen Barry-Favoriten wären: - THE LAST VALLEY (1970) - SOMEWHERE IN TIME (1980) - DANCES WITH WOLVES (1992) - OUT OF AFRICA (1985) - MARY, QUEEN OF SCOTS (1971) - THE LION IN WINTER (1968) - HANOVER STREET (1979) - BODY HEAT (1981) - WALKABOUT (1970) - THE WHISPERERS (1967) - KING RAT (1965) - ROBIN AND MARIAN (1976) - DEADFALL (1968) - FRANCES (1982) - HIGH ROAD TO CHINA (1983)
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Was Barry betrifft, gefallen mir eigentlich nur seine romantischen Scores richtig gut - und selbst da nicht alles. Zu seinen jazzigen Agenten-Scores aus den 60ern habe ich dagegen musikalisch nie irgendeinen Bezug gehabt. Daher bin ich für meine Verhältnisse auch ziemlich spät überhaupt zu Barry gekommen - auch nicht über die Bond-Musiken, die mir in der Zeit davor wenig gegeben hatten, sondern erst Mitte 80er vor allem über LAST VALLEY, SOMEWHERE IN TIME - beide bei einem anderen Sammler gehört und danach gleich auf LP gekauft - und dem damals natürlich gerade aktuellen OUT OF AFRICA. Allein die waren für mich ausschlaggebend, um bei Barry danach noch ein wenig weiter auf Suche zu gehen. Also eben ganz anders gelaufen als bei anderen Sammlern.
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Der Einzige nun ganz sicher nicht. Ich konnte mit dem Score schon auf dem alten Original-Album nicht viel anfangen und würde mir deshalb die Neueinspielung gleich gar nicht erst zulegen. Ich kann das Hauptthema so einmal anhören und finds da noch ganz nett, aber je öfter es erscheint desto mehr hängts mir zum Hals raus. Und die Hörclips der Neuaufnahme auf der Quartet-Seite langweilen mich von vornherein schon. Ich bin aber auch wirklich kein Fan der Bond-Barrys oder der meisten seiner sonstigen 60er-Scores und von daher natürlich nicht der Maßstab. Da gibts nur ein paar Barrys aus der Zeit, die bei mir wirklich gut ankommen wie THE WHISPERERS, KING RAT, DEADFALL oder LION IN WINTER. Das wars dann aber eigentlich auch für mich.
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Musik fürs Herz (Film, Serie, Video Game)
Stefan Schlegel antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ich würde auch noch den Kilar/Andrzej Wajda-Sampler empfehlen mit den drei Filmmusiken CHRONIQUE DES EVÉNEMENTS AMOUREUX (1986), LA TERRE DE LA GRANDE PROMESSE (1974) und LA LIGNE D´OMBRE (1976). Zuerst 1987 auf einer Milan-LP erschienen, die ich selbst habe, und dann für die CD 1990 nochmals erweitert um die recht kurze Filmmusik zu KORCZAK: https://www.discogs.com/de/release/6452603-Wojciech-Kilar-Musiques-Originales-Des-Films-De-Andrzej-Wajda?srsltid=AfmBOoq4cPQNfk9sR0PtysqgIvi0t404k6WV2MtFfMwNrLV6wC84TD1c Ein weiterer CD-Sampler mit vielen eleganten und bezaubernden Tracks zu mehreren hierzulande kaum bekannten polnischen Filmen aus den 60ern und 70ern wäre dieser äußerlich eher unscheinbare vom Olympia-Label von 1995: https://www.discogs.com/de/release/8569553-Wojciech-Kilar-Film-Music Zum Teil wurden Tracks dann auf späteren Kilar-Samplern wieder verwendet, aber das war damals auf Olympia schon eine sehr gute, vom Komponisten selbst selektierte Zusammenstellung. -
Musik fürs Herz (Film, Serie, Video Game)
Stefan Schlegel antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ist doch gut, wenn Du es so handhabst. Dürfte aber halt bei der Mehrzahl der heutigen Sammler nicht unbedingt der Fall sein. Und wenn für Dich DRACULA trotzdem Nummer 1 bleibt, dann ist das ja auch ok. Ist ja schließlich Dein persönlicher Geschmack. Aber ich gehe dennoch mal davon aus, daß Du die LP von FROM A FAR COUNTRY wohl eher nicht besitzt und diese Musik demnach auch bislang nicht komplett gehört hast, oder sollte ich mich da ebenfalls täuschen? -
Musik fürs Herz (Film, Serie, Video Game)
Stefan Schlegel antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Das wundert mich nicht. Ein Score zu einem hierzulande völlig unbekannten Papst-Film, den es nur auf einer alten LP gibt und der nach nun 45 Jahren weder digital noch auf CD je veröffentlicht wurde, wird von heutigen Sammlern doch gar nicht mehr groß wahrgenommen. Außerdem ist heutzutage eine ganz andere Generation am Ruder. Von den Personen, die ich persönlich kannte und die in den 80er Jahren die Musik sehr schätzten, selbst wenn sie den dazugehörigen Film nie gesehen hatten, sind einige entweder gar nicht mehr am Leben oder sind als Sammler nicht mehr aktiv. Damals war der Blick auf die europäische Filmmusik zudem noch ein wenig ein anderer als heute. -
Musik fürs Herz (Film, Serie, Video Game)
Stefan Schlegel antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ein bißchen muß man schon auch der Realität noch ins Auge sehen. Kilars DRACULA ist doch hauptsächlich deshalb so populär unter Filmmusikfans, weil es sich um einen überaus bekannten US-Film handelt und er zusätzlich auch noch aus dem Horror-Genre stammt. Da die meisten Filmmusiksammler ja eh ganz stark auf USA zentriert sind und zudem noch eine Vorliebe für genau dieses Genre haben, kommen hier gleich zwei glückliche Faktoren natürlich zusammen. Wenn das hingegen ein rein polnischer Film gewesen wäre, dann hätte Kilar die tollste Musik dafür schreiben können und diese Popularität wäre ihm niemals zuteil geworden. Auch anhand der Genres sieht man es ja immer wieder ziemlich deutlich: Wenn es darauf ankommt, dann werden die wenigsten von Kilars herausragendem PORTRAIT OF A LADY reden. Warum? Weil das ein Liebesdrama ist und es dafür nicht dermaßen viele Fans unter den Sammlern gibt wie für einen US-Horrorfilm. Ich selbst mag Kilars DRACULA ganz gerne, aber halte ihn nicht für einen seiner allerbesten Scores, fand ihn schon in der ursprünglichen CD-Fassung auf Dauer denn doch etwas zu repetitiv. Es ist auch beileibe nicht so gewesen, daß der Score an 1992/1993 von seriösen Filmmusikritikern überall gefeiert worden wäre. Da gabs schon unterschiedliche Meinungen, gerade so aus der Karban-Müthing-Ecke etwa. Ich kann etwa dieses Statement von Müthing durchaus ein wenig nachvollziehen, wobei mit dem Animationsfilm-Score von 1979 LE ROI ET L´OISEAU gemeint ist: "So wenig ich die schon fast religiöse Begeisterung für Kilars "Dracula" nachempfinden kann, so sehr gefällt mir dieser farbige, melodienreiche und verspielte Score zu einem französischen Animationsfilm aus dem Jahr 1979." Oder man könnte z.B. den sehr kunstvoll und raffiniert gefertigten PAN TADEUSZ von 1999 nehmen. Kennen wiederum nur ganz wenige hierzulande, weil es eben ein rein polnischer Film ist und erneut ein Genre, das unter den üblichen Filmmusiksammlern nicht großartig favorisiert wird. Insofern hat solch eine Musik bei der normalen Filmmusik-Klientel ja von vornherein keine Chance gegen DRACULA. Und wiederum handelt es sich aber um eine ausnehmend schöne Musik, die ich persönlich DRACULA jederzeit noch vorziehen würde. -
Musik fürs Herz (Film, Serie, Video Game)
Stefan Schlegel antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ich kann mich nicht dran erinnern, daß die CD von KÖNIG DER LETZTEN TAGE damals an 1993 schwer zu bekommen gewesen wäre. Die gabs ja eh ganz normal bei Christian Krohns Cinema Soundtrack Club, wo ich sie damals wie üblich gleich nach Ankündigung bestellt hatte. Ich habe sie aber in den Wochen drauf sogar im ein oder anderen Plattenladen etwa in Tübingen oder Reutlingen dann rumstehen sehen, weil es ja halt auch ein ZDF-Zweiteiler und dementsprechend zu der Zeit gerade hierzulande recht populär war. FROM A FAR COUNTRY war hingegen an 1981 bei weitem nicht in jedem deutschen Plattenladen zu finden und wurde erst in den folgenden Jahren innerhalb der deutschen Sammlerszene dann auch als absoluter Geheimtipp gehandelt.