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Angus Gunn

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Alle Inhalte von Angus Gunn

  1. Ich bin mir einigermaßen sicher, dass die Erweiterung nicht viel bringen wird. IL BIDONE ist ein sehr feiner Score, aber der Trackliste nach werden die zusätzlichen Stücke in erster Linie wieder aus Paraden, Tänzen, Festivitäten oder ähnlichem bestehen. Einen musikalischen Mehrwert sehe ich da kaum, und das alte Album wird mit Sicherheit wieder wesentlich besser abschneiden. Das war bei den bisherigen Fellini-Erweiterungen auch so (mit Ausnahme von den CLOWNS). Eine verbesserte Klangqualität wäre allerdings ein wichtiger Pluspunkt, und die Beispiele hören sich in der Tat sehr ordentlich an.
  2. Oh, darauf habe ich schon lange gehofft. Und dann auch noch mit so einem wundervollen Artwork.
  3. Das ist eine der damaligen Plakatgrafiken. Es stimmt, da hätten wirklich bessere Motive zur Auswahl gestanden. Aber ein schöner, atmosphärischer Noir-Score. Bin gespannt, was die erweiterte Auflage bringt.
  4. Hmm, das ist eigentlich ein Track auf den ich auch hätte verzichten können Aber schönes Album. Hoffentlich haben die diesmal das Problem mit den Lautstärkeschwankungen in den Griff bekommen.
  5. Ein Synthi-Score aus den 80er Jahren, von Quartet Records gerade wieder zugänglich gemacht. Das Titelthema (Track 6) ist eine offensichtliche, aber sehr coole Variante vom BLADE RUNNER End Title. Reminiszenzen an den Vangelis-Score durchziehen das gesamte Album. Die bluesigen Trompeten- und Saxophon-Soli, z.B. in REDUCI DAL VIETNAM , sind weitere Highlights. Gelegentlich kommt es zu seichtem Synthi-Pop, reinen Klavierthemen, und schrägeren Einschüben mit synthetisch erzeugten Extravaganzen. Im Großen und Ganzen ganz nett, aber zum Patucchi-Fan macht mich das jetzt nicht. Vielleicht nochmal allgemein zu Patucchi: Ich kenne nicht viel von ihm. Vom Hocker gehauen hat mich davon bisher nichts. SESSO DELLA STREGA ist sehr formelhaft und von geradezu rekordverdächtiger Belanglosigkeit. Der Western-Score BLACK KILLER ist wesentlich gefälliger, aber auf Dauer arg repitiv. SIEGFRIED besitzt ein hübsches, augenzwinkerndes Heldenthema, viel muntere Abwechslung und einige charmante Ideen, wenn auch nicht jeder Track gefällt. LOS AMIGOS ist allerdings ein durchweg reizvolles, unterhaltsames Album mit einem klasse Titelsong. Wenn ich einen Patucchi weiterempfehlen müßte, dann wäre es dieser.
  6. Dieser Track war mir immer ein Rätsel. Ich wußte nicht, wo er ursprünglich herkam. Und im Film habe ich ihn nie bemerkt, von daher habe ich mich früher schon gefragt, was der da soll, zumal er stilistisch völlig aus dem Rahmen fällt.
  7. Ob die Anschaffung dieser CD nun unbedingt nötig war, mag fragwürdig sein. Aber CHOSES DE LA VIE gehört in meine Sarde-Top-10 und daher habe ich sie mir mit einer gewissen Erwartungshaltung bestellt. Bisher hatte ich nur das CD-Album von CAM aus den frühen 90er Jahren im Regal und demgegenüber sind immerhin mehr als 10 Minuten dazugekommen. Wichtigste Ergänzung ist ein 6-minütiger Track, der mehrere Spannungsstücke zu einer Suite zusammenfaßt. Im Gegensatz zum sonst so melancholischen Charakter der Musik wirken diese 6 Minuten eher wie aus einem Thriller jener Zeit. Und das wunderschöne CHANSON D´HELENE liegt nun in drei Sprachversionen vor (französisch, italienisch, deutsch) Ich hätte vermutet, dass die Quartet-CD auf die Geräuscheffekte des Autounfalls verzichtet, die bei zwei oder drei Tracks mit eingemischt wurden (der Unfall ist Dreh- und Angelpunkt der Filmhandlung), aber diese Effekte sind uns erhalten geblieben. Sie stören allerdings auch nicht sehr. Wahrscheinlich hätte ich sie sogar vermißt, da ich mich in all den Jahren an sie gewöhnt habe. Schön ist auch das Booklet der neuen CD, das nette Anekdoten bereithält. So feuerte Sarde, der seinen ersten Filmauftrag so perfekt wie möglich abliefern wollte, während der Aufnahmen einen Flötisten, weil der ein kurzes Vivaldi-Stück, das im Autoradio zu hören ist, nicht akkurat hinbekam. Auch wußte ich nicht, dass es ein Vorschlag von Sarde war, den Film mit dem Unfall zu beginnen und die Handlung dann als Rückblende zu erzählen. Wirklich große Klasse sind auch die 12 Minuten aus NELLY ET MONSIEUR ARNAUD. Als Suite zusammengeschnitten baut dieser kurze, streicherbetonte Score eine mitreißende Dynamik auf und könnte auch als konzertantes Werk für sich stehen. Warum mir dieser Score bisher nicht sonderlich aufgefallen ist, kann ich nur vermuten. Entweder es liegt tatsächlich an der jetzt um mehr als das doppelte verlängerten Präsentation, oder die bisher vorliegenden 5 Minuten auf dem Sautet-Sampler von Universal sind schlicht und einfach in der großen Menge an exquisiten Themen auf jenem Album untergegangen. Wer weiß. Auf jeden Fall eine großartige Ergänzung zu CHOSES DE LA VIE, und ein Film, den ich mir mal für eine zukünftige Sichtung vormerke.
  8. Danke für die Antwort! UN MINUTO PER PREGARE habe ich selber auch in der Sammlung aber beide Filme bzw. Musikstücke nie zusammengebracht.
  9. Sonst niemand eine Idee? Wo findet sich beispielsweise das Stück wieder, das in der Sturmnacht zu hören ist, nachdem Lady de Winter in die Kammer gesperrt wurde (ab 1:41:50)? Für meine Ohren klingt es sehr nach Tschaikowsky. Diese Szene war für mich immer die dramatischste des ganzen Films, und das geht zu einem Großteil auf die Wirkung der Musik zurück. Überhaupt finde ich es sehr schade und auch verwunderlich, dass nach mehreren Jahrzehnten und ungezählten Hollywood-Classic und Swashbuckler-Samplern die Musik zu diesem Film noch niemals auch nur mit einem einzigen Track berücksichtigt wurde. Sie gäbe ein höchst unterhaltsames Album ab.
  10. Philippe Sarde in DER MIETER: Als Trelkowsky (Polanski) und seine Begleiterin (Adjani) ein Kino verlassen, steht da im Hintergrund am Kassenhäuschen ein Mann, der grimmig zu ihnen rüberschaut.
  11. Könnte es nicht sein, dass diese Melodie ursprünglich gar kein Marsch war? Im Mittelteil der Titelmusik wandelt sich das Thema ja auch zum säuselnden Liebesthema.
  12. Was ich schon immer über diesen Evergreen wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte: Die Filmmusik von Herbert Stothart nutzt auch Themen von Tschaikowsky, wie es im Vorspann ja auch angegeben ist. Was ich irgendwo mal gelesen habe, (ob´s stimmt, weiß ich nicht) ist, dass die Melodie für Constance aus Taschaikowskys "Romeo und Julia" adaoptiert worden sein soll. Aber welche Stücke wurden sonst noch verwendet? Insbesondere der Ursprung des Titelmarsches, den ich seit meiner Kindheit im Ohr habe, würde mich mal interessieren, oder war das Origional-Stothart? Zum analysieren hier der komplette Film:
  13. Den hatte ich mir auch direkt mitbestellt. FLUCHTPUNKT AKROPOLIS gehört zum Euro-Spy-Genre, und ich habe ihn sogar noch aus früheren 35-mm-Tagen in ganz guter Erinnerung. Ein grimmiger Kriminalreißer mit einer gewissen Härte, eher bodenständig, und ohne die sorglosen Albernheiten wie sie beispielsweise in der Kommissar-X-Reihe vorkamen. Der Score ist sehr jazzig und die Titelmusik wunderbar reißerisch. Ein weiteres gelungenes Thema ("Gangsters") besitzt einen eher zwilichtigen Charakter. Deneben gibt es viel Gefälliges für Action- und Jukebox-Szenen, Blues, auch ein kurzer Bossa und eine Menge effektiv eingesetztes Bongogetrommel. Ein paar hübsche Sirtaki-Tracks sind dem Ort der Handlung geschuldet und gegen Ende, als man schon gar nicht mehr damit rechnet, kommt auch noch ein feines Liebesthema zu Gehör, das man sich länger gewünscht hätte, und bei dem auch mal die Streicher ganz für sich alleine sind. Zwar gibt es auch hier die für italienische Genrefilme üblichen minutenlangen und eher drögen Suspenseuntermalungen, aber im Großen und Ganzen würde ich BERSAGLIO MOBILE als einen Score bezeichnen der in seinem mit Höhepunkten nicht gerade gesegneten Subgenre zu den überdurchschnittlichen Vertretern zählt. Die Klangqualität ist sehr erfreulich, trotz mono. Was ich nicht verifizieren konnte ist eine angebliche Beteiligung von Fiorenzo Carpi. In älteren Filmlexika ist Carpi als Komponist genannt, und in der Imdb steht er als "uncredited" vermerkt.
  14. UNA SPIRALE DI NEBBIA - Ivan Vandor Eine Doppel-CD mit drei Filmen von Eriprando Visconti (Neffe von Luchino), die mir allesamt unbekannt sind. UNA SPIRALE DI NEBBIA ist ein schöner, sehr melodischer Score. Durchgehend ruhig und elegisch mit gelegentlichen Dissonanzen, die aber keineswegs störend aus dem Rahmen fallen. Exponierteste Instrumente sind die Streicher, die in jedem Track ausgiebig aktiv sind. Die Intonation der Melodielinien geschieht meißt durch die Holzbläser. Weiteres Instrumentarium taucht nur als gelegentliches Beiwerk auf, ein Harfenglissando hier, eine angeschlagene Klaviertaste dort, und das Hauptthema wird behutsam auch mal von der Gitarre übernommen. Von der Stimmung her etwas trübsinniger und vielleicht nicht so eindrucksvoll wie der oben vorgestellte ANDREMO IN CITTA, aber eine empfehlenswerte, angenehm zu hörende halbe Stunde. OEDIPUS ORCA besteht aus käsig hingewurschtelten Elektroniktracks mit Freejazz-Einschüben vom Saxophon. Zum Teil immerhin recht stimmungsvoll, hauptsächlich aber nervtötend. Von daher hat es mich überrascht zu lesen, dass der Amerikaner Dashow ebenfalls Petrassi-Schüler ist. LA ORCA (Federico Arduini) hat instrumentalen Schlagerkitsch, gespielt von Synthie und Orchester. Nix dolles, und dazu noch von überraschend mäßiger Tonqualität.
  15. Einleuchtend. Ich habe die damals ja auch übersehen, bzw. nicht beachtet. Reiner Zufall, dass ich jetzt durch den Film darauf aufmerksam geworden bin. Die Infos bezüglich der Veröffentlichungs-Geschichte dieser Musik sind sehr interessant. Die habe ich mir tatsächlich auch schon bestellt! Bin gespannt.
  16. ANDREMO IN CITTA - Ivan Vandor Während des zweiten Weltkrieges lebt die jüdischstämmige Lenka (ganz bezaubernd: Geraldine Chaplin) alleine mit ihrem kleinen Bruder in Jugoslawien. Der Faschismus überzieht Europa und Lenka wird zunehmend Ziel antisemitischer Anfeindungen. Den aus Ungarn stammenden Komponisten Ivan Vandor hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm. Seine Musik zu diesem bewegenden Kriegsdrama habe ich mir jetzt allerdings sofort nach Ansicht des Films bestellt. Sie ist schlicht und einfach großartig. Eine herrliche Musik von großer, melodischer Anmut, die von Tragik und Hoffnung erzählt, durchzogen vom Flair balkanischer und jüdischer Folklore. In der Titelmusik wird das Hauptthema vorgestellt, konzertant von Klavier und Streichern dargeboten. Dieses Thema hatte dann abseits des Films noch ein Eigenleben geführt, und zwar in einer von Iva Zanicchi gesungenen Form. In Deutschland wurde daraus "Weißt du noch?" von Alexandra.
  17. Tres Bien! AMI DE VINCENT sagt mir gar nix. Gab´s den vorher schonmal irgendwo?
  18. Pasolini IV GROßE VÖGEL, KLEINE VÖGEL (1966) Vater und Sohn (Toto und Ninetto Davoli) befinden sich auf Wanderschaft durch die italienische Provinz. Skurrile Personen und Geschichten säumen ihren Weg über die Landstraße. Mißstand und Auflösung überall. Eine sprechende Krähe gesellt sich zu ihnen. Sie kommt aus dem Land Ideologie und stellt das intellektuelle Gegenstück zu den beiden kleinbürgerlichen Einfaltspinseln dar. Die Krähe erzählt ihnen die Geschichte zweier Mönche (ebenfalls Toto und Ninetto) aus mittelalterlichen Zeiten. Ein Heiliger überträgt ihnen die Aufgabe, den Falken das christliche Evangelium näherzubringen, auf das diese nicht mehr die Spatzen töten. Trotz aller Bemühungen müssen sie jedoch einsehen, dass sich die Vögel nicht belehren lassen. Daraufhin werden sie aufgefordert, auch in Zukunft weiterzumachen, auf das irgendwann die Ungleichheiten der Welt, also die Wurzel alles Übels, ausgemerzt seien. Toto und Ninetto setzten (in der Gegenwart) ihre Reise fort, stets verfolgt von ihrem belehrenden Begleiter, dessen Ansichten freileich denen von Pasolini entsprochen haben. Auch gibt es mitten im Film eine Texttafel, die auf Palmiro Togliatti hinweißt, einen führenden kommunistischen Politiker, der offenbar mit der Figur der Krähe gemeint ist. Als sie in der Stadt ankommen, findet dort gerade in Dokumentaraufnahmen der Trauerzug für den gerade verstorbenen Togliatti statt. Am Ende muß die Krähe einsehen, dass ihre aufklärerischen Bemühungen bei den beiden Proletariern überhaupt nicht fruchten. Verbittert bietet sie sich selber zum Verzehr an, denn "wer einen Professir ißt und ihn verdaut, wird selbst ein wenig Professor." Und so geschieht es dann auch. GROßE VÖGEL, KLEINE VÖGEL ist der einzige Pasolini-Film, den ich schon in früherer Zeit gesehen habe. Damals, als Teenager, fehlte mir freilich der geistige Horizont um Pasolinis Absichten zu erfassen. Heute wiedergesehen, ist der Film der unterhaltsamste der bisher gesichteten Werke. Die Skurrilität der Ereignisse, der tragikomische Humor, die an Metaphern reiche Geschichte und die feine Musik von Morricone ergeben zusammen eine wirklich sehenswerte Parabel, auch wenn man der Idee des Kommunismus kritisch gegenüberstehen mag. Toto, der in Italien ein bekannter, komödiantischer Schauspieler ist, wurde von Pasolini bewußt eingesetzt, weil er einem ganz bestimmten Rollentypus entprach: Neorealistisch, volkstümlich, aber auch etwas absurd und surreal, und für das Publikum sofort einzuordnen. Die deutsche Fassung glänzt mit hervorragenden Stimmen, und sogar Morricones wunderbar verschrobene, gesungene Vorspannsequenz, wird mit deutschem Text vorgetragen. Hier die Originalversion, gesungen von Domenico Modugno:
  19. Tatsächlich? Ich bin auch noch Besitzer des Ur-Albums, und überlege, mir diese neue Ausgabe hier zu kaufen. Klingt die Quartet-Ausgabe denn wieder besser / klarer?
  20. Pasolini III ACCATTONE (1961) Pasolinis Spielfilm-Debüt als Regisseur. Der junge Vittorio lebt ein tristes Leben im Armenviertel am Stadtrand. Seine Freundin Maddalena schickt er auf den Strich, und in seiner Umgebung nennt man ihn Accattone (Schmarotzer, Rumtreiber). Dann lernt er Stella kennen, eine junge Frau, die Hausarbeiten erledigt und mit ihrer anständigen, aufrichtigen Art nicht in die moralisch verkommene Umgebung paßt. Um ihr ein Geschenk zu machen, bestiehlt er seinen eigenen kleinen Sohn. Trotz gegenseitiger Zuneigung, versucht er auch Stella in die Prostitution zu bringen. Als Vittorio beschließt, sein Leben zu ändern, ist es eigentlich schon zu spät. In der Nacht träumt er von seiner eigenen Beerdigung. ACCATTONE ist ein nüchtern und schmucklos inszeniertes Sozialdrama. Die Kameraführung läßt, bis auf wenige Ausnahmen (Traumsequenz), keine künstlerischen Ambitionen erkennen. Es bieten sich auch keine Idenifikationsfiguren an. Vittorio ist ein Opfer seiner Sozialisierung und bleibt als solches ein unsympathischer Kotzbrocken. Eine emotionale Annährung fällt schwer, was den Film nicht leicht konsumierbar macht. Auf der Tonspur setzt Pasolini dagegen klassische Musikstücke von Bach ein, teilweise sogar mit sakralem Charakter, was auf das eigentliche Ansinnen des Films hindeutet, und was Kritiker gerne in ihm sehen: Eine moderne Passionsgeschichte.
  21. Pasolini II DAS 1. EVANGELIUM - MATTÄUS Dieser Film hat mich überrascht. Bei einer Laufzeit von 132 Minuten hatte ich mich auf ein erheblich sperrigeres Werk eingestellt. Umso wohlwollender nahm ich seine Kurzweiligkeit zur Kenntnis. Pasolini erzählt das Matthäus-Evangelium, also von der Geburt Christi bis zur Kreuzigung, vorlagengetreu nach. Als Schauplätze dienen karge Landstriche und ruinöse Siedlungen des südlichen Italien. Besetzt ist der Film mit unbekannten Schauspielern und Laiendarstellern, was dem Film seine betont volkstümliche, bodenständige Atmosphäre verleiht. Übernatürliche Figuren wie der Satan, der Jesus bei seiner Wüstenwanderung in Versuchung führt, treten als ganz profane Menschen auf. Auf Wundertaten verzichtet Pasolini allerdings nicht, was er im Nachhinein als "ekelhaften Pietismus" bezeichnet hatte. Obwohl gerade die Szene, in der Jesus über das Wasser geht, sehr schön eingefangen wurde. Die Kreuzigung schließlich ist in ihrer Eindringlichkeit erschreckend, obwohl sie nahezu ohne Blut- und Folterorgien auskommt (ich denke da an einen gewissen Mel-Gibson-Film, der genau damit zu punkten versucht hat, aber kläglich gescheitert ist.) Musik setzt Pasolini sehr viel ein. Klassik von Mozart und Bach (die Matthäuspassion natürlich), Originalmusik von Luis Bacalov und amerikanischen Gospel. Ein wirklich sehenswerter Film, der mal einen anderen Ansatz wagt, und sich dennoch sehr genau an die Vorlage hält.
  22. Pasolini I Kürzlich ist mir aufgefallen, dass ich von Pasolini bisher kaum etwas gesehen habe. Um diesen Umstand zu beheben, fange ich jetzt mal mit einer kleinen Pasolini-Werkschau an, indem ich mir zumindest ein paar seiner Hauptwerke zu Gemüte führe und kurz meinen Eindruck schildere. Ich beginne mit dem Film, der mich am meisten interessiert hat: EDIPO RE (1967) Die Ödipus-Geschichte aus der griechischen Mythologie in einer ebenso eigenwilligen wie faszinierenden Verfilmung. Die Antike in Pasolinis Film wirkt befremdlich und karg. Die Architektur der marokkanischen Wüstendörfer ist geradezu bizarr. Überhaupt irritiert der Film mit nicht klar einzuordnender Ausstattung. So machen die Helme, die von König Laios Laibgarde getragen werden den Eindruck als stammen sie aus dem aztekischen Kulturkreis. Die Kostümierung der Sphinx von Theben möchte man dagegen eher mit dem tiefsten Afrika assoziieren. Ähnlich verfährt Pasolini mit der eingesetzten Musik, die von kargen, japanischen Flötenklängen bis zu südosteuropäischer Folklore reicht. Auch wird die Geschichte in unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Zwar bildet der antike Part den Kern des Films, doch beginnt die Geschichte im Italien der 20er Jahre und endet (mit den selben Schauspielern - Citti und Mangano) in der damaligen Gegenwart der 60er. Hinweise auf die zeit- und kulturunabhängige Aktualität der Erzählung, mit deren Verfilmung Pasolini seine eigene, bedingungslose Liebe zu seiner Mutter verarbeitet hat. Ödipus selber wird von Franco Citti, im Gegensatz zur ursprünglichen Erzählung, als äußerst aggressiv und hitzköpfig dargestellt. Pasolini mischt sich immer wieder mit der Handkamera ins Geschehen und erzeugt dynamische Bilder in ungewohnten Perspektiven. So verschwinden beispielsweise während des Kampfes mit den Soldaten von König Laios die Protagonisten immer wieder im gleißenden Gegenlicht. Eine Andeutung auf die bevorstehende Erblindung, die sich Ödipus am Ende selber zufügen wird. Ein wuchtiger, interessanter Film voller Symbolik, die zu entschlüsseln der Zuschauer selber gefordert ist. Angesehen habe ich mir die restaurierte, untertitelte Originalversion. Auf der DVD-Edition steht aber auch die etwas kürzere deutsche Kinofassung zur Auswahl, in die ich der Synchronstimmen wegen zumindest auch nochmal reinschauen werde.
  23. Danke, Trekfan! Das war mir tatsächlich nicht bekannt. Von den Einzel-Soundtracks (also ich meine damit ein komplettes Album von einem einzigen Score) sind mir auch nur A-Team und Hill Street Blues bekannt. Ansonsten kenne ich halt nur seine Titel-Themen-Interpretationen, die aber auch wirklich gelungen sind. Vor allem die Falcon-Crest-Einspielung hat es mir angetan.
  24. HILL STREET BLUES (Mike Post) Seit Ewigkeiten mal wieder durchgehört und überrascht festgestellt, wie gut dieses Album ist. Unterhaltsame, melodische Popmusik mit Jazz- und Rockeinflüssen im Stil der 80er. Großartig umgesetzt, toll gespielt. Ich denke, diese ganzen Daniel-Caine-Einspielungen dürften wesentlich unterhaltsamer sein, als es die Originalaufnahmen wären, wenn sie denn irgendwann mal veröffentlicht werden sollten. Und das bringt mich zu der Frage: Wer ist eigentlich dieser Daniel Caine? Gibt es ihn noch? Existieren Interviews mit ihm? Spontan habe ich da nix finden können.
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