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Der Charles-Ives-Gedächtnis-Spätsommer


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grade mit Sebastian im ICQ geredet, und da hab ich ihm ein wenig erklärt, was mir nicht so gefällt..

"The Unanswered Questeion" fand ich ok, aber zum Beispiel seine Pianosachen finde ich eher abschreckend.. bzw wirken teils so, als ob das ein Kind spielte.. oder ob er sich da absichtlich verspielt (The Side Show), auch wenn es nur ein Wechsel von Takten ist.. dazu kann ich mit Operngesang nichts anfangen.. auch darüber mit Sepp geredet.. werd bestimmt ab und an wieder ein Ohr hier riskieren.. jedoch aktueller Stand ist eher ein "Nein" als ein "Ja".

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Sou...hab mich nun auch mal hier durchgehört...schwere, zum Teil sehr schwere Kost. "The Unanswered Question" war da wirklich noch das für mich am Angenehmsten zu Hörende, erinnerte mich teilweise an Goldsmiths ALIEN (die einsame Trompete...) und fand ich auch so recht schön zu hören, ebenso wie der Ausschnitt von der 2. Sinfonie. Doch, großorchestrale Sachen, auch aus der Modere schaffen es immer wieder, mich ins Schwärmen zu versetzen. ;)

Diese Lieder... ja, die haben auch irgendwie Etwas. "The Side Show" fand ich sehr witzig - diese abwechselnden 3/4 - 2/4 Rhythmen sind mal was Anderes.

Die Piano Sonate sowie die Viertelton-Musik...nee, da muss ich passen. Interessant aufgebaut und arrangiert, aber nichts für meine Gehörgänge. Rein Dissonantes/Atonales kann ich auf lange Zeit nicht hören.

Ansonsten: Respekt vor der Arbeit, die du dir machst Seb. Weiter so, ich werds ebenfalls weiter verfolgen. :)

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Danke, Fredie, für den Kommentar - und freut mich, dass dir "The Unanswered Question" und zumindest die Songs ansatzweise gefallen. Das macht Mut, mit meiner Song-Reihe weiterzumachen. :)

Die Viertelton-Stücke und die Klaviersonate... ja, das ist wirklich schwere, sehr schwere Kost. Ich find´s faszinierend, aber ich erwarte von niemandem, dass er das auch toll findet.

@Gerrit: PN! :)

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Tia, dieses Wochenende hab ich leider wieder keine Zeit gefunden... als Entschädigung gibt es dieses Mal aber einen anderen Ives-Leckerbissen: der dritte Satz aus seiner 2. Klaviersonate, der "Concord Sonata". Babis hatte ja im letzten Beitrag auf der ersten Seite schon den 1. Satz des Werks kurz vorgestellt.

Im Gegensatz zu den drei anderen Sätzen ist der 3. Satz, "The Alcotts", von recht melodischem und romantischem Charakter. Hier verarbeitet Ives das Kopfmotiv aus Beethovens 5. Sinfonie (kennt jeder, das Schicksalsmotiv mit Terzfall am Ende: dadada daaaa ;) ) - ein weiteres Beispiel für Ives' intensive und äußerst kreative Auseinandersetzung mit der Tradition. Im Mittelteil des Satzes werden die Variationen dieses Motivs zwar etwas "stürmischer" und harmonisch freier, dennoch gleitet der Satz nie in völlige Atonalität ab, sondern bleibt auch für Freunde des Melodischen gut durchhörbar.

http://www.youtube.com/watch?v=D1xy-UXsNkM&NR=1

Für die Interessierten: Ives schrieb die Sonate in Gedenken an die großen amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson, Nathaniel Hawthorne, die Alcotts (Bronson und Louisa May Alcott) und Henry David Thoreau - alle stammten aus Ives' Heimat New England und vertraten philosophisch den Transzendentalismus, mit dem sich Ives sehr verbunden fühlte. Der Ort Concord in Massachusetts war das Zentrum dieser philosophischen Entwicklungen. Die "Concord Sonata" ist Ives' Hommage an diese Philosophen und an den Transzendentalismus generell. Ein Stück der absoluten Vergeistigung und Eins-Werdung mit der Natur. In meinen Ohren ein Stück des Friedens und eines der großen Meisterwerke der Solo-Klavier-Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Sebastian, Sebastian... ich möchte mich hiermit von Herzen bei dir bedanken, denn - vielleicht auch ohne Intention - hast du mir etwas mit auf den Weg gegeben, was sich mir und meiner Seele wie ein verlorenes Puzzlestück anfügt. Für mich persönlich der beste Beitrag, den ich je auf dem Board gelesen habe, was allerdings schon deutlich subjektive Gründe hat. Ein Beitrag, in dem mein Name, Beethoven, Emerson und Thoreau vorkommen, der kann für mich ja auch nur mit einer qualitativen Note verbunden sein. ^_^

Ich hatte gerade bei diesem 3.Satz, den ich zwar zuvor in andere Aufnahme schon vernommen hatte, ein Hörerlebnis, wie es nur selten auftritt. Ich habe mich wahrlich erleuchtet gefühlt und deine Erläuterung dazu, erleuchtet dieses Erlebnis zu einer gewissen Deutlichkeit. Ich selber bin eng verbunden mit Emerson und Thoreau, mit dem Transzendentalismus ihrer Lehren und vielleicht erklärt sich jetzt auch schlagartig, warum ich mich Charles Ivez so nah fühle. Seine Musik und die Befriedigung meines Geistes scheinen nicht zufällig aufeinander zu fallen. Vielmehr scheine ich mit dieser Musik eine Geistesverwandschaft zu haben, die ich zwar noch nicht in der Gänze nachvollziehen kann, doch aber deutlich spüre. Dass nun Beethoven auch mein erklärter Lieblingskomponist ist und sich Ives hier der Reichhaltigkeit der Vergangenheit bedient, scheint wie das sahnige i-Tüpfelchen auf der gesamte Geschichte.

Um es abzuschließen: vielen Dank dafür, vielen Dank für Erklärung und Anklang - ein Inhalt, der für mich persönlich eine große Nachhaltigkeit aufweisen wird. Danke. :)

Ich möchte an dieser Stelle gerne auch Thoreau, Emerson und geistige Verwandschaft empfehlen, beispielsweise auch dann, wenn man sich für Lehren und Leben Ghandis interessiert. Vielleicht auch für Pazifisten geeignet, sicher aber für Menschen, die nicht jeden Schritt seit der Industrialisierung gut heißen können!

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Vielen herzlichen Dank auch an dich, Babis, für diesen lieben Beitrag! :) Es bedeutet mir viel, jemanden für Ives und seine Musik begeistert zu haben - es gibt einfach Kunstwerke, die stehen wie ein Monolith in der Welt, wie ein Block der Erkenntnis, dem trotzdem (leider) die meisten Menschen mit Unverständnis entgegen treten. Zu diesen Kunstwerken zählen, wie ich finde, viele Werke von Charles Ives (oder auch von Alfred Schnittke oder Olivier Messiaen). Schön, dass der Geist dieser Musik zu dir gefunden hat.

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