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Am 2.4.2022 um 12:17 schrieb Dunge_Onmaster:

Echt interessant! 👍 Vielen Dank für's Notieren und Teilen, Sebastian. 🙂

Sehr gern. :) 

Gleich ein Goldsmith hinterher: das Hauptthema aus CAPRICORN ONE (1977), bestehend aus dem berühmten 3/4+5/8-Ostinato, und den aufsteigenden Akkorden der Klaviere und Harfen, die an Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" und damit an die Eröffnung von Stanley Kubricks 2001 erinnern. Ich glaube, Goldsmith hat in einem Interview selbst mal gesagt, dass das seine bewusste ironische Anspielung auf 2001 war, aber ich finde die Quelle nicht mehr...

 

capricorn-one.jpg

 

https://www.youtube.com/watch?v=prHxoZj2flc

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Das ist für mich wirklich eins der beeindruckendsten Themen aus Goldsmiths Gesamtschaffen - mit schön viel Schmackes instrumentiert. Insgesamt bevorzuge ich hier die elegant arrangierte Neueinspielung mit kräftigerem Orchester, auch, wenn ich die Intrada-Veröffentlichung sehr schätze.

Zum Fehler in der Basic-Instinct-Partitur: Es kann natürlich sein, dass Goldsmith das ursprünglich so notiert und später abgewandelt hat und das von Omni nicht mehr "gegengehört" wurde.

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vor 20 Stunden schrieb Mephisto:

Zum Fehler in der Basic-Instinct-Partitur: Es kann natürlich sein, dass Goldsmith das ursprünglich so notiert und später abgewandelt hat und das von Omni nicht mehr "gegengehört" wurde.

Das kann schon sein. In diesem Fall würde ich aber eher einen Verschreiber seitens Goldsmith vermuten. Der Schlenker macht nur mit dieser Sekunde Sinn (h-c), und es klingt auch sehr schepp, wenn man statt zum c eine Quarte zum raufgeht. 

Mit der Neueinspielung von CAPRICORN ONE habe ich mich mittlerweile auch angefreundet. Früher mochte ich ja wirklich nur die Filmeinspielung, da dort die Instrumentengruppen im Mix stärker fokussiert werden. Zum "Main Title" passt das auch besser, aber einige andere Tracks funktionieren in dem konzertanten Klangkonzept mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser (z.B. "Docking" oder "No Water", auch wenn beide für die konzertante Einspielung nochmal etwas bearbeitet wurden). 

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Diese alternierenden Taktwechsel im Action-Scoring speziell der 80er und 90er haben's mir irgendwie angetan. Kann mich daran nicht satt hören... 😀  Ein einfallsloses 5/4-Gedröhne à la Dark Knight Rises klingt schon nach einigen Takten ausgelutscht und erschreckend vorhersehbar. Die eben nicht ganz regelmäßigen, leicht stockenden, aber trotzdem immer noch klar fokussierten Betonungen vom Capricorn-Main-Title halten das Metrum auch über mehrere Minuten frisch. Goldsmith hat für diese Art der Rhythmisierung in den späten 70ern/frühen 80ern die Blaupause geliefert, was dann zweifellos auch Inspiration war Poledouris' berühmtes Mixed-Meter-Ostinato in "Anvil of Crom": konstanter Wechsel von 12/8 und 10/8, prominente Pauken-Akzente, ausgehaltene Oktav-Parallelen im Blech etc. Die Grundidee dafür ist aber in jedem Falle ganz klar auf niemand Geringeren als Igor Stranwinsky zurückzuführen (Le sacre du printemps, Oedipus Rex etc.). Wenn auch da meist einfach viel zu komplex, als dass die ausgeklügelte Struktur vom Rezipienten beim alleinigen Hören direkt erfasst werden könnte; mir eingeschlossen. Filmmusik ist im Vergleich zu Konzert-Musik strukturell viel "griffiger"... Das macht für mich insbesondere bei solchen Sachen hier den Reiz aus. ;)

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Vor allem hilft es, dass auch die Melodie immer anders rhythmisiert ist. Zuerst "auf den Schlag", dann im 5. Takt auf die zweite Zählzeit und danach zwei Schläge.

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Heute ein Doppel-Spotlight: Jonny Greenwoods Liebesthemen aus LICORICE PIZZA (das Hauptthema, für Harfe) und PHANTOM THREAD ("Alma", für Klavier und Streicher), jeweils etwa die ersten 45 Sekunden. 

Mir ist erst spät aufgefallen, dass beide Themen im gleichen Metrum (5/4-Takt) und im exakt gleichen Tempo (♩ = 55) stehen. Über die Symbolik der Zahl 5 in Verbindung mit der Liebesthematik habe ich auf dem Filmblog "Eskalierende Träume" einen kleinen Aufsatz geschrieben: http://www.eskalierende-traeume.de/die-5-und-das-musikalische-uebermass-der-liebe-in-paul-thomas-andersons-phantom-thread-und-licorice-pizza/ :) 

 

licorice-pizza.jpg

 

phantom-thread.jpg

 

https://www.youtube.com/watch?v=30CaC9yC9KQ

https://www.youtube.com/watch?v=N8YH8W919gw

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vor 4 Stunden schrieb queenofthefoovultures:

Finds klasse dass du die Scores immer nach  C-dur/Am transponierst (falls sie das nicht sind, weiß ich nicht). Das macht es definitiv leichter den Satz harmonisch nach zu vollziehen! Danke Sebastian

Ich transponiere nie, meine Notenauszüge/Reduktionen entsprechen immer exakt der originalen Tonhöhe. :)

Greenwood arbeitet in diesen Stücken wahrscheinlich ganz gezielt ohne Vorzeichen, um die Ruhe und Einfachheit beider Stücke zu betonen. (Wobei es stimmt, dass in der Filmmusik sehr oft auf C angefangen wird. Je einfacher die Tonart und je weniger Vorzeichen, desto schneller geht's während der Scoring Session. Die müssen das ja alle vom Blatt spielen.)

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Zwei Lieblingsthemen von mir, aus Stephen Warbecks Musik zum Marquis-de-Sade-Film QUILLS (2000). 

Das Thema für die Kate-Winslet-Figur Magd Madeleine für Blockflöte, Streicher und Chor ("The Abbe and Madeleine"), sowie das chorale Rondo mit Holzbläser-Begleitung ("The Convent"), das im Film als zeitspezifisches Thema für eine Klostergemeinschaft eingesetzt wird. Beide Themen sind von größter melodischer Schönheit und bilden den Kontrapunkt zu den experimentellen Passagen für den Marquis de Sade. 

 

"The Abbe and Madeleine": 

quills1.jpg

 

"The Convent": 

quills2.jpg

 

https://www.youtube.com/watch?v=NFMmogrTMnY

https://www.youtube.com/watch?v=zP_e_G9s4Lo

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Da mit DOCTOR STRANGE gerade ein neuer Raimi-Comic-Elfman am Start ist, heute mal ein kleiner Rückblick auf SPIDER-MAN 2 (2004), und die beiden Doc-Ock-Themen. Einmal das Doc-Ock-Hauptthema, das schon im "Main Title" angespielt wird (im vollen Blechbläser-Satz), und dann das stampfende Actionthema aus "The Bank / Saving May". Beide sind letztlich Variationen derselben Idee, basierend auf der kleinen Terz c-es. 

 

Doc-Ock-Hauptthema (https://youtu.be/DNti8jHPOG0?t=79)

spider-man2.jpg

 

Doc-Ock-Actionthema (https://youtu.be/CoHMITvWeZQ?t=35)

spider-man2-2-1.jpg

 

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Letzte Woche habe ich mich vom Corona-Krankenbett aus mit Christopher Youngs THE VAGRANT beschäftigt. Immer noch mein Lieblingsscore von Young, und auch der Film mit Bill Paxton ist ein großer Spaß. Hoffentlich kommt davon irgendwann mal eine deutsche Bluray oder (wenigstens) eine DVD. 

Young arbeitet in seiner Musik mit gesampelten Ostinato-Figuren eines Streichquartetts, Chorstimmen, verschiedener Percussion und "schrägen" Akkordeon- und Melodica-Einsätzen. Diese Baustein-artigen Figuren - in der Partitur als "Vamps" bezeichnet - variiert und erweitert Young ständig weiter, was besonders in der Titelmusik schön zur Geltung kommt. Vier dieser Ideen, die den "Main Title dominieren, habe ich mal in Noten gefasst. 

 

Ideen 1-3: Streichquartett+Stimmen (Hauptmotiv), Atmen+Percussion, "Walzermotiv" mit Klavier

vagrant1.jpg

 

Idee 4: "Tango"-Motiv für Streichquartett, Akkordeon und Melodica

vagrant2.jpg

 

Hier der "Main Title" auf YouTube (diesmal ohne Timecodes, die vier Figuren sind ganz gut zu identifizieren, glaube ich^^) https://www.youtube.com/watch?v=MN8GAT3TvR4

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vor 22 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

Letzte Woche habe ich mich vom Corona-Krankenbett

Oh, Du Ärmster! Gute Besserung!

Zum Glück hat es uns bislang verschont, dank dreier Impfungen und restriktiver Kontaktvermeidung und konsequentem FFP-Maskentragen unserereins in Innenräumen.

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Am 24.5.2022 um 21:20 schrieb bimbamdingdong:

Oh, Du Ärmster! Gute Besserung!

Danke dir! Es war der viel beschworene, "milde" Verlauf. 3 Tage recht hohes Fieber, fieser Husten, tagelange Schlaflosigkeit. Von den Sorgen, die man sich ständig macht, ganz zu schweigen. Ganz erholt fühle ich mich noch nicht nach 10 Tagen... Ich hoffe sehr, dass alles restlos verfliegt. 

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vor 47 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

3 Tage recht hohes Fieber, fieser Husten, tagelange Schlaflosigkeit.

Unter „mild“ verstehe ich was anderes. Gute Besserung weiterhin.

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"Mild" bedeutet halt, dass Du nicht ins Krankenhaus musst. Sonst ist alles drin. Ich wünsche Sebastian jedenfalls alles Gute! Den Young kenne ich bisher nicht. Hattest Du denn Zugriff auf die Partitur oder ist das alles nach Gehör transkribiert?

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Am 27.5.2022 um 07:39 schrieb Mephisto:

Ich wünsche Sebastian jedenfalls alles Gute! Den Young kenne ich bisher nicht. Hattest Du denn Zugriff auf die Partitur oder ist das alles nach Gehör transkribiert?

Danke! :) 

Ja, Young hatte uns beim Hollywood Music Workshop sogar einen ganzen Packen von seinen Scores als Studienmaterial zur Verfügung gestellt. Von THE VAGRANT immerhin den "Main Title", allerdings in sehr schlechtem Scan... man braucht etwas Fantasie, um es zu entziffern. Musste dann etwas rumprobieren, bis im Sequencer alles richtig klang. Das Akkordeon ist z.B. seltsamerweise in anderer Tonhöhe notiert als in der Aufnahme, zumindest an einigen Stellen. 

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