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Ich höre gerade folgendes Album (Nicht-Filmmusik)


287 Antworten in diesem Thema

#41 Thomas Nofz

    Filmmusikalischer Gaumenkitzler

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Geschrieben 14.09.2010 - 22:24 Uhr

:( : Yello - STELLA (1984)

Eines der besten Alben des schweizerischen Synthie-Sound-Tüftelduos Dieter Meier und Boris Blank. Ich mag (fast) alles, was diese Combo jemals veröffentlicht hat, aber diese "alten Sachen" sind einfach umwerfend.

Hier ein Songbeispiel:

YouTube - Broadcast Yourself.


Sehr schön auch "Tied Up", u.a. zu finden auf dem großartigen Best-of-Album YELLO ESSENTIAL:

YouTube - Broadcast Yourself.

... oder der genial-durchgeknallte "Rubberbandman" aus dem Album BABY (1991) :D :

YouTube - Broadcast Yourself.

Ich könnte stundenlang so weitermachen. :D

Bearbeitet von Thomas Nofz, 14.09.2010 - 22:32 Uhr.

"The good thing about movie music is that oftentimes you defeat those fears about schedules looming and everyone´s arrogant sense of excellence, and it teaches you something basic about your nature."
- Thomas Newman

#42 Mephisto

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Geschrieben 15.09.2010 - 09:33 Uhr

Wilhelm Furtwängler: Overtüren. Serenaden. Symphonische Dichtungen

Furtwängler war ohne Frage eine Instanz, für viele seiner Zeit sogar die Höchste, wenn es um musikalische Interpretationsfragen ging. Allerdings sind aus heutiger Sicht, in der das objektive Musizieren Vorrang hat, einige von Furtwänglers Dirigaten überholt. Furtwänglerm, geboren in Liszts Todesjahr 1886, war ein Kind der Romantik, in der die subjektiven Empfindungen im Vordergrund standen. So ist Furtwänglers Beethoven stets von sehr schleppenden Tempi, die wahrscheinlich die Schwere dieser Musik bedeuten sollen. Die Orchesterbesetzungen sind stets für einen Klassiker zu groß besetzt, dicke Streicherteppiche statt differenzierter und ausbalancierter Orchesterbesetzung.
Dass Furtwängler in der Romantik zu Hause war, merkt man an dieser Kollektion sofort. Auf drei LPs finden sich Einspielungen Furtwänglers von Overtüren aus einem Jahrhunderten von Gluck über Beethoven, Weber und Mendelssohn zu Otto Nicolai sowie weitere kürzere aber wirkungsvolle Stücke wie Smetanas "Moldau", Mozarts "Kleine Nachtmusik" oder Liszts "Préludes". Besonders die Overtüren sowie die symphonischen Dichtungen strotzen vor Emotionalität und Orchestergewalt. Jedes meistens zehn Minuten lange Stück wurde von Furtwängler mit Sorgfalt erarbeitet, sodass der Hörer stets von Dynamikachterbahnen, Tempowechseln etc überrascht wird. Jedes noch so kleine Detail wird von Furtwängler poliert und ausgekostet. Das gewählte sehr romantiklastige Programm kommt dieser Kollektion ebenfalls sehr zu Gute. Die wenigen klassischen Stücke sind überraschend zügig dirigiert und insgesamt ist jedes Stück ein größeres oder kleineres Juwel in der Musikgeschichte.
Furtwängler in seinem Element.
Mir ist bis jetzt nicht bekannt, dass es dieser Kollektion auf CD geschafft hat, was sehr schade ist, da man, wenn man Furtwängler hören wollte, am Besten zu romantischen Werken greifen sollte. Ebenfalls toll das große Begleitheft mit vielen Informationen über den Dirigenten.

#43 Lareneg

    Alter Forumshase

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Geschrieben 15.09.2010 - 17:07 Uhr

Thomas Nofz sagte:

:( : Yello - STELLA (1984)

Eines der besten Alben des schweizerischen Synthie-Sound-Tüftelduos Dieter Meier und Boris Blank. Ich mag (fast) alles, was diese Combo jemals veröffentlicht hat, aber diese "alten Sachen" sind einfach umwerfend.


Was magst du denn von ihnen nicht?

Da du "alte Sachen" schreibst, besonders faszinierend finde ich viele Tracks der ersten drei Alben, in denen gerade Dieter Meier noch durch Vielseitigkeit glänzt, was aus meiner Sicht schon ab "Flag" ein bisschen nachgelassen hat. Seit "Motion Picture" würde ich seinen Beitrag sogar als klar enttäuschend bezeichnen, behandelt er doch immer wieder die gleichen Themen, setzt die Lyrics teilweise nur noch aus Phrasen alter Tracks zusammen und mit seiner Stimme experiment er auch kaum noch.
Da wundert es mich nicht, dass Blank auf "Touch Yello" fast so viele Tracks singt, wie auf allen Alben zuvor.

Hier mal ein paar Beispiele aus Yellos Frühwerk, die auch Meiers ehemalige Vielseitigkeit zeigen:

Bimbo

Bostich

She's Got a Gun

No More Words

The Lorry

#44 Alexander Grodzinski

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Geschrieben 16.09.2010 - 11:35 Uhr



Nachdem ich bei "Inland Empire" so fasziniert von Pendereckis "Als Jakob erwachte" war, habe ich mir einfach mal diese Doppel-CD gegönnt. Ist zwar ganz schön harter Tobak und nichts zum Nebenherhören, aber dennoch fesselnd und faszinierend, wie ich finde.

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"Er hat sechs Leute, die für ihn die Musik schreiben, aber er ist der Komponist?"
John Carpenter über Hans Zimmer


#45 Mephisto

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Geschrieben 16.09.2010 - 15:22 Uhr

Ja, Pendereckis Musik ist ein unglaublich faszinierendes Erlebnis. Von dem Mann muss ich auch unbedingt noch viel hören.
Momentan läuft einer meiner Lieblingskomponisten:

Richard Wagner: Overtüren zu "Das Liebesverbot", "Die Feen", Kaisermarsch, Huldigungsmarsch, Großer Festmarsch zu Eröffnung der hundertjährigen Gedenkfeier der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika

Richard Wagner revolutionierte die Oper durch sein Bestreben, die Künste in dem Musikdrama zu Einen. Mit unerschöpflich erscheinenden Energie schrieb er stundenlange Dramen, verfasste die Texte selber und entwarf sogar die Bühnenbilder. Bei so viel Aufmerksamkeit für das Musikdrama ist es verständlich, dass verhältnismäßig wenig Konzertwerke von dem Meister existieren. Drei davon finden sich auf dieser LP und sind allesamt Festmärsche zu bestimmten Anlassen. Auch hier spürt man in jeder Note Wagner, den Pomp, den Glanz, die Macht. Allerdings baut Wagner seine meist zehnminütigen Festmärsche dramatisch unglaublich stimmig und konsequent auf, sodass alle drei Märsche für sich ein in sich geschlossenes völlig zufriedenstellendes Hörereignis sichern. In den teilweise nachträglich (von Wagner und Raff) orchestrierten Fassungen werden die Kapazitäten der typischen Wagner-Besetzung bestens ausgeschöpft.
Interessant ist neben der auch schon sehr wagneresk anmutenden Overtüre zu der frühen Oper "Die Feen" das Vorspiel zu seiner allerersten veröffentlichten Oper: "Das Liebesverbot". Herrlich, wie Wagner hier noch in der frazösischen und italienischen Oper sein Vorbild sah. So klappern die Kastagnetten, rasseln die Schellen und treiben die Violinen schmissige Melodien voran, die eine Mischung aus Rossini und Verdi zu sein vermögen. Insgesamt eine amüsante Abwechslung zum sonst so gewichtig daherkommenden Wagner.

#46 Mephisto

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Geschrieben 17.09.2010 - 10:40 Uhr




Franz Liszt - Totentanz

Liszts von Paganinis inspirierte Auftritte hatten oft etwas "dämonisches", als könnte der Virtuose nur mit teuflischer Hilfe seine Finger so gekonnt über die Tasten rennen lassen. Liszt selber verstärkte diesen Eindruck durch seine optische Erscheinung aber auch durch düstere Themen in seinen Werken wie z. B. dem "Mephisto-Walzer", der "Faust-Symphonie" und wie hier dem "Totentanz". In rund 17 Minuten befasste sich der Maestro hier mit der gregorianischen Sequenz des "Dies Irae" und schuf einen gewaltigen Variationssatz für Klavier und Orchester voller Gewalt und dunkler Stimmung. Am Anfang schlägt der Pianist ungeheuer grummelnde und tiefe Akkorde in die Klaviatur, während die tiefen Instrumente das "Dies Irae" intonieren, dann übernimmt auch das Klavier. Die Sequenz bricht allerdings zweimal ab und geht in eine rasende Kadenz über. Erst beim dritten Anlauf gestattet Liszt dem Pianisten, die Melodie voll auszuspielen. Ab hier zündet der Virtuose ein Variationsfeuerwerk der Extraklasse ab. Sämtliche virtuosen Techniken Liszt und sein oftmals unterschätztes Talent für orchestrale Musik kommen hier brillant zur Geltung. Ein absolut beeindruckendes Werk.

Franz Liszt - Csardas macabre

Dieses Werk für Klavier solo ist ein weiterer Beweis für die Fortschrittlichkeit dieser außergewöhnlichen Komponisten, der schon Jahre vor der neuen Musik freitonale Stücke schrieb. Auch hier kommt seine äußerst moderne Klangsprache zur Geltung mit all den harschen harmonischen Wendungen und den oft sehr grellen Dissonanzen. Ein weiterer Beweis dafür, dass Liszt als Komponist leider viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist.

Franz Liszt - Wanderer Fantasie

In seinen früheren Jahren widmete sich Liszt auch sehr oft der Musik von Kollegen, die er sehr schätzte. So gehörte er neben Robert Schumann zu den großen Förderern der Musik Franz Schuberts nach seinem Tod. Liszt schrieb so die "Wanderer Fantasie" Schuberts, die ein Werk für Klavier solo ist, als ein Stück für Klavier und Orchester um, ohne die Form anzutasten. Es ergibt sich eine wundervolle Symbiose aus Klavier- und Orchesterklängen und ein deutlicher Vorreiter der Liszt'schen symphonischen Dichtung.

Alle drei Stücke wurden mit Alfred Brendel damals auf einer LP veröffentlicht. Die einzelnen Aufnahmen wurden unterschiedlich veröffentlicht. Die "Wanderer Fantasie" konnte ich so auf CD nicht entdecken. Trotzdem sei hier noch vermerkt, dass Brendel die virtuosen Stücke äußerst gekonnt interpretiert und ihnen neben dem hohen technischen Anspruch auch das nötige Maß an Musikalität und Seele verleiht. Liszt ist und bleibt für mich ein besonderer Komponist voller Emotion, Gewalt, Energie, Überraschung, Fortschrittlichkeit und Faszination.

#47 Bada Bing

    Grenzüberschreiter

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Geschrieben 17.09.2010 - 11:29 Uhr

Art Tatum - The Complete Brunswick & Decca Recordings (3CD)

Unglaublich was dieser Mann (ich geh jetzt einfach mal davon aus dass er menschlich war, trotz der unmenschlichen Technik :() am Piano anstellt. Jedes Stück lässt einem vom neuen Staunen, welch enorme technische Fähigkeiten er hatte und dabei trotzdem noch soviel Feeling rüber bringt. Ganz groß und neiderregend!

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''Schämen Sie sich keine Sekunde wegen Ihrer Narben. Sie tragen nur das außen, was wir alle in uns haben.''


#48 Mephisto

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Geschrieben 17.09.2010 - 12:30 Uhr



Franz Liszt - Wagner-Transkriptionen

Was aus dem Werk Wagners ohne die bemühte Unterstützung seines guten Freundes und späteren Schwiegervaters Franz Liszt gworden wäre, ist nicht abzuschätzen. So führte Liszt gleich nach seiner Ernennung zum Kapellmeister in Weimar den "Tannhäuser" auf, richtete später sogar eine Wagner-Woche ein.
Durch die 15 Transkriptionen zentraler musikalischer Momente machte Liszt die Wagner-Opern auch einfacher zugänglicher und salonfähiger. Wagner konnte nun überall gehört und gespielt werden wor ein Klavier zur Verfügung stand. Doch die Bearbeitungen für Klavier unterscheiden sich deutlich von einfachen Klavierauszügen, denn Liszt war bemüht, diesen Fragmenten eine eigene Struktur und die Form einer selbstständigen Klavierkomposition zu verleihen, sodass er komplette Vorspiele ergänze ("Tannhäuser"-Overtüre"), Variationen über ein Thema schrieb ("Wahlhall", "Rienzi") und auch wenn er die eigentliche Form unangetastet lies ("Isoldens Liebestod") so fügte er doch einige Nebenstimme hinzu.
Liszt zog hier wie gewohnt alle Register des möglichen und unmöglichen Klavierspielens um auf den 88 Tasten ein Orchesterspektakel zu veranstalten. Jedoch geht sein kompositorisches Können weit über die Zurschaustellung seiner Virtuosität hinaus. Für einen Wagnerianer und Liszt-Freund wie mich sind solche Aufnahmen natürlich absolute Freuden, doch es sei geraten, die orchestralen Originale zu kennen, da die Klavierfassung manchmal etwas "trocken" klingen. Im Gegensatz zu vollen gehaltenen Streicherteppichen verklingen die Töne am Klavier sofort und auch wenn Liszt sein Bestes tat ist es besser, man findet Bekanntes in diesen Stücken wieder, denn hin und wieder klingen einige Passagen durch die schnell verklingenden Töne im langsamen Tempo etwas "tröpfelig" ("Elsas Traum").

Endre Hügedus' Spiel ist absolut virtuos und wird den Stücken vollkommen gerecht. Das hier vorliegende Album enthält die gesamten Wagner-Transkriptionen Liszts und bietet somit ein beeindruckendes Hörerlbnis mit einigen wenigen Abstrichen.

#49 MrsDepp

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Geschrieben 02.10.2010 - 15:18 Uhr

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The Cure - Faith

#50 Mephisto

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Geschrieben 15.10.2010 - 13:46 Uhr



Beethoven Transkriptionen - Franz Liszt

Als es noch keinen Plattenspieler und kein Radio gab, musste man entweder warten, bis ein entsprechendes Stück im Konzertsaal gespielt wurde oder man musste selber Musik machen. Dieser Umstand brachte Liszt auf die Idee, die neun Symphonien von Beethoven komplett für's Klavier umzuschreiben. Wollte man eine Beethoven-Symphonie hören, brauchte man nicht mehr monatelang warten, bis dieses Stück einmal wieder aufgeführt wurde sondern konnte es sich bequem selbst im Wohnzimmer vorspielen - so war der Gedanke Liszts. Und tatsächlich sind alle Symphonien wirklich genial auf das Klavier übertragen. Liszt zieht wieder einmal alle Register seiner Virtuosität, um dem Klavier möglichst orchesternahe Klangflächen entstehen zu lassen. Leider sind die Stücke so schwer, dass sie viele Normalsterbliche nicht selber spielen können und daher bin ich für diese großartige Einspielung Katsaris' mehr als dankbar, denn auch für Studienzwecke sind diese Transkriptionen außerordentlich interessant. So treten Nebenstimmen viel deutlicher hervor und oft bleibt einem auch einfach der Mund angesichts derartiger Virtuosität offen stehen. Liszt übernahm die Symphonien 1:1, da sie ja schon an absoluten Formen orientiert sind, während er Wagners Stücke oftmals in Konzertfassungen arrangierte. Ich finde auch, dass Beethovens orchestrale Musik auf dem Klavier noch besser wirkt als Wagners, da sie oft "kompakter" orchestriert wurde und Beethoven auch vom Klavier aus dachte. Eine großartige Klaviersymphonie!

#51 Mephisto

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Geschrieben 16.10.2010 - 15:08 Uhr



Franz Liszt - Klaviertranskription der "Symphonie Fantastique"

Obwohl Berlioz mit seiner "Symphonie Fanstastique" ein absolut revolutionäres Werk gelang blieb der Erfolg des Komponisten auf Dauer aus. Franz Liszt, der zu dieser Zeit mit vielen intellektuellen Größen dieser Zeit wie Chopin, Wagner, Sand und Paganini befreundet war wollte dem Freund helfen und arrangierte so wie auch Wagners Werke diese Symphonie komplett für's Klavier. Und auch hier ist wieder einmal beeidruckend zu verfolgen, wie gekonnt Liszt die fabrigen Orchestrierungen auf das Tasteninstrument wirkungsvoll übertrug und alle möglichen Effekte für ein zufriedenstellendes Hörerlbnis einsetzte. Wie Liszts andere Transkriptionen ein interessantes Zusatzdokument zu dem eigentlichen orchestralen Werk.

Idil Biret spielt gewohnt "kernig", was bei den markanten Passagen der Musik sehr zu Gute kommt, allerdings könnten einige Passagen deutlich schneller gespielt werden, um dem Original noch näher zu kommen. Intereesant sind auch die sehr romantischen Temposchwankungen, die sich mit einem großen Orchester gar nicht realisieren ließen, hier aber angebracht erscheinen. Ein interessantes Hörvergnügen.

#52 Mephisto

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Geschrieben 17.10.2010 - 14:23 Uhr



Nicolo Paganini - Die sechs Violinkonzerte

Von Franz Liszt nun zu einem weiteren begnadeten Virtuosen der Romantik, dessen Instrument allerdings nicht das Klavier, sondern die Violine war. Nicolo Paganini, der Teufelsgeiger gehört ebenfalls zum großen Bekanntenkreis Liszts, was bei Paganini allerdings schnell auffällt ist, dass seine Kompositionen hauptsächlich der zur-Schau-Stellung seines Instruments geschrieben wurden. Besonders die orchestralen Ritornelle der Konzerte weisen ein ziemlich simples Bild auf. Auch von der Form orientiert sich Paganini an den klassischen Formen und lässt die neuen Errungenschaften des einsätzigen Konzertes z. B. völlig außer Acht. Trotzdem muss man Paganini zugestehen, dass fast jedes Thema in seinen Konzerten einen großen Ohrwurmcharakter haben. Die Musik klingt sehr italienisch und das erste Konzert könnte in der Haudraufmanier des ersten Satzes tatsächlich noch als Zirkusmusik durchgehen. Doch von Konzert zu Konzert erhalten die Orchesterritornelle einen dramatischeren Charakter. Wirklich originell wird's allerdings nie.

Im Zentrum dieser sechs jeweils ca.35 Minuten langen Werke stehen natürlich die Soloteile der Violine und hier greift Paganini wirklich in die Trickkiste und nähert sich öfter als einmal der Grenze des Unspielbaren. Trotzdem klingt die Musik immernoch "schön" und "hamronisch", selbst in den völlig abgefahrenen Kadenzen der ersten Sätze. Doch schon beim zweiten Konzert fällt auf, dass Paganini gerne auf dieselben Techniken zurückgreift, um seine Themen in ein wahnwitzig virtuoses Gewand zu hüllen.

Die Aufnahmen mit Salvatore Accardo sind nicht die Besten, zugegebenermaßen, denn das Orchester klingt etwas flau und Accardo spielt zwar gut und trifft die Töne, manchmal, besonders in den hohen Lagen klingt das Instrument allerdings etwas kratzig. Die Musik lebt von ihrer Leichtigkeit trotz der Virtuosität und hier scheitert der Interpret mehrmals, da er zu kantig und eckig spielt. Es fehlt die Selbstverständlichkeit eines Itzhak Perlman beispielsweise.
Trotzdem natürlich ein interessantes Dokument, da Klaus Kinski genau diese Aufnahmen für seinen Film "Kinski - Paganini" nutzte, allerdings nur das erste Konzert.

#53 Mephisto

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Geschrieben 18.10.2010 - 16:53 Uhr



Nicolo Paganini - 24 Capricen für Violine solo

Diese 1820 uraufgeführten Stücke dürften den Ruf des Teufelsgeigers noch mehr gefestigt haben. Als nahezu unspielbar gelten diese Stücke und kaum einer hat es bis heute geschafft, alle 24 Capricen einzuspielen.

In diesen zwischen 1:30 und 6:00 langen Stücken schöpfte Paganini das Potential seines Instruments wirklich gekonnt aus und immer wieder vermag man kaum zu glauben, dass man da nur eine einzige Violine hört. Sämtliche technischen Spielereien werden genutzt, um dem Hörer ein möglichst großes Klangspektrum dieses herrlichen Instruments in immer wieder unterschiedlichen emotionalen Stimmungen zu präsentieren. Und tatsächlich rutscht Paganini selten in bloße Zur-Schau-Stellung seiner Fähigkeiten ab, sodass die Stücke trotz ihrer wahnwitzigen Virtuosität immer noch einen vollkommenen Hörgenuss bilden. Alleine die Caprice 1 und 5 bilden hier mit ihren ganzen Sechzehntelhäckseleien Ausnahmen.

Ohne die Kulisse der blassen Orchesterritornelle seiner Konzerte und deren austauschbaren Charakter zeigt sich Paganinis unglaubliches Gespür für die Violine. Die Stücke sind kompakt und äußerst abwechslungsreich, aber trotzdem dramaturgisch konsequent komponiert. Er kombiniert das fast übermenschliche Spiel mit wundervollen Themen, bettet die Virtuosität in immer neue Melodien. Mit dem Scheinwerfer nur auf das Solo-Instrument gerichtet, blüht die Fähigkeit des Komponisten vollkommen auf.

Die Aufnahme von dem damals gerade 27 alten Itzhak Perlman dürfte auch heute noch als Referenzaufnahme gelten. Technisch perfekt und voller Temperament spielte der junge Israeli diese Stücke voller Enthusiasmus ein, dass jede Sekunde ein Genuss ist. Die Aufnahmequalität ist brillant und kommt digital überabreitet ohne jedes Rauschen oder irgendwelche Übersteuerungen daher. Ich kann diese CD nur jedem wärmstens empfehlen, besonders um die, die die Violine nur als langweiliges Kratz-Instrument kennen und jene, die von diesem tollen Instrument noch weitere Facetten kennelernen möchten.
Es bietet sich aber an, diese CD häppchenweise zu genießen, denn irgendwann nimmt die Aufnahmefähigkeit ab und das ist in Hinbick auf die durchgängige Qualität der Kompositionen und der Interpretationen mehr als schade.

P.S.: Es dürfte kaum überraschen, dass der gute Franz Liszt auch von den Capricen Klavierbearbeitungen anfertigte.
P.P.S.: Natürlich sind auch einige Paganini-Capricen in "Kinski-Paganini" zu hören, allerdings in der Accardo-Einspielung als da wären die 1,2,5,6,9,10, 20 & 24
P.P.P.S.: Der aberwitzige Mittelteil der 19ten Caprice wurde in Loriots "Papa ante portas" verwendet und mehrmals von dem abgefahrenen Straßenmusiker gespielt.

#54 Alexander Grodzinski

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Geschrieben 19.10.2010 - 12:59 Uhr



Inspiriert von Lynchs "Inland Empire" schuf er selbst, zusammen mit Marek Zebrowski, diesen Streifzug durch eine polnische Stadt bei Nacht. Gelegentliche Straßengeräusche sind zu hören, der Großteil der CD besteht jedoch aus düster-melancholischen Klangcollagen, bestehend aus Lynchs tiefen Bassfrequenzen und Zebrowskis Klaviertupfern. Weniger zum Anhören geeignet, als eher zum Eintauchen in diese Welt, die die beiden hier erschaffen.

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"Er hat sechs Leute, die für ihn die Musik schreiben, aber er ist der Komponist?"
John Carpenter über Hans Zimmer


#55 Mephisto

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Geschrieben 20.10.2010 - 15:54 Uhr



Frédéric Chopin - Werke für Klavier und Orchester I


Chopins Musik ist reine Posie und so 100% Romantik wie kaum ein anderes Lebenswerk eines Komponisten. Allerdings wird der mit schon 36 Jahren gestorbene Pole hin und wieder nicht als vollwertiger Komponist anerkannt, da er nur Werke für's Klavier schrieb. Die drei auf dieser CD zu hörenden Werke sind allerdings für Klavier und Orchester.

In seinem ersten Klavierkonzert schöpfte Chopin das Potential seines Instruments voll aus, um den Hörer mit nicht enden wollenden sanft wogenden und üppig angereicherten Themen zu verwöhnen, die sich an Verträumtheit anscheinend zu überbieten zu versuchen. Die Fülle an thematischen Material wird von oft einem sehnsüchtig-melancholischen Charakter dominiert, die meist mit aufwallenden Arpeggien der linken Hand begleitet werden. Hin und wieder gibt es einige kraftvolle Ausbrüche von vollgriffigen Akkorden aber insgesamt bleibt die Stimmung zumindest in den ersten beiden Sätzen gleich. Nach dem verträumten zweiten Satz lockert sich die Atmosphäre ein bisschen und die Musik wird lebhafter, die Themen bekommen en vergnügten Anstrich.
So sehr man schon ab den ersten Takten einen Eindruck davon hat, wie sehr Chopin sein Instrument kennt und mit welch virtuosen Mitteln er den Hörer hier verzaubert, so merkt man doch auch schnell, wie blass und grobschlächtig die orchestralen Elemente des Konzerts daherkommen. Das majestätisch-pompöse erste Thema des ersten Satzes ist sehr blockhaft Instrumentiert, auch die Ritornelle des dritten Satzes kommen recht knallig daher. Oft reduziert Chopin die orchestrale Belgietung auf snánfte Streicherteppiche und einige Solostimmen in den Bläsern, um die Musik noch zusätzlich zu färben. Insgesamt merkt man aber doch, wie ungeübt Chopin mit einem großen Orchesterapperat umging und wie wenig ihm eine solche Besetzung vertraut war.

Dieser Eindruck festigt sich auch in den folgenden beiden Werken. Die Variationen über einige polnische Volksmelodien sind kompositorisch toll gearbeitet, aber auch hier bleibt das Orchester sehr farblos weit hinter den wundervollen Klavierteilen zurück. Der erste Satz des Op.22 ist dann nur für Klavier solo und hier komponierte Chopin ein unwiderstehlich fast schon treifendes Stück voller wunderschönen Harmonien und verträumten Themen. In der darauf folgenden Polonaise ist die emotionale Palette um Einiges größer und Chopin vermag es, in den 10 Minuten mit Hilfe der großen Möglichkeiten des Klaviers von einfühlsamen Momenten bis hin zu ruppig tobend-donnern-stampfenden Teilen einen dramaturgischen Bogen zu spannen. Doch auch hier scheint das Orchester wieder einmal nur einige Teppiche und Solopassagen beizusteuern. Den Mammuth-Anteil bestreitet weiter das Klavier.

Idil Biret spielt die äußerst anspruchsvollen Werke fast schon mühelos. Die sehr emotional geladenen Themen werden angemessen interpretiert, ohne jedoch ins Kitschige abzurutschen, auch werden keine Tempi verschleppt und die Spannung auch bei langsamen Passagen gehalten. Für Birets Leistung würde ich glatt eine 100%ige Empfehlung aussprechen, doch leider ist das Orchester viel zu verwaschen und zu hallig abgemischt, sodass der Hörgenuss bei rein orchestralen Passagen deutlich gemindert wird. Für den Preis allerdings sollte man schon ein Ohr riskieren, denn besonders das erste Klavierkonzert ist ein Traum!

#56 Mephisto

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Geschrieben 20.10.2010 - 17:32 Uhr



Frédéric Chopin - Werke für Klavier und Orchester II


Bevor Chopin sich nach einem kurzen erfolglosen Aufenthalt in Wien in Paris einen Namen als Pianist und Klavierlehrer machte, schrieb Chopin in Warschau, wo er bereits Aufsehen erregt hat, die beiden Klavierkonzerte. Für eine damals noch geplante Virtuosenlaufbahn war es nötig, stets einige Werke für Klavier und Orchester im Reisegepäck zu haben. Später jedoch konnte Chopin sich ganz dem Klavier widmen.

Das zweite Klavierkonzert entstand noch vor dem ersten, wurde aber später uraufgeführt. Während sich im ersten Konzert Chopins Stil in den Soloteilen deutlich als ein sehr intimer Stil, der die virtuose Technik nicht zur bloßen Schaustellung nutzt, wirkt dieses Konzert harscher und kraftvoller. Die Sätze werden allerdings noch nicht durch die mäßigen und langen Orchesterritornelle zerdehnt und folgen im Aufbau und der Dramturgie den damals üblichen Virtuosenkonzerten, während das erste Konzert in sich viel ruhiger ud fließender gestaltet war. Der abwechslungsreiche und kraftvolle Eindruck werden auch durch einige neuartige Instruemnteirungseinfälle verstärkt. Insgesamt wirkt aber das erste Konzert stimmiger.

Mit den Variationen über "Reich mir die Hand, mein Leben" aus Mozarts "Don Giovanni" drückt Chopin auf musikalischem Weg seine Bewunderung für Mozart aus. Eingerahmt von zwei Ecksätzen von jeweils ca. fünf Minuten durchläuft das Thema mit Unterstützung des Orchesters äußerst virtuose und technisch anspruchvolle Variationen voller üppiger Garnierungen, Arpeggien und ausschweifenden Läufen.

Das interessanteste Stück auf dieser CD dürfte allerdings die Krakowiak sein. Ein zweisätziges Werk für Klavier und Orchester in dem Chopin meisterhaft alle Register des Instruments zieht. Schon die fast sphärische Einleitung ist in ihrer atmosphärischen Dichte absolut beeindruckend, bevor dann der Hauptsatz kraftvoll hereinbricht und das lebhafte Thema immer wieder neu variiert wird. Eine abwechslungsreiche und kraftvolle Komposition mit einer ungeahnten Fülle an emotionalen Facetten.

Auch hier spielt Idil Biret die Chopin'schen Werke mit einer virtuosen Leichtigkeit, die verträumten Passagen werden weder kitschig noch verschleppt oder gar breiig. Das differenzierte Spiel trägt einen wesentlichen Teil zum garantierten Hörgenuss bei. Der Klang des Orchesters ist wie auf dem ersten Album immernoch recht verwaschen, allerdings verhält es sich nicht ganz so schlimm wie zuvor.
Alleine wegen der letzten beiden Stücke eine Kaufempfehlung von mir!

#57 Mephisto

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Geschrieben 20.10.2010 - 20:27 Uhr



Frédéric Chopin - Klaviersonaten


Auch wenn Chopin ausschließlich für das Klavier schrieb, so enthält sein Werk nur drei Sonaten, wovon er die erste sogar als Schüler noch in Warschau schrieb, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Dieses Werk überrascht besonders durch seine für damalige Zeit häufig eingesetzte Chromatik. Auch die kühne Harmonik des späteren Chopin ist hier schon gut auszumachen ebenso wie die technischen Brillanz gepaart mit der Eleganz der Musik und das kompositorische Können. Vom Aufbau her orientiert sich Chopin klar an den klassischen Vorbildern, wobei er ganz im romantischen Sinne schon beginnt, Sonatenhauptsatzform leicht zu lösen, indem er auf eine Reprise des ersten Themas verzichtet.
Die zweite Sonate wurde um den einige Jahre zuvor geschriebenen Trauermarsch "herumkomponiert" und alleine dieser Satz mit seinem schwermütigen ersten und dem wundervoll lyrischen zweiten Thema macht diese Sonate zu einem fantastischen Stück. Das Finale überrascht durch seine Kürze sowie seine durchgängig einstimmige Stimmführung, die lediglich oktaviert wird und zum Schluss in einen Akkord mündet. Besonders diese homophone Stimmführung überrascht bei dem sonst so polyphonen Kompositionsstil und den konsequent vorangetriebenen Nebenstimmen.
Die dritte Sonate war das einzige Werk, das Chopin 1844 schrieb und auch hier zieht er wieder alle Register, um die Klangpalette des Klaviers perfekt zu nutzen. Es überrascht das relativ kurz gehaltene Scherzo und verzaubert der himmlisch verträumte dritte Satz, bevor die Sonate mit einem fursiosen Finale endet und auch das Album beschließt.

#58 Mephisto

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Geschrieben 22.10.2010 - 16:06 Uhr



Frédéric Chopin - Walzer

Der Walzer ist ein deutscher Tanz und erfreute sich Anfang des 19ten Jahrhunderts an immer größerer Beliebtheit, sodass der Walzer nun auch im Ballsaal oder im Balett gehört wurde. Duch Komponisten wie Chopin wurde der Walzer auch in den Salons der feinen Gesellschaft etabliert und das wird bei jeder Note der 19 Walzer aus Chopins Feder deutlich. In den äußerst unterschiedlich gestalteten Walzern, deren Emotionsspektrum von verträumt, pompös, brillant und virtuos reicht, schwingt in jedem Takt deutlich die Eleganz der feinen Pariser Salons mit.
Neben sämtlichen Walzern gibt es auf diesem Album noch weitere drei Kompositionen zu hören, die auf Tänzen basieren wie der "Contredanse", den Chopin einem Freund zum Namenstag schickte, einem Studienwerk sowie der äußerst furiosen "Tarantella", die ein bisschen an das rasende Finale der dritten Sonate erinnert.
Idil Birets Spiel verleiht den Kompositionen zusätzlichen Glanz, spielt wieder einmal perfekt differenziert, ohne zu nüchtern zu klingen. Ein tolles Album für ein nettes Abendessen oder einige freie Minuten zwischendurch, denn jeder Walzer eignet sich zum einzelnen Hören.

#59 Mephisto

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Geschrieben 25.10.2010 - 16:04 Uhr

Frédéric Chopin - Balladen

Die Balladen gehören zu meinen Allzeitfavoriten in Chopins Schaffen, denn nirgends hat dieser Klavierspezialist sein ganzen kompositorisches Können so kompakt in einer einzigen Komposition untergebracht. Die vier Balladen wurden zwischen 1835 und 1848 veröffentlicht und sollen von den Gedichten des befreundeteten Dichters Mickiewicz inspiriert worden sein. Besonders die erste und die dritte Ballade sind dramaturgisch wundervoll gestaltet, so ziehen sich die jeweiligen Themen in immer wieder anderen Gewand durch die ganze Komposition und verknüpfen die mal furiosen und mal verspielten Zwischenpassagen, bevor ein äußerst virtuoses Finale die beiden Werke jeweils beschließt.
In der zweiten Ballade wirken die lyrischen Passagen und die äußerst virtuosen Zwischenteile eher blockhaft von einandergetrennt und nicht verwoben. Das Finale scheint mir von allen Balladen das schnellste, virtuoseste, furioseste überhaupt zu sein.
Die vierte Ballade scheint hat einen eher ruhigen Charakter was besonders an dem Thema liegt, das fast meditativ das immergleich scheinende Tonmaterial wiederholt, doch nach einigen Anläufen gelang es mir, auch dieses Stück sehr schätzen zu lernen.
Chopins gesamtes Gefühl für wundervolle Themen, technische Brillanz, kompositorische Konsequenz und überbordende Fülle kreativer Einfälle sowie seine teils für diese Zeit gewagte Harmonik spiegelt sich in diesen vier Werken wider wie in kaum einem Anderen.



Idil Birets Einspielungen für Naxos sind wieder einmal fantastisch gelungen. Die sehr differenzierte Interpretation ist genau so wichtig wie das hin und wieder recht "trockene" Spiel, was der vierten Ballade und der überbordenen zweiten Ballade sehr gut tut. In der ersten Ballade allerdings hätte etwas weniger "kantiges" Spiel einen zuträglicheren Effekt und in der dritten Ballade hätte ich mir einige dynamische Ausbrüche mehr gewünscht. Einige äußerst vollgriffige Passagen klingen trotzdem etwas kraftlos, obwohl sie ff gespielt werden sollten.



Alleine schon das Foto Zimermans auf dem Cover lässt schließen, wie der polnische Pianist diese vier Stücke Chopins spielt: verträumt, sehnsuchtsvoll, tief emotional - was den Stücken aber nur bedingt gerecht wird. Trotz klarer Tempoangaben verschleppt Zimerman nämlich ständig die Tempi, die Musik soll vielleicht durch das langsame Spiel besonders emotional wirken, aber das tut dem Fluss der Kompositionen absolut nicht gut. Stattdessen werden viele Passagen zu langweilig, zögerlich und zaghaft. Zusätzlich störend sind die ständigen Atemgeräusche und das teils deutlich hörbare Mitsummen, sodass der Rezipient vielleicht die Anteilnahme des Pianisten spüren soll, aber daran habe zumindest ich kein Interesse. Höchstens zweite, wenn nicht sogar dritte Wahl.



Pollinis Aufnahmen scheinen das vollkommene Gegenteil der Interpretationen Zimermans zu seinen. So haben sämtliche Aufnahmen Feuer und Kraft. Hin und wieder wirkt das Spiel jedoch ein bisschen zu hart und in den schnellen Passagen verschwimmt die Musik teilweise durch den heftigen Pedalgebrauch, der die Musik bei diesen wahnwitzigen Tempi zusätzlich verschwimmt.
Chopins Balladen sind halt kein Paganini. Hier geht's um erster Linie tatsächlich um die Musik, die Komposition und nicht das virtuose Können.



Murray Peharias Aufnahmen sind sehr glatt, aber dennoch technisch brillant und lyrisch. Von den vier genannten Alben mag ich diese Interpretationen am Liebsten, da Perahia den sanglichen Charakter einer Ballade gut trifft und die jeweiligen anzustrebenden Stimmungen perfekt umsetzt.

#60 Mephisto

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Geschrieben 06.11.2010 - 14:26 Uhr



Antonín Dvořák - 9 Symphonien


Dvořák galt schon zu Lebzeiten als der "böhmische Brahms" und obwohl sich die Symphonien des Tschechen sehr an den Hamburger Meister erinnern, wäre es zu wenig, Dvořáks Einflüsse nur auf Brahms zu reduzieren, denn neben Brahms hatten auch weitere Komponisten wie Beethoven oder der "neudeutschen Schule" wie Wagner und Liszt einen erheblichen Einfluss auf dessen symphonisches Schaffen.
Besonders die erste Symphonie sowie die Fünfte lehnen sich stark an das Vorbild Beethovens an, so folgt die erste Symphonie nicht nur im harmonischen Verlauf Satz für Satz der ersten Beethovens sondern auch die Instrumentierung weist deutliche Ähnlichkeiten auf.
Doch auch wenn Dvořák sich an Vorbildern wie Liszt und Wagner orientiert, sollte der Hörer keineswegs derart ausladende Werke in Sachen Orchestrierung und Länge erwarten, denn Dvořák "entschlackt" den ausladenden Stil der neudeutschen Schule und ersetzt ihn mit einer klaren und durchsichtigen Orchestrierung (das Blech wird des Öfteren nur als Füllstimme eingesetzt) und wendet statt süffiger Klangeteppichen oder ausladenden Themen seinen eigenen folkloristisch orientierten Stil beim Themenschreiben an.
Durchweg sind die höchstens rund 40 Minuten langen Werke von einem sehr durchsichtigen und heiteren Charakter geprägt, einzig die vierte und die siebte Symphonien sind von einer düsteren Grundstimmung geprägt. Die ersten beiden Symphonien wirken noch nicht so ausgereift wie die späteren Werke. Wirklich interessant ist die achte Symphonie, die zeigt, dass auch Dvořák die etwas festgefahrene Situation der Symphonie erkannt hat und auf seine eigene Art und Weise versucht, mit den Konventionen zu brechen. All sein symphonisches Schaffen wird schließlich von der wundervollen berühmten neunten Symphonie gekrönt. Hier übertrifft sich Dvorak vor allem an Themenreichtum, farbiger Orchestrierung und herrlichen Melodien, Wucht und Anmut, Eleganz und Schönheit.

Ich persönlich hatte und habe mit den Dvořák-Symphonien durchaus einige Anlaufschwierigkeiten, denn als Liebhaber ausladenden Spätromantik und farbigen Moderne erschienen mit Dvořáks Symphonien stets ein bisschen zu leicht, heiter und konventionell. Erst nach mehrmaligen Hördurchgängen habe ich diese Werke als kleine Juwele der Symphonik schätzen gelernt und wenn man sich mal mit einer netten Dreiviertelstunde Musik vergnügen möchte, ist eine Dvořák-Symphonie eigentlich immer die richtige Wahl.

Diese Gesamtaufnahme aller Symphonien sowie der böhmischen Suite ist sehr empfehlenswert. Die Tempi sind stets richtig gewählt, der Charakter der Musik immer richtig getroffen und das Orchester spielt von sehr gut bis gut. Dazu gibt's noch ein recht informatives Booklet inklusive eines Interviews mit dem Dirigenten. Für Einsteiger und Liebhaber bietet diese Box ein preiswertes Vergnügen.





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