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Angus Gunn

Straßenfeger: Deutsche TV-Klassiker und ihre Musik

Empfohlene Beiträge

Es gab mal eine Zeit, da wurde im deutschen Fernsehen Wert auf Qualität gelegt. Es ist nicht so, dass nicht auch heute noch hervorragende Formate produziert würden, doch sind sie im großflächig ausgerollten Schundprogramm kaum noch auszumachen. Vor wenigen Jahrzehnten sah das noch anders aus, und heute blicken wir auf eine vergangene Fernseh-Landschaft zurück, die uns einen immensen Fundus an erlesenen Schätzen vererbt hat, von denen bereits viele, aber noch längst nicht alle, gehoben (sprich: auf DVD veröffentlicht) wurden.

In diesem Faden soll nun auf einige dieser Perlen und auf ihre musikalische Ausgestaltung eingegangen werden mit dem Schwerpunkt auf sogenannte Mini-Serien, Mehrteiler und Einzelfilme. Während es manch ein Titelthema auf einen Sampler oder eine Single geschafft hat, waren und sind komplette Filmmusik-Alben doch eher selten anzutreffen. Manch ein Komponisten-Name ist heute kaum noch bekannt, und vielleicht findet sich ja die ein oder andere Anregung bei den hier im Board mitlesenden CD-Produzenten ... wer weiß :D.

WALLENSTEIN (1978)  -  Musik: Eugen Thomass

Beginnen möchte ich mit einem absoluten Klassiker. Eine 4-teilige Literaturverfilmung von ungeheurer Wucht, ein Monument des Historiendramas, das nicht nur in der deutschen TV-Geschichte seines Gleichen sucht und zu meinen persönlichen Favoriten zählt. Mit einer beeindruckenden Garde erstklassiger Schauspieler inszeniert Franz Peter Wirth die Geschichte des berühmten böhmischen Feldherrn in ebenso nüchternen wie überwältigenden Bildern und erlaubt einen Einblick in eine historische Epoche wie man es sonst nur selten erleben kann. Die Musik von Eugen Thomass ist dem Handlungsrahmen entsprechend sehr perkussiv, die Themen von herber Stringenz. Platz für Idyllisches ist da kaum, doch gibt es des öfteren authentisch anmutende Source-Music im Hintergrund zu hören, die für das passende höfische Ambiente sorgt. Da bisher nichts davon jemals auf Tonträger zugänglich gemacht wurde, habe ich selber eine kleine Suite zusammengebastelt und mit einer Schnittcollage aus dem Film versehen. Ich hoffe, dass diese kurze Zusammenstellung etwas von der Großartigkeit sowohl vom Film wie auch von Thomass´ Musik vermittelt.

 

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Schöne Suite, vielen Dank für das Vorstellen!

Von Eugen Thomass gibt es leider kaum etwas auf CD:

- Die Buddenbrooks - fantastische Musik, in alle Einzelteile zerlegt auf der Library-CD, oder als Suite auf der Thomas Mann Filmmusik CD

- Diese Drombuschs - läuft bei mir eigentlich fast nur zur Weihnachtszeit wegen der kurzen aber für mich wunderbaren Oh-Tannenbaum-Variation in einer der beiden langen Suiten

- Pfarrerin Lenau / Oh Gott Herr Pfarrer - lange nicht mehr gehört, hat mir damals glaube ich nicht so zugesagt.

(mehr ist mir nicht bekannt)

Von Eugen Thomass mal was bei uns von Alhambra auf CD zu bringen würde mich schon reizen, ob da was realistisch möglich ist kann ich aber derzeit nicht abschätzen. Aktuell ist jedenfalls erst einmal nichts ersichtlich.

 

 

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DIE FRAU IN WEIß (1971)  -  Musik: Hans Jönsson

Die dreiteilige TV-Produktion DIE FRAU IN WEIß nach Wilkie Collins war 1971 der erste einer sehr erfolgreichen Reihe von Mehrteilern die von Autor Herbert Asmodi zusammen mit  Regisseur Wilhelm Semmelroth realisiert wurden. Sämtliche Filme dieser Reihe basieren auf der Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts, haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Mystery-Einschlag und sind in gehobenem Milieu oder Adelskreisen angesiedelt. Aus heutiger Sicht wirken diese Verfilmungen, die auch gerne als Plüsch-Krimis bezeichnet werden, etwas behäbig, und die Video-Technik, mit der die Innenaufnahmen realisiert wurden, haben jene Fernseh-MAZ-Qualität, an die man sich auch erstmal gewöhnen muß. Aber sie sind hochkarätig besetzt und bieten Literaturklassiker in anspruchsvoller Umsetzung.

Ebenfalls zum Team gehörte Hans Jönsson (1913-1993), dessen Kompositionen die Filme ganz erheblich aufgewertet haben. Die Qualität seiner Musik ist nicht zu überhören, und bedenkt man die Tatsache, dass von ihm auch der treibende Jazz-Score zum legendären WDR-Krimi "Das Halstuch" stammt, so ist es doch mehr als verwunderlich, dass bisher noch keine einzige Note von ihm jemals als autonome Edition erhältlich war. Gerade DIE FRAU IN WEIß ist aus meiner Sicht ein Meisterstück. Der fast kammermusikalisch ausgestattete Score enthält ein Hauptthema, das in wunderbar kargen Klängen die Zerbrechlichkeit und Unschuld der von Heidelinde Weis verkörperten Titelfigur einfängt. Die Dramatik kommt in der Partitur dezent und subtil, aber dennoch ausdrucksstark, zum Zuge.

Die folgende Suite ist in Bild und Klang nicht so toll, gibt aber, so hoffe ich zumindest, einen guten Querschnitt und Einblick in diese brillante Filmmusik:

 

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Noch ein Jönsson zur Ergänzung:  Das Hauptthema  zu DER ROTE SCHAL gab es einerzeit mal als Vinly-Single, doch hatte diese verpoppte Aufnahme nicht mehr viel mit der Originalmusik gemein. Hier der tatsächliche Soundtrack in einem Zusammenschnitt, bestehend aus Anfangs- und Schlußtitel.

 

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Ennio Morricone:  VIA MALA

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Diese 3-teilige Mini-Serie aus den 80er Jahren war bereits die dritte Verfilmung des dramatischen John-Knittel-Buches. Mario Adorfs Darstellung des tyrannischen Sägemühlen-Besitzers Jonas Lauretz dürfte eine seiner markantesten und denkwürdigsten Darbietungen sein. Die Musik von Ennio Morricone beginnt im Film mit dem dramatisch-aufbrausenden "Via Mala"-Thema. Auf den Tonträgern startet man dagegen wesentlich sanfter mit Silvies Thema, einer lieblich-nostalgischen, von den morricone-typischen, samtigen Streichern getragenen Melodie, die der von Maruschka Detmers gespielten Tochter zugeordnet ist. Dieses Thema verarbeitet Morricone im Folgenden auch noch in mehreren anderen Tracks, u.a. auch in "Un Vecchio Pittore", als sich zwischen ihr und einem Maler (Hans Christian Blech) eine väterlich-platonische Beziehung entwickelt. Ihr Thema ist das einzige im ganzen Score, das auch in all seinen Varianten von jeglichem dramatischen oder düsteren Beiwerk befreit ist. Alle anderen Tracks spiegeln mit dräuenden Motiven und bedrohlichen Streichern die allgegenwärtige, trostlos-aggressive Stimmung wieder, die ansonsten in Tom Toelles großartiger Inszenierung vorherrscht. Das schon erwähnte "Via Mala"-Thema ist dabei das markanteste, und dank seines häufigen Einsatzes im Film wohl auch dasjenige, das sich beim Zuschauer am ehesten festsetzt. Ein stampfender, martialischer Rhythmus mit plärrendem Blech und rabiaten Streichern, der den Lauretz-Charakter so exakt porträtiert, dass selbst Hörer, die den Film nie gesehen haben, unwillkürlich das Bild eines gewalttätigen, hitzköpfigen Tyrannen vor sich haben werden. Ein weiteres Kleinod ist das zwilichtige Carillon-Spiel in "Ninna nanna per una bambola senza vita", das einem kleinem, geistig behinderten Kind zugedacht ist und in einer Szene eingesetzt wird, in der Niklaus Lauretz nach dem Mord Spuren beseitigt und das Spiezeug der Kleinen in den Fluß wirft. Mit "La notte del delitto" klingt das Album mit einem 7-minütigen Suspense-Track aus und endet damit ebenso finster und unversöhnlich wie der Film selbst.

 

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DER ILLEGALE (1972) - Musik: Martin Böttcher

"Biografie eines Spions" lautet der Untertitel dieses Dreiteilers, der seine Geschichte nach wahren Begebenheiten erzählt. Anfang der 50er Jahre schleust der KGB den in kommunistischem Elternhaus aufgewachsenen, Wolgadeutschen Nikolai (Götz George) in die BRD ein, um dort unter einer bürgerlichen Tarnexistenz Spionagedienste auszuführen. Großartig, mit innovativer Schnittechnik, inszeniert von Günter Gräwert und hochkarätig besetzt. So glänzen in tragenden Nebenrollen u.a. Rolf Boysen und Gustav Knuth, sowie Paul Dahlke und Marga Maasberg (Hörspielfans freilich als Hexe Schrumpeldei in bester Erinnerung) als Nikolais Eltern.

Was aber mindestens ebenso großen Anteil hat am ausgesprochen positiven Gesamteindruck ist die Musik, und die kann kaum genug gepriesen werden. Gleich die Eröffnungssequenz kommt mit einer emotionalen Breitseite daher, die es wirklich in sich hat:  Die Kamera schwenkt über eine Blumenwiese hoch zu zwei spielenden Kindern, ein Junge und ein Mädchen. Sie laufen unbeschwert durch das Gras, daneben eine Ziege mit ihren Jungen. Martin Böttcher unterlegt die Aufnahmen mit einer unendlich elegischen, wunderschönen, russisch anmutenden Streichermelodie, die wohl mit Fug und Recht zu seinen schönsten Einfällen überhaupt gezählt werden kann. Doch etwas stimmt nicht. Irgendwie klingt das musikalische Arrangement zu wehmütig und ernst für dieses Idyll, bei dem man doch eigentlich eher etwas erwarten würde, was den kindlich-verspielten Charakter der Szene hervorhebt. Es dauert nicht lange, da sehen wir auch den Grund. Fahrzeuge nähern sich am Horizont und ziehen Staubfahnen hinter sich her. Die Kinder stehen auf und winken ihnen zu. Als sie näherkommen, ist es schon fast zu spät. Böttchers Elegie hört erst auf, als sie vom Rasseln der Panzerketten übertönt wird. Die Kinder rennen zurück zum Elternhaus als die ersten Projektile einschlagen. Nur eines von beiden überlebt.  - Obwohl kaum vier Minuten lang, ist diese Anfangssequenz von einer unglaublichen Intensität, was vor allem auf die Kombination von Böttchers Musik und Gräwerts brillanter Inszenierung zurückzuführen ist.

Im Folgenden wird das anfangs eingeführte Titelthema zum Leitmotiv durch den gesamten Film. Es behält dabei stets seinen melancholischen Charakter, auch wenn es beispielsweise bei einem Bootsausflug mit einer jungen Frau durch das sanfte Gitarrenspiel etwas lebensbejahender daherkommt. Als Nikolai schließlich seine Spionageaktionen ausführt, werden seine heimlichen Fotografier-Streifzüge durch die Stadt von einer weiteren Variation des Themas begleitet, das diesesmal einen eher zwilichtigen Charakter erhält und in dieser Form und in seiner Funktion an das Harry-Lime-Thema aus "Der dritte Mann" erinnert.

Eine Filmmusik von eigentlich sehr einfacher Struktur und umso stärkerer Wirkung. Sparsam und pointiert eingesetzt, nimmt sie sich ihren Raum und entfaltet eine große, dramatische Kraft. Eine Soundtrack-Veröffentlichung hat es leider auch hier meines Wissens nach nie gegeben. Das Stück "Stranger´s Serenade" ist ein spezielles Single-Arrangement des Themas, das aber freilich wesentlich süffiger und verkaufstauglicher arrangiert wurde. Klingt schön, aber ein Album mit den originalen Filmtracks wäre mehr als wünschenswert.

 

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Hach... es geht doch nichts über wohlige Kindheitserinnerungen. Sicher, manch ein Wiedersehen mit den Helden aus frühen Jugendtagen fällt in späteren Jahren eher ernüchternd aus. Der Weihnachts-Vierteiler SILAS kann mich jedoch auch heute noch begeistern und das liegt neben der spannenden Geschichte und der unterhaltsam-flotten Inszenierung zu einem nicht unerheblichen Teil auch an der Musik.

Bruhns thematisch vielseitige Kompositionen leisten nicht nur im Film wertvolle Dienste, auch auf der Fernseh-Kult-CD sind die 18 Tracks ein reines Hörvergnügen. Eröffnet wird das Album mit dem Titelthema, das sich mit seinen flirrenden Streichern, der eingängigen Melodik und dem mitreißenden Rhythmus wie ein direkter Verwandter von Doldingers Glücksdrachenflug aus der "unendlichen Geschichte" ausnimmt.

Beim FREUNDSCHAFTSTHEMA outet sich Bruhn als Morricone-Fan, erinnern doch nicht nur die ausladenden Streicher und die ätherische, weibliche Gesangsstimme stark an den italienischen Maestro. Beim Thema für MARIA, DAS BLINDE MÄDCHEN sieht es ganz ähnlich aus, lassen sich doch die dort vorkommenden Celesta(?)-Klänge unnmittelbar mit "C´era una Volta il West" assoziieren.

PFERDEKRÄHE wird die hinterhältige Antagonistin des Films genannt. Ihr Thema ist ein infernalisches, agressives E-Gitarren-Intermezzo, das auf dem Goblin-Album von "Dawn of the Dead" nicht Fehl am Platz gewesen wäre. Das Drehbuch hält für die Pferdekrähe im Laufe der Geschichte übrigens eine für eine Jugend-Serie bemerkenswerte, charakterliche Wandlung bereit, die der Figur eine unerwartete Ambivalenz und Tiefe verleiht. Auch dies ist ein Qualitätsmerkmal der Serie.

DIE MÜHLE AM FLUSS ist Schauplatz dramatischer Verfolgungsszenen und diese werden von einer schmissigen, synthetischen Musik a la "Captain Future" befeuert. Entspannter geht es da schon AUF DEM MARKTPLATZ DER KLEINEN STADT zu, wo mit relaxter, eingängiger Fötenmelodie und Gitarrenbegleitung fürs Ambiente gesorgt wird. DIE GROßE STADT präsentiert ein weiteres, gänzlich neues und gut geöltes Stück Pop-Musik in orchestralem Gewand, bevor wir mit einer kürzeren Variante des Titelthemas aus dem Album entlassen werden.

SILAS ist natürlich kein klassisch aufgebauter Filmscore, jeder Track steht mehr oder weniger für sich. Bemerkenswert ist auch der Umstand, das die zeitgenössisch-moderne Musik tadellos im Film funktioniert, obwohl die Handlung in vorindustrieller Zeit angesiedelt ist. Bruhn hat seinen eigenen Stil, einen großen, melodischen Einfallsreichtum und weiß seine Themen wirksam und dynamisch zu präsentieren. Wer mit den Advents-Vierteilern aufgewachsen ist, oder wer an der Musik von "Captain Future" oder "Sindbad" Gefallen findet, der wird SILAS ins Herz schließen, denn es ist eines von Bruhns allerbesten Filmmusik-Alben.

 

 

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Ein Fernsehmehrteiler aus der DDR, der mir meine Kindheit oft versüßt hat: Spuk im Hochhaus. Ein unglaublich witziges Werk, mit zwei herausragenden Hauptdarstellern und einer originellen Geschichte. In einer total guten Qualität liefer ich hier das Hauptthema :D Ahhh....da kommen Erinnerungen hoch. Schade, dass man den gesamten Soundtrack nie außerhalb des Films zu hören bekommen wird.

 

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Drei Filme, drei Komponisten, drei bemerkenswerte Kleinodien der 60er Jahre ...

... die mir irgendwann mal besonders positiv aufgefallen sind und die ich hier nun hintereinandergereiht vorgestellt wissen möchte. Denn sie haben Aufmerksamkeit verdient, ist doch jedes der drei Stücke ein auf seine Weise hörenswerter Teil deutscher Fernsehgeschichte.

1. Rolf Wilhelm:  SIR ARTHUR CONAN DOYLE  

Hinter diesem Titel verbirgt sich eine vom WDR produzierte, 6-teilige Sherlock-holmes-Reihe aus dem Jahr 1967. Ist man von Holmes-Verfilmungen sonst eher Dramatisches gewohnt, kommentiert Wilhelms pfiffiger Score die detektivischen Ermittlungen eher mit schelmischem Augenzwinkern und dem humorvoll eingearbeiteten Zitat der Big-Ben-Tonfolge.

2. Dave Hildinger:  FLUG IN GEFAHR

Dieser sehr sehenswerte Flugzeug-Thriller erzählt seine spannende Geschichte völlig ohne musikalische Unterstützung. Lediglich der Abspann gibt dem amerikanisch-stämmigen Komponisten die Gelegenheit die Handlung noch einmal akustisch zusammenzufassen. Getragene Hörner bringen die Maschine auf Kurs bevor hektisch geschlagene Klanghölzer Dramatik ins Spiel bringen. Eine Komposition die schon verblüffend an spätere John-Barry-Arbeiten erinnert. So ist z.B. der Bomben-Countdown aus "Goldfinger" hier gar nicht weit weg.

3. Peter Thomas:  WER EINMAL AUS DEM BLECHNAPF FRISST...

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis versucht Buchhalter Willi Kufalt im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, doch die ablehnende Haltung der Gesellschaft treibt ihn in die Kriminalität zurück. Großartige Fallada-Verfilmung mit einer starken Musik von Peter Thomas, bei der er auf seine sonst üblichen Spleenigkeiten verzichtet und sich tatsächlich mal als versierter Dramatiker erweist.

Meines Wissens nach gab es keine der drei Musiken jemals auf Tonträger zu erwerben.

 

 

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Am 20.1.2018 um 10:14 schrieb BVBFan:

Ein Fernsehmehrteiler aus der DDR, der mir meine Kindheit oft versüßt hat: Spuk im Hochhaus. Ein unglaublich witziges Werk, mit zwei herausragenden Hauptdarstellern und einer originellen Geschichte. In einer total guten Qualität liefer ich hier das Hauptthema :D Ahhh....da kommen Erinnerungen hoch. Schade, dass man den gesamten Soundtrack nie außerhalb des Films zu hören bekommen wird.

 

War das nicht eine komplette SPUK-Reihe? Ich erinnere mich, irgendwann mal SPUK UNTER DEM RIESENRAD gesehen zu haben. In den späten 90ern gab es dann doch noch die "Fortsetzungen" SPUK AUS DER GRUFT und SPUK IM REICH DER SCHATTEN. Weiß, dass mich die beiden Teile trotz der ganzen Teenie-Liebe sehr beeindruckt haben und hatte auch die Musik als recht stimmungsvoll im Gedächtnis - bis sie sich in einer erneuten Sichtung als Synthie-Gebrummel entlarvte.

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vor 13 Stunden schrieb Angus Gunn:

Drei Filme, drei Komponisten, drei bemerkenswerte Kleinodien der 60er Jahre ...

... die mir irgendwann mal besonders positiv aufgefallen sind und die ich hier nun hintereinandergereiht vorgestellt wissen möchte. Denn sie haben Aufmerksamkeit verdient, ist doch jedes der drei Stücke ein auf seine Weise hörenswerter Teil deutscher Fernsehgeschichte.

1. Rolf Wilhelm:  SIR ARTHUR CONAN DOYLE  

Hinter diesem Titel verbirgt sich eine vom WDR produzierte, 6-teilige Sherlock-holmes-Reihe aus dem Jahr 1967. Ist man von Holmes-Verfilmungen sonst eher Dramatisches gewohnt, kommentiert Wilhelms pfiffiger Score die detektivischen Ermittlungen eher mit schelmischem Augenzwinkern und dem humorvoll eingearbeiteten Zitat der Big-Ben-Tonfolge.

2. Dave Hildinger:  FLUG IN GEFAHR

Dieser sehr sehenswerte Flugzeug-Thriller erzählt seine spannende Geschichte völlig ohne musikalische Unterstützung. Lediglich der Abspann gibt dem amerikanisch-stämmigen Komponisten die Gelegenheit die Handlung noch einmal akustisch zusammenzufassen. Getragene Hörner bringen die Maschine auf Kurs bevor hektisch geschlagene Klanghölzer Dramatik ins Spiel bringen. Eine Komposition die schon verblüffend an spätere John-Barry-Arbeiten erinnert. So ist z.B. der Bomben-Countdown aus "Goldfinger" hier gar nicht weit weg.

3. Peter Thomas:  WER EINMAL AUS DEM BLECHNAPF FRISST...

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis versucht Buchhalter Willi Kufalt im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, doch die ablehnende Haltung der Gesellschaft treibt ihn in die Kriminalität zurück. Großartige Fallada-Verfilmung mit einer starken Musik von Peter Thomas, bei der er auf seine sonst üblichen Spleenigkeiten verzichtet und sich tatsächlich mal als versierter Dramatiker erweist.

Meines Wissens nach gab es keine der drei Musiken jemals auf Tonträger zu erwerben.

 

 

Interessant und in der Tat absolute Kleinodien. Da könnte man vielleicht auch noch Martin Böttchers "Kriminalmuseum" anfügen. Gibt es zu den dreien eigentlich gescheite Veröffentlichungen?

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vor 2 Stunden schrieb Mephisto:

Gibt es zu den dreien eigentlich gescheite Veröffentlichungen?

Meines Wissens nach nicht. Deswegen habe ich ja den DVD-Ton genommen. Gerade bei Thomas wundert mich das, gibt es doch sonst fast alles von ihm irgendwo auf irgendwelchen Samplern. Und von der "Blechnapf"-Musik ließe sich sicherlich auch ein komplettes Album zusammenstellen. Die anderen beiden enthalten sonst wenig bis gar keine Musik.

vor 2 Stunden schrieb Mephisto:

 Da könnte man vielleicht auch noch Martin Böttchers "Kriminalmuseum" anfügen.

Gut, dann machen wir das mal.

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Marrin Böttcher:  DAS KRIMINALMUSEUM

1963 startete das ZDF diese überaus erfolgreiche Reihe, die mit wechselnder Besetzung authentische Kriminalfälle filmisch nacherzählte. Wiederkehrendes Element war dabei die Vorspann-Sequenz in der eine Kamerafahrt durch die Räumlichkeiten des Museums bei einem bestimmten Gegenstand endete, der in der folgenden Episode eine entscheidende Rolle spielen sollte.

Auf der CD KRIMINALFILMMUSIK MARTIN BÖTTCHER, VOL. 2 sind 10 Tracks in einem ausgewogenen Mischverhältnis von Score- und Source-Music anzutreffen. Böttcher ist einer jener Komponisten, die einen leicht zu identifizierenden, sehr charakteristischen Stil haben und der kommt bereits in der Titelmusik voll zum Zuge. Seine Krimimusiken sind stets wohltemperiert, elegant, mit zwilichtigem Unterton. Auch wenn sie stilistisch dasselbe Feld beackern, sind sie doch von der ausufernden Wildheit und den schrägen Kapriolen eines Peter Thomas weit entfernt. Auch habe ich seit jeher Probleme damit, die Themen seiner Karl-May-Vertonungen auseinanderzuhalten, und bei manchen seiner Kriminalmusiken geht es mir da ähnlich. So fließen die zehn Stücke angenehm dahin, auch wenn ihnen hier und da vielleicht noch ein gewisser Funke fehlt. Neben der Titelmusik ist DAS NUMMERNSCHULD (aus der gleichnamigen Episode) mit einer sehr eingängigen Melodie ein Höhepunkt der Suite. Schöne Folge übrigens, die zum Teil in Düsseldorf spielt, und bei der die dortigen Polizeibeamten auch ordnungsgemäß im rheinischen Dialekt kommunizieren ("Könischsallee achtundzwanzisch, isch wiederhole...:D)

Die CD enthält außerdem noch die Musik von weiteren acht (Kino-)filmen und ist sehr empfehlenswert, auch wenn man es (LEIDER!) versäumt hat, die Musik zu DER ILLEGALE (siehe weiter oben) mit draufzupacken, die meiner Meinung nach Böttchers wertvollste Schöpfung ist.

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Am 28.1.2018 um 11:09 schrieb Mephisto:

War das nicht eine komplette SPUK-Reihe? Ich erinnere mich, irgendwann mal SPUK UNTER DEM RIESENRAD gesehen zu haben. In den späten 90ern gab es dann doch noch die "Fortsetzungen" SPUK AUS DER GRUFT und SPUK IM REICH DER SCHATTEN. Weiß, dass mich die beiden Teile trotz der ganzen Teenie-Liebe sehr beeindruckt haben und hatte auch die Musik als recht stimmungsvoll im Gedächtnis - bis sie sich in einer erneuten Sichtung als Synthie-Gebrummel entlarvte.

Genau. Ich habe allerdings aus der Reihe nur noch Spuk unter dem Riesenrad gesehen. War aber längst nicht so witzig wie Spuk im Hochhaus. Ich gebe zu, mehr als den sehr starken Nostalgieeffekt hat die Musik nicht zu bieten. Aber manchmal reicht das eben schon aus.

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Hans Posegga:  DER SEEWOLF

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Unter den Advents-Abenteuer-Vierteilern, die vom ZDF zumeist in Co-Produktion zwischen 1964 und 1983 produziert worden sind, nimmt DER SEEWOLF sowohl qualitativ wie auch vom Bekanntheitsgrad her mit Sicherheit einen der vordersten Plätze ein.

Und das völlig zu recht. Besser läßt sich die Geschichte nicht verfilmen. Begleitet von Reinhard Glemnitz´ angenehmer Erzählertimme greift hier schauspielerisch und inszenatorisch alles makellos ineinander. Und natürlich gilt das auch für die innovative und einprägsame Musik.

Poseggas Klänge sind rauh wie der Umgangston an Deck des von Wolf Larsen geführten Schoners "Ghost". Oftmals begnügt sich der Komponist mit nur sehr wenigen Instrumenten oder erzeugt mit repitiven Strukturen jenes besondere Flair, das ganz erheblich zur Gesamtatmospähre beiträgt. So werden die KINDHEITSERINNERUNGEN von einem eigentümlichen Klangteppich mit unterkühlten Banjo- und Cembalo-Akkorden begleitet. Fast so, als lägen diese Erinnerungen unter dichten Nebelschleiern verborgen, die es erst zu durchdringen gilt. Mit Stücken wie TREIBEN AUF OFFENER SEE oder DIE GHOST IN DER NEBELBANK begleitet Posegga mit schaurigen-wabernden Klängen die Mannschaft des Schiffes auf ihrer trostlosen Reise.

Ebenfalls bemerkenswert: AUF DEM WEG ZUM LAND DER KLEINEN ZWEIGE. Nachdem van Weyden an unwirtlicher Küste angespült wurde muß er sich, von Larsen eiskalt seinem Schicksal überlassen, tagelang alleine durch die karge Wildnis schlagen. Bis er schließlich am Ende seiner Kräfte und dem Wahnsinn nahe aufgegriffen und gerettet wird, wird seine strapaziöse Odyssee nur von den wie improvisiert hingestreuten Klängen einer einzelnen Flöte, oder dem Anschlagen eines Holzxylophons begleitet. Eine äußerst bukolische Tonkulisse, die grandios die Einsamkeit und Ausweglosigkeit der Situation wiedergibt. Im vierten Teil schließlich, auf der mysteriösen Insel von Swithin Hall, läßt Posegga seiner Experimentierfreude in Stücken wie DAS WINDRAD AM STEILHANG oder DIE PERLENTAUCHER dann freien Lauf und schafft im Zusammenspiel von elektronischem und akustischem Instrumentarium eine Klangkulisse, die der eines Horrorfilms gleich kommt.

Wie Inseln des Friedens zwischen all der rauen Kantigkeit liegen Tracks wie KURS AUF UMA oder DAS WEITE MEER, bei denen mit einfachen Melodien entspannte Südsee-Atmosphäre heraufbeschworen wird. Umrahmt wird das Ganze natürlich von einem höchst ungewöhnlichen Titelthema, das mit kantig-wuchtigem Percussion-Rhythmus und sperriger Melodie den Titel-Charakter trefflich porträtiert.

Zumindest in der deutschen TV-Fassung wird von einigen Stücken, wie etwa der schwelgerischen ROMANZE oder dem packenden MIT VOLLEN SEGELN, überhaupt kein Gebrauch gemacht, was in ausländischen Schittfassungen oder der deutschen Kinoversion womöglich anders war.

Eine außergewöhnliche und bemerkenswerte Filmmusik. Im Film effektsicher genutzt, und gerade für einen Fernseh-Mehrteiler sehr gewagt, nimmt sie doch kaum Rücksicht auf Konventionen oder Hörerfreundlichkeit.

Hier das Seewolf-Thema in der mit Blech und Streichern angereicherten Schlußtitelvariante (und ein wenig Beiwerk):

 

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Eigentlich eine in erster Linie österreichische Literaturverfilmung, aber filmisch wie musikalisch zu gut um sie deshalb nicht auch mal zu erwähnen:

Rolf Wilhelm: TARABAS

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Tarabas ist eine Joseph-Roth-Adaption des österreichischen Regisseurs Michael Kehlmann der mit sonorer Stimme auch als Chronist durch die Handlung führt.  Erzählt wird die Lebensgeschichte des russisch-stämmigen Katholiken Tarabas, der nach seiner Rückkehr aus Amerika während der Kriegswirren in Europa bis zum Oberst befördert wird, aber schließlich an seiner eigenen Schuld zerbricht, die er im Laufe seines Lebens auf sich geladen hat, und als Landstreicher nach Vergebung sucht.

Kehlmanns außerordentlich konzentrierte Inszenierung findet ihre Entsprechung in den großartigen darstellerischen Leistungen, allen voran natürlich Helmuth Lohner in der Titelrolle. Ein solcher Stoff verlangt auch nach einer anspruchsvollen Filmmusik, die dem hohen literarischen Niveau gewachsen ist. Und Rolf Wilhelm war ganz ohne Zweifel die richtige Wahl. Seine Partitur ist von rein sinfonischer Gestalt und das Hauptthema von epischem Charakter. Und dass die CD von Alhambra exzellent produziert worden ist, bedarf gerade hier im Forum wohl keiner besonderen Erwähnung.:winke-smilie: Die Booklet-Texte sind informativ und beschreiben die Musik sehr viel fachgerechter als ich dazu in der Lage wäre. Deshalb lediglich noch ein paar ergänzende Gedanken meinerseits: 

Beim AUFMARSCH DER TRUPPE fühlte ich mich in der Instrumentierung und dem gleichförmig-stampfenden Takt an Morricone erinnert. Es sind auch die pastoraleren Stücke wie MORGEN IM DORF UND MARIENWUNDER und ERINNERUNGEN, die besonders beeindruckend gelungen sind. In letzterem Track nimmt das Hauptthema einen stillen, wehmütigen Ton an. Eigentlich verwunderlich, dass Wilhelm dem Tarabas-Charakter ein Thema an die Seite stellt, das sowohl in seinen aufwühlenden wie auch in seinen schwermütigen Momenten die negativen Eigenschaften der Figur auszuklammern scheint. Immerhin hat man es als Zuschauer nicht leicht, dem jähzornigen, egoistischen und rücksichtslosen Tarabas irgendwelche Sympathien entgegenzubringen. Aber es funktioniert...

Große Filmmusik für den kleinen Bildschirm, und eine unbedingte Empfehlung für alle, die sie noch nicht haben. Das gilt selbstverständlich auch für alle anderen CDs der Wilhelm-Edition, die mit HIOB, FLUCHT OHNE ENDE und RADETZKYMARSCH auch die Musiken zu Kehlmanns anderen drei Roth-Adaptionen enthalten. Die Filme sind allesamt auf DVD verfügbar und zeugen mal wieder von einer Zeit, in der dem Fernsehpublikum noch wirklich anspruchsvolle Stoffe zugemutet werden konnten.

 

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Historische Erzählungen:  Drei weitere bemerkenswerte Fundstücke

1. Rolf Unkel: DES CHRISTOFFEL VON GRIMMELSHAUSEN ABENTEUERLICHER SIMPLIZISSIMUS (1975)

Die skurrile Geschichte des einfältigen Simplex, der seinem bäuerlichen Elternhaus entrissen wird, einen gesellschaftlichen Aufstieg erfährt und sich am Ende freiwillig in die Abgeschiedenheit der Wälder zurückzieht, um dort wie der verstorbene Einsiedler, der ihn einst bei sich aufgenommen hat, sein Leben zu verbringen, wurde 1975 im Auftrag des ZDF in vier Teilen verfilmt. Rolf Unkel (1912-1990) ist einer der vielen, sang- und klanglos in Vergessenheit geratenen Komponisten, die die deutsche TV-Landschaft musikalisch bereichert haben. Seine SIMPLIZISSIMUS-Musik reicht von dramatisch-archaischen Klängen für den zeitgeschichtlichen Hintergrund (der 30-jährige Krieg) bis zur gramvollen Elegie.

2. Rudolf Gregor Knabl: DER EISERNE WEG (1984)

Im 19. Jahrhundert verläßt der junge Veit Kolb sein bayerisches Heimatdorf. Sein Ziel heißt Amerika. Um sich die Überfahrt leisten zu können verdingt er sich zunächst als Waldarbeiter und landet schließlich bei der Eisenbahn, wo er unter üblen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen beim Streckenbau mithilft. Eine großartige, sehr autenthisch anmutende, 5-teilige Mini-Serie, die eine wunderbare, von Zither- und Streicherklängen dominierte Musik bekommen hat.

3. Rolf Wilhelm: DIE FÜNFTE JAHRESZEIT (1982)

In neun Episoden wird generationsübergreifend das Leben der Familie Perwanger in einem tiroler Bergdorf geschildert, angefangen von 1880, über zwei Weltkriege bis zum wirtschaftlichen Aufschwung mit der Wintersportindustrie. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der soganannte Schneeschuh, der zunächst lediglich als zweckmäßiges Fortbewegungsmittel genutzt wurde, bis er in modernen Zeiten den Skitourismus begründete. Bis auf die letzten beiden Episoden wird diese wundervolle Serie von Rolf Wilhelm musikalisch betreut, und leider hat es bisher nichts von seinen Kompositionen hierzu auf Tonträger geschafft. Dabei wären die düster-romantischen, manchmal schwermütigen Themen unbedingt eine Entdeckung wert.

 

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Jürgen Knieper:  DER ZAUBERBERG

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Die Adaption von Thomas Manns "Zauberberg" existiert in einer Fernsehfassung und in einer sehr viel kürzeren Kino-Schnittfassung. Die Meinungen hierzu gehen zum Teil weit auseinander. Auch wenn oft bemängelt wird, dass die Verfilmung nicht der Vielschichtigkeit der Vorlage gerecht wird (und auch nicht gerecht werden kann) so ist die optische Umsetzung in ihrer opulenten Ausstattung zweiffellos höchstes Kaliber.

In der immerhin rund 5-stündigen TV-Fassung ist DER ZAUBERBERG ein mitunter anstrengendes, aber letzten Endes auch lohnendes Erlebnis. Besonders das merkwürdig affektierte Spiel des Hauptdarstellers Christoph Eichhorn verhindert weitgehend eine Identifikation mit seiner Figur und hält den Zuschauer letzten Endes auf Distanz. Über alle Zweifel erhaben ist dagegen die sinfonische Musik von Jürgen Knieper, bei der er sich an Mahler und Strauss orientierte.

In den ersten Minuten gibt es einen langsamen Schwenk über die dämmerige, schweizer Berglandschaft, bis schließlich, von opernhafter Dramatik begleitet, das Sanatorium ins Bild rückt. Bereits hier wird die eigentümliche Atmosphäre, die bedrückende Morbidität dieses Ortes etabliert, der der zentrale Handlungsort der Geschichte ist. Auch später schwelgt Knieper gerne mal in tiefsten Basstönen, bis der Film (wie auch das Album) mit dem unerhört packenden KRIEG einen dramatischen Abschluß von seltener Intensität erfährt.

Bisher hat es leider niemand für nötig gehalten, diese Filmmusikperle mal in Form einer CD aus der Versenkung zu holen.

https://www.youtube.com/watch?v=OFGirLWJAB0

 

 

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vor 41 Minuten schrieb Angus Gunn:

Jürgen Knieper:  DER ZAUBERBERG

Bisher hat es leider niemand für nötig gehalten, diese Filmmusikperle mal in Form einer CD aus der Versenkung zu holen. 

https://www.youtube.com/watch?v=OFGirLWJAB0

 

 

 

 

"Der Zauberberg" ist mit  knapp 26 Minuten auf der CD Angewandte Musik - Musik für Film und Fernsehen: Walzer, Marsch und Teufelsklänge (Musik zu Thomas-Mann-Filmen) vertreten:

https://www.amazon.de/Angewandte-Musik-Fernsehen-Teufelsklänge-Thomas-Mann-Filmen/dp/B00005B0SH

Die CD enthält Musik von einigen weiteren Hochkarätern der deutschen Filmmusik (Rolf Wilhelm, Hans-Martin Majewski, Eugen Thomass...).

Meine persönlichen Lieblings-Scores von Jürgen Knieper sind "Après la Guerre" (Der Krieg ist aus) und "Der Himmel über Berlin".

https://www.youtube.com/watch?v=JkTYU40vRYc

https://www.youtube.com/watch?v=WUtxIODAvnU

 

 

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Oh, das mit der CD ist ein guter Hinweis. Kenne ich noch garnicht. 26 Minuten - immerhin.

Der Zauberberg ist tatsächlich mein Lieblingsscore von Knieper, allerdings kenne ich auch nicht viel von ihm. "Der Himmel über Berlin" finde ich als Musik nicht so ohne weiteres zugänglich, aber doch auch faszinierend. (nur mit dem Film selber kann ich mich nicht anfreunden).

"Der Krieg ist aus" ist mit unbekannt. Klingt sehr schön, wie wär´s denn mit einer Knieper-Edition bei Alhambra?

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Mit dem Film "Himmel über Berlin" Film bin ich auch nie warm geworden (im Gegensatz zur Musik) - ganz im Gegensatz zum wunderbar inszenierten "Der Krieg ist aus", bei dem ich Film und Musik gleichermaßen schätze.

Bei "Himmel über Berlin" habe ich mir die Musik so zusammen gestellt: Himmel über Berlin / Die Kathedrale der Bucher / Der Sterbende auf der Brücke / Potsdamer Platz / Urstromtal / Der alte Mercedes / Der paranoide Engel - so hat die Musik einen klaren Fluss und wird durch die unterschiedlichen Stücke/Stile auf der CD nicht ständig "hin und her gerissen".

"Der Krieg ist aus" ist auf CD bei Milan entschieden und kriegt von mir eine klare Empfehlung.

Bezüglich Alhambra / Jürgen Knieper - prinzipiell gerne, allerdings besteht augenblicklich kein Kontakt und wir sind gerade an drei anderen Projekten dran, die dieses Jahr noch erscheinen sollen.

 

 

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TEUFELSMOOR

Diese 6-teilige Mini-Serie von 1982 kannte ich bisher gar nicht, habe sie mir am Wochenende komplett angeschaut und bin immernoch mehr als beeindruckt. Es geht um die Besiedlung und die wirtschaftliche Erschließung jenes niedersächsischen Landstriches, dem man dereinst den Namen Teufelsmoor gegeben hat. Im Jahre 1760 verdingt sich Johann Kehding dazu, an der Kultivierung und wirtschaftlichen Erschließung des Moores teilzunehmen. Die folgenden Episoden zeigen jeweils einen Abschnitt aus dem Leben der nachfolgenden Generationen der Kehdings bis in die Gegenwart und erlaubt sich am Ende sogar noch einen Blick in die Zukunft.

Das ist alles unglaublich authentisch inszeniert. Besonders die anfänglichen Episoden, die die schwierigen Lebensbedingungen des 18. und 19. Jahrhunderts darstellen sind großartig und in ihrem rauen, nichts beschönigenden Charakter ungeheuer spannend. Gelegentlich schleicht sich sogar auf skurrile Weise ein mytisches Flair ein (z.B. in der Folge mit dem Meteoriteneinschlag). Einige Grausamkeiten sind auch nicht ohne, und die Szene, die die Schlachtung eines Schafes zeigt, ist wirklich grenzwertig und kaum zu ertragen. Ich hoffe mal, dass es sich dabei um einen Filmtrick gehandelt hat, ganz sicher bin ich aber nicht.

Gesprochen wird in plattestem Norddeutsch, wobei sich eine zweite Tonspur mit Überstimme dazuwählen läßt, die die wichtigsten Handlungspunkte zwischendurch in Hochdeutsch zusammenfaßt.

Die Musik stammt von Jens-Peter Ostendorf, der u.a. auch Hark Bohms Jugenddrama YASEMIN vertont hat. Das Hauptthema hat einen epischen Charakter, während der Score ansonsten mehr auf ruhige, melancholische Klänge setzt.

Ich frage mich wirklich immer wieder, woher der schlechte Ruf herrührt, der der deutschen Filmlandschaft im Allgemeinen anhaftet. An Serien wie dieser kann es nicht liegen.

 

 

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Gute Serien gibt es tatsächlich immer wieder in Deutschland, teilweise auch gute Filme, aber insgesamt haben doch leider immer noch die seichten romantischen Komödien die größte Breitenwirkung und wer mit den düsteren und dräuenden Krimikonzepten insgesamt nicht so viel anfangen kann, findet momentan auch in der TV-Landschaft kaum etwas ansprechendes. Weitaus faszinierender finde ich ja mittlerweile diese ganzen Frankreich-Exporte. Gefühlt jede Woche schwappt aus dem Nachbarland wieder irgendeine pseudo-sophisticated Komödie rüber, die "ein bisschen intellektuell, aber auch ganz charmant die ernsten Probleme unserer Zeit mit etwas Augenzwinkern, aber leichtem Tiefgang präsentieren" wollen: ob jetzt ein älterer Herr sich bei Elitepartner anmeldet, eine taubstumme Familie in der Provence Krabben auf dem Wochenmarkt verkauft, eine junge syrischstämmige Studenten einen alten Macho-Professor auf die rechte Bahn bringen muss etc. pp. Schon ZIEMLICH BESTE FREUNDE war ein überaus verzichtbarer Schwulst, aber was einem jetzt immer wieder unter dem vermeintlichen "Qualitätssiegel": "Die neue Komödie aus Frankreich" präsentiert wird, ist echt zum Abgewöhnen.

Klammer zu! ;) Die erwähnte Serie kenne ich gar nicht, klingt auch - ehrlich gesagt - nach ziemlich starkem Tobak. Die filmische Darstellung von beschwerlichen Lebensumständen gestaltet sich ja gerne etwas zäh (siehe MEEK'S CUTOFF), aber die sprachliche Komponente reizt mich sehr.

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