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30/52 LEGEND by Jerry Goldsmith


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Hätte ich einen einzigen filmmusikalischen Wunsch frei, dann würde er ungefähr so lauten: "Ich wünsche mir das Jerry Goldsmith auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft (70er bzw. Beginn 80er) Peter Jackson´s Herr der Ringe Trilogie vertont". Meine Güte, was wir da an musikalischer Qualität bekommen hätten, wäre sowieso zuviel für meine Ohren gewesen. Wie das ganze Ding vielleicht in etwa geklungen hätte, hören wir in seinem letzten ganz großen Meisterwerk - Legend. 

Legend stellt die zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott dar und zum zweiten mal, gab es sehr vorsichtig ausgedrückt, ein kreative Desaster für den Großmeister der Filmmusik. Scott ein rückgradloses musikalisches Leichtgewicht (meiner Meinung nach auch filmisch bis auf ganz wenige Ausnahmen) verstümmelte schon bereits Goldsmiths Großtat "Alien" und sechs Jahre später wurde auch auf Druck von Sid Sheinberg die Musik zu Legend rejected. Im europäischen Cut des Films ist Goldsmith´s Werk noch zuhören, aber leider auch nicht in der vom Komponisten geplanten Form. Sid Sheinberg wollte eine Musik die mehr das "jüngere" Publikum anspricht und so durfte Tangerine Dream die Musik (in 3 Wochen) für den amerikanischen Markt komponieren.   

 

Goldsmith großorchestraler und synthetischer Hybridsoundtrack stellt meiner Meinung nach eine Ausnahmerscheinung in Oeuvre dar. Vergleichbar ist die Filmmusik vielleicht am ehesten noch mit The Secret of Nimh - aber in Legend steckt so viel kreative Kraft und Herzblut wie in kaum einer anderen Filmmusik von Jerry Goldsmith. Eine großartige Synthese aus Chor, Synthesizer, Orchester und Solostimmen die ihresgleichen in der Filmmusikgeschichte sucht. Ausschlaggebend für eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Goldsmith und Scott war das Drehbuch von William Hjortsberg (nach seinem Roman) das Goldsmith so liebte und ihn über seinen Schatten springen lies. 

 

"Ridley was somewhat surprised when they called me to do LEGEND. I flipped over the script, and you know the pity is the writer [William Hjorts-berg] is taking such a rap on this picture. They’re all blaming him, and he wrote a beautiful script. I wanted to do it because of the script. I told Ridley that working on ALIEN was one of the most miserable experiences I’ve ever had in this profession. Personally it was a really trying time for me. And he said, “What was the problem?” I said, “Ridley, you can’t communicate. I was on the picture for four months and I talked to you three times. All during the recording you didn’t say a word to me, and I need some feedback.” So on LEGEND we communicated like crazy and the score went right out the window." - Jerry Goldsmith

 

I read somewhere that he (Ridley Scott) said, “I hope Jerry forgives me.” Do you?
I read that. No, I don’t forgive him. Why should I forgive him?

 

Goldsmith investierte ein halbes Jahr in die Musik zu diesem unterdurchschnittlichen Film - und dieses hohe Mass an persönlichem Engagement hört man meiner Meinung nach in jeder Note dieses großartigen Werks. Ich bin an sich kein großer Fan von Synthesizer Musik aber diese ungemein harmonische Verschmelzung zwischen Orchester, Stimmen und synthetischer Musik ist absolut einzigartig. Die synthetischen Element fügen sich natürlich in das Klangkonzept ein und passen in der Tat wie die Faust aufs Auge. Die Zurückweisung dieser Musik dürft Goldsmith doch deutlich getroffen haben, denn nach 1985 und der Erfahrung mit "Legend" versuchte er nie wieder ein ähnliches, so innovatives ambitioniertes Klangkonzept. Auch bei Goldsmiths ungemein hohen filmmusikalischen Standard sticht diese Vertonung noch heraus. Würde jemand behaupten "Legend" stellt Goldsmith Karrierehöhepunkt dar - so würde ich nicht protestieren, zumindest ist es aber sein ambitioniertestes Werk. Meine persönliche Liebe zu diesem Werk musste über die Jahre erst reifen - aber sie wächst weiter mit jedem Hören.

 

Schon der erste Track "Main Title / The Goblins" zeigt wo die musikalische Reise hingeht. Die Synthesizer als natürliche Erweiterung zum Chor und Orchester schafft eine "unearthly" mystische und zauberhafte Stimmung. Schon dieses Eröffnungsstück klingt wie ein musikalischer Zweikampf zwischen den unterschiedlichen Stilen  der Musik - oder um es plakativ und nicht ganz treffend auszudrücken Gut gegen Böse.

"My True Love´s Eyes" is das wohl eindrucksvollste und schönste Liebesthema in Goldsmith Karriere - und ist ganz nebenbei seit Jahren mein Klingelton für meine Frau. Im Film wie auch in der Musik geht es auch um die Natur und die Liebe zur Natur - auch dieser Aspekt findet eindrucksvoll Einzug in Goldsmiths Partitur.

"The Unicorns" stellt mit seinen ständig wechselnden Klangfarben, die stets vorhandene Bedrohung durch die Goblins und das atemberaubend schöne Einhorn Thema einen weiteren Höhepunkt, einer an Höhepunkten reichen Filmmusik dar. Hier erklingt auch Jack´s (Tom Cruise) Thema zum ersten mal.

Die Musik beinhaltet ebenso eindrucksvolle "Folkloremusik" - besonders schön ist hier das verspielte und leichtfüßige "Sing the Wee" oder "The Riddle".

Goldsmith typische Actionmusik gibt es natürlich auch zu hören - erstmalig in "Bumps and Hollows / The Freeze" hier erinnert die Musik etwas an Poltergeist.

"Faerie Dance" ist ein weiterer Höhepunkt - ein frenetischer, ausgelassener Tanz der sich immer mehr steigert - eine orchestrale tour-de-force die beim bloßen Zuhören schon schwindlig macht - überflüssig zu bemerken das die Szene der Schere zum Opfer fiel. Ein weiteres eindrucksvolles, trancehaftes impressionistisches Tanzstück stellt "The Dress Waltz" dar. 

Die Filmmusik ist so immens reich an musikalischen Farben, an origineller Orchestration und an spannenden musikalischen Einfällen das es fast schon beängstigend ist. Eine unbeschreibbar schöne Filmmusik!

In den letzten drei Tracks zündet Goldsmith nochmals ein kreatives Feuerwerk. "Darkness Fails" ist eine musikalische Achterbahnfahrt und spiegelt den Kampf zwischen Gut und Böse musikalisch atemberaubend wider. In "Re-United" sind nochmals die wichtigsten "hellen" Motive und Themen der Filmmusik zu hören die schlussendlich über die Dunkelheit triumphiert haben.

 

Filmmusik auf der absoluten Spitze ihrer Möglichkeiten und Kunstfertigkeit - ein Meisterwerk von tatsächlich epischen Ausmaß!!!

 

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Volle Zustimmung!

Es ist ja nicht nur eine Katerstrophe, dass der Score rausflog... der Gipfel ist ja wogegen er ausgetauscht wurde! Man muss sich wirklich mal die US Fassung geben. Und an Filmhochschulen zum Thema Filmmusik sollten beide Fassungen einmal gezeigt werden. Eine einzige Frechheit. Scott mag selbst heute nicht wirklich zugeben, was er da getan hat. Im AK meint er "In Anbetracht der kurzen Zeit die Tangerine Dream dann hatte ist deren Score doch ganz gut geworden!"

 

Unfassbar...

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Auch für mich eines der Highlights schlechthin - sowohl von Goldsmith als auch in Punkto Filmmusik. 

 

Das mehr als perfekte Zusammenspiel von Elektronik und Orchester war wohl nie perfekter - vielleicht auch dem Anspruch von Goldsmith geschuldet, dass er die Elektronik nicht als Orchesterersatz, sondern als weitere Klangfarbe gesehen hat.

 

Ich krieg leider nicht mehr zusammen (...ja ja das Alter!!!) ob ich den Film zuerst gesehen habe oder ob ich die LP vorher hatte. Auf jeden Fall hatte ich mit dieser Musik zu Anfang meine Schwierigkeiten, weil sie (es muss doch vor dem Film gewesen sein, der irgendwann so um 1988 im "Ersten" lief) so untypisch war, für das was ich zu dieser Zeit von Goldsmith kannte! Das muss so 1986 gewesen sein. Da war Bond und Barry noch ganz hoch im Kurs...

 

Das LP-Programm war aber von Goldsmith sehr geschickt zusammen getragen worden und mit knapp 45 Minuten Laufzeit für damalige Verhältnisse gut bedacht! Jahre später bekam ich dann endlich die verlängerte Version von SilvaScreen und somit auch endlich den Main Title, den ich so sehr mochte (nachdem ich den Film gesehen hatte).

 

Ich höre die CD nicht mehr so oft wie früher, aber LEGEND ist für mich selbige und wird immer sehr hoch im Kurs bleiben. 

 

Tolle Musik von einem tollen (Ausnahme-)Komponisten!

 

Gruß

 

Jens

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Vor etwa 10 Jahren hatte ich einen Workshop in einem Live-Musik-Club hier in Berlin.

Der Besitzer, den ich sehr gut kannte, gab mir die Schlüssel zu dem Club und ich sollte nach dem Workshop abschließen.

Ich blieb dann aber danach noch etwa 2 Stunden da und hörte völlig alleine über die sauteure Bühnenanlage LEGEND und THE EMPIRE STRIKES BACK in ziemlicher Lautstärke.

So habe ich die Scores nie wieder erlebt.

Unvergesslich....

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