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31/52 DANCES WITH WOLVES by John Barry


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Vorab möchte ich klar stellen, das ich wirklich kein großer Fan und auch kein großer Kenner der Musik von John Barry bin. Ich schätze sein herausragendes Talent für Melodien trotzdem fehlt mir etwas der Zugang zu seinem Gesamtwerk - insgesamt ist es mir etwas zu weich, zu wenig kantig, manchmal auch musikalisch zu simpel. Aber einige Werke von ihm landen doch ziemlich regelmäßig bei mir im Player. Meine persönlichen Lieblingssoundtracks des 1933 in York (England) geborenen Barry sind The Lion in Winter, The Last Valley, Goldfinger und eben Dances with wolves. Barry ist sicher der erfolgreichste britische Filmkomponist aller Zeiten. Fünf Oscars ,vier Grammys und unzählige andere Filmpreise konnte er in seiner vierzigjährigen Karriere gewinnen. Den Durchbruch und unsterblichen Ruhm erlangte er durch die Vertonung der James Bond Reihe (insgesamt 11 Bond Filme).

1990 gewann John Barry seinen fünften und letzten Oscar für Kevin Costner´s Western opus magnum Der mit dem Wolf tanzt. Barry widmete die Filmmusik seinen Ärzten die ihn zwei Jahre zuvor das Leben retteten - Barry erlitt 1988 eine Ruptur der Speiseröhre und musste mehrmals operiert werden. Insofern war Dances with Wolves sein Comeback Soundtrack - Barry war jedoch nicht die erste Wahl für die Vertonung des Films. Basil Poledouris, dessen Lonsome Dove (wirklich großartig) es Costner angetan hatte sollte zuerst die Partitur beisteuern. Aber Terminkonflikte und die Loyalität zu John Millus ließen Poledouris abspringen - und so erhielt John Barry die Chance. Und wie er die Chance nutzte! Ein eindrucksvoll romantischer, großer, melancholischer und doch im besten Sinne einfacher Soundtrack der nahezu gänzlich ohne  "indianische" Musik auskommt.

 

Barry erklärt sein musikalisches Konzept wiefolgt: After initially perceiving the score in the tradition of the Great American Western I persuaded (Costner) to approach it differently - more specifically from the view of the leading character John Dunbar, in the same way the screenplay did. I tried to myself in John Dunbar´s place so that when I saw what he saw I tried to musically react in the wayhe would react for the first time, If you work that way through the central character you tend to get more of the emotion

 

Ich kann mit der Bondmusik leider wenig anfangen und so ist für mich persönlich "Dances with wolves" Barry´s absolute Lieblingsmusik. Ein epischer, breiter, aufrichtiger, emotionaler und tief empfundener Soundtrack der zu einem der größten und vor allem populärsten der 90er Jahre zählt. Besonders beeindruckend ist die Anzahl und insbesondere Qualität der Themen die Barry für den Film komponiert. Das Barry einen einmaligen Griff für ohrgängige Melodien hatte (die er teilweise in Endlosschleife wiederholte) ist ja hinlänglich bekannt, aber für Dances... komponierte er knapp ein Dutzend eindrucksvolle Themen, für die viele heutige Komponisten ein ganzes Leben benötigen würden.

 

Sein Hauptthema "John Dunbar" fasst den von Kevin Costner verkörperten Hauptcharakter eindrucksvoll zusammen. Aufrichtig, mutig, kontemplativ und doch bestimmt - für mich das schönste Thema aus der Feder von John Barry. Großartig mit einem bisschen Elmer Bernstein feeling ist auch seine Büffeljagd Musik "The Buffalo Hunt" - Abenteuerlust in einer epischen weitschweifenden Landschaft ist hier großartig musikalisch eingefangen. Das zerbrechliche teilweise ängstliche Wolfsthema meist auf der Flöte vorgetragen. Die brutale Pawnee Musik, die atemberaubend schöne "Reisemusik" oder sein wunderschönes Liebesthema. Und dazu kommen sicher noch fünf oder sechs weitere Themen die Barry für den Film komponiert hat. Sogar ansprechende Actionmusik gibt es im Film - "Rescue of Dances with Wolves" oder "Pawnee Attack"

 

Eine tiefempfundene, wunderschöne und ungemein farbenprächtige Filmmusik - eines der größten Werke der 90er Jahre.

 

 

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Hallo Markus, wie gewohnt ein schön geschriebener Thread von Dir. Du machst die immer große Mühe. Und auch wenn Dir nicht alles von Barry gefällt, gib dem ein oder anderen Score von ihm mal ne Chance. Alles großartige Scores: The Scarlett Letter, Mary of the Scots, Chaplin, Monte Walsh usw.

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Mal wieder eine schöne Rezension, noch dazu von einem von mir mehr als geschätztem Komponisten!

 

Da ich 1983/1984 Bond-Fan wurde, ging das nahtlos zur Filmmusik über und John Barry war mein erster "Hero".

 

Dances with wolves ist eine wunderbar, dem Ohr schmeichelnde Musik in die Barry nach seiner Geneßung viel Herzblut legte, (mal wieder) den Regisseur Costner (wie seinerzeit Pollack bei Africa) überzeugte nicht "folkloristische" Musik einzusetzen und sich der ganzen Sache über die Gefühlswelt zu nähern.

 

Die Musik wurde beim ersten Album eigentlich gut präsentiert, mir persönlich fehlte aber damals vor allem die "Büffel-Jagd"-Musik in der Film-Version! Das 2004'er Album lieferte dann einiges mehr, eben auch die Büffel-Musik, aber die Zusammenstellung war SO etwas unglücklich, wodurch das ganze doch sehr zu Wiederholungen neigte, was aber in diesem Fall an der Präsentation lag, DENN mit dem LaLaLand-Album der (fast) kompletten Musik wurde zwischen den "Wiederholungen" von Themen (Kritiker bekommen wohl Ausschlag von Variationen zu sprechen, da Barry in aller Regel nur die Instrumente änderte) nun auch die anderen Themen präsentiert und trotz der Länge tat dies der Musik oder besser deren Präsentation mehr als gut!!!

 

Dadurch wird das Album kurzweiliger und man bekommt ein anderes Bild der Musik.

 

Barry-Fan oder nicht, aber eigentlich würde ich jedem raten diese Musik in der Sammlung zu haben: es ist eine wunderschöne, gefühlvolle Musik der man nicht unterstellen sollte, dass sie zu simpel sei.

 

Viele Komponisten meinen gar, dass die "Kunst" eine einfache, einprägsame Melodie zu schreiben das Schwierigste überhaupt sei!

 

Was mir bei Barry immer gefallen hat, war die Tatsache, dass seine Musik vor allem im Film eigentlich immer dafür sorgte, die Gefühlswelt der Protagonisten absolut zum Ausdruck zu bringen, fassbar zu machen - das was dann manchmal Bilder nicht hinbekamen. Viele Filme haben durch seine Musik erst richtig Atmosphäre bekommen!

 

Wie gesagt: die LaLaLand sollte man als Barry-Fan auf jeden Fall haben!!!

 

Gruß

 

jens

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Habe die Lalaland Ausgabe von Dances... - Danke für den Tip aber Mary ... kenne ich natürlich und hab ich in meiner Aufzählung vergessen ein guter Soundtrack! Ich mag auch sein Enigma Hauptthema und einige andere Sachen aber komplette Scores sind es wenige die ich von ihm schätze

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Vorab möchte ich klar stellen, das ich wirklich kein großer Fan und auch kein großer Kenner der Musik von John Barry bin. Ich schätze sein herausragendes Talent für Melodien trotzdem fehlt mir etwas der Zugang zu seinem Gesamtwerk - insgesamt ist es mir etwas zu weich, zu wenig kantig, manchmal auch musikalisch zu simpel. Aber einige Werke von ihm landen doch ziemlich regelmäßig bei mir im Player.

 

Bei mir ähnlich.

 

Meine dennoch immer mal wieder gehörten Barrys: DEADFALL, A VIEW TO A KILL, MERCURY RISING. Mit WOLVES hatte ich's nie so.

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A VIEW TO A KILL nimmt bei mir auch eine Sonderstellung ein. Mag den Score sehr, was aber wohl auch daran liegt, dass dies meine erste Filmmusik-LP war UND der Film der erste Bond im Kino war (der mich mit dem Bond- und Musik-Virus ansteckende Film auf Video war YOU ONLY LIVE TWICE).

Unabhängig von der Nostalgika war die Musik aber auch recht kurzweilig geraten und der Umgang mit dem Hauptthema sogar verhältnismäßig variationsreich! "Death of Sillicon Valley" ist eines meiner Lieblings-Bond-Stücke. Eine kurze höchst ansprechende Variation dieses Themas hat es bisher noch nicht auf Tonträger geschafft.

Schade, dass die 2003'er CD nicht optimal klingt.

 

MERCURY RISING ist für mich sowas wie der letzte "gute" Action-Score. Das Album war recht kurzweilig, wenngleich die Burwell-Anteile auch gerne auf CD gesehen worden wären.

 

Was den Wolf angeht, der gewinnt wie schon geschildert in der Langfassung doch arg dazu - ich bin aber unsicher, ob sich für Dich Sebastian die "teure" Anschaffung lohnen würde, aber die letzte Expandierung hat der Musik sehr gut getan und macht sie abwechslungsreicher, weil eben die "neuen" Themen noch dazukamen und zwischen dem altbekanntem und mehrmals Veröffentlichtem plaziert wurden.

 

Gruß

 

Jens

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Was den Wolf angeht, der gewinnt wie schon geschildert in der Langfassung doch arg dazu - ich bin aber unsicher, ob sich für Dich Sebastian die "teure" Anschaffung lohnen würde, aber die letzte Expandierung hat der Musik sehr gut getan und macht sie abwechslungsreicher, weil eben die "neuen" Themen noch dazukamen und zwischen dem altbekanntem und mehrmals Veröffentlichtem plaziert wurden.

 

So sehe ich das auch. Mir hat das original Album, bis auf ein paar wenige Tracks, auch nicht sonderlich gefallen ... hingegen gefällt mir die Langfassung um einiges besser. 

 

Meine Lieblings-Scores von John Barry wären:

 

007 DIAMONDS ARE FOREVER

 

THE SCARLET LETTER

 

OUT OF AFRICA

 

SWEPT FROM THE SEA

 

CRY, THE BELOVED COUNTRY

 

DANCES WITH WOLVES

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John Barry gehört zu meinen liebsten Komponisten. Seine Melodien mögen manchmal recht simpel sein, aber für mich haben sie einfach viel Herz. Man erkennt seine Handschrift sofort und ich wüsste auch keinen anderen Komponisten, der Melodien schreiben kann wie er, die zwar simpel, aber doch recht berührend sind. Bei Williams haben ich dieses Gefühl nicht und selbst Goldsmith kam nur hin und wieder an diese Kombination heran. Goldsmith sagte auch mal über Barry, dass er (Jerry) sich wünschen würde, Melodien schreiben zu können wie Barry. Manchmal hat er es ja versucht, siehe MEDICINE MAN.

 

Auf der anderen Seite gibt nicht jedes Album von Barry ein gutes Höralbum ab, da er doch recht gerne seine Themen unvariiert wiederholt. Aber Sachen wie A VIEW TO A KILL kann ich mir problemlos in voller Länge anhören. Zustimmen kann ich auch bei DANCES WITH WOLVES. Durch die Langfassung kommen zwar auch einige rudimentäre Tracks dazu, aber die vielen Themen, die Barry für den Film komponierte, entfalten sich auf der LLL-Fassung einfach sehr gut, weil sie sich durch die zusätzlichen Tracks öfter abwechseln. Das Love Theme ist für mich das schönste Love Theme in Barrys an Love Themes nicht armen Repertoire. So verknarzt Barry auf vielen vor allem jüngeren Bildern dreinblickt, so viel Herzblut legte er in seine Musik.

 

DANCES WITH WOLVES ist ein rundum toller Score, den ich mir immer wieder gerne anhöre.

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John Barry gehört zu meinen liebsten Komponisten. Seine Melodien mögen manchmal recht simpel sein, aber für mich haben sie einfach viel Herz. Man erkennt seine Handschrift sofort und ich wüsste auch keinen anderen Komponisten, der Melodien schreiben kann wie er, die zwar simpel, aber doch recht berührend sind. Bei Williams haben ich dieses Gefühl nicht und selbst Goldsmith kam nur hin und wieder an diese Kombination heran. Goldsmith sagte auch mal über Barry, dass er (Jerry) sich wünschen würde, Melodien schreiben zu können wie Barry. Manchmal hat er es ja versucht, siehe MEDICINE MAN.

 

Auf der anderen Seite gibt nicht jedes Album von Barry ein gutes Höralbum ab, da er doch recht gerne seine Themen unvariiert wiederholt. Aber Sachen wie A VIEW TO A KILL kann ich mir problemlos in voller Länge anhören. Zustimmen kann ich auch bei DANCES WITH WOLVES. Durch die Langfassung kommen zwar auch einige rudimentäre Tracks dazu, aber die vielen Themen, die Barry für den Film komponierte, entfalten sich auf der LLL-Fassung einfach sehr gut, weil sie sich durch die zusätzlichen Tracks öfter abwechseln. Das Love Theme ist für mich das schönste Love Theme in Barrys an Love Themes nicht armen Repertoire. So verknarzt Barry auf vielen vor allem jüngeren Bildern dreinblickt, so viel Herzblut legte er in seine Musik.

 

DANCES WITH WOLVES ist ein rundum toller Score, den ich mir immer wieder gerne anhöre.

 

Amen! Dem ist nichts hinzuzufügen!!! :)

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