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Hallo liebe Filmmusiker! :)

 

Wie glaubt ihr kann man gut eine gewünschte Emotion in Filmmusik kompositorisch vermitteln?

Es gibt viele Komponisten die sagen, dass sie sich erst geistlich in diese Emotion hinenversetzen müssen, um entsprechend komponieren zu können.

Andere sagen, dass es nur was mit Handwerk zu tun hat und man dadurch weiß, wie man eine bestimmte Emotion vermittelt.

 

Wie geht ihr das an? Was hilft euch dabei?

 

Freue mich über eure Meinungen!! ;) 

 

MOtega

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Ich habe mich dazu ja bereits geäußert. Hier also nun eine geraffte Zusammenfassung, da ich meinem damaligen Standpunkt nichts hinzuzufügen habe (Danke an Oli für den entscheidenden Hinweis bei der Suche):

 

 

Der Komponist ist ein Handwerker, der genau so wie ein Maler oder Bildhauer sein Handwerkszeug gelernt hat und versucht, mit seinen technischen Mitteln ein möglichst formvollendetes Werk zu schaffen. Komposition ist zu einem großen Teil Technik: Wie gehe ich mit den Tonarten um, wann moduliere ich, wann springe ich direkt in eine andere? Wie gut kennt man die Instrumente und kann sie einsetzen? Wie erarbeite ich eine Balance zwischen den einzelnen Stimmungen, gestalte die Musik interessant und abwechslungsreich?

 

Wenn ich mich nun also hinsetze und zu komponieren beginne und mir die entsprechenden Fragen beantwortet habe, sollte der Komponist nun genau abwägen, welche Mittel sich am besten eignen. Wenn ich ein trauriges Liebesthema für eine unerfüllte Liebe schreibe: Wie drücke ich das aus? Vielleicht, indem ich am Ende die Kadenz ausspare und das Thema wie auch die entsprechende Beziehung kein zufriedenstellendes (im traditionellen Sinne) Ende findet. Welche Intervalle (kleine Sekunde) drücken Schmerz aus, welche Tonkombination verbinde ich mit einer Bedrohung (Tritonus) und wie füge ich all das zu einem kunstvollen Ganzen zusammen? Es bringt nichts, sich ans Klavier zu setzen, an eine unglückliche Beziehung zu denken und dann ein bisschen zu Improvisieren, man muss akribisch und berechnend vorgehen. Man muss nüchtern überlegen, welche Hebel man in Bewegung setzt, um anschließend beim Hörer die gröstmögliche Emotionale Wirkung zu erzielen wie der Anfang von Gustav Mahlers erster Symphonie, das "morgendliche Flimmern" mit einem in den Streichern achtfach oktavierten A zu bestreiten, aber auch da ist es dann letzten Endes eine Frage der Technik, des Handwerks und weniger des Gefühls und der Emotion beim Komponisten selber (zum Zeitpunkt des Komponierens), damit der Rezipient letzten Endes genau dieses morgendliche Flimmern spürt!

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Wenn ich die Frage mal wortwörtlich nehme, dann würde ich das erst einmal in zwei unterschiedliche Auffassungen aufteilen wollen. Wenn der Komponist (oder welcher Künstler auch immer) eine Emotion darstellen möchte, dann steckt er ja schon inmitten des Prozesses eine künstlerischen Darstellung, was ja schon viele Zweige kennen kann. Eine Emotion kann ja sehr wohl wie jedes andere Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, beispielsweise aus der Sicht des Emotionellen, aus der Sicht des Psychologen, aus der Sicht der Geschichte, aus der Sicht der Parodie etc.

Geht es dann zum Sender-Hörer Verhältnis erweitert sich die Frage, sofern der Künstler beabsichtigt, seine Intention den Hörer wissen bzw. teilhaben zu lassen. Will der Künstler, dass der Hörer die Emotion erkennt oder will er diese Emotion beim Hörer auslösen? Und das führt dann weiter dazu, dass der Künstler sein Publikum kennen muss, was selbstverständlich auch eine recht nüchterne und sachliche Angelegenheit ist.

 

Also um da Mephisto zu erweitern: Natürlich muss der Komponist wissen, was diese Emotion ist, sowohl bei sich, als auch bei den Hörern. Er muss sie einordnen können, muss um ihre Natur wissen. Das geht selbstverständlich nicht aus dem Papier hervor, sondern zum größten Teil der Erfahrung. Wenn es dann aber an die Umsetzung geht, wird es zum reinen Handwerk. Ich würde also sagen: Der erste Schritt besteht darin, sich mit dem gewünschten Thema (die Emotion) auseinanderzusetzen und zwar auch sachlich.

 

Aber natürlich gibt es auch einfachere Kompositionsformen, wie beispielsweise das Lied, bei dem die Strecke Wissen -> Verarbeitung -> Empfang wesentlich kürzer ist und somit des Künstlers Herzschmerz wesentlich schneller verarbeitet und vom Hörer wieder aufgenommen werden kann. Allerdings wird ja auch gerade bei der Liedform oft nach Rezept gearbeitet.

 

Es gibt viele Komponisten die sagen, dass sie sich erst geistlich in diese Emotion hinenversetzen müssen, [...]

 

Vielleicht erst einmalig geistig hineinversetzen, sonst könnte man sein Publikum gleich verlieren.  ;)

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Danke für eure ausführlichen Meinungen! :)

 

Meine Rangehensweise war eher an Filmmusik gedacht, weniger an klassische Musik. Da bin ich noch dabei, mein Vokabular aufzufüllen, wie man Emotionen bewusst vermittelt.

Dabei fällt mir noch die Frage ein: was gehört eurer Meinung nach zu einem guten Musik-Vokabular? Was braucht man alles für sein Handwerk? Dabei denke ich daran, wie man mit Akkorden was bestimmtes erreicht, mit Melodiemustern (wie Mephisto schon gesagt hat), mit Instrumentation, Tempo, Rhythmus, Metrik und natürlich Arrangement.

 

Also denke ich ist es nicht schlimm, wenn man sich vor dem Komponieren Gedanken darüber macht, was man eigentlich emotional vermitteln möchte und seine Musik dann erstmal in ihre Elemente wie Tempo, Harmonie, Melodie usw. einteilt. Und wenn die Emotion erstmal nicht ohne weiteres klar ist (es kann ja mitunter auch schwierig sein, eine bestimmte Emotion in Worte zu fassen), dann sucht man sich Anhaltspunkte, die etwas mit dem Thema bzw. der gewünschten Emotion zu tun haben (z.B. man möchte die "Schöpfung der Welt" erzählen. Da würde man denke ich nach Begriffen wie Leben, Natur, Schönheit der Natur, Faszination usw. suchen und das musikalisch ausdrücken).

 

Was ich dabei auch oft von anderen Komponisten gehört habe ist, dass das alles zu theoretisch werden kann und die Musik irgendwann eher einem Denksport ähnelt, was sie ja eigentlich nicht werden sollte.

 

@Mephisto:

kann man sich irgendwo Musik von dir anhören? Würde mich mal interessieren!

 

Danke nochmal! :)

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Ich persönlich denke, dass es Eingebungen gibt und Inspirationen verschiedener Art.

Aber auch wenn ich eine Eingebung habe, ist da immer noch eine Menge Arbeit danach. Ich hatte einmal plötzlich eine Melodie im Kopf und bin nach Hause gerannt, um sie festzuhalten. Darauf folgte dann die Arbeit. Welche Harmonien nutze ich zu der Melodie. Ich muss zugeben, dass ich persönlich oft nicht sehr strukturiert an meine Kompositionen herangehe. Natürlich weiß ich ein bisschen, welche Harmonien auf welche folgen könnten, aber manchmal entscheidet man sich dann auch für eine Wendung, weil sie einem sehr gut gefällt, was dann allerdings zur Folge hat, dass der gesamte Rest eines Melodiezugs nicht mehr so richtig passen möchte. Ich für meinen Teil probiere einfach viel aus. Ich würde sagen, dass vieles auch Erfahrung ist. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich bei meinen ersten filmmusikalischen Projekten schlicht und einfach davon profitiert habe, dass ich viel Filmmusik gehört hatte und instinktiv wusste, wie sie funktioniert. Allerdings kann das natürlich auch Kreativität im Weg stehen.

 

Ich habe mir auch gerade ein bisschen Musik von dir angehört. Ich würde gern mal wissen, welche Library(s) du nutzt und womit du den Mix machst. Ich finde die meisten Abmischungen wirklich sehr gelungen. Manche sind mir vielleicht ein Stück zu feucht. Aber meine sind halt auch total trocken. Vom Grunde her finde ich, dass du eigentlich auch alles in deinen Stücken drin hast, was eine Filmmusik haben muss. Ich finde sie wirklich sehr gelungen. Man merkt auch wirklich deine Vorliebe für sinfonische Filmmusik á la Williams oder Goldsmith.

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Danke für eure ausführlichen Meinungen! :)

 

Meine Rangehensweise war eher an Filmmusik gedacht, weniger an klassische Musik.

 

Die Filmmusik entstammt mit der Kinosymphonik aber der "klassischen" Musik. Besonders die in der Spätromantik geförderten Topoi, die Komponisten wie Richard Strauss und Gustav Mahler durch ihre farbige Instrumentation und die differenzierte Harmonik ausbildeten, dienten lange als Katalog und "Spielmarken-Vorrat" der Filmmusik. Gefeierte Komponisten wie John Williams, der mehr als nur Anleihen aus der "E-Musik" des letzten Jahrhunderts nahm, prägten damit die "typische" Filmmusik. Daher möchte ich auch unterstellen, dass ein mit allen musikalischen Mitteln gewappneter Komponist nicht einmal verliebt gewesen sein muss, um Liebe musikalisch zu vermitteln. Er muss nur genug andere Kompositionen kennen, in denen dieses Thema behandelt wird. Wenn Du Dir genau "Tara's Theme", "Across the Stars" und "Jill's Theme" anhörst und Dich in ihre musikalische Beschaffenheit einarbeitest, müsste Dir rein theoretisch ebenfalls ein Stück gelingen, dass die Herzen der Zuschauer zum Schmelzen bringt.

 

Daher muss natürlich insbesondere der Filmkomponist auf schon bekannte Topoi zurück greifen und die finden sich bei der traditionellen Filmmusik nunmal in der "Klassik". Filmmusik war nie die Musik des Fortschritts und wird es auch nie sein, da der Zuschauer immer an etwas erinnert werden soll.

 

Rein ketzerisch würde ich behaupten, dass Musik eigentlich zu abstrakt ist, etwas darzustellen, es sei denn, man fügt ein deutliches Programm oder Bilder oder Text hinzu. Selbst wenn Du versuchst, ein Stück zu schreiben, das die Schöpfung der Welt (warum müssen es denn immer solche Brocken sein?), wird die Trefferquote unter den Hörern sehr gering sein, die Dein Stück mit der Schöpfung assoziieren werden, es sei denn Du weist sie vorher darauf hin, dass sie an jene denken sollen. Wenn Du so klar Dinge transportieren willst, dann geht das tatsächlich fast nur in der Filmmusik, oder in der ihr verwandten Gattung der Oper, des Balletts oder der Programmmusik.

 

Hast Du denn Deine kompositorische Ausbildung bei musictube schon begonnen? Normalerweise müssten da doch genug Dozenten sein, die Dich mit dem notwendigen musikalischen Rüstzeug wappnen.

Wie gesagt: Musik gibt's von mir im Netz nicht zu hören, da ich nicht vorhabe, Leuten mit Werken die Zeit zu stehlen, die meinen eigenen Ansprüchen nicht genügen.

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PS: Um nochmal präziser auf deine Frage einzugehen: Ich persönlich versetze mich selten in Emotionen hinein, weil man sich zu schnell in diesen verlieren kann und dann nicht mehr präzise arbeitet. Zumindest ist es bei mir so. Wenn ich für jemanden zum Beispiel ein Stück schreiben soll, dass traurig ist, dass verwende ich eine Mischung aus moll und Dur für den Anfang, um auszutesten, wie traurig es der andere wirklich möchte. Wenn es demjenigen dann noch zu fröhlich ist, werden Dur-Abschnitte durch moll ersetzt und vielleicht noch ein paar kleine Sekundenabstände eingebaut, wenn ich das Gefühl habe, dass derjenige auch gern Spannungen mag. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die unglaublich auf den FHC-Akkord mit F als Grundton steht, wenn dieser dann in FAC aufgelöst wird. Also spiele ich immer ein Thema aus Contact von Silvestri, wo das vorkommt, um sie glücklich zu machen. Oder ich spiele die Tribute von Panem ("Rue's Tod"), weil dort ähnliche Harmonien drin sind. Ich glaube, mit einem Regisseur ist es auch so. Man muss schauen, was für ein Mensch er ist und was für harmonische Strukturen er mag. Braveheart hat zum Beispiel eine andere Traurigkeit im Distelthema als "My heart asks for pleasure first" aus Das PianoZimmer und Malick müssen sich bei ihrer Zusammenarbeit zu Thin red line wohl mal richtig lange über die Stimmung eines bestimmten Intervalls gestritten haben. Ich denke, es gibt halt schon Übereinstimmung dabei bei den meisten Menschen, dass eine große Terz freundlich und eine kleine traurig klingt. Aber darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass es sehr viele spezielle Empfindungen gibt.


Rein ketzerisch würde ich behaupten, dass Musik eigentlich zu abstrakt ist, etwas darzustellen, es sei denn, man fügt ein deutliches Programm oder Bilder oder Text hinzu. Selbst wenn Du versuchst, ein Stück zu schreiben, das die Schöpfung der Welt (warum müssen es denn immer solche Brocken sein?), wird die Trefferquote unter den Hörern sehr gering sein, die Dein Stück mit der Schöpfung assoziieren werden, es sei denn Du weist sie vorher darauf hin, dass sie an jene denken sollen.

 

 

Wobei es schon gewisse, wenn auch eingeschränkte Möglichkeiten gibt. Zum Beispiel finde ich in diesem Zusammenhang den Schlussakkord des Mozartrequiems sehr spannend. Ich finde, dass ein Dreiklang einer Tonart ohne die Terz (nennt man das eigentlich einen offenen Akkord?) schon etwas archaisches hat. Wenn ich also die Erschaffung der Welt darstellen wöllte, würde ich wohl so etwas in der Art nehmen. Das Gleiche findet sich auch in der Eröffnung zu So sprach Zarathustra in den ersten Drei Tönen.

Aber tendenziell wirst du wohl rechthaben.

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Daher möchte ich auch unterstellen, dass ein mit allen musikalischen Mitteln gewappneter Komponist nicht einmal verliebt gewesen sein muss, um Liebe musikalisch zu vermitteln. Er muss nur genug andere Kompositionen kennen, in denen dieses Thema behandelt wird. Wenn Du Dir genau "Tara's Theme", "Across the Stars" und "Jill's Theme" anhörst und Dich in ihre musikalische Beschaffenheit einarbeitest, müsste Dir rein theoretisch ebenfalls ein Stück gelingen, dass die Herzen der Zuschauer zum Schmelzen bringt.

 

Man hört die Anhänger des Rationalismus mit denen des Empirismus streiten. Das ist eben eine ganz bestimmte Frage. Wenn das Herz der Zuschauer schmilzt, weil nach einer gewissen Grundstruktur gearbeitet wurde, dann funktioniert das vielleicht, aber erschwert natürlich den Weg zu neuen Sichtweisen und Auslegungen, wie die Musik eine bestimmte Emotion wiederspiegelt. Ich glaube - und da spricht der Empirismus aus mir - ohne eine grobe eigene Vorstellung einer Sache, kann ein Werk zwar vortrefflich, aber eben auch nur bedingt eigen geraten. Selbst beim Kennen der Kompositionen anderer Komponisten muss man ja schon ein Selbstverständnis für das Thema mitbringen können, um es deuten zu können.

Das ist ja auch ein (vielleicht auch gar nicht so neues) Problem, dass jeder Hinz und Kunz meint zuhause seine "Epik" schreiben zu müssen, weil er es bei einer handvoll von Hollywood Komponisten so vernommen hat, dabei aber nicht nur den möglichen wahren Kern dieser Gattung außen vor lässt, sondern auch einfach versperrt bekommt, dass man sich dem Thema von ganz anderer Art und Weise nähern kann. Natürlich reicht ein Rezept aus, um eine Emotion auslösen zu können, aber vielleicht nicht genug, um eine Emotion in ihrer ganzen Art zu erfassen.

 

Ich glaube die Emotion selbst, die beim Komponieren wirkt, ist doch mehr nur Motivation und Richtschnur als Blaupause.

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Vielen Dank für eure vielen Meinungen :) :)

 

Also um das nochmal zu verdeutlichen, was momentan meine kleine Barriere ist:

bei Filmen habe ich meist Ideen - da weiß ich auch, was zu tun ist. Das Bild, die Story, die Aktionen sagen dir, was du musikalisch zu tun hast und lassen (meist) auch nichts anderes zu, damit es nicht unpassend klingt.

 

Nur mir geht es halt auch um Filmmusik ohne einen Film, bei der ich einfach üben kann, Emotionen zu vermitteln,

die aber gleichzeitig nach Filmmusik klingt, damit ich das gezielt dafür üben kann und genau da liegt der große Unterschied:

 

möchte ich Filmmusik ohne einen Film schreiben, ist das erstmal nicht so einfach, denn ich habe keine Story, keine Bilder, kein Tempo im Bild, keine Vorstellungen des Regisseurs, kann mich nicht in die Situation der Charaktere usw. hineinversetzen. Da bin ich noch dabei ein Weg zu finden, das irgendwie trotzdem hinzubekommen.

 

Es liegt aber vielleicht auch am Thema, das ich mir ausgesucht habe (Schöpfung der Welt?). Wie Mephisto sagt, ist das vielleicht erstmal ein Brocken, bei dem man nicht so direkt erkennt, was für Emotionen da jetzt vermittelt werden sollen oder dass das vielleicht eine Mixtur von vielen Emotionen sein kann, was wohl am schwierigsten ist.

 

 

Hast Du denn Deine kompositorische Ausbildung bei musictube schon begonnen? Normalerweise müssten da doch genug Dozenten sein, die Dich mit dem notwendigen musikalischen Rüstzeug wappnen.

 

Ja meine Ausbildung habe ich letztes Jahr September begonnen und habe nächsten Monat Prüfung. Wir haben da zwei Dozenten - einer speziell für Filmmusik-Komposition und Tontechnik und ein Dozent speziell für klassische Komposition und beide Dozenten gaben mir unterschiedliche Tipps, wie man kompositorisch rangeht. Doch alles in allem haben die mir viel Handwerk vermittelt, was man beachten soll, was nicht gut für Filmmusik ist, wie man Schnitt, Tempo im Bild beachtet usw. usw.

Schon sehr lehrreich und habe auch viel gelernt, nur bei der Rangehensweise teilen sich die Meinungen der Dozenten (wie so oft). Der eine ist eher für Ideen aus dem Bild, der andere eher fürs Arbeiten mit Stichworten, Konzepten usw. Ich habe mir auch sagen lassen, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, wie er komponiert und dass die Meinungen dadurch eben auseinander gehen und genau da bin ich im Moment noch ein wenig am switchen und am gucken, was für mich der beste Weg ist.

 

Ich habe mir auch gerade ein bisschen Musik von dir angehört. Ich würde gern mal wissen, welche Library(s) du nutzt und womit du den Mix machst. Ich finde die meisten Abmischungen wirklich sehr gelungen. Manche sind mir vielleicht ein Stück zu feucht. Aber meine sind halt auch total trocken. Vom Grunde her finde ich, dass du eigentlich auch alles in deinen Stücken drin hast, was eine Filmmusik haben muss. Ich finde sie wirklich sehr gelungen. Man merkt auch wirklich deine Vorliebe für sinfonische Filmmusik á la Williams oder Goldsmith.

 

Freut mich sehr, dass dir meine Musik gefällt :)

Ja genau! Das sind auch zwei meiner großen Vorbilder: Williams, Goldsmith, Shore, Newton Howard usw...

Also an Libraries nutze ich für die Streicher EWQL Symphonic Orchestra, fürs Holz u.a. CineWinds und für Blech u.a. CineBrass (wirklich top für Filmmusik!). Fürs Mixen habe ich eigentlich nix besonderes, nur den Mixer von Cubase ;)

 

 

Wenn das Herz der Zuschauer schmilzt, weil nach einer gewissen Grundstruktur gearbeitet wurde, dann funktioniert das vielleicht, aber erschwert natürlich den Weg zu neuen Sichtweisen und Auslegungen, wie die Musik eine bestimmte Emotion wiederspiegelt.

 

Da fällt mir ein Zitat von Komponist Jeff Rona ein, der mal auf der Soundtrack_Cologne gesagt hat: "Komponieren heißt, etwas neues zu erschaffen."

 

Nach euren Tipps und Meinungen, was könntet ihr mir da raten für Filmmusik ohne Film? Also im Moment finde klappt es eigentlich gut, wenn ich mir erstmal über die Emoiton im Klaren werde, die ich vermitteln möchte und dann versuche, das handwerklich zu lösen.

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Freut mich sehr, dass dir meine Musik gefällt  :)

Ja genau! Das sind auch zwei meiner großen Vorbilder: Williams, Goldsmith, Shore, Newton Howard usw...

Also an Libraries nutze ich für die Streicher EWQL Symphonic Orchestra, fürs Holz u.a. CineWinds und für Blech u.a. CineBrass (wirklich top für Filmmusik!). Fürs Mixen habe ich eigentlich nix besonderes, nur den Mixer von Cubase  ;)

 

Arbeitest du viel mit dem EQ bei deinen Mixes, oder lässt du ihn eher unberührt? Ich habe mal gehört, dass die EWQL zum Beispiel recht feucht aufgenommen wurde und man deshalb nicht mehr so viel nachbearbeiten muss. Ich selbst arbeite mit der VSL und habe das Gefühl, da recht viel schrauben zu müssen, zumindest um Filmmusik mixen zu wollen. Der Mix von klassischer Musik ist ja echt auch nochmal ein Stück anders.

 

Nach euren Tipps und Meinungen, was könntet ihr mir da raten für Filmmusik ohne Film? Also im Moment finde klappt es eigentlich gut, wenn ich mir erstmal über die Emoiton im Klaren werde, die ich vermitteln möchte und dann versuche, das handwerklich zu lösen.

 

Wenn du Musik komponieren willst, ohne einen Film dazu zu haben, als Trockenübung sozusagen, würde ich mir wahrscheinlich einen bestehenden Film nehmen und Passagen aus ihm neu vertonen. Ich habe früher viel Musik geschrieben ohne einen Film zu haben und wollte sie auch filmmusikalisch klingen lassen. Das kann man auch ohne Bilder tun. Man legt sich vielleicht einfach eine Handlung zurecht, oder nimmt sich ein Buch, was man gern einmal vertonen will (habe ich mit der Schachnovelle mal angefangen). Aber ich denke, es macht Sinn, einen fertigen Film als Grundlage zu nehmen, weil Filme, die nur im Kopf existieren in real vielleicht nicht immer funktionieren würden; zum Beispiel schnitttechnisch. Allerdings muss man dafür natürlich die bereits bekannten Musiken ausblenden können.

 

Was ich auch mal gemacht habe, ist ein Stück im Williams-Superman-Stil zu schreiben, dass nicht identisch ist, aber wahrscheinlich doch die Assoziation weckt. Da kann man auch ein bisschen was lernen. Ich habe mir angeschaut, welche Harmonien Williams nutzte und habe versucht, ein eigenes Stück daraus zu machen. Es ist nur eine Skizze, aber es hat mir ein paar Sachen klar gemacht, wie eben zum Beispiel Superheldenthemen gern aufgebaut sind. Habe es schnell mal hochgeladen. Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=TGR0s-U_kNg&feature=youtu.be

PS: Nicht wundern, das Video ist nicht gelistet.

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Arbeitest du viel mit dem EQ bei deinen Mixes, oder lässt du ihn eher unberührt? Ich habe mal gehört, dass die EWQL zum Beispiel recht feucht aufgenommen wurde und man deshalb nicht mehr so viel nachbearbeiten muss. Ich selbst arbeite mit der VSL und habe das Gefühl, da recht viel schrauben zu müssen, zumindest um Filmmusik mixen zu wollen. Der Mix von klassischer Musik ist ja echt auch nochmal ein Stück anders.

 

Den EQ lasse ich meist unberührt. Was mir oft aber fehlt, sind ein paar Höhen. Irgendwie klingen viele Samples zu dumpf, dann drehe ich etwas Höhen rein, aber sonst sind die Libraries schon top für Filmmusik gemixt (also CineWinds, CineBrass usw.).

Ja das stimmt. Klassischer Sound ist anders. Für klassisch eignet sich eher VSL oder East West Symphonic Orchestra gut, für Filmmusik klingt East West zum Beispiel etwas zu steril und glatt finde ich. Da fehlt die Fülle und die Wärme.

 

 

Wenn du Musik komponieren willst, ohne einen Film dazu zu haben, als Trockenübung sozusagen, würde ich mir wahrscheinlich einen bestehenden Film nehmen und Passagen aus ihm neu vertonen

 

Ja was auch hilft, sind Bilder denke ich. Denn sie enthalten auch genug Emotion und Ausdruckskraft. Damit kann man auch was anfangen (so als Filmersatz - eine Art Standbild oder so). Den Rest wie Tempo, Story usw. muss man sich dann selbst zurechtlegen.

 

Was mir auch mein Dozent sagte war, dass klassische Komponisten oft theoretischer komponieren, als Filmmusik- oder Spielekomponisten (wobei ich auch einen klassischen Komponisten kenne, der auch erst vor sich hin träumt, um in die Emotion einzutauchen). Bei Spielen oder Filmen hat man ja alles Material, was man braucht um inspiriert zu werden und die Emotion ist auch da. Also mir geht es wie gesagt persönlich oft so, dass ich beim Film oder bei Spiele oft Ideen habe, die ich direkt umsetzen und ausarbeiten kann. Da fühle ich mich immer inspiriert.

 

 

Was ich auch mal gemacht habe, ist ein Stück im Williams-Superman-Stil zu schreiben, dass nicht identisch ist, aber wahrscheinlich doch die Assoziation weckt. Da kann man auch ein bisschen was lernen. Ich habe mir angeschaut, welche Harmonien Williams nutzte und habe versucht, ein eigenes Stück daraus zu machen. Es ist nur eine Skizze, aber es hat mir ein paar Sachen klar gemacht, wie eben zum Beispiel Superheldenthemen gern aufgebaut sind. Habe es schnell mal hochgeladen. Hier der Link: 

 

Finde ich schon sehr gut! Ein wenig schwach noch vom Sound her (mehr Epik vielleicht), aber es ist ja nur eine Skizze ;)

Übrigens tolle Filmmusik-Analysen in deinem Channel! :)

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Schon sehr lehrreich und habe auch viel gelernt, nur bei der Rangehensweise teilen sich die Meinungen der Dozenten (wie so oft). Der eine ist eher für Ideen aus dem Bild....

 

Das konkrete Arbeiten mit dem (bewegten!) Bild kann ich dir in jedem Fall sehr empfehlen, das ist auch meine bevorzugte Herangehensweise. Ich orientiere mich beispielsweise immer sehr gerne an Kamerabewegungen, Einstellungsgrößen und natürlich auch Mustern im Filmschnitt. Das führt zumindest bei mir immer zu weitaus effektiveren Ergebnissen als die Arbeit mit abstrakten gedanklichen Konstrukten, die dann einer Szene aufgestülpt werden. Sicher ist auch der emotionale Kern der Szene wichtig, aber die Vertonung genuin filmischer Vorgänge (Kamera, Schnitt) empfinde ich als fast noch wichtiger - sonst könnte man ja auch "Literaturmusik" oder Musik zu Gemälden schreiben. In diesem Sinne würde ich dir auch raten, niemals Filmmusik ohne Film zu schreiben - such dir besser Filme ohne Score (davon gibt es ja außerordentlich viele, ein Klassiker wäre z.B. Hitchcocks THE BIRDS), und vertone davon dann einzelne Szenen.

 

Lass dich aber auch nicht davon abhalten, Musik ohne Film, also absolute Musik zu schreiben. Studiere die Partituren wichtiger Werke klassischer Musik (Bartók für thematische Arbeit, Strawinsky für Rhythmik und Effekte) und versuche einfach mal, irgendwas in dieser Richtung "nachzumachen". Die grundsätzlichen kompositorischen Fähigkeiten, wie Melodiebildung, Kontrapunkt, Konzeption origineller rhythmischer Modelle, usw. erlernst du nämlich am besten mit dem Studium absoluter Musik. Irgendwelche Superhelden- oder Space-Opera-Themen nachzuahmen, bringt dir wenig, damit bleibst du oft bei rudimentären, archaischen Quint-Strukturen stehen und gelangst nie zu einer interessanten, individuellen Tonsprache. Da stürz' dich lieber in die Bartók-Streichquartette oder in die Solo-Konzerte von Schostakowitsch, da ziehst du tausend mal mehr raus.

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Danke für deine Antwort Sebastian!

 

Also mein Dozent meinte auch (als ich ihm sagte, dass ich meist auf eine Idee aus dem Bild warte), dass das typisch für das Genre Filmmusik ist.

 

 

Ich orientiere mich beispielsweise immer sehr gerne an Kamerabewegungen, Einstellungsgrößen und natürlich auch Mustern im Filmschnitt. Das führt zumindest bei mir immer zu weitaus effektiveren Ergebnissen als die Arbeit mit abstrakten gedanklichen Konstrukten, die dann einer Szene aufgestülpt werden.

 

Bin absolut der gleichen Meinung. Das war auch Thema in der Musicube, sprich Tempo im Bild, Schnitt, Kamera, Farben, Charaktere, Bewegungen usw.

Da gibts schon fast eine Flut von Inspirationsquellen, die dich alle ansprechen und musikalische Ideen evozieren.

Was denkst du darüber, wenn man sich die fehlenden Elemente einfach vorstellt? Für mich ist das nicht so einfach finde ich.

 

Ja dann werde ich mir mal mehr Filmszenen ohne Musik vornehmen :)

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Ich habe bei meinen beiden bisherigen Filmmusiken einzig an Hand des Drehbuchs komponieren müssen, weil ich in der Drehzeit keine Musiker mehr gehabt hätte. Tatsächlich wurde dann auf die Musik geschnitten. Unmöglich ist es also nicht, aber natürlich nicht der gängige Fall. Man kann ja auch Filme nehmen, die schon Musik haben und einen "Gegenvorschlag" komponieren. Bei "Fluch der Karibik 1" ließe sich bestimmt mehr rausholen, als Badelt und ihre Mannen da in zwei Wochen zusammengezimmert haben.

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Ich habe bei meinen beiden bisherigen Filmmusiken einzig an Hand des Drehbuchs komponieren müssen, weil ich in der Drehzeit keine Musiker mehr gehabt hätte. Tatsächlich wurde dann auf die Musik geschnitten. Unmöglich ist es also nicht, aber natürlich nicht der gängige Fall.

 

Ich denke, diese Option hängt vor allem davon ab, wie viel Wichtigkeit der Regisseur der Musik beimisst. Terrence Malick dürfte beispielsweise fast durchgängig in seinen Filmen den Schnitt der Musik angepasst haben. Auch Spielberg hat das schon gemacht. Aber ich kann verstehen, dass es normalerweise die Ausnahme bleibt. Aus meiner Sicht, macht es auch Sinn, die Musik dem Schnitt anzupassen und nicht umgekehrt.

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Auch ich hatte schon mehrere Projekte gehabt, wo ich keinerlei Bildmaterial hatte, lediglich eine Beschreibung des Regisseurs, da der Film noch in Arbeit war. Auch bei Hörspielen, die ich vertont hatte, gab es ja auch nichts bildliches, sondern nur ein Drehbuch. Aber es ist trotzdem schon etwas anderes, als wenn man die Musik komplett ohne das alles schreibt, da auch das Drehbuch Einblicke in die Charaktere, die Handlung, die Stimmung, Atmosphäre usw. gewährt. Da fällt es einem doch etwas leichter.

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Was denkst du darüber, wenn man sich die fehlenden Elemente einfach vorstellt?

 

Ganz ehrlich: ich kann das nicht. Bisher kam bei mir in der Drehbuchphase noch nie irgendetwas Brauchbares zustande, was sich bis zum Ende in der Filmmusik gehalten hat. Selbst für den Entwurf der Themen/Motive finde ich das Bild unerlässlich.

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Ganz ehrlich: ich kann das nicht. Bisher kam bei mir in der Drehbuchphase noch nie irgendetwas Brauchbares zustande, was sich bis zum Ende in der Filmmusik gehalten hat. Selbst für den Entwurf der Themen/Motive finde ich das Bild unerlässlich.

 

Ich denke, es kommt sehr darauf an, wie genau der Regisseur seine Wünsche äußern kann. Zimmer hat den Soundtrack zu The thin red line fast komplett vor Dreh geschrieben und Malick hat dann teilweise die Stücke beim Dreh den Schauspielern vorgespielt, soviel ich weiß. Allerdings haben die beiden in der Zeit halt auch mehr oder weniger in einer WG gewohnt und dadurch recht eng auf dieser Ebene kooperiert. Man merkt ja auch selbst, wenn man Musik als Auftragsarbeit schreibt, dass in der Regel die Auftraggeber nur sagen können, dass sie ein Stück anders wollen, als es ist. Aber eine Spezifizierung ist oft nicht möglich.

Ich denke, wenn ein Regisseur vom Komponisten fordert, den Soundtrack vor dem Film zu schreiben, dann muss er auch bereit sein, den Dreh ein wenig nach der Musik auszurichten. Tut er das nicht, wird wohl normalerweise zwangsläufig die bereits komponierte Musik verändert werden müssen.

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