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Ich höre gerade folgendes Album (Nicht-Filmmusik)


287 Antworten in diesem Thema

#21 Mephisto

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Geschrieben 25.08.2010 - 12:49 Uhr

Symphonie Nr. 6 "Pastorale" - Ludwig van Beethoven (Wilhelm Furtwängler)

Nach der völlig absolut gestalteten 5ten Symphonie (die ja ursprünglich die Sechste war und umgekehrt) folgt nun eine programmatisch gestaltete Symphonie. Allerdings wollte Beethoven bei der Beschreibung eines Tages auf dem Lande in erster Linie die dabei entstehenden Emotionen musikalisch beleuchten und weniger auf die Naturphänomene eingehen. Natürlich hört man auch im zweiten Satz bei der Szene am Bache einige Vogelstimmen und weitere Naturlaute, aber trotzdem zeigt dieses Werk, wie dicht Beethoven an der Schwelle zur Romantik stand, was zum Einen durch die Wichtigekit der Emotionen in der Musik sowie durch die große Naturverbundenheit des Werkes deutlich wird.

Im ersten Satz beschreibt Beethoven das Erwachen der heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande und die leicht folkloristisch anmutenden Melodien in sanftem Streichergewand lassen vor dem geistigen Auge in Sekundenschnelle ein wundervolles Wald- und Wiesenbild entstehen.
Im zweiten Satz findet man sich an einem leise rauschenden Bach und die Musik flutet anmutig in wundervollen Melodienbögen dahin, bis gegen Ende des Satzes auch einige Vogelstimmen zu erkennen sind.
Die letzten drei Sätze gehen ineinander über und bilden die Darstellung eines Wiesenfestes des einfachen Landvolkes, das von einem gewaltigen Sturm unterbrochen wird und die dankbaren Gefühle, nachdem sich das Wetter beruhigt hat. Es ist famos, wie Beethoven den ländlichen Charakter der Bauernmusik einfängt, indem er mit dem Streicherapperat den Klang einer Drehleier täuschend echt imitiert oder das Fagott stets eine banale Dreitonfigur spielen lässt, um den einfachen Charakter der Musik zu verdeutlichen. Doch plötzlich kündigen die brummelnden Kontrabässe ein fernes Gewittergrollen an, die Violinen stellen den leise aber stetig tröpfelnden Regen dar und plötzlich bricht das Gewitter in all seiner Gewalt los. Hier kommen zum ersten Mal die Pauken und die Posaunen zum Einsatz, das ist Beethoven in Reinkultur. Kraft, Gewalt und Donner. Blitze zucken, der Regen prasselt und bildet einen dichten Vorhang und treibt das tanzende Volk auseinander, bevor dann im wundervollen Finale erst zögerlich und dann jubelnd die hervortretende Sonne begrüßt wird.

Nach der Neunten ist diese Symphonie meine absolute Lieblingssymphonie des Meisters. Herrliche Themen, eine perfekt gestaltete Dramaturgie und eine tolle Orchestration machen dieses Werk zu einem einmaligen Erlebnis. Das Dirigat unter Furtwängler ist gewohnt romantisch und fernab jeder historisch angemessen Interpretation, was sich wieder einmal im schleppenden Tempo abzeichnet. Hierunter leidet der erste Satz schon ein bisschen, da das fröhliche Thema doch etwas mehr Fahrt hätte vertragen können. Die restlichen Sätze sind jedoch im Tempo dirigiert und wie gewohnt detailreich gearbietet. Trotzdem sind ältere Aufnahmen klassischer Werke stets durch die damals moderne Romantisierung immer mit Vorsicht zu genießen.

#22 Mephisto

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Geschrieben 25.08.2010 - 14:29 Uhr

Symphonie Nr. 7 - Ludwig van Beethoven (Georg Solti)

Die Uraufführung unter Beethovens Leitung soll zu den gefeiertesten Ereignissen in Beethovens Karriere zählen und dass das Publikum bei diesem Werk hin und weg war kann man auch heute noch nachvollziehen denn wie schon über 150 Jahre zuvor fesselt diese Symphonie mit ihrer Achterbahnfahrt der Stimmung und Dynamik wobei deutlich der folkloristische und ländliche Charakter der Themen dominiert. Alleine schon das tänzerische Thema des ersten Satzes begeistert mit seinem ungestümen urigen Charakter und dem hüpfenden 6/8-Rhythmus und auch im dritten Satz wird das Trio von einer wiegenden Ländler-Melodie dominiert. Das Finale kommt so ungestüm daher wie schon lange nichts mehr bei Beethoven und die schmetternden Hornfanfaren dürften der Anlass gewesen sein, vielen zeitgenössischen Rezipienten Jagdszenen vor Augen zu führen. Der langsame Satz allerdings ist ein Juwel für sich und meiner Meinung nach der schönste langsame Satz, den Beethoven für eine Symphonie schrieb (bei den Klaviersonaten liefern sich die "Pathetique" sowie der erste Satz der 14ten Sonate ein Kopf-an-Kopf-Rennen). Über einen schreitenden Rhythmus der tiefen Streicher legt sich ein geschmeidiger melodischer Kontrapunkt. Beethoven legt diese Schichten immer wieder übereinander bis zu erschütternden und beklemmenden klimatischen Steigerungen. In "Love Exposure" fand dieser Satz jüngst auch im Film Verwendung.

Georg Solti dirigiert diese Symphonie mit dem Schwung, den sie braucht. Nach Furtwänglers ewgigen Schleppereien eine Wohltat. Ich kann jedem diese tolle Symphonie in dieser Aufnahme besten Gewissens Empfehlen.

#23 Mephisto

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Geschrieben 25.08.2010 - 16:12 Uhr

Symphonie Nr. 9 - Ludwig van Beethoven (Wilhelm Furtwängler)

Über die Brillanz dieses Werkes muss man, glaube ich, nicht mehr viel schreiben. Das Thema des letzten Satzes ist weltbekannt und wird auch als Europahymne verwendet und wieder einmal ist es auch hier wichtig, dieses kolossale Werk in seiner Gesamtheit zu hören und zu erfassen und nicht nur auf dieses eine Thema zu reduzieren, denn auch hier verknüpft Beethoven meisterlich all seine Ideen und Motive und die anderen drei Sätze sind es ohnehin aus musikalischer Sicht wert, gehört zu werden.

Furtwänglers Dirigat ist gewohnt spätromantisch und abermals muss ich mich negativ über die Tempi auslassen, die einfach wieder einmal viel zu langsam oder zu inkonsequent sind. Die schweren Attacken des Orchesters zu Beginn des zweiten Satzes zum Beispiel werden zwar gewaltiger und schwerer, aber verlieren deutlich an ihrer Wucht. Das gilt leider auch für die sonst so knalligen Schläge der Pauke, die nun schwerfällig niederhämmern. In Anbetracht des Alters der Aufnahme ist die Klangqualität gut und wahrscheinlich wurden sämtliche Aufnahmen auch für CDs nochmal überarbeitet, aber nach nun gut der Hälfte aller Symphonien Beethovens unter Furtwänglers Dirigat möchte ich hiermit von den Aufnahmen abraten und empfehlen, zu Aufnahmen von Dirigenten zu greifen, die mit dem spätromantischen Klangbild Beethovens brachen als da wären Gielen, Klemperer und Leibowitz.

#24 Hildegunst von Mythenmetz

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Geschrieben 28.08.2010 - 18:20 Uhr

Meine Frau und ich waren gerade mit Serj Tankian im Konzert. ;)



Wunderbar!
Bin schwarz, aus Holz und stets verschlossen, seitdem mit Stein sie mich beschossen.
In mir ruhn tausend trübe Linsen, seitdem mein Haupt ging in die Binsen.
Dagegen helfen keine Pillen: Ich bin ein Schrank voll ungeputzter Brillen.
(Danzelot von Silbendrechsler)

#25 Bada Bing

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Geschrieben 30.08.2010 - 10:54 Uhr

Jop, ein echt tolles (wenn auch nicht gerade neues) Experiment... da merkt man erst wie klassisch seine Kompositionen inspiriert sind. Bin echt auf das neue Album gespannt. ;)

[SIGPIC][/SIGPIC]

''Schämen Sie sich keine Sekunde wegen Ihrer Narben. Sie tragen nur das außen, was wir alle in uns haben.''


#26 Mephisto

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Geschrieben 02.09.2010 - 11:56 Uhr



Ludwig van Beethoven: Sämtliche Symphonien - Arturo Toscanini

SO muss Beethoven klingen! Nach all den schleppenden und spätromantisch-verklärten Aufnahmen Furtwänglers endlich ein Dirigat mit Rücksicht auf die Beethoven'schen Tempoangaben voller Kraft, Witz und Gefühl. Die Aufnahmen sind trotz ihres hohen Alters sehr klar und frisch, das Orchester ausgewogen besetzt. Sonst hat man ja bei klassischen Werken oft das Problem, dass durch die dicken viel zu üppig besetzten Streicher kaum Bläser und keine Pauke zu hören ist. Hier nimmt alles sehr gut wahr. Toscaninis kraftvolles Dirigat passt sehr gut zum Charakter der Beethoven'schen Musik. Ich rate jedem zu dieser tollen Sammlung herausragender Aufnahmen voller Kraft und Leben. Beethoven, wie er klingen sollte!

#27 Mephisto

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Geschrieben 02.09.2010 - 14:14 Uhr

Historische Aufnahmen von den Salzburger Festspielen 1937: Don Giovanni/Die Zauberflöte (Mozart)

Ich bin definitiv kein Mozart-Freund und diese Platte, die es meines Wissens auch noch nicht auf CD gibt, hat für mich daher einen rein historischen Wert. So ist es interessant, die "Zauberflöte" einmal unter dem ruppigen Dirigat Toscaninis zu hören. Auch waren dies die letzten Festspiele zur Zeit des Nationalsozialismus, bei denen jüdische Interpreten mitwirken durften. Von der Aufführungspraxis her gibt es auch noch Einiges zu entdecken wie z. B. alte Verziehrungen aber insgesamt wurden diese Aufnahmen offensichtlich auch nur zu Archivzwecken erstellt, denn das einzige Mikro, mit dem die Mitschnitte aufgenommen wurden war bei der "Zauberflöte" direkt neben der Pauke und bei "Don Giovanni" direkt über den Bläsern aufgehängt. Somit hört sich die erste Seite wie ein Paukenkonzert an und der Orchesterklang der B-Seite ist falsch gewichtet und somit verzerrt. Ein interessanter Einblick aber dennoch.

#28 Bernd Junker

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Geschrieben 02.09.2010 - 21:03 Uhr

Für all diejenigen aus dem Jahrgängen 1965-1980 ist es wohl eines der wichtigesten Alben des Jahres:

Das Doppel-CD-Best-of-Abschieds-Album der drei sympathischen Norweger Morten, Pål und Magne.
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Dummerweise hatte ich im Frühjahr dankend abgelehnt, als mir meine kleine Schwester Karten für das Konzert in Halle (Gerry Weber) angeboten hatte. Zu dem Zeitpunkt war mir leider nicht klar, daß es das allerletzte Konzert in unserer Region sein würde.

Schade ... A-HA ... Niemals live gesehen, aber mit den größten persönlichen Erinnerungen meiner Jugend für immer verbunden. Zusammen mit Depeche Mode und den Pet Shop Boys gibt es es da wirklich nichts, was mich ansatzweise in Richtung Popmusik geprägt haben könnte.


I CALL YOUR NAME
YouTube- Broadcast Yourself.
Mein All-Time-Lieblings-A-Ha-Song ... warum auch immer ... aus dem Jahre 1990 ;)

#29 Alexander Grodzinski

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Geschrieben 03.09.2010 - 07:56 Uhr

Bernd Junker sagte:

Für all diejenigen aus dem Jahrgängen 1965-1980 ist es wohl eines der wichtigesten Alben des Jahres:

Das Doppel-CD-Best-of-Abschieds-Album der drei sympathischen Norweger Morten, Pål und Magne.
[ATTACH]5397[/ATTACH]

Dummerweise hatte ich im Frühjahr dankend abgelehnt, als mir meine kleine Schwester Karten für das Konzert in Halle (Gerry Weber) angeboten hatte. Zu dem Zeitpunkt war mir leider nicht klar, daß es das allerletzte Konzert in unserer Region sein würde.

Schade ... A-HA ... Niemals live gesehen, aber mit den größten persönlichen Erinnerungen meiner Jugend für immer verbunden. Zusammen mit Depeche Mode und den Pet Shop Boys gibt es es da wirklich nichts, was mich ansatzweise in Richtung Popmusik geprägt haben könnte.


I CALL YOUR NAME
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Mein All-Time-Lieblings-A-Ha-Song ... warum auch immer ... aus dem Jahre 1990 ;)


Die CD habe ich mir auch gekauft. Damals, anno 1985, wollte ich unbedingt die LP "Haunting High and Low" haben, hab sie auch bekommen und sie lief damals schon rauf und runter. In der Folgezeit habe ich A-HA leider etwas vernachlässigt, was ich aber später nachgeholt habe. Die Band machte für mich perfekte Pop-Musik, melodisch, gekonnt, viele Ohrwürmer, wirklich schade, dass sie nach "nur" 25 Jahren aufhören.

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"Er hat sechs Leute, die für ihn die Musik schreiben, aber er ist der Komponist?"
John Carpenter über Hans Zimmer


#30 Ludwig

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Geschrieben 03.09.2010 - 21:45 Uhr

Mephisto sagte:



Ludwig van Beethoven: Sämtliche Symphonien - Arturo Toscanini

SO muss Beethoven klingen! Nach all den schleppenden und spätromantisch-verklärten Aufnahmen Furtwänglers endlich ein Dirigat mit Rücksicht auf die Beethoven'schen Tempoangaben voller Kraft, Witz und Gefühl. Die Aufnahmen sind trotz ihres hohen Alters sehr klar und frisch, das Orchester ausgewogen besetzt. Sonst hat man ja bei klassischen Werken oft das Problem, dass durch die dicken viel zu üppig besetzten Streicher kaum Bläser und keine Pauke zu hören ist. Hier nimmt alles sehr gut wahr. Toscaninis kraftvolles Dirigat passt sehr gut zum Charakter der Beethoven'schen Musik. Ich rate jedem zu dieser tollen Sammlung herausragender Aufnahmen voller Kraft und Leben. Beethoven, wie er klingen sollte!


Was hälst Du denn von den Karajan-Einspielungen mit den Berliner Sinfonikern?


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#31 Mephisto

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Geschrieben 07.09.2010 - 18:06 Uhr

Also Karajan ist ja allgemein eine sehr zwielichtige Person in der Geschichte der Musikindustrie und den Aufnahmen des vergangenen Jahrhunderts. Karajan selbst kann man ruhig als einen sehr fähigen Beethoven-Dirigenten bereichnen. Ich habe mir über's Wochenende in der Heimat noch ein paar Einspielungen (hauptsächlich 5,6 & 7) angehört und von den Tempi und der Kraft sind die Aufnahmen voll gelungen. Allerdings war Karajan stets bemüht, wie viele Kollegen seiner Zeit, Beethoven, von dem man damals ja noch ein ziemlich idealistisches und verklärtes Bild hatte (auch als Persönlichkeit), in ein romantisches Klangbild zu pressen. Und somit haben wir auch hier wieder hauptsächlich das Problem mit der unausgeglichenen Besetzung der Instrumentengruppen. Wieder sind die Streicher 1. viel zu dominant und 2. viel zu verwaschen. Das differenzierte Klangbild und die herrlichen verschiedenen ineinander greifenden Stimmen der Bläser gehen teilweise nahezu komplett verloren. Die Pauken hört man fast gar nicht.
Ein übliches Problem bei Karajan-Aufnahmen übrigens. Man höre sich nur seine Version des Mozart-Requiems an, wo man ein romantisches Klangbild mittels zu großem Chor und zu fettem Streichersatz + völlig schwerfällige Tempi erreichen wollte...kaum anhörbar.
Wirklich lustig wird es dann, wenn Karajan sich einmal "hinabließ", neuere Musik zu spielen. Seine Sacre-Einspielung ist nur noch lächerlich. Stravinsky selbst sagte ja über diese Aufnahme, Karajan habe seine Musik schlichtweg nicht verstanden. Auch Mahlers Fünfte ist ziemlich grenzwertig interpretiert. Oft zu langsam und das Adagietto nicht gefühlvoll, sondern erdrückt von zu viel Schwermütigkeit.

Das Problem ist nun, dass Karajan die Musikindustrie durch seinen Status gehörig beeinflusste und dieses gewollt-romantische Klangbild somit propagierte. Er war sozusagen der Zimmer der klassischen Musik. Somit sollte Karajan immer zweite Wahl sein, auch, wenn er den Charakter der Beethoven'schen Symphonien getroffen, aber trotzdem verzerrt hat.

#32 Sebastian Schwittay

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Geschrieben 07.09.2010 - 21:25 Uhr

Mephisto sagte:

Somit sollte Karajan immer zweite Wahl sein, auch, wenn er den Charakter der Beethoven'schen Symphonien getroffen, aber trotzdem verzerrt hat.

Was Beethoven betrifft, rate auch ich von Karajan ab. Das Problem mit falsch interpretierter, vor-romantischer Musik hatten wir ja hier im Thread schon mal diskutiert. Kann Mephisto diesbezüglich also nur zustimmen.

Ein Top-Interpret ist Karajan dagegen im Falle von Richard Strauss - den spielt er so dick, massig und vollblütig, wie er gemeint ist. ;)

Zitat

Wirklich lustig wird es dann, wenn Karajan sich einmal "hinabließ", neuere Musik zu spielen.

Zur Zweiten Wiener Schule hatte er aber interessanterweise einen ganz guten Draht. Gibt da eine sehr feine Einspielung von Webern- und Schönberg-Kompositionen (u.a. Schönbergs Hauptwerk "Variationen für Orchester" op. 31), erschienen auf Deutsche Grammophon.

#33 peter-anselm

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Geschrieben 07.09.2010 - 22:18 Uhr

Beste Beethoven-Einspielung (Symphonien):Royal Philharmonic Orchestra unter Rene Leibowitz aus dem Jahre 61 auf dem Chesky-Label. Werden nicht viele kennen aber absolut lohnenswert.

#34 Mephisto

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Geschrieben 08.09.2010 - 10:54 Uhr

Mephisto sagte:

[...]aber nach nun gut der Hälfte aller Symphonien Beethovens unter Furtwänglers Dirigat möchte ich hiermit von den Aufnahmen abraten und empfehlen, zu Aufnahmen von Dirigenten zu greifen, die mit dem spätromantischen Klangbild Beethovens brachen als da wären Gielen, Klemperer und Leibowitz.


In der Tat eine tolle Einspielung. ;)

#35 Mephisto

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Geschrieben 10.09.2010 - 10:04 Uhr



Fidelio - Ludwig van Beethoven

Beethovens einzige Oper hatte nicht immer den Ruf einer der wertvollsten und bedeutendsten Opern zu sein, denn bei der Premiere sowie einer weiteren Aufführung einer überarbeiteten Fassung lehnten Publikum sowie Kritiken "Fidelio" deutlich ab. Erst bei einem dritten Anlauf einer nochmals vollständig überarbeiteten Fassung erlangte das Werk den Ruhm, den es und der Komponist verdienen. Die Geschichte um die tapfere Leonore, die sich als Mann verkleidet und im Staatsgefängnis als Knecht eingestellt wird, um ihren Mann Florestan zu befreien wurde von Beethoven musikalisch beeindruckend in Szene gesetzt. Besonders bei den düsteren Passagen für die tiefen Gruften des Gefängnisses und die Trostlosigkeit des Ortes scheint Beethoven absolut in seinem Element zu sein. Doch auch die etwas amüsanteren Momente für Marzellina, die Tochter des Gefängnisaufsehers, die sich in den vermeintlichen Knecht verliebte und ihren eifersüchtigen Verehrer überzeugen ebenso wie das jubelnde überwältigende Finale, in dem Beethoven seine Begeisterung für Heldentum und Truimph gewohnt kraftvoll auskostet. Insgesamt ein durch und durch tolles Stück Musik.

Diese historische Einspielung unter Karl Böhm wird der Musik meines Erachtens mehr als gerecht, obwohl man bei historischen Aufnahmen wegen der über-romantisierung stets vorsichtig sein sollte. Hier jedoch macht man nichts falsch. Lediglich die etwas schrille Klangqualität weist auf das Alter dieser sonst so frischen und überzeugenden Einspielung hin.

#36 Mephisto

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Geschrieben 10.09.2010 - 13:58 Uhr

Guiseppe Verdi - Rigoletto

Von allen Büchern fand Verdi "Rigoletto" als beste Vorlage, die er bisher zur Oper verarbeitet hatte. Die tragische Geschichte um den Hofnarren Rigoletto wurde von dem Maestro wie gewohnt mit der üblichen Portion Schmiss und Schmackes, Komik und Tragik wundervoll in Musik gesetzt. Meisterwerke wie "La Traviata" sollten bald folgen. Auch hier zeigt sich wieder das Talent Verdis, in jeden Takt und jeden gesungenen Satz ein Motiv oder eine Melodie zu komponieren, mit dem alleine schon andere Komponisten eine ganze Arie gefüllt hätten, von solcher melodischen Brillanz und Ohrwurmqualität sind sie. Die Musik klingt durch und durch italienisch und bietet einen herrlich farbigen Kontrast zu Verdis Gegenpol Richard Wagner.

Die Einspielung mit Richard Tucker, Renato Capecchi und Gianna D'Angelo unter der Leitung von Francesco Molinari-Pradelli trifft den Charakter der Musik perfekt, die drei Akte vergehen wie im Fluge und nachher findet man sich völlig benommen und beeindruckt in seinen eigenen vier Wänden wieder, wähnte man sich soeben doch noch bei dem trauernden Vater.

#37 Ludwig

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Geschrieben 11.09.2010 - 16:07 Uhr

@ Mephisto: Danke, für die ausführliche Antwort. Dann werde ich mir die Toscanini-Einspielungen mal zulegen :(


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#38 Mephisto

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Geschrieben 12.09.2010 - 11:16 Uhr

Da nicht für. Soweit es dein finanzielles und zeitliches Budget zulasen würde ich Dir auch die Gielen-Einspielungen sowie den Leibowitz empfehlen.

Bei mir gab's heute



Hector Berlioz - Symphonie fantastique/Harold in Italien/5 Overtüren

Obwohl Berlioz den Grundstein für die Programmmusik legte und seine Werke von großer Fortschrittlichkeit ware, sah er sich selbst stets als klassischer Komponist. Aus heutiger Sicht ist seine Musik jedoch definitiv romantisch und beeinflusste auch vor Allem Franz Liszt, der die Programmmusik weiter fortführte und damit auch viele Diskussionen unter Zeitgenossen auslöste. In der "Symphonie fantastique" beschreibt Berlioz in fünf Sätzen musikalisch die Träume eines sensiblen Künslters, der sich aus Verzweiflung mit Opium vergiften will, aber eine zu geringe Dosis nimmt und somit Halluzinationen ausgesetzt ist, die ihn mal in einen leuchtenden Festsaal, mal auf's Land verschlagen und ihn schließlich bei seiner eigenen Hinrichtung Zeuge zu sein, wie ihn nach der Enthauptung die Hexen in sein Grab ziehen. Und in jedem dieser mal wundervollen, mal grausamen Szenarien begegnet ihm seine Geliebte, ihr sanftes Thema durchzieht sich durch jeden Traum des Künstlers bis die Klarinette diese Melodie beim Hexensabbat regelrecht zerfetzt.
Während einer knappen Stunde zieht Berlioz alle Register und kostet die große Orchesterbesetzung, die man damals nur aus dem Operngraben kannte, voll aus. Für die festlichen Klänge des Balls verlangt er in der Partitur vier Harfen, das mächtige "Dies Irae" wird von einer riesigen Blechbesetzung dargeboten und sollten sich keine entsprechend großen Glocken finden, möge man doch bitte mindestens vier Flügel vor der Bühne aufstellen. Diese Achterbahnfahrt der Emotionen und dieser gewaltige musikalische Rausch ist ohne Zweifel immer wieder ein überwältigendes Erlebnis.
Interessant auch, dass Berlioz einmal mit dem Gedanken spielte, eine Fortsetzung zu schreiben, in der der Künstler am Anfang erwacht und dann seine Reaktion auf die Träume musikalisch festgehalten werden sollen.

Das zweite große Werk auf dieser Kollektion ist eine Auftragsarbeit des italienischen Violinvirtuosen Nicolo Paganini, der eine Stradivari-Viola erstanden hatte und nun ein Werk benötigte, in dem er dieses Instrument entsprechend präsentieren konnte. Als Berlioz ihm die Skizzen des ersten Satzes dieses Konzertes vorlegte lehnte Paganini es ab, da es zu viele Pausen für das Solo-Instrument enthielt. Berlioz verwarf also das Konzept des Instrumentalkonzertes und schrieb ein orchestrales Werk vom Charakter einer symphonischen Dichtung mit außergewöhnlich viel Solo-Viola. Oftmals verwob er die orchestralen Anteile mit der Solo-Stimme, dass die Viola sich sanft in das volle Bett einkuschelt, dass Berlioz ihr mit seiner wie gewöhnlich großen Orchesterbsetzung bereitet. Das Werk ist insgesamt jedoch viel ruhiger und zurückhaltender gehalten als die ausufernde "Symphonie fantastique".

Um das Fassungsvermögen der beiden CDs weiter auszuschöpfen gibt es noch fünf Konzertovertüren als Dreingabe, die abermals beweisen, was für ein versierter Komponist Berlioz in Hinblick auf dramatische Konzepte und vor Allem Orchestrierung war. Denn selten erlbt man einen so ausgewogenen und abwechslungsreichen Umgang mit den ganzen Möglichkeiten, die das Orchester bietet. Leonard Bernsteins Interpretation der beiden großen Werke setzt definitiv Maßstäbe, da der Maestro jede noch so kleine Nuance perfekt ausarbeitete und auch Previns Dirigat der Overtüren steht Bernsteins Interpretation in Nichts nach. Schade nur, dass das Booklet nur die allernötigsten Informationen zu diesen Werken bietet. Trotzdem allerdings ein absolutes Qualitätsprodukt aus dem Hause EMI!

#39 Mephisto

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Geschrieben 12.09.2010 - 14:12 Uhr



Requiem - Hector Berlioz

Als er die Dreißig bereits überschritten hatte, entschloss sich Berlioz, das bis dato größte musikalische Werk überhaupt zu schreiben, sodass ihm der Auftrag, ein Requiem zum siebten Jahrestag der Revolution 1830 sehr gelegen kam, diesen Plan in die Tat umzusetzen und tatsächlich, für sein "Requiem" verlangt Berlioz laut Partitur insgesamt ein Orchester von

4 Flöten
2 Oboen
2 Englischhörnern
4 Klarinetten
8 Fagotten

12 Trompeten (Fernorchester)
4 Kornetten (Fernorchester)
12 Hörnern
16 Posaunen (Fernorchester)
10 Tuben (6 davon Fernorchester)

16 Pauken (10 Paukisten insgesamt)
2 große Trommeln
10 Beckenpaare
4 Tamtams

25 Violinen I
25 Violinen II
20 Violen
20 Celli
18 Kontrabässe

80 Sopranistinnen
80 Altistinnen
60 Tenöre
70 Bässe

Allerdings seien diese Angaben nur Empfehlungen, schließlich könne man den Chor auch mit 400-800 Stimmen besetzen und den Orchesterapperat entsprechend "angleichen".

Entgegen der eventuellen Erwartung, man würde hier 90 Minuten Orchesterlärm geboten bekommen zeigt sich Berlioz auch hier wieder als äußerst talentierter Orchestrator. Die Orchestermusik ist stets sehr Textbezogen, sodass bei der Ankündigung der Apokalypse tatsächlich die vier Reiter mit Pauken und Trompeten herangestürmt kommen während die Violinen zum Schluss des Werks sanft die Himmelsleiter skizzieren. Berlioz geht auch mit dem Chor sehr gekonnt um und verwebt die Stimmen oft sehr virtuos miteinander sodass insgesamt ein sehr polyphoner Charaker vorherrscht. Nie hört man wirklich plumpes Unisono-Gedröhne. Stattdessen merkt man, dass der Komponist seinen eigenen gigantischen Besetzungsanforderungen in der Tat gewachsen ist. Ein absolut beeindruckendes und mitreißendes Erlebnis.

#40 Mephisto

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Geschrieben 13.09.2010 - 21:30 Uhr

Karl Maria von Weber: Overtüren

Auch wenn Weber zur Zeit der großen klassischen Komponisten gelebt hat, so ist seine Musik tatsächlich romantisch, denn sowohl die oft düstere Stimmung, die Verbindung zu der oft naturverbundenen Umgebung der jeweiligen Opern sowie der Zuwendung zum typisch Deutschen lassen seine Werke romantischen Geist atmen. Von neun Opern sind zwei verschollen ("Das Waldmädchen", "Rübezahl", eine unvollendet ("Die drei Pintos") sowie ein Werk ("Peter Schmoll") ohne Dialoge überliefert. Die Overtüren zu den restlichen fünf Opern finden sich auf den beiden unten gelisteten Alben. Jedes einzelner dieser Orchesterstücke ist ein kleines Juwel voller Elan, Emotion und Detailreichtum. Für "Abu Hassan" erweiterte Weber seinen Orchesterapperat zum Beispiel mit türkischem Schlagwerk (Triangel, türkische Becken) und in der Overtüre zum "Freischütz" schält er die Themen erst aus einfachen Motiven heraus, anstatt seine Melodien wie ein klaisscher Komponist sofort mit Pomp und Gloria ins Licht zu stellen. Die Orchestrierung der einzelnen Werke erscheint ebenfalls romantisch-filigran und abwechslungsreich, sodass bei keinem einzigen Stück je Langeweile aufkommt.



Rafael Kubelick spielte die Overtüren für die Deutsche Grammphon Gesellschaft ein und legt mit jedem Werk eine äußerst detailreiche und schmissige Aufnahme hin. Das Orchester folgt seinem Dirigat mit einer ungeheuren Spielfreude, die diese tollen Stücke mit nochmal Glanz bestrahlen lässt.



Wolfgang Swallischs Aufnahmen kommt nicht ganz so galant und energiereich zugleich daher. Trotzdem kann man auch seinen Aufnahmen den Schmiss absprechen. Auch während den lyrischen und geheimnisvollen Passagen verliert Sawallisch nicht das Gespür für die jeweilige Musik. Trotzdem fehlt dieser CD das gewisse Etwas, das Kubelicks Aufnahme ohne Frage enthält.

Da beide Alben mittlerweile zu absoluten Ramschnpreisen erhältlich sind würde ich doch raten, zu beiden CDs zu greifen und sich ein eigenes Bild zu machen.





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