-
Gesamte Inhalte
4.732 -
Benutzer seit
-
Letzter Besuch
Alle Inhalte von Mephisto
-
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
%7BfileStore.core_Attachment%7D/monthly_08_2015/post-1443-0-55935400-1440606420.jpg SPARA GRINDO SPARA - Sante M. Romitelli Der im Vergleich zum plumpen Originaltitel recht poetische deutsche Verleihtitel IM STAUB DER SONNE spielt auf die zentrale Szene, einen langen Marsch der beiden Protagonisten an: Der Deserteur Chad Stark nimmt vom Rinderbaron Don Miguel den Auftrag an, nach seinem entlaufenen Sohn Fidel zu suchen - angeblich weil er sich um ihn sorgt. SPARA GRINGO SPARA ist letzten Endes ein recht zügig inszeniertes, aber wenig anspruchsvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Protagonisten, in dem Fidel immer wieder versucht zu entkommen und letzten Endes von Chad eingefangen wird. Unterwegs schlagen sich die beiden mit der Banditenbande des sogenannten "Major" Charlie Doneghan herum, bekommen mit der richtigen Armee Ärger und treffen die schöne Witwe Jocelyn. Sante Romitellis Musik zu diesem unterhaltsamen Western ist überaus poppig geraten, entbehrt aber stellenweise nicht einer gewissen Coolness. Im Fokus steht ein kleines bandartiges Ensemble, das mit E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Cembalo sowie Hammondorgel besetzt ist. Diese Band wird häufig von den Streichern sowie einigen Holz- und Blechbläsern unterstützt. Es überrascht, wie sehr die Musik trotz ihres äußerst anachronistischen Klangcharakters den Film atmosphärisch zu unterstützen mag. Neben den kernigen E-Gitarrenklängen, die man bereits aus anderen Italowestern gewohnt ist, setzt insbesondere die Orgel einige markante Akzente. Insbesondere in dem langen Wüstenmarsch sorgt der flirrende Klang in hoher Lage für die notwendige musikalische Untermalung der brennenden Hitze. Dahingegen sind besonders die Ritt-Musiken sehr poppig geraten, was dem prominenten Einsatz des Schlagzeugs geschuldet ist. Daneben gibt es einige ruhigere Variationen der beiden Hauptthemen für Gitarre und Cembalo sowie eine mexikanisch angehauchte Source-Musik und das unverzichtbare Saloon-Klavier. Auszüge aus der Musik erschienen erstmals zum Filmstart auf LP, bevor GDM anscheinend jede überlebende Sekunde der Aufnahmen veröffentlichte. Letzten Endes wirft diese Präsentation einige Fragen auf. Es scheint so, als hätte Romitelli mehrere Passagen direkt auf den Film komponiert, insbesondere die Musik zum Wüstenmarsch ist derart synchron auf das Bild abgestimmt, dass es direkt für diese Szene geschrieben sein muss. Auf der anderen Seite ist ein großer Teil der auf CD vertretenen Musik im Film nicht zu hören, andere Passagen werden nach rund 20 Sekunden wieder ausgeblendet. Es ist also möglich, dass der Komponist auch mehrere Stücke einfach so aufnahm, die später im Film keine Verwendung fanden. Allein zum Hauptthema existieren drei Fassungen, von denen keine in vollständiger Form zu hören ist. Für die CD wurden mehrere kurze Passagen zusammengefasst, sodass auch innerhalb diverser Titel kurze Passagen auftauchen, die im Film nicht vorkommen. Letzten Endes ist die CD-Präsentation etwas unglücklich geraten, da es durchaus ermüdend sein kann, sich durch eine Stunde Musik z hören, von der ungefähr ein Großteil fühlbares Stückwerk oder alternatives Material ist. Allerdings ist SPARA GRINGO SPARA für mich ein positives Beispiel für eine poppige Filmmusik, die in Auszügen immer wieder Spaß macht, allem voran natürlich das Hauptthema. Dieses ist auch auf dem Album ("Spaghetti Western Encyclopedia Vol. 3" vertreten, die komplette CD eignet sich da weniger zum Durchhören. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
AL DI LA' DELLA LEGGE - Riz Ortolani Bei AL DI LA' DELLA LEGGE handelt es sich um einen sympathischen kleinen Western, der sich angenehm von den üblichen Figurenkonzeptionen und Handlungsklischees abhebt, ohne in übertriebene augenzwinkernde und ironische Selbsgefälligkeit zu verfallen. Lee van Cleef gibt hier den freundlichen Betrüger, der das Greenhorn, das er mit seinen zwei Kumpanen ausraubte nun zu unterstützen vorgibt und sich schließlich zum Sheriff der kleinen Minenstadt Silver Town mausert. Bud Spencer ist in einer seiner wenigen Rollen als glattrasierter Unsympath zu sehen, der als Minenchef das Gold über Menschenleben stellt. Die Musik von Riz Ortolani verbindet klassische europäische Stilismen mit dem Breitwandklang Hollywoods. Das Juwel seiner ansprechenden Filmmusik ist ohne Frage das ausladende Hauptthema, das sofort weite amerikanische Landschaften, lange Ritte und kleine Westernstädte vor dem geistigen Auge zaubert, ohne jedoch auf typische Copland-Maniersimen zurückzugreifen. In ihren weichen Streicherklängen, dem E-Bass und den Hornlinien klingt die Musik sehr europäisch, weniger auftrumpfend und zackig und erinnert vielmehr an Martin Böttcher als an Tiomkin und Steiner. Das Hauptthema bildet das Zentrum der Musik und ist entsprechend oft zu hören. Meistens klingt es in den Streichern und Bläsern, ist sehr eingängig und wird überraschend wenig variiert. Für die sympathische Gaunerbande um Lee van Cleef komponierte Ortolani eine vergnügte Country-Musik, in der das Thema vom Banjo vorgetragen und dezent von der E-Gitarre, dem E-Bass und zurückhaltendem Schlagzeug begleitet wird. Zusätzlich wird der Hörfluss von diversen Source-Musiken und einem verruchten Song aufgelockert, sodass auch die häufigen Darbietungen des Hauptthemas nicht störend auffallen. Die aggressiven Schläge der Pauke und des Ambosses für den Bösewicht Burton, der zum Schluss den ganzen Kirchenchor als Geisel nimmt, fehlen auf der CD vollständig. Ohnehin ist die Musik nicht komplett, dass das Album dennoch alternative Fassungen von einzelnen Titeln enthält, lässt vermuten, dass alles, was noch zu retten war, auf die CD gepresst wurde. Insesgamt handelt es sich bei AL DI LA' DELLA LEGGE zwar um keinen Pflichtkauf, allerdings wartet die Musik mit einem sehr schönen Thema und weiteren netten Passagen auf, die gekonnt Westernflair verbreiten. Da sieht man dann auch gerne über den Mangel an Variationen des Hauptthemas und die wenig spannenden Suspense-Passagen hinweg. Wer eine möglichst chronologische Filmreihenfolge programmieren möchte, halte sich an diesen Vorschlag: 01 – Vorspann 22 – Vorspann (alternativ) 02 – Vorspann II, Lucy (Mundharmonika), Vorspann III 03 – Die Kassette wird gestohlen, Die Postkutsche trifft in Silver Town ein 04 – Saloonklavier I 24 – Lolas Song 21 – Lolas Song (alternativ) 12 – Lolas Song (Klavier) 05 – Nächtliche Besprechung/Al folgt Ben 06 – Der Plan 08 – Musik bei der Minenkantine 10 – Die Taschen werden vertauscht 09 – Planwagenfahrt und Überfall 07 – Einbruch 13 – Bens Uhr 14 – Grillhähnchen und Revolver 18 – Tanz auf dem Volksfest I 16 – Tanz auf dem Volksfest II 23 – Kirchenchor 19 – Sheriff Cudlip 11 – Als Mundharmonika 15 – Als Mundharmonika (alternativ) 17 – Schießerei bei der Mine 20 – Burtons Tod & Finale -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Und für diese zwei Cents bin ich Dir auch sehr dankbar. Aber wie gesagt, es geht hier ja gar nicht um Lavagnino, ich werde mir auch bestimmt keine Westernscores mehr von ihm kaufen, es sei denn, mich überzeugen die Musik im Film oder die Hörproben. Dieser Musik bin ich nicht aus dem Weg gegangen, weil ich den de Masi haben wollte. Da konnte ich die halbe Stunde Lavagnino ignorieren, aber wozu? Die CD war da, die Musik auch. Mehr als zweimal habe ich das auch nicht gehört und werde es bestimmt auch nicht nochmal hören. Auf die Alhambra-Veröffentlichung bin ich gespannt. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Das hat aber einen einfachen Grund: Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, de Masi sei eine sichere Bank. Nachdem ich mir die CDs angeschafft habe, entpuppten sich mehrere Musiken als Stangenware und wenige als herbe Enttäuschungen. ARIZONA COLT, UNA SPORCA STORIA NEL WEST und auch IL SEGNO DEL COYOTE möchte ich allerdings nicht mehr in meiner Sammlung missen. Als Dreingabe gab es dann auch noch GLI SPECIALISTI, den hätte ich in dieser Reihe ignorieren können, aber warum, ein Verriss macht ja auch mal Spaß. SETTE DOLLARI SUL ROSSO ist flächendeckend vergriffen, Beat selbst weiß noch nicht, ob sie nachpressen und wenn ja, dann erst im Herbst. Die ganzen Empfehlungen hier habe ich berücksichtigt und bin insbesondere was Nicolai betrifft, sehr zuversichtlich. Morgen gibt es dann wieder was zu lesen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
GLI SPECIALISTI - Angelo Francesco Lavagnino Zu diesem Corbucci-Film, der in Deutschland stark gekürzt mit dem Titel FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN in den deutschen Verleih kam, kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nicht gesehen habe. Mich wundert allerdings schon, warum Corbucci diese Musik zu seinem Film abgenickt hat bzw. warum ein Film dieses Regisseurs tatsächlich so uninteressant gewesen sein soll, dass Lavagnino auch hier nicht einen Funken Inspiration verspürte. GLI SPECIALISTI gehört zu den Westernmusiken, bei denen nicht eine Sekunde lang Westerngefühle aufkeimen, weil einfach radikal an Genre-Konventionen vorbeikomponiert wurde, allerdings ohne ein nachvollziehbares Konzept. Das Album eröffnet mit einem überaus poppig arrangierten Thema, das vielleicht noch ein bisschen Nähe zu Morricones atmosphärischer Vorspannmusik zu LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG aufweist, mit "Sequenza 2" folgt ein belangloses Suspense-Stück, das mit einer vierminütigen unaufgeregten Komposition abgelöst wird. Warme Streicherklänge, ein paar Paukenschläge und -wirbel, durchtränkt von einigen Mundharmonikaklängen sorgen für eine sanfte Stimmung, die man in Endlosschleife im Hintergrund hören kann, ohne dass sie wirklich auffällt oder stört. Mit "Sequenza 4" und "Sequenza 5" schießt Lavagnino dann den Vogel ab, plötzlich fühlt man sich mit jazzigen Klängen in eine Hafenkneipe oder das Zirkusmillieu versetzt. Klarinette, Posaune, Klavier und Drumset geben hier den Ton an, es swingt und jazzt, bis nach einer weiteren belanglosen Suspense-Passage eine wenig originelle "Mexikana-Musik" erklingt, bevor das Jazz-Ensemble noch einen Auftritt mit einem langsamen Walzer hat. Schließlich hangelt man sich noch über die folgenden Stücke zum Finale, das ebenfalls nicht thematisch, sondern rein stimmungsvoll gehalten ist und mit einem massiven Crescendo beschließt. Letzten Endes eignet sich GLI SPECIALISTI tatsächlich als belangloses Hintergrundgedudel beim Kochen, Putzen etc. Ansonsten möchte ich sparsamen Filmmusikfreunden und insbesondere denen der Westernmusik davon abraten, sich dieses Album anzuschaffen. Auch die mit GLI SPECIALISTI gepaarte Musik Francesco de Masis zu 15 FORCHI PER UN ASSASSINO ist kein so großer musikalischer Wurf, als dass sich der Kauf diesbezüglich lohnen würde. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
%7BfileStore.core_Attachment%7D/monthly_08_2015/post-1443-0-94226600-1440158772.jpg C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA - Francesco de Masi Kurz nachdem der Italo-Western sein Zenit überschritten hatte, vereinte C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA gleich zwei schießwütige Helden im Kampf gegen das Unrecht und den mexikanischen Banditenführer Mantas. Unermüdlich wurde in Deutschland versucht, den Erfolg unzähliger Italo-Western mit einer Umbenennung des Titelhelden anzukurbeln, was selten gelang. Aus dem Titelhelden Sartana wurde Django und sein vermeintlicher Konkurrent ihm direkt im Titel zur Seite gestellt: DJANGO UND SABATA - WIE BLUTIGE GEIER. Schlecht ist der Film nicht, er amüsiert mit einigen netten ironischen Einschlägen und hübscher Kameraarbeit, kratzt aber wie viele Italo-Western an der Oberfläche und versucht, die konventionellen Handlungslemente mit überzogener Gewaltdarstellung zu kittten. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Francesco de Masi komponierte für C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA eine seiner letzten Westernmusiken. Auch in dieser Musik zeichnet sich wie bei LA SFIDA DEI MacKENNA eine spürbare Übersättigung des Komponisten an diesem Genre aus. Man könnte die Musik getrost als solide bezeichnen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Gitarren-Riff für die erste Hälfte des Vorspanns entbehrt nicht einer gewissen Coolness, das zuerst von der Mundharmonika und anschließend von den Posaunen vorgetragene Hauptthema ist melodisch typisch für de Masis Westernthemen gestaltet, geht aber nicht so direkt ins Ohr wie einige andere Themen, die der Komponist für dieses Genre geschrieben hat. Beim zweiten Teil des Vorspanns wird's dann deutlich poppiger, mit groovigem E-Bass, Drumset und verzerrter E-Gitarre. Die Suspense-Musik hat man so natürlich dutzendmal gehört, hat aber glücklicherweise keinen allzu großen Anteil auf dieser Zusammenstellung. Für Mantas komponierte de Masi außerdem noch ein mexikanisch angehauchtes Thema in der Gitarre, das sanft in ein Tremolo des Marimbas gebettet ist und mehrfach im Film erklingt. Insgesamt kann man sich diese Musik sparen, ein Reinfall ist es trotzdem nicht. Auszüge aus der Musik erschienen zusammen mit IL SEGNO DES COYOTE bei Beat Records, wobei C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA - Francesco de Masi deutlich für das Album bearbeitet wurde. Kürzere Stücke wurden für den Hörfluss zusammengefügt und die ganze Musik ist völlig aus der Filmreihenfolge gebracht. Das tut dem Hörfluss zugegebenermaßen sehr gut, auch die Auswahl der Musik, die auf CD gepresst wurde, ist gut getroffen worden. Hier noch einmal die Filmreihenfolge: 14 (00:41 – 03:49) – Vorspann I 14 (00:00 – 00:41) – Die Banditen fliehen 20 (00:35 – 02:53) – Vorspann II 15 (01:23 – 03:30) – Der Auftrag/Schnapsdame 16 Mantas kämpft gegen seine eigenen Männer 19 (01:15 – 02:08) – Überfall auf Django 15 (00:00 – 01:23) – Die beiden Brüder treffen in Appaloosa ein 18 – Django öffnet den Safe / Trixie wird als Geisel genommen 19 (00:00 – 01:15) – Fahrt im Planwagen 17 – Mantas' Tod 20 (00:00 – 00:35) – Die letzte Konfrontation -
Dagegen spricht, wie ich schon schrieb, dass hier dem weißen Mitteleuropäer und dem weißen Amerikanier eine sehr leichte Identifikation möglich gemacht wird: Man kann ganz klar mit dem Finger auf die anderen "bösen Weißen" zeigen, die die Erde zerstören und den Kolonialismus vorantreiben. Man selber rechnet sich dann zu den weißen Edelmenschen und kann sich im weiteren Lauf des Films mit den strahlenden Helden identifizieren, die das zwar Edle, aber unfähige Naturvolk retten. Niemand hat etwas gegen eine "pro-Natur-Botschaft", aber wir machen es uns viel zu einfach, wenn wir uns direkt in der ersten halben Stunde Film auf die Seite der "Guten" schlagen können. Damit werden wir nicht gezwungen, uns mit unserer Beteiligung an der Zerstörung des Planeten auseinanderzusetzen, sondern können uns umgehend davon distanzieren. Die Botschaft des Films ist letzten Endes: Die Na'vi sind zwar nett, aber als "Eingeborene" unfähig und schutzbedürftig. Erst der weiße Edelmensch kann sie retten und profitiert anschließend von der Philosophie der Na'vi. Das ist (insbesondere unter Hinzunahme der optischen Gestaltung dieser Ethnie) Exotismus par excellence. Vielleicht Spoiler-Alarm? Denke aber, es ist noch im Rahmen des Möglichen, schließlich ist der Film ja auch ein paar Jahre alt: Besonders lächerlich wird es in dem Moment, als die Situation Ausweglos erscheint und alles in Flammen aufgeht, die Na'vi das Zentrum ihrer Naturreligion verlieren. Der amerikanische Marine schafft es, Ihnen den Glauben zurückzugeben, indem er den "unzähmbaren Vogel" zähmt - und schenkt so als guter weißer Beschützer den unbeholfenen blauen Aliens eine neue Religion, schwingt sich anschließend zum Messias auf. Das kann man einfach nicht verleugnen, höchstens ausblenden. Spoiler Ende. Zur liebevoll kreierten Welt habe ich mich ja schon geäußert: Warum mussten denn diese blauen Aliens so wahnsinnig nach rassistisch gefärbten Klischees entwickelt werden? Warum werden da tradierte Schmuckstücke, Kleidung, Haartracht etc. wild durcheinandergewürfelt, sodass ein, pardon, "indianisches Negervolk" entsteht, das sich mit hawaianischen Gesängen und fernöstlichen Trancebwegungen den Tag vertreibt? Ich finde das ärgerlich, Gott sei Dank kann ich mich zu den strahlend weißen Helden rechnen, als amerikanischer Ureinwohner würde ich mir mit diesem Film aber ziemlich veräppelt vorkommen.
-
Danke für die Einschätzung bezüglich FAST 7. Ungefähr so habe ic mir das nach Sichtung der Vorschau vorgestellt und mich dagegen entschieden, ihn zu sehen. Nocmal zurück zu AVATAR: Ich bin tatsächlich auch sehr beeindruckt, wie der Film so schnell in der Versenkung verschwunden ist. Ich denke, außer einigen Fans kräht kein Hahn nach einem zweiten Teil, dennoch werden letzten Endes alle reinrennen. Insofern ist der Film auch nicht "gefährlich", das wollte ich damit auch nicht sagen. JUD SÜSS halte ich auch nicht für gefährlich, aber beide Filme lassen nunnmal Rückschlüsse auf bestimmte Ideologien zu, die zu Zeit der Entstehung der Filme in bestimmten Systemen vorherrschten und da schlägt AVATAR zusammen mit anderen Filmen, die einen viel größeren "Einfluss" haben, in eine bestimmte faschistische Kerbe, die anscheinend die anscheinend mit dem Weltbild eines großen Publikums kongruiert. Anders kann ich mir den Erfolg solcher Filme nicht erklären. Am meisten widert mich mittlerweile DIE ZWEI TÜRME an, der vor lauter Blut-und-Boden-Ideologie aus allen Nähten platzt. Insbesondere der "totale Krieg", der unter dem arischen Nordvolk ausgerufen wird und anschließend in einem "Volkssturm" gipfelt, der pathetischer nicht inszeniert sein könnte (kleinen Kindern wird in Zeitlupe eine Waffe in die Hand gedrückt, Howard Shores klebrige Musiksoße tut ihr Übriges), verursachte bei der Fernsehausstrahlung letzten Dezember echt Brechreiz. Ich finde es bedenklich, dass auch im 21. Jahrhundert Aspekte wie "Kampf ums Überleben", "Volk ohne Raum", "Krieg als einzig mögliche Lösung" und ein penetranter Rassismus (ob jetzt in TRANSFORMERS, STAR WARS oder AVATAR) sich kontinuierlich durch unzählige (Hollywood-)Straßenfeger ziehen. AVATAR ist da nur ein kleines Rädchen, aber ein sehr treffendes Beispiel. Natürlich werden wir keine schlechteren Menschen, wenn wir uns diesen Quark reinziehen. Propaganda funktioniert nur in einem bestimmten gemeinsamen Kontext. Solche Filme gießen aber immer wieder Öl ins idelologische Feuer und werden dann noch gefeiert und beklatscht. Das stieß mir bei Camerons Urvolk-Karrikatur extrem sauer auf.
-
Danke für die Blumen! Schön, dass andere das auch so sehen. Will gar nicht wissen, was Cameron dem Publikum mit dem zweiten Teil serviert...
-
Gerade seit dem Kinobesuch zum ersten Mal wieder: AVATAR - AUFBRUCH NACH PANDORA Ich hatte nicht mehr viel von dem Film in Erinnerung, über die Ästhetik kann man streiten. Mir selber sagt diese CGI-Orgie nicht sehr zu, da viele Bewegungen und Figuren "zu glatt" sind, sie einfach sich viel zu schwebend für ihre Größe bewegen und diverse Bewegungen zu träge sind (besonders schön an den viel zu langsam nachschwingenden Zöpfen zu sehen, wenn die Figuren eine rasche Kopfebewegung vollführen). Man kann das jetzt natürlich mit den Begebenheiten auf einem anderen Planeten rechtfertigen - geschenkt. Was mich jedoch massiv während des Films irritiert hat, um was für ein reaktionäres Stück Exkrement es sich bei diesem überproduzierten Machwerk doch auf der inhaltlichen Ebene handelt. Cameron betreibt hier einen cineastischen Exotismusraubbau, über den man doch seit einigen Jahren hinweg sein dürfte. Schon bedenklich, wenn diverse Stereotypen so krass bedient werden, dass man genau erkennen kann (und anscheinend auch soll), wer hier von den "blauen" eigentlich schwarz, wer "Indianer" und wer weiß ist. Hier für's Protokoll: Ja, es gibt die Warnung vor der ständigen Verschmutzung des Planeten Erde, ja, es gibt die bösen Weißen, aber diese sind von der Drehbuchkonstellation vorgegeben und notwendig für das Handlungsmuster. Dieses allein bietet mit seinem "Volk kämpft gegen die Vernichtung", jedweder Vermeidung einer diplomatischen Lösung und die ausschließlich gewaltvolle Konfliktbewältigung einen ganzen Eimer voll faschistischen Gedankenguts. Dabei werden die Attribute, die den "bösen Weißen" zugeordnet werden, durch Camerons ästhetisierende Hochglanzkinematografie und seinen offensichtlichen Militär(-technik-)-Fetisch verwischt. Zu "cool" wirken da diverse Kampfgeräte und Superwaffen, dass der gemeine Kinogänger sich bei den minutenlang zelebrierten Zerstörungsorgien nicht erschaudernd abwendet, sondern sich vielmehr in dem cineastisch appetitlich angerührten Firlefanz aus Explosionen, durch die Gegend geschleuderten Körpern und schwerelos anmutenden Kamerafahrten suhlt. Garniert werden die Gefechte von verbal faschistoidem "Friss-oder-Stirb"-Geprolle und "Rassen"-Gefasel. Was die Na'vi betrifft - hier ist der Name bereits Programm. Der Name dieses na'iven Na'turvolkes dürfte hauptsächlich vom englischen Wort "native" abgeleitet sein, birgt aber noch diverse andere Anspielungen, wie vorige Spielereien zeigen. Der Natur sehr verbunden, werden die blauen Außerirdischen/Einheimischen als noble Ethnie inszeniert, die sich in all ihrer Anmut und Noblesse allerdings als nicht überlebensfähig erweist - es sei denn, einige gutherzige Weiße wenden sich von ihren Befehlshabern ab und werden zu aufopfernden Edelmenschen, die sich an die Spitze der sympathischen, aber doch naiv-dümmlichen Na'vi stellen. Das ist insbesondere deswegen so perfide, da bei der Gestaltung der Na'vi sich ordentlich aus der üblichen Rassismus-Klischeekiste bedient wird, die den ursprünglichen Trägern der kernigen Irokesenschnitte, der auf den afrikanischen Kontinent verbreiteten Nasenpflöcke und geweiteten Ohrläppchen keinen Respekt zollen. Kombiniert wird, was dem westlichen Zuschauer irgendwie als "exotisch" vorkommt. Camerons Naturvolk verkommt zu einer karrikativen Anhäufung von Exotismen, als hätte man hier die auf den menschenverachtenden Völkerausstellungen des letzten Jahrhunderts gesammelten Eindrücke auf ein Comic-Naturvolk konzentrieren wollen. Wie es sich also in einem faschistisch reaktionären Weltbild gehört, triumphieren die Edelmenschen, die sich schneller mit der Natur anfreunden, als es die dummen Ureinwohner über Generationen geschafft haben, schließlich zähmt der weiße Marine Jake den roten Raubvogel, den sonst noch kein Na'vi fliegen konnte. Die Na'vi verbringen einen Großteil der Zeit, einen Mammutbaum anzubeten, der aber schnell in Flammen aufgeht. Niedergeschlagen treten sie den Rückzug an, bis Jake, der gute Edelmensch, vor sie tritt und sie zum Kampf aufruft, zu dem sie von sich aus nie den Mut aufbringen könnte. Erst unter dem amerikanischen Führer gelingt es dann, die neue Welt zu reinigen, den "Lebensraum" zu verteidigen und endlich wieder Ordnung zu schaffen. Es ist schon gruselig, wenn man bedenkt, dass es sich bei AVATAR um einen der erfolgreichsten Filme der letzten Jahrzehnte handelt, dass also Millionen all diesen hirnrissigen Schmarrn goutierten und selbst die Presse hauptsächlich lobende Worte für diesen Film fanden. Mit Effektorgien lässt sich also hervorragend eine überaus bedenkliche Botschaft und ein mieses reaktionäres Weltbild an den Zuschauer bringen, der vielleicht mit Überzeugung sein Hirn an der Kinokasse abgibt - das Unterbewusstsein aber leider in den Saal mitnimmt und es mit derartigem Faschodenken füttert. Das war ja früher nicht anders, wenn Veit Harlans JUD SÜSS europaweit in den Kinos lief und die italienische Presse schrieb: "Wenn das Propaganda ist, so begrüßen wir diese Propaganda." In den letzten 70 Jahren hätte man doch aber im Umgang mit dem Massenmedium Film und seiner politisch-ideologischen Möglichkeiten etwas mehr dazulernen können, aber dem scheint nicht so zu sein. Schade.
-
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Habe ich mir auch vor einigen Wochen "gesichert". Deine Ausführungen machen Lust auf mehr -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
LA SFIDA DEI MacKENNA - Francesco de Masi Obwohl es sich, so man den Kritikern Glauben schenkt, bei LA SFIDA DEI MacKENNA um einen überdurchschnittlichen Western handelt, wurde der Film (mit dem geplanten Verleihtitel EIN DOLLAR, EIN GRAB UND ZWEI AVE MARIA) nie in Deutschland aufgeführt. Im Zentrum des Films steht der Ehemalige Priester Jonas MacKenna, der mit inneren Problemen und äußeren Bedrohungen zu kämpfen hat. Die Musik stammt von Francesco de Masi, der für LA SFIDA DEI MacKENNA eine eher unaufgeregte Musik komponierte. Das Album eröffnet noch einigermaßen schwungvoll, von den musikalischen Mitteln erinnert insbesondere die treibende Begleitung mit dem drängenden Rhythmus der kleinen Trommel und dem prominent eingesetzten E-Bass an die Titelmusik aus dem zeitnah entstandenen 15 FORCHE PER UN ASSASSINO. Der A-Teil wird von der Solo-Trompete vorgetragen und enthält einige "mexikanische" Wendungen, während die Fortspinnung der Streicher melodisch stark an frühere Werke des Komponisten erinnert. Fast könnte man sagen, de Masi hat mit dieser schon wenig originellen Eröffnung sein ganzes Pulver verschossen. Zwischen den dankenswerter Weise sparsam auf das Album gestreuten Suspense-Passagen tun sich noch zwei ruhige Arrangements des Hauptthemas und weitere melodische Stücke hervor, die allesamt für kleines Ensemble gesetzt sind. Mir kommt langsam der Verdacht, dass insbesondere in den späten Musiken de Masis das Orchester nur für die Titelmusik eingesetzt wurde, während die dramatische Musik während des Films nur noch mit einem kleinen Ensemble aufgenommen wurde. Dieser Verdacht liegt insbesondere bei LA SFIDA DEI MacKENNA nahe, in dem abgesehen vom Vor- und Abspann hauptsächlich die Mundharmonika, die Gitarre, der E-Bass, die Streicher und ein wenig Schlagzeug zu hören sind. Ist die Musik auf klanglicher und struktureller Ebene schon nicht sehr ausgefeilt, vermag der Komponist auch nicht mit besonders interessanten melodischen Einfällen glänzen, sodass die Musik letzten Endes doch sehr blass und beliebig wirkt. Man könnte sie auch ohne weiteres als nette Hintergrundberieselung laufen lassen, ohne etwas zu verpassen. Somit lohnt sich dieses Album tatsächlich nur wegen der zwar auch wenig originellen, aber doch unterhaltsamen Musik zu L'UOMO DELLA VALLE MALEDETTA, die einige Seiten zuvor besprochen wurde, denn ...E VENNE IL TEMPO DI UCCIDERE ist noch ein ganzes Stück dröger als LA SFIDA DEI MacKENNA. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
%7BfileStore.core_Attachment%7D/monthly_08_2015/post-1443-0-72533000-1439049683.jpg AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO - Francesco de Masi Dieser Film wurde im deutschen und englischen Verleih überraschend originalgetreu übersetzt: TÖTE ALLE UND KEHRE ALLEIN ZURÜCK bzw. KILL THEM ALL AND RETURN ALONE. So lautet der Befehl, den Clyde McKay, der Anführer einer Bande Abenteurer, von der Südstaatenarmee erhält, nachdem er mit seinem zusammengewürfelten Haufen Gold von den Nordstaaten erbeutet hat. Die anschließenden 90 Minuten Film bestehen aus einem durchaus packenden Western, indem geprügelt, geschossen, gestochen und gemeuchelt wird, während die Gier immer stärker an dem Zusammenhalt der kleinen Bande rüttelt. Die Musik von Francesco de Masi ist ein zweischneidiges Schwert. Der Komponist komponierte für den Film rund 50 Minuten Musik, die als Filmmusik hervorragend sind, sich auf CD allerdings als recht anstrengendes Hörereignis entpuppen. Den einzigen thematischen Kern der Komposition bildet das Hauptthema, das abgesehen vom Vorspann nur an wenigen Passagen voll ausgespielt wird. Hierzu gehört z. B. die melancholische Fassung für Solo-Gitarre über sanfte Streicherbegleitung in "Clyde's Final Trick". Erst im Abspann erklingt das Thema als Song, interpretiert von de Masis "Stammsänger" Raoul, der auf der CD in der italienischen und der englischen Fassung vorliegt. Wer nach orchestraler Westernmusik sucht, wird bei AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO größtenteils nicht fündig. Allein der Vorspann ist mit einer orchestralen Fassung des Hauptthemas unterlegt und bildet eine Ausnahme innerhalb der zeitlich umfangreichen Musik. Besonders in der ersten Hälfte ist die Musik sehr perkussionslastig. So ist fast der vollständige Anfang durchgehend mit Musik unterlegt, als sich Clyde mit seiner Bande in das Südstaatenhauptquartier einschleicht und einen Soldaten nach dem anderen ins Reich der Träume schickt. Erst im Zusammenhang mit den Bildern merkt man, was für eine großartige Arbeit de Masi hier geleistet hat, denn die Musik ist viel stärker als seine übrigen Suspense-Passagen direkt am Bild entlang komponiert, dabei sticht das fast konsequente Micky-Mousing einer jeden Bewegung jedoch nicht störend auf, sondern verstärkt die Spannung. Hört man die Musik auf CD, dann wird einem kaum bewusst, dass die raschen Holzbläserläufe über den beständigen Rhythmen der Pauken, Bongos, des Schellenkranzes und des Holzblocks nahezu jede einzelne Bewegung nachzeichnen. Vielmehr kann dem Hörer das durchgehende Getrommel schnell auf die Nerven gehen. Die Intensität der Spannungspassagen lässt nach den ersten 15 Minuten der Musik stark nach, hier greift der Komponist nämlich wieder auf seine üblichen Suspense-Muster zurück, die keine besondere Bereicherung der Sammlung bilden. Hin und wieder sticht dann einmal das Hauptthema wieder heraus, wenn es kurz anklingt, weil im Film mal wieder von einer Seite der Leinwand zur anderen geritten wird. Zum Schluss gibt es für das Gold noch einige schöne Klangmalereien mit verlockenden Sopranvokalisen, klirrenden Röhrenglocken und flirrenden Streicherläufen. Auch hier wirken derartige Passagen - insbesondere das Finale - im Film weitaus stimmiger als auf CD. Auszüge aus AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO erschienen zusammen mit Musik aus SARTANA NON PERDONA und VADO...L'AMMAZZO E TORNO bei Beat Records, die diese drei Musiken in vollständiger Form als Auftakt zu ihrer neunteiligen Reihe mit Westernmusiken von Francesco de Masi als Einzel-CDs veröffentlichten. Ich denke nicht, dass man dem Komponisten hier zum Vorwurf machen kann, dass AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO kein gutes Höralbum geworden ist. Auch schon in der stark gekürzten Fassung entfaltet die Musik für sich stehend bei weitem nicht die Spannung, an der sie im Film starken Anteil hat. Dennoch geht es an dieser Stelle hauptsächlich um die CD und die kann ich nur ergebenen Fans des Komponisten empfehlen sowie großen Freunden des Films. Jeder andere kann diese Musik ganz entspannt ziehen lassen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Gesagt, getan, habe gestern beim Quartet-Sommerschlussverkauf zugeschlagen! -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Vielen Dank für die hilfreichen Erläuterungen! Dann werde ich SABATA gerne mal eine Chance geben -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
%7BfileStore.core_Attachment%7D/monthly_08_2015/post-1443-0-88680400-1438873322.jpg SARTANA NON PERDONA - Francesco de Masi FÜR EIN PAAR LEICHEN MEHR war einer der letzten Filme des Regisseurs Alfonso Balcázar und scheint ein recht brutaler Streifen zu sein. Ich selbst habe ihn bisher nicht sehen können, weiß aber auch nicht, ob man das unbedingt getan haben muss. Auch wenn der Italo-Western in ab 1965 richtig boomte, scheint Komponist Francesco de Masi sein Zenit bereits überschritten zu haben. Seine Komposition für SARTANA NON PERDONA ist eine äußerst dröge Angelegenheit, die nichts mehr von dem Pathos aus ARIZONA COLT, der Poesie aus QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST oder etwas von den an klassischen Vorbildern angelehnten früheren Westernmusiken spüren lässt. Fast könnte man sagen, bei SARTANA NON PERDONA handele es sich um eine Suspense-Musik, angereichert mit einigen sehr kraftlosen Aufgüssen der genretypischen Elementen aus QUELLA SPORCA STORIA. Immerhin zwei Songs kann die Musik aufbieten, doch diese atmen nicht mehr den westernhaften Geist der früheren Lieder und könnten so auch zu irgendeinem anderen Film, der im Italien der 60er spielt, geschrieben worden sein. Der erste Song "Maybe somewhere, sometime" liegt auch in einer italienischen Fassung vor und bildet den thematischen Kern der Musik. Sind schon die Song-Arrangements relativ kraftlos, dümpeln die instrumentalen Passagen ohne jede Energie dahin. Meistens wird das Thema mit einem weiteren abwärts gerichteten Motiv kombiniert, das häufig in den Bläsern erklingt. Dann zupft eine Solo-Gitarre die Songmelodie über ein weiches Fundaments von Streichern und weiteren Gitarren sowie einem E-Bass wie z.B. in "Un giorno ti penterai". Das zweite Lied, "Sogni ed ombre", wird von Mirella Gamacchio interpretiert und taucht während des Films oft als Vokalise auf, gesungen von Giamacchio. Insbesondere diese Passagen sind äußerst poppig geraten mit sanfter Begleitung der E-Gitarre, des E-Basses und des Vibraphons. Des weiteren gibt es noch einige wenige "hypnotische" Abschnitte, in denen sich flirrende Vibraphon-Klänge mit raschen Streicherläufen mischen. Doch auch hier entsteht nicht ansatzweise eine vergleichbare Stimmung wie in der "Ophelia-Szene" aus QUELLA SPORCA STORIA. Aus dieser Musik sind übrigens viele Ideen übernommen, angefangen bei der fallenden Holzbläserfigur zu Beginn von "Sogni ed ombre nell'incubo" und "Calvacando verso sonora", für das zu großen Teilen "Il vilaggio di Santana" herhalten musste, aber deutlich gegen das Original abfällt. Der Rest des Films besteht aus unzähligen Spannungspassagen, die teilweise aus knapp minutenlangen Streichertremoli und einigem E-Bass-Gezupfe bestehen, dass man sich schnell sattgehört hat. Auszüge aus SARTANA NON PERDONA erschienen zusammen mit Musik aus VADO...L'AMMAZZO E TORNO sowie AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO bei Beat Records. Was sich die verantwortlichen dabei gedacht haben, diese belanglose Musik in ihrer Vollständigkeit als Nr. 3 der de-Masi-Western-Reihe zu veröffentlichen, bleibt wohl auf ewig deren Geheimnis. Ich bin bisher kaum auf die Begleittexte, die alle von Francesco de Masis Sohn, Filippo, verfasst wurden, eingegangen. Es erklärt sich von selbst, dass der Sohn keine scharfe Kritik am Werk seines Vaters übt und sich abfällig über das eigene Produkt äußert. Ob er aber wirklich selber glaubt, was er an Lobhudeleien zu SARTANA NON PERDONA geschrieben hat, wage ich hier einmal zu bezweifeln. Von starker emotionaler Wirkung der Musik ist hier die Rede und insbesondere über die Instrumentation verliert der Autor überraschend viele Worte. Dass de Masi nicht schlecht orchestrierte, kann ich bestätigen, aber SARTANA NON PERDONA ist nun wirklich eine der uninteressantesten de-Masi-Musiken - auch in Hinblick auf die Instrumentation. Warum Filippo "Calvacando verso sonora" immer besonders laut aufdreht, um alle Instrumente genau zu hören, kann ich nicht nachvollziehen, handelt es sich doch hier um einen sehr klaren Satz, indem die Instrumente alle sehr konventionell eingesetzt und nicht besonders auffällig gemischt werden. SARTANA NON PERDONA ist also eine jener absolut verzichtbaren Italo-Western-CDs, die sich nur Komplettisten oder Fans des Films ins Regal stellen müssen. Die wenigen melodischen Momente hat man soch schon viel besser in den früheren Musiken gehört und sonst besteht der Score aus unzähligen austauschbaren Suspense-Passagen, die einen bereits in den besseren Werken langweilen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
SABATA habe ich auch noch auf der Liste. Könntest Du vielleicht kurz erläutern, in welche Richtung die Musik so grob geht?: Morricone-Plagiat, sehr poppig, eher orchestral...? -
Ich warte ja auf eine Ritter- und Western-Rennaissance.
-
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
IL SEGNO DEL COYOTE - Francesco de Masi Entgegen der Chronologie folgt hier noch eine frühere Musik de Masis zur Zorro-Paraphrase MIT COLT UND MASKE, die 1963 von Mario Caiano gedreht wurde, der im selben Jahr auch bei ZORRO, DER MANN MIT DEN ZWEI GESICHTERN auf dem Regiestuhl saß. Über den Fim kann ich nichts sagen, denn ich habe ihn nicht gesehen (daher gbt's hier auch keine chronologische Trackreihenfolge). Francesco de Masis Musik überrascht jedoch ein wenig, kommt hier rein gar kein spanisch-mexiaknisches Lokalkolorit zur Geltung. Stattdessen serviert der Komponist hier eine orchestrale Musik mit zahlreichen Western-Idiomen, die so auch zu einem beliebigen B- oder C-Western Hollywoods hätte laufen können. Das Zentrum der Musik bilden zwei gegensätzliche Hauptthemen. Das ruhige wird direkt zu Beginn des Albums vom Englischhorn über sanfte Streicher- und Harfenklänge intoniert, von einigen Trompetensignalen unterbrochen. Dann schließt ein typisches Western-Thema in den Bläsern über klassischen Orchesterryhthmen an. Die folgenden Stücke werden hauptsächlich mit diesem Material bestritten. Dabei muss man de Masi anerkennen, dass er seine Themen sehr gekonnt variiert und an die jeweilige Stimmung anpasst. Ich muss zuegeben, auch beim zweiten und dritten Hören noch unbemerkte kleine Ableger beider Themen aus der Musik heraushören zu können. Dennoch handelt es sich bei IL SEGNO DEL COYOTE um keinen Pflichtkauf, da es sich eben um eine sehr klischeehafte und unoriginelle Musik handelt. An ihr lässt sich auch exemplarisch das Defizit der de-Masi'schen Actionmusik erläutern: Dass er die einzelnen Instrumente des Orchester genau kennt und trefflich ihre Klangfarben einzusetzen wermag, lassen die ruhigen Passagen spüren. Bei der recht gut vertretenen Action will die Musik jedoch nie so richtig in Fahrt kommen. Das liegt zum einen an den motorisch heruntergespuelten Motivzellen, die schlicht aneinandergehängt werden, aber auch an der Orchestrierung. Der Komponist vermeidet nämlich fast durchgehend ein sattes und kräftiges Orchestertutti. Stattdessen spaltet er auch in den Actionpassagen sein Orchester immer wieder in kleinere Instrumentegruppen, die nacheinander einzelne Actionmotive vortragen. Diese sind jedoch einfach nicht raffiniert genug, um die Musik alleine zu tragen, sodass es an nötiger Kraft und Substanz fehlt - insbesondere, da sie sich häufig den Anschein einer klassischen orchestralen Abenteuermusik gibt. Die knappe halbe Stunde, die zusammen mit Auszügen aus C'È SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA bei Beat Records erschienen ist, deckt alle wichtigen Eigenschaften dieser Musik ab. Wirklich brauchen tut man das nicht, streckenweise macht es sogar Spaß, sich diese B-Western-Klischees an einem sonnigen Sonntag nachmittag anzuhören. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Die beiden Nicolais waren halt recht günstig bei knapp 5€ pro Musik. Die Rustichellis und die anderen Nicolais kommen zu hundert Prozent und werden von mir dann auch hier vorgestellt! -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
15 FORCHE PER UN ASSASSINO – Francesco de Masi Im deutschen Verleih wurden aus den ursprünglich 15 GALGEN FÜR EINEN MÖRDER nur noch DIE SCHMUTZIGEN DREIZEHN. Wo der Rest geblieben ist, kann wahrscheinlich genau sagen, es ist auch nicht wichtig. 15 FORCHE PER UN ASSASSINO ist einer von vielen verzichtbaren Italowestern. Die Handlung um zwei rivalisierende Banden von Viehdieben, die sich zusammen gegen ein Aufgebot verteidigen müssen, nachdem sie des Mordes an einer Witwe und ihren beiden Töchtern verdächtigt wurden, hätte genug Gelegenheit für ausgefeilte Charakterdarstellungen und spannende Situationen ergeben, doch sämtliches Potential versumpft schnell in einem lieblos geschriebenen Drehbuch, miserabler Schauspielleistung, einer unambitionierten Regie und einer durchschnittlichen Kameraarbeit. Francesco de Masi komponierte für DIE SCHMUTZIGEN DREIZEHN eine Westernmusik von der Stange. Es handelt sich hierbei zwar um keinen Reinfall, ein großer Wurf ist es jedoch auch nicht. Angesichts der Entstehungszeit (1968) überrascht die Absenz sämtlicher Pop-Idiome. Vielmehr erinnert die Musik an de Masis frühere Werke und ist wieder mehr dem amerikanischen Vorbild nachempfunden. Insgesamt dominiert die Klangfarbe des mittelgroßen Orchesters, das natürlich um E-Bass, Gitarre und Mundharmonika erweitert wurde. Das Zentrum der Musik bildet ein energisches Hauptthema, das von den Blechbläsern über treibende Streicher- und Schlagzeugrhythmen präsentiert wird. Die kurze, fallende Bewegung in den Holzbläsern und Violinen könnte fast der Piccoloflöte aus EINE HANDVOLL DOLLAR entlehnt sein. Das zweite große thematische Element der Musik steht für das von der Armee verlassene mexikanische Fort, in dem die Banditen Zuflucht suchen. De Masi etbaliert hier ein klassisches mexikanisch angehauchtes Thema im tänzerischen 3/4-Takt, das insbesondere während eines Festes groß ausgespielt wird. Handelt es sich bei diesen thematischen Einfällen und dem jeweiligen Arrangement schon um keine großartig originellen Leistungen, trägt der Rest der Musik zur mediokren Wirkung bei. Die Suspense-Passagen hat man so schon hunertmal gehört, die sanften Gitarrensoli und die warmen Streicherteppiche mit dem Mundharmonikasolo für besinnliche Szenen ebenfalls. Für den belanglosen Film langt's allemal, als alleinstehendes Hörerlebnis braucht man das gewiss nicht auf CD. Dennoch wurden 27 Minuten bei Beat Records zusammen mit Auszügen aus Angelo Francesco Lavagninos GLI SPECIALISTI veröffentlicht. Einige kürzere Stücke wurden zusammengefügt und die einzelnen Passagen für eine zufriedenstellenderes Hörerlbnis umgestellt. Hier die chronologische Reihenfolge mit selbsterdachten Titeln, die tatsächlich sehr unbefriedigend endet: 12 – Titelmusik 20 – Der Tote wird heimgebracht/Schlechte Stimmung im Fort 14 – Macks Bande reitet 18 – Mack reitet in die Stadt/Familie Cook/Nachts in der Scheune 13 – Steve findet die toten Frauen 16 – Macks Plan/Das Fort 19 – Juan kehrt zum Aufgebot zurück/Das Aufgebot wird abgelenkt 22 – Das Fest im Fort 15 – Mack wird gefangen genommen 21 – Macks Befreiung 17 – Das Spiel ist aus -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Meine Lektion bezüglich des "Kaufen wegen des Sammelns" habe ich nun in Hinblick auf Italo-Western-Musik gelernt. Da werde ich in Zukunft wirklich etwas vorsichtiger unterwegs sein, aber immerhin habe ich hier so einige Kundige kennengelernt, die mir wertvolle Hinweise geben konnte. Auf dem Weg zu mir sind momentan CORRI, UOMO, CORRI und IL QUATTRO DELL'AVE MARIS. Außerdem habe ich bei Colosseum noch den Nicolai-Doppeldecker zu UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE und LO CHIMAVANO TRESETTE, GIOCAVA SEMPRE COL MORTO bestellt. Der Rest wird sicher in den nächsten Wochen bestellt. Was SETTE DOLLARI betrifft: Ich habe gestern die Nachricht erhalten, dass Beat Records den erstmal nachpressen lassen muss! Gut Ding will Weile haben... -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Vielen Dank für diese weiteren Ausführungen Mit der italienischen Horrofilmmusik habe ich mich bisher noch gar nicht auf Tonträger beschäftigt, daher war mir der Ursprung dieser elektronisch geladenen Spannungsmusik nicht bekannt. Mit den musikalischen Anachronismen habe ich tatsächlich keine größeren Probleme, weil ich Italo-Western-Musik häufiger mit Pop-Idiomen und einer "zeitgenössischeren" Instrumentierung durch die E-Gitarren etc. in Verbindung gebracht habe (vielleicht auch, weil das ganze Italo-Western-Archiv, das Tele 5 und Konsorten vor knapp zehn Jahren regelmäßig runtergespult haben, oft solche Musik hatte). Darum stören mich solche Elemente in QUELLA SPORCA STORIA nicht. Die erste Albumhälfte ist tatsächlich stärker, da hast Du Recht, allerdings kommen doch gerade noch nach Nr. 8 so schöne Stücke wie "Il villaggio di Sartana", "Addio, Orace", "Johnny sulla croce" und "Tema di Johnny" ohne Gesang. Was den Vergleich der beiden Titelsongs betrifft gebe ich Dir Recht: ARIZONA COLT ist da viel pathetischer. Eigentlich müsste mir das Balladenhafte dieses Songs auch sehr zusagen. Ich bin mal gespannt, wie der Song in ein oaar Wochen auf mich wirkt, sowas ist ja auch immer stimmungsabhängig. Was den Texte betrifft, finde ich, schenken sich diese ganzen Songs relativ wenig. Überall werden die herrlich klischeehaftesten Phrasen gedroschen, die sich in diesem Kontext anbieten, dass es eine wahre Freude ist. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Das ist ja das Schöne, dass es hier eine Plattform gibt, auf der man sich über solche Dinge austauschen kann. QUELLA SPORCA STORIA hat mich tatsächlich sehr beeindruckt, wobei anscheinend für mich gerade die Dinge positiv herausstechen, die Dir eher negativ aufgefallen sind. Warum mir der Titelsong viel besser gefällt als ARIZONA COLT kann ich nicht wirklich erklären. Vielleicht liegt es daran, dass er um einiges treibender ist als der erhabene, aber dafür viel langsamer trottende Titelsong aus ARIZONA COLT, bei dem nie der Funke wirklich übergesprungen ist. Gerade bei den Suspense-Passagen finde ich, dass de Masi hier eine tolle Lösung durch diese elektronischen Echoeffekte und Schichtklänge gefunden hat. Sobald wieder das übliche Cembalo-Geklimper mit den Gitarrenakkorden und einigen Holzbläserakkorden erklingt, nimmt meine Begeisterung etwas ab, aber insbesondere im chronologischen Verlauf ist die Musik schön abwechselnd. Ich finde das sehr ärgerlich, wie die Labels momentan die CDs zusammenstellen, denn das Bonusmaterial ist oft falsch betitelt und völlig wild durcheinandergwürfelt. Mir ist da die chronologische Zusammenstellung lieber, die anscheinend größtenteils aufgegeben wurde. Immerhin...die letzte Fassung von SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD war endlich chronologisch. Die Chorpassagen finde ich wirklich sehr gelungen und verleihen dieser Musik eine ganz besondere Note, die so noch keine de-Masi-Musik, die hier besprochen wurden, zuvor hatte. Dazu auch noch das sehr gelungene Italo-Western-Feeling während "Il villaggio di Santana". Echt interessant, dass QUELLA SPORCA STORIA bei Dir anscheinend so gar nicht anschlägt. de Masi muss das Werk auch gemocht haben, denn er hat überraschend viel daraus für SARTANA NON PERDONA wiederverwendet, allerdings ohne den entsprechenden Schmiss. Für mich ist diese tatsächlich DIE Entdeckung während meiner bisherigen de-Masi-Erkundung, die morgen an dieser Stelle fortgesetzt wird -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST - FRANCESCO DE MASI Hinter diesem nichtssagenden Titel verbirgt sich eine intelligente Italo-Western-Parabel auf Shakespeares Drama "Hamlet". Ursprünglich sollte der Titel des Films sogar JOHNNY HAMLET lauten, doch den Produzenten war das zu gewagt. Mit EINE DRECKIGE GESCHICHTE AUS DEM WESTEN taten sie diesem originellen Film jedoch auch keinen Dienst, ebenso wenig der deutsche Verleih, der mit dem Titel DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON auf den Erfolgszug des berühmten DJANGO aufspringen wollten. Letzten Endes handelt es sich bei QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST um ein kleines Juwel, das insbesondere kinematographisch durch die hervorragende Kamerarbeit und die ausgezeichnete Farbgebung besticht. Auf den Komponisten Francesco de Masi dürfte dieser Film ebenfalls sehr inspirierend gewirkt haben, schrieb er zu QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST schließlich eine seiner besten Musiken. Das Hauptthema entpuppt sich sogleich in der Song-Version zu einem wahren Ohrwurm und wird im weiteren Verlauf der Musik gekonnt variiert. Das obligatitorische Harmonika-Solo darf hier natürlich nicht fehlen, besonders stark wird das Thema auch bei der ersten Begegnung zwischen dem heimgekehrten Johnny und seiner großen Liebe Emily in satten Streichern und warmen Hornklängen zu Gehör gebracht. Dieses Thema ist Dreh- und Angelpunkt der Musik, vermag aber dank de Massis versiertem Umgang mit demselben die Musik zu großen Teilen auch zu tragen. Ein weiteres Glanzlicht der Musik bilden die Chorpassagen für Johnnys Besuch am Grab seines Vaters und den später folgenden Folterszenen, als Johnny gekreuzigt wird.Die stimmungsvollen vokalisierenden Gesänge des gemischten Chors sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre und verleihen der Musik eine charakeristische Note. Auch bei den Suspense- und Actionsequenzen wartet QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST mit weitaus originelleren Klängen auf als andere Musiken dieses Genres: Mittels elektronischer Echo-Effekte über eine treibende Tonrepetition des E-Basses strickt der Komponist hier ein dichtes Klangnetz, das den sonst so tröpfelnden suspense-Passagen mit einigen Gitarrenakkorden, Holzbläsersoli und Streichertrillern weit überlegen ist. Derartige Passagen treten insbesondere in der zweiten Hälfte der Musik zwar auch auf, werden aber immer wieder durch die Variationen des Hauptthemas gelockert. Ein ganz kurzes, schillerndes Motiv wird für einen Silberanhänger etabliert, der zur Spur des wahren Mörders von Johnnys Vater führt. Dieses kurze Motiv tritt immer wieder in einzelnen Stücken auf und verfolgt so zusammen mit dem Protagonisten die Spur. Besonders schönes Italo-Western-Gefühl kommt außerdem in den beiden längeren Ritt-Szenen in der Mitte des Films auf. Hier etabliert de Masi ein neues Thema über eine sehr "groovige" Begleitung mit einem sehr coolen E-Bass-Riff. Insgesamt bildet QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST eine schöne musikalische Mischung aus typischen Italowesternelementen, atmosphärischen Chorpassagen, sehr gelungenen Variationen des Hauptthemas, interessanten Spannungsmaterial und einiger weiterer schöner Einfälle wie die "Wassermusik" des Vibraphons bei der "Ophelia"-Szene oder dem Anhänger-Motiv. Gut eine halbe Stunde der Musik wurde bereits in chronologischer Reihenfolge auf LP veröffentlicht, bevor Beat-Records 2012 noch einmal eine fast vollständige Fassung nachlegte. Auch hier wurden die bisher unveröffentlichten Stücke hinter das originale Programm gehängt. QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST ist tatsächlich das erste Album dieser Reihe, dass ich mir mit Freuden vollständig anhören kann, ohne an einer Stelle wirklich Langeweile zu verspühren. Hierzu empfiehlt sich aber eine Programmierung nach der chronologischen Filmreihenfolge (siehe unten). QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST ist ohne Frage für mich eine ganz große Entdeckung innerhalb des Italo-Western-Musik-Projekts gewesen. Für Film und Musik spreche in an dieser Stelle eine klare Empfehung aus! ...und hier die chronologische Reihenfolge: 01 – Vorspann 02 – Johnny reitet in die Stadt 03 – Johnny am Grab seines Vaters I 04 – Ranch „El Senor“ 05 – Johnny und seine Mutter 06 – Johnny und Emily 07 – Der Silberanhänger 08 – Sartanas Gürtel 09 – Eugenia ist tot 10 – Konfrontation im Saloon 27 – Nach dem Kampf 11 – Johnny reitet (Original) 12 – In Sartanas Versteck 21 – Zur Hamilton-Ranch 13 – Abschied 20 – Emilys Tod/Der Colt 14 – Johnny am Kreuz I 22 – Hannah wird verletzt 15 – Santanas Angriff 23 – Johnny am Kreuz II 16 – Johnny am Kreuz III 25 – Claude findet den toten Sheriff 17 – Katz und Maus/Ross' Tod 24 – Katz und Maus/Ross' Tod (alternativ) 18 – Das letzte Gefecht 26 – Das letzte Gefecht (alternativ) 19 – Finale