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Sebastian Schwittay

Masterarbeit über Filmmusikkultur

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Ich wende mich mal an euch, in der Hoffnung, vom ein oder anderen noch ein paar spannende Anregungen zu bekommen...

Ich schreibe dieses Jahr meine Masterarbeit (die Zeit des ewigen Studentenlebens muss nun auch endlich mal ein Ende finden...), und werde mich dort mit einem akademisch bislang wenig beackerten Thema auseinandersetzen, das auch hier immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt: Filmmusikkultur im Spannungsfeld zwischen "FILMmusik" und "FilmMUSIK" - also eine (historisch angelegte) Darstellung der Entwicklung einer Sammler- und Fanszene, die Filmmusik ab den 70er/80er Jahren zunehmend als eigenständige Kunst und (Sammel-)Kultur, als losgelöst und emanzipiert vom Film betrachtet. Festmachen möchte ich dies mit einem Fokus auf die Editionspraxis, genauer am Phänomen "Höralbum", denn dort hat sich der Gedanke, Filmmusik zu einer eigenen, sinfonischen Kunstform zu erheben, am deutlichsten manifestiert. Am Ende soll die Arbeit schließlich aufzeigen, wie sich ab den späten 90er Jahren mit "Complete Scores", DVD-Iso-Scores und historischen Komplettveröffentlichungen älterer Filmmusik der editorische und kulturelle Schwerpunkt langsam wieder zurück zum Film verlagert, und das Konzept einer isolierten Filmmusikkultur (inkl. des "Höralbums") immer mehr an Bedeutung verliert (bzw. sich auf andere Gebiete wie Konzerte verlagert, siehe Robert Townsons neue Tätigkeitsfelder nach der "CD-Ära"). Der vorläufige Titel der Arbeit: "Filmmusikkultur zwischen Emanzipierungsbewegung und (Rück-)Anschluss an die Filmkultur seit der Jahrtausendwende, am Beispiel von filmmusikalischer Editionspraxis und Sammelkultur". 

Quellentechnisch werde ich mich bei dieser historischen Darstellung wohl vermehrt auf Internetquellen stützen (v.a. zur Geschichte der US-Labels: Varèse Sarabande und Intrada waren ja wichtige Protagonisten dieser Entwicklung, Filmmusik als eigene Subkultur jenseits des Films zu etablieren;  ihrer Zusammenarbeit mit Komponisten, der Internetkultur der Message Boards), aber man benötigt im Kontext einer solchen wissenschaftlichen Arbeit natürlich auch gedruckte Quellen. Im Band "Celluloid Symphonies: Texts and Contexts in Film Music History" gibt es z.B. einige historische Übersichten zur Geschichte der Auskopplung von Filmmusik und zur Vermarktung als "Album" (Stichwort Mancini), und auch in anderen Publikationen wird man zum allgemeinen historischen Background fündig. Zur konkreten Filmmusik-Subkultur ab den 80ern findet man allerdings wenig. Das ist natürlich alles mehr oder weniger Feldforschung, und ich denke, dass ich hier auch auf die Printausgaben der englisch- und deutschsprachigen Magazine zurückgreifen muss (FSM, Filmmusik-Dienst)...

Falls euch noch anderes Quellenmaterial aus der Hochphase dieser Entwicklung zum Thema FilmMUSIK, Höralbum, Labelgeschichte, etc. einfällt, wäre ich für Anregungen dankbar. :) Gerne auch andere Gedanken zum Thema - nebenan tobt ja gerade sehr passend wieder eine Diskussion über Editionsfragen. 

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Ein interessantes Buch wäre in diesem Zusammenhang sicher noch "The Sounds of Commerce - Marketing Popular Film Music" von Jeff Smith aus dem Jahr 1999:
http://cup.columbia.edu/book/the-sounds-of-commerce/9780231108638

Das Buch setzt sich auseinander mit der Verflechtung von Film- und Plattenindustrie über mehrere Jahrzehnte hinweg. Einzelne Kapitel widmen sich etwa Mancini´s BREAKFAST AT TIFFANY´S, Barry´s GOLDFINGER oder Morricone´s THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY und im speziellen vor allem, wie diese Filmmusiken in den 60ern auf Platte von den Labels vermarktet wurden. Auch auf die spätere erneute Trendwende zur sinfonischen Filmmusik mit STAR WARS ab 1977 wird natürlich eingegangen. Vielleicht kennst Du aber das Buch eh schon.

Die Zeitschrift "FM-Dienst" von Thomas Karban kam ja erst ziemlich spät ab 1987 heraus. Davor gab es aber schon andere Filmmusik-Magazine in Deutschland, die auch alle Leserbriefe und Anzeigen mit "Suche/Tausche" enthielten. An diesen Heften lässt sich die Fankultur hier in Deutschland zu Beginn der 80er Jahre sehr gut ablesen. Es hat eigentlich angefangen an 1979 mit den "Filmmusik Info"-Heften, die von Gerd Haven und Udo Heimansbegr in Düsseldorf herausgegeben wurden. Bis 1982 erschienen vier inhaltlich recht anspruchsvolle Hefte im DIN A4-Format - auch eines mit einem längeren Interview mit Miklos Rozsa in Deutsch (Heft 3 von 1981).  Mit Ralf Schuders "Filmmusik"-Heftchen, von denen 13 bis 1985 erschienen, wurden dann an 1980 auch kleine Filmmusik-Fanzines im DIN A5-Format veröffentlicht - fast zeitgleich gab es mit Richard Kummerfeldts Limelight-Versand in Saarbrücken den ersten richtigen deutschen Filmmusik-Händler. Das war Ende 1980 eine absolute Novität und schon fast eine Sensation für die damals noch recht verschlafenen Verhältnisse in Deutschland. Kummerfeldt hatte eine Anzeige in den Cinema-Heften zu der Zeit geschaltet, daß Rolf Wilhelms NIBELUNGEN nun erstmals überhaupt auf LP erhältlich sei auf seinem eigenen Label Celine Records. Das war im Großen und Ganzen der Auslöser für das Entstehen der Filmmusikszene in Deutschland. Es gab dann auch Treffen der Filmmusikfans - mal in Wiesbaden an 1983 oder später zweimal in Düsseldorf - , die durch Kummerfeldt und Schuder zusammen initiert wurden. Es gab sowohl in Kummerfeldts Angebots-Listen ,die er damals alle paar Monate verschickte, den Hinweis darauf als auch in Schuders Filmmusik-Heftchen. Über das allererste deutsche Filmmusik-Treffen im Oktober 1983, bei dem ich auch mit dabei war, ist übrigens in Heft 10 vom März 1984 ein Bericht mit Bildern drin.
Zwischen 1985 und 1988 sind auch insgesamt 8 Ausgaben der Filmharmonischen Blätter erschienen - das waren immer sehr schön gestaltete und umfangreiche Hefte mit vielen Rezensionen, Interviews etc. und sogar im Hochglanzformat aufgemacht - herausgegen von Robert Usaczyk, der dann später unter dem Künstlernamen Klaus P. Hanusa für das Marco Polo-Label produzierte.

Weiterhin gabs natürlich die ganzen belgischen Soundtrack-Hefte (in englischer Sprache) - angefangen mit dem Soundtrack Collector´s Newsletter, der zunächst in ganz kleiner Auflage ab 1975 veröffentlicht wurde. Erst mit der Nummer 13 ab 1977 wurde die Auflage dann wohl ein bißchen größer, so daß auch europaweit ein etwas breiteerr Fankreis erreicht wurde. Das Heft hieß ab 1980 (ab Nummer 22) "Soundtrack - The Collector´s Quarterly" und später Mitte der 80er wurde es dann großformatiger und der Herausgeber Luc Van de Ven nannte es einfach nur noch "Soundtrack". Für die Sammler aus der ganzen Welt und vor allem in Europa war das im Prinzip über viele Jahre hinweg vor dem Internet die eigentliche Hauspostille, wo man sämtliche News erfuhr und wo sich die Sammler auch über die Anzeigen des sogenannten "Trade Market" auch austauschen konnten. Ab 1986 oder 1987 hat Luc den Trade Market dann abgeschafft. In diesen vielen SCN/Soundtrack-Heften läßt sich vieles nachlesen - auch sieht man da sehr schön, wie sich Sammlerinteressen im Lauf der Jahre geändert haben. In den frühen Heften von Ende 70er/Anfang 80er sind vor allem die italienischen Komponisten noch ganz stark vertreten - sowohl mit Interviews als auch  mit Filmo/Diskographien. Für mich waren diese Hefte damals eine ganz entscheidende Erfahrung und ich habe vieles durch sie erfahren, wofür ich heute noch dankbar bin. So ab Mitte/Ende der 80er sieht man dann auch die Verlagerung des Interesses ganz klar auf den US-Markt und US-Scores, der in den 90ern noch deutlich zunimmt.
In den Rezensionen der SCN/SCQ-Hefte Ende 70er/Anfang 80er spielte die Frage, ob ein Soundtrack nun komplett oder nicht ganz komplett auf LP veröffentlicht wurde, damals eine weithin untergeordnete, wenig angesprochene Rolle.
Es gab witzigerweise an 1980 zu Goldsmiths STAR TREK sogar zwei Rezensionen - eine Pro und eine Contra. Und der eine Rezensent, der sich in Filmmusik und auch in Klassik schon auskannte und den ich sonst gar nicht so schlecht fand, konnte es sich gar noch leisten zu schreiben: "Star Trek" contains the biggest soundtrack disapppointment of the year after "The Black Hole". Heutzutage würden die Fans ihn dafür wohl teeren. :)

 

 

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Man könnte auch noch Elmer Bernsteins "Filmmusic Notebook" hinzufügen, das auch zu Bernsteins FMC Serie geführt hat. Die "Notebooks" gab es vor einigen Jahren (und gibt es anscheinend immer noch) als gebundenen Reprint. Siehe meinen alten Beitrag hier:

Ansonsten führe ich seit 23 Jahren einen Index zu Filmmusik-Heften. ;) Siehe Anhang.  

St-mags.txt

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Am 3.8.2020 um 19:25 schrieb Stefan Schlegel:

Ein interessantes Buch wäre in diesem Zusammenhang sicher noch "The Sounds of Commerce - Marketing Popular Film Music" von Jeff Smith aus dem Jahr 1999:
http://cup.columbia.edu/book/the-sounds-of-commerce/9780231108638

Das Buch setzt sich auseinander mit der Verflechtung von Film- und Plattenindustrie über mehrere Jahrzehnte hinweg. Einzelne Kapitel widmen sich etwa Mancini´s BREAKFAST AT TIFFANY´S, Barry´s GOLDFINGER oder Morricone´s THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY und im speziellen vor allem, wie diese Filmmusiken in den 60ern auf Platte von den Labels vermarktet wurden. Auch auf die spätere erneute Trendwende zur sinfonischen Filmmusik mit STAR WARS ab 1977 wird natürlich eingegangen. Vielleicht kennst Du aber das Buch eh schon.

Das hatte ich auch schon auf der Liste, nur noch nicht durchgesehen. 

Die Infos zu den deutschsprachigen Filmmusikblättern und -magazinen der 80er und 90er (und die Blätter selbst, danke Stefan Jania ;) ) sind natürlich auch enorm hilfreich, vielen Dank euch!

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