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Der Charles-Ives-Gedächtnis-Spätsommer


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36 Antworten in diesem Thema

#21 Laubwoelfin

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Geschrieben 08.09.2011 - 14:29 Uhr

Beitrag anzeigenSebastian Schwittay sagte am 08.09.2011 - 14:19 Uhr:

Also bitte NICHT mit den "Quarter-Tone Pieces" anfangen und sich damit gleich zu Beginn komplett abschrecken lassen!!! (Glaube nämlich, dass genau das bei Oli und Anne passiert ist.) ;)

Dann schreibe diese Warnung doch in den Post, damit es nicht noch mehr Leuten so ergeht ;)
(kleiner Hinweis am Rande)

"Mein Komponist ist besser als deiner" ;)

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"If he doesn't inspire you, I don't think you are a good film composer"

- John Frizzell über Jerry Goldsmith -

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"Es ist Liebe -> es ist Seele -> es ist Musik"

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#22 Sinday

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Geschrieben 08.09.2011 - 14:40 Uhr

Mir geht es genauso wie Oliver: Ich werde mit dieser art Musik einfach nicht warm. Sorry.

Sebastian, ich muss aber erwähnen das die Arbeit die Du hier reingsteckt hast echt Klasse hat! :applaus:

#23 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 08.09.2011 - 14:53 Uhr

@Babis:

Au ja, die Concord-Klaviersonate... das ist harter Tobak. :) Aber schön, dass sie dir gefällt. Ist ein echter Brocken - aber wenn man sie durch hat, fühlt man sich regelrecht erleuchtet.

Für die Einsteiger: damit bitte auch nicht anfangen! ;)

#24 Mephisto

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:18 Uhr

Ich teile Babis' Einstellung zur 'reinen' Harmonie: Je mehr sich die Komponisten auf dem schmalen Grat zwischen tonalen und atonalen Elementen wandeln und harmonische Grenzen sprengen, wie es bei Mahler und Schönberg der Fall war, umso mehr kann mich in die erzeugte Atmosphäre hinein versetzen. Das ist mir bei Haydn oder Mozart (bis auf ganz wenige kleine Ausnahmen) absolut unmöglich. Schönberg hat das mal sehr schön zusammengefasst: Keine sterile Emotion, denn die gibt's beim Menschen auch nicht.
Bei Ives finde ich so faszinierend, dass er sich oft aus harmonisch völlig klarer Musik wie Hymnen, Märschen oder Kirchenliedern bedient, diese Musik jedoch in kreativer Verschleierung verfremdet. So wird der Marsch von einer Amateurkapelle verzerrt und die Kirchenmusik durch den Nebel verschleiert.

Hier möchte ich noch unbedingt auf das Finale des zweiten "Orchestral Sets" hinweisen: Ives stellt hier die Situation dar, als mehrere Menschen an einem Bahnhof von einem Unglück erfuhren und stimmten eine Hymne an. Nach und nach schlossen sich immer mehr Menschen dem Gesang an, bevor die Musik wieder verebbte und jeder seines Weges ging. Es ist einfach unglaublich, wie Ives es schafft, aus einer brodelnd-düsteren masikalischen Fläche erst einsame Melodiefetzen des Hymnus' aufblitzen lässt bevor die Melodie sich in einer immer mehr homophon verschmolzenen starken Säule emporwächst um nach und nach in sich zusammen zu fallen.

Ich finde, dass Ives ein sehr schnell zugänglicher Komponist der Moderne ist, weil seine Musik oftmals mit solchen kleinen Geschichten verbunden ist, die einen nachvollziehen lassen, warum er jetzt gerade die Grenzen des musikalisch Konversativen sprengt und daher bildete Ives (neben) Goldsmith in meiner Jugend meinen Einstieg in die neue Musik.

Oliver, Anne, schon einmal ein dickes Dankeschön für eure Beteiligung hier. Mich würde nur - fernab von "Oh Gott, wie kann das denn nicht gefallen" - interessieren, WAS genau euch nicht gefällt. Ist es die Art der Melodien, der Melodieführung? Findet ihr die Geschichten dahinter albern? Was genau mögt ihr an Ives' Musik nicht? Doch würde auch ich euch wie Sebastian bitten, dem guten Ives noch eine Chance mit "The Unanswered Questeion" zu geben, bevor ihr euer vorerst endgültiges Urteil fällt.

Sebastian, Durchhalten zahlt sich eben doch aus. Kaum ein Tag vergangen und schon wächst das Thema um 10 Beiträge! :)

#25 Laubwoelfin

    Hornerianisch Vergoldschmiedeter Elfmaniac

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:26 Uhr

Beitrag anzeigenMephisto sagte am 08.09.2011 - 15:18 Uhr:

Oliver, Anne, schon einmal ein dickes Dankeschön für eure Beteiligung hier. Mich würde nur - fernab von "Oh Gott, wie kann das denn nicht gefallen" - interessieren, WAS genau euch nicht gefällt. Ist es die Art der Melodien, der Melodieführung? Findet ihr die Geschichten dahinter albern? Was genau mögt ihr an Ives' Musik nicht? Doch würde auch ich euch wie Sebastian bitten, dem guten Ives noch eine Chance mit "The Unanswered Questeion" zu geben, bevor ihr euer vorerst endgültiges Urteil fällt.

Verdammt gute Frage, die einer längeren Antwort bedarf. Möchte schließlich einen "Schnellschuss" ála "Näh.. is eh alles doof da!" abgeben.
Darum meine Bitte an dich: Gib mir etwas Zeit bis nächste Woche. Denn erst dann habe ich wieder Zeit, vor allem den Kopf mich nochmal ausführlich damit auseinander zu setzen :)

"Mein Komponist ist besser als deiner" ;)

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#26 horner1980

    "McRifle" Hornerianer

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:26 Uhr

grade mit Sebastian im ICQ geredet, und da hab ich ihm ein wenig erklärt, was mir nicht so gefällt..

"The Unanswered Questeion" fand ich ok, aber zum Beispiel seine Pianosachen finde ich eher abschreckend.. bzw wirken teils so, als ob das ein Kind spielte.. oder ob er sich da absichtlich verspielt (The Side Show), auch wenn es nur ein Wechsel von Takten ist.. dazu kann ich mit Operngesang nichts anfangen.. auch darüber mit Sepp geredet.. werd bestimmt ab und an wieder ein Ohr hier riskieren.. jedoch aktueller Stand ist eher ein "Nein" als ein "Ja".

"Music is the most direct path to the human heart."

Steven Spielberg

"Jerry Goldsmith was my God"

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#27 Mephisto

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:41 Uhr

Oli: Völlig nachvollziehbar. Freut mich aber, dass Du trotzdem "dranbleiben" willst. :)

Anne: Klar, lass Dir Zeit. So etwas sollte man auch nicht von heut auf morgen entscheiden. Dann vielleicht bis in einer Woche. :)

#28 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:53 Uhr

Gerrit, von deiner Gelassenheit möchte ich manchmal 'ne Scheibe ab... ;)

#29 Mephisto

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Geschrieben 08.09.2011 - 15:59 Uhr

Inwiefern?

#30 Sayarin

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Geschrieben 08.09.2011 - 16:41 Uhr

Sou...hab mich nun auch mal hier durchgehört...schwere, zum Teil sehr schwere Kost. "The Unanswered Question" war da wirklich noch das für mich am Angenehmsten zu Hörende, erinnerte mich teilweise an Goldsmiths ALIEN (die einsame Trompete...) und fand ich auch so recht schön zu hören, ebenso wie der Ausschnitt von der 2. Sinfonie. Doch, großorchestrale Sachen, auch aus der Modere schaffen es immer wieder, mich ins Schwärmen zu versetzen. ;)

Diese Lieder... ja, die haben auch irgendwie Etwas. "The Side Show" fand ich sehr witzig - diese abwechselnden 3/4 - 2/4 Rhythmen sind mal was Anderes.

Die Piano Sonate sowie die Viertelton-Musik...nee, da muss ich passen. Interessant aufgebaut und arrangiert, aber nichts für meine Gehörgänge. Rein Dissonantes/Atonales kann ich auf lange Zeit nicht hören.

Ansonsten: Respekt vor der Arbeit, die du dir machst Seb. Weiter so, ich werds ebenfalls weiter verfolgen. :)

#31 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 08.09.2011 - 17:20 Uhr

Danke, Fredie, für den Kommentar - und freut mich, dass dir "The Unanswered Question" und zumindest die Songs ansatzweise gefallen. Das macht Mut, mit meiner Song-Reihe weiterzumachen. :)

Die Viertelton-Stücke und die Klaviersonate... ja, das ist wirklich schwere, sehr schwere Kost. Ich find´s faszinierend, aber ich erwarte von niemandem, dass er das auch toll findet.


@Gerrit: PN! :)

#32 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 14.09.2011 - 00:58 Uhr

Da ich momentan recht viel zu tun habe, kommt der nächste Song erst am kommenden Wochenende. Ich bitte das zu entschuldigen. :)

#33 Mephisto

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Geschrieben 14.09.2011 - 15:47 Uhr

Mephisto gefällt das ganz und gar nicht! ;)

#34 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 18.09.2011 - 22:20 Uhr

Tia, dieses Wochenende hab ich leider wieder keine Zeit gefunden... als Entschädigung gibt es dieses Mal aber einen anderen Ives-Leckerbissen: der dritte Satz aus seiner 2. Klaviersonate, der "Concord Sonata". Babis hatte ja im letzten Beitrag auf der ersten Seite schon den 1. Satz des Werks kurz vorgestellt.

Im Gegensatz zu den drei anderen Sätzen ist der 3. Satz, "The Alcotts", von recht melodischem und romantischem Charakter. Hier verarbeitet Ives das Kopfmotiv aus Beethovens 5. Sinfonie (kennt jeder, das Schicksalsmotiv mit Terzfall am Ende: dadada daaaa ;) ) - ein weiteres Beispiel für Ives' intensive und äußerst kreative Auseinandersetzung mit der Tradition. Im Mittelteil des Satzes werden die Variationen dieses Motivs zwar etwas "stürmischer" und harmonisch freier, dennoch gleitet der Satz nie in völlige Atonalität ab, sondern bleibt auch für Freunde des Melodischen gut durchhörbar.



Für die Interessierten: Ives schrieb die Sonate in Gedenken an die großen amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson, Nathaniel Hawthorne, die Alcotts (Bronson und Louisa May Alcott) und Henry David Thoreau - alle stammten aus Ives' Heimat New England und vertraten philosophisch den Transzendentalismus, mit dem sich Ives sehr verbunden fühlte. Der Ort Concord in Massachusetts war das Zentrum dieser philosophischen Entwicklungen. Die "Concord Sonata" ist Ives' Hommage an diese Philosophen und an den Transzendentalismus generell. Ein Stück der absoluten Vergeistigung und Eins-Werdung mit der Natur. In meinen Ohren ein Stück des Friedens und eines der großen Meisterwerke der Solo-Klavier-Literatur des 20. Jahrhunderts.

#35 Guest_Babis_*

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Geschrieben 19.09.2011 - 08:33 Uhr

Sebastian, Sebastian... ich möchte mich hiermit von Herzen bei dir bedanken, denn - vielleicht auch ohne Intention - hast du mir etwas mit auf den Weg gegeben, was sich mir und meiner Seele wie ein verlorenes Puzzlestück anfügt. Für mich persönlich der beste Beitrag, den ich je auf dem Board gelesen habe, was allerdings schon deutlich subjektive Gründe hat. Ein Beitrag, in dem mein Name, Beethoven, Emerson und Thoreau vorkommen, der kann für mich ja auch nur mit einer qualitativen Note verbunden sein. ^_^

Ich hatte gerade bei diesem 3.Satz, den ich zwar zuvor in andere Aufnahme schon vernommen hatte, ein Hörerlebnis, wie es nur selten auftritt. Ich habe mich wahrlich erleuchtet gefühlt und deine Erläuterung dazu, erleuchtet dieses Erlebnis zu einer gewissen Deutlichkeit. Ich selber bin eng verbunden mit Emerson und Thoreau, mit dem Transzendentalismus ihrer Lehren und vielleicht erklärt sich jetzt auch schlagartig, warum ich mich Charles Ivez so nah fühle. Seine Musik und die Befriedigung meines Geistes scheinen nicht zufällig aufeinander zu fallen. Vielmehr scheine ich mit dieser Musik eine Geistesverwandschaft zu haben, die ich zwar noch nicht in der Gänze nachvollziehen kann, doch aber deutlich spüre. Dass nun Beethoven auch mein erklärter Lieblingskomponist ist und sich Ives hier der Reichhaltigkeit der Vergangenheit bedient, scheint wie das sahnige i-Tüpfelchen auf der gesamte Geschichte.

Um es abzuschließen: vielen Dank dafür, vielen Dank für Erklärung und Anklang - ein Inhalt, der für mich persönlich eine große Nachhaltigkeit aufweisen wird. Danke. :)


Ich möchte an dieser Stelle gerne auch Thoreau, Emerson und geistige Verwandschaft empfehlen, beispielsweise auch dann, wenn man sich für Lehren und Leben Ghandis interessiert. Vielleicht auch für Pazifisten geeignet, sicher aber für Menschen, die nicht jeden Schritt seit der Industrialisierung gut heißen können!

#36 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 22.09.2011 - 04:17 Uhr

Vielen herzlichen Dank auch an dich, Babis, für diesen lieben Beitrag! :) Es bedeutet mir viel, jemanden für Ives und seine Musik begeistert zu haben - es gibt einfach Kunstwerke, die stehen wie ein Monolith in der Welt, wie ein Block der Erkenntnis, dem trotzdem (leider) die meisten Menschen mit Unverständnis entgegen treten. Zu diesen Kunstwerken zählen, wie ich finde, viele Werke von Charles Ives (oder auch von Alfred Schnittke oder Olivier Messiaen). Schön, dass der Geist dieser Musik zu dir gefunden hat.

#37 Guest_Babis_*

  • Guests

Geschrieben 22.09.2011 - 08:20 Uhr

Beitrag anzeigenSebastian Schwittay sagte am 22.09.2011 - 04:17 Uhr:

Schön, dass der Geist dieser Musik zu dir gefunden hat.


Finde ich auch. ^_^





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