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Der amerikanische FILM NOIR von 1941 - 1958


Angus Gunn
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Ein schönes und aufwendig produziertes Album mit Musik des Republic Studios ist Anfang der 90er auf CInedisc erschienen, war vorher aber auch schon auf LP. Insgesamt gab es drei Alben mit Neuaufnahmen vom originalen Notenmaterial diverses Scores aus den Serials des Studios. Aber nur zu dem Album mit Musik aus The Lone Ranger gab es auch historische Originalaufnahmen. Dabei nutzte man die Azetate der Aufnahmen von Cues aus dem Lone Ranger Serial, welche Anfang der 1940er in Mexiko entstanden waren, um sie in den USA in der Radioversion der Serie nutzen zu können. Dabei hat man, um Copyright umgehen zu können, hier und da ein paar Noten der Stücke verändert. Dies wurde auf der Cinedisc den Originalversionen der Stücke gegenübergestellt. Hole die Platte immer mal wieder gerne aus dem Regal.


 

Music of the Lone Ranger

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  • 3 Wochen später...
Am 22.11.2020 um 11:23 schrieb Trekfan:

Insgesamt gab es drei Alben mit Neuaufnahmen vom originalen Notenmaterial diverses Scores aus den Serials des Studios. Aber nur zu dem Album mit Musik aus The Lone Ranger gab es auch historische Originalaufnahmen.

Das wußte ich nicht. Kenne von diesen James-King-Aufnahmen nur die Varese-CD-Auflagen.

 

Hugo Friedhofer:  VIOLENT SATURDAY (1955)

Dieser Film stammt aus dem selben Jahr wie BAD DAY AT BLACK ROCK und weist mit diesem mehrere Gemeinsamkeiten auf (Farbe, Cinemascope, Kleinstadt-Milieu, Marvin, Borgnine). Die Handlung ist denkbar simpel:  In einer vom Bergbau bewirtschafteten Gemeinde wird ein Bankraub vorbereitet und ausgeführt. Interessant ist dabei die Erzählweise. Eine handvoll Einwohner und deren Umfeld werden vom Drehbuch herausgegriffen und mit ihren kleinbürgerlichen Sorgen und Marotten skizziert. Parallel dazu laufen die Planungen des Ganoventrios. Als es schließlich zur Eskalation kommt, wird jeder der zuvor porträtierten Figuren auf die eine oder andere Art in das Geschehen um den Raubüberfall mit hineingezogen. Ein interssanter und spannender Film, der vor allem an den Alltags-Charakteren und ihren Verhaltensweisen in dieser Ausnahmesituation interessiert ist. Die drastische und glaubwürdige Darstellung bei Schußwechseln und Gewaltszenen war ihrer Zeit voraus. Die britischen bzw. amerikanischen Blurays sind toll aber zur Zeit leider sehr kostspielig. Von der spanischen DVD muß ich ausdrücklich abraten. Inzwischen wird davon auch eine Bluray-Version angeboten. Ob diese eine wirklich bessere Bildqualität besitzt, weiß ich nicht.

Friedhofers Score ist kurz und präzise getimt, schweigt während der finalen Auseinandersetzungen fast völlig (eine weitere Gemeinsamkeit mit BAD DAY...). Große, einprägsame Melodien wird man hier nicht finden. Und da der Film in dem Sinne auch keinen Hauptdarsteller hat (sämtliche Charaktere agieren annähernd gleichberechtigt nebeneinander) bietet sich auch kein Ansatzpunkt für charakterbezogene Themen).

 

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  • 1 Monat später...
Am 12.12.2020 um 14:52 schrieb Angus Gunn:

Das wußte ich nicht. Kenne von diesen James-King-Aufnahmen nur die Varese-CD-Auflagen.

 

Hugo Friedhofer:  VIOLENT SATURDAY (1955)

Dieser Film stammt aus dem selben Jahr wie BAD DAY AT BLACK ROCK und weist mit diesem mehrere Gemeinsamkeiten auf (Farbe, Cinemascope, Kleinstadt-Milieu, Marvin, Borgnine). Die Handlung ist denkbar simpel:  In einer vom Bergbau bewirtschafteten Gemeinde wird ein Bankraub vorbereitet und ausgeführt. Interessant ist dabei die Erzählweise. Eine handvoll Einwohner und deren Umfeld werden vom Drehbuch herausgegriffen und mit ihren kleinbürgerlichen Sorgen und Marotten skizziert. Parallel dazu laufen die Planungen des Ganoventrios. Als es schließlich zur Eskalation kommt, wird jeder der zuvor porträtierten Figuren auf die eine oder andere Art in das Geschehen um den Raubüberfall mit hineingezogen. Ein interssanter und spannender Film, der vor allem an den Alltags-Charakteren und ihren Verhaltensweisen in dieser Ausnahmesituation interessiert ist. Die drastische und glaubwürdige Darstellung bei Schußwechseln und Gewaltszenen war ihrer Zeit voraus. Die britischen bzw. amerikanischen Blurays sind toll aber zur Zeit leider sehr kostspielig. Von der spanischen DVD muß ich ausdrücklich abraten. Inzwischen wird davon auch eine Bluray-Version angeboten. Ob diese eine wirklich bessere Bildqualität besitzt, weiß ich nicht.

Friedhofers Score ist kurz und präzise getimt, schweigt während der finalen Auseinandersetzungen fast völlig (eine weitere Gemeinsamkeit mit BAD DAY...). Große, einprägsame Melodien wird man hier nicht finden. Und da der Film in dem Sinne auch keinen Hauptdarsteller hat (sämtliche Charaktere agieren annähernd gleichberechtigt nebeneinander) bietet sich auch kein Ansatzpunkt für charakterbezogene Themen).

 

Ist - so weit ich weiß - doppelt veröffentlicht worden: einmal bei Kritzerland zusammen mit The Barbarian and the Geisha und das andere Mal bei Intrada zusammen mit Harline's Warlock 

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  • 3 Wochen später...

Ich habe gerade gesehen, dass dieser Film morgen auf Arte ausgestrahlt wird.  Grund genug, ihn an dieser Stelle zu würdigen.

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Leona (Barbara Stanwyck) ist aufgrund einer Herzkrankheit ans Bett gefesselt. Als ihr Mann (Burt Lancaster) eines Abends nicht nach Hause kommt, ruft sie im Büro an. Es kommt zu einer fehlerhaften Verbindung, und Leona belauscht am Telefon ein Komplott. Eine Frau soll zu einer bestimmten Uhrzeit ermordet werden. Den Ort des Verbrechens erfährt sie jedoch nicht. Da die Polizei mit den Angaben nichts anzufangen weiß, versucht Leona mit einem erneuten Anruf im Büro selber etwas herauszufinden, was ihr auch gelingt, bis sie selbst auf die Abschußliste gerät.

Du lebst noch 105 Minuten ist über weite Strecken ein enorm spannendes Kammerspiel, das in allererster Linie von Barbara Stanwyck getragen wird. Eigentlich ein reiner Thriller, doch die abgründigen Charaktere, die sich rund um Leona tummeln, gehören unbedingt in den Noir-Kosmos. Angemessen fiebrig und schroff ist Franz Waxmans Musik. Gerade die Situationen von Stress und Hilflosigkeit, in die die Protagonistin gerät, fängt der Score effektiv ein, und weckt dabei Assoziationen zu vibrierenden Nervensträngen. Auf Intradas "Noir-at-Paramount"-Set ist die Originalaufnahme in Form von 7 aufreibenden Tracks enthalten.

Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn nicht verpassen, zumal es bisher keine wirklich empfehlenswerte deutsche DVD hiervon gibt. Und ruhig auch mal das deutsche TV-Remake mit Ingrid Andree und Harald Leipnitz antesten.

 

 

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Am 21.2.2021 um 23:39 schrieb Angus Gunn:

Ich habe gerade gesehen, dass dieser Film morgen auf Arte ausgestrahlt wird.  Grund genug, ihn an dieser Stelle zu würdigen.

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Leona (Barbara Stanwyck) ist aufgrund einer Herzkrankheit ans Bett gefesselt. Als ihr Mann (Burt Lancaster) eines Abends nicht nach Hause kommt, ruft sie im Büro an. Es kommt zu einer fehlerhaften Verbindung, und Leona belauscht am Telefon ein Komplott. Eine Frau soll zu einer bestimmten Uhrzeit ermordet werden. Den Ort des Verbrechens erfährt sie jedoch nicht. Da die Polizei mit den Angaben nichts anzufangen weiß, versucht Leona mit einem erneuten Anruf im Büro selber etwas herauszufinden, was ihr auch gelingt, bis sie selbst auf die Abschußliste gerät.

Du lebst noch 105 Minuten ist über weite Strecken ein enorm spannendes Kammerspiel, das in allererster Linie von Barbara Stanwyck getragen wird. Eigentlich ein reiner Thriller, doch die abgründigen Charaktere, die sich rund um Leona tummeln, gehören unbedingt in den Noir-Kosmos. Angemessen fiebrig und schroff ist Franz Waxmans Musik. Gerade die Situationen von Stress und Hilflosigkeit, in die die Protagonistin gerät, fängt der Score effektiv ein, und weckt dabei Assoziationen zu vibrierenden Nervensträngen. Auf Intradas "Noir-at-Paramount"-Set ist die Originalaufnahme in Form von 7 aufreibenden Tracks enthalten.

Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn nicht verpassen, zumal es bisher keine wirklich empfehlenswerte deutsche DVD hiervon gibt. Und ruhig auch mal das deutsche TV-Remake mit Ingrid Andree und Harald Leipnitz antesten.

 

 

Sorry, Wrong Number _ Prelude/The Foreword * Stanwyck, Lancaster / music by Franz Waxman _ 1948 - YouTube

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  • 1 Monat später...
Am 12.12.2020 um 14:52 schrieb Angus Gunn:

Das wußte ich nicht. Kenne von diesen James-King-Aufnahmen nur die Varese-CD-Auflagen.

 

Hugo Friedhofer:  VIOLENT SATURDAY (1955)

Dieser Film stammt aus dem selben Jahr wie BAD DAY AT BLACK ROCK und weist mit diesem mehrere Gemeinsamkeiten auf (Farbe, Cinemascope, Kleinstadt-Milieu, Marvin, Borgnine). Die Handlung ist denkbar simpel:  In einer vom Bergbau bewirtschafteten Gemeinde wird ein Bankraub vorbereitet und ausgeführt. Interessant ist dabei die Erzählweise. Eine handvoll Einwohner und deren Umfeld werden vom Drehbuch herausgegriffen und mit ihren kleinbürgerlichen Sorgen und Marotten skizziert. Parallel dazu laufen die Planungen des Ganoventrios. Als es schließlich zur Eskalation kommt, wird jeder der zuvor porträtierten Figuren auf die eine oder andere Art in das Geschehen um den Raubüberfall mit hineingezogen. Ein interssanter und spannender Film, der vor allem an den Alltags-Charakteren und ihren Verhaltensweisen in dieser Ausnahmesituation interessiert ist. Die drastische und glaubwürdige Darstellung bei Schußwechseln und Gewaltszenen war ihrer Zeit voraus. Die britischen bzw. amerikanischen Blurays sind toll aber zur Zeit leider sehr kostspielig. Von der spanischen DVD muß ich ausdrücklich abraten. Inzwischen wird davon auch eine Bluray-Version angeboten. Ob diese eine wirklich bessere Bildqualität besitzt, weiß ich nicht.

Friedhofers Score ist kurz und präzise getimt, schweigt während der finalen Auseinandersetzungen fast völlig (eine weitere Gemeinsamkeit mit BAD DAY...). Große, einprägsame Melodien wird man hier nicht finden. Und da der Film in dem Sinne auch keinen Hauptdarsteller hat (sämtliche Charaktere agieren annähernd gleichberechtigt nebeneinander) bietet sich auch kein Ansatzpunkt für charakterbezogene Themen).

 

Heute endlich mal gesehen - auf der DVD von Twilight Time mit isolierter Tonspur. Die Bilqualität ist nach heutigen Maßstäben (und verglichen mit den späteren Twilight-Time-Blu-Rays) katastrophal, auch fehlen Untertitel. Aber der Film selbst hat mich beeindruckt. Ein wirklich interessantes Konzept mit tollen Darstellerinnen und Darstellern in Szene gesetzt!

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vor einer Stunde schrieb Mephisto:

Heute endlich mal gesehen - auf der DVD von Twilight Time mit isolierter Tonspur. Die Bilqualität ist nach heutigen Maßstäben (und verglichen mit den späteren Twilight-Time-Blu-Rays) katastrophal, auch fehlen Untertitel. Aber der Film selbst hat mich beeindruckt. Ein wirklich interessantes Konzept mit tollen Darstellerinnen und Darstellern in Szene gesetzt!

Sehr gut ist die britische Bluray von Eureka, aber leider schon länger ausverkauft. Der Film ist großartig, einer meiner liebsten Filme von Richard Fleischer. Und ein großartiger Ernest Borgnine. 

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Am 25.7.2020 um 21:33 schrieb Angus Gunn:

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Leigh Harline:  BLACK WIDOW  (Die Spinne)

"Professionell und spannend inszeniertes Eifersuchts- und Kriminaldrama mit gesellschaftskritischem Einschlag im attraktiven Künstlermilieu" steht es im Filmlexikon zu lesen. Der Film ist rein vom formalen Aspekt her weit entfernt vom typischen Noir-Stil früherer Jahre, und bei seiner Dialoglastigkeit bestand eigentlich kein Grund, ihn in Cinemascope und Farbe zu inszenieren. Die Geschichte jedoch, die ihren Hauptcharakter (Van Heflin) und die ihn umgebenden Figuren immer tiefer in einen Strudel der Unmoral zieht, gehört eindeutig in den Noir-Kosmos.

Beurteilen kann ich das selber nicht, da ich ihn bisher noch nicht gesehen habe. Die Musik allerdings dürfte eine der schönsten sein, die einen Noir zu jener Zeit bereichert haben. Die Titelmusik (unten verlinkt) ist ein Wunderwerk von düsterer Eleganz und melodisch umwerfend. Klavierstücke und Orchestertutti, mal schwelgerisch, mal solistisch, beschreiben das exquisite High-Society-Milieu. Erst in der zweiten Hälfte kehren die dunkleren Klangfarben zurück (DECISION und CONFESSION sind Kompositionen von großer Intensität, ebenso malerisch wie schwermütig) und beenden den nur 22-minütigen Score mit schwarz-romantischen Walzer-Klängen, basierend auf dem Strauss´schen SALOME-Tanz, der zuvor im Score auch direkt zitiert wird. Alfred Newman dirigiert das Fox-Orchester in gewohnter Präzision und Hingabe ("... next to impossible to duplicate.") Unbedingte Empfehlung!

 

Heute Abend erstmals von der Twilight-Time-Blu-Ray gesehen. In jeder Hinsicht ein Genuss! Tatsächlich spielt das Liebesthema aus Salome von Richard Strauss eine große Rolle in der Musik, denn es begleitet die Protagonistin bei ihrem Auftsieg in die New Yorker High Society, während sie immer weiter in Nähe des Central Parks zieht. Ein wirklich sehenswerter Film, wobei mich, auch wie VIOLENT SATURDAY, überrascht hat, dass er in Cinema Scope und in Farbe gedreht wurde. Absolute Empfehlung!

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  • 2 Monate später...

Gerade auf DVD / BD erneut veröffentlicht:  LAßT MICH LEBEN (1958)

Barbara Graham führt ein moralisch fragwürdiges Leben. Sie treibt sich im Nachtclub-Milieu herum, schlägt sich mit Prostitution und Trickbetrügerei durch, sitzt eine Haftstrafe wegen Meineides ab (was ihr später zum Verhängnis werden wird) und heiratet den morphiumsüchtigen Barkeeper Henry, mit dem sie auch einen kleinen Sohn bekommt. Sie wird in weitere kriminelle Aktionen hineingezogen. Als eine alte Frau bei einem Überfall erschlagen wird, landet Barbara vor Gericht. Ihr droht der Tod in der Gaskammer.

Der Film hält sich an die tatsächlichen Ereignisse, die von dem Journalisten Edward Montgomery (im Film von Simon Oakland dargestellt) dokumentiert wurden, wobei Grahams Beteiligung an dem Mord in der Realität umstritten ist. Der Film folgt den Berichten Montgomerys und zeichnet das Bild eines tragischen Justizirrtums.

Susan Hayward spielt Graham als reizbare, impertinente aber charakterstarke Frau. Bis zu ihrer Verhaftung ist der Film ein hitziges, nachtschwarzes Milieudrama in einem Klima völliger moralischer Verkommenheit, eingehüllt in Johnny Mandels enthemmte Jazz-Kompositionen. Danach beginnt Grahams Leidensweg durch die Gerichtsprozesse bis hin zum letzten Gang in die Gaskammer. Die Inszenierung wird ruhiger, und auch beim Score treten zunehmend reflexive Motive in Erscheinung. Zu kalten, unbequemen Klängen wird die Hinrichtung quälend langwierig und in allen Details vorbereitet. Als schließlich das Gas aufsteigt wählt Mandel ein klinisch kaltes, gespenstisches Klanggeflecht. Ein jenseitiges Signal, das den eintretenden Tod anstimmt. Ein erschütternder Film.

Erschütternd ist aber auch die deutsche Tonspur der neuen Auflage, die die bekannten Stimmen in falscher Geschwindigkeit fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Das Ergebnis mehrerer Normwandlungen in Laufe der Jahre?

 

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Am 23.8.2020 um 23:10 schrieb Angus Gunn:

Leigh Harline:  HOUSE OF BAMBOO

Das Problem von TOKIO STORY liegt in seiner allzu konventionellen Geschichte, in der ein amerikanischer Captain und ein japanischer Inspektor gegen eine Gangsterbande vorgehen, die einen US-Militärzug überfallen hat. Rein formal ist Regisseur Sam Fuller hier in bester Verfassung, weiß seine authentischen Schauplätze effektvoll zu nutzen, und auch mit explosiven Actionszenen zu erfreuen. Fürs Auge wird also einiges geboten, und zwar in Farbe und Cinemascope. Über die vorhanden Schwächen des Drehbuchs kann man dennoch nicht ganz hinwegsehen, zumal der Film mit Robert Stack einen recht farblosen Hauptdarsteller besitzt, da nützt auch DeLuxe Color nichts. Robert Ryan als Gegenspieler ist da ein völlig anderes Kaliber.

Leigh Harlines Musik ist wiedereinmal vom Feinsten, und es ist mir unverständlich warum er im Vergleich zu anderen Golden-Age-Komponisten so wenig beachtet wird. Mit flirrenden Streichern und dramatischen Akzenten vom Blech leitet die furiose Titelmusik einen Score ein, der ansonsten neben dezent eingesetztem, fernöstlichem Kolorit sich vor allem dem Subplot um eine Liebesgeschichte zwischen Stack und der Japanerin Shirley Yamaguchi widmet. Harline überfordert den Film nicht mit zuviel Streicherpomp und komponierte entwaffnend schöne, farbig orchestrierte, aber auch zurückhaltende Stücke von großer Ausdruckskraft.

 

So, heute auch endlich mal HOUSE OF BAMBOO gesehen und ich muss zugeben, dass ich den recht dröge fand. So interessant es auch ist, dass er an Originalschauplätzen gedreht wurde, finde ich die Dialoge hölzern. Zudem spielen die Darsteller häufig "aneinander vorbei" und auch die Actionszenen wirkten auf mich recht "trocken" - auch, wenn gerade die letzte Schießerei recht spektakulär war und noch mehr Potential gehabt hätte - es fehlte einfach an Tempo.

Harlines Musik ist wirklich sehr fein. Die Titelmusik sehr mitreißend, der Rest viel dezenter aber sehr schön gearbeitet... ich freue mich darauf, den endlich mal auf der Intrada-CD zu hören.

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  • 1 Jahr später...

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Die FILM NOIR CD aus der RCA/BMG-Reihe anthält Suiten aus 5 Kriminalfilmen der klassischen Ära:

THE MALTESE FALCON ist hier kürzer ein paar Minuten kürzer als in der späteren Interpretation auf dem MARCO-POLO-Label.
 

ALL THROUGH THE NIGHT ist nahezu zeitgleich als konventionelles, publikumswirksames Gegenstück zum eher als riskant eingeschätzten Malteserfalken produziert worden. Über die Entführung einer Nachtclubsängerin wird eine Nazi-Verschwörung enttarnt. Der Film ist leichtfüßig, temporeich und humorvoll inszeniert. Er vermag auch heute noch gut zu unterhalten, besitzt aber bei weitem nicht den Klassikerstatus anderer Produktionen aus dem Genre. Ob er überhaupt als Noir einzuordnen ist, wäre zumindest diskussionswürdig. Adolph Deutsch schrieb einen entsprechend agilen, beschwingten Score, der die eindrücklichen, subtilen Qualitäten seines Malteser-Scores vermissen läßt, die hier aber auch fehl am Platz gewesen wären.

Friedrich Holländer ist ein Komponist, den man nicht in erster Linie mit dramatischen Stoffen verbindet. Mit THE VERDICT (Hier irrte Scotland Yard) ist ihm aber ein sehr atmosphärischer Score gelungen, an dem vor allem die dramatisch-klagenden Streicherpassagen gefallen. Der Film ist eine frühe Regiearbeit von Don Siegel und ist, obwohl amerikanisch produziert, hauptsächlich mit britischen Schauspielern besetzt.

Über den großartigen DARK PASSAGE hatte ich hier bereits geschrieben. Mit etwa 14 Minuten ist Waxmans Musik hier vertreten. Sie ist dramatisch so dicht, wie man es von ihm erwarten kann und besitzt ein wunderbar einschmeichelndes Liebesthema, das besonders im Track "The Pad" zum Zuge kommt und das gleich darauf mit dem harrschen "Bogart´s Folly" unsanft beendet wird. Zuletzt genannter Track ist als Steiner-Komposition ausgewiesen. Warum sie hier hineingelangt ist, darüber gibt das Booklet leider keine Auskunft.
 

WHITE HEAT ist völlig zurecht einer der ganz großen Noir-Klassiker. Wer die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters gesehen hat, wird kaum jemals Cagneys delirierend-aggressives Spiel vergessen können, das in einem gewaltigen Zitat kulminiert, das in die Filmgeschichte eingegangen ist: "Made it, Ma! Top of the world!" Max Steiner begleitet ihn dabei gewohnt tatkräftig und für meinen Geschmack in manchen Szenen mal wieder ein klein wenig überzogen. Dennoch trifft die furiose Titelmusik zweifellos den richtigen Ton für Walshs wuchtiges Gangster-Epos und auch das Finale bezieht einen Teil seiner explosiven  Wirkung aus Steiners ausladendem Score.

Die Zusammenstellung dieser CD ist eine wirklich schöne Idee gewesen. Die ausgewählten Musiken sind klasse und auch die Einspielung von Morgan/Stromberg ließe für den Freund klassischer Filmmusik nichts zu wünschen übrig. Mein Problem mit dieser CD liegt einzig und allein in ihrem stark verhallten Klangbild, das leider keine richtige Stimmung aufkommen läßt. Bei Filmmusik dieser Art empfinde die Herangehensweise von MMM-recordings bei deren SF-Monster-Scores mit ihrem trockenen, unmittelbaren Klang als die viel bessere Wahl. Aber in dieser Form ist die CD seit über 20 Jahren leider ein Staubfänger bei mir im Regal.

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  • 1 Jahr später...

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Albert Glasser:  TOKYO FILE 212

Dieses vergessene Spionage-Melodram erzählt seine Geschichte um eine terroristisch agierende japanische Organisation in Form eines klassischen Noir-Polit-Thrillers, inklusive Rückblende und Ich-Erzähler. TOKYO FILE 212 schmückte sich zu seiner Entstehungszeit mit dem Umstand, der erste zur Gänze in Japan (und japanisch ko-produzierte) Spielfilm zu sein, und während der Dreharbeiten kam es zu Drohungen und Protesten seitens links-kommunistischer Interessengruppen, da der Film eine klare anti-kommunistische Aussage hat. Man fühlt sich unweigerlich an aktuelle Schreckgestalten aus dem Antifa-Milieu und deren links-grüne Fan-Gemeinde aus den regionalen Wahlkreisen und dem Bundestag erinnert.

Diese Begleitumstände sind fast intertessanter als der Film selbst, dessen Regie-Duo Dorrell und Stuart McGowan den Stoff recht uninspiriert präsentiert, auch wenn das Finale immerhin ganz gelungen ist. Vielleicht liegt es aber auch an den Schauspielern. Florence Marly ist zwar noch ganz charmant, aber es mangelt ihr an Ausstrahlung. Hautdarsteller Payton erinnert physisch ein wenig an Fred MacMurray ohne auch nur annährend dessen Charisma zu erreichen. Ganz OK, aber es bleibt leider bei guten Ansätzen.

Albert Glassers Score gehört zu den positiveren Seiten des Films. Auch wenn er hier und da in überzogenen Action-Krawall abgleitet, so findet sich doch ein ausladendes Titelthema, hektische Xylophone und Streicherrythmen für die Beschreibung des japanischen Großstadtlebens und viel innige Romantik in Tracks wie JIM MEETS STEFFI. Letztere sind auch die Highlights des Albums. Der ganz große Wurf ist das zwar nicht, gehört für mich aber zu den besseren Glasser-Scores.

Und noch eine wichtige Bemerkung zur CD-Edition von Dragons Domain: Keine Ahnung, was die da für Master verwendet haben, aber die Tonqualität ist verheerend. Selbst Scores aus den 30er und frühen 40er Jahren, wie sie z.B. auf dem Waxman-Set von Intrada dargeboten wurden, klingen erheblich besser. Umso unverständlicher, dass man hier nicht die LP von Screen Archives aus den 80ern gemastert hat. Diese hatte auch ihre Makel, klang aber weitaus besser, als das, was man uns hier unterjubeln will.

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Am 2.7.2024 um 19:06 schrieb Angus Gunn:

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Albert Glasser:  TOKYO FILE 212

Dieses vergessene Spionage-Melodram erzählt seine Geschichte um eine terroristisch agierende japanische Organisation in Form eines klassischen Noir-Polit-Thrillers, inklusive Rückblende und Ich-Erzähler. TOKYO FILE 212 schmückte sich zu seiner Entstehungszeit mit dem Umstand, der erste zur Gänze in Japan (und japanisch ko-produzierte) Spielfilm zu sein, und während der Dreharbeiten kam es zu Drohungen und Protesten seitens links-kommunistischer Interessengruppen, da der Film eine klare anti-kommunistische Aussage hat. Man fühlt sich unweigerlich an aktuelle Schreckgestalten aus dem Antifa-Milieu und deren links-grüne Fan-Gemeinde aus den regionalen Wahlkreisen und dem Bundestag erinnert.

Diese Begleitumstände sind fast intertessanter als der Film selbst, dessen Regie-Duo Dorrell und Stuart McGowan den Stoff recht uninspiriert präsentiert, auch wenn das Finale immerhin ganz gelungen ist. Vielleicht liegt es aber auch an den Schauspielern. Florence Marly ist zwar noch ganz charmant, aber es mangelt ihr an Ausstrahlung. Hautdarsteller Payton erinnert physisch ein wenig an Fred MacMurray ohne auch nur annährend dessen Charisma zu erreichen. Ganz OK, aber es bleibt leider bei guten Ansätzen.

Albert Glassers Score gehört zu den positiveren Seiten des Films. Auch wenn er hier und da in überzogenen Action-Krawall abgleitet, so findet sich doch ein ausladendes Titelthema, hektische Xylophone und Streicherrythmen für die Beschreibung des japanischen Großstadtlebens und viel innige Romantik in Tracks wie JIM MEETS STEFFI. Letztere sind auch die Highlights des Albums. Der ganz große Wurf ist das zwar nicht, gehört für mich aber zu den besseren Glasser-Scores.

Und noch eine wichtige Bemerkung zur CD-Edition von Dragons Domain: Keine Ahnung, was die da für Master verwendet haben, aber die Tonqualität ist verheerend. Selbst Scores aus den 30er und frühen 40er Jahren, wie sie z.B. auf dem Waxman-Set von Intrada dargeboten wurden, klingen erheblich besser. Umso unverständlicher, dass man hier nicht die LP von Screen Archives aus den 80ern gemastert hat. Diese hatte auch ihre Makel, klang aber weitaus besser, als das, was man uns hier unterjubeln will.

Danke für deine Erläuterungen. Werde ich mir mal in Ruhe zu Gemüte führen. 

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Dann aber bitte nicht von der schrecklichen CD-Ausgabe. Auf YT, mit "Classic Soundtrack Collector" überschrieben, finden sich sämtliche Tracks in wesentlich besserer Qualität. Ich habe es nicht direkt verglichen, vermute aber mal, dass hier die Vinyl-LP als Quelle gedient hat.

Mir unbegreiflich. Bei FSM schreibt Thaxton das hier:

What were the audio sources for these?
The original open reel masters that were used to produce the original LPS back in the 80's remastered in lots of TLC by James Nelson at Digital Outland.

Die Diskrepanz von CD und LP scheint aber auch da drüben niemanden aufgefallen zu sein.

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  • 2 Wochen später...

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COP HATER von 1958 erweist sich als ein kleiner, angenehmer, zügig und kompetent inszenierter Noir-Reißer. Auf nächtlicher Straße wird ein Polizist in Zivilkleidung erschossen. Die Detectives Carelli und Maguire spüren dem Fall nach, und bald kommt es zu weiteren Morden an Polizeibeamten.

Die Atmosphäre stimmt. Robert Loggia spielt ungemein charismatisch, aber  schauspielerisch ragt vor allem die reizende Ellen Parker als Carellis Freundin Teddy heraus. Ihre Szenen gehören zu den stärksten des Films, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass Teddy eine Behinderung aufweist: Sie ist taubstumm und bekommt deshalb auch die ein oder andere Diskriminierung zu spüren. Hochdramatisch ist dann auch ihre Konfrontation mit dem Killer - eine Sequenz, die sich über drei oder vier Minuten hinzieht und deren Effektivität auch durch Glassers Score gefördert wird. COP HATER mag nicht in der ersten Liga spielen, bleibt aber unterm Strich ein empfehlenswertes, unglamouröses Kleinod auf das ich jetzt erst durch das Erscheinen des Soundtrack-Albums aufmerksam geworden bin. Hiervon wäre eine schöne, deutsche BD-Edition wünschenswert.  

Der Score spielt sich auf maßvollem Niveau ab. Glasser konzentriert sich auf Blech und Percussions und setzt dramatische Akzente im bluesigen Titelthema. Solistische Gitarren- und Saxophonklänge tragen zur mystischen, abgründigen Atmosphäre in einigen Tracks bei. Die von Ellen Parker gespielte Teddy bekommt ein eigenes, gefühlvolles Thema an die Seite gestellt, das aber trotz romantischem Streicher-Solo einen bluesig-betrübten Charakter beibehält. Ein angenehmer, effektiver Score. Im Film perfekt, auf CD nicht der ganz große Wurf, aber durchaus einen Versuch wert, da das Album auch in ordentlicher Tonqualität ohne größere Schwächen durchläuft.

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